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lange mehr, und ich werde kommen, um all Dein Leid in strahlend ßffirf zu wandeln.

GeduldI Nur noch wenige Tage, und ich werde bei Dir sein. Bis dahin noch harre aus, lebe! Deine Mara.

In ihren Augen leuchtete es, als sie die Feder bei Seite legte. Diesmal wenigstens hatte sie ihm frohe Botschaft senden können. Ja, bald würde sic bei ihm sein. Dann galt es das Schwerste zu vollbringen, den lange genug erwogenen Plan zu ihre-. Befreiung auSzusühren, dann erst hieß cs kämpfen.

Doch sie fürchtete diesen Kampf nicht, in dem sie um ihr Höchstes streiten würde. Sie fühlte, daß sic in ihm Siegerin bleiben würbe.

Ueber eine Woche war verflosien, seit Erich Mara's lebten Brief erhalten. Und nun, seit gestern mutzte sie hier sein, hier, nur Minuten von ihm getrennt. Das hatte er aus der Fremdenliste der Hotels ersehen. Den Tag vorher waren sie wirklich angekommen, Frau Willmers mit Mara und Erna Martens.

Bor allem aber schien es ihr wie ein Traum, daß Erich so nahe ihrer harrte.

Obgleich ihre Seele vor Sehnsucht nach ihm verging, war eS ihr, nm keinen Berdacht zu erregen, die ersten Tage hindurch unmöglich zu ihm zu eilen. Endlich eines Nachmittags, da sie wußte, daß ihre Mutter Ruderfahrten fürchtete, bat sie eine solche in Begleitung von Erna Martens macken zu dürfen. Ohne Bedenken gab Frau Willmers ihre Einwilligung.

Mara mietete keines der zum Hotel gehörigen, sondern ein in einiger Entlernung hiervon vor Anker liegendes Boot Dem Führer desselben nannte Erna Martens das Ziel der Fahrt, Billa Falkner. Einen Moment hatte sie dieser überrascht angeblickt, ohne jedoch ein Wort zu verlieren. Dann stieß er ab.

Während Erna Martens sich bald in fließendstem Italie­nisch mit ihm unterhielt, schwieg Mara völlig. Zu Großes Langersehntes stand ihr bevor. Und dann die bange Frage, wie sie ihn finden, ob er ihren kühnen Plan billigen würde? Er mußte eS, wenn er sie liebte, wenn er sein Wort nicht brechen wollte.

Fast lautlos, pfeilschnell, von den sonnenverbrannten, seh­nigen Armen des Führers vorwärtSgetricben, durchschnitt das Boot die spiegelglatte, tiefblaue Flut.

In der Ferne leuchteten vereinzelte Segel, im Hinter­gründe tauchten schroff aussteigendc begrünte Höhen auf. Die Luft um sie war. ein einziger dusterfüllter, zitternder Glast. Ueber allem strahlte azurblau der Himmel. Sonnenstäubchen

tanzten über den Wogen. Rings herrschte tiefe, nur vom schwachen Ton eines fernen Glöckchens unterbrochene Stille.

Für Mara hatte diese Stille um sie her, da auch Erna Mar­tens schwieg, etwas Banges, Bedrückendes, so dah sie schließlich den dunkeläugigen jungen Burschen anredete, der mit so wun­derbarer Leichtigkeit die Ruder handhabte. *

„Wißt Ihr denn auch genau, wo Billa Falkner gelegen?" fragte sie ihn, gleichfalls in fließendem Italienisch.

„Si si, Signora/' gab jener, mit der den Südländern eige­nen Lebhaftigkeit zurück. Und nun, nachdem er einmal zu reden begonnen batte, endete er nicht, bis er sich plötzlich selbst mit dem Ausrufe unterbrach: »Dort, Signora! Sehen Sie?"

Mara wandte sich, der Richtung seines Fingers folgend, konnte jedoch nichts als ein weißes Leuchten durch dunkles Grün bemerken. Das seien die Säulen der Billa Falkner, meinte erklärend der Kahnführer. Noch konnte Mara nichts unterscheiden: trotzdem bat sie ihn, möglichst rasch zu rudern. Der Burscke nickte ihr mit munterem Blicke zu. Noch mehr strafften sich seine Sehnen, tief ein tauchten die Ruder. Jetzt schwieg auch er, alle Aufmerksamkeit hatte er dem schnellen Erreichen des Zieles zugcwandt. So kamen sie rasch näher und näher.

Und endlich tauchte cs vor ihnen auf, zwischen hohen Zy­pressen, von Lorbeer umrauscht, weiße Säulen auf großem schat­tigen Borplatze, dahinter ein flaches, nach Norden zu glasge­decktes Dach — Billa Falkner. Das Hans in seiner einfachen harmonischen Große spiegelte sich im tiefen Blau des herrlichen Sees wieder durch dessen Fluten das Boot, jetzt nur noch wenig entfernt, einer kleinen Bucht an der rechten Seite des HauseS zur Landung zustrebte Aus einem der niedrigen Schornsteine wirbelte weißer Rauch ans.

