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tn. 91. K ______________________________

Aniie. Wortlos holten sie sich umschlungen. Was ihre Lippen verschweigen, das sagen ihnen die dicht aneinander klapsenden Herzen. Käte malt unterdessen drei dicke Kreuze aus den schivarzen Prunkschrank . . ,

Ende.

Jas Baden im Freien.

Allerlei Ratschläge für die Badezeit.

Die Zeit des Badens im Freien ist wieder da, und wenn die Temperatur nur einiger­maßen günstig ist, erfrischt sich jeder gern durch ein kaltes Bad. Ohne Zweifel ist das Kalt- bäden sehr gesund und empfehlenswert, trotz­dem aber sollten alle, die im Sommer kalte Bäder zu nehmen beabsichtigen, vorher einen Arzt zu Rate ziehen. Es gibt nämlich viele Leute, deretr Körperkonstitution das kalte Ba­den nicht verträgt, und die sich nur Krankhei­ten und langwierige Leiden dadurch zuziehen würden. Bor allen Dingen aber sollten Eltern und Erzieher daraus achten, daß ihre Schutzbe­fohlenen nicht zuni Baden gehen, wenn sie es nicht vertragen können. Gewöhnlich beginnt die Badezeit Mitte Juni, da meistens erst dann das Wasser eine den ersten Bädern angemessene Temperatur erreicht hvt. In diesem Jahre er­laubten die außerordentlich heißen Tage im Mai schon früher ein kaltes Bad. Man sollte die ersten Freibäder jedoch nicht eher nehmen, bis das Wasser eine Temperatur von achtzehn bis zweiundzwanzig Grad Wärme aufweist. Später kann man dann bis zu 14 Grad herun­tergehen. Ein Unsinn aber ist es, wenn Leute sich rühmen, in zehngradigem Wasser gebadet zu haben. Ein solches Bad wirkt direkt schäd­lich, da es dem Körper .zu rasch und zu viel Würnie entzieht. Deswegen darf man auch nicht zu spät mit dem Freibad aushören.

Gegen Ende September ist es gewöhnlich nachts schon so kühl, daß das Wasser am Tage nicht über eine Wärme von zehn bis zwölf Grad hinauskommt. Da heißt's dann natürlich: Halt! Die günstigste Tageszeit für ein kaltes Bad siird dic Stunden nach deui ersten Frühstück. Vor allen Dingen muß man sich aber hüten, gleich nach den Hauptmahlzeiten, oder wenn man sonst viel gegessen hat, zn baden. Viel Unheil wird auch mit dem zu lange aus­gedehnten Bad angerichtet. Besonders manche Kinder können sich an den heißen Sommcr- tagen gar nicht vom Wasser trennen. Eine halbe Stunde oder noch länger hocken sie im Wasser und kommen schließlich mit blauen Lip­pen und an allen Gliedern zitternd, heraus. Das ist unter allen Umständen zu verwerfen. Die ersten Bäder sollten sich auf eine Zeitdauer von fünf Minuten beschränken, auch später emp- Kes sich, nie länger als zwanzig Minuten

Lasser zu bleiben. Nach dem Bade frot­tiere man den Körper mit einem nicht zu wei­chen Tuche gründlich, kleide sich schnell an, mache sich ein wenig Bewegung und esse anch etwas. Während der ersten halben Stunde nach dem Bade sollte man nicht körperlich und besonders nicht geistig tätig seih.

Viele Badende huldigen auch der Unsitte, nach dem Bade stundenlang im Bademantel herumznmngern; meistens ziehen sie sich da­durch eine Erkältung zu. Noch schlimmer wirkt das ungenügende Abreiben des feuchten Kör­pers. Zieht nun Wäsche und Kleider über den noch feuchten Körper, so darf man sich nicht wundern, wenn man später von Rheuma oder Gicht geplagt wirb. Ein großer Unterschied be­steht darin, ob man 'n fließendem, stehendem oder gar in salzlmltigem Meerwasser badet. Verhältnismäßig wenige Leute nur können sich leider den Lux'r. eines Aufenthaltes in einem Seebade erlauben Wem seine Verhältnisse einen Aufenthalt an der See nicht gestatten, der sollte wenigstens, wenn irgend möglich, in fließendem Wasser büdcn, das doch einen viel günstigeren Einfluß aus das Wohlbefinden ausübt als stehendes Wasser. Kann man we­der in fließendem Wasser noch in Meer- wasscr baden, so bleibt als letztes nur ein stellendes Gewässer; ein Teich größeren oder kleineren Umfanges findet sich wohl schon in

Casseler Neueste. Nachrichtett

dem kleinsten Ort. Denn: ein Bad in stehendem Gewässer ist immer noch besser als gar keins. M. M.

