1911.
Nr. 19.
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lSchluß.)
Hans im Glück.
Novelle von Hedda v. Schmid.
(Nachdruck verboten).
Am folgeuden Tage begab sich Hane- io bald als möglich auf seinen Krankenbesuch nach Werdcnhvs. Im Borsaale siel ihm der Patient sozusagen in die Arme, er kam nämlich ans dem Geländer der Treppe, die in den zweiten Stock führte, in rasender Geschwindigkeit hcrabgcrutscht.
Hans bedauerte fast, daß der Junge so kerngesund war und sich nicht beim Geländerrutschen das Bein gebrochen hatte.
Nun kam auch Abda in einer sehr hübscheir und frischen Svmmertoilettc und begrüßte Hans wie einen alten Bekannten.
Iran v. Unkendorff blieb unsichtbar.
Man ging in den Garten, wo Hans das bewußte Teppichbeet mit seiner Pyrethrumeinfassnng gebührend bewunderte, plauderte eine Weile, auf der Wippschaukel unter alten Lin den sitzend, und es feblte nicht viel, so wäre Hans zu Mittag in Werdenhof geblieben. Doch entsann er sich noch zur rechten Zeit seines der Mutter gegebenen Versprechens und nahm, merklich zögernd, Abschied.
„Leben Sic wohl, gnädiges Fräulein," sagte er, „Edgars wegen liegt" — beinahe hätte er gesagt „leider" — „fein Grund zu irgend einer Beunruhigung vor! Meine kurze Mission in Werdenhof ist beendet."
Adda wich dem herzlichen Blicke seiner Augen nicht aus, aber sie erwiderte kein Wort.
Als er jedoch eindringlich sagte: „Auf Wiedersehen, gnädiges Fräulein — hoffentlich recht bald!" da klang es ganz leise wie ein Echo von ihren roten Lippen: „Auf Wiedersehen!" —
Am Abend desselben Tages saß Adda Frau v. Nirkendorfs, die int Salon Patience legte, gegenüber und blickte die alte Dame forschend an. „Fühlen Sie sich auch wirklich ganz wohl, Tantchen Unkendorff?"
„Ja, vollkommen wohl, Herzenskind: dieser Sommer - ausenthalt ist mir eine wahre Erfrischung. Keine Pflichteit, nur Lektüre und Ausruhen."
„Ja, aber ich finde doch, daß Tie ein wenig angegriffen anssehen, Tantchen, so um die Augen herum. Haben Sie wirb lich fein Kopfweh?"
„Keine Spur," versicherte Frau v. Unkendorff, und sic suchte im Talon nach einem Coeurkönig, den sie nicht entdecken konnte: „ich habe mein nervöses Kopfweh hier in der frischen Landlnft ganz verloren. Wie kommst Lu nur darauf, Ad- dacheu, daß ich krank sei?"
„Ach, ich meinte bloß, weil wir doch jetzt den Doktor so ganz in der Nähe haben."
„Aber bestes Kind, einen Doktor hattet Ihr doch, solange ich mich dessen erinnern kann, im Kirchspiel!"
Adda schwieg zu dieser Antwort und begann sich , lebhaft für die Patience zu interessieren.
Nachdem sie sich tags darauf bei allen Leuten reihum hatte erkundigen lassen, ob sie auch gesund seien und die Mamsell die besorgte Frage getan: warum das gnädige Fräulein plötzlich so ängstlich geworden, ob eine Epidemie in der Zeitung stehe, und nachdem sie die Ueberzeugung gewonnen, daß der Gesundheitszustand der Werdeuhöfschen Gutslente ein sichtlich unverwüstlich guter sci, begab sich Adda auf einen einsamen Spaziergang.
ein freundlicher Zufall fügte es, daß ür am Nande der Schlucht mit Hans, der ans dem Hinterpförtchen des Woland- schen Gartens herausgetreten war, zufammeirtraf. Auch er batte das unabweisbare Bedürfnis empfunden, einen ein» sauten Spaziergang zu uttternehmen.
9<un wandesten die beiden am Rande der Schlucht dahin und redeten miteinander wie zwei Menschen, die einander bereits jahrelang kennen.
Hans erzählte von seiner Kindheit, von Ranie«, von seinem Studium und von seiner Schwester. Nur über den Familienzwist verlor er kein Wort.
ES war ihm außerordentlich peinlich und quälend, auch nur an die en zu denken.
Wie aitgenehm und itugezwungeit hätte sich ohne dieses unselige Zerwürfnis fein Verkehr in Werdenhof gestalten können!
So kamen sie zur Parkwiese, welche bereits gemäht worden war.
„Nach zwei Tagen ist Johanitiabend," sagte Adda.
.Ich bin jnst am Johann iahend geboren," bemerkte Hans. „Dem Tage verdanke ich meinen Rufnamen. In der Korporation nannte man mich „Hans im Glück".
„Das finde ich hübsch," rief Adda lebhaft.
, Es war ein willkürlich gegebener Spitznam-'," fuhr Hans fort: „er steht in keinem Zusammenhänge mit dem Märchen „Hans int Glück". Als ich als blutjunger Fuchs die Farben erhielt, und strahlend ins KonveutSquartier kam, da ries einer der Kommilitonen: „Seht, Hans int Glück!" Seitdem unnntc man mich so. Meine Mutter behauptete zwar, um Hans im Glück zu fein, bedürfe man des Reichtums."
„Und wie urteilen Sie, Herr Doktor?"
„Ich hänge nicht am Gelbe, und das Mädchen, das ich heimführe, darf arm sein, — ganz arm. Meine Frau soll alles mir verdanken, und ich fühle die Kraft in mir, für die Meinigen zu arbeiten. Nicht darben zu müssen im täglichen Leben,