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verwirkt, sich ______WWW

zu nennen. DaS ist mein letztes Wort, und nun weiht du Bescheid!"

Schande erspart bleibt, so niagst du meinetwe­gen in meinem Hause weilen und durch Reue und demütiges Betragen das Geschehene wett iu machen versuchen. Sollte aber dein Leicht­sinn von Folgen begleitet sein, und die Welt auf deine Schmach ausmerksam werden, so hast du mein Haus zu verlassen, und jedes Band ist zwischen uns zerrissen. Eine Dirne, aus die die Menschen mit Fingern weisen, hat das Recht verwirkt, sich die Tochter eines Ehrenmannes

linfere Mädchen.

Die HeiratSaussichten der deutschen Mädchen.

Die große Zahl der unverheirateten Frauen in Deutschland sucht man immer daraus zu erklären, daß die jeweiligen Zählungen iin deutschen Reiche einen ungeheuren Frau­enüberschuß ergeben. Rach der Volkszäh­lung sollen nämlich nahezu eine Million Frauen mehr als Männer Deutschlands Erde bevölkern, wenngleich diese Zahl auch im Rück­gänge begriffen ist. Denn zählten wir am 1. De- zember des Jahres 1900 892 684 Flauen mehr als Männer, so konnte man am 1. Dezember 1905 nur noch 871916 mehr Frauen als Man­ner seststellen. Das ist ja freilich auch eine lehr schöne Zahl, und dürfte gewiglich als Er­klärung für die zahlreichen ehelosen Frauen Deutschlands dienen. Die Annahme ist aber stotzdem nur eine Scheinannahme: Es handelt ich nämlich bei der Feststellung deS Frauen- rberschusies im Verhältnis zur Zahl der Lhe- chließungen gar nicht darum, ob es so viele Frauen mehr gibt als Männer, sondern ob die heiratsfähigen Frauen die h-iiatsjihigen Manner denn bei so weitem überwiegen. Der Hamburger Statistiker R. E. May hat sich ver- onlaßt gesehen, die Heiratsaussimt-n der beut» chen Frauen im Gegeniay ,vm Ueberschuß an Frauenspersonen zu prüfen, und ist dabei zll intereffanten Ergebnissen gelangt.

Frauen und Männer dürfen denmach ein­ander nicht mechanisch gegenüber gestellt werden, sondern es muß zuerst drö Heirats- alter, das für beide Geschlechter in Frage

Auch den Knaben wäre es sehr dienlich, solchem Wissen zu profitieren. Weshalb in aller Welt knüpft nicht die Chemie, die auf der Schule gelehrt wird, an die Lebensmittel und deren Bestandteile an? Das wäre bildend, nützlich und interessant für jedes Kind. Im hohen Alter würde sich mancher noch dankbar daran erinnern, was er für wert- volle und seßhafte chemische Kenntnisse bereits als Kmd in der Schule sammelte, die er so oft Gelegenheit hatte, im Laufe seines Lebens SU verwenden. Auf alle möglichen schädlichen Einflüsse seitens der Außenwelt kann man die >)Ugend zweckmäßigerweise aufnlerksam machen: ge setzt sich rhnen aus und hat von der Schäd- ltchkett keine Ahnung. Späterhin heißt es

->8o, wenn ich das früher gewußt hatte!" Das bedeutet eine Anklage gegen die Erziehung. Viele Kinder sündigen schon in der Schule gegen die Oekonomie in der Arbeit: Sie kommen bei ihrent Fleiß gut vorwärts und werden auf der Schule und in ihrem späteren Berus immer gelobt, aber der hinkende Bote kommt nach, und im vierzig! en Lebensjahre sind sie gebrochene Leute. Gegen- über solchen Erfahrungen muß der Lehrer den Gesundheitsstandpunkt betonen und den zu flei­ßigen Schülern den regelmäßigen Weck- s e l zwischen Arbeit und Ruhe, zwischen geisti- ger und körperlicher Bewegung zur Pflicht machen. P. V.

Fügend md Gesundheit.

Die Erziehung u..serer Jugend.

