1. Jahrgang.
Pr. H.
i« r
■
Schwingungen versetzt.
i
lJSsi
I I
lich ausgelacht zu werden.
Gl
®l
£
I
schend.
i i
5
I I 1 I
I I I
I I I
I «
Durch das intellektuelle Training, wie die bewegte Jetztzeit es mit sich bringt, bleibt der modernen Frau eine geistige Vielbeweglichkeit erhalten, an der es liegt, daß sie weit
bekannten Gründen nicht; junge Mädchen ohne ernste Absicht zu hofieren, wird als lästig ernv- sunden, junge Frauen haben pikantere Nerze auszuweisen, aber vor ihrem Gehege sieben nut gezückten Schwertern die eifersüchtigen Gatten, da bleibt jene andere Kategorie, die so geduldig zuhört bei Jch-Ergüssen, die für sich nicht mehr begehrt wie den jungen Most zur Ruhe zu bringen durch die selbsterfahrene Wahrheit: Es liegt am Menschen, wenn ihm Kummer, Enttäuschung und andere Qualen des ! Leibes und der Seele zum .Chor der Rache werden, anstatt daß er sich von ihnen Wanderlieder anftimmen lätzt auf dem Weg ins bessere Land. Und solche Freundschaft bringt trotz aller Entsagung auch der alternden Frau etwas ein: Der ihr nahenden Jugend haftet ein sich mittcilender Hauch von Frische und Weite an, ein Hauch, der zu Zeiten, wo ihr mancherlei Liebeslust und -leid geklagt wird, die fernen Vinetaglocken ihres eignen Herzens in sanfte
gekräusel um Hals und Hände; sein Strickzeug ruhte zusammengewickelt, denn auf die Seitenlehne des Stuhles kletterte ein Enkel, ein zweiter auf die Rücklchne. Herzblättchen hielt sie im Schosi. und diese Großmutter sah auch triumphierend glücklich aus: freilich ans andern Gründen. Sic gekörte wobl zu den Alternden, die nicht nur auf Enkel schauen, sondern noch über sic hinaus auf zu den ewigen Sternen. Wobl jedem, dem daS Schicksal in seinem Alter die Sterne näher rückt und jemanden beschert. sei er Gatte, Frcnnd. Kind. Enkel, der mit ihm alt wird, und z" dem er sagen kann: „Wir gingen beide durchs Feld, mein Han-
feine Frau. , ,,
.Wir müssen diesen lotterigen Schreibtisch doch einmal verändern lasten," sagte er.
„Ich find: ihn avk besten so wie er ist, antwortete sie schelmisch, .denn ihm habe ich all mein Glück zu verdanken."
„Aber . . .?" Und wieder schaute sie zu
ihm auf, unter Tränen lächelnd. , - • . , f
„Aber . . .?" wiederholte er unsicher, sor- landet es sehr^gut
.Gretchen!" sagte er fast zärtlich, „dummes, liebes Gretchen!"
„Also nicht so grausam," murmelte sie, zu ihm ausschauend.
.Rein, nein . . . nicht grausam," und er küßte sie.
„Vergib mir," stotterte sie, während Tränen an ihren Wangen hinabrollten. „Liebster, vergib mir! . . . Sieh, ich habe den Brief an mich gesunden, er war durch die Spalte des Schreibtisches geglitten. Oh, Fritz, kannst du es mir verzeihen, daß ich je an deiner Liebe gezweifelt habe?"
Er zögerte noch, während sein totenbleiches Gesicht plötzlich feuerrot wurde. Endlich sagte
! I I
i > i i i i
Wenn dar Alter naht
Rosen am Weg zum Alter.
I fiL l
I x 3 I
„Ein wenig . . . nur i
anbetungswürdig?" setzte sie fast unhörbar intet Erröten in schüchterner Seligkeit hinzu.
„Sehr anbetungswürdig," antwortete er hastig. Dann küßte er sie nochmals und machte ich leise von ihr los. „Und nun geh' nach >ben, um dich umzukleiden."
Jetzt war er allein und starrte aus seine blanken Stiesel. Dann öffnete er langsam den
Dank für alle meine Hingebung? Richt, daß ich mir etwas darauf zugute halten will... aber...
Hier war das Schreiben abgebrochen. Die Tinte war noch kaum trocken.
Aus Frau Margaretes Augen strahlte eine
,roße Freude. Dann brach sie plötzlich in Trä- len aus.
