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Nummer 38. Fernsprecher 951 und 952. Sonnabend, 2v. Januar 1S12. Fernsprecher 951 und 952. 2. Jahrgang.
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Sos Licht vom Aordev.
Tas Frauenstimmrecht im modernen Staat.
Aus E h r i st i a n i a meldet ein Telegramm: DaS Landesparlament nahm gestern abend einen Gesetzentwurf an, nach dem Frauen unter den gleichen Bedingungen wie Männer Staats- ämter erhalten können, mit Ausnahme der Ministerposten, geistlicher, diplomatischer, Konsular- und militärischer Aemter.
Die moderne Zeit schreitet mit Riesenschrit- f«n durch Europas kalten (unb doch so lebenswarmen, fortschritt- und kultursrohen) Norden. Im Lande Haakons ist gestern durch Beschluß des Volksparlaments der Frau die Bahn zum Wettbewerb mit dem »starken Geschlecht" im öffentlichen Leben weit geöffnet worden, und tags zuvor ward im Nachbarland Schweden in feierlichster Form In der Thronrede des Königs vorm Reichstag) den Frauen Schwedens die politische Gleichberechtigung in Aussicht gestellt: Die Regierung wird in dieser Seflion noch ein Gesetz vorle- gen, dar den Frauen daS gleiche Wahlrecht, die aleiche Wählbarkeit wie den Männern gewährt. Das Ministerium tut dies (tote der König vor dem Reichstag erklärte), weil eS diese Reform für gerecht und dem Staate nützlich er- achtet. Die groß« politische Idee, die einen neuen Teil der Bevölkerung zum Leben des Staates zulasten will, und damit nicht nur ethische, sondern auch praktische Ziele verfolgt: Sie hat also wieder einen Sieg zu verzeichnen. Nicht den ersten in Europa: Gerade im Norden unsrer Kultur, in Norwegen und in Finnland, besitzen die Frauen längst das Recht, die Geschäfts ihres Landes zu beeinflnsten, zu wählen und sich wählen zu lasten. Im Stor- thing gibt es ein »Fräulein Abgeordnete", im finnischen Landtag sogar mehrere. Und Norwegen ist trotzdem noch nicht in einer Explosion aller Leidenschaften zugrunde gegangen, und auch Finnland lebt sein nationales und kulturelles Leben fort, soweit cs äußrer Druck eestattet. Zu diesen zwei Beispielen, die höchstens gar nichts, aber sicherlich nicht die geg- neriscke These beweisen, gesellt sich jetzt ein drittes.
Die Frau wird dem Parlament der Schweden ihre heitre und doch etwas kühle Art, die frauenhaft verklärte Vernünftigkeit mitteilen, die so häufig in der abseits von Strindberg blühenden Literatur Schwedens gerühmt wird, und daS Wesen des Parlamentarismus kann davon nur gewinnen. Mit dem schwedischen Frauenwahlrecht wird übrigens ein Kampf gekrönt, der seit der Mftte des vorigen Jahrhunderts rege, aber in gemestnen Formen ange. dauert hat. Seitdem Frsderika Bremer in ihren Romanen aus dem Alltagsleben dir denkenden Frauen auf dies Ziel gewiesen, hat es die schwedische Frauenwelt nicht mehr aus dem Auge gelassen. Mehr als ein halbes Säkulum lang hat sie sich auf den Sieg vorbereitet, hat sie ihre politische und soziale Bildung vertieft, ist sie im öffentlichen Leben des Mannes wahrste und beste Gefährtin geworden. Nun gibt man ihr. was ihr zu verweigern unmöglich scheint. Wenn etwas ihren r Sieg verdient (unb ein Ideal ganz zu erreichen, ist nicht gering zu schätzens, so ist er die Form ihres Kämpfens und Strebens gewe- sen. In dieser vielumstriltnen Frage kommt das Licht aus dem Norden: Tas Licht für die Männer, die heut noch im alleinigen Besitz der politischen Macht sind und ihren Ge: nutz zu weigern oder zu gewähren haben, Aber auch für d i e Frauen, die von ihren nordischen Schwestern lernen sollen, wie man für eine Idee wirbt, streitet und sie bis zum Erfolg fortführt.
