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gedacht! Wo kommst Du denn schon her? Hast Du schon | gegessen?"
„Der Jakob ivnr doch schon früher hier," gab er mit beißen- dein Spott zurück, schroff auf sein Ziel losgehend. Aber dann gab es ihm doch einen Stich durchs Herz, als das Mädchen schnippisch den Kopf znrttckwarf und abweisend drein schaute.
Bitter sagte er: „Also doch! Es ist also wahr, was die Leute zischeln und spotten: das, einer mir meinen Schatz wcg- gcschnappt hat. Ich hab's nicht glauben wolsen, das: jemand so falsch und treulos sein kann . . ."
?(littn fuhr auf. um eine heftige Antwort zu geben, aber in steigender Erregung unterbrach Konrad sic sofort wieder:
„Schämen sollt Ihr Euch beide. Mich so zu.hintergehen. Den Jakob hab' ich meinen Freund genannt. Und Du -- Wunders gemeint habe ich, was Du für eine Feine, Treue bist
. .. Statt dessen gehst Du hin und betrügst mich mit dem ersten, der Dir den Kopf verdreht, und machst mich, der ich Dir blind vertraue, zum Gespött der Leute. Aber wartet nur. ich zchl's ihm schon heim. Ich werd' ihn schon zu finden wissen. Ungestraft soll er mir das nicht getan haben!"
„Kann er ivas dafür, dah er mir besser gefällt als Du?" nahm Annchen trotzig den Neuerwählteu in Schub, aber Konrad hatte nichts weiter hören wollen und war davon gestürzt, wilde Wut tut Herzen. Die Eifersucht schlug ihre Krallen in feine Brust. In wachsendem Hatz gedachte er des glücklichen Nebenbuhlers . . .
Wohl waren im Laufe der Stunden ruhigere und kühlere Gedanke» in ihm aufgestiegen, aber jetzt, da er mit dem Räuber seines Glückes so enge beisammen war, erwachte aufs neue in ihm das Verlangen, sich an ihm zn rächen, ihn zu strafen für seinen Berrat. Er konnte von dem Gedanken nicht loSkom- uteit. Wie ein eiserner Reif umspannte er seine Brnst, lieh seine Glieder in wilder Gier erzittern. Das Blut rauschte und brauste ihm in den Ohren, das? es ihm klang wie das Zischeln und Zureden aushetzender Dämonen.
In verbissener Wut schielte er zu dem ebenfalls schweigenden Arbeitsgefährten hinüber. Jakob lag auf der Seite am Boden, in unbequemster Stellung die schwere Haue schwingend, da anders dem hier dünnen Flöz kaum beizukommen war.
-Woran er wohl denken mochte?
Konrad schien es beim ungewissen Schein der mattblinkcn- den Grubenlampen, als trage jener eine überlegene, höhnische Miene zur Schau, — die Miene deö Siegers.
Die Wahrnehmung stachelte ihn anfs Aentzerste auf. Feurige Funken tanzten vor seinen Augen. Keuchend ging sein Atem.
„Zuschlägen, mit der schweren Hacke znschlagen, bis der da drüben keinen Laut mehr von sich gab!" fuhr es ihm ivie ein glühender Pfeil durch den Sinn ....
Fast sinnlos maü er schon die Entfernung zwischen sich und dem anderen, dem Feinde . . .
Da drang das dumpfe Geräusch näherrollender Räder an sein Ohr. Der Schlepper nahte mit den leeren Hunden. Konrad kam zur Besinnung, zur Wirklichkeit zurück. And eine eisige Kälte durchfuhr ihn. ein lähmender Schreck, wie ihn wohl einer einpfindet, der gewahrt, daß er durch Zufall einer schaurigen Gefahr entrann. Minutenlang war er völlig unfähig zu arbeiten Schlaff an der Wand lehnend, schaute er mit stierem Blick die verworrenen, finsteren Wege, in die sein Rachedurst ihn hineingepeitscht.
Beinalte zum Mörder tvar er geworden.
Aber solcher Gefahr durste er sich nicht wieder aussetzen. Noch heute wollte er darum cinkommen, das; man ihn einer anderen Abteilung zuteilte, bevor sein heisses Blut noch eiu- nial Gewalt über ihn bekam . . .
Der Junge war mit dem beladenen Kvhlcntvageu zum Füllort gefahren. Die beiden Häuer arbeitete» in der gleichen Schweigsamkeit weiter.
