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Nur nicht ohne Liebe," sagte sie leise.

Es ging die Rede von ihr in der Familie, datz sie ganz junges Mädchen einen Bürgerlichen geliebt lyätte, Bruder einer Pensionssreundin. Derselbe wäre auch in

ergrauten" Braunen lieben die Ohren hängen und schie- ebensalls zu schlummern. Hans Werdenholt lachte bei kummervoll gesprochenen Worten seiner Mutter fröhlich ,Aber Mütterchen!" rief er,ich und ein Diplomat ich bin zu nichts weniger tauglich als gerade dazu."

-Und jetzt wirst du Bauerndöktor," warf Frau Adelheid

Lage gewesen, um sie anzuhalten, allein Frau Adelheid habe ihn, empört über dieFrechheit dieses Menschen", der nicht einmal einvon" vor seinem Namen hatte, geschweige denn eine Freiherrnkrone über demselben, mit einer sehr scharfen Abfertigung heimgeschickt. Nun war Benita Werdenholt mit ihren fünfundzwanzig Jahren ein früh verblühtes Mädchen. Dem Umstande, datz ihre Wiege unter dem Dach des Ranten- schen Herrenhauses gestanden, verdankte es dieses arme adlige Fräulein, datz es sich um ein reiches und schönes Lebens­glück betrogen sah.

Cie bildete in ihrem Wesen und ihrem Aeuhern einen starken Gegensatz zu ihrem blonden, immer frohgemuten Bruder.

Enttäuschung und eine verschwiegen getragene Verbüß rung hatten das dunkelhaarige Mädchen so still und fdjeinb* interesselos gemacht.

Benitas Pflichtenkreis in Ranten war ein sehr kleiner, sie erlebte buchstäblich nichts, außer ein paar nachbarlichen Be­suchen, und sie beneidete ihren Bruder um die Möglichkeit, die Welt kennen zu lernen.

Bis auf weiteres war es allerdings nur ein sehr kleines Stückchen Welt, welches kennen zu lernen Hans Werdenholt im Begriff stand.

Er sollte für die Dauer einiger Monate eincit Kirchspiels- arzt. der seiner angegriffenen Gesundheit halber ins Ausland reiste, vertreten. Das Doktorat lag zufällig in demselben Kirchspiel, in welchem das Gut Werdenhof sich mit seinen un­absehbaren Feldern und weitläufigen Heuschlägen ausbreitete. Es galt für das schönste Gut der ganzen Gegend.

Frau Adelheid war zuerst nutzer sich gewesen, als sie durch ihren Cohn davon hörte.

Hans hatte die unheimliche Nähe des Doktorats bei Wer­denhof seiner Mutter wohlweislich erst dann klar gemacht, als er sich bereits unwiderruflich dazu verpflichtet hatte, den Posten, der sich ihm durch Vermittlung eines älteren Kollegen geboten, anzunehmen.

Baronin Adelheid rang die Hände. Aber ihr Lamen­tieren half itjr nicht das Geringste. Ihr Cohn redete ihr zu.

Da ich nicht die Mittel dazu habe, wie andere frisch von der Universität gekommene Aerzte, ins Ausland zu gehen, um mich dort an irgend einer hervorragenden Klinik in meinem Fach zu vervollkommen, so betrachte ich es als ein Glück

bas, allerdings vergeblich, seiner Mutter klar zu machen, je­doch Frau Adelheid blieb bei ihrem Lamento, datz es doch nur «in Brotstudium sei, welches ihr Hans ergriffen ein Werden­holt hätte Diplomat werden können, mit der Zeit.vielleicht Attachee bei einet Gesandtschaft.

Davon sprach sie auch heute, während die alte Kalesche, welche ihren Cohn zur Bahn bringen sollte, vor der Tür hielt

und der alte Kutscher Sürri, unter der warmen Iunisonne vom Warten schläfrig geworden, auf dem Bock eingenickt war. Die --

| für mich, in der Lage zu sein, etwas zu verdienen und mich in der Praris zu üben."

Das sah Baronin Adelheid schlietzlich ein, wenn auch wider­strebend.

Ja, diese Armut, diese unerbittliche Armut. . . Wieviel Demütigungen hat sie im Gefolge!

Hans mutzte wenigstens seiner Akutter das Versprechen geben, keinen Verkehr mit den Werdenhösschen anzubahnen.

Hans fügte jedoch hinzu, datz er nur bedingungsweise ge­lobe, Werdenhof fern zu bleiben . . .

Cobald mich meine Pflicht als Arzt bart bin ruft, werde ich selbstverständlich nicht zögern, den feindlichen Boden zu betreten. Uebrigens. liebstes Mütterchen, ihr solltet doch end­lich Frieden miteinander machen, du und Tante Helene. Das sind doch nun längst verjährte Geschichten, die es verdienen, endgültig begraben zu werden. Und bei Licht befeben. waten es Bagatellen, um derentwillen ihr euch entzweit habt."

Co. das nennst du Bagatellen," fuhr die alte Dame nervös auf;also deiner Meinung nach dürfte jeder Eindring­ling in unsere Familie deine Blutter ungestraft beleidigen."

