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Nr. 23.

Caffek, 7. Mak 1911

1. Jahr«.

J:

Wochenbeilage zu den Casseler Neuesten Nachrichten.

Liebe.

ölnü men«! es öiiuhtl weröe« will 5n meinem fiämmerletn, 0« neig' ich tief uni) schlummerstiil Lao Ihmipt «nü denke Bein.

Bn mild eo ringe so flaiumenlicht, Sa glühend um mich her, Ale memi'e ein dunkler Abend nicht, Ale wenn'e ein Morgen mär'! *.»

Durch das. saftige, Helle Grün schimnlert es «oldhell und leuchtend hervor und hängt herab in langen, blütenschweren Dolden und wiegt sich im leichten Winde, und Tausende von fun­kelnden Tauperlen hängen an den gelben kri­stallenen Tropfen.

Der Goldregen steht in voller Blüte.

Und unter dem blühenden Strauch steht eine Holzbank, morsch und verfallen, verwittert und alt.

Dorthin habe ich mich gerettet, — dort sitze ich und träume und blicke hinein in die tanzen- »en, zuckenden Sonnenstrahlen und blicke hin­ein in die lachende Sommcrluft, hinein in die rastlos freudige Tätigkeit all der Millionen Menschen, die da schaffen und sich Plagen, die da sammeln in ihre Scheunen, die sich nicht ge- »mg tun können an Arbeit und Erwerb, die da schaffen, als schüfen sie für die Eivigkeit, und »och, wie bald ist all ihr Rassen und Streben dahin, verweht wie Spreu, vergessen ihre Spur, »— wenig Tränen wohl, manch heimlicher Seuf­zer der Nächsten und vorüber — —

Wenn ein Blatt vom Baume fällt, So geht ein Leben aus der Welt, Die Vögel fingen weiter.

Und der Wind rüttelt an dem Strauch, der sich über mir wölbt zum schattigen Lanbdach. und er weht mir viele von den goldgelben Blü­ten in den Schob, die nun verweht werden in alle Winde.

' Da denke ich beim zurück an ferne Tage, die aus nebelhaft dämmernder Rente empor- tauchen vor meinem Horizont.

Und ich denke an dich, mein blondes Mäd­chen, die ich hier zum ersten Male gesehen, ich beute an die selig schönen Tage, in denen wir unsere ersten Küsse hier austauschten, ich denke an all die Hoffnungen, mit denen wir unsere ümtge Liebe nährten. — und ich denke an alle die bitteren Enttäuschungen, an alle die gnal vollen Stunden, die uns bereitet wurden durch die Trennung: all das ist längst vorüber. Längst sind die Wunden vernarbt, die einst so klaffend und todbringend schienen, all das hat nun die Zeit, die lindernde, geheilt. Hier aber an diesem Ort, unter diesem Strauch, mit den qoldbetlen Blüten, hier erwacht es wieder: al les lebt auf, ersteht wieder vor mir in sagbarer Gestalt, denn ich selbst, ich fühle mich zurückver­setzt in die selige, schöne Zeit unserer ersten Lie­be — ich atme Liebeshauch wieder und höre wieder deine glockenhelle, reine Stimme, ich suhle wieder deine warme, weiche Hand, und wieder lechze ich nach deinen keuschen Küssen

Auch damals blühte der Goldregen, genau

Aus alter Zeit.

Ein Eriimerungsblait von Paul Miß. wie heute, und genau wie heute stand die alte morsche Holzbank, und alles rtngiun, die Bäu me, die Sträucher, die Blumenbeete, die hohen Palmen dort, die Bosketts, die Rarnkräuter, al­les genau noch so, wie es damals war; und hier, unter dem schattigen Dach, unter diesen blütenschwereu Goldregenzweigen, hier saßen wir und schwuren uns ewige Treue.

Ich, ein Bursche von zwanzig Jahren, leck und kühn, das Herz voll Hoffnung, voll Wage­mut und die Brust voll von aufflamtnender Be­geisterung, und du, mein blondes Mädchen. Du. um zwei Jahre jünger, du lehntest dich an mich zärtlich und innig und duldetest, daß ich dich küßte, küßte nach Herzenslust.

