Ar. 15.
Casseler Neueste Nachrichten
1. Jahrgang.
Absoluter Autorität, fehlerlos, nicht nur die
Jas Reich der Mode. Unsre EinscgnungS Kinder, (älon unserer Mitarbeiterin.)
Urnen die Wege weisen können, sie zu überwinden. Die Eltern haben vor den Kmdern die Ersahrungen voraus, und die meisten Erzieher wünschen die eigenen Erfahrungen (seien nhor bett Kitt»
Frau. Industrie und Gewerbe.
Der Siegeszug der Frauenarbeit.
Immer höher klimmt das weibliche Ge- s ch l e ch t auf der sozialen Stufenleiter des Er. werbs empor und die neuesten statrstlschen Zählungen lassen erkennen, daß saft auf allen Gebieten, wo die Frau den Mann mehr und minder zu ersetzen fähig ist, eine erhebliche Zunahme der gewerblichen Tatrgkeit des schönen Geschlechts konstatiert werden kann. Am bemerkenswertesten ist der Zuwachs tm Gewerbe: Seit dem vorletzten Zahlungs- fahr ist ein Gesamtzuwachs von über 57OOIXI weiblichen Personen zu verzeichnen. Im Handel ist die Steigerung nicht so groß: 350 000 neue Stellen führt die Statistik auf. fodast im ganzen jetzt »30 000 Frauen im Handel lein- schließlich Verkehr, Gast- und Schankwrrtschait) vorhanden sind. Die Zahlen, die die Landwirtschaft angehen, trügen insofern, als eine neue Zählart eingesührt wurde, die die frühere« „Angehörigen" jetzt als „Selbständige" <w» führt, da sie für Lobn arbeiten. Vordem galten sie (weil sie zum Teil im eignen Hause tätig waren) als zur Familie gebörig und nicht selbständig. Nicht weniger als 1600 000 Frauen und Mädchen sind auf diese Weise also in der Landwirtschaft neu erwerbstätig ausqekührt.
Tas Hauptinteresse nimmt natürlich die gewerbliche Stellung der Frau in An- spruch. In der Lohnarbeit ist speziell ein aro- her Zuwachs zu konstatieren; denn cs sind nicht weniger als 570000 Personen, die neu in diese Rubrik eingereiht wurden. Hier tritt die Frauenbewegung am deutlichsten in die Erscheinung. Man kann in einzelnen Gewerben sogar von einem Kampf der Frau mit dem I Manne sprechen. Es sind dies solche Erwerbs-
Gegenwart, sondern auch die Zukunft der Kinder in Händen hielten? Elterliche Autorität allein schafft nicht jene Menschheitswerte, deren wir heute mehr als je bedürfen, um alle großen Aufgaben lösen zu können, die der Erfüllung harren. Können Eltern, die sich selber genau prüfen und erkennen, das Recht der unbe- d i n g t e n A u t o r i t ä t in Anspruch nehmen? Dürfen sie verlangen, daß ihre Kinder sich genau so entwickeln, wie es ihnen wünschenswert erscheint? Jede Kinderseele birgt in sich ihr eignes Schicksal und jedes Kind mutz den langsamen, oft qualvollen Weg der eignen Entwicklung gehen, die häufig hinausführt über v......----- . .
die der Eltern. Mit der Entwicklung der Kin- too(/( aKc Mütter für Weiß, aber die fehr vrel
der kann sich aber die Aufwärtsbewegung der ,ut Einsegnung gelausten schwarzen Fantasie- Eltern vollziehen und das ist vielleicht das fto«e sprechen dagegen. Die Backfisch-
Köstlichste im Verhältnis von Eltern und Kin- c „ mmermode mutet sehr freundlich an.