Nord und West unterscheiden sich im Ringen um höhere Ziele grundsätzlich: In Norwegen. Schweden und Finnland hat die Frau selbstverleugnend, aber still um ihr Recht gerungen; in England warb sie mit den Mitteln des Gassenkampfs (mit Prügeleien. Ministerüber- sallen und Attentaten), um ihr Ideal. Die ‘ englische Lady, dieses Wunderbild einer lebensvollen Tradition und einer vornehmen Eigennatur, ist fast ganz hinter der Sussra. gelte verschwunden, die alle Weiblichkeit ablegt, wenn sie für die Weiblichkeit kämpft. Und trotz der Drohungen und ihrer genauen Ausführung hat die englische Frau nickt erreicht, was ihre schwedische, norwegische und sinni- fcke Schwester erworben hat: Sie sieht noch den vollen Kampf vor sich, wo jene schon den Sieg organisiert. Tas Frauenwahlrecht ist im Westen unsrer politischen KulMr noch weit entfernt. Krone, Regierung und Parlament für sich zu haben, wie im Norden. Allerdings ist auch da «in Teilerfolg zu verzeichnen: DaS
Kabinett Asquith, das so vielen Stürmen standgehalten, soll angeblich durch das Frauenstimmrecht eine Bresche erlitten haben. Es klafft, in zwei Parteien gespalten. Mit einer Offenheit,die man in andern Ländern nicht fin. bet, bekämpfen sich diese beiden Gruvpen des Ministeriums vor Deputationen und Volksversammlungen, und einer Erklärung eines Anhängers des erweiterten Wahlrechts folgt ganz gewiß die fulminante Rede eines Gegners, der in der »Frauenherrschaft" Old-Englands „KulturVerhängnis" wittert.
DaS alles ist allerdings vorläufig nur Spiel, ein theoretisches Vergnügen, das aber sicher nicht obne praktische Folgen bleiben wird. Ein Gesetz, dem Asquith die Ehren einer ersten Lesung gelassen hat, und das die wichtigste Frauensrage der modernen Zeit ins Rollen bringen soll, mutz bald seinen weitern Parlamentarischen Weg nehmen, und wenn der Kabinettschef dagegen, die Seele des Ministeriums aber dafür ist, so muß das Zusam- menarbeiten der beiden und ihres Gefolges ins Stocken geraten. Dazu die Anstürme der Straße, die die Suffragetten jetzt beherrschen ... es wäre gar nicht zu verwundern, wenn ihre (allerdings nicht besonders zarten) Frauenhände das zustande und das Ministerium zu Fall brächten,' das die Aristokratenhände der Lords nicht erschüttern konnten. Die Weltgeschichte ist so oft von kleinen Frauenhänden geleitet und bestimmt worden: Warum sollte also bi« Nüchternheit britischer Negierungsarbeit bauerhafter unb widerstandsfähiger sein, als die gewalttgen Fundamente weltgeschichtlicher Entwicklung, die mehr als einmal bas Blitzen eines schönen Frauenauges in ihren Grunb- sesten erschüttern ließ? Aber Das ists nicht, das uns an diesem Wandel fesselt: Das Kultur-Charakteristikum der modernen Frauenbewegung ist ihre intensive Wirksamkeit grade in denjenigen Ländern, deren schwerblütige Volkheit auch das politische Leben ruhiger, leidenschaftsloser und ernster formt als die beweglichere Art südlicherer oder westlicher Rasse. Der Ernst politischer Frauenideale wird dort nach seinem ideellen Wert gewürdigt, und die Arbeit im Dienst einer kulkürstar- ken Sache nach Gebühr geschätzt. Wann werden wir, die nicht manche Breitengrade vom »Licht des Nordens" trennen, am selben Wegziel stehen . . .? -an.
P?e«ßms neue Zteuergesetze.
Stärkere Belastung der hohen Einkommen.
Die neuen preußischen Steuernovellen sind gestern im Abgeordnetenhause ausgegeben worden. Durch die provisorische Regelung der Einkommensteuer im Jahre neunzehnhundertneun (die bekanntlich zur Erhebung von Steuerausschlägen führte) sollte von bett Steuer« zu schlagen ein Steuermehraufkommen von rund siebenundfünfzig Millionen Mark bedingt werden. Diese Erwartung hat sich erfüllt. Der neue Entwurf erhöht deshalb weder die Zuschläge, noch erhöht er die bisherigen Tarife. Nur bei den höher» Einkommen wird die Steuer um ein minimales infolge der Neuordnung der Skala erhöht.
