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mußte! Und was ist überhaupt ein Feldsoldat ohne Frühstück? bin Geschütz ohne Munition! Ein Portemonnaie okne Geld! Ein Mädchen ohne Liebe! Darum: vier Butterbrode und vier hartgekochte Eier bestellte sich Fritz v. Plaun beim Bur­schen. Dann schlief er den Schlaf des Gerechten, bis die Wecker­uhr raffelte und zur Pflicht rief.

Noch war es stockfinstere Nacht. Stöhnend wurde die Mor­gentoilette erledigt. „Ideale?" hatte der Regimentsadjutant gesagt? Die Leute hatten gut reden. Aber schließlich wollte er ja auch sein Bestes tun! Und er verstaute seine Butterbrode in der Kartentasche und die Eier im Fernglas-Futteral- Weg und Steg der Umgegend hatte er im Kopf- und durch das Glas sah er schon deshalb schlechter als mit bloßen Augen, weil die eine Linse fehlte und die andere einen Riß hatte.

Quaterno, der Vollblüter, schlug unten auf der Straße schon das Pflaster mit den ungeduldigen, kleinen Hufen. Nun anfgeseffen und in eiligem Schritt durch die nächtlich-stillen Straßen. Bei jedem Bäcker roch die ganze Umgegend nach frischem Brot, Kuchen und Semmeln. Ob die Kartentasche wohl noch etwas Verproviantierung gestattete? Ja, sie gestattete! Mit kleinem Aufenthalt gelang es, die Ausrüstung in solcher Weise zu vervollständigen. Und dann war die Stadt zu Ende, dann kam die dunkle Landstraße zwischen den noch dunkleren Wänden der Forst. Nun hob Quaterno die Beine rote tanzend, um jede lknebenheit zu meiden, nun begann ein Trab den Reiter roeich und lieblich zu heben und zu senken, nun strich die Herbduftende Nachtluft um die schlafbeiße Stirne, und voraus, in der Ferne, woben feine, neblige Lichter den Himmel hinaus und tasteten nach den tief erstehenden Sternen. Ter einsame Reiter atmete stärker. Einmal gab's plötzlich ein Rascheln im Wald zur Seite. Quaterno machte flüchtige Sprünge. „Bestie, du wirst mich doch nicht abwersen?" — Wies einem wohl zu Mute sein mochte, wenn man in ähn­licher Sendung im echten Kriege ritt? Wenn jeden Augen­blick und hinter jedem Baum, hinter jedem schwarzen Busch die Kugel des Franetireurs warten konnte? Ja, das wäre eine ganz andere Geschichte! Wahrhaftig, dann wäre man wohl noch einmal so gerne geritten. Ja. daß war doch wohl das — Ideal, was man im Herzen trug. Aber nun hieß es, sich Immer nur dem blaffen Frieden anzuvaffeu!

Jetzt wich der Wald freien Feldern. Ein Dors lag in der Tiefe. Rosenrote Dämernng kam herauf und aus ihr endlich des Tages große, runde Leuchte. Nun stand Fritz v. Plaun wegabsetts an seiner „Waldspitze" auf der Lauer, atz die fri­schen Semmeln, steckte dem Pferd jeden zweiten Bissen zu und hielt Ausschau gegen den bösen Feind.

Plötzlich hob Quaterno das edle Köpfchen und witterte in die Luft- Dann schmetterte sein hellstes Wiehern durch den Morgen. Aus der Ferne antwortete ein anderes, und ein Reiter, die schimmernde Adjutantenschärpe über der Brust, die Helmkappe mit dem roten Zeichen seiner Feindseligkeit ge­ziert, trabte heran. Einen Augenblick dachte Plaun, sich zu verstecken, aber er war bereits gesehen und sogar erkannt. „Morgen, Plaun", schallte e8 durch die Stille, „dolles Geschäft, dies Nachtreiten, was? — Famos, daß wir uns treffen! Da können Sie sich in die Geschichte zum Besten Ihrer Meldung sehr vereinfachen!"

Plaun verstand den anderen wohl: sie sollten ihre Kennt- niffe über die eigene Partei sich gegenseitig anvertrauen. Aber nein: erstens, wo blieben da die Ideale, die weiß Gott an die­sem wundervollen Morgen sein Soldatenherz mehr als je be­geisternd füllten, — und zweitens wußte er ja doch schon alles, was ihm der andere hätte sagen können: drei Bgtaillone, drei Bgtterien auf dem nächsten Wege von Jrstadt! Der Regimeuts- adjutant hatte es so gesagt, und Regimentsadjutauten sind vor Beffchtigungen allwissend, — sonst übrigens auch.

„Nehmen Sie'8 mir nicht Übel, auf solche Geschichten laffe ich mich nicht ein!" rief er dem anderen zu. „Man muß doch einigermaßen ehrlich Krieg spielen!"

„Na, ereifern Sie sich man nur nicht!" kam die Antwort, „mir ist es ja egal, ich wollte nur Ihr Bestes!"

„Ich werde selbst erkunden!" rief Plaun und dann, gerade noch zur rechten Zeit, so daß es der Fortreitende noch hören konnte, fiel ihm ein guter Rat für den ein: „Ideale, Ideale, mon cher!"

