Casseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Nummer 298.
Fernsprecher 951 und 952.
Dienstag, 25. November 1913.
Fernsprecher 951 und 952,
3. Jahrgang.
6ines Traumes Sek.
Ferdinand von Bulgarien vor der Abdankung; das Ende des Kaisertraumes.
Depeschen anS Sofia berichten uns: Die „Epora" vcrSffentlicht eine Proklamation die geheim gehalten war, die der König den Truppen an» Vorabend der Attacke gegen die Serben nnd Griechen Vorleser» ließ und in der er den Krieg an beide Staaten erklärt. Die „Epoea" sagt auch, dap der König nicht mehr nach ‘Bulgarien znriickeehren, sondern der Regierung Mitteilen werde, haft er zu Gunsten des Kronprinzen auf den T hron verzichte.
Vor Wochen schon, als noch niemand an die Möglichkeit dachte, daß Ferdinand von C o- burfl vom Zarenthrone niedersteigen werde, veröffentlichte ein süddeutsches Blatt G e - Heim-Dok.umente über die bulgarische Seeresführung am Vorabend des zweiten Balkankriegs, und diese Dokumente, die der General Sawow als „Gehilfe des Höchstkom- mandierendeu" unterzeichnet hatte, erbrachten den schlüssigen Beweis, daß der zweite Krieg am Balkan von dem bulgarischen Höch st - kommandierenden auf eigne Rechnung und Gefahr begonnen worden ist. Der Höchstkommandierende des Bulgarenheers aber war . . König Ferdinand! Wer die Dokumente der bulgarischen Kriegsgeschichte las, konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, daß hier ein Spiel mit dem Verhängnis getrieben, daß ein blutiger Krieg provoziert und dem Ehrgeiz eines Einzelnen Zehntausende von Menschenleben geopfert worden! Das Schicksal hat den Frevel grausam gerächt: Statt des erhofften Triumphs ward Bulgarien eine schwere Demütigung zuteil und statt der Krone des Kaisers Symeon, die Ferdinand von Coburg-Co- bary schon über seinem Haupte glitzern sah, warb der Bulgarenzar die Anarchie im eignen Land und den Kampf völkischer Leidenschaft gegen die Dynastie Koburg. Noch ehe am Balkan die Kanonen schwiegen, kochte in Bulgarien der Volkszorn wider den Zaren auf, und allen offiziösen Dementis zumtrotz bleibt die Tatsache bestehen, daß Ferdinand von Koburg sich im eignen Land als Feind gehaßt sieht, daß er sich bedroht und gefährdet fühlt und fern dem Königsthron, im Schutz des Auslands, Sicherheit für seiner Majestät Leben sucht: Nemesis!
Bulgarien ist gedemütigt, zur Ohnmacht verdammt und des Siegserfolgs im ersten Balkan- krieg beraubt. Das Heldentum der Sieger von Lüle Burgas und Kirk-Kilisse ging unter in den Klagen über die Besiegten des zweiten Krieges und der Waffenruhm des Bulgarenheers erlosch in der Nacht der nationalen Katastrophe. Man erkennt heut in Bulgarien mit hellem Auge die Schwere der Niederlage, die Scham der Demütigung und die WuchO der Heimsuchung, die die Kriegspolitik des Kobur- gers heraufbeschworen: Man erkennt das Unheil und erkennt fernen Urheber, und der ganze Haß eines siegbegeisterten, von der Höhe des Triumphs in den Abgrund des Verderbens gestürzten Volks richtet sich gegen den Mann im Königspurpur, der Bulgariens Krieger zum Sieg und Bulgariens Helden zur Niederlage geführt. ES geht ein Zittern der Leidenschaft durch den Volkskörper des bulgarischen Zarenreichs; in aller Oeffentlichkeit regt sich die Opposition gegen den König und die Dynastie, und das politische Leben wird aufgepeitscht durch den Sturm der Empörung, der wie ein Vorhauch der Revolution durchs Land fegt. Daß es so kommen werde, war nach dem Zusammenbruch der Bulgaren-Macht im Kampf mit Griechen, Serben und Montenegrinern zu erwarten; daß es so kommen mußte, wenn das va dangue-Spiel am Balkan mißlang, hätte Ferdinand von Coburg, der zeitlebens ein raffinierter Künstler der Kalkulation gewesen, sich selbst sagen können, als er das Schicksal heraus- fordette. Es galt, Alles auf eine Karte zu setzen; Alles um den lockenden Triumph der Kaisertraum-Verwirklichung! Der Traum zerrann in Nichts, und was geblieben, ist herbe Enttäuschung.