Sie MMN MNkoMUM»steMr-Satz s.
Die neuen Einkommensteuer» sätze für physische Personen werden nach der neuen Steuernovellc eine Neugestaltung erhalten. E§ werden erhoben an Staats-Einkommensteuer vom erste» April nächsten Jahres ab bei einem Einkommen
von 900 bis von 1050 bis von 1200 bis von 1350 bis von 1500 bis von 1650 bis von 1800 bis von 2100 bis von 2400 bis von 2700 bis von 3000 bis von 3300 bis von 3600 bis von 3900 bis von 4200 bis von 4500 bis von 5000 bis von 5500 bis von 60oo bis von 6500 bis von 7000 bis von 7500 bis von 8000 bis von 8500 bis von 9000 bis
1050 M.: 6 M.
1200 M.: 9 M.
1350 M: 12 M.
1500 M.: 16 M.
1650 M.: 22 M.
1800 M.: 27 M.
2100 M.: 32 M.
2400 M.: 38 M.
2700 M.: 46 M.
3000 M.: 55 M.
3300 M.; 66 M.
3600 M.: 76 M.
3900 M.: 88 M.
4200 M-: 100 M.
4500 M.: H2 M.
5000 M.: 128 M.
5500 M.:
144 M.
6000 M.:
160 M.
6500 M.:
176 M.
7000 M.:
192 M.
7500 M.:
208 M.
8000 M -:
224 M.
■»in
8 ,00 M.:
240 M.
9000 M.:
260 M.
9500 M.:
280 M-
von 9500 bis 10000 M-: 300 M.
Die Skala steigt bis zu einem Einkommen biS 20000 Mark um je 500 Mark Mehreinkom- men um 20 Mark für je 500 Mark. Sie erreicht bei 20 000 Mark den Satz von 700 Mark. . Bon
20 000 Mark steigt bet Satz um 3,7 bis etwa 30 000 Mark, bann um vier Prozent bis 36 000 Mark. Bei einem Einkommen von über 185 000 Mark beträgt der Satz fünf Prozent.
Am Vorabend der Nachwahlen.
Die gescheiterte „Sammelparole" des Kanzlers.
Die offiziöse Norddeutsche Allgemeine Zeitung bringt zu den bevorstehenden Stichwahlen folgende (offenbar ans dem Kabinett des Kanzlers stammende) Kundmachung: Der Reichskanzler hat es für seine Pflicht gehalten, gemäß den von uns veröffentlichten Kundgebungen noch einen Versuch zu machen, um eine Verständigung unter den bürgerlichen Parteien aus der Grundlage gegenseitiger Unterstützung bei den Stichwahlen gegen sozialdemokratische Kandidaten herberzuführen. Der Versuch ist gescheitert. Sckon bei den Vorbesprechungen ergab sich, daß die liberalen Parteileiter nicht bereit waren, an einer Konferenz teilzunehmen, in der eine allgemeine Vereinbaru.tg auf der erwähnten Basis erörtert werden sollte. Freisinnige Blätter stellen es so dar, als ob der Beweggrund für das Bestreben, die gemeinsamen Interessen der bürgerlichen Parteien bei den Stichwahlen gegenüber der Sozialdemokratie zur Geltung zu bringen, in der Erhaltung der sogenannten „schwarz- blauen Mehrheit" liege. Was in Wahrheit den Reichskanzler, wie überhaupt jeden Politiker, der den sichern Gang der Reichsgeschäfte fördern will, bestimmen muß, einer Begünstigung der Sozialdemokratie entgegenzuwirken, ist nicht die Rücksicht auf diese oder jene Gruppierung der bürgerlichen Parteien, sondern der Gegensatz, in dem die Lehren unb das Treiben der sozialdemokratischen Partei zu den bestehenden verfassungsmäßigen Zuständen, zu Staat und Gesellschaft, stehen. Wer daher um der vermeintlichen Gefahr einer Abhängigkeit der Regierung von einer schwarzblauen Mehrheit willen die Bevorzugung sozialdemokratischer Kandidaten bei den Stichwahlen empfiehlt, macht sich der Irreführung liberaler Wähler schuldig. '
Mk MStzgiKM MkchWKMN.