dem: Daß Vater und Mutter, beseelt von dem Kimonoblusenform und Tunikarock sind natür- Wunsch, ihren Kindern Führer und Berater zu cn »ogue, ebenso aber auch die kurztaillige sein, das ferne Ziel erkennen und ihm zustre- Empiresorm. Die Taille wird durch eine dicke ben mit aller Kraft ihrer Seelen. Seidenschnur markiert, der frei Hals ist von
«Notier Vater welche Mutter kann von sich einem kostbaren Marie-Antoinette-Flchu um-
ÄS 'S 5.“Äf Ä“'. "SS X’Äyffl 'm« Abe! Ersehnen? um sie ^Mmpftn, sich ih! nähern lindes ist sehr reichhaltig. Hemden werdeu sehr verdoppelter Kraft «« uns selbst bekamen, ggjgjgJ; Die bescheidene Einfachheit m,d bet«, die hinten einen festen Halt haben und vorn 3 bis 4 geschweifte Spangen aufwezsen, die den Seidenstrumps durchblicken lassen, sie sollen im Sommer auch ohne Strümpfe getragen werden. Backsischtrotteurkostüme werden gern aus blauwettzgestreiftem Sammet gefertigt. Die Röcke sind oben eng und haben mer- stens einen plissierten Ansatz. Die Fruhzahrs- hüte sind flott und schick. Reiche Blumengar- nitur gilt auch für die Jugend, als einfache Form wird für Backfische oft bte Napoleon- sasson gewählt mit Bandgarnitur oder Feder, stutz. G. K
Schwarz oder Weitz ist die Losung für unsere Einsegnungskinder. Die Kaiserin hatte sich im Vorjahre bei der Konsirmation der Prinzetz Victoria Luise für Weiß entschieden und sicher werden es ihr viele Mütter nachmachen. Die Einsegnungskinder stehen noch int Wachstum, sie müssen ihre Kleider gleich auftragen, schon darum ist ein elegantes weißes Votlekleid, ein weißes Etamine-Kaschnnr oder Tuchkleid vorzuziehen. In der Theorie sind
weh, zum Brechen.
Dann kamen die Eltern. O, sie waren lieb und gut, sie herzten und küßten ihn und , ...
feierten ihn als ihren berühmten Sohn. Und I Kjnder das nötige Verständnis haben dann kam Gretchen. Auch sie war l,eb und | iIntett bie zgeae weisen können, sie zu herzig, auch sie sagte ihm viele Worte deS Loses und der Anerkennung. Und so kamen sie denn nach und nach alle, die Freunde und die ,Viuuu)t.. v«. ........,
Nachbarn, und alle sagten ihm viel liebe, gui-^ Enttäuschungen oder Fehlschläge) den Kin- gemeinte Worte der Anerkennung und des kern ersparen. Alle Erfahrungen eines Lobes. Menschenlebens vermögen aber nicht das aus
Er aber stand da mit wehem Herzen; denn bcm Werdegang deS Kindes auszuschalten, er fühlte, daß er getrennt war von all diesen wie ein wildanschwellender Sturmwind Menschen, getrennt für ewig, für ewig, denn jungen Köpfe niederbeugt, was in die
eine ganze Welt lag zwischen ihnen. , frischquellenden Hoffnungen die ersten bittere«
Und so ging er denn wieder fort, hinein Enttäuschungstränen fließen läßt, bte Herzen in das Leben, hinein i« die wilde Jagd . . . „,it Bitterkeit und Zweifelsucht erfüllt und wie weiter! weiter! ein Reif die hochgespannten Zukunftstraume
Das Glück, das große Glück, aber fand er ietflattetn läßt.
nur noch in feinen schöne« Träumen, in Wirk- nanr alei-
J8X“ >1™ -bk 3-Ä"Ä"n"ru" sriedenheit fehlte! Form heran, aber daS junge, hoffnungsfrohe
1 I Menschenherz darf nicht ungewappnet Jejn.J)^ |
mit es nicht dem ersten Schlag des Schicksals
Ml unterliegt. Leben heißt Kämpfen, und
Vlfllvljtoeiy# ÖKUmIIIvIL Kampf stählt! Für den Kampf vorbereitc«,
Wie sollen wir unsre Kinder bilde«? nicht ihn untqebe« wollen: Das ist eine ber | Unsere Zeit mit ihrem gewaltigen RingenIHauptaufgaben ber.Erziehung..Es kann keine um kulturelle und politische Gesamtwerte, hat svstemattsche Erziehung nach bestimmten nicht nur ein vertieftes P er s ö n l i ch ke i t s - Grundsätzen nach vorgeschriebenen Formeln bewnßtsein und ein verschärftes Pflicht- geben Wohl bestehen Vadagoaische Lettsave gefühl des Einzelnen gegenüber der Allgc- tue titel Beherzigenswertes enibalten, aber sie meinheit gezeitigt: Sie hat auch ben ««beding- lassen sich niemals schematisch anwenden, ten Autoritätsglauben gebrochen, so- denn eine Kinderseele ist -in kostbares leben- wohl im breiten Strom des Staatsganzen als dtgetz Gut; leder. Leitsatz ab" F in ben engen Grenzen der Familie. Autoritäts- blone die erst mit seaenspendendem Leben er glauben bedingt Unterordnung, und Unterorb- füllt sein muß, um "" erweckender Kraft das nung hemmt die persönliche Entwicklung. Per- Gute int Kinde zu besruchten. Jr . ..
