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Casseler Neueste Nachrichten

Caffeler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

3. Jahrgang.

Nummer 294

Mittwoch, IS. November 1913

Fernsprecher 951 und 952.

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nicht bestimmt ermittelt, doch ist der Unfall wahrscheinlich auf falsche Weicheustel- lung zurückzuführen.

Aufmerksamkeit der Polizei auf sich lenkte, völ- lia mißbraucht. Er arbeitete in letzter Zeit für jede Macht, die ihn zu bezahlen versprach und hat sich dadurch jedes Vertrauens unwürdig gezeigt.

ihm naturnotwendig verbundnen Lockerung des staatlichen Autorität-Prinzips zu schauen: Er­scheinungen, die im Frankreich von heute ja nicht grade selten sind, und die den Franzosen in Momenten ernster Selbstkritik an der Zuver­lässigkeit des republikanischen Systems zw ei­se l n lassen. Unter den Wirkungen, die j e d e r politisch-öffentliche Skandal auf die gallische Volkspsyche ausübt, ist dies leise Vibrieren der Zweifelstimmung sicherlich die interessanteste und merkenswerteste, denn sie offenbart dem schärfer Schauenden, daß die Republik in Frankreich immer noch nicht unbedingtes Ver­trauen genießt, und daß der Franzose imgrunde seiner Seele trotz seines Drangs nach der Frei­heit und Gleichheit der Individuen kein ein- geschworner Anhänger des republikanischen Prinzips ist. Man beneidet uns an der Seine um dieStraffheit und Exaktheit des Regie- rungs- und Verwaltungsbetriebs" und fleht darin die Früchte des monarchischen Herrschafts­prinzips, das zwar der Autokratie, aber auch der Autorität stärker» Rückhalt leiht als die politische Fluttuatton im Machtbereich der Re­publik. Daß optische Täuschung das Bild stark färbt, beeinflußt die Tatsache des Empfindens nur beiläufig, und es ist jedenfalls ein charak­teristisches Moment im Bild der jüngsten Pa­riser Sensationen, daß auch diese peinlichen Ereignisse wieder alt eine Saite der französi- schen Volkspsyche gerührt haben, die in Tagen der Heimsuchung immer wieder leise anklingt: Der Zweifel am Heil der Republik ...!

JnfertlonSprelse: Die fechSgefpaltene Zelle für einheimische Geschäft« 15 Pfg., für aus­wärtige Inserate 25 Pf, Reklamez-tle für einheimische Geschäfte 40 W. für auswärtig« Sefchäfte SO Pf. Einfache Beilagen für die Deiamtaustage werden m» 5 Mark pro Tausend b«. weinst Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Restden, und der Umgebung sind btt löffelet Neuesten Nachrichten ein vorzügliches JnserttonSorzan. GefchäftSstelle: Kölnisch« Straß« 5. Berliner Vertretung: SW., Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Moritzplah 12584.

Der Larguier-Gkandal.

Hauptmann Larguier und seine Helfer.

(Draht-Meldungen.)

3er Largmer-Skandal. Die Spionage - Sensation von Genf: Ein französischer Hauptmann als Urheber, von

Fritz Steinheim.

Wie Depesche« au« Genf (Schweiz) mel­den, wurde dort am Sonnabend nach einer auf Veranlassung des Bundesanwalts Kron­auer und des EeneralstaatSauwaltS Navazza geführte« Untersuchung betreffend di« inter­nationale Spionage-Agentur, der In­genieur im franzSstsche« Kriegsministerium und Hauptmann der Infanterie Larguier, verhaftet. Gleichzeitig erfolgte die Ver­haftung de» Genfer offiziellen vereidigten Ueberseher« Rosset«t, di« im Zusammen­hang mit der SPionage-AffSr« Larguier steht.

