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Casseler Neueste Nachrichten
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lmt durch feine Drahlc mit den gegenüber- liegcnben Wänden, was absolut nicht ins Auge fällt. Durch diese Maßnahmen wird das Umfallen des Baumes unmöglich, selbst wenn plündernde Kinderhände nach den daran bangenden Süßigkeiten greifen.
Die brennenden Lichter des Shristbaumes können, so schön sie sind, manche Gefahren bergen. Wie leicht kann ein Zimmerbrand durcb eine Christbannikerze entstehen. Der Baum darj Nicht zu nahe an den Gardinen oder Vorhängen stehen, außerdem mutz das Grüne rings um die eingevohrten Lichte etwas verschnitte» werden. Auch dürfe» die Lichte niemals schief eingesteekt werden, damit sic nicht herabtropfen und den Teppich oder Fußboden verderben. Ob" man den Baum auf die Erde oder' den Tilch stellt, ist Geschmackssache.
Noch ein Wort vom Schenke».
Womit sollen wir unsere Dienstboten ersrcucn?
Mit dem täglich näher rückenden Fest wird auch die Sorge wegen der Weihiiactztsgcjchcu.c immer größer. Eine Sorge? Ja, leider ist es eine Sorge, anstatt daß die Besorgung angc- ttehm und erfreulich ist. Denn die Hausfrau mutz mit den Anforderungen der Jetztzeit rind mit den überall gesteigerten Ansprüchen der Dienerschaft rechnen. Sic möchte ihnen gern gerecht werden, weiß aber in der Tat oft nicht, ivoiier sie das notige Geld nehmen soll. Außerdem machte sie, trotz aller Mühe beim Besinnen und Einkäufen, schon die betrübende Erfahrung, daß ihre Anna, Marie ober Meta nicht zufrieden mit ihren Weihnachtsgeschenken war, und durch ihr wenig freundliches Gesicht die Christfreude in empfindlicher Weise störte. ^Das soll nicht wieder geschehen, hatte sic damals zu ihrem ungehaltenen Gatten gesagt. »Fortan geben mir nur das für die Geschenke bestimmte Geld, und dann mag sich jeder nacst seinem Gefallen etwas kaufen/ Der Mann war damit einverstanden gewesen, aber sonderbar, auch damit schien die Hausfrau es nicht getroffen zu haben. Zwar bedankten sich die Dienstboten bei ihr, aber doch wieder in einer Art, die keinerlei Freude bekundete.
Sie klagte ihr Mißgeschick einer älteren Freundin, einer Frau mit sehr vieler Lebens- klugheit. »Ja/ erwiderte diese, »du hast ganz recht von deinem Standpunkte aus. Rur eines möchte ich dir noch taten, was vielleicht ein« Aeuderung der Sachlage herbeiführen wird. Auch ich gebe den Dienstboten Geld anstatt des einen großen oder mehrerer kleinerer Geschenke, weil sie es ausdrücklich so gewütlscht haben. Daneben aber versäume ich nicht, noch irgend etwas hinzuzusügen, was dem einen ober anderen besondere Freude macht. So bekam meine Köchin im letzten Jahre das neueste Kochbuch, in diesem Jahre lasse ich das Mädchenzimmer mit einem neuen Spiegel und ncf« len, weißen Vorhängen versehen, und dem Kindermädchen werde ich durch ein kleines Schmuckstück eine Extrafreude bereiten. Ich habe immer gefunden, daß diese Art auf die Dienstboten als fühlender Mensch Rücksicht zu nehmen, von guter Wirkung gewesen ist. Etwas Nachdenken gehört freilich dazu und ebenfalls mehr Eingehen auf daS persönliche Empsinden der Betreffenden. Aber eS lohnt sich, wie ich selbst ans eigener Erfahrung heraus sagen kann."
Geschenke für Kinder.