Gefährliche Erdbeeren.

Die Erdbeere alö Bazillenträgerin.

Manche Menschen fürchten sich so vor Bazil­len, daß sie sich dadurch jeden Genuß verleiden, und mehr als ein Nahrungsmittel, das sie frü­her mit Genuß und Vertrauen zu sich nahmen, erscheint ihnen jetzt alsverdächtig". So hat neuerdings ein französischer Professor, Sacgur!- väe, die aromatische Gartenerdbeere als Bazil­lenträger bezeichnet. Er schreibt dies zwar nicht der Frucht selbst, sondern der gesundheitswidri­gen Behandlung zu, der sie in manchen Gegen­den Frankreichs bei der Kultur unterworfen wird, und empfiehlt, alle Erdbeeren, deren Herkunft nicht zweifelsfrei festzustellen ist, als verdächtig zu behandeln. Nach einer Notiz Pro sessors Sacquüpäes in einer französischen Zeit­schrift werden nämlich in manchen Gegenden Frankreichs die Erdbeerbeete mit menschlichen Fäkalien gedüngt, und zwar nicht nur in der erstell Zeit, soildern auch noch zur Zeit der Blüte.

Sollte der französische Gelehrte mit seiner Behauptung recht haben, so wäre allerdings die Gefahr einer Uebertragung gewisser Krankhei tcn, wie Typhus, Cholera usw., nicht-ausge schlossen. Doch liegt sie für uns nicht nahe, da ja die vorzügliche Behandlung unserer deutschen Obstanlagen bekannt ist, und auch wohl nie­mand die Erdbeeren unabgespült genießen wird. Für Erdbeeren unbekannter oder ver­dächtiger Herkunft erklärt allerdings Professor SacgrEpoes dieses Abspülen als nicht genügend sicher. Er infizierte zu Versuchszwecken einige Erdbeeren in einer den angegebenen Verhält­nissen entsprechender Weise. Dann spülte er sie fünf bis zehn Minuten lang in reichlich be­messenem, sterilisiertem Wasser ab. wodurch er eine Verminderung der Bazillen um zwei Drit­tel bis drei Viertel ihrer Menge erzielte. Ein vollständiges Verschwinden der Bazillen er folgte durch Wasser jedoch in keinem Falle.

Anders verhielt sich das Resultat, als er zum Spülen Rotwein nahm. Zuerst wusch er die Erdbeeren in Wasser vor, wobei er pro Ku­bikzentimeter Flüssigkeit etwa 5000 Typhusba­zillen sand, dic sich nach mehrfachem Spülen auf 1500 verminderten. Nachdem er jedoch die Spülung in Wein fortgesetzt hatte, fiel schon nach zwanzig Minuten die Zahl der Bazillen auf 20, nach einer halben Stunde auf fünf, und nach drei Viertelstunden auf Null. Mit Weiß wein erzielte er die gleichen Resultate, Die aus­gesprochen sterilisierende Wirkung des Weins ist ja bekannt, und da außerdem Grbbeeten in Wein für viele schmackhafter fein mögen als in der üblichen Bereitung mit Zucker oder Milch, so kann Dr. Sacquöpöe's Sterilisierungsme­thode allen denen empsohlen werden, die etwas ängstlicher Natur sind.

Sparsamkeit in der Liede.

Die Erfahrungen einer schönen Frau.

In Petersburg verstarb vor einiger Zeit eine Frau, Lisa Petrochna, dir einst zu den ge- seiertslenDamen gehörte,die in Petersburg je be­kannt geworden sind. Bei der Aufnahme ihres Nachlasses sand man einige Niederschristen, Tagebnchblätter, die die Ersahrungen dieser schönen Frau wiedergeben. Es ist klar, daß die meisten Frauen sich mit der Frage beschäftigen, wie man den Mann behandeln muß, nm Er­folge zu haben, und vor Enttäuschungen be­wahrt zu bleiben. Das oberste Prinzip in der Behandlung des Mannes ist nach der Ansicht dieser großen Herzenskönigin die Strenge. Niemals", so stand In den Blättern geschrie­ben,darf man es einem Mann merken lassen, daß man ihn sehr gern hat. Man soll jeder­zeit nett und freundlich zu den Vertretern des anderen Geschlechtes sein, aber die Reserve da­bei keinessalls vergessen. Das erste Gesetz in Punkto Liebe ist die Sparsamkeit. Die Frau kann mit ihren Gunstbrzeugungen gar nicht sparsam genug fein.

