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hat wesentlich ändern müssen. So haben seine Ansichten über die Ehe manche Ver- schiedenheiten aufzuweisen, nnd manches frü­her Gesagte hat sich im Laufe der Jahrzehnte bedeutend geändert. Als Tolstoi an feinem letzten Geburtstage eine Abordnung studierter Frauen zur Beglückwünschung empfing, kam er auch auf das Glück der Krau in der Ehe zu sprechen, um feine Ansicht hierüber eingehend zu erläutern.Ihr sprecht zu mir vonFrauenglück- (so äußerte sich Tolstoi), doch scheint Ihr nicht zu toiffett, daß es ein Glück in der Ehe überhaupt nicht geben kann. Seine Ehe kann glücklich sein. In jeder Ehe, die auf der Basis des Christeirtums auf­gebaut ist und in der sich beide Ehegatten voll und ganz lieben, kann kein Glück vorhanden fein, weil das Gefühl des Glücks gerade in den erhebendsten Momenten dadurch beein­trächtigt wird, daß der eine der beiden Gatten daran denkt, der andere könne ihm durch Got­tes Ratschluß entzogen werden.

Dieser Gedanke läßt ein volles Glück kaum aufkommen. Eine sogenannteglückliche- Ehe muß immer unglücklich sein. Die kleinste Verschiedenheit der Ehegatten und der kleinste Punkt, über den es zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden Ehegatten in aller Liebe kommen kann, zerstört das Glück; denn jede Verschiedenheit von der Anschauung des an­dern Gatten läßt in jedem Teile den Gedanken tiefen Unglücks wach werden, weil beim vollen Glück die kleinste Disharmonie schmerzt tote ein großes Unglück. Es gibt also reine Ehen, die in sich voll glücklich sind. Venn eine Jungfrau nach ihrem Glücke Sehnsucht hat, so macht sie sich keinen reckte» Begriss von der Ehegemeinschast. Sie träumt nur Erfüllung aller möglichen Wünsche, die ihr durch die Ehe erlangbar scheinen. Tas ist eine ganz falsche Vorstellung von Glück. Tie Ehe ist ein Prüf st ein des Menschen, von Gott eingesetzt, damit der Mensch nickt nur seine vollen Pflichten erfülle, sondern damit er die Gebote der christlichen Nächstenliebe voll erfasse.

Wir Menschen sind viel zu schwach, um dieses Werk ganz zu vollbringen. Mr lernen nie uns ganz unterzuordnen, wenn er das Glück des Nächsten will. Wir hadern gegen Gott, wenn er uns das «atmmt, aus das wir bis an unser Ende fest rechnen, den Ehegatten, ohne zu bedenken, daß auch unser Ehegatte denselben Wunsch hat. Wir erkennen noch nicht voll an, daß Gott über uns eine Macht hat, unb weil wir diese Macht verkenne,!, füh­len wir uns nicht glücklich, wenn uns Gott eine Prüfung auferlegt, die scheinbar gegen unser Glück geht. Ein wahresFrauengluck" werdet Ihr alle nicht haben, es sei denn, daß Ihr Euer Leben ganz der R ä ch st e n l i e b c widmet; aber das macht eben nickt glücklich. Ihr, die Ihr die Ehe schließt, Euch hat Gott den Ehegatten bestimmt, um Euch eine Prü- sung auszuerlegen, um um Euch Pflichten, notwendige Pflichten gegen den Allernächsten zu diktieren. Gedenkt Ihr stets desten und betrachtet Ihr jedesUnglück- Eurer Ehe als einen Prüfstein, so werdet Ihr immer mebr die Schwäche Eures Nächsten lieben, ob der Ihr früher unglücklich wäret. Und dann wird Euch das Bewußtsein kommen, was zum vollen Glück gehört, wenn Ihr es auch nie erreichen werdet , , .1"

Erna Nickel-Ritter,

Aar der Frauenwelt.

Landpflegerinnen gesucht!

Für Landpflegerinuen ist nach den Mitteilungen der Anskuuftsstelle für Krauen« tuteressen in Berlin ein steigende- Bedürfnis vorhanden, sodaß zahlreich« Bitten um Entsen­dung von Landpflegerinuen nicht berücksichtigt werden können. Für nur 10 Schülerinnen hatte der deutsch« Laudpflegerverband toi abgetan- fetten Jahr 45 Anfragen. Allerdings sind die P e t u n t ir e u Bedingungen nur sehr beschei- bene: Die Landpflegerin erhält bei freier Sta-

Casseler Neueste Rachrichteck

tiou etwa 300 Mk. Jahresgehalt. Der Beruf eignet sich somit Vorwiegeno für solche Perso­nen, die ein Feld befriedigender Tätigkeit su­chen und sich aus innerem Drang der sozialen Hilfsarbeit widmen wollen.

