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Die Alten wiegten den Kopf bei diesem Eifer des jungen I Krankheit mit jäher Heftigkeit auf es war fast unmittelbar Bläsers. der Fieberwahn, das Zeichen des nahen Ende«.

Das wird ihm schon vergehen!" sagte der eine.

Warten wir nur rin paar Tage!" fügte ein anderer hinzu.

Nach einiger Zeit veränderte sich in der Tal das Wesen des Bläsers. Für Augenblicke wurde er mürrisch, schweigsam er, der immer so lebhaft war! Ohne Grund wurde er aufgebracht gegen seine kleinen Gehilfen und bedachte nicht, daß auch er diese geringen Hilfsdienste verrichtet halle und die Arbeit so schon viel zu mühsam war, ohne daß er sie durch mürrische Worte noch beschwerlicher machte.

Zu anderen Zeiten suhlte er sich plötzlich müde, unsagbar matt. Dann muhte er sich mit Gewalt aufrütleln, denn das Glas wartete nicht. Alles verwirrte sich vor seinen Aug n die Schmelzöfen kamen ihm dann vor wie we te Rach n. in die er zu stürzen fürchtete. Er muhte dann alle Hebung auf­wenden. damit et seine Arbeit verrichten konnte.

Sieh, Mama, sagte der Knabe, indem er sich im Bett ausrichtete, mit vergröberten Augen, als solle ihm Nichts ent­gehen von der Vision, die er sahSieh da meine Flaschen! Sie schweben fort, kreuzen sich und kreuzen sich wieder, von Kobolden getragen. Denn es sind Kobolde, diele geschmeidigen, schnellen Gehalten. Könnten denn Knaben so unaufhörlich hin und her rennen? . . . Sieh, sieh doch, überall diese Silber» bäche! Ah, ich will dir einen solchen Silberbach bringen, denn dann bist du reich!"

Und das Kind warf die Arme empor, doch umarmte es nur die Luft.

Sieh, meine Flaschen kommen in den Kühlofen sie sprühen wie dos Abendrot! Und ich habe sie alle geblasen! Der kleine Mann hat seine Suppe ehrlich o rbient, nicht wahr? Aber ich habe keinen Hunger, gar keinen Hunger. . ."

Und der Knabe sank in die Kissen yirüd.

Nach solchen Krisen blieb ihm eine unnennbare H rzensangst die Furcht, krank zu werden und seiner Mutter dann zu fehl n.

Zuweilen dachte er auch an Bompard Hatte auch Bomoard diese Schwächeonwandlungen gehabt, wo er ihre ig ntli+e Schmerzen zu empfinden das leidenschaftliche Berlingen spürte, sich zu recken und zu strecken, sich auszuruhen, den grellen Schein dieser Feuer nicht mehr zu sehen, den seine Augen setzt nur mit Mühe ertrugen?

Die Kranklzeit, die in dem jungen Arbeiter ro t te. machte reihende Fortschritte, und eines Morgens im August, als die Sonne das ganze Dörfchen beglänzte, durch be aff n n Fenster bereinflutete, durch die Spalten der Türen glit und alles in Licht badete da muhte der fleine Mann sich ins Be t legen, und als ob sie bisher nur geschlummert, lebte die unbarmherzige

Höre, Mama." fuhr er leiser fort,ich will dir etwas sagen . . . ."

Und aus keinen jäh veränderten Augen sprach die Angst des Todes, der ihn streifte, und seine keuchende Stimme lieh ihn die bangen Worte überstürzen gewiß in der Furcht er könnte nicht mehr alles sagen.

Du darfst nicht meinen, Mama. Aber weiht du, der Platz war verflucht. Ich habe es dir gesagt, um dich nicht zu ängstigen, aber eines Tages fühlte ich, daß ich verlor n war das; er, der Bompard geholt, auch mich holen würde, denn er stand auf seinem Posten, dicht neben mir. und ich konnte ihm nicht entschlüpfen. Weshalb hätte ich dir nPo schon damals Kummer machen sollen? Umarme mich, Mama dein kleiner Mann geht nun fort . . ."

Dio Dcmis.

Novelle von Karl Bernrcitcr.

tNachdrnck -'erboten )

Deshalb muhte fie rote ein bangendes

fei! ihn

Frau Nina saß in ihrem Boudoir und betrachtete thr Spiegelbild. Wie klein und unscheinbar sah sie ausl Erich konnte sie unmöglich aus Liebe, sondern nur ihres Vermögens wegen geheitatei haben, obgleich er das Gegenteil behauptet. Und wie hart mußte fie bereits anderthalb Jahre baruuter leiden.---

seine eigenen Figuren verliebt stets auf sein Zimmer eilen und Kind fragen: »Liebst Du mich?" . .