Außer im Wahlkreis Cassel-Melsungen finden am morgigen Sonnabend in folgenden Wahlkreisen Stichwahlen statt (die Nummer vor den Wahlkreisnamen ist die Ziffer der Wablkreisbezeichnung):
2 Labiau-Wehlau
4 Königsberg Land
9 Tilsit-Niederung
11 Gumbinnen- Insterburg
37 West-Priegnitz
38 Ost-Priegnitz
39 Ruppin - Templin
45 Zauch-Belzig
49 Königsberg (Neumark)
58 Uckermünde- Usedom
93 Landkr. Breslau
112 Sagan«Sprottau
115 Löwenberg
117 Landeslmt-Jauer
120 Rothenburg-Hoyerswerda
133 Mansfelder See- und Gebirgskreis
142 Apenrade - Flensburg
143 Schleswig- Eckernförde
146 Pinneberg- Ottensen
149 Oldenburg-Plön
150 Herzogtum - Lauenburg
151 Emden-Norden
155 Melle-Diepholz
156 Verden-Hoya
159 Hameln - Linden
167 Harburg-Rothenburg
168 Stade - Bremervörde
169 Otterndorf »Neu- haus
1J4 Minden-Lübbecke
1/2 Herford-Halle
1,6 Bielefeld-Wieden- brück Lamm-Soest
188 Wiesbaden
190 Weilburg-
Limburg
101 T illen bürg-Unter- westerwald
103 Rinteln-Hofgeismar
195 Fritzlar-Homberg
196 Efchwege-Schmal- kalden
197 Marburg- Frankenberg
198 Hersfeld - Rothenburg
219 Wetzlar-Altenkirchen
222 Kreuznach-Simmern
229 Saarbrücken
230 Ottweiler -
St. Wendel
252 Landau-Neustadt
253 Germersheim
254 Zweibrücken
265 Kronach
277 Schweinfurt
278 Würzburg
279 Augsburg
284 Jmmenstadt
286 Bernstadt-Löbau
287 Bautzen
289 Dresdett-Mtstadt
293 Freiberg
295 Os chatz-Grimma
296 Stadt Leipzig
298 Borna-Pagau
325 Konstanz-Ueber- lingen
326 Donaueschingen- Villingen
32fi Lörrach-Müllheim
329 Freiburg-Waldkirch
331 Kehl-Offenburg
334 Karlsruhe
336 Heidelberg
348 Hagenow - Grevesmühlen
349 Schwerin - Wismar
350 Parchim - Ludwigslust
351 Moldau - Waren
352 Rostock
353 Güstrow
357 Mecklenburg-
Strelitz
362 Helmstedt - Wolfenbüttel
364 Meiningen
367 Coburg
babetter Wahlkreis zugesagt. Ta die beiden Parteien bei bett in Frage stehenden Stichwahlen bett Ausschlag geben, ist in Höchst-Homburg die Wahl des Zentrilmskandidaten unb in Wiesbaden Bartlings Wahl so gut wie gesichert. Auch in einigen andern süddeutschen Wahlkreisen sind ähnliche Abkommen getroffen worden.
Essen a. R., 19. Januar.
Der Vorstand der nattonallibera- len Partei in Westfalen beschloß, mit dem Zentrum in Verhandlungen einzutreten zum Zwecke gegenseitiger Unterstützung in den Wahlkreisen Dortmund, Bochum, Gelsenkirchen. Essen und Duisburg-Mühlheim. Die Ver- Handlungen werden auf der Basis geführt, daß die Nationalliberalen dem Zentrum bet der Stichwahl Wahlhilfe in Dortmund und Essen leisten und dafür das Zentrum die Na- tionalliberalen in Bochum. Gelsenkirchen unb Duisburg-Mühlheim unterstützt.
Berlin, 19. Januar.
Zwischen den Parteileitungen der Deutschen Reichspartei und der nationalli- Hera len Partei sind Vereinbarungen dahin getroffen worden, daß beide Parteien sich in einer Anzahl von Wahlkreisen gegenseitige Stichwahlhilfe leisten. Es kommen hauptsächlich mittel- und ostdeutsche Wahlkreise in Frage. Die von dem geschäftsführenden Ausschuß der Fortschrittlichen Volkspartei ausgc- gebene Wahlparole hat die Leitung der Reichspartei veranlaßt, ihre Parteigenossen zu ersuchen, keinen zur engem Wahl siebenden Kandidaten der Fortschrittlichen Volkspartei zu unterstützen.
