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CaffelerMM Nachrichten

Nr. 35

Zweiter Jahrgang

And doch!

Gericht und Recht

Munde.

Laxln-Confett

überschritt. Den einen hatte er mit dem Stock über den Kopf geschlagen, einem andern die Obren blutig gerissen, wieder einem ande­ren ein Stück Kreide an den Kops geworfen, so daß die Kinder mehr oder minder schwere Verletzungen davontrugen. Dem Schüler Wer­ner batte er sogar eine hölzerne Ppramrde an den Kops geworfen, die dieser anstelle emeS Kegels aus dem Schrank genommen hatte. Das Gericht hat in diesem Tun Mauers (der wegen Körperverletzung bereits vorbestraft ist)'Nickt eine Züchtigung, sondern eine grobe Miß­handlung der Schüler erblickt. Gegen obi­ges Urteil hatte Mauer Revision eingelegt, in der er Beschränkung der Verteidigung rügte, ! da die Verletzten nicht über die den andern Schülern gewordene Behandlung gehört wor­den sind. Weiter rügte er, daß nickt festgestellt sei, worin die Ueberschreitung des Zücktigungs- rechtes liege. Sodann auck habe das Gerickt zu Unrecht neun selbständige Handlungen ange­nommen. Das Reichsgericht hielt indessen alle Rügen für unbegründet und erkannte desbald I gestern (wie uns aus Leipzig geschrieben

Gast.

Wie geht cs Rena?' frage ick die alte Frau.Kann ich zu ihr, jetzt gleich?"

Frau Dörtes Blick sucht Hassos Auge. Rena scheint «in wenig zu schlummern." sagt sie ausweichend.

Hasso reicht mir den Arm. »Du mußt erst ein wenig ausruhen von der Reise," «ntgeg-

Hassos. , ....

Zu spät, Jolande," sagt er,zu spät.»

Wie mich das Wort ergreift. Sollte er recht haben, sollte wirklich alles vergebens sem, o dann wächst sie ja riesengroß vor mir auf, die quälende Schuld, die mich martert, dann wird sie zu einem vernichtenden Dämon für mich, für mein ganzes Leben

Und während Haffo mit leiser, müder Stimme über Renas Erkrankung benchtet, fahren wir durch den glitzernden Mondenschern der stillen Augustnacht zur alten Haffenburg

zu tun habe.

In fieberhafter Eile packe ick meine wenigen Habseligkeiten zusammen und in der nächsten Stunde bin ich schon auf dem Bahnhof.

Was kümmert es mich, daß in einer kleinen Stadt, ganz in der Nähe, vier mutterlose Kin­der auf mich warten, denen ich versprochen habe, für sie zu sorgen? Kaum daß ich Zeit finde, durch ein Telegramm Rackrickt zu geben, daß cs mir unmöglich ist, jetzt die Stelle anzu. nehmen. Und dann sitze ich im Bahnwagen und der Zug durcheilt die graue Ebene, die mich an mein eigenes, freudloses Dasein er* innert. Ich versiebe mich selber kaum, daß ick in solcher verzweifelten Hast der Hassenburg zustrebe, der ich noch vor einigen kurzen Mon­den in gleicher Hast entronnen.

Alles sinkt unter in dem einen Gedanken: Wird Rena leben? Werde ich nicht zu svät kommen, um das fliehende Leben zu halten?

Welch» Macht sollte das ermöglichen, wenn es nickt die Kraft meiner Liebe, meiner Reue vermag? .,

Stunde auf Stunde verrinnt und ich sinne und grüble, während mich qualvolle Angst fast verzehrt.

Wenn ich an Haffo denke, dann faßt mich ein Grauen. Ich weiß nicht, ob vor ihm oder vor mir selbst.

Wie wird er mich empfangen? Wie kann er mich empfangen? Ihn, dem ich nie mehr zu begegnen glaubte, von dem mich auch in ganz kurzer Zeit das Gesetz trennen wird, den soll ich noch heute Wiedersehen! Und ick soll wieder in seinem Hause mein Haupt zur Ruhe legen, ich soll wieder äußerlich die Herrin sem, die alte Komödie also noch einmal spielen.