Zur Einführung der Kinder in die Lehren der Gesundheitspflege dürften sich die Schulärzte besonders gut eignen, deren Anstel­lung leider noch nicht für alle Schulen obliga­torisch geworden ist. Sie könnten neben der Aufsicht über den Gesundheitszustand der Kin­der und die sanitären Einrichtungen der Schule sehr wohl diesen Unterricht noch dazu über­nehmen. Mittlerweile müßten denn auch unter dem Lehrpersonal die geeigneten Kräfte spe­ziell für dieses Lehrfach ausgebildet werden. Es kann kaum anders sein, als daß sich der allgemeine und gründliche Unterricht in der Ge­sundheitspflege in allen Schulen sehr bald an allen Ecken und Enden zugunsten der Wohl­fahrt des Volkes bemerkbar machen würde. Allein die Aufklärung der Kinder darüber, welche wirtschaftlichen Nachteile es hat, krank zu sein, müßte ungeheuer segensreich wirken. Die Belehrung über den innigen Zu­sammenhang von Gesundheit, Arbeitskraft, Lei­stungsfähigkeit und Wohlstand einerseits und von Kranlheits, Arbeit- u. Leistungsunfähigkeit, Verarmung andererseits würde schon manchem Kinde ein Licht darüber aufsiecken, welche Fak­toren im Leben eine besonders wichtige Rolle spielen.

Ist eine solche Einsicht aber erst in Fleisch und Blut übergcgangen, so dürfte sie manchen Schuler der höheren Klassen davon abhalten, durch sexuelle Torheiten und durch Rauchen und Trinken seine Nerven frühzeitig zu ver­nichten. Ein besonderes Thema für den Unter- richt in der Gesundheitspflege müßte die Be­ziehung der Arbeit zur Gesundheit fein. Die Arbeit wird lange nicht genug geschätzt und gewürdigt. Schon dem Kinde müßte es ein- gepragt werden, daß die Beschäftigung von Körper und Geist und die Hebung, die für alle Teile des Organismus damit verbunden ist, ein notwendiger, unentbehrlicher Bestandteil

W» und daß der Mensch nur auf Glück und Zufriedenheit in diesem Leben An­spruch machen kann, wenn er allen seinen Or­ganen diejenige Tätigkeit anweist, die die Na­tur von ihnen verlangt. Weil diese Einsicht noch nicht durchgedrungen ist, sehen wir, wie sich die Menschen gegenseitig Unrecht tun und dabei der Meinung find, daß sie .aus Liebe" und .in bester Absicht" handeln.

Mutter hält den Sohn ober

Tochterbeifich zu Hause unb sagt ihnen täg- ^bt s doch gut"; sie ahnt nicht, wie daä >;nnere der Jugend sich aufbäumt gegen n^?Eenlosigkeit; sie weiß nicht, daß sie demjungen Blut den Lebeussaden abschnei- bet, iitbem sie es hindert, seinem Tatendrang ru salgen. Dieses psychologische Moment se- yen wtr auch in der sogenannten Frauen- d e.tu c g u n g zum Ausdruck kommen: Die Mädchen und grauen halten es eben ohne Ar- Pv* tnebr aus: sie wollen schaffen, eine .l?rtu Fähigkeiten und Kräften, und es wtrd keine menschliche Kraft der Erde ge- Zug der Raturkraft zu unter- b'adcn imstande ist, selbst nicht Professoren der Medizin. Das Verständnis für solche psv-

Vorgänge muß schon in der Jugend gemedt merben; manches andereVerstehen" werd sich daran ganz von selbst knüpfen.

Weitere Belehrungen in der Gefundheits- Pflege (um von dem vielen noch einiges her»

Sie wartete die Entscheidung nicht erst ab, die Gemißhandelte: Am selben Abend hatte Elly von Behringen ihr Vaterhaus verlassen.

Jahre sind vergangen. Richt spurlos sind sie an dem Geheimrat vorübergeranscht. Sie haben ihn zu einem müden, alten Mann ge­macht Und jetzt, wo das Haar gebleicht, und die Leidenschaften znm Schweigen gebracht sind, jetzt kommt es mitunter wie ein weiches, nie gekanntes Empfinden über ihn. Er fühlt sich einsam, der alte Mann, grenzenlos einsam. Und eine nicht zu tilgende Sehnsucht ergreift ibn, et weiß selbst nicht, wonach; aber manch­mal in fehlen Träumen, da spürt er es, wie eine weiche, sorgende Frauenhand, da stört er Helles, lubelndes Kinderlackien. Aber bald rasst et sich wieder auf; er ist der Geheimrat Friedrich von Behringen, und er weiß wohl, was er sich schuldig ist.

In dieser schmerzlich resignierten Stim­mung tarn es ihm ganz geleaen, daß ihn ein ehemaliger Kollege einlud, seinen Urlaub bei ihm in Berlin zu verbringen. Das würde feine erschlafften Nerven aufrütteln und ihn auf andere Gedanken bringen.

