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3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

»rrnsvrecher 951 und 952.

Nummer 305

des

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Die Entscheidung des Kaisers.

(Privat.Telegramm.)

Zabern, 2. Dezember-

Wie aus Straßburg bestimmt verlaut?!, ha­ben der S t a t t h a l te r und das Gesamt- Ministerinm ihre Demission angeboten für den Fall, daß der Konflikt Mischen der Ziuilverwaltuug und dem Militär in Zabern

keine befriedigende Lösung findet. Heute oder morgen fällt in Donaueschingen die Ent­scheidung des Kaisers. Die Parteien des elsaß-lothringischen Landtages verlangen eine parlamentarische Untersuchung der Zaberner Vorgänge. Insbesondere wollen das Zentrum und die Sozialdemokratie stch mit dem amtlichen Bericht nicht begnügen. Wie der Straßburger Post aus Berlin (anfchcinend halb- offiziös) gemeldet wird, ist kaum daran zu zweifeln, daß man an den maßgebenden mili­tärischen und Zivil-Instanzen den Maßnahmen des Obersten von Reutter in Zabern nicht z u st i m m t und daß der Reichskanzler das am Mittwoch im Reichstag erklären werde.

Statthalter Graf Wedel.

(Privat-Telegram m.)

Straßburg. 2. Dezember.

In einem Intervi-w über die Zaberner Af­färe hat stch der Sto"h<ifter kV r a t We del do'^ hin ansaesprochen, daß die Vorgänge in Zabernt eine Sonder-Erscheinung darstellten. Zabern fei eine urdeutsche Stadt und waS man setzt erlebe, fei die Fola» einer systematifibi durchgeftthrten Wühlarbeit. Ob die Vorgänge stch bei geschickterem Vorgehen deS Militärs hätten vermeiden lasten, wolle er nicht bestimmt sagen. Bezüglich der Behguvtung, eS beständen zwilchen ibm und dem kommandie­renden Ernrral bea Xy. krt-ns Mki- nungS-Differ-nzen, erklärte der Statt­halter, daß stch wobl bei verschiedenen persönli­chen Aussvrachen gelegentliche Meinunas-Diffe- renzen zwischen General von Deimling und ibm ergeben hätten, daß von einem K o n s l i k t aber keine Rede sein könne. Oberst von Reut­ter hat (wie man fick erzählt) aber a u f h S h e - re Weisung gebandelt. WS am Freitag der Zaberner Staatsanwalt stch ihm beim Ver­hör zur Verfügung stellte, lehnte er daS Angebot a 6, erklärte, er handele auf höhere Instruktion.

Zivil- und Militärbehörde.

(Privat-Telegram m.)

Straßburg. 2. Dezember.

Bei den hiesigen leitenden Zivilbehör- b en find gegenwärtig Beratungen über Maßregeln im Gange, um die Aufrecht­erhaltung der Ordnung in Zabern auf dem ein­fachsten Wege in die Hand der Zivilverwaltung gelangen zu lasten. Rach wie vor scheinen die Militärbehörden der Ansicht zu sein, daß diese Aufrechterhaltung der Ordnimg ihre Sache sei. Dies zeigt stch auch bei den großen Schwierig­keiten, die sich den Vertretern der Zivilbehörden in Zaber» entgegenstellen, wenn sie die Frei- laffung Verhafteter erwirken wollen. In den sämtlichen Schulen Zaberns ist auf Veranlas­sung der Kreisdirektion eindringlich in Erinne­rung gebracht worden, daß die Kinder auf der Straße stch eines anständigen imd gesitteten Verhaltens gegen das Militär zu befleißigen haben. Ter Zaberner Gemeinderat ist mit der Nntersuchung durch die Regierung nicht einver­standen und verlangt die Einsetzung einer p a r- lamentarischen Kommission. Heute wird der Gemeinderat zusammentreten, um über eine korporative Beschwerde Beschluß zu fasten.

Die Folge« der Affäre.

(Priva 1 - Telegramm.) Straßburg, 2. Dezember.