Wird meine Kraft dazu, Renas wegen,

p. 8. Denke nur, wie nobel Haffo ist. Trotz­dem er es nach Deinem unverantwortlichen Be­nehmen gar nicht nötig hätte, zahlt er mir dock jeden Monat das ausgemachte Nadelgeld und an Jobst die Zulage. Nicht wahr, sehr nett?"

Fch erliege fast unter der Last dieses Briefes.

Aber nickt der frivole Leichtsinn meiner eigenen Mutter, der mich nach ihren Zeilen wie ein Schlag trifft, beugt mich so tief, und läßt mich dock wieder so leidenschaftlich auf­fahren, sondern alles sinkt unter in dem ein­zigen Gedanken: Rena ist krank.

Aufschlilchzend hebe ich die Hände zum Ge-

ausreicken?

Ich suhle meine Zähne hörbar aufeinander schlagen. Wie im Fieber bebt mir jeder Nerv. Oft ist e? mir, als könnte ich trotz aller guten Vorsätze nicht zur Haffenburg zurück, als dürf­te ich nicht wieder dorthin, wo Hasso weilt, selbst wenn Rena darüber zu Grunde geht.

Dann sehe ick im Geiste eine dunkle Gestalt mit leidvollem Antlitz und im Fieber glühen­den Augen. Ick sehe ein süßes, liebes, blon­des Kinderköpfchen mit zärtlichem Lächeln mich anschauen, und ich vergrabe aufschluchzend mein Anüitz in die Polster des Wagens, der mich immer näher der Heimat bringt.

Hasso.

Frau Dörte nickt.

den darf. , = ,

-53 Das Küchtigungsreckt des Lehrers. Das Landgericht Main, bat im August vorigen Jahres den Lehrer Peter Mauer wegen Ver- gehens 'm Amte in neun Bällen zu einer Ge- samtstrafe von einem Monat Gefäng­nis verurteilt. Mauer i« seit zwei Jabren Lehrer an der Schule in Ludwigshöhe. Ihm ist zur Last gelegt worden, sich Ende neunzehn- bundcrtzehn und Anfang des vorigen Wahres eines Vergehens im Amte dadurck schuldig ge-

Äls ich mich mühsam erhebe, um auszu-

2. Beilage.

Mittwoch, 17. Januar 1912.

ner Revision bestritt Röber, den unredlichen Erwerb der Zähne durch die Mitangeklagten * -r -* Als er

Ich muß ihr noch heute schreiben. Ich will sie beschwören, auch nicht einen Pfennig mehr von ihm anzunehmen. Lieber will ich ihr alles geben, was ick verdiene, ich will hun­gern und darben, abe-r zwischen Haffo und uns muß alles aus, jedes Band zerschnitten em'Sei Gedanke, daß zwischen Haffo und der Mama auch nur noch der geringste Zusammen­hang besteht, von dem ich ja dann auch nicht rei wäre, könnte mich wahnsinnig machen.

Delia muß mir helfen. Sie wird mich ver- tc^cn!

Delia! Ich schauere zusammen. Sic ist ja selbst durch Arno mit Haffo nnzertrennlich verbunden sie kann sie wird nie auf mei­ner Seite stehen. . , o

So bin ich denn allem, ganz allein! Los­gelöst wie das Blatt vom Baum, das em Windhauch entführt. Und dazu der quälende, marternde Gedanke an das Kind, das ich allem

Aug einer unglücklichen Ehe.

Roman von Anny Wothe.

30) (Nachdruck verboten)

Ich werde natürlich so wenig wie Haffo ,u dem Termin erscheinen. Unser alter An­walt wird alles ordnen er ist Hassos Ver­trauter und mir war er ein Freund aus Kin­dertagen in seine Hände lege ich mem Schicksal.

Der andere Brief martert mich ich kann ibn nicht öffnen und doch habe ich ihn seit Monaten ersehnt. Er ist von Mama! Was mag er enthalten? Klagen. Vorwürfe ich lenne das, ich fürchte mich davor. Es ist mir so als stände ich an der Grenze meines Kön­nens, als könnte ein Wort mich zu Boden schmettern. m

g Stundenlang starre ich auf den Brief. Mir ist, als enthalte das feine, gelbe Kuvert mit dem großen, lichtblauen Siegel mein ganzes ferneres Schicksal.

| Endlich habe ich mich überwunden. Ich weiß, daß es schrecklich sein wird, was ich le,e aber es gibt kein Zögern mehr, ich mutz.

