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Am Meer Ser ßw'gkert.

Das neue Jahr.

»nA- *f( ein Jahr vorübergerauscht.

Woher wohl kam es? Wir wissen cs nicht Und wohin ictit Lauf? Das Meer der Ewig kett nahm es auf, wie alle seine Vorgänger. Ein Tropfen in des Weltmeers Tiefe Mil­lionen Tropfen mögen schon hinabgerollt sein, und wettere Millionen mögen ihnen folgen. Wie winzig klein erscheint ein solcher Zeit ström, und doch wie abwechsclnngsretch kann er sich zeigen. Bald bespülen seine Wässer die Fruchtacker unserer Erdenbahn; bald reißen sie breite Rinnen, tiefe Löcher, deren Spuren "ur% /ch^er, vielleicht überhaupt nicht wieder verwitchbar sind. Ein Jahr ein Seiten ström: Stolze Schiffe und elende Barken tret ben neben- und untereinander. Gesundheit, Lebensmut und Schafsenssreudigleit bergen die einen. Sorge und Trübsal. Rot und Tod bringen d,e anderen-

. "/ues Aahr eine neue Poststation des Lebens. Nicht immer ging die Reise durch sonnige Eesilde. Heber Stock und Stein hol­perte oftmals unser Gefährt, und nicht selten warcn Wir nahe daran, in Sumpf und Unrat geworfen zu werden. Des Schicksals Fügung "l*1 Sing die Fahrt. Wetter unaufhaltsam weiter. Mit grüblerischer Neu gier schauten »vir durchs Fenster in der sehn Wp Erwartung, daß sich der graue Nr bel>ch!eler lichten, daß uns die Zukunft sich enthüllen möge. Bergebens. Jahr um Jahr das gleiche npiel. Da flibfS kein Rasten, kein Perwetlen. Mit verhaltenem Atem lauschen wir Wohl zur initternächligen Silvesterstunde dem ehernen Ruf der Glocken:O. Wanderer, verweile! Doch ist der nächsten Minute schon geyts Werler, der nächsten Poststation des Le­bens entgegen.

Tcr Tod citf hem Stirtfdjbotf ols Postillon, idtlo über Hügel itnb Tnicr davon, Siud) Reiseiihe, jünger an Kräfte» und Iairen Beliebt oft der flüdjtißc Post!»echt Äu fahren. 50'M alle tutschiert er zum Gasthof zur Ruh'. Nun, ehrlicher Schwager, wenn heu' ist, fahr zu!" ^E'nem verklungenen Liede gleicht das alte cs gelungen, wie es geklungen, bald ist y beitocbt. _ Und fallen auch noch vom «.tnde zerrissene Töne uns nach, so kümmert's uns kaum; denn neue Melodien umschmeicheln unser Ohr; hei, wie sie locken, uns zu fesseln o?» uUb Sinn zu sangen! Ein neues Lied, das, ach, gar viel verheißt und sich für viele doch recht trügerisch erweist.----

®<i« ist ein Jahr? - Ein Alügclschiaq der Rett, ttnb ist c5 qulfltltbt vnb stritt zu Grabe, So blüht ein neucS auf zu neuem Streit, llu neuem Leiden, Schaffe», Liebe»

Was ist ein Jahr? . . . Ein Knoten in um sercm Lebensfaden, nichts weiter. Während wir noch im Begriffe stehen, den alten zu schürzt sich bereits der neue, dem, wlll s Gott, noch viele folgen. Aber einst wird kommen der Tag, da unser Lebenssaden ierrctßt, wie lang «r auch immer sein mag. Sorgen wir beizeiten dafür, daß die Knoten, »w wir knüpften, einstmals uns nicht drücken, sondern sich auslösen mögen zu einer endlosen ^tte deS Segens, der Kinder und Kindeskin- ser überdauert und die Hinfälligkeit des Flet-

_________Casseler Neueste Nachrichten

sches vergessen macht durch das nnverwelkliche Geschenk der Unsterblichkeit. E. M. A.

BernjjnlLige Sparsamkett.

Am Zahresschlsß.

Die Lehren des Wirtschaftsbuches.

An der Jahreswende pflegt der Merrsch zu- : rückzublicken auf das vergangene Jahr. Wenn er ehrlich gegen sich selbst ist, dann zieht er von allem Mißgeschick, das ihn betroffen, zu­nächst die eigene Schuld ab, und in vielen Fällen wird nicht viel übrig bleiben, das er als Unglück betrachten könnte. Kommt zu die ser Einsicht dann noch das feste Wollen, in Zukunft die im alten Jahr gemachten Fehler zu meiden, dann kamt der Rückblick auf ver gangenes Leid von den heilsamsten Folgen sein. Auch die Hausfrau sollte am Anfang des neuen Jahres einmal ernstlich Einkebr halten bei sich selbst und dabei zurückblicken auf das vergangene Jahr mit all seinen Sor- gen um das Wohlbefinden ihrer Lieben. Da das aber hauptsächlich abhängig ist von der Nahrung, die sie ihrer Familie geboten, so ist gerade der Rückblick auf die zweckmäßige Der- ivendung des Wirtschaftsgeldes für sie unbe­dingt notwendig.