Tin nervöse- Zittern befiel ihren zarten Körper, so daß sie wieder nach den beruhigenden Pulvern, die ihr der Arzt ver­schrieben, greifen mußte. Wenn es so sortging. da konnte es ohnehin nicht mehr lange dauern: aber einmal noch wollte sie da- Leben seine Liebe genießen! Hinterging sie Erich? Hielt er es mit einer anderen? Nein! Nur stand er immer so traumverloren vor irgend einer Venus ober einer anderen Jdealgestalt und hielt ruhig den Meißel in der Hand. Und al» sie ihn da vielleicht zum hundertsten Male fragte:Liebst Du mich. Erich?" Da ruhten seine Augen wie abwesend aus ihrer kleinen Gestalt, und ihr Köpfchen wie das eines KindeS streichelnd, entgegnete er fast im vorwurfsvollen Tone:Wie oft soll ich es Dir noch sagen, Nina?"

Frau Nina stand auf und griff nach der Karaffe. olS wollte sie damit den brennenden Schmerz in ihrem Innern küh­len. Mit Wehmut gedachte sie an die erste Zeit ihres jungen GlllekeS, als Erich noch freudig auf ihr Zimmer gestürmt kam und sie zur Begutachtung in fein Atelier rief Dann um« schwärmte er seine Kunstwerke. prieS die einzelnen Formen deS Körperbaues und freute sich wie ein Kind. Dazu hatte sie immer nur still gelächelt. Doch alS sie eine- TageS wie im Scherze zu ihm gesprochen:Ich glaube. Du liebst Deine kalten Steine mehr als mich," da hat er sie so seltsam an­geblickt und sie um keine Begutachtung mehr gebeten.

Seit dieser Zelt hat sie oft ihre unüberlegten Worte be­rent und dieselben auf verschiedene Weise wieder gut zu machen versucht. Aber vergebens!

Nur um Verzeihung konnte sie ihn nicht bitten, dazu war sie zu stolz. Und al» er bann wieder in hellster Verzückung vor feinen Kunstwerken stand, da kam in ihr immer mehr und mehr die Gewißheit und martirnbe Eifersucht, bi.6 Erich in

Die lange Frau blickte sinnend zum Fenster hinaus, roo draußen die Herbstrosen zu verwelken begannen und die gol­denen Tage sich entfärbten. Sie erschauerte vor dem drohenden Winter und feiner langweiligen Cebe. wo ihr zwar ein war­mer Kamin, aber fein warmfchlageubeS Herz entgegenwiukte. Und in einer solchen Einsamkeit, die nur von einem Arzte ober einer Masseurin unterbrochen würbe, mußte sie Monate verbringen und vergebens nach einer Erlösung hoffen.

Sie reckte sich entfchlossen empor und in ihren Augen glühte ein unheimliche- Feuer. Ja. sie war bereit, mit ihrem Frauenstolz zu brechen, auf fein Atelier zu eilen und ibn um Verzeihung zu bitten! Und wenn er sie bann wieder, wie damals, in seinen Armen halten und meine liebe Nina sogen wird, da wird ihr gualvolles Leiden zu Ende fein.

Sie nahm ihre ganze Kraft zufammen und eilte die Treppe hinab, als könnte sie dieser Entschluß noch einmal reuen. Vor feiner Tür blieb sie stehen, atemlos und mit roilbpochendem Herzen, und horchte. Leike Hammerschläge drangen an ihr Cbr und vermischten sich mit dem Brausen ihres Blutes. End­lich klinkte sie die Tür auf und etn seiner Zigarettengeruch strömte ihr entgegen.

Der emsig Beschäftigte hatte ihr Eintreten gar nicht be» merkt, nicht einmal, als sie schon dicht hinter ihm stand. Fieber» haft ließ Frau Nina ihre Augen Über die Figuren gleiten, die würdevoll, fast zürnend auf sie blickten, und eS war ihr, alS hätte sie die weihevolle Ruhe diese» Heiligtums gestört. Sie fand keine Worte, um ihn auf ihre Anwesenheit aufmerksam zu machen, biS sich der Künstler umdrehte und sie befremdet ansah.

Nicht wahr, Erich, Du wirst mir nicht zürnen, daß ich Dich wieder In Deiner Arbeit störe?" begann sie zaghaft.

O, ich bin immer allein* entgegnete der Angerebet«, noch halb abwesend und bot ihr seinen Stuhl an.

Nun saß sie vor der feurigen Benn», an der er noch zuvor