Jetzt landete man. Mara's Atem flog. Sie und Erna Mar­tens schritten, nachdem sie dem Führer bedeutet, daß er warten möge, der mit einem Medusenhanpte geschmückten EingangS- ukorte der B'lla zu. Mit bebender Hand setzte Mara den unter­halb desselben in Form einer Schlange befindlichen Klopfer in Bewegung.

Nack kurzer Frist ward ihnen durch einen grankövkigen Alten, Erick's Diener, geöffnet. In seinem verbrannten, durch­furchten Gesicht ging etwas seltsames vor, als er die beiden, «l'm erst k-emd erschienenen Franengestaltcn genau betrachtete. Er hatte Mara wie sie ibn, erkannt.

»Friedrich?" lächelte sic.

»Gnädiges Fräulein!" er hatte wie flehend die Hände er­hoben. „Oh, folgen Sie mir, retten sie ihn!"

(Fortsetzung folgt.)

Der damische Teufel*).

Humoreske von Maximilian Krauß.

(Nachdruck verboten).

Ein Münchner Sportzug auf dem Tegernscer Bahnhof. Alles drängt schon aus die Plattform der Wagen hinaus. Man kann eö kaum erwarten, bis der Zug hält. Denn nun hockt man schon anderthalb Stunden in den Eoupös beisammen, ein Ehaos von Männlein und Weiblein, Skiern und Rodelschlitten und Rucksäcken, und hat nichts als den winzigen Ausblick durchs Fenster ans die strahlende, funkelnde Winterlandschaft, auf die Berge, die immer näher kamen, immer herrlicher em­portauchten in den tiefblauen Himmel ... Da hat jeder den Wunsch: Außi möcht' i!

Und NUN stiebt das Volk auseinander, jeder einzelne seinen Wintersportabenteuern entgegen. Nur noch ein paar ganz langsame, ein paar Umstandskrämer an der Perronsperre, die mit ihren Skiern, Rucksäcken und Rodeln nicht fertig werden.

Darunter ein Freund von mir, der Huber Nazi. Ein ganz braver, etwas sehr dicker Mensch, der in einem Münchner Aemt- lein ein nicht unbeschauliches Dasein führt und auch sonst sich

*) Wir entnehmen diese Skizze des bekannten Münchner Feuilletonisten der letzten Nummer (3521) der Leipziger Illustrierten Zeitung, die in der Hauptsache der Schilderung der landschaftlichen Schönheiten des WinterS und dellen sportlichen Reizen gewidmet ist. Bilder und Text, beide in bunter Fülle, ergänzen sich auf8 beste, und der Erwerb dieses Sonderheftes kann ebenso wie das Abonnement auf die beliebte Wochenschrift, daß eine Reihe besonderer Vorteile bietet, nur empfohlen werden.

noch nichts hat zuschulden kommen lassen: nur schlecht terteln tut er. Er verpatzt jedes Spiel. Und wie!

Heut macht er seine erste Rodelpartie. In Fürstenfeld­bruck, auf der Kinderrvdclbahn, hat er am letzten Sonntag den Sport ausprobiert. Die Kinder haben eine Mordsgaudi dabei gehabt. Denn der Nazi mit seinen hundertachtzig Pfund hat beim Rodeln ganz merkwürdige Kapriolen ansgesübrt. So etwa, wie wenn ein Elefant Menuett tanzt. Aber schließlich hat er sich mit seinem Rodel doch so ziemlich angefreundet, und das Resultat war, daß er in seinem stolz geschwellten Sport- bewnßtsein beschloß, alsbald einem Robelberg eine Visite zu machen.

Und so kam er heute nach Tegernsee, vergnügt und aufge­räumt wie ein Spatz.

Wie er seine Körperfülle nebst dem Rodel, den er auf dem Rücken trug, durch die Perronspcrre glücklich durchgezwängt hatte, hört er hinter sich seinen Namen rufen.

Er schaut sich um, und der ganze Humor, der ibn bisher erfüllt hatte, war flöten gegangen. Denn der, der ibn gerufen hatte, war sein größter Feind, der Weberwastl. anch Sportö- man und auch Kartcnspieler. Aber einer, der das Terteln kann, ein ricktiaer „Ehamvignon der Tertelkarte", wie man ihn am Stammtisch getauft hatte.

Noch einmal ruft der Wastl. Aber Nazi brummt wa» in seinen Bart, das nicht gerade eine höfische Liebenswürdigkeit war, und geht seiner Wege. Man wird sich doch nicht mehr mit einem solchen Kerl etnlaffen, der einen coram publico, vor