Casseler Abendzeitung
2. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952.
Sonnabend, 13. Januar 1912
Fernsprecher 951 und 952.
Nummer 32
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Haus zurückzusühren! Professor Gerharde (der neben Gurlitt sich eingehend mit dem sen und den Ursachen der Kinderselbstmorde beschäftigt hat) mißt die Hauptschuld an dem „Brandmal unsrer Kultur" der Familie und dem Elternhaus bei und Nagt die
Di« Hantlet Sltuefltn Nakhrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abends. Der LdonnementSpret» beträgt monatlich 60 W bet freier Zustellung in« ßaui. Bestellunzen werden teberjeU oen der Wel-Västsstell« ober den Bolen entgegengenommen DruUerei Berta« und Redaktion: Schlachthofstratze Sprechstunden der Redaktton VON 1-Ä Ubr nach, attttaa« juristtsche Sprechstunden kur untere «bormenten Mittwoch« und Sonnabend« von ^ Ubr abendä verttneHretung: SW„ tzriedrichstraße 16. Telepbon: Amt IV 676.
moderne Kinder-Erziehung im Schoß der Famile der Verständnislosigkeit gegenüber dem Empfinden des Kindes an: Kein Kind würde seinem Leben ein Ende machen, wenn es nur einen lieben Menschen fände, dem es in der Sprache seines Herzens sein Leid,. seine Kämpfe und Röte klagen könnte! Man muß sich in die verzweifelnde Seele des Kindes hineindenken können, wenn in ihren tiefsten Tiefen aus einem Meer von Tränen der Gedanke an den Abschied vom Leben, an das ewige Scheiden von allem, das dem Empfinden der jungen Seele teuer arwor.
Berliner Wahl-Mstimgeu?
(Privat-Telegramm) Berlin, 12. Januar.
Die Kabinettskrise in Frankreich.
Ein Kabinett Bourgeois in Sicht?
Wie uns aus P a r is gemeldet wird, lud Präsident Falliöres für gestern abend den neugewählten Präsidenten des Senats, Herrn D u- bost, sowie den Kammerpräsidenten Brisson ein, um mit ihnen die durch den Rücktritt des Kabinetts Caillaux geschaffene Lage emgehend zu beraten. Herr Dubost hat dem Prasident-n einen Senator zum Ministerpräsidenten vorgeschlagen, u. zwar in erster Linie B o urg eo iS und P o i n c a r 4. Inzwischen scheint sich Fal- lisres bereits für Bourgeois entschieden zu haben, denn es geht uns folgende Meldung zu:
Paris, 12. Januar.
(Privat-Telegramm.)
Präsident Falliöres wird heute den Senator Bourgois empfangen, um ihm die K a b i - nettsbildung anzubieten. Die Gesundheit Bourgois' bat sich in der letzten Zeit erheblich gebessert. Seine Freunde bestürmen ihn, sich diesmal den Pflichten eines radikalen Parteichefs nicht zu entziehen und versprechen ihm getreue HeereSfolge, nicht blos der gegen, wärtiaen Majorität, sondern auL die Unter-
den Kampf mit dem Leben herangebildet werden.
Achtundfünfzig Jugend-Tragödien in jedem Jahr: Die Ziffer des Verhängnisses redet eine eindringlichere Sprache als die überzeugendste Beweisführung volks-pshchologischer Erkenntnis über das Wesen der „sittlichen Jugend-Entkräftung" und mahnt zu ernster Einkehr. Wir rühmen uns des Vorzugs, daß unser nationales Erziehungswesen das vollendetste der modernen Kulturwelt fei, und haben auch (was den rein schulmäßig-wisfen- sch östlichen Charakter der Erziehung anbelangt) ein Recht dazu. Daß unser hochentwickeltes Erziehungs-System aber nicht gleichzeitig auch die sittlichen Kräfte der Heranwachsenden Generation gefestigt hat, beweist die Statistik der Jugend-Tragödien, und es ist deshalb wirklich kein Anlaß zu stolzer Befriedigung gegeben, denn ein betrüblicheres und erschütternderes Zeugnis für die Schwächen unsrer Kultur kennt die Geschichte kaum. In jüngster Zeit ist (als die Tragödien der Jugend sich förmlich epidemisch häuften) über das Thema der Schüler-Selbstmorde mancherlei gesprochen und geschrieben worden, und es hat schließlich die Annahme Geltung gesunden, daß beim Durchschnitt dieser Katastrophen jungen Lebens Physische Defekte, erbliche Belastung und andre, im Seelenleben der Unglücklichen wurzelnde krankhafte Erscheinungen dir Ursache der Flucht vorm Leben seien. Daß diese Annahme der Tagesmeinung so rasch geläufig geworden, hat seinen Grund ofsenbar in ihrer nahen Anlehnung an die Gewöhnung unsrer Zeit, alles außergewöhnliche unterm Gesichtswinkel psychologischer Degeneration zu be. trachten.