Mehrere elsässische Landwehr-Offiziere ha­ben ihren Abschied eingereicht: auch aus der Deutschen Friedensgescllschaft sind einige elsäsfische Mitglieder ausgetreten Heute findet eine große fortschrittliche Protestver­sammlung in Straßburg statt. Gegen die verhafteten Zivilisten hat die Militärverwal­tung die Beschuldigung des Landstiedensbruchs und der Beleidigung des Militärs erhoben. Unterftautssekretär Mandel und Geheimer Regierungsrat Pauli reisen heute nach Ber­lin, um als Vertreter der elsässischen Regie­rung der Interpellatton im Reichstag beizu­wohnen. Oberst von Reutter und Leutnant von Forstner sollen in Zabern aus dem Zivilkasino ausgeschlossen worden sein. Gestern wurde in Zabern ein aus Paris eingetroffener Zeitungsphotograph festgchalten und ihm eine Platte mit der Aufnahme des Leitt- nants von Forstner abgenommen.

Mittwoche 3. De ber 1913

Der neueste Zwischenfall.

Zabern, 2. Dezember. (Privat-Tele­gram m.) Heute kam es zu einem neuen Zwischenfall. Als Leutnant von F o r st - n e r mit einem Zuge der vierten Kompagnie des Infanterie-Regiments Nr. 99 den Ort D ettw eiler in der Nähe von Zabern pas­sierte, wurde der Offizier von mehreren Arbei­tern erkannt und durch höhnische Zurufe beleidigt. Forstner ließ sofort Halt machen und versuchte, durch Patrouillen die fliehenden Be­leidiger feftnehmen zu lasten. Dem Fahnen­junker Wieß gelang es, einen der Leute fefizu- nehrnen, einen g lähmten Schuhmacher, der sich mit allen Kräften der Verhaftung wi­dersetzte. Bei dem entstehenden Handgemenge zog Leutnant von Forstner den Säbel und ver­setzte dem Schuhmacher einen Hlebüberden Kopf. Ter Schuhmacher wurde l e b e n s g e - f ä h r l i ch verletzt in das Krankenhaus gebracht.

Erklärungen der Militärbehörde.

(P r i v a t - T e l e g r a m m.)

Jabern, 2. Dezember.

Die seitens der Militärbehörde eingelei- tete Untersuchung hat taffächlich ergeben, daß die Offiziere sich am Freitag keineswegs provokatorisch benommen haben und ohne Grund beschimpft worden sind. Zu ihrem Schutze mußte die Wache aufgebo­ten werden, weil Polizeibeamte nicht zur Stelle waren. Ein Anrufen der Zivil- behörden konnte angesichts der drohenden Haltung der Menge nicht erfolgen, zumal die Militärbehörde der Meinung ist, daß die Mit­tel der Zivilbehörde zur Unterdrückung arö- ßerer Exzeße nicht ausreichend sind. Die Militärbehörde hat es deshalb als ihre Pflicht erachtet, Beleidigungen von Offi­zieren und Mannschaften mit eigenen Mitteln zu verhindern. Die Militärbehörde kann nicht dulden, daß Offiziere beschimpft werden, nachträgliche Beschwerden bei der Zivilbehörde würden zur Feststellung der Tä­ter nicht führen. Don der Verhängung eines Belagerungszustandes durch den Obersten des 99. Regiments kann nicht die Rede sein: ob der Oberst richtig gehandelt hat, wird sich erst beurteilen lasten, wenn die schwe­bende Untersuchung abgeschlossen fein wird.

Wie uns im Zusammenhang hiermit aus Berlin berichtet wird, erwartet man heute im Krieasministerium das Eintreffen des Be­richts des Kommandierenden Generals von Deimling. Man wird jetzt die Sache im Reichstage nicht mehr als eine lokale behandeln können, sondern wird Aufschluß darüber ver­langen müssen, ob die Gerüchte von Diffe­renzen zwischen dem Statthalter und dem Kommandierenden General über Quer­treibereien in der Statthalter«! selbst zutreffen. Das Militär in den Reickslanden wird vielfach von dem Gefühl beherrscht, daß seit der Schaf­fung einer eigenen Verfassung in den Reichs­landen Kräfte walten, die für das Gedeihen des Reichslandes verhängnisvoll sind, und daß die Statthalter«! diesen Dingen nicht ge­nügend ihre Anfmerksamkeft zuwendet.

vollen Einverständnis mit dem Statt­halter und dem Unterstaatssekretär Mandel. Er habe vierzehn Gendarmen in Zabern zusam­mengezogen, obschon er es an und für sich nicht für nötia halte. Er habe Sonntag den Ober­sten von Reutter aufs neue ersucht, diePoli - zei ihm zu überlassen, indessen aber erfolglos Der Kreisdirektor betonte mit besonderem Nachdruck, daß n o ck nie die Alt­deutschen und die einheimische Bevölkerung so einig gewesen seien, als in der Verurteilung militärischen Vorgehens.