sönliche Entwicklung aber (das heißt: litat: Tas ist eines der hausigst aevramblen Wenn sie bie Entfaltung aller schlummernde« unserer an Schlagworten so reichen Zeit ,tnd. Kräfte, das Aufwärtsstreben zu selbstgesteckten tiidualitaten aber werden nicht nach Lc"sat Weiten, die Auslösung aller Fähigkeiten in sich zen gebildet. ^ fomtcit überhaupt ''tck't cr schließt) soll heute das Ziel der Erzie- zogen werden. Das Leben mutz sie erst twaz- hung sein. Frenssen sagt in der „Handschrift" fen, und die Erziehung kann nur dem, Leben in seinem Hilligenlei: „Alle Welt wies die Kin- den Weg bereiten Wer s o die Aufgaben der der zurück. Kinder? Geringe Leute. Hart ge- Kutdererztebung begreift wird verstebcn, daz gen die Kinder! Tie Rute über sie! Aber sie nicht durch unbedingten AutorHLtsalauben Christus nahm die Kinder auf den Schob und tu losen sind. Fühlen mit den Kindern, hegte sie. Er war der erste aller Menschen, der sich ganz versenken in ihre Emvfindun- blc Kinder ebenbürtig neben die Großen stellte. I gen. den eignen Ton auf den des ktndlt Er stellte, ber erste, die Kinder in den Sonnen chen Gemüts sttmmen, bannt sieb der hov sebe n " takt zwischen ben Kindern und Eltern stetig
Haben die Kinder ihren „Platz int Sonnen- festigt; Dann werdendie Lind«- »war in wren Ä'ÄeS'ffiff rte”" tiielLr'in ^er cht Streben, Irren und Verstehen werden völliger Abhängigkeit von den Eltern, die inlsie lieben und achten.
Mderf„a mir b’e 1 Frieda Radel.
mitleidig sah er aus bte vielen, bie es ihm gleich tun wollten unb iintergütgen, weil ihnen bie brutale Kraft versagt war.
Jetzt hatte er bas Glück. Unb nun entfaltete er all bie Pracht, nach der sein Herz sich gesehnt hatte. Sein Haus war nie leer, immer eine Schar von Gästen, die seine Feste verherr- iichtcn und ihn selbst als den großen Mann feierten. Sein Ziel war erreicht, sein Traum wat erfüllt. Er war glücklich. Wenigstens glaubte er es. , .
Aber da eines Tages, mitten im rauschenden Frsresjubel, überkam ihn das Gefühl der Müdigkeli. Und er bekam urplötzlich einen Ekel vor all dem, das ihn umgab. Unb eine Sehn- sucht erfaßte ihn, eine tiefe Sehnsucht nach Frieden, nach Ruhe, nach Einsamkeit, eine Sehnsucht nach der Heimat.
Am andern Tage war er daheim.
Es war ein prachtvoller Frühlingstag. | Genau wie damals! Alle Gärten standen in voller Blüte. Die Knechte gingen hinter dem Pflug, ein würziger Geruch vom frischen Erdreich quoll ihm entgegen, bie Sonne schien unb bte Vögel sangen ... eine leise Wehmut überfiel ihn. . . wie ein verträumter Klang aus nebelweiter Ferne berührte ihn bas alles, wie ein schöner Traum aus seligen vergangenen Zeiten . . . unb er ftanb und sah das alles an, wie wenn er vor seinem verlorenen Paradiese stände, unb in seine Augen traten die Tränen, unb bas Herz war ihm