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Hessische Abendzeitung
Casseler Abendzeitung
2. Jahrgang
Freitag, 5. Januar 1912
Fernsprecher 951 und 952.
Nummer 25
Fernsprecher 951 und 952.
meldet:
Berlin, 4. Januar.
k
Die Tafleler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abend». Der Abonnementsprei» beträgt monalltch 50 Pfg. bei freier Zustellung ins Haus. Bestellungen werden jederzeit von der Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, Verlag und Redaktion: Schlachthofstrabe 28/30. Sprechstunden der Redaktion von 1—3 Uhr nach, mittags, furtstifche Sprechstunden für unsere Abonnenten Mittwochs und Sonnabends von 6—8 Uhr abend-. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV 676.
Busständischen solidarisch erklären und sich ebenfalls zugunsten der wöchentlichen Lohnauszahlung aussprechen. Man glaubt, daß der Ausstand morgen völlig allgemein sein wird. Zahlreiche Gendarmeriepatrouillen durchziehen das AusstandSgebiet, doch haben sie bisher keinen Anlaß zum Einschreiten gehabt. Nach einer gestern abend vorgenommenen Zählung streikten um sechs Uhr nachmittags achtundvierzigtausend Arbeiter. Da heute früh weitere umfangreiche Arbeitseinstellungen folgten, dürfte die Zahl der Streikenden heute mittag mindestens siebzigtausend betragen Vermittlungsversuche find von den Streikenden abgrlchnt worden. •
versichert halten zu dürfen. Daß es nicht an ernster Mühe mangeln wird, das dem Volk of- enbarte Ideal zu verwirklichen, darf ich Eurer Majestät aus aufrichtiger Uelerzeugung und aus dem Bewußtsein heraus beteuren, daß in langer Nächte schlaflosen Stunden diese wichtigste und vornehmste Pflicht einer in allen ihren Entschließungen vom Geist des Nationalempfindens getragnen Regierung meine dringlichste Sorge gewesen ist. Ich glaube auch, der Hoffnung Raum geben zu dürfen, daß Eure Majestät es billigen werden, w i e ich zum Volk gesprochen: Nicht in flüchtigen Briefzeilen aus bowlendunstiger Silvesternacht, sondern in den wuchtigen Lettern eines Manifests, dessen Formung Stunden hirnmarternder Mühsal ausfüllte. Wenn die Ehrlichkeit guten Willens der Hoffnung auf gebührende Würdigung idealer Weltausfassung leben darf, wird der zwölfte Januar keine Enttäuschung, und der vom Groll prophezeite Tag von Philippi keine Katastrophe bringen: triumphiert indessen auch hier das Böse über der Ideale Lauterkeit, dann kann selbst der ehrlichste Wille den Arm des Verhängnisses nicht abwenden . . .! So (oder ähnlich) hätte Einer sprechen können, der der Ueberzeugung noch nicht entwöhnt ward, durch die Winzigkeit eines offiziösen Druckpapierblatts das Meer der Volkserregung abdämmen zu können. Denn Herr Theobald von Beth- mann Hollweg ist ein Philosoph, und eine Weltweisheil ist aufgebaut auf Fundamenten, deren Wucht längst zerbröckelte!
F. H.
gtifertionSpretfe: Die fechSgefpaltene Zette für einheimische Geschäfte 15 Pfg., für au», wärttge Inserate 25 Pf, RellamezeUe für einheimisch« Geschäfte 40 Pf., für auswärtige Geschäfte 60 Pf. Beilagen für die Gesamtauflage werden mit 5 Mark pro Tausend de- rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Reflden, und der Umgebung sind die Lafseler Neuesten Nachrichten ein vorzüglicher Jnserttonsorgan. Geschäftsstelle: Sölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV 676.
Sie Mer des AN-Dramas.
Die Bergiftungsursache noch immer zweifelhaft.
Wie uns aus Berlin berichtet wird, wird ich in ihrer nächsten Sitzung auch die Berliner Stadtverordnetenversammlung mit den M a s- env er g i ftu n g en im Obdachlosenasyl in der Fröbelstraße beschäftigen. Die Fraktionen der alten und der neuen Linken sowie die sozialdemokratische Fraktion ersuchen in Dringlichkeitsanträgen den Magistrat um Auskunft über die Vergiftungen und um Auskunft über die von der städtischen Verwaltung getroffenen Maßnahmen. Weiter wird uns ge-
Kaiser und Kanzler. 11 Der Neujahrsbesuch in der Wilhelmstraße.