Die Zabern-Assäre. Ein Privat-Telegramm meldet «ns ans Zabern: Gestern abend ist hier, aus Straß­burg kommend, der Kommandeur der 30. F eldartillerie-Brigade, Generalmajor Kühne, eingetroffen. Er hat auf ausdrücklichen Befehl des Kaisers die Reise nach Zabern angetveten, um dort zwischen der Zivil- und Militärbehörde zu vermitteln. General Kühne hat sich sofort Leutnant v o » F orstn er verführen kaffen, nachdem er mit dem Obersten und dem Kreisdirettor verhandelt hatte.

Er harret immer noch de? Wiedersehens, der hartgeprüfte Vater der Block-Idee; der Phi- lippi-Tag ist noch nicht gekommen, und wenn wir heut in den Aushängebogen des Wrih- nachtbuchsDeutschland unter Wilhelm dem Zweiten' den fernen Abendrot-Schein jener himmelblauen Optimisten-Romantik aufleuck- ten sehen, die einst (vor bald sieben Jahren) den Kanzler Bernhard von Bülow zur Verkündi­gung des Evanaeliums konservativ-liberaler Liebe rief, fühlen wir etwas wie Wehmut in uns aufsteigen: Wehmut in der Erinnerung an eine Zeit flückt'qen Morgendämmerns, der ein dunkel-schwüler Tag gefolgt, und Anteil­nahme am Schicksal eines Mannes, der in des Glückes Sonnenglanz den Traum des Op­timisten geträumt und zu spät erkannt, daß die­ser Traum ein Trugbild war. In seinen Rand­bemerkungen zurPolitik der Gegenwart" ver­sucht heut der Vater der Block-Idee, seinen Op­timismus zu rechtfertigen, das Prinzip der Ver­söhnung zwischen Konservatismus und Libe­ralismus ethisch zu bechründen und die Möglich­keit einer Verwirflichung der Idee nachznwei- sen. Vielleicht oeschirhts aus Pietät, vielleicht aus frommem Glauben, der selbst durch herbe ) Enttäuschung nicht erschüttert werden konnte. Fürst Bülow, der zu seinem Leichenstein sich das Nachwelt-Zeugnis ausaebeten hat. daß er ..e<rt aararischer Kanzler gewesen", bat durch Per­sönlichkeit-Offenbarung und durch die Tendenz seiner Politik erwiesen, daß seine Weltauffas- sung im Wesen konservativer Ideen wurzelte, und dasTröpfchen liberalen Oels". mit dem er gesalbt sein sollte, hat sich iedenfalls niemals störend bemerkbar gemacht. In seiner Vorstel­lung aber war das konservative Prinzip nickt einseitig, nicht doktrinär und nickt götzenhaft­starr: Es war beweglich, anpaßbar und trotz aller traditionellen Unerschütterlichkeit in stän­diger Entwicklung begriffen. Dadurch wurde die Brücke zwischen den zwei Weltanschauungen geschaffen (zwischen Konservatismus und Li­beralismus). deren grundsätzliche Trennung Bülow leugnet, weil fie in seiner eignen Vor-

stellungswelt nicht existiert. Aber Bernhard Bü­low war eben nicht der TYP des Konservati­ven, ebensowenig, wie die liberalen Paladine der Block-Aera die t y p i s ch e n Repräsentanten des Liberalismus waren, und daraus erklärt sich auch die Geburt und das Ende des Blocks: Er erstand und erstarb, Weil die Paarungs- Idee der natürlichen Voraussetzung gegenseiti­ger Wesensgemeinschaft ermangelte...! F. H.

Die Antipoden.

Bülow über Konservatismus und Liberalis­mus: Die Rechtfertigung der Block. Idee.

In feinen Ausführungen über diePolitik der Gegenwart" sagt Fürst Bülow (im Buche Deutschland unter Kaiser Wilhelm dem Zweiten): Bon wenigen autzerordentlichen Situationen ab­gesehen, find Konservative und Liberale immer dann al« Parteien am starrsten, parla­mentarisch am einstutzreichsten gewesen, wenn fie zusammengingen. Gewitz rann nicht alles politische Heil, nicht di« Lösung jeder geseh- geberischen Aufgabe von konservativ-liberaler Zu­sammenarbeit erwartet werden. Aber der Hader zwischen Konservativen und Liberalen ist noch immer verhSngnisvoll gewesen: Für die beiden Parteien selbst, für den Gang unserer inneren Politik und für die Stimmung in der Ration..