Seit Wochen weilt der Bulgaren-Zar fern der Heimat im Ausland; er hat Coburg besucht und am Ahnengrab zum Todestag Kränze niederlegen laffen, ist in Wien gewesen und gedenkt nun die Advent-Wochen im Schwefelbad Baden bei Wien zu verleben, um vom Rheuma Heilung zu suchen. Daß Ferdinand von Koburg nicht als Zar der Bulgaren nach Sofia zurück- kehren wird, darf als sicher gelten; ebenso sicher wie die andre Tatsache, daß der vom Schicksal schwer heimgesuchte oberste Kriegsherr des Bulgaren-Heers die Zügel der Regierung n i e- derlegen und zugunsten des Erstgebornen dem Thron entsagen wird. Es ist hartes Notwendigkeil-Gebot, das den Gekrönten zu diesem Schritte drängt: Der Bulgaren-Zar, der die wette Wegstrecke vom Gargon-LoaiS des
Wiener Husaren-Leutnants zum Palais des Bulgaren-Königs von Gottes Gnaden in überraschend kurzer Zeit zurückgelegt, war in allen Lagen und Fährnissen seines vielbewegten Lebens ein kluger Psychologe, der aufmerksam- spähende Sohn einer weltgewandten, in allen Künsten der Kulissenpolitik erfahrnen Mutter, und wenn er nun, da die Wellen über ihm und seinem Königshaus zusammenzuschlagen drohen, den einz'gen Ausweg wählt und seiner Majestät Person dem Sichtbereich des Bulga- ren-Grolls entrückt, so offenbart selbst dieser Selbstverleugnnngs-Akt noch den Meister bei Taktik: Er entsagt, um der Dynastie Thron und Krone zu erhalten, und er steigt von der Machtzinne nieder, um dem Haus Coburg die Herrschaft im Bulgaren-Land zu sichern. Kein König in tragischer Heldenpose, sondern ein klug-berechnender Mann, der selbst in des Unheils Häufung des Erfahrungsatzes nicht vergaß, daß bescheidne Rettung immer noch nützlicher als heroischer Untergang ...! F. H.
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Die Krise in Bulgarien.
(Privat-Telegramm.)
Paris, 24. November.
Das Echo de Paris schreibt über die bulgarische Krise: Man glaubt, daß die Abdankung König Ferdinands nahebevorsteht, trotzdem gestern die bulgarische Gesandtschaft in Paris den Blättern ein Communigue zukommen ließ, in dem sie sagt, alle derartigen Gerüchte seien unwahr. Der König der Bulgaren erfreue sich allgemeiner Beliebtheit und niemand denke daran, die Verantwortung im Staate zu übernehmen, für dte Wunden, die der Krieg dem Lande geschlagen habe. Das genannte Blatt fügt hinzu, das; diese Erklärung zwar die Unpopularität des Königs und seine Abdankung bestreite, daß sie aber von den Enthüllungen des Generals Sawow nichts enthalte. Die Verantwortung des zweiten Valkankrieges werde dem König Ferdinand zugefchriebcn. Das Blatt schließt mit den Worten: Heber diesen Punkt erwartet man noch Dokumente, deren Veröffentlichung General Sawow angekündigt hat und dann die Antwort des Königs.
Griechen-lleberfakl auf Bulgarien.
Sofia, 24. November. (Privat . Telegramm.) Nach einer hier eingelaufenen amtlichen Meldung hat eine griechische Militärabteilung unter dem Vorwande, nach Waffen suchen zu wollen, das bulgarische Dors Hadschi Beylik im Bezirk Demir Hiffar überfallen, mehrere Ortsbewohner nach schweren Mißhandlungen getötet und das ganze Dorf schließlich z e r st ö r t. Der größere Teil der Bevölkerung hat sich nach Petritz geflüchtet.