„Gretchen! Grausames, anbetungswürdiges Gretchen!" . . . Das waren seine Worte, die er tu dem Moment niedergeschrieben hatte, als sie ihn mit ihren Vorwürfen überfiel . . . Kein Wunder, daß er in seinem berechtigten Stolz sie zurückgehalten, sie ungesprochen gelüsten, sie vor ihr verborgen hatte. Was sie die- . ... . - ■
(en Morgen zu ihm gesagt hatte ... daß er später in stumpfe und steife Jahre hinein- ihrer Anwesenheit nicht länger zu bedürfen " " "
Ehlen, daß er sein Glück wo anders suche...
iese ungerechten Vorwürfe hatten ihn bis ins Innerste verwundet. In der Befürchtung, nicht ruhig sprechen zu können, hatte er einige Worte der Liebe und des zärtlichen Tadels aus das Papier gesetzt. Und während er hiermit beschäftigt war, noch bevor er vollendet hatte, hatte sie ihn überrascht und ihre unbegründeten Beschuldigungen wiederholt.
„Roch hier?" fragte ihr Mann an der Türschwelle. Dann sprang er ins Zimmer, und seine Stimme klang völlig verändert. „Mein Gott, Margarete, was hast du da?"
Sie überreichte ihm den unvollendeten
allerlei Saus und BrauS heimeln Frauen sic an. in deren seine Hände sie alle ihre „großen Sehnsüchte", „großen Leidenschaften" und „wahnsinnigen Schmerzen" ruhig legen können. weil sie lachte damit umgehen. Werden sie doch von einem Herzen geleitet, das vieles vcrstchcn und verzeihen lernte.
Außerdem: „Heiraten können heute viele aus
gerät, wie ihre Mutzer und Großmutter. Darüber sollte sie sich von vornherein freuen und nicht in nimmersattem Begehren „ewige Jugend" heransehnen, vor allem nicht traurig werden, wenn der Toilettenspiegel Feind wird, anstatt Freund zu sein, und eine verschwiegene Nachtschatulle allabendlich dies und jenes, - - •- ■
aufnelnnen muß, was nicht mehr „niet- und Gerade in den bezeichneten Lebensaltern nagelfest" ist. Schwächere Seelen klagen sich stellt sich auch im vertraulichsten Verkehr zwischen dann wohl ganz heimlich etwas vor und be- Mann und Frau sehr selten als dritter im dauern tief die Mangelhaftigkeit der Hinweg- Bunde der bewußte «eine Knabe mit Kocher gerafften Locken: Auf diese Art begrüßen sie und Pfeil ein. Mal ein bescheidenes Handkuß- aber das Alter nicht würdig, ebenso nicht, chen von ihm, ein Schulterklopfen von ihr, wenn sie (vergessend, daß jedes Ding mehr wenn sie ihn ermahnt: -Top, „Freundchen, es oder weniger der Zerstörung durch die Zeit un- gibt noch die Arbeit" oder tröstet die Bibel tcrworfen ist) dagegen ankämpfen. In solchen drückt das wundervoll aus „wie einen teilte Bällen lassen „die Jahre" nicht mit sich Mutter tröstet") sind doch Zuruckhaltungen im spaßen, sic besiegen den Kämpfer schließlich persönlichen Annahern, gegen die sogar Zenon, durch seine eigenen Waffen und setzen ihn der tugendhafteste aller griechischen Phtloso- ncbcnbei der Gefahr aus, wegen krankhaften phen, nichts haben konnte. Alternde grauen Schöpfens am vermeintlichen Jungbrunnen brauchen also nicht das zu sein, was man oft von seinen lieben Nächsten laut oder still gründ- mit dem Alter zugleich neitnt unb furchtet
1 - - -■ -- ' Herzenscmsam. Ueberhaupt, warum Furcht?
Fürchten denn vernünftige Menschen den Abend? Sie wissen, man kann sich da Licht anstecken. Und die körperlichen Gebrechen der vorschreitenden Jahre? Gott sei's geklagt: Wir haben unendlich viele junge Sieche. Außerdem gebraucht man unter normalen Verhältnissen, wenn der Lebenstag sich neigt, lange nicht mehr so viel Kräfte, wie in seinem Anfang und es steigt sich bergab immer leichter, als bergan.