____________________________1 Jahrgang.

Jeden einzelnen Beweis der Zuneigung muß der Mann sich erkämpfen, erst dann weiß er zu schätzen, was er besitzt. In jedem Mann lebt eine Eroberernatur, und er achtet das nicht, was ihm ohne Kampf in den Schoß fällt. Merkt eine Frau, daß der Mann sic verehrt, und ist er ihr auch nicht gleichgiltig, so soll sie ihm ein rein menschliches Interesse zuwenden, ohne aber im geringsten zu verraten, daß ihr Herz bei seinem Anblick höher schlägt. Fühlt eine Frau die Liebe des Geliebten erkalten, merkt sie, daß der Gatte oder Freund seine Auf­merksamkeit anderen Franc» zuzuwendcu bc- giimt, so muß sie alles wagen, sic wird dabei nur gewinnen. In dem gleichen Augenblick soll sie sich kühler stellen und ihm in einer vertrau-^ lichen Stunde eröffnen, daß sie ihn nicht mehr so lieben könne, wie cs bisher der Fall war. Sie sei nicht enttäuscht, so muß sic sagen, cS fei. auch teilt anderer Mann da, der ihr Her; oder ihre Gedanken in Anspruch nehme.

Er sei für sie derselbe, der er bisher ge­wesen, nur ihr Herz schlage bei seinem An­blick, bei seinen Liebkosungen nicht mehr so laut und heftig, wie es früher der Fall war. Sie muß diese Tatsache beklagen, sich selbst alle Schuld geben, und den Mann daraus vertrö­sten, daß die Zeit und seine Anwesenheit ihr wieder zur alten Liebe verhelfen werden. Die Eitelkeit des Mannes, und diese ist recht groß, bekommt einen empfindlichen Stoß, ohne da­durch aufs schwerste verletzt zu sein. Seine Sieger- und Eroberernatur kann es nicht dul­den, daß er ein Herz verloren, dach ihm bisher gehört, er wird alle Mittel wieder aufweud:», um diese Frau zu gewinnen, von neuem an sich zu fesseln, und sie ist seiner Liebe so sicher, wie sie es zu Anfang des Liebcstraumes gewesen." Die Quintessenz aus diesen Aufzeichmtngen ist jedenfalls, daß man den Mann nicht zu gut behandeln darf, damit er nicht übermütig wird. Man muß ihm auch hin und wieder beweisen, daß andere Männer die Gunst der Frau sehr zu schätzen wußten, falls sie geneigt fein sollte, sie ihnen zu schenken. ... Allerdings sind das ja dic Ermhrnngcn, die eine schöne Frau mit den Vertretern des starken Geschlechts eines fremden Landes gemacht hat. Ob das auf an­dere, auf deutsche Männer, auch Wohl zutrcsfcil würde?

Kind und Natur.

Die Pflege des kindlichen NatursinnS.

Die ersten kindlichen Regungen des Ratiir- sinnes, das Erwählen von Blumen, Früchten und Tieren zu Spielgenossen, ist dasselbe für. die Freude an der Natur, wie die Lust an Mär­chen für; den Geschichtssinn und das Leben und Treiben der Menschen. Wo nur die Hin­neigung zur Natur sich zeigt, da sollen wir Ge­müt, Sinn und Verstand des Kindes bilden, damit es im Buche der Natur lesen lerne. Die'Kinder aus dem Lande habcn's ja gut in dieser Beziehung. Ihr Sinn für Gottes schöne Natnr bildet sich von selbst in Hof und Gar­ten, in Wald und Feld. Anregung in Hütte und Fülle gewähren die Tiere dcÄ-Hattses; die- Sträucher, die Obstbäume, die Feldarbeiten in der Zeit der Saat und Ernte. Adders-ergebt es dem Kinde in der Großstadt; es ist der Na­tur ferngerückt.

Und wo die Natur zu ihm kommt, da sind ihre Einwirkungen nicht immer gerade wohl- tuend. Gewäcks- und Palmenhäuser, Tier­buden und Zoologische Gärten haben bei all ihrer belehrenden Wirkung auch ihre starken Schattenseiten. Die zu große Fülle, die in die- ser Kunstnatur"' zusammengedrängt wird» spannt ab und verwirrt; die Tiere, die in un­natürlichen Verhältnissen sich bewegen, machen keinen erfrischenden Eindruck; der Gang durch diese Natur stumpft mehr ab, als daß er an­regt. Suchen wir also andere Gelegenheit, um den Ratnrsinn unseres Kindes zu stärken. Gehen wir, wo und wann wir können, mit ihm hinaus in Wald und Flur! Es ist Pflicht aller Eltern, das zu tun. Die Schule kann in ihren paar RaturgeschichtSstunden. wo sie außerdem auf Massen systematisch zu wirken