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Casseler Neueste Nachrichten

Cafleler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 33

Fernsprecher 951 und 952.

Sonntag, 14. Januar 1912.

K5

Fernsprecher 951 und 952.

2. Jahrgang.

Die gestrigen Wahlen im Deutschen Reich.

Ztvsihundertfünf Hauptwahlen erledigt; hundertzweiundneunzig Stichwahlen.

Heute mittag lagen die Gesamt- resnltate der gestrigen Wahlen aus dem ganzen Reich vor. Es find im erste« Wahlgang gewählt: 29 Kon­servative,? Reichspartei, 2 Wirtschaft!. Vereinigung, 79 Zentrum, 13 Polen, 4 Rationalliberale, 1 Bund der Land­wirte, 64 Sozialdemorraten, 3 Elsässer, 1 Lothringer, 1 Däne und 1 Banern- bikndler. Außerdem haben noch 192 Stichwahlen stattzufinden. Die Stichwahl im Wahlbezirke Cassel- Melsungen findet am Montag, den 22. Januar statt. Der neue Reichstag tritt bereits am Diens­tag, de» sechsten Februar zusammen. DerTag von Philippi" ist verdäm­mert. Er hat leine Katastrophe, nicht einmal eine Ueberraschung gebracht, und wenn man das Resultat der gestrigen Haupiwahl über­schaut, darf man finden, daß stch die Erwar­tungen, die man auf den gestrigen zwölften Januartag gesetzt hatte, im allgemeinen erfüllt haben. Daß die Wahl nach links gravitieren werde, war nach Allem, das demTaz von Philippi" vorausgegangen, als sicher anzuneh­men und konnte nach den Proben bei den in den letzten Jahren stattgehabten Ersatzwahlen nicht zweifelhaft sein. Dennoch ist der Erfolg der Sozialdemokratie im e r st e n Wahlgang nicht so erheblich gewesen, als angenommen und von der Partei der sozialen Demokra­tie wohl auch selbst erhofft worden war. Im alten Reichstag zählte die Fraktion der äußer­sten Liwken (nach der schweren Niederlage von munzehnhundertsieben) dreiundfünfzig Sitze: Die gestrige Hauptwahl hat ihr vierund­sechzig Mandate gebracht, sodaß der eigentliche Ruck nach links" sich also bei der Hauptwahl auf elf Wahlkreise beschränkt. In der Stich­wahl stehen noch hundertzwanzig Sozialdemo­kraten, doch ist es kaum wahrscheinlich, daß der Endkampf der sozialdemokratischen Partei noch einen größern Erfolg bringen wird, da an den Stichwahlen außer den Sozialdemokraten noch dreiundsechzig Rationalliberale und fünfzig Fortschrittler beteiligt sind, die bei der endgilttgen Entscheidung in den meisten Fällen auf ein gemeinsames Vorgehen der bürgerlichen Parteien rechnen dürfen.

Bremen und Magdeburg sind von der Sozialdemokratie den Liberalen entrissen wor­den und in Leipzig steht Stichwahl zwischen dem Nationalliberalen Junck und dem sozial­demokratischen Kandidaten an. Sogar in Potsdam (der preußischen Residenzstadt par excallence) kommt der sozialdemokratische Kandidat mit dem bisherigen konservativen Vertreter- in die Stichwahl. Darmstadt (bisher vertreten vom Nationalliberalen Osann) ist vom Sozialdemokraten Queffel in Besitz genommen worden. Sehr schmerzlich wird es alle Freunde des sozialen Fortschritts berühren, daß ein so fähiger und weit über seine Partei hinaus der Svmpathie sicherer Politiker wie Friedrich Naumann in der Stichwahl seines Kreises Heilbronn ausgefal­len ist. Dagegen scheint es, als ob dem Führer der Nationalliberalen, Bass ermann, das Wahlglück doch noch hold ist. Er ist in Saar­brücken in eine günstige Stichwahl gekommen. In Wiesbaden steht der Nationalliberale Bartling in Stichwahl mit dem Sozialdemo­kraten Lehmann, dem früheren Inhaber des Mandats, und Köln (bisher ein sichrer Sitz des Zentrums) ist zum Stichwahlpreis zwischen Zentrum und Sozialdemokratie geworden. DerRuck nach links" bat sich also am fühl­barsten in den großen Kulturzentren des Reichs, in den Großstädten vollzogen, und die Stichwahlchancen weisen deutlich darauf hin, baß auch in den ländlichen Wahlbezirken eine Kit automatischer Kräfteverschiebung zugunsten der radikalen Partei stattgesundrn bot. Poli­tisch wiegt diese Tatsache vielleicht schwerer als der gestrige Erfolg der Sozialdemokratie, denn sie beweist, daß selbst in den bisherigen Hochburgen der bürgerlichen Parteien die Stimmung der Wählermassen sichtliche Ten- denzwandlungen erfahren hat. Jedenfalls wird der neue Reichstag (mögen die Stichwahlen nun Wahrscheinlichkeitsergebnisse oder auch Ueber- raschungen bringen) ein völlig verändertes Bild aufweisen. Ob zum Vorteil oder zum Schaden, kann erst die Zukunft lehren.

