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Hessische Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

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2. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

Dienstag, 9. Januar 1912

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 28

Set Freund am England.

Lord Londsdale und der Deutsche Kaiser.

Die Geschichre wird einst sicher bestätigen, daß Wilhelm der Zweite mit seinen F r e u n - d e n im allgemeinen wenig glückliche Erfah­rungen gemacht hat, und zwar weniger aus eigner Schuld, als infolge der besondern Um­stände und Verhöltniffe, unter denen die Freundschaft des dritten Kaisers z« diesem oder jenem Zeitgenossen grade wirksam wurde. Daß es meist Ausländer sind, die sich des Vorzugs rühmen, der Freundschaft des Deut­schen Kaisers gewürdigt zu werden, ist im Reich (und grade von den Besten der Deut­schen) manchmal aufrichtig bedauert und zum Teil auch als Zeichen einer gewissen Entfrem­dung zwischen Fürst und Volk beklagt worden; aber der Kaiser ist schließlich auch nur ein Mensch, und beansprucht als solcher die Freiheit der Entschließung darüber, wem er seine Sympathie und Freundschaft zuwenden will, wie jeder Andre auch. Von Wilhelm dem Zweiten wird gerühmt, daß er ein treuer, offner und unter Umständen aufopfernder Freund sei, der in seinen menschlichen Regun­gen weit über das gewöhnliche Maß hinaus­reiche und das Ideal der Männer-Freundschaft wie eine heilige Tradition verehre. Leider kann ein Gleiches nicht auch von allen Denen gesagt werden, die in alten und neuen Tagen mit der Freundschaft des Kaisers beehrt wur­den, und grade in politischer Beziehung sind die Schattenseiten mancher dieser Freund­schaften peinlich merkbar geworden.

Zu den ältern Freunden des Kaisers ge­hört auch der englische Lord Lonsdale, der millionenreiche Großgrundbesitzer und Schloßherr von Pearith, der in des alten Jah­res letzten Wochen in Berlin weilte und dort wiederholt vom Kaiser empfangen wurde. Lord Londsdale (einer dermodernen" Eng­länder, die die steife Würde altbritischer Lord- Herrlichkeit als antiquiert abgetan haben, und stattdessen im politischen und gesellschaftlichen Leben ihres Vaterlands eine umso vielgestal­tigere und buntere Rolle spielen) zählt zu den bevorzugten englischenIntimen" des Kaisers, beherbergte den kaiserlichen Vetter Georgs des Fünften gelegentlich eines längern Besuchs in England als Jagdgast auf seinem Stammschloß Pearith, und soll (wie es heißt) auch von der letzten Deutschlandfahrt aus Berlin die Zu­sage mit hcimgebracht haben, im kommenden Herbst den Deutschen Kaiser abermals als lie­ben Gast auf Englands Erde Herbergen zu dürfen. Es ist (wie gesagt) eine rein persön­liche Privatangelegenheit des Kai­sers, darüber zu bestimmen, bei welchem seiner (nicht grade wenigen) englischen Freunde er bei einer etwa geplanten neuen Englandfahrt abzusteigen gedenkt, und niemand auch kann es dem Schloßherrn von Pearith verwehren, den Reportern englischer Gazetten freudestrahlend zu erzählen, wie aufrichtig-freundschaftlich er am deutschen Kaiserhof als Gast empfangen und begrüßt worden.