Empfangen wir das Alter wohlgemut und machen ihm, sowie es anklopst, die Tür auf. Tritt es gewaltsam ein, kann's recht ungemütlich werden. Sagen wir ihm geftost, „guten Tag": nicht mit Rosen im Haar, aber mit Ernst und Würde, und wollen wir'S recht gut begrüßen, so müssen unS unsere Nächsten dabei Sträuße vorstecken, gewunden auS Jelängerjelieber.
I . o
„Rede keinen Unsinn, Margarete. Natürlich habe ich niemals geglaubt, daß du an meiner Liebe zweifelst. Aber Männer sind anders als Frauen ... Ich ... ich ... es ist doch selbstverständlich, daß ich dich liebe, Margarete."
Zum zweitenmal stieg ihm das Blut in die Schläfen.
Casseler Neueste Nachrichten
Er schwieg, während er ihr den Arm reichte und sie tützte.
„Wie du willst," sagte er. „Alles soll fortan so fein, tote du es wünschst, Liebste."
Ende.
Lachen hat nur eigentlichen Wert, wenn matt cs nicht nur anhört, sondern auch mitmacht, und in mancher Beziehung steht über ihm seine Modifikation: Das Lächeln, ein Etwas, das den alternden Frauen fonderlich zu empfehlen ist. Können sie es erst, so recht von innen heraus, nicht nur als Bewegung der Lachmuskeln, allerlei Torheit und Nichtigkeit gegenüber, dann sehen sie auch ohne Grauen ihre körperlichen Reize dahin schwinden und beginnen lohne sich äußerlich zu vernachlässigen) mehr an dem zu arbeiten, waS über dem Sinnfälligen steht: An ihrer Seele, ihrem inneren Ich! Geschieht dies in richiiger Weise, so wird die erhöhte psychische Pflege sich wie Röntgenstrahlen Kennen nach ^außm^DaS ergibt " dann I vorstecken, gewunden aus zzetangeneuever. i «IVhJu’m»» hfixntv In decav wie der Eng- Es ergeht UNS dann nicht wie jener modernen
Mir nut ^zeichnet/von rührender Großmama, die sich wunderbar herausputzte Amh* wtrfnhfrWrt «on Gliben weiblichen Äc- mit einem Wolkenkratzer-Hut und der prangen» und /esselnde A . Von solchen wktvuchen «se i Sl>be clner Dreißigjährigen u. deren kleine
ein ganz klein wenig <•* ^wner *Bearift wir finb° atte Enkelin aus Staatsrückstchten nur von fern - - ' : I «in .abgetaner B-grift. au I fk6tt durste. Eines Tages fragt das Kind:
gans rnett Enkelin PralinöS kaufte, und gerade dort war
. Solche Erscheinungen Een auch andern fcQft dn $„r ml( i6t äugelte, als Ware sie prfireibtito I das auf, woran (zumal im Alter) der Hunge i „^„hujährig, waS sie eben ihrer Schwiegcr-
So, so!" sagte er zu sich selbst. »So, so!" sich am bcsten besricdigt: Freundsch s d (0(f)tet triumphierend anvertraute.
fer setzte sich und schrieb folgenden Brie, Sdntvachten- Diese lächelnden g „-rch meine, du siebst so anders aus." ent-
m Stelle des andern, den seine Frau mitge ren und immer" gegnetc die Kleine, „ich will dir zeiaen." Sie
tommen, nachdem sie ihn innig an das Herz ge ben eine bedeutendeRoll sp lt unv ztraft trippelte fort und kam mit einem Bilderbuch
»rückt hatte: m . fielen wird Die Anzteyungstrau ^,^er. „So siebt 'ne Großmutter aus," be-
Ä'2 S äSs'ÄE- ä“ •*"
Lebewohl, indem ich dir alles SIM wünsche, lol^eAnnabcrnngcn v°n Mannern nnh bleibe von f>erien Dein . . . Fritz. bedeutet cs durchaus nicht tmmet. ~te nno
Diesen Brief adressierte er an „Fräulein übersättigt durch materftlle Liebe un Grete Linden. Reue Straße 10" und schloß ihn wollen mal -eUvas^ anderes sondern nach sorgfältig in die Brieftasche, um ihn später zur ’"*** ra',”,s """""" *"*"
Post zu geben . Dann erwartete er im Korridor
lass 1 r«ss g
',ßx!
l jiSri i, s-8 i r - 1