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Casseler Neueste Nachrichten

Caffeler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 34.

Fernsprecher SSI und SSL

Dienstag, 16. Januar 1912

2. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und SSL

Lieber 20 500

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Thronrede des Königs

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Die Wahlparole des Kanzlers.

eröffnet, in der es heißt: Die Finanzlage des Staates hat sich auch im laufenden Rechnungs fahr weiter günstig entwickelt. Es wird danach voraussichtlich gelingen, den für das Rechnungsjahr neunzehnhundertelf veran­schlagten Fehlbetrag erheblich herabzumindern.

regelt. Auch wird Ihnen zur Neuregelung des sich vielfach mit dem Wasserrecht berührenden Fifchereirechts im Laufe der Session ein besondere.! Gesetzentwurf zugehen. Die Erhal­tung und Stärkung des Deutschtums in den Landesteilen mit gemischtsprachiger Bevöl­kerung sind dauernd der Gegenstand besonderer Fürsorge» Ln einer neuen Gesetzesvorlage wer-

Stoischen den Schlachten.

DaSdeutsche Problem" und die Wahlen.

Der »Tag von Philippi" ist vorübergegan­gen, ohne Bernhard Bülows grimmiges Pro­phetenwort zu erfüllen, ohne Sturm und Wet­terschlag: Ein Wahltag wie Dutzende vor ihm, die im Kielwasser deutscher Politik kaum sichtbare Spuren hinterlassen. Daß es so ge­kommen, daß der »Tag des Gerichts" eigentlich den Arm der Gerechtigkeit kaum fühlbar wer­den ließ, danken die vom Schicksal mild Ge­streiften sicher nicht der Kunst rühriger Regie, noch weniger dem Wertgehalt ihrer Werke, son­dern in der Hauptsache den Schwächen und Un­vollkommenheiten unsres politischen Le­

rn« LaNNei 91eu«n« Rachnchte» -rfchetnen «»»enlltch lechSrnal undzwar abend». Der 8tbomt em entertet» betrügt monatlich 60 Pfg. bet tretet Zustellung tn» Hau». Bestellungen werben tederzeN een ver Seschüstrstelle »der den Boten entgegengenommen Druckeret Berlaa an» Rebattton: Schlochtdotftrabe 28/80. Sprechstunden der Redaktion von 13 nhr nach. «Mag», turtstttch» Sprechstunden für untere Abonnenten Mittwoch« und Sonnabend» von * Utzt abend« Berliner «ertretimg: SW. Friedrichstraße 16, Deleo hon: Ami tV 676

Gleichzeitig werden aus den Reinüberschüffen der Eisenbahnverwaltung beträchtliche Mittel

Snferttonäpretfe: Die sech»gespaltene Zeile für einheimische »eschüst, 15 Pfg., für au», wärtige Inserate 25 Pf, Reklamezeile für einheimische »efchüste 40 Pf. für au»württg« Seschäfte 60 Pf. Beilagen für die Sesamtaustage werden mtt 6 Mark pro Lausend be­rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung tn der Rcstdenz und der Umgebung stnd die Lasteler Neuester, Nachrichten ein vorzügltche» JnserttonSorgan. SeschäNSstelle: KSlntsche Straße 5. Berliner Vertretung! SW, Friedrichstraße 16, Delephon: Am» (V «76.

und Ergänzungssteuernovelle vor- ,v B gelegt werden. Reben einer Reihe von Bestim- fcbens mungen, die eine noch gleichmäßigere Erfassung

I Monaten wieder zusammen. Er wird sich zu- ttächst aber noch nicht positiver Arbeit widmen, sondern nur den neuen Staatshaushaltsetat und die Steuervorlagen entgegennebmen und sich nach der Neuwahl seiner Präsidien bis nach den Reichstagsstichwahlen vertagen. Die erste heutige Sitzung des Abgeordnetenhauses, in der der Fi­nanzminister den Etat vorlegte, fand nachmit­tags um halb ein Uhr statt, die zweite Sitzung des Abgeordnetenhauses zur Vornahme der Präsidentenwahl wird um fünf Ubr beginnen. Das Herrenhaus nahm heute um drei Uhr die Präsidentenwahl vor und wird morgen noch eine kurze geschäftliche Sitzung abhalten. Der Gesamt-Landtag wurde heute mittag in der üblichen Form durch den Ministerpräsidenten mit einer

in den Ausgleichsfond zurückgelegt werden können. Auch der Etatsentwurf für neun» zehnhunderzwölf bedeutet einen erfreuli­chen Fortschritt zu dem Ziel, das Gleich­gewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben des Staatshaushaltes endgiltig herzustellen.