Emzelhaushalt ober Zeutralhaushalt?

Man schreibt uns: Es ist fraglos, daß (ntau mag wollen oder nicht) die Zentralifie- rung des Haushalts sortschreitet u. daß in zahllosen Füllen der Etozelhaushalt für die berufstätige Frau große Schwierigkeiten, Un Ö lichtesten und Unwirtschastlichkeiten

Wie aber abhelfen? Man hat viel vom Einküchenhaus erhofft, und mit reg­ster Spannung blickten weite Kreise den Erfol­gen entgegen, welche die ersten Gründungen dieser Art, die Berliner Einküchenhäuser, zeiti­gen sollten. Aber die Einküchenhäuser bewähr­te» sich nicht, was indessen in der Hauptsache wohl der verfehlten Durchführung der Idee zu­zuschreiben ist. Gertrud Zucker verweist in der Frauen-Bewegung" darauf, daß, wenn wir den Einzelhaushalt Preisgeben wollen, wir vor allem gelernte Berufshausfrauen brauchen, die hausioirtschastliche Großbetriebe sowohl kaufmännisch als auch technisch zu or­ganisieren und zu leiten verstehen. Roch haben wir aber mir verschwindend wenige Flauen, die befähigt sind, einer Hauswirtschaft großer.*» Stils vorzustehen, und ebenso wie an ausrei­chend vorgebildeten Leiterinnen, fehlt es an beruflich gutgeschulten Hilfskräften. Erst wenn sich diese beide Arten von Frauenberufen vervollkommnet haben, läßt fich die Umwand­lung des Einzelhaushalts in den Zentralhaus- hokt, ein Erfordernis unserer Zeit, durchführen.

Die Sozialpolitik im Reich der Frau.

Dieser Tage ist in Hamburg ein neues Mädchenheim für stellenlose Dienst- Mädchen eröffnet worden, da sich das alte Heim längst als zu klein erwies. 300 Mädchen mußten allein im Laufe des letzten Jahres we­gen Platzmangels abgetotefen werden, obwohl man schon zur denkbar größten Raumausnur- zuug geschritten war. Bedenkt man, wie nötig Unterkunftsstätten für obdach- und stellenlose Mädchen sind, welchen Gefahre» sie ausgesetzt werden, wenn sie allein unb ohne Heimat in der Großstadt umherirren, so vermag man sich auszumalen, wieviel Elend die Abwei sung dieser 300 bedeutet. Das neue Heim ist nun um 16 Plätze vermehrt worden, so daß dies für de» vorübergehende» Aufenthalt, dem ja das Heim diene» soll, eine ganz ansehnliche Zahl von Gästen mehr bedeutet, die Ausnahme finden kSnnen.

Zurück zur Spinnstube» Poesie!

Ter Badische Frauenverei» hat mit gutem Erfolg in den verschiedensten Dör­fern des Grohherzogtums Spinn kur se ein­gerichtet. Der Verein gewährt Mittel zur An­schaffung des Materials, die Gemeinden geben in der Regel die nötigen Räume nebst Feue­rung und Beleuchtung her unb so konnten mit der Zeit eine ganze Anzahl von Frauen unb Mädchen wieder die alte Kunst des Handspin­nens ausnehmen. Am Schluffe der Kurse wurde» Spinufeste mit Preisverteilungen ver­anstaltet. Freilich kommt das Handsptnnen so­zusagen nur als Ltebhaberkunst für den Haus­gebrauch dort i» Betracht, wo den Frauen neben ihrer läudlicheu Beschäftigung Muße an langen Winterabenden, die nicht mit Jndnstrie- arbeit ausgefüllt werden, bleibt. Für den Markt kann das Handspinnen kaum jemals wieder konkurrenzfähig werden, aber als eine schön«, alte Hauskunst verdient es erhalten unb ge­pflegt zu werden.

Die Kultur unb die Fra».