Diese Zeilen, die derPrivatier von Billa Malta" in stillen Stunden für den Ge­dankenbereich der Gegenwart niedergeschriebcn, wecken einige Erinnerungen. Es war in den ersten Tagen des eben eingeläuteten Jahres neunzehnhundertsieben, die Echowogen der Dernburg-Rede im Reichstag vom dreizehnten Dezember mit ihrem schrillen Kampfruf gegen dieGefahr der Eiterbeule" rauschten brausend durch die Blätterspalten und im Reich rüsteten die Parteien zum winterlichen Wahlkampf. Noch sah man nicht ffar, welche Konsequenzen aus Dernburgs Attacke für die Wahlkampf-Tak­tik der Regierung h-rauswachsen würden, noch hatte kein offiziöser Moniteur den politischen Wetterbericht aus der Berliner Wilhelmstraße publiziert: Da erschien (von den Einen als Neujahr-Scherz belächelt, von den Andern als Bernhardt-Offenbarung" leis bespöttelt) der Silvester-Brief des Kanzlers an den General von Liebert, die Proklamation der Versöhnung zwischen Konservativen und Libe- ralen und die erste Kundgabe jener seltsam-mär­chenhaften Idee, die spater in der vielbcsung- nenPerlhuhn- und Kaninchen-Paarung" ihre Verwirffichung fand. Bernhard Bülows Sil­vesterbrief war daS Glaubens-Bekenntnis eines Optimisten, gegründet auf die Erkenntnis, daß in der Politik das grundsätzliche Prinzip

..bie Basis der Wir- kensmöglichkeit darstellen dürfe, und getragen von einem Idealismus, der aus der Not der Zeit geboren schien. Bülow erlebte den Tri­umphs seinem Optimismus Leben und Wirklich­keit geben zu können: Aus dem Wahlkampf neunzebnhundertfieben ging der Block- Reichstag hervor, das Parlament konserva, tiv-liberaler Paarung und die natur-gewordne Arbeft-Gemeinsckaft konservativen und libera­len Geistes. ES schien Morgenrot am Zu- kunft-Himmel aufzustrahlen; es geschahen wie­der Zeichen u. Wunder, u. man erkannte mit ei, Niger Verwunderung, daß des Columbus' Et abermals fest und sicher auf der Spitze stand. WaS dann folgte, ist bekannt: Der Block zerfiel, die Paarung ward zur Täuschung, und deS Sikvesterbriefs Urheber, der Apostel der Ver­söhnung, ging von dannen; ein Enttäuschter, der von Denen sich verraten sah, denen er nene Wege hatte zeigen wollen, und der noch in der Scheidestunde den Sündern zurief:Bei Phi­lippi sehen wir uns wieder!"

Frankfurts Befreiung. Ein Erinnerungsblatt zum 2. Dezember: Die Kämpfe im Maintal im Jahre 1792, von