Und ich nehme das Briesblatt, das ich vor dem Tränenschleier, der mein Auge umwölkt, kaum entziffern kann und lese:

Liebe Jolande!

net er bestimmt. . . . a ^uir «w * < > n» x~,~r

Ich kann nicht, ich mutz erst das Kind ^hb) aue Verwerfung der Revision, sehen." rufe ick leidenschaftlich aus. 1

Ist Schwester Marie bei ihr?" fragt

Umstand ganz unberücksichtigt gelaffcm Tas Reichsgericht verwarf gestern die Revr on als unbegründet. Wenn auch die Feststellung des subjektiven Tatbestandes nicht ganz klar sei, so könne doch aus dem Zusammenhang des Urteils entnommen werden, daß das Ge­richt den dolus eventualis feststellen wollte in dem Sinne, daß er jedenfalls den strafbaren Erwerb in sein Bewußtsein aufnehmen und den Erwerb für diesen Fall vornehmen wollte, -le-

beliebtestes Abführmittel der Neuzeit für Erwachsene und Kinder. Höchster Wohlgeschmack, milde, sichere Wirkung. Aerztlich glänzend begutachtet und empfohlen. Dosen mit 20 Fruchtkonfitüren Mk. 1. in Apotheken. Man hüte sich vor minderwertigen Nachahmungen.

Grundstücks-Eigentümer und städtische Wafferversorgung. Das Lbcrvciwaliungsge­lickt bat soeben zwei äußerst wichtige Rechts- grundsätze hinsichtlich der W a sserent - nähme aus einem städtischen Wasserwerk aus­gestellt. Hiernach ist es mit der Annahme emer Benutzung der städtischen Wasserleitung kraft össentlicken Rechtes schlechterdings -t uv er- einbar, daß die Abgabe des Wagers aus der Leitung an die Grundstückseigenürmer von der Bedingung abhängig gemacht wird, daß sich der Wasserabnehmer zur Annahme des Wassers auf fünf Jahre verpflichten muß. Eine derartige Beschränkung ist der einer krau öffentlichen Rechts der Benutzung fre.gegebe- nen Gemeindeveranstaltung undenkbar, -rerner ist eine Bestimmung im Ortsstatut, wonach bcr fortdauernder Waffervergeudung usw. die Ab- sperrung der Waffcrzusührung bewirkt wer- den kann, bei einer der Benutzung kraft öffent­lichen Rechts unterliegenden Veranstaltung nickt möglich, weil von der Benutzung einer solchen niemand a u s g c sch l 0 f f c n wer-

liefe, weil ich nur on mich dachte.

Ich begehrte alles Glück des Lebens, ohne zu bedenken, datz nur das Glück ist, was man andern schasst. ~ .

Selbstsucht ist doch die größte Triebfeder aller menschlichen Leidenschaften!

Wie werde ich den Gedanken ertragen, Rena krank zu wiffen? Und während ich fremde Kinder pflege, sie belehre, für sie lebe, wird vielleicht in bcr Hassenburg ein von nur heiß geliebtes, fieberndes Kind liegen und ver­gebens flehend die Hände nach Mama Jolande ausstrecken. O, der Gedanke ift. entsetzlich. Könnte ich nur eine Stunde, eine einzige Stunde bei dir sein, mein lieber, kleiner, blon­der Wildfang, könnte ick dich nur einmal an mein bekümmertes Herz drücken.

Wäre Haffo nicht Renas Vater, ich hatte Rena nie und nimmer verlaffen so aber wollte ich das Kind nicht an mich feffeln, seine Liebe nicht genießen.

Die Stunden eilen, aber noch immer sitze ich und grüble und sinne. Die Lampe in mei­nem Stübchen ist tief herabgebrannt. Wie ode und kahl mir alles erscheint so öde und kahl tote mein Leben. Unruhig wälze ich mich auf meinem Lager ick kann keine Ruhe finden. Bange Träume ängstigen mich. Kaum graut der Morgen, so bin ick schon wieder auf. Unruhig gehe ich in meinem Stübchen auf und nieder mir bangt vor des Tages Last.