Paris hat eine neue Sensation und Frankreich beklagt einen Skandal, dessen Nachwirkungen gespensterhast gigantisch die Ge­müter in Furcht und Sorge peitschen. Die Metropole an der Seine schlummert abends nach sorgenschwerem Tag unterm Nachhall er­regender Enthüllungen ein, und erwacht früh­morgens bangenden Herzens zu neuem Skan­dal, neuer Heimsuchung und »euer Beschämung: Eine Häufung von Unheil, wie sie feit den un- vergessnen Tagen des Panama-Krachs die Stadt des Lichts am Seinestrand nicht mehr erduldet. Armee-, Polizei- und Ministerin!-, Orden- und Finanz-, Defrandations- und Spio­nage-Skandal: Zuviel für zarte Gemüter, und die Pariser Presse, die im löblichen Eifer Sher­lock Holmes'fcher Kunst alle Bande frommer Scheu vergaß, in erregungheitzen Tagen das sonst so hoch im SturS stehendenationale Emp­finden" rücksichtslos ausschaltete und das düstre Gemälde der Korruption so schrecklich wie mög­lich zeichnete, hat redlich das ihre getan, den durch die letzten Sensations-Surrogate schon etwa- abgestumpfien Gemütern den Bazillus ncrven-erschütternden Schreckens in verhängnis­voller Reinkultur einznimpfen. DaS ist nun er- reicht: Die Affäre Larguier rüttelt Frankreich aus süßem Traum zur Erkenntnis brutalster Wirklichkeit! Die Offenheit im Be­kenntnis der Sünde und die Rückstchtloflgkeit in der Aufdeckung von Freveln, deren Verant­wortung letzten Endes doch die Schultern der Höchstmögenden drückt, hat etwas Hel­denhaftes, offenbart ein starkes sittliches Emp­finden der allgemeinen und amtlichen Oesfent- lichkett, und darf als Beweis dafür gelten, daß die Korruption zwar besteht, aber doch nur als Unkraut vegetiett und im Boden der galli­schen Volkheit vergeblich Wurzel zu tteiben versucht.

Ein Vergleich mtt Dem, daS bei ähnlicher Gelegenheit hierznland zu schauen wär, gereicht unS kaum zur Zier, und eS erscheint deshalb auch nicht nützlich, von einer gallischen Degeneratton s ch l e ch t h i n zu sprechen, wie es einige teutonische Pharisäer im Wirbel der von der Seine herüberlärmenden Sensationen zu tun als nützlich erachteten. Die Ehrlichkeit muß sogar erkennen, daß wir von der Art, wie man jenseits der Vogesen sich anschickt, den Augias­stall zu reinigen, mancherlei lerne» könne», das wir noch nicht zu erstreben vermochten. Als im Kieler Werft-Skandal das Verhängnis herein- brach, hats überlang gebauert, bis das Auge klar erkennen konnte, was nun eigentlich ge­schehen war, und auch dann, als die hart an« getastete staatliche Autorität längst außer Schuß­bereich gerettet war, stand die Oeffenlichkeit noch immer der Mauer des Geheimnisses gegen­über, die bei uns nun einmal das Sterbliche auf deutscher Erde in amtliches und nichtamt­liches Sem scheidet: KeineKulturmauer", wie im Reich der Mitte, aber der wetterharte Stein­block bureaukrattscher Tradition, gemodelt von der Sorge um denUntertanenverstand", dem man jegliche unziemliche Erschütterung zu er­spare» trachtet. Westlich des dreisarbnen Grenzstrichs ist man hurtiger und (es verdient gesagt zu werden) in der Hebung des Vergel­tens weniger zimperlich, trotzdem doch grade die rasch wechselnde Regierung einer parlamen­trisch regierten Republik allen Anlaß hätte, de» Schild ihres Ansehens vor dem Rost beschämen­der Korruptionsmerkmale unter Ausbietung aller (auch der verbotnen) Mittel zu bewahren.

Die Affäre Larguier, deren Skandal- SfitbiuS sich heut in seiner ganze» Wölbung noch nicht überschauen läßt, deren beschämende Korruptions-Offenbarung man indessen ahnt, wird vielleicht die Krönung alles Dessen darstellen, das bisher im Herrschaft-Bereich der brüten Republik sich an Ueblem und Schlim­mem ereignet, und trotzdem: Frankreich empfin­det die Heimsuchung nicht etwa als die bassens- toede Ausgeburt einer unglückliche» Zufall- lanne, die das Unglück zu Bergen häufle, son­dern man ist geneigt, in den offenkundigen Merkmalen bestehender Mängel und Uebel die Ausflüsse des parlamentarifch-repu- blikanischen Regiments und her mit

Staatsstreich in Mexiko?

Die Deutschen in Mexiko flüchten.