Heinrich Velsbach-CasseL

Die Stürme der französischen Revo­lution sandten ihre Ausläufer schon nach Deutschland hinüber, die Revolutionsheere drohten dem Rheine, da ward im Sommer des Jahres 1792 der Versuch von Preußen aus ge­macht (nicht, um das Reich zu schützen, sondern nur aus legitimistischen Ideen heraus), diesen Sturm zu beschwören. Doch der alternde Prinz Ferdinand von Braunschweig, der die Heeresoperationen leitete, war nicht der Mann mehr zu einem entscheidenden Schlage, und dazu kam, daß sich bei Hose Einflüsse von Männern wie Luchesini, Lombard und Haug- witz breit machten, die mit dem Gedanken spiel­ten, eine Vereinigung der französischen und preußischen Diplomatte und der Armeen her- beizusühren, um Oesterreich zu vernichten. Dies Ziel Ward zwar nicht erreicht, das Reichsgesüge aber vollends erschüttert, und so der spätere Rheinbund vorbereitet. Das erste Resul­tat dieser Treibereien war das schmählicke Ende des Feldzuges in der Champagne und ein kläglicher Rückzug, der noch durch die Un­bilden der Witterung erschwert ward. Inzwi­schen drang eine andere französische HeereS-Ab« teilung gegen den Rhein vor, und deren Füh­rer, General Custine, nahm am 21. Oktober Main z ein, ohne Schwertstreich der erzbischös- lichen Truppen, und bald, wenige Tage sväter, fiel Frankfurt a. M in französische Hände. Doch hier stockte der Vormarsch, denn nur we­nige Stunden ostwärts sperrte das hessische Hanau (damals noch Festung) den Weg, und der mit 1800 Mann und zwei Geschützen unter H o u ch a r d unternommene Versuch, die Sali» nenstadt Nauheim zu erobern, war erst nach heftigem Kampfe mit der den Posten besetzt haltenden kombinierten hessischen Infanterie- Kompagnie gelungen. Auch die nach Hessen ge­sandten Flugblätter, die die alte Mär vom Soldatenverkauf eifrig benutzten, und damals wohl zuerst nach Hessen eingeschleppt haben, hatten keine andere Wirkung, als das Volk noch mehr ,

gegen die Franzosen z« reizen.

Aus eigenem Antriebe, ohne Befehl, sam­melte sich Hessens Landstnrm schon inzwischen, als bei Marburg die hessischen aktiven Regi­menter zusammengezogen wurden, um gemein­sam mit einem Teile des preutziscken Heeres gegen den Main hin zu operieren. Im Ganzen zogen sich, zusammen mit den bei und in Gie­ßen stehenden Hessen-Darmstädtern, etwa 36 000 Mann zusammen, von unseren Hessen-Cassel- schen Truppen waren es die Regimenter Garde, Garde-Grenadiere, Leibregiment und Erbprinz, ferner ein Bataillon des Regiments Prinz Karl und die Grenadier-Bataillon« von Eschwege und Hessen-Philippsthal, vier leichte Kompag­nien und neun Schwadronen Reiterei, sowie zweiundzwanzig Geschütze. Am 27. und 28. No­vember ging das gesamt« He«r gegen Frankfurt vor, die Spitzen erreichten Nilbel, und der Hu- sarenleutnant von Starkloff warf noch den Feind aus Bergen herans, bezahlte aber die­sen Ritt mit dem Leben: In den Armen seiner Braut- der Tochter des dortigen Amtmannes Usener, starb er. der von ihrem Hause auf dem Markt den tödlichen Schuß empfangen. So nahte der zweite Dezember heran, der zur Aus­führung des Angriffs auf das damals noch mit bastionierten Wällen versehene Frankfurt be­stimmt war, und Tags zuvor hatte, da Land­graf Wilhelm der Neunte von Hessen, Miß­trauen gegen Ferdinand von Braunschweig wie gegen General Walkreutb geäußert, König Friedrich Wilhelm der Zweite von Preußen selbst den Oberbefehl übernommen. Die AuSfüh- nrng der Arbeit aber war

Hessens Söhnen vovbshatten.

So formierten sich die Angriffssäulen vor dem Friedberger und dem Allerheiligen Tore, Sach­senhausen und das Hanauer Tor wurden nur beobachtet, indessen über Bockenbeim gegen Höchst sich andere bessncke und preußische Trup­pen sckoben. um ein Beisvringen der bei Höchst als Verbindung mit Mainz stehenden Franzo­sen zu Verbindern. Vorgesehen war ein Angriff im ersten Morgengrauen, und um fünf Uhr standen di- Regimenter Bereit, aber erst gegen halb neun Uhr erschien der König mit glänzen­dem Gefolge, und was ursprünglich als Ueber- raschimg des Feindes möglich gewesen, mußte nun mit großen Blvtopfern erkauft wer­den. General von Helden kommandiert« die Verteidiger der Stadt, die übrigens trotz der Geiahr, die sie kannten, noch so sorglos waren, daß die erste Spitze (zwei Offiziere und zwan­zig Mann Garde du Borgs) auf das Friedber­ger Tor Meßen, als dies gerade geschlossen

Die Krawall-Affäre von Zabern spitzt sich, durch das Echo in der öffentlichen Meinung sichtlich verschärft, immer mehr zu. Der Vertreter eines Berliner Blattes batte gestern eine Unterredung mit dem Zaberner Kreis- Direttor Mahl, der erklärte, er handle im

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