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Cafleler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 300.

Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, 27. November 1913.

3. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

Wiedersehen.

Die Wiederaufnahme der Reichstags-Ver­handlungen; die gestrige Premiere, von Fritz Steinheim.

*n Beweis für die Autorität des Deutschen Reichstags r Die vom Reichstag im Vorjahre gestrichenen drei Komman­dantenstelle» in Karlsruhe, Düsseldorf und Königstein werden (wie ein offiziöses Telegramm meldet) in dem neuen Militäretat für 1914 wieder au,«fordert mit der Begründung, datzdiese Bosten aus mili. «irischen Gründen und zur Erfüllung der in den Militär»Konventionen übernommene« Verpflichtungen nötig und unerlätzlich feien". Am Tag des Wiedersehens nach mon­delanger Trennung. In Wallots Tempelbau am Berliner Königsplatz festlich-frohes Trei­ben. buntbewegles Leben, emsiges Hasten und Eilen. In den Wandelgängen plaudernde Gruppen, in den Hallen drängende Geschäftig­keit, im Sitzungssaal die Stimmung feierlicher Andacht. Draußen vorm Portal steht, mit Ernst und Würde seines Amtes waltend, der Cerbe­rus; wer. ohne in hitziger Wahlschlacht die Tri- bunen-Weihen erstritten zu haben, am Tag der Herbstpremiere zum Reichshaus eilt, um Zeuge der traulichen Szene frohen Wiedersehens und rüstigen Kampfmut-Erwachens zu sein, wird strenger Prüfung unterworfen, und ohne Tribü- »en-Legitimation ist jedem Sterblichen der Ein­tritt ins Tempelhaus deutscher Volkspolitik ver­wehrt. Immerhin: Herr Jungheim, der Ge­heimrat und Reichstags-Direktor, ist nicht eng­herzig gewesen; auf den Tribünen drängt sich Kopf an Kopf, Hof- und Diplomaten-Logen, sonst verwaist und^ einsam, herbergen erwar­tungsfrohe Neugier, und wo im Bankgestühl der Rampen irgend ein Eckchen sich verbirgt, hat's ein kundiger Thebaner schon zu stüher Mitlag­stunde mit Beschlag belegt. Nicht, als ob die Premiere im Parlament irgend eine Ueberra- schung hätte ahnen lassen; die Tage des Wieder­sehens nach der Ferienruhe sind die friedlich- idyllischen Sonnenblicke allgemeinen Wohlwol­lens, allgemeiner Freude u. allgemeiner Zufrie­denheit: Man freut sich, daß manwieder da ist"; frisch-gerötet von der langen Feierruhe in freier Luft und gesunder Natur, freut sich des Wohlergehens des Nächsten und ist glücklich dar­über, daß ber Sitzungssaal so blank und hell wie fast nie in kampfdurchtobten Tagen. Es liegt Friedens-Stimmung über dem Hause; man sitzt nicht (wie sonst) arbeitend, lauschend oder träumend in den Bänken, schärft nicht den Speer znm Tournier mit dem Gegner, sondern man genießt den Augenblick, plaudert mit dem Kollegen vom Sommer-Aufenthalt in Norder­ney oder in Tyrol und erzählt sich den letzten Börsenwitz.