Nachbarskinder, waren wir zusammen groß geworden, haben immer treu zueinander gehal­ten, alle unsere läppischen, kindlichen Spiele zusammen gespielt, und dann zufammeit in die Tanzstunde, — ach, das war eine köstliche Zeit! immer diese einsamen Wage nach Hanse, wcnn's aus war, durch den stillen Park, durch die ruhige tiefe Nacht, wir beide allein, manchmal fangen die Nachtigallen, manchmal übergoß uns das silberflutende Mondlicht, und immer wir beide allein, — leise Worte wurden dann ausge tauscht, leise, um nicht die Ruhe um uns zu stören, — süße Worte wurden dann geflüstert Worte von glückseligster Hofsnungssreude, — und später dann, als wir reif waren für die Ge­sell schäft, und eingesührt wurden in die Kreise die unsere Alten in ihren Häusern um sich ver- fanuneltcn, o. das war's nicht minder schön: lustig giug's her und oft die ganze Nacht hin durch; und all die Galanterien, die man dir erwies! Das nahm fein Ende, immer neue Anbeter erwarb dir deine Schönheit, und im­mer neue Aufmerksamkeiten brachte man dir dar "und alles das ließest du ruhig geschehen, denn nachher, wenn alles vorbei war. flogst du in meine Arme und ich durste dich küssen nach Herzenslust, den anderen warst du nur die Da­me der Gesellschaft, höflich und liebenswürdig, mir warst du. mir bliebst du mein Mädchen, mein blondes, herziges Mädchen.

So schwanden uns die Tage,- so waren sie uns eitel Rreubc, eitel Lust, so lebten wir, sorglos, verliebt, und heimlich längst schon ver lobt.

Da kam das Unglück.

Unsere Elter» zürnten sich bitter ernst: um was es sich handelte, haben wir nie erfahren: aber der Zwiespalt war groß, denn feder Ver­kehr wurde aufgehoben, alle Verbindungen ge löst und wir getrennt, getrennt für immer.

Du mußtest fort, weit in die Rente, zu Ver wandten. — um mich zu vergessen.

Ach. tvenn ich an den Abschied deutel

Nacht wars, da schlichen wir in den Garten, hin zu uuserm alten, vertrauten Plätzchen, zu dem Goldregen.

Zur» letzten Male lagst du mir in dem Arm »um letzten Male netzten meine Lippen die den nen, zum letzten Male schwuren wir uns Treue — was auch kommen möge, nichts sollte uns trennen, kein Zwang, kein Muß uns beugen halten wollten wir. was wir einander verspro­chen, — uns liebelt treu und wabr bis nn das Grab.

Dann eiltest du fort und mich nmaab d« Nacht, die einsame, die stille Nacht — ich war allein.

Niemals hatte ich Gelegenheit, dick wie- derzusehen.

Anfangs zwar noch einige Briefe, mutig und in starker Sprache, dazwischen durch aber schaute mich das Leid an, die Wehmut, der Schmerz und die Trauer. — ich las es zwischen den Zeilen, und dann wurden die Briese selten und immer seltener und endlich blieben sie ganz aus.

Dtt Warst vermählt.

Einem ungeliebten, steinreichen Manne muß­test du die Hand reichen, weil dick dein Bake' dazu zwang.

Ich wußte es, daß du daran zugrunde geben würdest, nud ich konnte nichts tun, nichts, uni dich mir zu retten, denn ick lag ans dem Kran­kenbette und kämpfte mit dem Tode.

Der ohnmächtige, wütende Schmerz, daß ich diesen Verhältnissen gegenüber machtlos da. stand hatte mich übermäßig angegriffen; ein hit­ziges Nervensicber packte mich nnd fesselte mich ans Lager, sehr lange.

Zn lange, denn als ich genesen war. war es zu spät, da warst du bereits das Weib des un­geliebten, reichen Mannes.

Und ick ging durch die Welt müde und matt ohne Interesse und ohne Hoffnung, — gleich, gültig war mir alles.

Dann ober tarn das 2eben.

Ich trai hinaus in die Welt, hinaus in der wütenden Kampf unis Dasein, ick ließ mich tragen von den brandenden Wogen dieses Mee. res, das man Leben nennt. Und so vernarbt« die Wunde.

Sie aber, meine blonde Else, habe ick nte mals wiedergesehen; wenige Jahre nur hat fit ihr Leid getragen, sich hmgeschleppt an der Sei. t« des ungeliebten Mannes, dann siechte sie hin langsam ging S zu Ende; die Aerzle lomuei