Etwas andres ist's indessen, wenn ein Freund des Kaisers nach seiner Heimkehr von der Fahrt durchs deutsche Land sich beeilt, sei­nen Landsleuten zu erzählen, wie unbedingt sicher und unantastbar in des Deutschen Kaisers * Seele die Sympathie für England wohne, wie wuchtig sich des Kaisers Frie­denswille allen Kabalen kriegwütiger Diplomatie entgegenstemme, und wie sicher sich Britannien vor einem -deutschen Angriff oder auch selbst vor einem durch politische Not­wendigkeiten gebotnett deutsch-englisch en Krieg fühlen dürfe, solange Wilhelm der Zweite als oberster Kriegsherr über die Wehr­macht des Reichs gebiete. Wenn ein Englän­der, der sich der Freundschaft des Deutschen Kaisers rühmt, in dieser Weise von Eigen­schaften, Entschlüssen, Absichten und Machtvoll­kommenheiten des Trägers der Kaiserkrone spricht, so beweist er zwar, daß er die Wirk- lichkeit nur sehr oberflächlich kennen gelernt hat, erweckt durch sein Geplauder aber nichts­destoweniger in dem Land, das er seine Hei­mat nennt, die Vorstellung, als bestehe zwi­schen dem Empfinden und dem Willen des Kaisers und der gewalfigen nationalen Re­gung des deutschen Fünfundsechzig- Millionenvolks ein tief klaffender Ge­gensatz, dessen Ueberbrückung bisher nur der unerschütterliche Friedenswille des Kaisers er­möglichte. Wir haben (leider!) keinen Anlaß, uns einen Mangel an Freundfchaftsbeteuerun- gen grade England gegenüber vorwerfen zu müssen; im Gegenteil: Es ist längst des Guten zu viel getan, und das Gewisper aus Pea­rith muß naturnotwendig dazu beitragen, jen­seits des Kanals den Eindruck zu vertiefen, daß Deutschland und sein Kaiser sich glücklich

schätzen dürfen, in ihrem Liebeswcrben vom Britenstolz überhaupt erduldet zu werden.

Glücklicherweise dämmert mählich auch bei uns die Erkenntnis, daß wir demlieben Vet- ter" jenseits des Kanals gegenüber wesentlich andre Aufgaben zu erfüllen haben, als uns in Diplomaten-, Pastoren-, Arbeiter- und an­dernVerbrüderungsfahrten" um eine Freund­schaft zu bemühen, die weit außerhalb des Bereichs aller natürlichen Möglichkeiten liegt, und nach allem, das in den Sommer- und Herbsttagen des nun glücklich überwundncn Un­heiljahrs an tatsächlichen Ereignissen voraus­gegangen, kann ehrliches deutsches Empfin­den in dem widerlich-weihräuchernden Gerede des Schloßherrn von Pearith nur eine B e - l e i d i g u n g des Trägers der deutschen Kai­serkrone erblicken, dessen Friedenswillen der englische Lord (ob bewußt oder unbewußt, bleibe dahingestellt) in einen so seltsamen Ge­gensatz zum deutschen Volksempfinden stellt. Wir wissen nicht, aufgrund welcher Kennt­nis der Dinge der englische Freund des Kai­sers seine mehr als eigenartigen Folgerungen glaubt aussprechen zu dürfen; immerhin ver­dient gesagt zu werden, daß grade die eng­lische Freundeszunge wiederholt den Beweis weitgehender Unzuverlässigkeit in überzeugend­ster Form erbracht hat. Lord Londsdale selbst gehört zu Denen, die schon einmal un= verbürgte Kaiserworte weitergetragen haben, und wenn dieser Herr, der im Berliner Kaiser­schloß Gastfreundschaft genoß, nun aber­mals dem Britcntum Anlaß zu spöttelnden Randbemerkungen über dasdeutsche Rätsel" gibt, so dürfte das für alle, die es angeht, eine ernstliche Mahnung sein, die Freundschaft bie- dermännischer Zeitgenossen fremder Zunge aus dem Lärmbereich des politischen Meinung- strcits endlich und endgiltig hinauszurücken!

F. H.

Ein Friedensappell an England? (Privat-Telegram m.)

London, 8. Januar.

Der Berliner Korrespondent desExchange Telegraph" meldet seiner Londoner Redaktion, daß er aus bester Quelle versichern könne, daß die Veröffentlichungen der Unterredungen zwischen Kaiser Wilhelm und Lord Lonsdale mit Ermächtigung des deutschen Kaisers geschehen seien. Die Aeußerungen des Monarchen seien gewisser, maßen als ein Friedensappell an die englische Nation anzusehen. (Die Meldung klingt sehr unwahrscheinlich; sollte sie aber zu- treffen, dann wäre dieserFriedensappell" an England zu einer Zeit erfolgt, die für derartige Bemühungen die a l le r u n g ü n st i g st e war.)

Neue Millionen für Heer und Flotte! Die Forderungen für die Landesverteidigung.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Berlin, 8. Januar.