Die offiziöse Norddeutsche Allgemeine Zei­tung scheint mit ihrer optimistischen Auffas­sung von einer gütlichen Lösung der Krisis zwi- fchen Mexiko und Nordamerika nicht recht zu behalten. Zwar wird die Meldung verbreitet, daß der amedkanische Geschäftsträ­ger neue Vorschläge des mexikanischen Kabinetts nach Washington gesandt habe, doch berichtet gleichzeitig das Reuterbüro, daß Huerta abermals kategorisch erklärt habe, nicht von seinem Posten zu weichen. In Ueberein- stimmung hiermit steht die Tatsache, daß das Parlament trotz des amedkanischen Wi­derspruchs zusammengetreten ist; nur bet Senat konnte sich infolge Abwesenheit vie­ler katholischer Senatoren noch nicht konstitu­ieren. Der Ernst der Sage geht aus folgender Melbung hervor:

Die Stadt Tepic ist von den Aufstän­dischen bedroht, welche die Regierungstrup­pen geschlagen und zersprengt haben. Die deutsche Gesandtschaft hat den KreuzerNürnberg" und im Falle der Unabkömmlichkeit Dampfer aus Mazatlan requiriert, um in San Blas gegebenenfalls dorthin flüchtende Deutsche aufzu­nehmen. Das deutsche Konsulat in Tepie ist im Notfall für den gleichen Zweck ermäch­tigt, Dampfer in Tau BlaS zu mieten. Fünfhundert Mann und zwei Ma­schinengewehre sind dorthin unterwegs.

In Washington hält man (wie uns ein Pri­vattelegramm meldet) es für möglich, daß dem amerikanischen Geschäftsttäger O'ShaughessY von Huerta die Pässe zugestellt wurden. Das würde bann bas Signal für bas Lau­ben amerikanischer Mannschaften in Vera-Cruz sein. Depeschen aus Mexiko be­richten, baß wiederum ein Militärzug (der fünfte in wenigen Wochen) mit Dynamit in die Luft gesprengt wurde. Sechzig Soldaten wurden getötet und verwundet. In de» Bezirken Tuxtla und Tampico, wo außer amerikanischem auch Millionen englischen Kapi­tals angelegt sind, wimmelt es von Rebellen. Diese sollen die Oelgesellschasten angewiesen ha­ben, die Arbeiten einzustellen.

Vor dem Staatsstreich.

Depeschen aus Mexiko berichten über bar­barische Blutszene» und darauffolgende Bachanalien in Juarez. wo zahlreiche Offiziere ohne kriegsgerichtliche Verhandlung erschos­sen und die Leiche» bann unbeerbigt auf de» Straßen liegen gelassen worden seien. Auch Zi­vilbeamte feien füsiliert worden. Die Konsti- tulionaliften hatte» sich nach diesen Hinrichttm- gen Ausschweifungen aller Ad ergebe». Die Entscheidung in dem Revolutionswirr­warr scheint aber unmittelbar bevorzustehen, den» ans N ew y o rk wird uns depeschiert:

Der Newhork Herald berichtet, daß ein Staatsstreich in Mexiko unmittelbar bevorstehe. Man erwartet, daß General Blanquez den General Huerta ver­haften wird. General Blanquez habe die ganze Armee hinter sich. Interessant ist der letzte Satz der Meldung, in dem es heißt: Diese Bewegung hat den Zweck, die Ordnung in Mexiko wieder herzustellen.

Daß ein solcher Gewaltstreich dieOrdnung in Mexiko" wiederherstellen könnte, ist aller­dings nicht anzunehmen: wahrscheinlicher ist vielmehr, daß dadurch die Anarchie erst recht gefördert und den Vereinigte» Staate» ein Anlaß gegeben werden würde, mit Waffen­gewalt in das mexikanische Ebaos einzu­greife». Daß die Stimmung in Nordamerika immer entschiedener auf eine kriegerische Inter­vention der Union in Mexiko hindrängt be­weisen die Auslassungen der Presse, die rund­heraus einen Krieg gegen Mexiko als die einzig mögliche Lösung der bestehenden Spannung bezeichnen.

Mall des I Zugs Pans-Berlin.

Zusammenstoß mtt einem Kohleuzug.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 18. November.