Run war er schon einige Zeit in der Re- Udcnz, unb wahrhaftig: Die Großstadt- Itbmosphäre wirkte Wunber an ihm. Orbent lich verjüngt kant et sich vor, unb mit Feuer eifer ließ er sich von seinem Mentor in alle er- denklichcn Vergnügungsstätten der genußsüch­tigen Lebewelt verschleppen. So widersetzte er sich auch nicht, als ihn der F.»und eines «bends Einem Besuch in einem bekannten Aacht Cas6 aufforderte, das sich in der Welt in der man sich nicht langweilt, eine gewisse Pebcutung alsLtetcshort" erworben batte

Als sie eintraten, war das Lokal schon »icht befetzt, trotzdem fanden sw noch ein Plätz­chen, von dem sie alles gut überschauen konn- «en. Der Geheimrat wurde ganz aufgeräumt; Donnenvetter, das war doch was! So etwas hatte man zu Hause allerdings nicht. Spe- ziellcs Interesse erregte ihm ein Tisch, an dem eine ganz besonders fidele Gesellschaft Platz genommen hatte. Eine rotgefäibte Schöne wat die tollste von allen. Sie saß ihm abgelvandt. fo daß er ihr Gesicht nicht erkennen konnte;

Äummer fi.

Sie schlug die Augen zu Boden unb staub mit demütig gefalteten Händen vor ihm.

Unb da brach es mit wilder Wut aus ihm hervor. Et packte sie bei der Schulter. warf sie zu Boben und hieb mit Fäusten auf das wehrlose Mädchen ein.

.Du Dirne, du gemeines Frauenzimmer, so also hast du dich betragen; meine Ehre, meine gesellschaftliche Stellung galt dir nichts, zum Gespött der Menschen hast du mich ge­macht, meine Karriere hast du mir verdorben, du Kreatur!"

Sie ließ willenlos alles über sich ergehen und wenn der körperliche Schmerz ein gar zu gewaltiger war, kam es wie ein leises unter­drücktes Stöhnen von ihren Lippen.

Der erbarmungslose Mann ließ endlich oon seinem Opfer ab.

.Geh hinaus!"

Als sie schon an der Tür war, kam ihm ur­plötzlich ein Gedanke.

.Beantworte mir eine Frage: Wird dein Lebenswandel von Folgen begleitet sein, ich meine, fühlst du dich Mutiert"

Da ging es wie ein sonniges Leuchten über daS totenbleiche Antlitz.

.Ich weiß es noch nicht, Vater; aber un­möglich ist es nicht."

.Also auch das noch. Nun höre, was ich dir zu sagen habe. Wenn du noch einmal vor dem Aergsten bewahrt und dir die surchtbare

__1 Jahrgang.

vorzuheben) müßten die Kinder empfangen über die Schonung der Augen. Deutsch­land ist das Land der Kurzsichtigkeit! Und die Kurzsichtigkeit wird vorzugsweise in der Schule gezüchtet. Eine spätere Generation würde es sich bann nicht mehr gefallen lassen, baß ihre ( Kinder bei ungenügender Beleuchtung in der Schulsinbe arbeiten und an Tischen sitzen, die ihnen zu hoch ober zu niedrig sind. Das Ver» ständnis für eine richtige Ernährung müßte schon in der Schule geweckt werden, bei Mäd­chen sowohl wie bei Knaben. Im vorherge­henden ist schon ausführlich davon gesprochen worden. Es kann indessen gar nicht oft genug darauf hingewieseit werden, wie viel es im Hausstand einer Familie, die nicht aus dem , Vollen wirtschaften kann, darauf ankommt, daß t die Hausfrau es versteht, einerseits billig ein- it zukausen, u. andererseits trotz des kärglicl enBud- i stets ihre Familie ausreichend zu beköstigen, so daß der Hunger gestillt unb das durch den Stoffwechsel verbrauchte Material an Eiweißen, Kohlehydraten, Fetten und Salzen aller Art wieder ersetzt wird.

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aber da plötzlich drehte sie sich um, und schwang mit dem Zuruf:Prosit, Alterchen" ihm ihr Sektglas entgegen. Für einen Moment ruhten ihre Blicke ineinander, da, ein . . . gellender Aufschrei:Dasistmein Werk!", und wie vom Blitz gefällt, brach bet alte Mann zu­sammen.

Als die hilfreich herbeigesprungenen jun- gen Männer den Ohnmächtigen hinaus an die irische Lust gebracht batten uns wieder das Lokal betraten, bot sich ihnen ein seltsamer Anblick: Da saß die tolle, rotgefärbte Dirne, bas Gesicht in die Hände vergraben, uns weinte bitterlich.-