Aus allem, was man hört, auch aus offi­ziösen Auslassungen, geht hervor, daß der neue Reichstag sich mit wichtigen Vor­lagen für die Landesverteidigung, sowohl zu Wasser wie zu Lande, befassen wird. Heber den Umfang der zu fordern­den Kredite wird zwar noch nichts gesagt, im­merhin darf man mit Sicherheit annehmen, daß sie recht beträchtliche sein werden, andernfalls hätte wohl dieNorddeutsche All­gemeine Zeitung" in ihrem Wahlartikel die Erhaltung und Vervollständigung unserer Wehrkraft nicht als einen derHauptpunkte" bezeichnet, derenBerücksichtigung man bei der Stimmenabgabe im Auge haben müsse". Es ist begreiflich, daß die maßgebenden Stel­len mit den Ziffern noch zurückhalten; eine vorzeitige Veröffentlichung konnte doch Nachteile mit sich bringen, wenn auch zu wün- schen wäre, daß die deutsche Nation baldmög­lichst aufgeklärt würde, um falschen Gerüchten vorzubeugen. Trotz des die Materie umge­benden Geheimnisses sickert indessen manches durch, was Anspruch auf Richtigkeit machen darf, und man hat, wenn man die bisherigen Mitteilungen prüft, in der Hauptsache nur mit einer wirklichen Vervollständigung zu rechnen, und vonUferlosigkeit" dürfte schwer die Rede sein können. Es ist anzunebmen. daß die Regierung mit der neuen Heeresvor- lage eine Ergänzung des Quinquen- nats anzustreben versuchen wird. Wie es heißt, ist lum eine zu große Belastung zu ver­meiden) in Aussicht genommen, den Mann­schaftsetat der Kompagnien etwas herabzusetzen, sodaß eine nicht unbe- trächtiche Anzahl Mannschaften für die Bil­dung neuer Cadets verfügbar wird. Vor­aussichtlich werden verschiedene Regimenter die noch fehlenden dritten Bataillone erhalten, und des weiteren dürften neue Ein­heiten für die technischen Waffen geschaffen werden. Gerade auf d i.r s e m Gebiete sind wir in den letzten Jahren mit gutem Erfolge vorgegangen, und die Forderungen nach die­ser Richtung sind auch stets glatt durchgegan­

gen, weil man sie als ein notwendiges Er­fordernis ansah. In welchem Rahmen sich die Flottenforderungen bewegen werden, ist noch nicht bekannt: bei dsr ganzen Art des Herrn von Tirpitz darf man aber dar­auf rechnen, daß er sich zu übermäßigen Forderungen nicht versteigen wird, wenn­gleich vielleicht unser Verhältnis zu England auf den Ausbau unserer Kriegsmarine nicht ganz ohne Einfluß bleiben dürfte.

Noch keine Friedenshoffnung!

Die Pforte dementiert die Friedensgerüchte.

Die in den letzten Tagen in der Presse ver­breiteten Meldungen über einen bevorstehenden Friedensschluß zwischen Italien und der Türkei waren offenbar Versuchsballons. In der Türkei waren die inneren Zerwürfnisse so arg geworden, daß die um die Herrschaft strei­tenden Parteien des Volkes wahre Mei­nung einmal aushorchen mußten. Dabei stell­te sich heraus, daß eine Annahme unwürdiger Bedingungen den schuldigen Vermittlern nur Gefach» bringen würde. So wird bet^ vt» Konstantinopel rundweg bestritten, daß tu ei­nem Rundschreiben des Großwesirs überhaupt von Friedensaussichten die Rede gewesen sei.

Konstantinopel, 8. Januar.

(Privat-Telegramm.)

Ein offiziöses Kommunique stellt fest, daß die in tendenziöser Weise verbreiteten Ge­rüchte über die Absicht eines Friedens­schlusses jeder Grundlage entbehren. Die Pforte bahnte keinerlei Verhandlungen an und sondierte auch keine europäische Kanzlei. An- ge/ichts der heroischen Verteidigung der otto- manischen Kämpfer und der militärischen Lage gehe die Meinung der offiziellen Kreise des ottomanischen Volkes dahin, daß aus der Grundlage der italienischen Ansprüche vom Frieden keine Rede sein könne. DerTa­nin" bringt heute eine vom Minister des Aeu- ßern ausgehende Veröffentlichung,, in der die Gerüchte über den Friedensschluß als u n r i ch, tig bezeichnet werden, da ein Fried ens- schluß unter den gegenwärtigen Umständen unmöglich sei.