I Er schließt zwar immer noch mit einem mäßi­gen Fehlbetrag ab, indessen steht diesem eine weit höhere Rücklage in den Ausgleichs­fonds gegenüber. Zur Erweiterung und bes­seren Ausrüstung des Staatseisenbabnnetzes so)vie zur Unterstützung von Kleinbahnen wird wiederum

die Bewilligung erheblicher Mittel nachgesucht werden. Auf dem Gebiet der di­rekten Besteuerung wird Ihnen in Er­füllung der gesetzlich festgelegten Verpflichtung der Entwurf zu einer Einkommens-

den Geldmittel zur Ausdehnung der in den Provinzen We st Preußen und Posen be­währten Festigung und Entschuldung des Grundbesitzes auf einige andere Landesteile von Ihnen erbeten werden. Weitere Maßnah­men, die vornehmlich die innere Kolonisation in erhöhtem Maße zu fördern bestimmt sind, befinden sich in Vorbereitung. An weiteren Ge­setzentwürfen kündigt die Thronrede dann noch ein Gesetz über die Einführung des Arbeits- zwangs in der Armenpflege und eine Vor­lage über die Einführung der Fortbil­dungsschulpflicht an.

Steuertarife in der Weise vorgesehen, daß die gegenwärtig zur Erhebung gelangenden Steuerzuschläge in die Tarife eingegliedert, Mehreinnahmen für die Staatskasse ge­genüber dem jetzigen Steueraufkommen aber nicht herbeigeführt werden. Ihren Beratun­gen wird ferner der Entwurf eines W a s fei­ge s e tz e s unterbreitet werden, der das gesamte Wasserrecht für das Staatsgebiet einheitlich und nach den gegenwärtigen Anforderungen

einer geordneten Wasserwirtschaft

det und seinerseits das politische Leben kaum richtete Persönlichkeit erklärte über die von die- noch zu befruchten vermag. Die Rückwirkung ser Partei zu befolgende Wahltaktik bei auf die Anteilnahme des Volks an den Werken der kommenden Stichwahl, daß eine end. der Politik kann da natürlich nicht ausbleiben, gültige Bestimmung über die Wahlparole von [H]*#*#*#********<**e#**!«*#.»4******.****,e*»*^^##^».*#**_*»»*,ä,***«,4

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Ratioualliberale Stichwahl-TaM!.

(Privat-Telegramm.)

Köln, 15. Januar.

Eine über bte Stimmung in der Rational, liberalen Partei der RüeinprMnz aut unter»

bens, hinter denen die Schuld sich sicher wäh­nen darf. Hermann Bahr hat jüngst in einem geistvollen Artikel im »März" diese natio­nale Erbsünde vom volkspsychologischen Stand­punkte aus untersucht und ist dabei zu inter­essanten und für das Wesen des politischen deutschen Volkstums außerordentlich charakte­ristischen Schlüssen gekommen. Bahr steht auf dem Standpunkt, daß die große Mehrheit des deutschen Bürgertums sich deshalb von der Politik abwende, weil sie ihm ideell und prak­tisch zu wenig Anregung biete, und weil die Hast des Parteigetriebs dem eigentlichen Da­seinsempfinden der Volksmehrheit fremd bleibe. Der heutige deutsche Durchschnittsmensch emp­findet zwar sein und der Volkheit polittsches Schicksal instinktiv als ungerecht, aber er stehe dem Reformgedanken ebenso ratlos gegen­über wie die Parteien. Während indessen die Parteien wenigstens in.Prinzipien" schwelgten, werde der Einzelne im Kampf der Geister unter­einander verwirrt und verzichte schließlich ganz auf die Anteilnahme an einer Sache, die ihm praktisch wenig werwoll und ästhettsch durch-

X aus reizlos dünkt.