Die Statistik beweist indessen das Gegenteil: Bon hundertsiebzig Jugend-Tragödien, die in ihren Tatumständen und Motiven unter, sucht wurden, entfielen nur einunddreißig auf Krankheiten des Gehirns, Störungen der Geistrstätigkeit oder erbliche Belastung: mehr als vier Fünftel aller Selbstmorde aber war auf äußere Einwirkungen, auf (erwiesnen) Lebensüberdruß und aus Furcht vorm Eltern-
Tragödien der 8«gend.
Glossen zum Detmolder Schülerdrama.
Das Geheimnis der Detmolder Jugend- Tragödie ist noch unentschleiert. Zwei eben zur Männlichkeit gereifte, von des Lebens wildem Strudel kaum berührte Siebzehnjäh. rige wandern am schneeig-kalten Wintermorgen hinaus in den Wald, um den Kampf auf Leben und Tod zu wagen. Was dem Entschluß, das junge Sein der Entscheidung eines Zufalls anheimzustellen, in den Seelen der beiden Knaben vorausgeganzen, wiegt schwerer als die ganze Roman, und Dramenproduttion eines Jahrzehnts unsrer betriebsamen Litera. tur-Jndustrie, und die Tragödie unsrer Zeit, die sich darin offenbart, ist so ergreifend, daß die kälteste Seele unter der Erschütterung dieser Erkenntnis modernster Kultur-Degeneration erzittert. Professor Gurlitt hat kürzlich in einem Vortrag im Deutschen Monisten- Bund die Frage der Schüler- und Kinderselbstmorde erörtert, und wer seine Anklagen wider das Erziehungssystem unsrer Zeit vernommen hat, wird im tiessten Herzensinnern überzeugt sein, daß hier ein Abgrund klafft, den nicht der Zufall, sondern die Kultursünde des zwanzigsten Jahrhunderts geschaffen hat: Innerhalb zweier Dezennien, i« der Zeit von ochtzehnhunderteinundachtzig bis neunzehnhunderteins, waren (nach der amtlichen Statistik) in den Reichsgrenzen nicht weniger als elfhundertzweiundfünfzig Schüler- und K ind erselb st- morde zu betrauern und achthundertzwöl dieser Jugend-Tragödien entfielen davon allein auf die nieder» Schulen, also auf diejenigen Erziehungsanstalten, in denen die Kinder der breiten Masse des Volks für
den, austaucht; wenn Lebenssehnsucht und Verzweiflung im empfänglichen Hirn kindlicher Vorstellungswelt einen furchtbaren Kampf kämpfen urzd dann schließlich die Furcht, der Ekel vorm Sein oder das bleiche Gespenst der Not den Willen zum Leben im letzten Ausbau- men niederringen.