9ns Neueste nur zabern.
Eine bestimmte Spur in der Affäre?
(Privat-Telegramm.)
Zabern, 24. November.
Die neun elsässischen Rekruten, die unter dem Verdacht in Haft genommen'waren, die Aeußerungen des Leutnants von Forstner an die Oeffentlichkeit gebracht zu haben, sind wieder auffreien Fuß gesetzt worden. Nur der gleichfalls festgenommene Feldwebel wurde wegen Kollisionsgefahr in Haft behalten, da bestimmte Verdachtsmomente erst geklärt werden müssen.
Man vermutet nämlich, daß der Feldwebel mit derjenigen Stelle in Verbindung steht, die von der Militärbehörde jetzt als der Verbreiter der aufgebauschten Versionen über die Aeußerungen des Leutnants von Forstner angesehen wird. Es handelt sich um eine Persönlichkeit, die bis vor kurzem in sehr engen Beziehungen zum Offizierkorps des Regiments 99 stand. Seit einiger Zeit hat diese Person dem Regimentskommandeur Oberst von Reutter grimmige Rache geschworen und sucht auf jede Art und Weise den Obersten unmöglich zu machen. Der verhaftete Feldwebel stammt aus Pfalzburg, wo der als Verbreiter der gehässigen Nachrichten in Frage kommende Herr gleichfalls bis z« seiner Verabschiedung in Garnison stand. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft fand gestern in de^ Redaktion des Zaberner Anzeigers eine Haussuchung statt, um aus den Manuskripten eventuell die Person, die die in Frage kommenden Informationen geliefert hat, feststellen zu -können. Die Haussuchung verlief jedoch resultatlos. Man erwartet, daß die Staatsanwaltschaft morgen auch in den Redaktionen der betreffenden Straßburger Zeitungen Haussuchungen vornehmen lassen wird.
Oberst von Reutter bleibt!
Wie dem offiziösen Wolfffchen Bureau zufolge auS bester Quelle verlautet, ist das vom Oberst von Reutter vom zweite« »ber-
rheiuischen Jnfanterie-Regimem Nr. 99 in Zabern eingereichte Abschiedsgesuch vom Kaiser nicht genehmigt worden. Oberst von Reutter wird also auf seinem Posten in Zabern verbleiben.
9ie Schlacht bei Funrrz.
Der Entscheidungskampf in Mexiko.
Bevor noch über die Frage: „Krieg oder Friede zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko?" entschieden ist, scheint sich in Mexiko s e l b st die Entscheidung in dem Kampf zwischen der Regierung und den Rebellen vorzubereiten. Bei der Stadt Juarez, die vor einigen Tagen von den Rebellen nach schwerem Kampf erobert und fast gänzlich zerstört wurde, ist es zur Hauptschlacht im mexikanischen Revolutionskampf gekommen und der Ausgang dieser Schlacht wird auch entscheidend sein für die endgültige Gestaltung des Konflikts zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko. Wir erhalten folgenden Drahtbericht:
Am Wendepunkt der Revolution?
(Privat-Telegramm.)
Mexiko, 24. November.
gestern nachmittag um drei Uhr ist i-n Süden von Juarez eine äußerst heftige Schlacht im Gange. Es scheint dies die größte Schlacht zu fein, die feit Ausbruch des Aufstandes in Mexiko geschlagen wurde. General Villa verließ mit siebentausend Mann und vier Automobil-Mitrailleusen die Stadt Juarez, um sich nach dem Süden des Landes zu begeben. In Juarez wurden nur Truppen in Stärke von fünfzehnhundett Mann zurückgelassen. General Villa stieß bald auf eine Avantgarde der Föderalisten, die dreitausend Mann stark war. Ein weiteres Korps der föderalistischen Armee eilte in kurzer Zeit zur Hilfeleistung herbei, und es enttpiüelte sich ein furchtbarer Kampf. Die föderalistische Armee, die jetzt im Gefecht steht, wird auf siebentausend Mann geschäht. Ferner sollen zur Verstärkung noch zweitau- sendfünshundett Soldaten eingetroffen sein. Die Föderalisten verfügen außerdem über vierzig Kanonen. InJuarez hört man Kanonendonner. Einzelheiten fehlen noch.