Derweil schrillt die Glocke durchs Haus. Herr Kaempff eröffnet die Sitzung. Er sieht frisch und tatfroh aus, schwingt das Prästden- ten-Glöckchen mit Eleganz und Schneid und be­grüßt in kurzen, aber herzlichen Worten das zum Winterwerk versammelte Parlament. Als er beginnt, ist das Haus nur schwach besetzt; in den langen Bankreihen verschwinden die Wenigen, die rechtzeitig erschienen, wie winzige Punkte in der Weite des Saales und die leb­haft plaudernden, händeschüttelnden und grntz- austauschenden Gruppen vor der Präsidenten- Tribüne und in den Saalecken hören kaum, was Herr Kaempff von der Ernte des Todes im Parlament, vom Untergang des Marine-Lust­schiffs und vom Arbeitsplan des Hauses er­zählt. Nur auf der äußersten Linken sitzen einige M. d. R. auf ihren Plätzen und ordnen eifrig den Inhalt ihrer Aktentaschen. Allmäh­lich wird's dann lebhafter imHohen Hause". Aus der Stille der Fraktionszimmer ergießt sich die Gemeinde der Volkerwählten in den Sit- zrmgssaal, die Begrüßungs- und Händeschüttel- Szene wiederholt sich in dutzendfachen Variati­onen und mählig wandelt sich das Bild zum altgewohnten Milieu. Bevor die Präsidenten- glocke die Tribunen rief, saß man im Fraktions­rat zur Programm-Erörterung versammelt; was in der Sommerpause sich ereignet, ward rasch beplaudert und für die nächsten Tage der Arbeitsplan der Fraktionen festgelegt. Hin­ter den Türen der Beratungs-Zimmer scheint's weniger harmlos, weniger traulich-idyl­lisch gewesen zu sein als draußen im Sitzungs­saal, deffen funkelnde Licht-Kristalle mit dem grauen Rovembertag einen harten Kampf kämpfen. In den Wandelhallen erzählen später die Leute, die am Berliner Königsplatz das Gras wachsen hören, es sei bereits am Tag des Wiedersehens in den Fraktions-Beratungen zu lebhaften Auseinandersetzungen gekommen und der parlamentarische Weiterzeiger deute auf Sturm: Krupp. Zabern und einiges Andre soll die Gemüter erhitzt haben! Nun, warten toirS ab: Man soll den Tag nicht vor dem Abend lästern!

Wenn wirklich Sturm droht, hat er ge­stern nur im lieblichsten Säuseln sich avisiert. Das Programm der November-Premiere nann­te (bescheiden, wie immer anStimmungs-Ta­gen") nur ein paar Petitionen und verzeichneie als Eingänge die beiden Interpellationen über das Zabern-Intermezzo und die Einführung der Arbeitslosen-Versorgung. Petitionen: Es geht schon ein Gähnen durchs Haus, wenn vom Präsidententisch das Wort in den Saal klingt. Am Tag des Wiedersehens handelte es sich um eine Eingabe des Mittel st ands- Bundes für Hessen-Nassau um Maß­nahmen gegen die wirtschaftliche Gefahr der Warenhäuser und Konsumvereine und eine (da­mit in Zusammenhang stehende) Petition, die ein Verbot an L e h r e r und Beamte erstrebt, einem Konsumverein anzugehören. Die De­batte über die beiden Eingaben gestaltete sich so ruhig, wie es der Stimmung des Wiedersehens entsprach; man kämpfte zwar, aber es geschah doch mit sichtlicher Mäßigung auf allen Sei­ten, und man atmete rechts und links erleichtert auf, als die Petitionen in den Hafen gerettet waren:Ueberweisung an die Regierung als Material"; mit andern Worten:Begräb­nis erster Klasse"! Zum Schluß kam noch eine Eingabe des Schutzverbands gegen die Bäckerei-Verordnung zur Erörte­rung, in der eine mildere Handhabung der be­stehenden. die Bäcker schwer belastenden Vor­schriften gefordert wird. Der Volksparteiler Neumann-Hofer ging mit dem jetzt herrschenden System der Bäckereiverordnungs-Handhabung, das der Polizei-Chikane Tür und Tor öffne, scharf ins Gericht und verlangte die Schaffung bestimmter Grundsätze für die Ausführung der Verordnung. Nach kurzer Debatte:Ueberwei­sung der Petition an die Regierung zur Er­wägung"; mit andern Worten:Begräbnis allererster Klasse!" Unterdessen war der Zeiger der Uhr im Sitzungssaal auf halb Sieben vorgerückt und in den Mienen der Mehrheit sah man bereits Zeichen der Abspannung. Vier Stunden Beratungs-Arbeit am Freudentag des Wiedersehens: Etwas viel; aber Herr Kaempff ist ein strenger Hausvater! Heute wird man sich über Interpellationen, Spionage-Gesetz und Zeugen-Gebühren unterhalten.

Ifc

Zabern im Reichstag.

(Von unserm parlamentarischen Mitarbeiter.) Berlin, 26. November.