Der Durchschnittsmensch hat in der heu- tigen Welt keinen Platz für seine Sittlichkeit, und er fühlt deutlich, daß sein Idealismus neue Wege und Ziele heischt. Worauf ihm dann die Liberalen erklären: Es geht eben nicht anders; es wird immer so bleiben. Und die Sozial­demokraten: Bevor nicht der große Zusammen- bmch kommt, kann es nicht besser werden. Wann: Morgen; übermorgen? Wer weiß es? b Und so wendet sich der Bürger von aller Poli­tik ab, und zieht es vor, mit einer so üblen und zweifelhaften Sache, wie die Politik es nun einmal zu sein scheint, Hand und Kopf nicht in Berührung zu bringen. Das (erklärt Bahr) ist heut in Deutschland das innere Ver-

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Für den morgigen Dienstag sagt der amtliche Wetterbericht für Heffen-Raffau fol­gende Witterung voraus: Fortdauerndes trockenes Frostwetter, doch zeitweise etwas B e - wölkuug.

Frost und Sette überall!

(Privat-Telegraqtme.)

Berlin, 15. Januar.

Die Nacht zum Sonntag dürfte die kälteste tn den letzten zehn Jahren gewesen sein. In der sechsten Morgenstunde wurden siebzehn Grad unter Null registriert. Auf den Seen in der Umgebung Berlins hat sich eine o starke Eisdecke gebildet, wie es seit Jahren nicht mehr der Fall war. Die Sch i f f a h r t auf Spree und Havel ist e i n g e st e l l t wor- ?en. Beim Rodeln ereigneten sich mehrere chwere Unfälle.

Passau, 15. Januar.

Gestern sind zwei Mädchen des Schneider­meisters Hasenkopf beim Rodeln in einen dicht an der Rodelbahn vorbeisließenden Bach jiinctnacraten und ertrunken. Ein Laus-

hältnis der meisten anständigen Bürger zur Politik, die ja nun doch einmal Das, worauf es ankommt, nicht anzufaffeu wagt, und daß trotzdem die »rote Flut" nicht noch höhere Wellen schlägt, liegt imgrunde nur daran, daß Das, was zum Bürgettum gehört, und für sich also ein sichres Stück Gegenwart besitzt, dieses nicht einer ungewissen Zukunft opfern mag, die man ihm in losem Gefüge gebeim- -- nisvoller »Entwicklungs-Tendenzen" von ferne - zeigt. Infolgedessen reizt weder Rechts, noch - Links; das Spiel verliett an Interesse und die E. Zahl der »Jndifserenttsten" wächst wie der L Sand am Meer. Was Bahr hier im Ton des

Anklägers sagt, ist nicht anzuzweifeln: Der f »Tag von Philippi" erst hat's wieder bewiesen. - Aber Das, was Bahr »Das beuffche Problem"

nennt, ist in Wirklichkeit doch nur eine deutsche Schwäche, eine Zeitkrankheit und ein Mangel kraftfrohen Idealismus, der in un- serm polttischen Leben immer deutlicher erkenn­bar wird, und dem es auch zu danken ist, daß bas Interesse an der Politik einer lauen Gleich­gültigkeit gewichen, die niemand begeistern und kein Ideal mehr beleben kann.

Die Polittk an sich ist daran nicht schuld, denn die Staatsklughett und ihr Prinzip sind geblieben, was sie immer waren: Variable % Theorien der Nützlichkeit, vom Augenblick be­stimmt und geformt, und dem Bedürfnis des Moments angepaßt. Auch hat sich die Not­wendigkeit politischer Arbeit nicht vermin- dett, ist vielmehr dringender geworden als je, und die Interessen, die heut die Wagschalen des Kampfs beschweren, berühren Volkswohl und nattonales Gedeihen weit unmittelbarer als früher^ wo der Radius der Ziele sich bescheid­ner wölbte. Dennoch ist die Tatsache unbestreit­bar, daß die Polittk int Volk beträchtliche Sym­pathien eingebüßt hat und infolgedessen auch ihrerseits der BerührungSpuntte verlustig geangen ist, die sich bei größerer Interesse- warme zwischen Arbeit und Zielobjekt von selbst ergeben. Es kann also auch nicht befrem­den, daß der M a n g e l a n P e r s ö n l i ch k e i- ten im politischen Leben unsrer Zeit immer fühlbarer wird und demgemäß auch der P a r - lamentarismus des Reizes neuer und Siofeer Wegziele ermangelt, in wenig ertrag» sicher Alltaawcrkelei seine beste Kraft verqeu-

Bei zehn Grad Kälte.

Kälte und Frostwetter dauern an!"