Ein weiteres Privat-Telegramm aus Mexiko berichtet uns: Aus Vorstellung der Vertreter der amerikanischen Petroleum- sirma Pearson hat Präsident' Huerta zugestanden, daß die Petroleumfelder von Tur- pam durch eine größere Kolonne Soldaten bewacht werden sollen. Der Kriegsminister äußerte sich, daß es keineswegs den Tatsachen entspreche, daß die Rebellen die Stadt Viktoria eingenommen hätten Diese Stadt werde noch immer von den Föderalisten gebalten. Die Rebellen hätten bei Morelos eine Niederlage erlitten. In dieser Schlacht hätten sie über hundett Tote zu verzeichnen gehabt.
Greuettaten der Rebellen.
Newyork, 24. November. (Privattelegramm.) Aus Veraeruz kommende Nachrichten deutscher Kaufleute melden von furchtbaren Greueltaten der Aufstän- dffchen unter Carranza, dessen schwarze und braune Horden sich aus einem gefährlichen Mordbrennergesindel zusammensetzen. Mehrere in die Luft gesprengte Eisenbahnzüge, wobei sehr viele Soldaten den Tod fanden, bezeugen die Roheit der Rebellen. Sie machen auf ihren Raubzügen alles dem Erdboden gleich. Wir leben (so erklärt der Brief- schreiber) alle wie auf einem Vulkan, der täglich zum Ausbruch kommen kann. Wie der Jn- surgentengeneral Villa mitteilt, sind zwei Militärzüge mit 1500 Mann Bundestruppen auf her Strecke von Chihuahua nach Juarez a u s Dynamitminen gefahren und in die Lust geflogen. Mehrere hundett Soldaten sind dabei umgekommen.
Menbahn-UNgM Ni Berlin.
Sechs Arbeiter tot, einer schwer verletzt!
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 24. November.
Heute vormittag um zehn Uhr fuhr ein Probezug auf der Strecke Berlin-Breslau zwischen den Stationen Karlshorst und Sadowa in eine mit Ausbesserung der Geleise beschäftigte Arbeiterkolonne. Sechs Arbeiter wurden getötet, einer schwer verletzt. Die Arbeiter konnten den Zug nicht sehen, weil im gleichen Augenblick auf dem Nebengleis ein Vorortzug fuhr, dessen Maschine außergewöhnlich viel Rauch entwickelte, der bei dem feuchten, regnerischen Wetter sich sofott nach unten senkte und die Aussicht versperrte. ES ist ermtt .lt worden, daß die Arbeiter-Kolonne
durch das übliche Hornsignal gewarnt worden ist. Das Signal ist aber von dem Geräusch des vorbeifahrenden Boiottzuges übertönt worden.
Iie Hessen in Spanien. Hessische Truppen unter fremden Fahnenr Die Kämpfe der Westphalen in Spanien, von
Justus Berner-Cassel.