Am Abend des zweiten Tags im neuen Jahr erfreute Herr Theobald von Bethmann 1 Hollweg, die philosophischen Früchte der in der 1 Stille von Hohenfinow verträumten Feiertage ■ auf dem Altar der Erkenntnis ausbreitend, die 5 Volksgemeinschaft mit jener holzpapierncn ; Kundgabe in den Spalten des norddeutsch-all- ' gemeinen Kanzlerblatts, von der gesagt wird, sie enthalte zugleich den Neujahrsgruß und die Wahlparole des leitenden Staatsmanns. Achtzehn Stunden später hielt vorm 1 Portal des Palais in der Berliner Wilhelmstraße schnaufend und knatternd das gelbe Automobil mit der Zier der Kaiserkrone und ; der Zollernstandarte: Wilhelm der Zweite stattete dem Ersten seiner (Verantwortlichen) Ratgeber den üblichen Neujahrsbesuch ab. Es ist vielleicht einem Zufall zu danken, daß beide Ereignisse zeitlich so nah zusammenfielen: Da indessen der von der Märker Scholle zum Amtshaus heimgekehrte Kanzler den kaiserlichen Neujahrgast in des Januar frühesten Tagen erwarten durfte (der dritte Kaifer hat's seit dem ersten Neujahrtag seiner Regierung so gehalten), so könnte möglicherweise in der Bethmann-Osfenbarung über des neuen Reichstags Pflichten und Ideale just vor dem Kaiserbesuch in der Wilhelmstraße das emsige Bestreben zu wittern sein, für die Wahlpolitik des Kanzlers wenigstens durch effektvolle A e u ß e r- lichkeiten Stimmung zu machen.
Es ist anzunehmen, daß dem Kaiser, als er gestern in der Frühmittagstunde beim Kanzler Visite machte, bekannt war, was tags zuvor das offiziöse Sprachrohr der Regierung an wenig gefälligen und noch weit weniger gehaltvollen Redewendungen ins Land hinausgerufen hatte: Für Herrn von Bethmann Hollweg bedeutet der gestrige Kaiserbesuch also gewissermaßen eine Sanktion seiner (in den bisherigen Proben fast mitleidweckenden) Wahlkampftaktik, eine Art oberstherrlicher Rük- kenstärkung und wenigstens einen kleinen Trost für einen Schwachen, der nirgends auf einsamer Flur frohe Hilfsbereitschaft oder auch nur mitleidige Samariter schaut. Kein Einsichtiger, kein politisch unbefangen Empfindender hegt den leisesten Zweifel darüber, daß das Manifest der fünften Kanzlers feinen Zweck völlig verfehlt hat, und daß es sich kaum lohnt, über die in epische Breite zer- flossne Summe Bethmauuscher Erkenntnis viel Worte zu verlieren. Kein Gramm neuer Werte, kein Atom schwer-ergrübelter Gedanken spricht aus dieser Zeilen Menge, die sich lesen wie die angenehm temperierte Wahl-Einladung des Wochenblatts für Obemiederteufingen oder Hiuterwaldermoos. Und wenn Herr von Bethmann Hollweg hofft, mit diesem niedlichen, aber ganz und gar nicht erregenden, kaum nervenrührenden Geplauder das Millionenheer deutscher Wähler in des Herzens tiefstem Innern ergriffen zu haben, so wird er bald erfahren müssen, daß diese Hoffnung ein Trugbild war.
Kaiser und Kanzler werden gestern vermutlich außer vom ewig-üblen Wetter und von den lieblichen Festtagen in Hohenfinow auch vom kommenden „Tag von Philippi" geplaudert haben, dessen düstres Rätsel der Entschleierung immer näher rückt. Es tft uns erzählt worden, daß sich der seit neunzehnhundertneun in der Wilhelmstraße residierende leitende Staatsmann (immer noch) des ungeminderten Vertrauens seines Herrn erfreue, und es wäre also nicht befremdlich, wenn gestern der Deutsche Kaiser zu dem Ersten seiner Räte also gesprochen hätte: Daß Eure Exzellenz von dem ehrlichen Willen beseelt sind, auch im neuen Jahr des Reiches Bestes zu erstreben, habe ich in keines Augenblicks flüchtiger Regung bezweifelt. Zweifeln möchte ich auch nicht an der endlichen Erreichung des Ziels, trotzdem mir der Weg, den Sie, mein lieber Kanzler, zu schreiten gedenken, in seinen letzten Steil-Wendungen nicht recht erkennbar ist. Daß Sie in Ihrem Manifest an's Volk zur Einheit gerufen haben, gereicht Ihrem vaterländischen Empfinden zur hohen Ehre und entspricht durchaus meinen eignen Wünschen. Auch Ihr Hinweis auf die großen nationalen Ausgaben, die unsrer harren, findet meinen Beifall, und so, wie ich die Dinge schaue, bliebe nur noch die eine Aufgabe, das Werk her Einigung auch wirklich zur Tat zu machen, ehe die Würfel zur letzten Entscheidung rollen. Hoffen Sie hier auf eines Zufalls glückliche Fügung oder auf erfolgreiche Schickfalgestaltnng aus eigner Kraft?