Herr von Bethmann Hollweg hat gestern, als er seiner Bürgerpflicht genügte, sreundlich

gelächelt, und lächelnd hat er auch den kleinen Raum verlassen, in dem hinter der schützenden Gardine der erste-Beamte des Reichs dem Erwählten seines Vertrauens" die Bethmann- stimme gab. Als der Kanzler zur Urne schritt, ließ sich das Ergebnis desTags von Phi­lippi" noch nicht ahnen: Am Abend, als der elektrische Funke aus allen Gauen des Reichs die Summe der Volksabstimmung zum stillen Haus der Wilhelmstraße trug, wird Herr von Bethmann Hollweg wohl kaum gelächelt ha­ben, selbst wenn die Ahnung des Philosophen ihm gesagt haben sollte, daß er zum Jubeln sicherlich nicht Anlaß finden werde. Denn für die Regierung und für die Aera Bethmann be- bedeuten die gestrigen Wahlen ein Zeugnis völkischer Mißstimmung, das in krassem Gegen­satz zum Januar-Jubeltag von neunzehnhun­dertsieben steht, als Bernhard Bülow durch einen Eilkurier aus dem Kaiserschlotz begei­sterte Glückwünsche empfing: Die Zeiten haben sich gewandelt, und dort, wo vor fünf Jahren eine vieltausendköpfige Menge jubelnd das deutsche Lied in die sternenhelle Nacht hinein» schmetterte, war's gestern zur Mitternachts, stunde öd und leer. Nur der Mond lugte ver­träumt vom Kimmel nieder, und fein am Fii- mament glitzerte der Orion wie eine große helle Träne im Auge der Nacht. Diese Träne aber perlte nicht für den von der Mitternacht bedeckten Tag von Philippi": Sie schwamm in des Schicksals Auge als ein Trauerzeichen erhabner Verklärung um ein starkes Volk, das von Irr­tum und Schwäche auf des Unheils Bahn ge­leitet ... F. H.

*

Am ASmd des WslhttWs.

(P riv a t-Tele gramm.)

Der Kaiser hatte den Reichs­kanzler beauftragt, ihm abends nach alle bekannt gewordenen Ergebnisse der Reicks- tagswahlcn mitzuteilen. Infolgedessen batte der Reichskanzler angeordnet, dass die Wahlkommissare im Deutschen Reich sofort nach Feststellung des Resultats in drin­genden Telegrammen zuerst dem Re-chsamt des Innern dos Stimmenver­hältnis mitteilten Im Reichsamt des In nern war infolgedessen für die Wahlnacht ein ununterbrochener Dienst eingerichtet.