Es war ein großer, wenn auch verzeih­licher Irrtum, vom diesjährigen Winter kei­nen Frost mehr zu erwarten. Spät kam er, doch - er kam! Schon am Hellen Morgen suhlte man gestern des Winters rauhe Hand über Land und Markt und Straßen schweben, und je mehr der Tag voranschritt, desto schär­fer wurde die Kälte und der Frost zwang die Naim in seinen eisigen Bann. Da sah man endlich einmal eisblumenübersäte Schaufenster, ein Bild, das wir fast nur noch aus den Buchern kannten! Ja, wir konnten gestern ein - und eisiger Kälte singen, daß

es seine Att hatte. Nur um die Mittagsstunde, als gauz Caffet (in erster Linie seine blühende Jugend) auf dem Friedrichsplatz pro­menierte und den Klängen der Kapelle unserer »Dreiundachtziger" lauschte, hatte die hellstrah- lende Sonne ein Einsehen, und am kleinen Wet- terhauschen konnten die vielen Beobachter kon- stotteren, daß die Quecksilbersäule langsam aus ?w ei Grad emporklettette. Lange währte es edoch nicht, und bald nahm manches Rasen- Pttzchen, das fast vollkommen unter Pelz und Boa verschwand, einen freundlichen Rosaschim-

an. Der Freude an dem klaren Frosttag tat das indessen nicht den mindesten Abbruch, m Gegenteil: Schon am frühen Nachmittag etzte eine Völkerwanderung in unsere pracht- bolle Umgebung ein. Hinaus gen Wil­helms höhe! Das war für die meisten eine gern befolgte Parole, zu Fuß. per Wagen, oder ntt demGroschen-Automobil", der Elettri- Ken, begab sich der unendliche Zug der Aus- lugler zu den weißleuchtenden Bergen, wo auf dm eisglatten Bahnen

Herrn von Bethmanns Sammlungspolitik.

Die offiziöseNorddeutsche Allgemeine Seitung", Me die Parole de» Reichskanzler» für die Hauptwahlen »um Reichstag b-kanntgcgeben hatte, bringt nun auch die Stichwahlparole der Regier»^ Nachdem da» offiziöse Blatt auf denSchlachtruf-, mtt dem die Sozial­demokratie in den Wahlkampf gezogen fei, hingewtesen hat, stellt es die Frage:Wie steht die Sozialdemokratie zu unseren nationalen Forderungen und Auf­gaben um darauf folgende Antwort zu geben Im Innern betreibt die Sozialdemokratie! die Absperrung der Arbeiter von allen anderen Volksschichten. Der K l a s s e n k a m p f ist ihr Lebenselement. Eine soziale Revolution mit ^s Privateigentums 'hr Z^h Wahrend sie so im eigenen Land den Haß fchurt und einen gewalttätigen Terro­rismus gegen die Glieder des eigenen Vol- kes ausubt, huldigt sie nach außen dem T r u g- bild der allgemeinen Völkerverbrüderung. Deshalb ist sie die Hoffnung der fremben Rei- Unsere " W?/k^d?s «I mungen, vte eine noch gleichmäßigere Erfassung

aber nur gedeihen, wenn^ wir uns als statte steuerbaren Einkommens und Vermögens einige Ration in der Wett behaupten. Zu den gewährleisten sollen, ist eine Neugestaltung der nahen Aufgaben des neuen Reichstages gehört ------t-t *-*-

Sicherung unserer Wehrfähig- * £ Eine Partei, die sich selbst international nennt, in der sich der Gedanke eines Mas. I rn st relks im Falle der Mobilmachung her- ^,rtorc6«V1,rft!-. ift ihrem ganzen Wesen nach >ur Erfüllung dieser wichtigsten Aufgabe un- ^Uht Mißmut über diesen oder jenen mit Stellt ober Unrecht als liebel empfundenen >5nganb im Reich und Staat, nicht Rücksicht auf Patteivotteile durch Paktteren mit der So- ziawemokratte lenke den Schritt zur Stich­wahl. Nicht auf vergangenen Hader der! Parteien ... auf die Zukunft der Na­tion richte sich ber Blick ...!

