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„ An den Anblick alles dessen, was ans das Ange :j erschreckend und abstoßend wirkt, soll ntgn Sin. der frühzeitig gewöhnen, damit sie nicht gar zu ;• empfindlich werden. Der Anblick eines Krüp- , pels soll in ihnen-nicht, wie es bei nervösen 1 Personen vorkommh physisches Unwohlsein 1 Hervorrufen, sondern Mitleid; blutende .Wmi- i den sollen sie zur Vorsicht mahnen, und der s Heroismus, mit dem der Schmerz ertragen ! wird, ihren eigenen Mut fördern. Nichts stählt । die Nerven so sehr als frühzeitige Gewöhnung i an den Anblick fremder Leiden, ebenso wie das ! Erdulden kleiner Schmerzen die beste Vorschule । für das künftige Leben ist. Ein gesundes Kind Idars angesichts eines ärztlichen Instruments • nicht in Ohnmacht sinken, oder vor einem cb । trigen Finger die Flucht ergreifen. Das und 6 viel Aergeres kann ihm selbst geschehen und nie- ! mand wird es vor den Schmerzen schützen kön- । nen, wenn nicht der Mut, der in ihm selbst ge- 8 reift. Um wie viel leichter erträgt man das, ! was nran nicht fürchtet! Genügt doch schon । der Wunsch, sich vor anderen hervorzutun, um «Feiglinge in Helden umzuwandeln. Die aner- S zogene Aengstlichkeit eines Kindes wird ihm \ für das spätere Alter zu einen» wahre»» Fluch. I Ueberall, wo seine Kameradei» frisch drauslos- 2 gehen, bleibt es zaghaft zurück. Man hat ihm I ja alle Möglichkeiten, die es gefährden könnten, i in so erschreckenden Farben ausgemalt, daß cs ! sich fürchtet, dem geringsten Uebel zir begeg- ■ nen. Nirgends genießt es ein Vergnügen voll i und ganz, weil ihm die Ruhe und die bcglük- j kende Sorglosigkeit fehlt.

Eine vernünftige Mutter kann, u»n eine ? Ueberempfindlichkeit'ihrer Kinder zu verhüten, i unendlich viel tun. Nehmen wir an, sie habe I sich ziemlich heftig in deir Finger geschnitten ! und blute nun. Das Kind wird erschrocken l zurückfahrcn. Blut hat ja für die meisten Kin- i der etwas Erschreckendes. Die Mutter aber ! taucht ruhig den verletzten Finger in etwas i kaltes Wasser und läßt sich dann die Wunde I verbinden. ■ Solche Proben von Selbstbeherr- ! schling und Standhaftigkeit mildern int kindli- I (6ett Vorstellungsvermögen die Idee des i Schreckhaften ganz bedeutend- Das Kind er- ! hält nach und.nach den richtigen Begriff voi» l detn, was ein Mensch erleiden kann und muß. i Kinder, denen man bei der geringsten ärztlichen ! Hilfeleistung Hände und Füße förmlich an- i schnallen muß, sind um so mehr zu bedauern, > als der Reizbarkeit ihrer Nerven dadurch ein ! enormer Vorschub geleistet wird. Der Wider- l Wille gegen Kranke, ebenso die Furcht vor An- l steckung muß im Keim ausgerottet werden. , Furcht ist der beste Nährboden für Krankheit. I Erschreckend klein ist die Zahl der Kinder, die | annähernd naturgemäß erzogen werden. Nicht । Verweichlichung und Fernhaltung von jedem I Leid sondern Teilnehmenlassen an allem, was j der kindliche Verstand fassen kann, ist für eine । vernunftgemäße Erziehung unbedingt ersorder- I lich. Wer sich die Mühe nimmt, feine Kinder > vor dem verderblichen Einfluß der Nervosität I zu bewahren, darf sich selbst keinen Augenblick l außer acht lassen. An ibn» selbst lernt und stu- | diert ja der.kindliche Geist Menschengröße oder J Menscheüschwäche. Alles, was Gutes in uns 1 ist, gehört unseren Kinheru: .stark sein und • stark machen" soll die Parole fein, nach der wir । sie erziehen. . • A. 8.

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i Aus der Frauenwelt.

I Die Wohnungspflegerin.

Wie uns aus Halle geschrieben wird, hat l der dortige Magistrat eine " städtische Woh- । uungspslegerin ernannt. Die erwählte Frau l ist Fräulein Doktor Rose Otto, eine Dame, die j sich um das Wohl ihrer Mitmenschen bereits ! außerordentliche Verdienste erworben hat. I Fräulein Dr. Otto hat als Wobnungspslegerin 1 die Aufgabe, die Wohnungen der unbemittel- J ten Leute auf die hygienischen Werte hin zu i besichtigen und geeignete Vorschläge zur Ver- ! Beffeiung der Wohnungen der Arbeiter und der unbemittelten Klassen zu machen. Auch für die Unterbringung von Dienstboten und Lehrpcrsonal hat Fräulein Dr. Otto au sorgen,

Nr. M.