Und der Kanzler: Ich bin glücklich in dem Bewußtsein, bei Eurer Majestät In dem Streben nach einem hohen Ziel so gnädiger Anteilnahme und huldvoller Förderung mich
Der Riesenstrett in Belgien.
Kaufleute und Streikende solidarisch!
(Privat-Telegram m.)
Brüssel, 4. Januar.
Der Ausstand der belgischen Grubenarbe i t e r ist seit gestern bereits ziemlich allgemein. Tie Grubendirektionen im Bezirk von Mons haben angekündigt, daß sie gewissen Arbeiterkategorien Lohnaufbesserungen zuge- stehen wollen. Die Kaufleute haben eine Petition unterzeichnet, worin sie sich mit den
Die Wneseu kämpfen weiter!
Der Bruderkrieg zwischen Nord und Süd.
Depeschen aus Schanghai zufolge hat der neue Präsident der Republik China, Dr. S u n y a t s e n, einen Eid geleistet, durch den er sich verpflichtet, den Willen deS Volkes durchzuführen und sich zurückzuziehen, sobald die republikaniche Staatsform fest eingebürgert und von den Großmächten anerkannt sei. Die Nattonalversammlung in Nanking hat sich für die Einführung des kalendermäßi- ge» Sonnenjahre» entschlossen und den ersten Januar dieses Jahr«"., für den ersten Laa des
lPrivat-Telegramm.)
Im Laufe des gestrigen Tages haben weitere Obduktionen von Leichen der infolge der Massenvergiftung verstorbenen Asylisten stattgefunden. Bei allen fünf Leichen wurden dieselben Festellungen gemacht, wie bei den früheren Untersuchungen. Nur bei einem Toten zeigte sich auch ein Bluterguß in das Gehirn, der allein schon tödlich gewirkt haben kann. Worauf dieser Erguß zurückzuführen ist, steht noch nicht fest. Der Mageninhalt der obduzierten Leichen wurde den verschiedenen Instituten zur näheren Untersuchung zugesandt. Geruch von Methylalkohol hat man nur in geringem Maße wahrgenommen, sodaß bei den Aerzten noch immer Bedenken obwalten, ob wirklich Methylalkohol die alleinige Krankheitsursache ist. Patrouillen der Kriminalpolizei sind ununterbrochen unterwegs, um, teilweise auf Grund der beschlagnahmten Bücher des verhafteten Drogisten S ch a r m a ch, alle diese verdächtigen Lokale ausfindig zu machen und etwaige Vorräte des gefährlichen Methylalkohols zu beschlagnahmen. Von den noch im Krankenhaus am Friedrichshain liegenden Asylisten ist einer fast e r- bllndet. Ein gewisses Aufsehen dürfte die Taffache erregen, daß unter den Erkrankten und Verstorbenen nur einer In Berlin selbst beheimatet ist. Bel allen Übrigen handelt eS sich um zugewanderte, die In dem Großstadtsumpf vielleicht vergeblich daS suchten, was sie sonst überall in reichem Maße finden konnten: Arbeit und Verdienst!
Ans dem dunklen Berlin.