Aus Berlin wird uns deveschiert: In Vor­ahnung der kommenden Wahlresultate hatte man für gestern eine Demonstration wie im Jahre neunzvhnhnndertsieben gar nicht er­wartet und sie fand auch nicht statt. I n t i e. ser Ruhe lag das Schloß und der Schloß­platz. In tiefer Ruhe lagen auch nach Schluß der Theater die Linden bis zur Friodrichs- straße. Zwar war für alle Fälle die Poli­zeiwache im Schloß verstärkt und eine Abteilung Berittener int Marstall untergebracht worden; aber die Ruhe wurde nicht gestört. In der Umgebung des Reichskanzlerpalais war, trotzdem alle Fenster hell erleuchtet waren (es fiel das starke Schutzmannsaufae- b o t, jeder mit umgeschnallter Pi- st o l e, auf), die Straße nickt belebter als in anderen Nächten, und doch zeigte die Stadt die gleiche Erregung wie im Januar neun» zehnbundertsteben. Alle öffentlichen Lokale waren überfüllt und auch in den Straßen wog­ten riesige Mensckenmassen. Man riß sich die Extrablätter aus den Händen und rief sich ein­ander besonders interessante Wahlresultate zu. Oessentliche Ruhestörungen, die die über­eifrige Polizei befürchtet batte, kamen f a st gar nicht vor. Rur in Rixdorf und in Lich­tenberg erfolgten einige Sistierungen wegen groben Unfugs. Auch die aus dem Reich vor­liegenden Nachrichten lassen erkennen, daß die Wahlen fast überall glatt und ruhig verlau­fen sind.

Zer Tag von Philippi.

Die Presse beurteilt im allgemeinen den Ausfall der gestrigen Wahlen nicht allzu pessimistisch; es kommt vielmehr in den meisten Preßstimmen die Ueberzengung zum Aus­druck. daß die Wahlen zwar eine Stärkung der sozialdemokratischen Partei gebracht, die gehegten Befürchtungen in dieser Beziehung aber doch bei weitem nicht bestätigt hätten. Wir verzeichnen (nach telegraphischen Meldun­gen) nachfolgende Auslassungen:

Tas Berliner Tageblatt:

Das deutsche Volk bat gestern gebro­chen und wie auch immer fein Votum ausge­fallen fein mag, der einzelne Staatsbürger, wie die leitenden Persönlichkeiten müssen sich

damit abfinden. Soviel steht schon setzt fest, daß in den neuen Reichstag ein sehr starker Prozentsatz neuer Männer einziehen wird. Der Wunsch ist nicht unbescheiden, daß mit den neuen Männern auch ein neuer Geist in den Reichstag einziehe.

Die Berliner Morgenpost:

Aus den bislang vorliegenden Nachrichten, die etwa die Hälfte aller Wahlresultate um­fassen, läßt sich eine gewisse Tendenz auf Wie­derherstellung der Grupvenverhättnisse von neunzehnhundertdrei deutlich erken­nen. Diese Rückkehr zu den Verhältnissen von neunzehnhundertdrei macht sich am deutlichsten bei der Sozialdemokratie bemerkbar, die ihre alte Mandatstärke wieder zu erreichen scheint. Die Tägliche Rundschau:

Die Bewegung nach links erfolgte nach den bisher vorliegenden Zahlen nicht in dem Maße, wie vielfach anaenommen wurde, aber sie reicht doch ans. um für gewisse Fragen eine Mehrbeit gegenüber dem Zentrum und den Konservativen zusammenzubrinoen. Im Gan­zen eine Verschiebung, aber kein Ruck nach links. Iw übrigen bringen auch die Stich­wahlen möglicherweise noch eine Korrektur. Die Deutsche Tageszeitung:

Bisher läßt sich eine allgemeine Signatur der Lage höchstens dabin geben, daß sowohl auf der rechten Seite, wie im Lager der bürger­lichen Linken schwere Verluste zu verzeich­nen sind. Die Sozialdemokraten gewinnen und zwar auf Kosten der Liberalen, na­mentlich aber des Freisinns, der selbst den ersten Berliner Wahlkreis schwer wird halten können. DerRuck nach links" erfolgt also auf Kosten der linksstehenden Parteien.

Die Post:

Allgemeine Schlüffe kaffen sich einstweilen natürlich noch nicht ziehen. Bemerkenswert aber ist. daß die SozialdemokXAiMätouj. lieben Freunden und Bundesgenoffen als ersten Dank für die wohlwollende Gesinnung eine ganze Anzahl Mandate abgenommen bat. Man muß sagen, daß dieses Resultat desTa­ges von Philippi" jedenfalls nicht ohne eine ge­wisse ch a r a k t e r i st i sch e Bedeutung ist.