Eafleler Neueste Nachrichten

namentlich soll sie dafür eintreten, daß alles dienende Personal in Zukunft menschenwür­dige Räumlichkeiten zu»»» Aufenthalt und zum Schlafen hat. Die Aufgabe, die Fräulein Dr. Otto zugefallen ist, wird von dem Ma­gistrat der Stadt Halle kontrolliert. Es ist zu wünschen, daß diese in Halle getroffene Ein­richtung auch bald in andern Städten Nach­ahmung findet.

Die bautechnische Ausbildung der Frau.

Ei»» von Frauen und Mädchen noch toenig beachteter Beruf ist der der Bäutechnikerin. Und doch könne»» auch auf diesem Gebiete schöne Erfolge erzielt werden. Um nun eine für diesen Beruf geeignete Vorbildtmg z»t ge­währleisten, ist in Berlin eine bautechntsche Frauenschule eingerichtet worden. Sie bildet Schülerinnen als Hilfskräfte für Baubüros, technische Büros usw. aus, sodaß sie wertvolle Helscrimlen von Architetten und Ingenieuren werden.

Die Frau als Friedhofspflegerin.

Die schlechten Erfahrungen," die man in viele»» Städten mit der Verwaltung der Fried­höfe durch Privatpersonen gemacht hat, haben Veranlassung zu neuen Maßregeln gegeben, die dahin zielen, die Grabpslege in eigene städtische Regie zu übernehmen. Die Instand­haltung der Friedhöfe läßt vielfach zu wün­schen übrig, rind eine Untersuchung hat er­geben, daß diese Mißstände fast ausnahmslos da vorlsegen, wo die.'Friedhofspflegc von Privatgärtnern ausgeübt Wird. .-9)1 an ver­spricht sich nun eine erhebliche Besserung in be­zug aus das Aussehen des Friedhofes durch die Uebernahiiie der Grabpslege^ durch die Stadt. Hier dürste fidj; der erwerbstätigen Frau ein neuer Beruf öffnen- für den sie von Natur sogar besser veranlagt ist, als ihr männ­licher Kollege. Eine ganze Anzahl voi» Auf­gaben würde da für die Fran in Betracht kom­men, wie z. B. die Sorge; für Sauberkeit der Wege und Anlagen, die Instandsetzung und -Bepflanzung der Gräber,, die Grabpslege, die Dekoration voi» Leichenhallen, die Tätigkeit in den Friedhofsgärtnereien und dergleichen mehr. Und wie so viele Frauen schon feit Jah­ren die Gärtnerei gern ausüben, würden sie auch gewiß in dem in Aussicht stehenden neuen Berufe eine befriedigende Tätigkeit finden.

Sie praktische Hausfrau.

Die Reinigung der Messer und Gabeln.

In den meisten Häuslichkeiten herrscht die Sitte, Messer und Gabeln nach beendeter Mahlzeit mit dem andere»» Geschirr in das Aufwaschwasser zu tun und abzuscheuern. Ab­gesehen davon, daß man sich sehr leicht beim Reinigen verletzen kann, leiden auch Messer und Gabeln beträchtlich, dadlirch. Erstens lockert sich durch den Einfluß des heißen Was­sers der Kitt, der Griff und Stahl verbindet, zweitens werden die Holzgriffe unansehnlich und flrau und drillens die Schneiden der Mes­ser stumpf. Das alles läßt sich bei folgenden» Verfahren vermeiden; Man nehme einen irde­nen Tops in der Höhe einer Messerscheide, fülle denselben mit feinem Sand und feuchte letz­teren etwas an. Da hinein steckt man nach jedesmaligem Gebrauch Messer und Gabeln, zieht sie ein paar Mal herauf und hinunter, wischt sie mit Zeitungspapier ab und putzt sie sodann. Der Saud nimmt alle Flecken und jeben unangenehmen Geschmack vom Stahl und erhält die Scheiden scharf. Der Topf mutz in der Küche so seinen Platz haben, daß er be­quem zur Hand ist, damit man, falls Zwiebeln, Zitronen ober dergleichen geschnitten werden, gleich die Messer reinigen kann. Nach 8—14 Tagen, Je nachdem der Hausstand groß ist, muß der Sand erneuert werden.

Die Behandlung der Slärkwäfche.