WaS sollen wir unser« Kindern geben*
Einer meiner kleine« Freunde wurde einst gefragt, was er sich zu Weihnachten wünsche. Ohne Besinnen antwortete er: ,81 i dH 8, beim WaS ich mir wünsche, bekomme ich doch nie!" Ich glaube, diese Antwort ist bezeichnend für die Verständnislosigkeit vieler Eltern den Wuii- fchen ihrer Kinder gegenüber. Entweder schenken sie zu kostbare Sachen, die das Kind nur ansehen darf, ober die Kleinen werden zu Weihnachten mit neuer Garderobe ausgestattek. Wenn nun auch gegen das Schenken von Garderobestücken durchaus nichts einzuwenden ist, den» das Beschossen der Kleidung verursacht in einem kinderreichen Haushalt mancher Mut-
ist. Die Freude über die schönsten Dinge wird stets nur halb so groß fein, wenn sie einen oder zwei Tage später kommen, als der Emp- sänget sie erwartete. Das giltbesonders für Wei h n achten. Und dann eilt Wort vom Packen, Die meisten Menschen glauben, das Packen sä kinderleicht; ihre Pakete sind aber auch meistens danach: alles liegt durcheinander und übereinander und vieles kommt verdorben und zerstört a». Selbstverständlich kann der Empsänger bann keine Freude mehr daran haben. Das Packen ist eine ziemlich schwierige und komplizierte Sache, die lvie jede andere gelernt sein will. Vor allen Dingen besorge man sich, wenn's irgend möglich ist, eine feste Holzkistr. Ein Pappkarton ist schon verwerflich, da er sich in bett Tagen vor Weihnachten, wo der Verkehr-meistens sedr lebhasl ist, als nicht, fest genug erweist.
. Hat man teine Holzkiste zur Verfügung, so lasse man sich eine anfertigen oder zimmere sie selbst; denn nur eine feste Verpackung verbürgt, daß die Sachen unbeschädigt ankomincn. Notwendig ist es vor allem auch, die zu vcrsendcn- ben Sachen zu sortieren; so sollte man nicht Lebensmittel mit anderen Gegenständen zusammen in eine Kiste packen, da sie einmal leicht allerlei Gerüche annehinen und es zweitens auch häufig vorkommt, daß sic, falls sie schlecht verpackt sind, andere Gegenstände beflecken und verderben. Aus diesen Gründen empfiehlt cs sich, Lebensrnittel allein in eine Kiste zu legen, und zwar jedes Stück wieder für sich ordentlich eingewickelt, oder besser in einen Pappkarton gepackt. Ist jedes einzelne Stück sorgfältig cingehüllt, so kann man sicher sein, daß der Empfänger.alles in tadellosem Zustand erhält und die Freude wird umso größer fein. Auch bei der Versendung anderer Geschenke empfiehlt es sich, jedes Stück einzeln zu verpacken. Zer brechlichc Dinge hüllt man ganz in Seidcnpa pier und Holzwolle und legt jedes in eine Schachtel für sich. Mit festen Sachen braucht man nicht ganz so zart nmzugehen. Alle Tinge, die nicht dem Verderben ausgesetzt sind, schicke man möglichst früh ab: man kann ja, um bett Empfänger wissen zu lassen, baß es sich um Weihnachtsgeschenke handelt, auf der Rückseite der Adresse einen kurzen Vermerk machen.
Eßwaren, die leicht verderben können, darf man jedoch erst kurz vor dem Feste abschickcn. Um in diesem Falle einigermaßen sicher zu fein, daß das Paket rechtzeitig an feinen Bestimmungsort kommt, empfiehlt cS sich, das Paket »einschreiben" zu lassen. Eine Garantie für rechtzeitige Beförderung übernimmt die Post freilich nicht damit, aber man ist ziemlich sicher, baß bic Sendung möglichst schnell befördert wird. Und nun noch eins: Um dem Weihnachtspaket ein weihnachtliches Aussehen zu verleihen und dem Empfänger eine kleine Ex- trasreude zu bereiten, schmückt man jede Gabe mit ein wenig frischem Tannengrün, das mit bunten glitzernden Lamettafäden umwunden ist. Sehr hübsch sieht es auch aus, wenn man die Geschenke mit farbigem Seidenpapier um» liüllt und sie mit einem seidenen Bändchen verziert. Durch solche Kleinigkeiten wird der Reiz und der Wert einer Gabe ungemein er- böht, und bet Empfänger wird dankbar die Liebe des Gebers anerkennen und frobet fein, als wenn er nur die Geschenke an sich bekommen hätte. Der Geber aber wird zufrieden fein in dem Bewußtsein, mit wenig Zeit, Mühe und Kosten dem andern die Weihnachts- freubc erhöht und ihm gezeigt zu haben, baß man gerade so viel an ihn denkt, als wenn er wirklich daheim wäre. M. M.
Awas vom ührlstbaum.
Wie soll man den Werhnachtsbaum ausstellcn?
»Darf ich Ihnen vielleicht einen Platz in dem Schlitten meiner Schwester anbieten's"
Luise Kotten trieb wiederum Lungengym- nastik.
wäre unendlich gütig. Aber . . . Krt Sie denn auch Ihr Weg an unferm Ziel, i Dorf Prebernow, wo wir Fräulein Melbers besuchen wollen, vorüber?"
»Jawohl. Steigen Sie gefälligst ein. Ich luc cs wirklich sehr gern."