Erleichtert wird ihr die gewissenhafte Prü- suttg durch ein sorgsam geführtes Haushalts­buch. Leider ist ein Wirtschaftsbuch nur in wenigen Kaminen zu finden. Warum soll ich erst auffchreiben, was doch einmal unbedingt gebraucht wird? denkt die eine Hausfrau. Was so» mir das Rechnen nützen, wenn ich auch ohne dieses nur das Notwendigste einkaufe? denkt die andere. Eine dritte aber lacht viel- spöttisch bei dem Vorschlag, sich ein Wirt- IMaftsbuch zuzulegen, und erwidert belustigt: »Wenn ich wüßte, daß durch Auffchreiben mei­ner Ausgaben für den Haushalt mein Wirt­schaftsgeld mebr würde, dann wollte ich es wohl tun. aber so---'. Doch alle Haus-

frauen, die so ober so ähnlich sprechen, ohne f« ein Haushaltsbuch geführt zu haben, reden wie der Blinde von der Farbe, und können deshalb auch nicht wissen, daß ein sorgsam ge­ehrtes Wirtschaftsbuch eine gar beredte Spra­che führt und unendlich reich fein kann an praktischen Ratschlägen für daS neue Jahr.

Gewiß, eS wird uns auch rücksichtslos die Wahrheit sagen über Fehler, die wir beim Ausgeben deS Wirtschaftsgeldes gemacht, eS wird manchmal ein recht itnbeauenter Mahner fein ober uns in feiner stummen Sprache schlimme Vorwürfe machen über leichtsinnige Ausgaben, aber es wird und kann uns auch

__Nummer 4.

»Ung, daß es eine,kleine, womöglich nicht den germgsten hygienischen Anforderungen genü­gende Wohnung auch täte. Das ist ein großer Jrrwm Gerade so viel Wert, wie auf eine nahrhafte aber einfache Kost sollte auf eine gesunde Wohnung, auch wenn sie etwas lc^cer ist, gelegt werden. In einer gesunden Wohmmg tonnen auch die Bewohner gesund sc»«, eine kleine enge Behausung begünstigt das Entstehen von Krankheiten aller Art, und das Geld, was man zu sparen geglaubt hatte, muß für Arzt und Apotheke geopfert werden. Unbedingt und ohrre große Ueberlegung kann jede Hausfrau wohl in einem Punkte sparen, nämlich an den Ausgaben für die Kleidung. Gewiß muß jeder Mensch or. deutlich und sauber gekleidet sein, schon um semer selbst und seines Fortkommens willen, aber dann sollte die Vernunst Halt gebieten. Wenn man sieht, in welcher Weise der Toilet. tenluxus auch in den miitderbemittelten Bc- völkerungsschichten überhand nimmt, wie H-rauen und Mädchen wetteifern, in der su-j dersrage einander zu überbieten, so sollte i.v.v mrinen, das einige Lied von der Neuerung le erlogen. Am Toilettenbudget wird in fcür vielen Familien ganz außerordentlich gespart werden können, wenn es nur gelingt, die liebe Eitelkeit ein wenig zu besiegen. Es ist ja durchaus nicht nötig, daß man stets nach den neuesten Vorschriften der Mode gekleidet geht, das kostet sehr viel Geld und bringt wenig ein Wir sollten uns daran gewöhnen, wieder mehr Wert auf den inneren Menschen, aus Tüchtig­keit und Fleiß und ohrenfeste Gesinnung als auf Modetand und .Flitter zu legen, dann stände es in manchem Haushalt besser.

M. M.

Seite 2.

Leid der letzten zwei Jahre gegolten, ein Bit­tender, ihre Antwort erharrend und dort drü­ben am Schreibtisch ist die schwer erkämpfte neue Welt voll Frieden, Schönheit und Ruhe.

Was soll sie tun ? Schwer gehi ihr Atem.

Da setzt der erste Glockenschlag des neuen Lahres ein. Von allen Türmen klingt es. Auge in Auge stehen sie und lauschen. Aus ihren Zügen schwindet der Kampf, aus seinen die angstvolle Erwartung. Die Schwingen des alten Jahres rauschen durch das Gemach, schwer und müde, denn sie nehmen viel Leid mit sich.