Auch die Jugend opfert nicht ihr Leben einem flüchtigen Impuls; sie durchbebt die schreckliche Stund« innern Kampfs mit den gleichen Empfindungen, wie der in des Schicksals und der Leidenschaften Schule Gereifte, und wenn sie den verhängnisvollen Schritt ins Land der Schatten tut, fällt über dem Drama einer Menschenseele der Vorhang, ehe noch des Le- bens Schicksal-Mittag über diesem Dasein aufgestiegen. Schule und Haus! Gurlitt klagt die Schule an. daß sie über dem Schemawerk pädagogischer Tagwerkelei die Erziehung der Jugend zu gesundem, kräftigem Menschentum vernachlässige: Es sehle der Heranwachsenden Generation des zwanzigsten Jahrhunderts im Zwinger der Schule an Licht und Luft, an Freiheit und Entwicklungsmög- lichkeit, und die Freude am Dasein und Leben werde systematisch erstickt unter einem Wust öder „Wissenschaftlichkeit", der die jugendlichen Hirne erdrücke und allen Frohsinn natürlicher Jugendlust scheuche. In keinem Land der Welt behandle man die Kinder so brutal wie bei uns: Man raube ihnen die Jugend, um sie des Lebens Härten auszuliefern, ehe Körper und Geist notdürftig zur Reife gekommen, und es sei deshalb eine harte, aber durch schwere Schuld begründete Anklage, wenn von einsichtvollen Volk-Erziehern die moderne Jugendbildungmethode als ein unverzeihliches und unentschuldbares Verbrechen an der Zukunft der Nation verdammt werde. Edle Menschlichkeit fördert als Gebot natürlichster Humanität den Tierschutz in jeder Form; wo aber sind die Schirmer und Beschützer unsrer I u g e n d , die das kostbarste Gut nationalen Besitzes, die Zu- kunft des Volks, vor den Schäden eines auf das Dressurprinzip gestimmten Erziehung. Systems und vor dem Verhängnis früher Verzweiflungstat bewahren ...? F- H-
den Arbeiterverbänden Englands und Deutschlands ein Vertrag geschloffen sei, haben bisher noch keine Bestätigung gefunden. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß die deutschen Grubenarbeiter sich mit ihren englischen Kameraden solidarisch erklären werden.
Sreißigtausend Streikende in Belgien!
Ein Privat-Telegramm aus Brüssel berichtet uns, daß die ausständigen Bergarbci- ter im Bezirk von Mons, deren Zahl jetzt noch dreißig tausend beträgt, beschlossen haben, ihre Angelegenheit einem Schiedsgericht zu übertragen, das aus fiins Personen bestehen soll. Die Arbeitgeber und die Arbeitnehmer sollen je zwei Vertreter ernennen, die noch eine fünfte Person zum Präsidenten erwählen sollen. Die Bergleute haben einen sozialistischen Kammerdeputierten und den klerikalen Präsidenten der belgischen Kammer als ihrer Vertteter bestimmt. Es kommt jetzt nur noch darauf an, ob die Arbeitgeber auf diesen Vorschlag e i n g e h e n werden.
Schneesturm und Hochwaffergefahr.
Winterliche Hiobspost aus England. (Privat-Telegramm.)
London, 12. Januar.
Das seit drei Tagen andauernde Unwet. ter hat in ganz England gewaltigen Schaden angerichtet. Aus allen Teilen des Landes treffen Meldungen über Schneestürme ein, während die Schiffahrt auf der Themse und dem Humber unter dichtem Rebel zu leiden hat. De- Rebel verursachte mehrere
MWag-Suvertme. .
„Von Baffermann bis Bebel" in Bayer».
(Privat-Telegramm.) Augsburg, 12. Januar.
In der gestrigen Abend-Sitzung des San. deskollegiums verlas der liberale Vorsitzende Stigler ein Dankschreiben des P.^nzre- genten, in dem dieser für die Neuiahrsgluck. Wunschadresse des Kolleg ums dankte Als der Vorsitzende nach der Verlesung die Mitglieder auffordeite, sich zum Zeichen des Dankes und der Ehrerbietung von den Sitzen zu erheben, blieb die sozialdemokratische Fraktion im Saale und b etei li gte s ich an der Ehrung für den Pnnzregenten. Wie versichert wird, sollen diesem Verhalten Unter- Handlungen zwischen der liberalen und der sozialdemokratischen Fraktion vorangegangen sein, die zu einer völligen Verständigung suhr-
Schiffszitzsammen flöße, denen fünf Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Ge. wattige Schneefälle werden auch aus Nord, e n g l a n d gemeldet. In der Umgebung von Lothion liegt der Schnee einen Fuß hoch. Im Bezirk von Heriot sind zahlreiche Automobile im Schnee stecken geblieben, und die Insassen der Automobile mußten weite Strecken durch den Schnee waten, ohne Unterkommen zu finden. In der Grafschaft Berwick liegt der Schnee einen Meter hoch, und in der Umgebung von Laniollen sind durch anhaltende Regengüsse alle Flüsse aus den Ufern getreten. Der Shannon-Fluß erreichte einen Höchststand, wie «t seit siebenundzwanzig Jahren nicht mehr zu verzeichnen war. Die ganze Gegend bei Partunan steht unter Wasser und Hunderte von Familien mußten aus ihren Wohnungen flüchten. *
Schließlich wird uns noch telegraphisch au« Petersburg berichtet: Im Gebiet der suw ruffischen Bahnen herrscht ke>t emrgen Tagen ein furchtbarer S ch n ec sturm - der dm Strecken vollständig verschneit, sodaß die Züge im Schnee stecken geblieben sind Der Verkehr zwischen den verschiedenen Ortschaften ist fast unmöglich gemacht.