Plötzlich vernahm Konrad ein seltsames Knacken nnd Reisten und schon im gleichen Augenblick stürzte mit Poltern und Krachen ein Stück der niedrigen First herunter. Ein Aufschrei
aus Menscheumund begleitete das erste Prasseln und Fallen, erstickend im Brechen und Splittern der Holzpseiler, die baS Hangende stützten, im Rieseln der nachkommenden Gesteins- maisen. Ein Schrei, bei dem Konrad fast bas Herz stillstand.
In fassungslosem Grauen blickte er auf den wüsten Trüm- merhanfen vor sich. Dort i> runter lag fein Arbeitsgefährte begraben. Tot. Er konnte ja garnicht mit dem Leben davongekommen sein. Er mutzte doch elend ersticken, wenn er nicht gleich zerschmettert tvorden war.
Wie ein böser Traum erschien Konrad dies plötzliche, schreckliche Ende des Nebenbuhlers. Wie eine Ausgeburt seiner Phantasie, die ja vor ganz winziger Zeitspanne mit dem Tode dieses Mannes, gespielt. Ganz- langsam erst kam ihm das Be- wüsttsein, daß ja nun seiner Rache Genüge geschehen. Datz der andere sich nun nicht mehr des eroberten Glückes erfreuen könne. Datz das Schicksal selbst ihn auö dem Wege geräumt habe. Und ein paar Herzschläge lang wallte ein Trinmphgefühl tu ihm auf, Befriedigung über diesen Ausgang.
Nur ciu paar Herzschläge lang! Dann sank sein Siegesjubel wieder zusammen wie ein Häuflein zu Asche verbranntes Papier. Wie ein eisiger Hauch durchzuckte tiefe Beschämung seine Seele. Sein Haß verstummte vor der stillen Majestät des Todes.
Sogar die Frage, wie Anna das jähe Ende Jakobs aus- nehmen würde, streifte nur die Oberfläche seiner Seele, ohne ihn mehr zu erregen, als ob ein Windhauch leicht ein Gewäsier kräuselt. Andere Gedanken schossen in ihm auf, wie Raketen- garben einander verdrängend.
Wie durfte er hier untätig stehen! War nicht vielleicht doch noch Rettung möglich, wenn sic rasch kam? Wahrte er so die Brndertreue, die der Männer vom Schlägel und Eisen höchste Ehr und Tugend sein soll — die Brndertreue in Not und Tod, in der Stunde der Gefahr? Durste er kleinlichen, unedlen Gedanken an Vergeltung nnd gerechte Strafe nachhängen, anstatt alles aufzuvieteu, datz dem Verschütteten Hilfe zuteil ward?
Wie ein Gejagter sprang er davon, die zunächst Schassenden. die in all den Geräuschen der Arbeit nichts von dem Anfall gemerkt, zur Weitermeldvita und Hilfeleistung anfsordernd, und dann znrückeilend, mit fiebriger Hast begiuitend. die Gesteins- nnd Köhlenbrocken abzutragen, die Jakobs Grabhügel bildeten.
Es war ein hartes, mühseliges Schaffen. Der Schweiß zog helle Kanäle in die stanbgeschwärzten Gesichter der Männer. Schwer ging der Atem in der stickig schwülen Lust, Die Augen brannten und die Glieder begannen an schmerzen. Aber niemand beachtete die Zeichen der Ermüdung. Tie mutzten ja, datz eS galt, einem bedrängten Kameraden zu helfen. Sie dachten vielleicht auch daran, datz auch sie morgen schon in Nöten fein konnten, tatkräftigen Beistandes Errettung aus irgend welcher FäbrniS bedurften, denn der B'"""'",;» hat ja immer sein Totenhemd an: manigsach sind die Feinde, die ihn bedrohen, drunten im tiefen Erdenschöße.
Der Vorderste, der Eifrigste war Konrad Vehrend. Als müsse er wettmachen, datz er vorhin ein paar Sekunden versäumt.
Und dann fließen sie auf den Verunglückten. Er war libcnd, wenn auch in tiefer Bewittztlvsigkeit und mit gebroche- iteit Gliedern. Aber das; er nicht tot, das; ihr Mühen nicht ganz vergebens tvar, erfüllte die Retter mit hoher Freude. Und bewegt und stolz nickten sie einander zu, froh, als habe sich jeder von ihnen den Bruder errettet.
Am stolzesten war Konrad.
Wie ein Sieger schritt er hochaufgerichtet vor der Bahre, auf der man den Kameraden zum Schacht trug.
In seiner Seele tvar es klar und licht. Aus die Stürme, die noch vor kurzem darin getobt, war die Feiertagsruhe des guten Grwissens gefolgt und mit tiefem Glück empfand er, daß das Böse in der eigenen Brust zn bekämpfen, der schwerste, aber auch der schönste Sieg des Menschen ist.