Ein Telegramm! Mit bebenden Fingern versuche ick es zu öffnen. Meine Kraft scheint zu erlahmen ich sinke auf den alten ge­brechlichen Polsterstuhl, der am Fenster steht. Endlich lese ich mit zuckender Lippe:

Nach und nach werde ich ruhiger. Eine dumpfe Entschlossenheit bemächtigt sich meiner.

Ich muß fest sein ich darf nicht zittern und zagen, wo vielleicht alles davon abhangt, daß ich ruhig und gleichmäßig bin. Wie werde ich meinen herzigen, kleinen Liebling finden.

Tausend Gedanken und Gefühle sturmen auf mich ein, und darüber schwebt wie eine drohende Wolke:Haffo".

Rastlos jagt das Dampfroß dahin. Im­mer näher kommen wir zum Ziele. Em, kur­zes Telegramm hat Haffo von meinem Kom­men verständigt.

Mir klopft daS Herz zum Zerspringen.

Ter Tag neigt sich mehr und mehr. Die Sonne ist wie ein feuriger, roter Ball in den Rhein gesunken, und der Mond zieht heraus. Mit seinem bleichen Licht steht er gerade über dem kleinen Bahnhofsgebäude, als der Zug

Wie eindringlich und sanft seine Stimme klingt, so daß ich ihm folge. .

Als ich an seinem Arm die meine alte Turmstube betrete, in der die rote .Lampe 1° gemütlich brennt, und der Teekessel leise summt, ist «s mir, als müsse ich aufschluchzen vor Qual und Weh. Aber ich bezwinge mich mit eiserner Kraft. Er soll nickt die dummen Tra­nen sehen, die mein Herz weint.

(Fortsetzung folgt.)

- Es ist eigentlich töricht, daß ich Dn schreibe, da Du ja, wie es scheint, gelernt hast, Deine eigenen Wege zu gehen. Da aber nun auch Delia mich verlaffen hat so machen es die Kinder, um die man sich einst gesorgt bat Tag und Nacht und ich mich recht, recht ein* e sam fühle, so denke ich ost an meine undank­barste Tochter Jolande, und wenn ick Dir heute diesen Bries sende, so geschieht es, um Dir ernstlich zu befehlen, endlich auf die Haffenburg zurückkehren. Es kann Deinerseits ganz I ruhig und ohne Aufsehen geschehen. Man

glaubt allgemein, Dank der zarten Fürsorge Haffos. daß Du zur Kräftigung Deiner Ge-

- ftmdbeit in irgend einem Badeorte weilst.

Wenn Du jetzt nicht kommst machst Du Dir die Rückkehr überhaupt unmöglich.

Rena ist krank. Haffo und der Arzt schei­nen sehr besorgt. Lächerlich, diese dicke, mir übrigens unausstehliche Range, was soll der wohl Ernstliches fehlen? Da aber alle fo tun, als sollte es ans Sterben gehen, so würde es doch auffallen, wenn Du in bet Zeit einen Badeort unsicher machtest. Also besinne Dick, und denke daran, daß Du jetzt zurück mußt. Hörst Du, Du mußt!

Haffo hat natürlich keine Ahnung, daß ich Dir diesen Brief schreille. Du wirst aber daraus ersehen, daß ich Dir Dein kindisches Benehmen verzeihen will, wenn Du es sofort wieder gut zu machen suchst, indem Du schleu­nigst zurückkehrst.

Kommst Du nicht, fo hast Du daS Recht verwirkt, noch länger mein Kind zu heißen ich kenne Dich dann nicht mehr. Beherzige wohl die Worte Deiner

unglücklichen Mama.

Rena schwer erkrankt. Arzt gibt wenig Hoffnung. Verlangt unaufhörlich Mama Jo­lande. Willst Du vielleicht den letzten Wunsch des Kindes erfüllen, so komm, ich bitte Dick. Wenn alles vorüber, soll Dich nichts mehr feffeln. Haffo."

Mit einem wilden Aufschrei springe ich empor. So ist es doch wahr. Rena ist in Ge­fahr. Haffos Depesche klingt so hoffnungslos als wäre alles vorbei. Mein Gott, das kann ja nickt sein. Aber würde Haffo mich rufen, wenn nickt jede Hofftiuna geschwunden? Nie­mals! Er hat seinen Stolz nur gedemutigt. um den vielleicht letzten Wunsch des Kindes zu erfüllen. Er bittet mich, um Renas willen zurückzukehren, und wenn Rena wirklich schei­den sollte, öffnet er mir weit die Pforten der Hassenburg zur heiß begehrten Freiheit.