Hebet die Kultur unb di« Frau<n bringt Henriette Fürth totFrei«» Wort- beherzi­genswerte Ausführungen. Sie verweist auf de» Irrtum, beu die Frauen anfangs in ihren er- sie» Freiheitsbestrebungen begingen» als sie dem Manne nachäfste» und fein Echo waren, ohne Eigenton. Run aber haben sich für Mann unb Weib schon scharf unterschiedene, gleichwertige Aufgabengebiete herausgebildet. Die Frauen wären ohne Bedeutung kür die

___________________________ 1 Jayrga ng, Kultur, wenn ihre ganze Schasfensarr nicht eben grundfätzlich von der des Mannes abwiche, wenn sie nicht gerade i» ihrer Be- weglichkett und Jntuitivität eine Ergän­zung der Verstandeskultur, der Schwere und Schwerfälligkeit des Mannes bilden würde. Das Weib soll nicht Häufung und quantitative Mehrung bereits vorhandener Kulturwette bringen, sondern eine neue qualitative Kultur einsetzen. Tie vorgeschrittene» Frauen sind es, die in ihrer ganze» Wesensart jede Nachahmung des Mannes überwunden haben, die Mütterlichkeit und Geistesarbeit ver­einigen, die der verstandesmäßig abstrakte» Männerkultur die gefühlsmäßig gegen­ständliche der F au an die Seite setze», und beide harmonisch mft einander verknüpft». Eines haben sie als Notwendigkeit erkannt: Die innerliche und äußerliche Be­freiung der Frau, und der Weg zu einer inneren und äußeren Freiheit geht über das Bürgerrecht für die Fran. Die Verfaß- serin schließt mit den Worten:Freie Bah» für die Frau! In das Leben, für das Lebe»!-

Nie drastische Msfrau.

Das Waschen der Gardine«.

Man löst y4 Pfund Seift in 25 Liter Wasser auf, fügt, wenn das Wasser gekocht: 10 Lössel Salmiakgeist und 10 Löffel Terpentin hinzu und gftßt diese Ltmge über die glatt in ein Gefäß gelegten Gardinen, die man zuvor ein? getoc )t und wiederholt in kaltem Wasser aus- gespült hat. Mau deckt das Gefäß zn, läßt die Gardinen eine Sstmde stehen unbschlägt* sie sodann tüchtig, bevor man sie herausnimmt. Ties Verfahren reinigt die Gardinen gründ­lich, ohne sie im geringsten anzugreifen, und nur bei ungewöhnlich schmutzigen Gardinen ist es nötig, sie noch hinterher zu kochen. Tas ange­gebene Quantum reicht für 8 Flügel. Sehr ratsam ist es, die Gardinen vor der Wäsch« mehrfach zusaminettzulegen unb sodann mit großen Stichen zusammenzuheften, die mau erst vor dem Aufhängen wieder entfernt

Das Reinigen bet Glaeä Handschuhe.

Alte schwarze Glaeö-Handschuhe werden wie­der glänzend, wenn man sie mit einer Mischung von 5 Tropfen Baumöl und 5 Tropfen Tinte behandelt Mittelst eines wollenen Läppchens bestreicht man die schadhaften matten Stell««, reibt ste mit einem schwatzen Lappen trocken, und sofort kann man die Handschuhe toiebei tragen, ohne daß sie abfärbe».

Vorsicht beim Abtrocknenl

Das Aufspringen und Sprödewcrden der Haut ist häufig di« Folge von ungenügendem Abtrocknen nach Waschungen. Man trockne daS Gesicht so lang« ab, dis es vollständig trocken ist Es ist namentlich das Ohr, das leidet, denn diese Stelle wird gewöhnlich am wenigsten abgetreefnet Schlechte Seifen ver­mehren die Empfindlichkeit der Haut Gut sind die fetten Seifen, doch schäumen sie sehr wenig. Besonders zu prüfen sind die Obren der Kinder nach dem Baden. Ist in dem Ohr noch Feuchtigkeit vorhanden und trifft dann das Ohr ein kalter Luftzug (fei es durch das Wechseln des Zimmers ober dadurch, daß man das Kind ins Freie bringt) so kann die Folg« eine Ohrenentzündung sein.

Küche und Keller.

Di« Konservierung von Wildpret.

Um Wildpret lange gut zu erhalten, stopft man tos Innere, sowie in die Keulen und Rücken Petersilie, Pfeffer, Nägelein, Muskat­nuß, Muskatblüte unb Salz, lege es dann übet Nacht oder auch nut eine Stunde lang in Weinessig und hernach in einen glasierten, ir­denen Topf, in den man Salz einaestreut hat.