Im Reichstag steht am heutigen Mittwoch eine Interpellation der Fortschrittlichen Volks- Partei über die Vorgänge in Zabern auf der Tagesordnung, deren Wortlaut wir bereits mitgeteilt haben. Man nimmt nicht an, daß der Reichskanzler sie schon heute beaniworten wird Die elsaß-lothringische Gruppe des Reichstages wandelte deshalb ihre ursprüngliche Interpellation über die Vorgänge in Zabern in eine kurze An­frage an die Regierung um. um dadurch zu bewirken, daß bereits bis zum kommenden Freitag dem Reichstag eine offizielle Darstellung des Sachverhalts von der Re­gierung gegeben wird. Diese kurze Anfrage lautet wie folgt:

Ist dem Reichskanzler bekannt, daß im Infanterie-Regiment Nr. 99 in Zabern ein Offizier sich gegenüber elfatz-lothrin­gischen Soldaten höchst beleidigende, die Gefühle der gesamten Bevölkerung auf das schwerste verletzende Ausdrücke zuschulden kommen ließ, ohne daß die Mili- tärbehörde für eine genügende Sühne sorgte, und was gedenkt der Reichskanzler zu tun. um die elsaß-lothringischen Soldaten vor sol­chen Insulten und die gesamte Bevölkerung Elsatz-LothringenS vor derartigen beleidi­genden Herausforderungen zu schützen?

Me uns aus Straßburg berichtet wird, hat anläßlich der Zabern-Affäre die Landtags­fraktion des elsässisch-lothringischen Zen­trums folgende Resolution beschlossen: Die Landtagsfraktion des elsässisch-lothrin­gischen Zentrums hat in ihrer Dienstag- Sitzung zu dem Fall von Zabern Stellung ge­nommen. Sie hat gegen die Beleidigung des elsässisch-lothringischen Volkes und gegen die Behandlung des Falles settens der zuständigen Behörden aufs schärfste protestiert. Sie wird dafür Sorge tragen, daß der traurige Fall im Landtag die gebührende Beleuchtung findet.

Seim Haren der Bulgaren.

Ich werde Bulgarien nicht im Stich lassen!"

Wien, 26. November. (Privat-Tele- gramm.) Der hiesige Vertreter des New- york Herald wurde gestern vom König Fer­dinand von Bulgarien empfangen. Der König äußerte sich, daß die Gerüchte über seine angeblich bevorstehende Demission bei ihm die größte Verwunderung hervorge­rufen hätten. Grade im gegenwärtigen Augen­

blick (erklärte der König), wo das bulgarische Volk meine Erfahrungen und meine Kenntnis so notwendig braucht, werde ich es n i ch t i m Stiche lassen. Meine einzige Sorge ist, fuhr der König fort, die Freiheit meines Landes zu erhalten und «8 stetem Fort­schritt entgegenzuführen.

November-Stimmungen.

Bethmann und Berchtold über die Lage.

Wie unser Berliner politischer Mitar­beiter berichtet, hat am gestrigen Dienstag eine Sitzung des Bundesrats-Aus­schusses für auswärtige Angelegenheiten stattgefunden, in der der Reichskanzler von Bethmann Hollweg sich über die aus­wärtige Lage aussprach und die gegenwär­tige internationale Lage als sehr erfreulich bezeichnete, da alle Schwierigkeiten als beseitigt gelten dürften. Nach dem Tele­gramm unseres Mitarbeiters hat sich der Kanz­ler folgendermaßen ausgesprochen:

Herr von Bethmann Hollweg berichtete zunächst über seine Unterredung mit dem rus­sischen Ministerpräsidenten Kokowzew und hob besonders hervor, daß die politischen Be­ziehungen zwischen Deutschland und Rußland im gegenwärtigen Augenblick besonders freundschaftliche und vertrauensvolle seien. Im Anschluß daran äußerte sich der Kanzler über die im Zuge befindlichen Verhandlun­gen in der kleinasiatischen Eiscnbahnfrage, die einen günstigen Verlauf nähmen. Beson­ders unterstrich hierbei der Reichskanzler die außerordentlich günstige Gestaltung unserer Beziehungen zu England, die einen herzlichen Charakter ange­nommen hätten. Nachdem Herr von Bcth- mann dann noch seiner lebhaften Befriedi­gung über das Exposee des Grafen Berchtold Ausdruck gegeben hatte, ergänzte Staatssekre­tär von Jagow die Ausführungen des Reichs­kanzlers durch bestimmte Einzelheiten. Ter den Vorsitz führende bayrische Ministerpräsi­dent von H e r t l i n g gab zum Schluß dem vollen Vertrauen der Bundesregierun­gen zur Politik des Reichskanzlers Ausdruck. Ein Zufall hat's gefügt, daß am gleichen Tage, an dem in Berlin der Bundesrats-Aus- schuß für auswärtige Angelegenheiten tagte, in Wien der Auswärtige Ausschuß der österrei­chischen Delegationen sich über die Balkan- Politik und den Dreibund unterhielt. Der Minister des Aeußern, Graf Berchtold, gab bei dieser Gelegenheit interessante Auf- scblüsse über die Vorgänge hinter den Ku­lissen der Balkaniade. Es war eine Art Recht­fertigung der österreichischen Politik. Ein Pri- vattelegramm aus Wien berichtet uns darüber:

Im Auswärtigen Ausschuß der österreichischen Delegation entwickelte sich gestern eine lebhafte Debatte über die Bal- kanvolitik und den Dreibund. Mini­sterpräsident Graf Stürgkh betonte nach­drücklichst, daß angesichts des Bündnisver- hältniffes und der zunehmenden Intimität der österreichisch - italienischen Beziehungen jede feindliche Tendenz gegen italie­nische Staatsangehörige ausgeschlossen sei. Graf Berchtold. der Minister des Aeuße- ren. erklärte, auf zwei vom Abgeordneten Kramarsch gestellte Frage» sofort antwotten zu wollen. Kramarsch habe gefragt, wie es sich mit der Reise des bulgarischen Minister­präsidenten D a n e w nach Petersburg ver­halte und ob nicht der österreichische Gesandte in Sofia auf sie Einfluß genommen habe. Er könne dies kategorisch vernei­nen. Dr. Kramarsch habe ferner gesagt, die Regierung hätte die Angelegenheit des Kon­suls Prochaska zum Anlaß genommen, um durch die Presse zugunsten der geplanten Mobiliflerungsmaßnahmen Stimmung ma­chen zu lassen. Demgegenüber müsse er be­tonen, daß die Regierung zu den verschie­denen Ausstteungen in keiner Beziehung stehe.

Im weiteren Verlaufe der Beratung des Ausschusses wurde darauf hingewieien, daß der Dreibund fest und unerschütterlich stehe und in Oesterreich-Ungarn eine starke Stütze habe. Die Dreibund «Zusammengehörigkeit habe auch das Verhalten Oesterrttchs zu Ita­lien berart verbessert, daß jede Spannung behoben und herz-licbe Freundschaft an Stelle des früheren Mißtrauens getreten sei. Der deutschen Politik werde von den Regierungsverttetern und den Abgeordneten der deittschen Parteien Anerkennung gezollt.

*

Bulgarische Minister unter Anklage.

(Privat-Telegram m.)

Sofia, 26. November.

Premierminister Radoslawow gab ge­stern einem Interviewer folgende Erklärung über die gegenwärtige Lage: Die Gerüchte

über Abdankungsabsichten des « nigs sind insgesamt planmäßige verwerfliche Wahlmanöver unserer russophilen poli­tischen Gegner. Die künftige Kanimer wird sie und besonders alle gewesenen Minister, die das nationale Unglück des Landes verschulde­ten, in den A n k l a g e z u st a n d versetzen.

Km hessischer Sichter. Ein fast Vergessener: Friedrich Hornseck, eine Erinnerung znm 26. November, von

Heinrich Velsbach-Cassel.

Hassia non cantat" (Hessen singt nicht) heißt ein lateinisches Sprichwort ans der Zeit des Humanismus, und, sieht man von einigen we­nigen Männern ab, so ist Hessen auch wirklich nicht allznreich an den Jüngern Apolls, die sich einen Namen im deutschen Dickterwald gemacht haben. Am sechsundzwanzigsten November 1882, vor einunddreißig Jahren, schloß ein hes­sischer Dichtersmann seine Äugen zum ewigen Schlummer, von dem einige Lieder unter der trink- und sangesfrohen akademischen Jugend noch heute erklingen, und der mit seinem ,.Schenkenbuch" getrost neben Viktor von Scheffel genannt werden darf: Friedrich Hornseck. Wo die Wellen der Kinzig zwi­schen Vogelsberg und Spessart zum Maine hin- abfpringen, im lieblichen Salmünster, stand sei­ne Wiege, erblickte Friedrick als Sohn des dor­tigen Stiftsverwalters im Jahre 1822 das Licht der Welt. Bis 1838 verbrachte er hier seine Jugend, dann, als sein Vater nach Fulda zog, besuchte er dort das altberühmte Gymnasium der Bonisaziusstadt. An dieser Anstalt wirk­ten Männer, deren Namen noch heute in Deutschland guten Klang haben: Nikolaus Bach, der erste Direktor der reorganisierten Anstalt, der früh Verstorbene, dann D r o u k e, ferner der spätere Direktor von Schnl-Pforta, Franke, und Franz D i n g e l st ä dt. Die­ser letztere, strafweise von Cassel nach Fulda versetzt, suchte durch allerlei tolle Streiche sich Sie Langeweile zu vertreiben, namentlich be« tutzte er seinen Kollegen, den Mathematikpro­fessor Hattmann, einen im Gegensatz zu ihm recht kurz geratenen Herrn, zu allerlei Allotria. Ob nun Dingelstädts Muse hier auch