Ich schwanke nicht mehr. Ich weiß, was ich

Im Interesse der Vermeidung von Ver­zögerungen bitten wir, Zusendungen an die m . , > Redaktion nicht unter der Adresse eines Re-

So ist Rena gut versorgt. Konnn j^t, fondern nurAn die RePattion der

L Rena '^wenigstens eine Tasse Tee, ehe ^akteur^, Nachrichten" aufzuliefern.

Der Juwelier als Hehler.

Aus Leipzig wird uns geschrieben: Dai Landgericht Braunschweig hat am elfen Oktober vorigen Jahres den Juwelier Hugo Röber wegkn Hehlerei zu d r e i M 0 n a t e n Gesängnis verurteilt. Zwei Mitangekbagte, steigen, sehe ich eine Männergestalt hochausgc-1 ^^^rurtcilt "worden, de/letzter/auch we- richtet vor dem Coups stehen. ' °?änede hat der Zahntech-

Er lüftet den Hut und reicht mit die freie Zähne von hohem Werte gestohlen und in ahn- 1 liehet Weise hat Kerwart üch betätigt.

Beide hatten ersahren, daß Röber alte und

bet empor.

Mein Gott," ringt es sich von meinen Lippen,laß Rena nicht sterben, nimm ihm nicht das Letzte. Einzige, was et noch hat.

Es ist mir im Auaenblick nickt bewußt, daß ich für ibn und nickt für das Kind bitte, mein ganzes Denken konzentriert sich nur in dem einen Gedanken: I

Wenn ihm das Kind genommen wird, wenn er es bergeben mutz, dann trägst du die grausame, untilgbare Schuld."

Warum ließ ick das mir anvertraute Gut allein, warum überließ ich es fremden, bezahl­ten Händen? Und riefengroß sehe ich meine Sck"id wachsen, wenn ick an Miriam denke.

Wie habe ick ihr gegenüber mein Ver­sprechen gehalten? Habe ich ihr Kind gehütet und geschützt, wie ick es in die blasse Leibens- handber Frau gelobt?

Ein Stöhnen, wild und schmerzvoll, ent­ringt sich meiner Brust. Ach. warum kann ich selbst nicht sterben, warum muß ick dieses elende fc geben noch weiter hinsckleppcn. während titel« I leickt auf der fernen Hassenburg ein junges Menschenleben, das einzige Gluck des Mannes, den ich verließ, mit dem Tode ringt.

Umsonst suche ich mich zu trösten. Mamas | Brief erwähnt Renas Krankheit zwar nur so beiläufig nur als Mittel zum Zweck, daß ick ohne Aufsehen in die Hassenburg zuruck- kebren kann, ist sie ihr willkommen , aber ich kann nickt ruhig werden.

Mit Flammenschrift steht eS in meinem eigenen Herzen geschrieben, daß Rena krank ist, seht krank.

Der Gedanke zerreißt mit das Hetz aber ich kann, ick kann nicht zurück! Nie! Ma­mas Brief, bet bie ganze Sache vom ge;ckaft- lichen Standpunkt aus beleuchtet, treibt mit vor Empörung das Blut ins Gesicht, tick schäme mich kaum wage . ich es auszu­sprechen, ich schäme mich meiner Mutter. Sie, die alles weiß, bcr ich geschrieben, daß ick Nie­mals zurückkehten werde in Hassos Hau-, ste entblödet sich nicht, seine Unterstützung anzu­nehmen und duldet es, daß auch Jobst es noch ferner tut?

Hand zum Aussteigen.