fönen sind erfroren, ebenso viel ^»cy.
<tnfertton«pretfe: Die sechSgespattene Zeile für einheimische Tefchäfte 15 Pf«., für au«, wärttne Inserate W Pf„ Reklamezetle für ewheimische tSeschäfie 40 Ps ^ «£**«* ®eM)äfte 60 Ps. Beilagen für die Oefamtauftage werden mit 5 Mark pro Lausend be- rechnet. Wegen ihrer dichten Berbreiiung in der Residenz und der Umgebung Rn» Me Lasseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliche» JnIerttonSorgan. «eschSstSstelle: polnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW„ Friedrichstraße 18, Telephon: Amt IV 676.
CaMer NM NchriM
1 Hessische Abendzeitung
Die Neuesten Nachrichten am Wahltag.
Um der Einwohnerschaft der Residenzstadt Cassel die Resultate der heute statt- fiudenden R-ichstagswahl auf schnellstem Wege bekannt zu geben, werden di- Caffelcr Neuesten Nachrichten heute abend die jeweils vorliegenden Resultate fortlaufend durch Scheinwerfer an folgenden Stellen veröffentlichen lassen:
1) An unserer Geschäftsstelle, Cölnische Straße 5 (gegenüber der Spohrstraße, 2) am Friedrichsplatz (in der Nahe des Warenhauses Tietz), 3) am Altmarkt (am Sause der^Firma Oetzel).
Unsere Wahlauskunfts-SLellen.
Ferner haben wir Vorkehrungen getroffen, um dem Publikum auch die Möglichkeit zu geben, sich telefonisch jederzeit über den Stand der Wahl unterrichten zu könne«. Wir haben in verschiedenen Stadtteile« besondere Wahlausknnftftcllen eingerichtet, die auf telephonischen Anruf jede gewünschte Auskunft über die Wahl erteilen. Wir bitte«, folgende Telefon-Nummern anrufen zu wollen;
Fernsprecher Nr. 366.
Fernsprecher Nr. 659.
Fernsprecher Nr. 942.
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Daaeaen bleibe« unsere Rufnummern 951 und 952 unter allen Umständen während des ganzen" heutigen Abends für das Publikum gesperrt. Schließlich haben wir auch Vorkehrunaen getroffen, daß alle» Restaurants, Hotels und Cafes heute abend unsere ErtraLlätter über de« Stand der Wahl auf schnellstem Wege pünktlich »«gestellt worden. Etwaige Reklamationen wegen unpünktlicher Lieferung der Extrablätter bitten wir an die Fernsprech-Rummern 366, 659 oder 942 direkt zu melde«.
tiitzung der Sozialisten in allen wichtigen Angelegenheiten. Bourgois wird das Ministerpräsidium nur unter der Bedingung annehmen, daß er kein Fachministerium zu übernehmen braucht, sondern sich nur mit der Leitung der gesamten Politik zu befassen hätte. Für das Innere würde erBriandzu gewinnen suchen, der damit eine Art Vizeprästdent- chaft im Ministerium erhält. Für das Aeußere käme in erster Linie Millerand in Frage. Herrn Delcassse würde unter diesen Umständen das Anerbieten gestellt werden, das Marine-Ministerium zu behalten.