Ein Privat-Telegramm berichtet uns über die polizeiliche Untersuchung der Maffenvergistungsasfäre folgende Einzelheiten: Die polizeilichen Ermittelungen, die zu dem Zweck eingeleitet worden sind, um fest- zustellen, wieviel Schankwirte dem Drogfften Sch arm ach von dem verhängnisvollen Mc- thyl-Alkohol abgenommen haben, wurde» gestern erfolgreich fortgesetzt. Dabei hat sich ergeben, daß zweifellos ein weit größerer Um. satz in diesem Gift stattgefunden haben muß, als nach den ersten Angaben des Scharmach angenommen werden konnte. Die Beamte» machten noch mehrere Destillationen ausfindig, in denen Methylalkohol verschänkt worden ist, wenn auch in so verdünntem Maße, daß er nicht die furchtbare Wirkung habe» konnte, die bei den Asylisten der Fröbelstraße zu verzeichnen war. Es wurden rioch mehrere Ballons Methyl-Alkohol entdeckt und beschlagnahmt. Drei Lokale in Charlottenburg wurden polizeilich gesperrt und außerdem eine Person in Haft genommen. Die Kriminalpolizei neigt der Annahme zu, daß Scharmach möglicherweise einen Helfershelfer gehabt hat. Seit vorgestern sind keine weiteren Erkrankungsfälle von Asylisten oder anderen Personen zu verzeichnen.
Alarm vom Goldnen Horn?
Gerüchte über eine Alttürken-Revolution.
Wir berichteten bereits über die bedrohliche Gärung im türkischen OffizierkorpS, die auf die Unzufriedenheit mit der Regierung in der Tripolisaffäre und auf die schwächliche Haltung des Kabinetts in wichtigen innerpolitischen Fragen zurückzuführen sein dürfte. Die Gerüchte über drohende neue Umwälzungen in der Türkei haben inzwischen eine sensationelle Gestaltung erfahren durch die Alarm-Rachrichk ten, die gestern über Sofia die westeuropäischen Börse» erreichten und lebhafte Beunruhigung hervorriefen. Wir verzeichnen nach- olgende Meldung:
Berlin, 4. Januar.
(Privat-Telegramm.)
Heber Bulgarien komme» Gerüchte aus der Türkei, die von einer äußerst bedrohlichen Lage der türkischen Regierung Zeugnis ablegen würden, wen» sie sich bewahrheiten sollten. In Sofia sind von der Grenzstation Charmalni Nachrichten eingelaufen, daß in Konstantinopel eine Verschwörung an 8 - gebrochen sei. Mahmud Schewket ei ermordet worden und das Adrianope- ler Korps sei auf bebt Marsche nach Konstantinopel. Der von dort fällige Postzug sei auS- gehlieben. Aus der Berliner türkischen Botschaft hält man diese Gerüchte allerdings für haltlos. Man stützt diese Ansicht auf die Tatsache, daß die Botschaft am Dienstag abend sowohl von der Hohen Pforte, wie vom KriegS- minifterium Depeschen erhalte» habe, die zu einer Zeit aufgegeben waren, in der die Vorgänge, von denen die Gerüchte wissen wollen, sich bereits abgespielt haben müßten, wenn sie wirklich sich ereignet hätten. Dahingegen verhehlt man sich auch auf der Botschaft nicht de» Ernst der augenblicklichen Lage, die allerdings geeignet sei, Befürchtungen zu rechtfertigen.
Bulgarien ist kriegsfertig!
(Privat-Telegramm.)
Depeschen aus Sofia melden: Die mit der Untersuchung der Schlagfertigkeit der bulgarischen Armee betraute parlamentarische Kom. Mission bat nunmehr der Sobranje Bericht er. stattet. Wie verlautet, soll sich die Kommission in günstigem Sinne ausgesprochen und versichert haben, Bulgarien sei so gut gerüstet, daß es allen EvenmalitSten mit Ruhe ent. gezensehen kann. Die Armee sei vollkommen kriegsbereit und könne in jedem Augenblick binnen wenigen Tagen an die Grenzen abrücken. In dem Bericht wird ferner darauf hin- gewiesen, daß die Lage auf dem Balkan es Bulgarien zur Pflicht macke, auf die Erhaltung feiner Kriegsbereitschaft den größten Eifer zu verwenden.
ersten amtlichen Jahres der Republik erklärt. Die Aussichten auf baldigen Friedensschluß ind übrigens gänzlich geschwunden. Depeschen aps Peking berichten darüber:
Peking, 4. Januar.
(Privat-Telegramm.)