Ter Vorwärts:

Dieser Tag ist unser. Nicht gering sind unsere Erwartungen gewesen, aber sie sind er­füllt worden. Ein Drittel des deutschen Vol­kes hat seine Stimme abgegeben für die Sozial­demokratie. Es bat gestimmt gegen die im­perialistische Politik und die nationalistische Hetze ist wirkungslos geblieben. Wir kennen keine Rast und der zweite Wahltag soll vol­lenden, was der erste glorreich begonnen.

*

Ein Privattelegramm meldet uns aus Berlin: Der neue Reichstag wird bereits in der ersten Februarhälfte einberufen werden. Er wird schon in der Thron­rede erfahren, daß ihm bald eine H e e res- vorlage und eine Marinevorlage zu­gehen werden. Tie Grundzüge der Marinevor­lage stehen fest und werden nur noch weiter aus­gearbeitet. In der Hauptsache handelt es sich darum, zu den zwei bestehenden Hochseege­schwadern ein drittes aus den Reserveschif­fen in Dienst zu stellen.

Der Termin der Stichwahlen.

(Piivat-Telegramm.)

Wie uns aus Berlin depeschiert wird, ist im Gegensatz zu früheren Reichstagswahlen diesmal kein gemeinsamer Termin für die Stichwahlen vereinbart worden, und zwar weder für das Reich, noch für Preußen. Die preußische Regierung hat den Wahlkom­missaren empfohlen, die Stichwahlen in den Tagen vom zwanzigsten bis fünfundzwanzig- sten Januar unter Freilassung des dreiuud- zwanzigsten und vierundzwauzigsten Januar anzusetzen. Die letztere Maßnahme findet da­rin ihre Begründung, daß der Termin für die Ermittelung des Wahlergebnisses durch den Wahlkommissar unter Mitwirkung von sechs bis zwölf Beisitzern am vierten Tage nach dem Stichwahltermin ftattfinben muß. Würde nun am dreiundzwanzigsten ober vierundzwanzig- ften Januar die Stichwahl ftattfinben, so fiele der Tag der Ermittelung des Wahlergebnisses auf den Geburtstag des Kaisers, ober auf den folgenden Sonntag, was vermieden weiden soll? Den Bundesregierungen ist von der für Preußen getroffenen Regelung lediglich Mitteilung gemacht worden. Ter einundzwan- zigste Januar fällt auf einen Sonntag. Es kom­men also nur der zwanzigste, zweiundzwanzig- ste und fünsundzwanzigste Januar als Stick- Wahltage in Frage. Von den Bundesstaaten haben (so weit bis jetzt bekannt geworden ist) Baden den zwanzigsten, Hessen und Württem­berg den zweiundzwanzigsten Januar als Stich­

wahltag gewählt. Im Wahlbezirk Cassel- M e l s u ng e n (und wahrscheinlich auch in de» übrigen sieben hessischen Westbezirken) findet die Stichwahl, wie uns von amtlicher Seite mitgeteilt wird, am Montag, den zwei- undzwanzigsten Januar statt.

Die Parteien bei den Stichwahlen.

(Privat-Telegram m.)

Berlin, 13. Januar

An den hundertzweiundneunzig Stich­wahlen, die erforderlich sind, sind die ein« zelnen Parteien in folgender Stärke betei­ligt: 39 Konservative, 16 Reichspartei, 3 Re- sormpartei, 13 Wirtschaftliche Vereinigung, 30 Zentrum, 9 Polen, 63 Nationalliberale, 4 Bund der Landwirte, 52 Fortschrittliche Bolkspartei, 120 Sozialdemokraten, 3 Bayerische Liberale, 1 Elsässer, 1 Elsässer Zentrum, 2 Lothringer, 6 Welfen, 2 Bauernbündler und 5 Fraktions­lose.

Berliner Wahltag Bilder.

Berlin amTag von Philippi".

(Von unferm Korrespondenten.)