der Caffeler Rodelsport

eine Triumphe feierte. Hei, wie die Schlitten die steilen Bahnen hinabsausten! Unaufhörlich «n6j?ft sogar aus lieblichem Mund der kurze Sportbefehl: B a h n f r e i! und willig gehorch, ten die Zuschauer, lachend trat man zur Seite, um die jauchzenden Rodler an sich vorbeiglei- ten r» lassen. Schade, daß der Lac noch nicht Els besaß: Es wäre eine herrliche ?M!s'chuh-Konkurrenz geworden! Aber, so vettrosteie man uns, am Mittwoch geht es bestimmt los, wenn das Wetter ein Einsehen hat und endlich einmal konsequent bleibt. Auch tn der Aue war noch keine rechte Stimmung zum Dhlittfchuhlaufen zu spüren: Die Eis- flache harrt noch der behördlichen Genehmi- KUNS, bevor aus ihr der blinkende Stahl seine Zi°hen darf. Es scheint aber so, daß diesmal den Schlitffchubläufern He'lwiderfahreii soll, denn die Wetterwarte verilchert für bte nächsten Tage unter dem Ein­fluß der östlichen Festlandswinde langsam zu­nehmenden F r ost, und heiteres, trockenes Wet- ter. Nicht minder stark war gestern der Aus- flugsverkehr nach der »Grauen Katze". Die Witte waren dort auf einen solchen Massenbe­such gar nicht eingerichtet und doch bekam jeder Gast die ersehnte »Aufwärmung des inneren Menschen"! Es war überhaupt ein Frostsonn­tag idyllischster Art, und wohl dem, der ibn recht gemeßen konnte, nicht am wärmestrahlen- oen Ofen, nein, draußen im Freien, umhaucht von Frost und eisig-klingender Kälte. Mtt hei- ßen Wangen und strahlenden Augen lehrte abends das Heer derWinterfahrer" zur licht- funkelnden Residenz zurück. ... **

und die Stimmung des zwölften JanuartagsI der Entschließung der Berliner Partei- darf in dieser Beziehung als authentischer lei tun g abhänge, die am Dienstag zusam- Gradmeffer für die Tiefgründigkeit völkischen mentrete. Es sei zu berücksichtigen, daß bei Interesses gewertet werden. vierundsechzig Stichwahlen der Nationallibe-

Das alles dünkt indessen noch nicht der ralen einundvierzig Mandate gegen Sozia- Uebel größtes: Auch früher war der Begriff listen zu vertreten seien. Wahrscheinlich politischer Arbeit kein einheitliches Grundprin- werde bei der Parole keine direkte Begünsti- zip, sondern ebenso wandelbar und int gleichen gung der einen oder der anderen Partei aus- Maße den Einwirkungen der Tagesstimmung gesprochen. Die Freisinnige Volkspartei sowie unterworfen wie heut. Nur die Arbeits- die Demokratische Partei werden in Köln g e- form und der Rahmen der Betätigung ha- schlossen für die Sozialisten ein. ben sich verändert: Der Parlamentarismus von treten. Das Kölner Zentrusmandat kann heut beruht int wesentlichen auf der Kraftäuße- unter diesen Umständen schon jetzt als ver- rung parteilicher Interessen, deren Gel-[loten betrachtet werden.

tendmachung im Wettbewerb der Patteien un-_______

SK Ä&S Sie heutige L-ndtag--Ar-mede.

und meist wenig erbaulichen Kampfs erfüllt, Der Wiederzusammentritt des Landtags,

und es ästhettschem Empfinden kaum wünschens- Der preußische Landtag trat am heutigen

wert erscheinen lassen tarnt, in diese wildbe- Montag nach einer Pause von sechseinhalb wegte Arena des Zanks und der Kleinlichkei- -1-«

ten hinabzusteigen. Daneben regiert der Dok­trinarismus die Stunde: DieTheorie" und dasPrinzip" sind alles, die prattische Ar­beit im Bereich nächstliegender Möglichkeiten und Notwendigkeiten tritt in den Hintergrund, und das Nützlichkeitsprinzip unterliegt den | Kursschwankungen parteilicher Opportunität. Jst's ein Wunder, daß derunpolitische Durch- chnittsmensch" (wie Bahr den Mehrheitstyp des deutschen Bürgertums nennt) diese Flut der Leidenschaften und Kleinlichkeiten nicht als Produtt ernster politischer Arbeit zu würdigen vermag, sondern geneigt ist, unser ganzes öffentliches Leben, alsauf Unsittlichkeit und Ungerechtigkeit beruhend", peinlich zu meiden?

Der »unpolitische Durchschnittsmensch" empfin-[ det eben, daß die Ideale, die seine Vorstellungs- Wett verNären, andrer Art sind als die, die sich ihm im Phrasenschwall papierner Welt- reform offenbaren, und so denkt er, daß eine jede ernsthafte und wirMch vollstümliche Poli­tik damit zu beginnen hätte, an diesem Wun­den Sündenpunkt Gerechtigkett zu schaffen!