Tie Tage der Fremdherrschaft vor hundert Jahren, deren Ende mir unlängst begangen, die Erinnerung an die Kämpfe zur Niederwerfung des Korsen, sie bringen auch wieder jene Tage ins Gedächtnis, da die Söhne unscres Hessenlandes hinausgeführt wurden, um im fernen Spanien Na- poleons Zwtngherrschaft zu stutzen, aufzurichten, Dte Lebensgeschichte des hessischen Generals von £><6 s ist eine reiche Quells jener Tage, und nach den Angaben dieses Offiziers lassen sich die Kämpfe in Katalonien verfolgen, die sich in erster Linie um die spanische Festung G e r o n a konzentrierten
Napoleons Herrschaft in Spanien ward vorn ersten Tage der Abwesenheit auf der iberischen Halbinsel bestritten, und niemals ist die Herrschaft seines königlichen Bruders Josef dort gefestigt gewesen; außer den Spaniern selbst, die einen sehr geschickten Kleinkrieg führten, fochten dort namentlich die Engländer unter Wellington und Schulter an Schulter mit ihnen die Deutsch-englische Legion. Daß mit dieser unsere Landsleute nicht die Waffen zu kreuzen brauchten und so Deutsche gegen Deutsche fochten, ist wenigstens eine glückliche Fügung des Schicksals. Da ward im Frühjahr 1809 die zweite Westfälische Division (die Hessen) nach Spanien kommandiert, und durch die blühenden Gefilde Südstankreichs marschierte die Truppe nach Perpignan; dort bekam der 7000 Manu starke Heeresteil den Befehl, an der Belagerung von Gerona teilzunehmen. Diese, die natürliche Sperre des Weges von Frankreich nach Barcelona, war schon vergeblich von dem in Katalonien kämpfenden General Gonvion-St. Cyr angegriffen worden, der sich überhaupt nur mit schwerer Mühe dort halten konnte. Am vierten Mai begann der Vormarsch von Perpignan aus, aber die nur neun Meilen betragende Strecke mußte schon mit der größten Vorsicht zurückgelegt werden, da die Spanier jede kleinere Abteilung überfielen und aufrieben. Am sechsten Mai trafen die Spitzen der westfälischen Truppen in der Nähe von Gerona ein, ihnen warfen sich sogleich die Spanier aus der Festung entgegen, und
ein wütendes Gefecht
entspann sich, aber, trotzdem die Truppen zum großen Teile aus neuausgehobenen Rekruten bestanden, schlugen sich die Westfalen glänzend, was dem gewiß sonst genügend hochmütigen General Reille der die Einschließungsarmee befehligte, doch ein Lob entlockte. Um die Belagerungslinie schließen zu können, mußte das Dorf Soria erst noch den Spaniern entrißen werden, und diese Aufgabe fiel dem General Ochs und dem leichten Jnfantcriebatail- lon zu, das unter stetem Ringen Schritt vor Schritt sich erobern mußte. Der Hauptzweck des Unternehmens war aber auch noch damit erreicht, daß von Ochs alle Aufmerksamkeit des Feindes auf sich und die Seinen zog, wodurch die übrigen Teile des Einschließungskorps, bergische und würzburgische Regimenter, völlig unangefochten in ihre Stellungen tarnen. So lagen denn 16 000 Mann, meist Deutsche, mit 56 schweren Stücken vor der feindlichen Festung, und zunächst mußten Streifzüge in die Umgegend diese säubern und die Verpflegung sicher- ftellen. Die Stadt Gerona liegt ähnlich wie unser Marburg a. Lahn, und acht starke Forts umgaben sie, die Besatzung, geführt von dem berühmten Alv arez, war zum äußersten entschlossen, ja. sogar die Frauen waren militärisch geordnet für den Transport von Lebensrnitteln und Munition wie für den Sanitätsdienst. So begann die schwere Arbeit der Belagerung, nachdem Rlvarez erklätt hatte,
keine Kapitulation anzunehmsn, und am dreizehnten Juni fand das erste Bombardement statt. Der felsige Boden erschwerte außerordentlich die Anlage von Approchen und Batterien, die Gluthitze des spanischen Sommers und die sich bald einstellenden Krankheiten machten aber das Leben vor der Festung geradezu zur Hölle. Und d o ch tat jeder Mann seine Pflicht. Dazu gelang es oft den überall streifenden Guerillas, die Lebensmittelzufuhr ganz oder teilweise zu unterbinden. Zwar fielen am neunzehnten und einundzwanzigsten Juni zwei kleinere Forts, aber der Montjouy das Hauptfott, trotzte doch hartnäckig, und sein tiefer, in den Felsen gesprengter Graben, feine festen Wälle, machten weitere Fortschritte sehr schwierig. Endlich war es unter unsäglichen Mühen gelungen, eine Breschbatterie zu errichten. und da ein französischer Genieoffizier (Oberstleutnant Fleury) berichtete, daß eine benutzbare Bresche gelegt sei, sollte in der Nacht zum achten Juli der Sturm erfolgen. TagS zuvor hatte eine Streifschar von außen die Be- lagerungsttuppen angegriffen, wodurch ein Teil der Angreifer schon zurückgehalten war. Zudem war aber auch die Angabe über die Gangbarkeit der Bresche ungenau, und als die „Westfalen" zum Sturme schritten, erlitten sie bei dem tollkühnen Versuche, die sechzehn Fuß