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Sie
Du mich
ver- oer»
Viele beschwerliche Märsche vom Fischfluß entfernt, aus salziger Pfanne mit reichen Brunnen liegt Perstp, eine Oase.
Nach Norden und Westen hin ziehen sich, dicht mit Dornen bewachsen, Klippen und Hügel zum Weißranbgebirge. Gen Sonnenaufgang lagern sandige Dünen mit üppigem Gras- muchs und uralten Bäumen bis zum Auvb und Nossob; die Kalahari, ein reiches Gebiet für kundige Farmer.
Seit vielen Jahren herrscht Duncan, ein erfahrener Nimrod, über das einsame Jagdfeld. Kühne Söhne und zahlreiche Jäger befreundeter Stämme begleiten den rüstigen Alten, und kostbare Beute belohnt sie. So wurde er reich. Eine wertvolle Herde von Großvieh und manches „gesalzene" Pferd beweibet die fruchtbare Steppe, und mehr als ein Dutzend Gebäude und Hütten beherbergt die große Familie.
Scheu, wegemüd', dornenzerrissen naht sich ein einzelnes Weib bei sinkendem Tage der Farm. Die Füße sind wund, die Zunge verschmachtet: die Kalabaffe war trocken. Esther erklimmt mit schwankenden Schritten den Hügel, der weithin den Platz überragt, ein Stützpunkt bei Not und Gefahr. Sie kauert sich nieder am schützenden Stetnwall. Welch' Reichtum dort unten! Hier also wohnt Hans, -en sie liebt, der ihre Liebe geduldet. Schmerzen und Durst sind vergessen. Mit weit geöffnetem Munde staunt sie hinunter-
Menschen kommen daher, eine stattliche Fra« — und ein Mattttt eS ist der Geliebte. Zu ihren Füßen rasten die beiden. DaS Mädchen vernimmt ihr Reben und Lachen «nd kann eS nicht deuten.
an. Euch allen droht Unheil. Ich werde Dich retten/
Er springt auf die Füße und greift nach dem Sattel, häl: ihn zurück.
„Hans Duncan," beginnt fie stockend, „Dein Vater ist englisch- Die Mutter war Bastard aus unserem Blnt. bist uns verwandt." Er will sich erheben. „Nein, höre
Unwillig wendet der Reiter sich ab, er entsattell -eS Pferd. Tas wirft sich zu Boden und wälzt sich im Sande, springt auf und fängt an zu grasen. Der Jäger macht Rast an der heiß aus der Erde dringenden Quelle, behaglich rauchend legt er bas Haupt auf den Sattel und schaut nach den Sterne», die silbern und blaß in der Höhe aufflacker».
Da stört ihn ein leichtes Geräusch. Neben ihm steht das Weib, auf der Schulter den Vock, seine Beute. Neugierig mustert ihr Blick des Jünglings schlanke Gestalt und sein frisches, gebräuntes Gesicht mit der kühn gebogenen Nase.
„Leg bas Wildbret dorthin und geh," sagt er herrisch und ohne zu banken.
„Hans Duncan, die Hälfte ist mein," flüstert sic neckend im eigentümliche» Schnalzlaut der Heimat.
„Du weißt, wer ich bin?"
„Wie sollte Esther des Löwen jagenden Duncans Sohn aus Perstp nicht kennen? In Bcrleba lobten wir ost Eure Beute, wenn die Ochsenwagen zum Salzmecr sie brachten." Ehrlich bewundert schaute sie ihn an. Und ihre Augen begegne» -e» seinen.
Dunkler werden die Schatten. Man hört nur das knirschende Fressen des Rosses, das Sprudeln der Quelle und das hastige Atmen des Mädchens.
Ein schmächtiger Mann, dessen sehnige Glieder bie dürftige Kleidung lose umschloitert. Leichtes Schuhwerk bedeckt seine Füße. Der Gurt voll Patronen und die sichere Büchse deuten den Krieger im Orlog. Mit dem Schambock am Gürtel spornt er sein Roß und im Kampfe den Feigling. Aus pockennarbigem Antlitz von schmutzig-gelblicher Farbe lugen die stechenden Augen, die keinem — sich selber kaum — trauen. Er entfernt den zerknitterten Schlapphut, und unter dem Kopftuch zeigt sich der häßliche Schädel. Büschelartig, wie das Gras in ber Steppe, bedecken ihn wollige Haare, doch lückenhaft — mottenzerfressen.
„Du hattest mich heute erwartet?" fragt Esau mit schmeichelnder Stimme. Scheu sieht er zur Seite und kratzt sich de« Kopf. Das Mädchen erbebt, sie schaut gegen Oste» — gottlob, die Bäume am Flusse hindern den Blick in das Land. Er folgt ihren Augen, und rachsüchtig lächelt sein Mund. Sie kreuzt ihre Arme und zwingt sich zur Ruhe. „Niemals, hoffte ich, Esau, würden wir beide uns treffen. Nach unserem letzten Palaver hab' ich Dir nichts mehr zu sagen."