»^d^ach dem zwölften Glockenschlage erhebt sich draußen Jubeln, Lärmen, Prosit Neujahrs-, rufe, der übliche Silvesterradan. Im stim- T & cf l"ll. Zwei Menschen haben sich ohne Worte die Hände gereicht. Ihre Lippen finden sich in langem Kusse.

Die HauLfrau und die Teuerung.

Nur wenige schnell verfließende Stunden noch Dann werden feierliche ernste Klänge in Skadt und Land das alte Jahr zur Ruhe ge- Leite«, das heraufdämmerude neue grüßen. Ernst und schwer ist die Zeit, die hinter uns in vielsacher Beziehung, unb zagend nur AH" sich ein Hoffnungsschimmer ins Herz beim Gedomen der kommenden Tage. Was werden sie bringen? Welchen Wunsch werden sie erfüllen, welche Hoffnung zerschmettern? so fragt wohl em jeder. Und viele ahnen und surchlen oder glauben gar zu wissen, daß das kommende Jahr reicher an Enttäuschungen als an Erfüllungen sein wird, daß der Ernst der Zeit mit dem Ende des alten Jahres nicht weichen wird. Und unter denen, die die Sor-

unserer Tage schwer auf ihren Schultern lasten suhlen, steht mit an erster Stelle die Hausfrau. Sie ist verantwortlich für das Wohlergehen ihrer Angehörigen und muß ihre ganze Kraft daran setzen, ihren Haushalt in jeder Weise so zu führen, daß alle Glieder der Familie fähig sind den Kampf mit dem Leben aufzunechmen. Bei der herrschenden Teuerung wahrlich leine leichte Aufgabe. Schon das etzte ^ahr brachte einen erheblichen Preisauf- Mag fur viele Lebensmittel und erschwerte so die Pflichten der Hausfrau ganz beträchtlich. Es ist noch keine Aussicht vorhanden, daß die Prei;e im kommenden Jahr wieder hcrunier- gchen. Im Gegenteil, man muß mit einer weiteren Preissteigerung rechnen, und damit I wachsen natürlich die Sorgen der Hausfrau Zwar kann die Landwirtschaft bis letzt, was ben Saatenstand betrifft, ziemlich günstige Zahlen auswei;en, aber davo>r ist noch nicht auf die Ernte zu fchließen, und deswegen muß eine jede Haussrau sich vorläufig erst einmal »ut den bestehenden Verhältnissen abziufiuden tuchen, so gut es eben geht.

Da heißt cs sparen au allen Ecken und En- den, damit die verteuerte Lebenshaltung mit den überhaupt nicht ober nur mäßig gestieg«. nen Einuahmen bestritten werden kann. Spar- am will und muß jetzt die Hausfrau sein: Zu beachten ist aber dabei, daß sie am richti. gen Ende zu sparen anfangt. Wie manche denlt, die Zeit der Teuerung dadurch erträg­licher zu machen, daß sic an den Ausgaben für Lebensmittel spart, einmal durch den Einkauf geringwertiger Waren und zweitens durch Einschränkung des Konsums überhaupt. Wie schwer durch solche Maßnahmen die Gesundheit der Fami. lienangehöriacu getroffen wird, haben fo den. kende Hausfrauen wohl kaum bedacht Bei einigem lleberlegen aber werden sie sich sagen müssen, daß geringwertige Nahrungsmittel dem Körper natürlich auch nur geringen Kraitczuschuß geben unb damit die Wider­standskraft und die Leistungsfähigkeit bedeu. tend herabfetzen. Noch fchlimmer wirkt die Einschränkung der Nahrungsaufnahme über­haupt, denn tvoher fallen die Kräfte kommen, wenn dem Körper keine Rohstoffe zugesührt werden? Gewiß kann man auch in Küche und Keller sparen, aber nicht in der eben erwäbn- ten Weise. Durch Vermeidung teurer Geniißmittel und Näschereien da- ge^en bleibt Geld für nahrhafte, einfache Mahl, zelten, und durch praktische Verwen­dung übrig gebliebener Speisen vom MittagSusch laßt sich manches wohl­schmeckend« Abendbrot Herstellen. Gar viele Leute «kklären freilich, daß sie keine Reste effat könnten, und es gibt auch «ine Reihe von Hausfrauen, die behaupten, Mahlzeiten von Resten seien nichts wert; aber das ist ein Vor- < urteil: durch Verwendung von Resten kaflen sich sehr gut schmeckende und dabei billige ch>ei- sen Herstellen, die das HaushaliSbudget nicht angroifen, sondern schonen. i

Ebenso verkehrt wie das falsche Sparen an i Essen und Trinken ist das Sparen an | A-usgaben für die Wohnung. .In ! vielen Familien herrscht noch heute die Mei- <