Was gehl am Bosporus vor?

(Privat-Telegramm.)

Weitere Depeschen aus Konstantinopel berichten: Heber die Gespanntheit der inneren Lage wird mitgeteilt, daß alle Kasernen der Stadt starke Truppenkontingente erhal­ten haben. Ueberall auf den Straßen fleht man Wachen, alle verdächtigen Personen werden aufgehalten und nach Waffen durchsucht. Man befürchtet anscheinend eine Erhebung der Reaktionäre, die angeblich besonders in Stambul einen starken Anhang haben. Ein Telegramm aus Tripolis meldet: In Homs wurden gestern zwei Patrouillen, die zum Schutz von Verschanzungen verwendet wurden, von zahlreichen Arabern angegriffen. Diese erlitten schwere Verluste. Tie Italiener hatten einundzwanzig Verwundete.

Türkeugreuel im Araberdorse.

Ein Telegramm aus Tripolis bringt die Kunde von neuen furchtbaren Kriegsgreueln, die von der türkischen Soldateska verübt worden sind: Während der Nacht zum Sontag überfiel eine Abteilung tür­kischer Soldaten die Ortschaft Gargaresch, drang in alle Häuser ein und richtete unter den im Schlaf befindlichen Arabern, die seit Beginn des Krieges auf italienischer Seite gestanden hatten, ein fürchterliches Blutbad an. Frauen und Kinder wurden erbarmungslos hingeschlachtet. Zum Schlüsse steckten die Türken das Dorf in Brand. Rur wenigen der Bewohner gelang e§, zu entfliehen. Sie eilten nach den italienischen Stellungen und ba­ten um Hilse, worauf eine Abteilung italieni­scher Kavallerie den Türken nachgesandt wurde, jedoch waren diese bereits verschwunden.

Musische Blutherrschast in Persien.

Maffenhinrichtungen persischer Patrioten.

Bon Norden und Süden her ziehen die Russen, die neuen Herren in Persien, in das am Ende seiner Selbständigkeit angelangte Reich des Schah. Die Unterwerfung unter das russische Joch vollzieht sich unter Blut­vergießen. Tas Todesurteil des Feldgerichts in Täbris gegen den Führer der Fidats, Hedschiali Dawafurusch, gegen den Reffen Sattar Khans, den Führer der Fi- dais des Stadtviertels Emirhis, Emir Mo. Hamed Khan, der dem fünften Regiment Widerstand leistete, und gegen seinen Gehilfen, sowie gegen die Mitredakteure des Revolu- tionsblattes Schurak und Kerim Khan ist (Depeschen aus Teheran zufolge) am gestri­gen Sonntag vollzogen worden. Sechs Ange- klagte wurden freigesprochen. Das Hans von Dawafurusch wurde in die Luft ge­sprengt. Ein Teil der Haubitzenbatterie ist einzeiroffen. Das russische Generalkonsulat ergriff Maßregeln zum Schutz ^es Vaters des

jetzigen Ministers des Aeußern, des Vorsitzen­den des Endschum,cn, Adlie Beledie, und einer Reihe anderer Personen, die an den Feind­seligkeiten gegen die Russen nicht teilgenommen hatten, gegen die die Bevölkerung jedoch äußerst erregt ist wegen ihres früheren Zusammen­gehens mit den Fidais. Ter englische Konsul Smart, der vor einigen Tagen überfallen Worben war, ist mit seiner indischen Begleit­mannschaft wohlbehalten in Schiras einge- troffen.

Sn Sturm und Schnee-

Unwetter-Nachrichten ans aller Welt.