Hans hatte Mühe, seine aufgeregte Mama zu beschwich­tigen. Ihm dünkte der unerguickliche Familienzwist, welcher sich schon so lange dahinzog, mehr denn kleinlich. Ceine Mutter tat ihm leid, er wutzle, datz sie sehr unter ihrer Mittellosigkeit litt. Ein gewisser, vielleicht unbewußter Neid gegen ihre Feindin, die Baronin Helene, verschärfte den Hatz, welchen sie gegen die Werdenhösschen empfand.

Auch heute, in der Abschiedsstunde, kam sie auf ihre hart­näckige Abneigung gegen die Wetdenhöfschen zu reden.

Als Mat heiratete, da wat es mit meiner Freundschaft für diesen Vetter eures Vaters vorbei," sagte sie.Ich habe mich übrigens ein wenig über Werdenhof orientiert, weil du, Hans, doch nun in diese Gegend kommst. Adeline Bennewitz, eine Tochter aus dem Erlamaschen Hause das Gut kam vor einigen Jahren unter den Hammer ist in Werdenhof Gou­vernante. Es ist doch tieftraurig, datz junge Mädchen aus unseren Kreisen durch Mittellosigkeit sich dazu gezwungen sehen, fremdes Brot zu essen."

Benita lächelte bitter. Es lohnte sich nicht, ihrer Mutter zu wiedersprechen. Wie gern hätte sie, Benita, einen Wir­kungskreis besessen, und sei es auch in abhängiger Stellung tn einem fremden Hause. Sans, der Liebling der Mama, Tiefe es jedoch an Widerspruch nicht fehlen.

Ich findees tüchtig, wenn junge Mädchen etwas leisten," sagte er.

Die Baronin beachtete seinen Einwurf nicht und fuhr fort: Adelinens Mutter ist mit Mir zusammen im Stift erzogen worden; ich schrieb der guten Lucy, die merkwürdigerweise ihren Töchtern selbständige Stellungen gestattet ihre Zweite bildet sich zur Krankenpflegerin aus und bat um einige Nachrichten über die Werdenhösschen, so ganz en passant, daran' anknüpfend, datz du. Hans, bald in die unmittelbare Nachbar­schaft von Werdenhof kämest, wobei ich einschaltete, datz dies zu meinem Mitzfallen geschehe. Ans Lucys Antwort ersah ich. datz die Werdenhöfschen Saus machen, seit ihre älteste Tochter erwachsen ist. Doch wird es voraussichtlich diesen Sommer dort recht still hergehen, da das junge Mädchen zu Verwandten nach Arensburg soll. Ihre Mutter hat jedenfalls Adeline ge­beten. einen Teil der Ferien noch in Werdenhof zu verbringen, zur Aufsicht der Kleinen, da das Ehepaar vieNeicht auch eine kleine Reise antreten würde. Wieviel Kinder da sind, weitz ich nicht. Also fürs erste triffst du hoffentlich niemanden von unserer Verwandtschaft dort an, Hans. Datz du dich so fremd wie nur irgend möglich zu Werdenhof stellen wirst, hast du mir ja fest versprochen."

Sans zerrte ein wenig ungeduldig an seinem Schnurrbart. Ja, leider, liebe Mutter, ich bereue fast mein voreilig ge­gebenes Wort. Diese Uneinigkeit zwischen Ranten und Werden- Hof ist ebenso lächerlich, wie fatal."

Du wirst den Zug versäumen, Sans," bemerkte Benita nach einem Blick auf die Stutzuhr auf dem Kaminsims.

Ja, es ist die höchste Zeit für mich, aufzubrechen!" tief Sans, aufspringend.

Dadurch wurde ein weiterer Meinungsaustausch zwischen Mutter und Sohn über das unerschöpfliche Themahie Wer­denhof, hie Ranten" vermieden.

Der Kutscher Jürri fuhr aus sützem Traum empor, als die Stubenmagd Kaddri ihn unsanft am Arm rüttelte, die Braunen hoben die Köpfe das ungeduldige Scharren mit

gereizt ein.Es ist himmelschreiend! Ein Werdenholt und Landarzt. . ."

Doch nur stellvertretender," begütigte Sans ;,unb wenn auch ßanbarjt auf längere Zeit, was wäre beim habet? Ich bin noch sehr jung in meinem Beruf, ich mutz mir bte Sporen in bemselben verbienen. Natürlich strebe ich über bie Gren­zen bes Wirkungskreises hinaus, ber sich mir vor der Sanb bietet. Doch ber Zweck meines Berufes ist ja nicht, eine glän- zenbe Karriere zu machen, ich will meine ganze Kraft unb all mein Wissen einsetzen, um meinen Mitmenschen zu helfen."

Aber unter so pauoeren Verhältnissen" seufzte Frau Abelheid.

Soll ich vielleicht eine reiche Frau heiraten, Mütterchen?" fragte Sans scherzenb.

Das wäre bas Schlimmste nicht."

Benita Werbenholt, eine schlanke, feingliedrige Brünette, welche sich bis bahin kaum an bern Gespräch zwischen Mutter unb Bruber beteiligt hatte, hob nun voll ihren Blick zu Sans empor.