Nur Revanche für Lux?
Die neueste französische Sensation.
(Privat-Telegramm.)
Paris, 19. Januar.
Gestern ist in Toulon ein Diebstahl begangen worden, über den die Polizei zuerst strengstes Stillschweigen beobachtete. Erst gegen abend konnte man erfahren, daß ein Individuum in die Wohnung eines Offiziers eingebrochen war und dort wichtige militärtech- nifche Dokumente, die ausführliche Berichte über bie letzte Fahrt des Lenkballons »Abjuiant V ine ent" enthielten, gestohlen hatte. Wie weiter sestgestellt werben konnte. ist der Dieb in bie Wohnung bes Kommandanten der Luftfchiffahrtsstatiott eingebrun- gen, hat bort bie Aufzeichnungen an sich genommen, bie deshalb (und zwar besonders für Deutschland) von großer Wichtigkeit sind, weil das Luftschiff feine letzte Fahrt über bie deutschen Grenzbefestigungen ausgeführt hat, bei welcher Gelegenheit diese Pläne angefertigt worden sind. Man vermutet nun auch, daß der Täter ein Deutscher ist, der in der Nachbarschaft des Offiziers gewohnt hat und seit dem Bekanntwerben bes Diebstahls verschwunben ist. Wie man in später Abenbstunde in Erfahrung bringen konnte, soll sich der Täter nack Nancv unb von dort mit einem nach Straßburg fahrenden Zuge nach Deutschland begeben haben. Da er aber einen Vorsprung von mehreren Stunden hatte, so konnte an seine Verfolgung nicht mehr gedacht werden.
Ein weiteres Privattelegramm meldet uns aus Paris: Wie verlautet, ist eine erhebliche Verteuerung der französischen Panzerschiffe zu erwarten. Dieft soll durch bie erhebliche Preissteigerung des Stahls hervorgerufen werden. Der Mehrpreis soll sick auf fünf t>i§ zehn Millionen Francs belaufen. Die Schuld für diese erhebliche Mehrausgabe soll das M a r in eministe- rtum treffen, das es verabsäumte, rechtzeitig die erforderlichen Bestellungen zu machen. Aus diesem Grunde soll D e l c a s s 5 auch gezögert haben, das Marineportefeuille wieder zu übernehmen.
Mnmrck-Reminirrenzen.
Aus dem Tagebuche einer Jugendfreundin. (Don unserm Korrespondenten.)
Sehr lesenswerte Blsmarck-Ertnnerungenver- öffentlicht in diesen Tagen die Rigaschc Zeitung. Sie sind den Auszeichnungen ind Briefschaften einer Judendfrcundin de« Fürsten Bismarck entnommen, einer Dame, die (rote aus verschiedenen Briesstellen geschlossen werden kann) entweder selbst in einer der russischen Lftseeprovinzen gelebt oder doch zu deutschrussischen Streifen verwandtschaftliche Beziehungen gehabt hat. Einige der anziehenden und beachtenswerten Notizen feien hier rotebergegeben:
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Stichwahl-Parolen der Parteien.
(Privat-Telegramm e.)
Hanau, 19. Januar.
Im nassauischen Wahlkreis Höchst-Hom- burg haben die Nationalliberalen beschlossen, in der Stichwahl den Zentrumskanbi- baten zu üntefftützen. Das Zentrum hat als Gegenleistung bie Unterstützung des national« liberalen Kandidaten Bartling im Wies»
Berlin achtzehnhundertbreiunbachtzifl, Montag, den ersten April. Heute ist Bismarcks achtundsechzigster Geburtstag; ich war ins Reichskanzlerpalais gefahren unb kam als zweiter Gratulant, gleich nach Prinz Wilhelm. Eine Fülle der schönsten Blumen stand in allen Räumen, unb außerdem sah ich ein Reiterbilb von Prinz Wilhelm mit eigenüä«. biger Unterschrift. Ter Fürst war aber sebr matt, ging bald auf sein Zimmer und ließ sich die Mardlumen nachbringen ..