Eingesprengte Slärkwäfche wird sehr oft, wenn Zwischenfälle eintreten, die die Hausfrau bem Weiterplätten abhalten, im feuchten Zu­stande zur Seile gelegt, um bei nächster Gele­genheit fertig geplättet zu werden. Findet sich nun diese Gelegenheit nicht bald, so stockt die

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feuchte Wäsche. Sie wird dadurch nicht ntti unansehnlich, sondern leidet auch sehr, da bi< verstockten Stellen bald einreißen. Es empfiehl^ sichdeshalb, die Wäsche nicht einzusprengen nutz zusammenzuwickeln, sondern nur mit einem biw ken Ballen alter Leinwand und kaltem Masse« überzustreichen und bann zu plätten. Aus dies« Weise braucht man erstens nickt so viel heiß« Bolzen, da die Wäsche nicht so naß wird, bann aber kann man auch nach bem Abkühlen de« Eisens, ehe man einen neuen Bolzen einlegt, schnell toieber einige Stücke anfeuchten. Bleib« ein Rest zurück, so leibet er doch nicht durch btt Nässe. .........

Ein Mittel gegen Stockflecke.

Man weicht ben Stoff 24 Stunden lang in kaltem Brunnenwasser, nimmt ihn bann, ohn« zu toinben, ober auch nur zu brücken, heran«, »tnb hängt ihn fabengerabe auf. Wenn et trocken ist, wird er mit einem mäßig heißen Plätten geplättet.

Das Reinigen weitzseideuer Handschuhe.

Man kocht die Handschuhe in klarem Wasser mit "etwas feingeschnittener Seife ganz lang­sam eine halbe Stunde, schüttet sie mit bet Seifenmasse in eine Waschschüssel und läßt sie bariit erkalten. Ist bas geschehen, so werben sie in reinem kalten Wasser nachgespült. Will man ble Handschuhe färben, so kauft man für 5 Pfennig Safran, bindet ihn in ein Mullüpp- eben und drückt ihn einigemal in frischem Was­ser aus, bis die Farbe richtig, erscheint. De« Vorsicht halber macht man zunächst die Probe an einem Läppchen, ist die Farbe gut, so färbt mai» die Handschuhe nach Geschmack heller ober Nunkler. Dann nimmt man die fertigen Hand- schuhe aus der Farbe, trocknet sie und zieht sie, damit sie sich ausweiten, über die Finger; zum Schluß werben sie zurecht gezogen und sehen dann sauber und fast wie neu aus.

Ter Rum als Mittel gegen Zahnschmerz.

Auch der stärkste Zahnschmerz verschwindet augenblicklich bei Anwendung folgenden Mit­tels: Man gießt etwas Rum in die flache Hand, in die man zuvor ein wenig geschabte Kreide hineingetan. Von dieser Lösung zieht man, noch ehe zuviel Kohlensäure aus der ae- schabten Kreide entweichen kann, möglichst viel in die Rase. Dann hält man die Nase eine viertel ober halbe Minute lang zu, bamit ble Flüssigkeit auch genügend wirken kann. Fast in demselben Augenblick, in bem man bie Flüs­sigkeit einsaugt, verschwinben bie Zahnschmer­zen, gleichviel, welcher Art sie auch fein mögen. Sollten bie Zahnschmerzei» nach längerer Zeit sich toieber bemerkbar machen, so tut man gut, bas Mittel öfter zu gebrauchen,

Hilfe bei Ohnmachtsanfällen.

Bei Ohnmachtsanfällen, wie sie nicht selten bei nervösen Damen in Erscheinung treten, ver­fahre man wie folgt: Man sorge für frische Lust und das Oessnen von Tür und Fenster r man erleichtere das Atmen durch Entfernung beengender Kleider: Halstücher, Schnürleib­chen und Gürtel; bei Blässe des Gesichts unk» kalt ailzufühkender ®tirtte* tfinb der Kopf tief gelagert; am besten legt man ben Kranke»» flach auf ben Boben nieber; fft^ägegen das Gesicht rot unb ansgebunsen, so wirb ber Kopf burch Unterlegen von Polstern ober Kleibungsstücken hoch gelagert. Dabei spritzt man bas Gesicht bcs Ohnmächtigen mit kaltem Wasser, wäscht Stirn unb Schläfen mit Essig, hält ihm ein starkes Riechmittel unter bie Nase: Ammoniak! Ist er imstande, zu schlucken, so läßt man ihn kaltes Wasser ober einen Schluck Kognak trin­ken. Bei blefer Behanblung gehen bie leichte­ren Ohnmachtsanfälle ziemlich rasch vorüber. Daß bei länger anbauernben Ohnmachtsanfäl­len der Arzt zugezogen werben muß, ist selbst» verständlich. _ -*—

Sie Kinderwelt.

Das späte Zubettgehen der Kinder.

Die Eltern vieler Großstadttinder sind Seih«1 im Geschäft tätig oder außerhalb des Laufes