Gierig mustert er sie mit Blicken voll Haß und Begehren. „Höre mich. Esther. Der Orlog beginnt. Ich komme aus Riet- mont, vom Alten. Schon morgen wird Klagen und Schreien die Pvntoks ber Fremden erfüllen. In einer einzigen Stunde soll ringsum das Namaland frei sein."
„Du sagtest mir früher, man morde nicht alle; befreundete Männer verschonten die Witboi?"
Die hastige Frage verrät ihre Not. Er weidet sich an ihren Aengsten. „Wer weiß es? Vielleicht." Doch ernster und dringlicher spricht er: „Der Feind wird sich sammeln. In Haufen zieht er zur Rache. Wir stehen am Auob, töten bie Späher, versperren die Quellen und rauben die Wagen. Der Sieg ist uns sicher, wir streiten für Freiheit und Recht, für Weiber und Kinder. Esther — für Dich will ich kämpfen." Er reicht ihr die Hände, sie dreht ihm den Rücken. Er scheint's nicht zu merken, seine Arme durchfuchteln die Luft. „Wir bringen die Werften in sichere Schluchten, zur Wüste, vielleicht nach der Grenze. Du, Esther, Du folgst mir als Weib in den Orlog. Ich bin Kapitän."
Ehrgeiz und Stolz begeistern den Witboi. Sie blickt zu ihm hin, und gedenkt des Geliebten. Welch ekler Vergleich: der edle Panter und der heulende Schakal.
„Geh', Esau — ich bin nicht für Dich!"
Statt Liebe — Verachtung, statt Hoffnung — Eifersucht!
Mit drohender Faust knirscht Esau: Nicht heute, nicht morgen — doch die Stunde der Reue — sie kommt. Danu wehe Dir, Esther!" Er weist gegen Osten. „Dann hüte Dich, Duncan!"
Das Mädchen erblaßt. Sie ringt ihre Hände, sie will ihn versöhnen. Doch Esau ist fort.---
gefahr und — von Liebe.
„Esther — bist Du mir gut? Sag alles, sag's schnell." Sanft macht er sich los und sattelt den Hengst.
„Komm mit, Hans, zum Pontok. Der Bambuse, der David, hütet Dein Pferd Dort oben, 'da hört uns kein Fremder. Der Nebel des Flusses birgt leicht einen Feind."
Dicht an der Schlucht, die vom Tal heraufführt, steht eine einfache Hütte. Zweige von Büschen und Bäumen, die Spitze» zur Mitte verbunden, sind flüchtig mit E-as oder Binsen belegt, den Boden bedecken gegerbte Felle und weiche Decken von Schafen und Ziege» — ein Pontok.
Von Esau, dem Witboi, der sie begehrt und den sie verachtet, hat Esther die Kunde. Hans Duncan, ber Farmer, lauscht mit Entsetzen. Dem mächtigen Hendrik, des Nama- volkes Haupt, hat Gottes Prophet, der heilige Stürmann, Befreiung vom Joche der Fremden verheißen, denn die Zeit sei nun voll. Ein blutiger Orlog steht nahe bevor. Schon haben die Leute von Gochas, die Feldschuhträger um Koes und die Nordbethanier sich fest mit dem Witboistamme verbunden. In Hoachanas, die rote Nation, zeigt sich willig. Nur Goliath, Versebas Herrscher, weigert den Krieg, doch bald muß er fol- gen. Kein Fremder soll wohnen im Land, kein Deutscher das Leben behalten. Die Stunde ist nah.
Aufspringen will Hans, doch Esther rückt näher und preßt sich gegen den Mann, er spürt ihren Atem, ihr pochendes Herz.
„Dich, Hans, und Deine Familie, die Jagdgefährten in dreimal zehn Jahren, verschonen die Krieger, wenn Ihr ausharrt in Persip." Dann schweigt sie, ein Zittern burchbcbt ihre Glieder. Er sucht ihre Hände. „Das sagtest Du mir! Das Geheimnis kann Tod und Schande Dir bringen, wenn ich's verrate. Dem Feinde vertrauen, bringt immer Verderben."
Um den Geliebten schlingt sie die Arme und flüstert leise und heiß: „Du bist kein Feind — Du bist unseres Blutes. Ich kannte Dich lange, ich lieb' Dich seit heute. Gern sterb' ich für Dich."
Hans Duncan entreißt sich dem weinenden Mädchen.
„Droht Dir, Geliebter, Gefahr, Du findest mein Kopftuch am Brunnen von Perstp."
tzr winkt und gleitet Ins Tal.
Dle ersten Strahlen der Sonne vergolden die Ränder der Berge, sie sehen bas liebende Weib am äußersten Felsranb, den -eilig nach Osten entfliehenden Reiter — sie sehen den spähenden Witboi ber finsteren Schlucht entsteigen-
Esther schreckt auf. Am Pontok steht Esau.
-Hans, reite nicht fort. Vernimm meine Warnung, achre sie nickt," kommt's stoßweise heraus. Ihr Mund .... stummt, doch die flimmernden Augen, sie reden von Todes-