Berlin, 13. Januar.

Wer gestern in den elften Vormittagsstun­den bei fünf Grad Unter Null und eisigem Wind durch bie Straßen Berlins schlenderte, um ein Bilb bes Wahlkampfs zu gewinnen, ber konnte unmöglich zu ber Ueberzengung kommen, baß nun wirklich bergroße Tag" ge­kommen fei, ber von verschiebenen Seiten seit Monaten unb gar Jahren herbeigesehnt wurde. Die Straßen der Reichshauptstadt zeigten das übliche Bild; selbst vor den Wahllokalen sah man in den ersten Wahlstunden kaum mehr als den postierten Schutzmann, der ebenso fror wie die Zettelverteiler, bie sich im Torweg ausge­stellt hatten, um ihre Stimmzettel an ben Mann zu bringen. Von irgenb welcker Wahlbegeisterung war nicht das Ge­ringste zu jbüren. Dies hat für Berlin seine Ursache darin, 'daß die Parteien den Kraftauf­wand auf ein Minimum herabgcschraubt hat­ten, denn die meisten Wahlkreise sind ja unein­nehmbare Hochburgen ber Sozialdemokratie. Nur im ersten unb zweiten Berliner Wahlkreis hat man Anstrengungen gemacht, den liberalen Kandidaten dnrchzubringen. Im ersten Wahl­kreis war feit Wochen für bie Kandibatur Kaempf vorgearbeitet worben unb im zweiten, dem ehemaligen Virchowschen Wahl­kreise, batte man sogar so intensiv gearbeitet, daß bie Hoffnung. den Wahlkreis burch Mommsen den Sozialdemokraten abzuneh­men, Mit Zunahme der abgegebenen Stimmen immer festere Gestalt annahm. In beiden Wahlkreisen begann der liberale Schlep­perdienst bereits in ben Mittoasstunben unb funktionierte auch bis zum Sckluß ber Wahl ausgezeichnet. Von konservativen ober zen- trumsparteilichen Anstrengungen war in Ber­lin überhaupt nichts zu merken, in verschiebe­nen Wahllokalen fehlten sogar zeitweise bie Stimmzettelverteiler dieser Parteien.

Die Minister wählen.

Ziemlich abseits des eigentlichen Wohn­sitzes in der Wilhelmstraße und Umgegend hat­ten die höchsten Staatsbeamten zu wäh­len. Ihr Wahllokal war Deckers Ballsalon in der Jägerstraße, die gerade in diesem Teil durch ihre aneinanderciereihten Lebeweltlokale eine mehrnächtliche" Eristen; bat. Dort, unter künstlichen Palmen, zwischen Talmistuck und verlebten Portieren wartete man von zehn Uhr ab bei Tee und Grogk auf dieersten Männer des Reichs". Als erster erschien um halb elf Uhr ber Landwiitschaktsminister. Freiherr von Schorlemer -Lieser. Schnell entledigte er sich seiner Bürgerpflicht, so schnell, daß der Photograph mit dem Blitzlicht Mühe hatte, mitzukommen. Kurz nach ihm erschien Justiz­minister B e s e l e i, Minister von Breiten- b ad), unbNummer breihunderttünfunbsiebzig der Wahlliste": Ter Reichskanzler, Herr von Bethmann H o l lw e g. Er hatte sich einen' Sekundanten in Gestalt des Herrn Dr. Mar- tins, ben er im Foher lbas hier sonst nur der Minne dient) getroffen, ins Wahlbureau mitgebracht. Man sab ben Reichskanzler in der Tasche nach dem mitgebrackten Stimmzettel suchen, man sah seine übergroße Gestalt in der ans drei Brettern und einer Gardine primitiv hergestelltengeheimen Kabine" verschwinden, man sah ihn schließlich (immer mit beiteim Lächeln) an den Wahlvorsteher heiantreten und sein Kuvert eigenhändig in bie Urne werfen.

ZweiKoWpe1eNZrsnM?te".

Zu einigen nicht des Humors entbehrenden Zwischenfällen kam es im ersten Wahlkreise. Ter neue Staatssekretär im Reichskolonialamt,