Am Borabend neuer Riefenstrelks!
Der Bergarbeiterkampf in England.
(Privat-Telegramm.)
London, 12. Januar.
Alle Hoffnungen, daß es zwischen den Bergarbeitern und den Gesellschaften zu einem Kompromiß kommen würde, können als gescheitert bezeichnet werden. Die Arbeiter sind fest entschlossen, in den A u s st a n d zu treten, falls nicht ihre Forderungen bewilligt werden. Die Abstimmung kann nur als Formsache bezeichnet werden. In Glasgow verschlimmert sich die Lage immer mehr. Am nächsten Montag wird das Resultat der Abstimmung proklamiert werden. Ueber das Ergebnis hegt man keinen Zweifel. Industrie wie Admiralität sind eifrig bestrebt, sich mit großen Kohlenvorräten zu versorgen, um bei Verkündung des Streiks wenigstens für einige Zett gedeckt zu sein. Schon jetzt macht sich ein Steigen der Kohlenpreise bemerkbar. In Swansea und den umliegenden Bezirken ist einstimmig zugunsten des Ausstandes abge- stimmt worden. Die Gerüchte, daß zwischen
In den Kasernen der Garnison von Groß- Berlin werden heute einzelne Truppenteile in ständiger Marschbereitschaft gehalten, um bei Ruhestörungen in der Stad., wenn es nötig sein sollte, sofort eintreten zu können. Außer einer Reihe von Kompagnien der Infanterie-Regimenter werden vor allem auch Schwadronen der Garde-Kavallerie und auch einige B a t t c r i c n den ganzen Tag über in Bereitschaft bleiben. Die Truppen ind vollständig aktionsbereit ausgerüstet, um m Fall von Ruhestörungen oder Massen-De- monstrationen unverzüglich eingreifen zu können, wenn die Polizei nicht zur Aufrechterhaltung der Ruhe ausreichen sollte.
Ein Hesse als Krösus.
Der reichste Mann der Welt: Ein Hesse!
Daß es in Stmerita einen Mann geben soll, nebelt beffen Vermögen das Rockefellers, Carnegies und all der anderen amerikanischen Multimillionäre rote eine Kleinigkeit erscheint, Hingt fast unglaublich. Weit unfaßbarer aber ist es noch, daß dieser Wann es verstanden bat, sich all feine Lebtage der Qeffentlichkeit vorzuenthalten, daß man feinen Namen kaum hört und liest. Ein Umriß feines Lebenslaufs findet stch in der „Rundschau zweier Welten" (vormals „Ter deutsche Vorkämpfer', die in Newyork erscheinende Monatsschrift zur Pflege de« Deutschtums in Amerika).
An der Schilderung dieses seltsamen Ra- bob-Daseins ist für uns Deutsche, und fpeztell für die Hesse n, der Umstand interessant, daß dieser Sonderling, den sogar in seiner Heimatstadt, St. Paul, nur wenig Leute kennen, citt Deutscher ist, der noch heute, nachdem er bereits seit fünfzig Jahren in Amerika weilt, die englische Sprache mit ausgesprochen deutschem Akzent spricht, Frederick W e v - er Häuser heißt er, Weyerhäuser, der Holzkönig, der Einsiedler, der reichste Mann nicht nur in Amerika, sondern vermutlich auf der ganzen Erde. Weyerhäuser icheut alle Geselligkeit, noch nie hat er irgendeiner öffentlichen Versammlung beigewohnt. Die unter unseren Millionären üblichen Vergnügungen (bemerk! Charles Norcroß, der Weyerhäuser vor einigen Jahren im „Cosmopolitan Magazine" entdeckte) haben für ihn keinerlei Reiz, denn noch heute verlaufen seine Tage in demselben ruhigen, geordneten Geleise wie vor vierzig ' Jahren. Er ist Zeit seines Lebens ein flet- 1 Higer, unermüdlicher Arbeiter ge- ' wesen. Doch er arbeitet im Dunkeln. Er hat I in seinen Geschäftsuntcrnehmungen wohl an ! tausend Partner. Seine Hand reicht bis an