Der Kampf zwischen dem Norden und dem Süden Chinas ist unvermeidlich geworden. Nach einer Audienz, die Juanschikai im Palais hatte, telegraphierte er, an den bisherigen kaiserlichen Delegierten in Schanghai, Chang Tao Ui, daß die Kaiserin-Witwe und der Regent seine Demission angenommen hätten. Er erklärte, alle Verträge, die zwischen ihm und den Revolutionären abgeschlossen wurden, für null und nichtig, und bezeichnete Chang Tao Yi als V erratet. Die Kaiserin. Witwe hat achtzigtausend Unzen Gold zu einem Kriegsfonds an Juanschikai zur Verfügung gestellt, außerdem verpflichtete sie ich, bei den Mandschuprinzen durchzusetzen, wß auch diese bedeutende Summen zur Fort- Atzung des Krieges spenden. Juanschikai teilte den ausländischen Gesandtschaften mit, daß er entschlossen sei, zugunsten der konstitutionellen Monarchie zu kämpfen.
Die Revolution aus dem Bormarsch.
Weitere Depeschen aus Peking melden; Im kaiserlichen Palaste hat gestern eine Sitzung der Mandschuprinzen stattgefunden, in der Juanschikai die Mitteilung machte, daß vier, tausend Mann aufständischer Truppen von Lantschau ans die Bahnlinie nach Peking be- drohten. Bel Nanking hätten viertausend Re. volutionäre trotz des Waffenstillstandes den Jangtse überschritten und bei Lantschau werde bereits gekämpft. Juanschikai erklärte weiter, daß er tm Vollbesitz aller Mittel im Norden des Jangtsekiang sei und hoffe, daß die revolutionäre Bewegung, die in den südlichen Provinzen ausgebrochen sei, von selbst in sich zusammenfallen werde. Jedenfalls sei die Sache der Kaiserlichen noch nicht als ver- loren zu betrachten.
Tripolis-Friede in Sicht?
Türkisch-italienische Friedensverhandlungen.
SBon Informierter türkischer Seite wird ans Konstantinopel berichtet, daß Großwesir Said Pascha den Frieden herbeiführen wolle. Fraglich fei es aber, ob jetzt schon eine Basis für einen Friedensschluß gefunden fei. Es werde sehr schwer sein, einen Ausgleich her- beizuführen, da die Ansichten der beiden kriegführenden Mächte erheblich auseinandergehen. Uebrigens habe man jetzt in Konstantinopel mit Innerpolitischen Sorgen zu tun, und es müsse abgewartet werden, wie sich die Kammer zum neuen Kabinett Said stellen werde.
Rom, 4. Januar.
. (Privat-Telegramm.)
Wie der „Messagero" berichtet, hat In der Neujahrsnacht ein starker Trupp Beduinen und A r a b e r die italienischen Verschanzungen von Tobruk (Cyrenaika) abermals angegriffen. Die Italiener ließen den Feind auf vierhundert Meter herankommen, fetzten dann die elektrischen Scheinwerfer in Tätigkeit und überschütteten die Angreifer mit heftigem Gewehr- und Kanonenfeuer, worauf sich der Feind zurückzog. Am nächsten Morgen wurden dem amtlichen Bericht zufolge fünfzig tote Beduinen und mehrere Türken auf dem Schlachtfelbe ge- funben. Auch vor Terna fand in ber Neujahrsnacht ein Gefecht statt, bas mit dem R ü ck z u g ber Araber endete.
Italienische Liebenswürdigkeiten.
Depeschen aus Tripolis melden: Die italienische Heeresleitung hat sich eine grobe Rücksichtslosigkeit gegenüber einem Deutschen geleistet. Der Vorfall betrifft einen deutschen Berichterstatter, einen Reichsangehörigen, dessen Wohnung von Ka- rabineri umstellt und durchsucht wurde. Alle Papiere wurden konfisziert. Man hatte zwar der Form halber das deutsche Konsulat informiert und einen Beamten zur Haussuchung zugelassen, aber der Grund zu der Maßnahme blieb unbekannt. Man kann nur, wie bei säst allen ähnlichen Maßnahmen (auch den Arabern gegenüber) als Ursache die gehässigen Anschwärzungen anneh- men, denen die italienischen Militärbehörden ohne weiteres Glauben schenken. Der Vorfall ist an das Auswärtige Amt in Berlin gemeldet, außerdem ist Protest und Forderung nach Genugtuung bei dem Gouverneur einge- reicht worden.
Grigori Rabinowissch..
Aus dem Leben eines russischen Spitzels.
Man schreibt uns aus Petersburg! Tas Ideal eines russischen Polizeiagenten scheint der soeben In Paris verhaftete ehemalige russische Polizeispitzel Grigori Ra - binowitsch zu sein. Rabinowitsch ist ber Sohn eines reichen Odessaer Kaufmanns und war schon als Gymnasiast des Diebstahls