Nun sausten sie stumm an schneevermumm- tcn Bäumen und pelzverbrämten Wegweisern vorbei, bis der Schlitten endlich mit scharfem Ruck auf eine Rampe fuhr. Dic beiden Mädchen hatten in diesem Augenblick den nämlichen Gedanken: ___...
„Wer hätte es geahnt, daß Tante Melbers ko sein wohnt."
Der fremde Herr half ihnen artig aus den Decken, wies mit der Hand in die geöffnete Diele und schob sich, selbst schmunzelnd nach. Da stgnd neben der weißbemützten Dienerin eine rundliche, ihnen völlig unbekannte Dame und starrte ihnen ans wciigcöffnctsn Augen entgegen.
Die beiden jungen Mädchen waren wie im Traum. ...
Luise Kotten faßte sich zuerst und sagte etwas Verbindliches und Entschuldigendes, dem sogleich eine Menge Fragen folgten. Aber nur das niedliche Dienstmädchen knixte und flüsterte diskret eine Entgegnung: »Das gnädige Fräulein hören leider gar nichts/
In dem nämlichen Augenblick legte der fremde Herr seine rechte Hand auf Eleonores schlaff herabhängenden Arm:
»Kommen Sie doch mal ein bißchen mit mir,1 mein Kind!"
Aks die völlig Verwirrte ihm in dem großen, etchengetäselten Zimmer gegenüberstand, da wurde ihr endlich das große Wunder dieser Weihnacht enthüllt.
„Wissen Sie, wer ich bin ... bet Vater Ihres Hans Heinrich Diedcnhaupt, der heute seinen Jungen hier am dritten Ort bei der einzigen alten Schwester erwartet, um über Sie ein Wort gutes Deutsch mit ihm zu reden . . . Das wird auch noch geredet werden! Aber ein bißchen anders, als es beabsichtigt war. Er wird Sic heiraten, sehr bald sogar, sonst setzt es von mir auch etwas Ernstliches. Sie werden nämlich ebenso wenig nach Buenos- Aires gehen, wie Sie den heutigen Christabend bei Tante Melbers feiern. Darum habe ich Sic doch mit List und Tücke hierher geschleppt. Für Buenos-Aires sind Sie wohl viel zu hübsch und im übrigen gehören Sie jetzt zu uns.
■ Ich weiß genau, was Sie für ein famoses, ordentliches Mädchen sind, denn bas Hörrohr hier ist doch für meine alte Schwester als Weihuachtsgabc bestimmt. Ich selber habe nämlich noch ganz famose Lauscher." . . .
Da konnte Lori nicht anders. Sie schlang beide Arme um den Hals des hochgewachsenen Mannes und weinte leise an seiner Brnkt. Er ließ sic widerstandslos gewähren und sagte nur seltsam kurzatmig und seltsam weich:
„Und so was wäre einem nun sicher verloren gegangen, wenn dic alte Sitte, sich gegenseitig mit Wcihnachtsgaben zu behelligen, wirklich aus der Welt geschafft wäre."
Mihmchtssendurrgen.
(etwas vom Packen.
Ein jeder sicht cs gern, wenn er zu Weihnachten bei den Eltern ober guten Verwandten jein kann, und wenn man auch das ganze Jahr über vielleicht fein Verlangen nach einem »Zu s?a"sc" gehabt hat, zu Weihnachten fühlt jeder sich doch am wohljien daheim. Und dic Eltern freuen sich natürlich, wenn sie alte ihre Kinder unter dem Weihnachtsbaum versammelt haben -i totzdem wird in den meisten Familien dieses oder jenes Glied zu Weihnachten fehlen müssen: damit aber eine Verbindung mit dem Fernbleibenden herbeigcführt wird, schickt man ihm eins Weihnachtskiste ober ein Weihnachts- tmketcben. Jetzt wirb es mählich Zeit, an bas Packen und Versende» der Weihnachtc-kisten zu deiike», beim dic erste Forderung heißt hier: .->eitig abscbicken, damit bas Paket auch zu Weihnachten in den Händen des Empsänaers
Das Auf st eilen des WeihnachtS» b a u m e s wirb gewöhnlich bem Hausherrn überlassen, bet bann während bet Festtage sehr oft besorgt ausschaut, ob der Baum auch fest« steht uub nicht etwa umsallen und dabei ko bare Gegenstände zerschlagen kann. Um e n dauerndes Feststehen des Baunies zu bewirken und das frühe »Nadeln" der Tanne zu verhindern, steckt man sic in einen Kübel mit seuch tem Tand und verbindet die Krone des Van-