Nun ist der Winter doch ins Land ge» zogen, Schnee und Eis deckten Feld und Flur, und der Sturm heult durch die Gassen! Die Plötzlichkeit des eigentlichen Äinter- beginnt nach einer wochenlangen Regen­periode hat sich überall in schroffster Form be­merkbar gemacht, und aus de«t In- und Aus­land liegen Meldungen über schwere Un­wetter vor, die der jähe Hereinbruch des Winters und der plötzliche Umschwung der Witterung verursacht haben. Vom Rhein wird zudem Hochwassergefahr berichtet, da infolge der wochenlangen starken Niederschläge der Strom und seine Nebenflüsse gewaltige Wassermassen führen. Besonders stark sind die Lahn und die Mosel gestiegen. Die Mosel zeigte heute früh in Trier einen Pegelstand von 385 Zentimetern, anderthalb Meter höher, als der gewöhnliche Pegelstand. Gleichzeitig mit dem Schneewetter hat vielerorts auch ein heftiger Sturm eingesetzt. Wir verzeichnen folgende, uns bis heute mittag vorliegenden telegraphischen Meldungen:

Eschwege, 8. Januar.

Seit gestern wütet im ganzen Werratal schwerer Schneesturm, der viele Verkehrs­störungen verursachte. Auch im gesamten Eifel­gebiet sind Schneestürme zu verzeichnen. Am Niederrhein trat gestern abend plötzlich mit Hagel- und Schneefall ein Wettersturz ein. Freiburg, 8. Januar.

Im ganzen Schwarzwaldgebiet und in der Ebene wütet seit gestern vormittag ein schwe­rer S ch n e e st u r m, der überall großen Scha­den anrichtet. Im Höllental wurde das Dach eines großen Schwarzwaldhauses abgetragen und zerschmettert. Gestern vormittag zog ein heftiges Gewitter herauf, das schwere Hagelwetter und wolkenbruchartigen Regen brachte.

Cuxhaven, 8. Januar.

Mit schwerem Nordsiurm ist in der vergan­genen Nacht F r ostw etter und Schnee­treiben eingetreten. In der Elbmündung strandete der SchonerKaro". Er wurde mit vieler Mühe durch zwei Hilfsdampfer abge­schleppt. Auch von der See und aus dem ge­samten Küstengelände wird schweres Sturm- Wetter und anhaltender Schnee-Niedergang ge­meldet. Seit gestern mittag schneit cs ununter­brochen. ,

Danzig, 8. Januar.

Von zwei vor vierundzwanzig Stunden von Hela abgegangenen Fischerbooten fehlt bis zur Stunde jede Nachricht. Man be­fürchtet. daß ihre sechs Mann stark Besatzung im Schneegestöber verunglückt ist. Auch mehrere andere kleine Fahrzeuge sind überfällig und dürften ebenfalls dem seit der vorgestrigen Nacht herrschenden schweren Schnee sturm zum Opfer gefallen fein.

London, 8. Januar.

An der französischen und englischen atlanti- schen Küste wütet feit gestern ein furcht­barer Sturm, der bereits eine ganze Reihe von Unfällen herbeiführte. In England ging der feit sechzig Stunden anhaltende Regen gestern in dichten Schneefall über. Tie meisten Teile von Wales sind mit mehrere Zoll hohem Schnee bedeckt. Es herrscht starker Sturm.

Rewyork, 8. Januar.

Die strenge Kälte .hält noch immer an, und es herrscht infolgedessen unter der ärmeren Bevölkerung großes Elend. Die Asyle für Obdachlose sind überfüllt. Zur Unterbringung von Obdachlosen sind deshalb vorübergehend auch die Räume der städtischen Leichenhalle in Benutzung genommen. In Redwing (Min­nesota) verursachte das Bersten einer Eisen­bahnschiene infolge der Kälte eine Zugentglei­sung. bei der zwanzig Personen ver­letzt wurden.

Wetterumschlag in Eicht?

Trotz des schroffen Einsetzens winterliche? Witterung scheint das herrschende Schnee- und Frostwetter nicht von langer Dauer sein zu sol­len, denn der von der amtlichen Wetterbericht­stelle Weilburg herausgegebene Wetterbe- richt sagt für Dienstag für Hefsen-Nassau folgende Witterung voraus: Vorläufig noch kalt, einzelne Niederschläge, doch ist die Wetterlage wieder un- s i ch e r g e w o r d e n. In Uebereinstimmung mit dieser Wettervoraussage berichten auch die Wetterdienststellen Süd- und Norddcutschlands über einen bevorstebenden Umschwung In