auf Hornseck eingewirkt,

läßt sich nicht leicht sagen, sicher ist dagegen, daß Hornseck mit einigen Kameraden eine Art lite­rarisches Kränzchen hielt, zusammen mit dem späteren Priester-Pfarrer zu Neuhof, I o Han­ne s A b e l, und dem heute noch lebenden Dich­ter, Publizisten und Politiker Adam Tra­bert. der auch noch öfter Freud und Leid mit ihm teilte. Nach dem Abiturinm zog er nach Marburg, um dort in die Geheimnisse des corpus juris der Pandekten und der Übrigen Juristerei sich zu vertiefen, 1845 besuchte er die Universität Berlin und 1846 München. Dann kehrte er nach Fulda zurück, um seine Doktorar- beit abzuschließen. Aber die Märzstürme durch« brausten Deutschland, und aus Marburg wehte eines Tages ein fröhlicher Wind den Dichter- freund Trabert wieder nach Fulda. Im Demokratischen Verein" trafen sich die Freunde wieder, und am dreizehnten Juni 1849 flatterte ihr kleines Blättchen W a ch t n u f zum ersten Male in die Welt. Sie war aber nicht mehr die, in deren Frühlingswehen die Paulskirche erstand. Noch ehe die zweite Nummer erschien, war in Stuttgart das Rumpfparlament ge­sprengt, und nach weiteren fünf Wochen fiel auch Der letzte Hort der deutschen Volkshoffnungen: Rastatt. Aber die Freunde ließen sich nicht be­irren und

die Kämpfe von 1850

wurden mit heiterem Mute durchgekämpft, bis im November 1850 die einrückende Bnndesexe- kittion demWacht auf" das Ende brachten. Prozesse tarnen, dann die Verfassung, das kriegsgerichtliche Urteil und die Hast zu Span­genberg. Hier, in Zelle VI, im Dachgeschosse des Nordflügels der Feste, entstanden die ersten Lieder desSchenkenhuches", zum Beispiel Wärst Mädchen eine Perle du", und noch an­dere. angeregt durch den Rüdesheimer, mit dem ein Freund die Gefangenen (Trabert und Horn­seck) erfreute. Wer sich ein Bild von den Fe- sttmgstagen machen will, wie sie auf dem alten Nest im Psiefsetale verbracht wurden, der greife zu TrabertsLebenserinnerungen", in Seiten der hessische Dichternestor feinem Freunde auch ein literarisches Denkmal gestiftet. Dann war die Zeit der Haft zu Ende, und in Heidel­berg beendete Hornseck seine Toktorarbeit, dort, am grünen Neckar, den die Weinhänge zie­ren, entstanden auch weitere Gesänge, und dann übersiedelte Hornseck nach Frankfurt a. M., um sich in der alten Kaiserstadt dauernd niederzu­lassen. Dort, wo der Nheingau mit seinem Wein, feiner Lust und seiner lachenden Land­schaft vor den Toren liegt, vollendete er sein Schenkenbuch, und das in allen Kommersbü­chern sich findendeTrinke nie ein Glas zu wenig" wird auch hier entstanden fein. Literarische Studien füllten die in Frankfurt verbrachte Zett ans, seine materielle Lage er­laubte ihm,

als Privatgelehrter zu leben.

Später gab Hornseck denReichs-Adler', eine Wochenschrift, heraus und arbeitete am