Hab' Dank. Jolande, daß du gekommen, .....

sagt er, und es ist mir, als klinge seine Stirn- ncue künstliche Zähne antaufe. Dieser bat in me dumpf und bohl.Renas Ungeduld ist j,rcj,cbn Fällen solche Zähne lediglich bet daran kaum noch zu zügeln, und ich wollte ihr so ^^indlicken Platinstifte wegen von den gern diesen letzten und einzigen Wunsch, dich Mitangeklagten gekauft. Gegen den Vorwurf, wieder zu sehen, ersüllen." sich der Hehlerei schuldig gemacht zu haben, ver-

Um Gottes willen," sage ich, unwillkürlich wahrte sich Räber energisch. Indessen,hat das im Weiters chreiteit seinen Arm nehmend,bul bic ueberzeugung erlangt, daß et aus sprichst wie von einer vollendeten Tatsache, ^it umständen schließen mußte, die. Zahne seien Ist Rena wirklich so krank, daß es keine Hoff- k ben beiden Mitangeklagten Nicht . auf reb- nung gibt?" .... lichc Weise erworben. Der Gewinn Robersbe-

Hasso sicht mich mit einem merkwürdigen^gtWn fünfhundert Mark. Trotz der Mehr- Blick an, während er mir in den wartenden h^t der Fälle hat das Gericht angenommen, Wagen hilft, dann sagt er langsam, jedes i fifewerbsmäßigkettmcht voAiege.^^m^ei- Wort betonend: 1 '

Es gibt keine Hoffnung, Jolande. -

Blick und Wort schneiden mir ins Her, gekannt ober nur geahnt zu haben

ich kann diesen Blick, diesen endlosen Jammer, schließlich Verdacht geschöpft hattehabe erJeOft der darin liegt, nickt ertragen. . zur Verhaftung Ketbatts die Veranlassung

Hasso," sage ick warm, unwillkürlich nack I gegeben, was doch sicher für seinen mangelnden seiner Hand greisend, während der,Wagen Dolus spreche. Das Gencht habeaber bleien langsam aufwärts fährt.Sei nickt so hoff-s ..nberuckückttat gelassen, Ta«

nnnqslos, es wird und muß ja olles gut wer­den/ Tag und Nacht will ich mit dem Tode kämpfen, um Renas willen ich ringe ihm das junge Leben ob. Hoffe und vertraue."

Wieder trifft mich, wie ich bei dem bellen Mondenlicht gewahre, der seltsame Blick

empor. m . .

Rena erkrankte einige Wochen nach deiner Abreise," berichtet Hasso.Ich nahm es erst nicht allzu schwer, weil ick glaubte, sie habe Sehnsucht nach Mama Jolande Aber eines Tages kam Fron Dörte sehr besorgt mit der Nachricht, Rena habe Fieber. Der herbeige­rufene Arzt tat gleich sehr bedenklich, indem er eine schwere Lungenentzündung konstatierte Sechs Wochen sind darüber vergangen das rasende Fieber, welches das Kind vernichten muß, will nicht weichen. In ihren Fieberphan- tafrn ruft sie wieder und immer wieder dich, so daß ich nicht anders konnte, als dich bitten, zu kommen. Daß es mir schwer geworden ist, brauche ich wohl nicht erst zu sagen. Sei aber versichert, daß ich dich keine Minute langer als

nötig halten werde." I

Wie Eis legen sich ferne Worte auf mein warmes, teilnahmsvolles Herz. Will er mir zu verstehen geben, daß mir bie Haffenburg ver­schlossen, daß ick kein Recht mehr habe, bort zu weilen, wenn Renas Schicksal sich entschiebeu.

Ich fröstele in bet warmen Nacht. Haffo bemerkt es unb breitet sorglich die Wagenbecke über meine Knie. Wie bleich er ist, und tote gealtert er erscheint Ist blicke ibn Wett an -1 HH daß er in wenigstens neun ich weife nicht ich fachte mich vor ihm. w^z o^üchtigungsrecht an den ihm unter»

Mit welch dusterem morschen sein ftettten sieben bis zehn Jahre alten Schülern

trifft. Was will er nur von mir? überschritt. Den einen hatte er mit dem

Still und schweigend fahren wir durch den Park. Ein Flügel der Haffenburg ist hell tx--\ leuchtet. Auch in der großen Halle, bu ton jetzttz betreten, brennt Licht. Wie am Abcnb meines Hochzeitstages, an ben ich immer den­ken muß, steht die Dienerschaft versammelt, aber heute schreite ich nicht gleichgültig bov über wie damals, beute grüße ich sie tote Bo­ten der Heimat. Und als Fran Dörte sich über meine Hand beugt, und aus ihren alten Augen Warme Tränen darauf fallen, da ist es mir, als wäre ich daheim, und doch bin ich von heute an auf der Haffenburg bet frembefte