Aus der Ferne klang es wie Lachen zurück. Aber ihm war's Ernst. Ernstester Ernst! — Und dann frühstückte er weiter.

Jetzt guoll drüben ans dem Dorfeingang eine Staubwolke. Aha, die Spitze des Feindes! Richtig: ein gutes Dutzend Schützen mußten das sein, die langsam vorwärts schritten. Q, Fritz v. Plaun hatte gute Augen! Na und selbstverständlich, da war ja auch alles andere, wie er es brauchte: hinter dem Dorfe, auf dem Wege von Jxstadt her, auch in Staubwolken ge­hüllt, kamen Gefährte. Das war also die Artillerie. Die In­fanterie rar.? jetzt zum Teil in der Dorfstraße, zum Teil noch hinter den Kanonen, — raie es sich laut Schema Marschord- nung für ein gemischtes Detachement gehört. Summa summa- rum: der Feind ist entdeckt, erkannt, ausgekundschastet- So, und nun sollt Ihr uns noch mal überraschen wollen!

Der Leutnant saß eilig auf, glitt durch das Unterholz auf die Straße, nahm den weichen Seitenweg und fiel in Ga­lopp. Tiefer und tiefer streckte sich Quaterno über den Boden. Eine Lust roar'5! Der Qberst sollte nicht über verspätete Mel­dung klagen! Schon flog der Reiter über die Ebene, wo es rote,immer zur Schlacht kommen mußte. Er lachte. Das nann­ten die Leute Ideale! Wo sie doch alles vorher wußten? — Einen Graben ließ das Tier unter sich, — einen zweiten, — o wunderbarer Ritt! — bann eine langgestreckte Hecke. An dieser Hecke gab's nachher den Zusammenstoß der beiderseitigen Infanterien! Ja, ja, — wie immer, — wie immer ....

Auf „Höbe 47" wimmelten schon allerhand Gestalten: der Oberst, der Regimentsadjutant, der Major der Artillerie, und — sieh da: da kam ja auch soeben der General geritten, der die Besichtigung abuahm.

Plaun sprengte um die Höhe herum, daß die Ackerschollen flogen, hielt im nächsten Augenblick vor seinem Oberst und sprang vom Gaul. Die Zügel in der Hand, trat er heran und machte seine Meldung. Er sprach mit heller, schneidiger Stim­me. Er hatte seine rechte Freude an sich.

Aber mit einem kurzen: „Na ja, das ist ja selbstverständ­lich!" schnitt der Oberst ihm die letzten Worte ab. rief sich den Arkilleriesührer und gab Befehle.

„Nu soroas!" brummte der Leutnant und trat geärgert zur Seite- „Da rackert man sich ab und hat die besten Ab­sichten, und das ist der Lohn? Wozu schicken sie einen denn da überhaupt?"

„Ach, Herr Leutnant, kommen Sie doch mal her!" klang in diesem Augenblick die tiefe Stimme des Generals über die Höhe.

Famos: so kam man also doch noch zur Geltung! Dienst­eifrig stürzte er über den Acker. Aber ihn empfing keine freundliche Frage. »

„Herr Leutnant, wenn Sie denn schon mit dem Adjutanten der Gegenpartei konferieren, dann können Sie auch ruhig früher Ihre Meldung bringen!"

„Verzeihen Herr General," stieß der Leutnant hervor, „ich habe durchaus nicht etwa . . . ."

„Sie haben durchaus nicht? Na, ich habe das doch aus der Ferne selbst beobachtet! Ich war auch früh unterroegS, Herr Leutnant! Wie lautet denn Ihre Meldung, bitte?"

So etwas! Jetzt kam man gar noch in den Verdacht der Schandtaten, die man doch reinen Herzens und dem Ideal zuliebe ausnahmsweise nicht begangen hatte. Mit dem Brust­ton heiliger Entrüstung wiederholte er nun seine Weisheit, rind siehe da: das Angesicht des hohen Vorgesetzten verzog sich ja auch schon zu einem Lächeln. „Nein," sagte er nämlich, „dann haben Sie allerdings nicht mit dem anderen Adjutanten kon­feriert!" Und laut rief er zum Oberst hinüber: „Herr Oberst, was Ihnen Ihr Leutnant gemeldet hat, ist nicht richtig! Ab­solut unrichtig! Lasten Sie sofort neu erkunden! Und ®fe, Herr," wandte er sich wieder Plaun zu, der fühlte, daß sein Gesicht von Minute zu Minute an heroischem Ausdruck verlor und an Dummheit zufetzte, „und Sie mein Bester," sagte der General, „wo haben Sie denn das alles gesehen?"

Plaun wollte erklären. Seine Hand griff dahin, wo er die Karte hatte haben sollen. „Ich mutz meine Karte beim schnellen Reiten verloren haben . . ." stammelte er, als er nur Sutter» vrode zu fasten bekam-

Der General hielt ihm seine Karte hin. „So? — Na, bas kann vorkommen. Also hier an dem Dorf sahen Sie feindliche Artillerie und Infanterie? Soll ich Ihnen sagen, baß das Jauchewagen waren und Leute, die auf’8 Feld gingen? Ha­ben Sie denn nicht Ihr Fernglas benutzt, wie ich eß immer predige?"