Der in Berlin um 12 Uhr 21 fällige D-Zug aus Paris kam heute früh mit einer Verspä­tung von fast zwei Stunden auf dem Bahn- Hof Friedrichstraße an. Der Zug hatte einen schweren Zusammenstoß mit einem beladenen Kohlenzug kurz hinter der Station Holzwickede gehabt. Dabei sind etwa zehn Personen zumeist leicht verletzt und mehrere Wagen des D-Zuges, sowie vier Kohlenwagen beschädigt und zertrümmert wor­den. Die Ursache des Zusammenstoßes ist »och

Wilhelm der Achte.

Der Gründer der Casseler Gemälde-Galerie; eine Ehrung des Landgrafen Wilhelm, von

Hanns Freimuth-CasseL

Cassels Tausendjahrfeier, vor weni­gen Wochen großartig vorübergerauscht, hat sich jetzt zu einem mehr oder minder fest umriffenen Bilde in unserer Erinnerung gestaltet. Eines wird sicher nachhaltigst darin hasten bleiben: Daß die Feier zu einer machtvollen Kundge­bung hessischer Vergangenheit ge­worden ist. Aus dem tiefen Dunkel des histo­risch Gewordenen tauchten ihre Glanzpunkte und Höhenperioden ins helle und blendende Tageslicht herauf. Wir wissen es: Die politische Entwicklung Hessens hat dahin geführt, daß Cassel zur Für st en st adt wurde. So kam es, daß sich die entscheidenden Perioden in der Ge­schichte der hessischen Landeshauptstadt, ihre ar­chitektonischen Schönheiten und Merkwürdigkeit ten ganz hervorragend an das Wirken kunstsin­niger Fürsten knüpfen. Cassel wurde wie Mün­chen oder Dresden eine Stadt des fürstlichen Mäcenatentums. Vieles ist bereits ein Opfer der Zeit, des Kriegsschicksals oder des allzu menschlichen Unverständnisses geworden. Aber was unter Karl dem Ersten, Friedrich dem Zweiten und Wilhelm dem Neunten geschaffen wurde, gibt dem Stadtbild auf alle Zeiten hin­aus die Fülle persönlicher Eigenart. Diese Für­sten unter Hessens Krönträgern wurden die am meisten freigiebigen Förderer und Schützer aller Musen, im Gegensatz zu ihren Vorgängern im siebzehnten Jahrhundert, die zwar ebenfalls den Künsten nicht abhold waren, die aber doch ihre Befriedigung und ihren Ruhm vor affen in den Wissenschaften suchten. Karl der Erste und Friedrich der Zweite haben ihre Denkmäler aus Erz und Stein auf den schönsten Plätzen Cassels erhalten. Zwischen beiden Fürsten aber steht Wilhelm der Achte: Der Sohn des einen, der Vater des anderen. Er hat sich nicht durch die Anlage herrlicher Bauten in Cassel selbst (zwar das Schlößchen Wilhelmstal ist unter seiner Herrschaft entstanden) oder durch

Straßen und Garten-Anlagen unvergänglichen Ruhm erworben, aber er wur­de der eigentliche Gründer der Casseler Gemälde-Galerie. Durch die Schaffung dieser weltberühmten Sammlung lebt sein Ruhm noch heute in der gesamten zivilisierten Welt fort. Große und bedeutende Zeitgenosse» haben gelegentlich der Tausendjahrfeier das Wort über die alte Residenzstadt an der Fulda er­griffen: Jene unvergleichlichen Eindrücke, die ihnen die Rembrandt-Werke unserer Ga­lerie gaben, tönen aus diesen Worten fast im­mer wider. Und ihre Sammlung in Cassel ist Wilhelms des Achten Werk gewesen! Er war unstreitig der feinste Kenner der Kunst, will sagen der Malerei, unter den hessischen Fürsten. Einer der glücklichsten Sammler im achtzehnte» Jahrhundert, hatte er als Gouverneur von Bre­da und Maastricht vortreffliche Gelegenheit, die niederländische Kunst an den Quellen zu studie­ren. Dann später in seiner Eigenschaft als Statthalter und nachher als Landgraf von Hes­sen durfte er seinen Neigungen als Kunstfreund, Sammler und Mäcenas im großen Stile fol­gen. So wurde er der eigentliche Gründer der Casseler Galerie. Allerdings die ersten Anfänge der Sammlung reichen bis auf Philipp den Großmütigen und Wilhelm den Weisen zurück^ die int historisch-dynastischen Interesse, wie am westeuropäischen Fürsten der damaligen Zeit, Gemälde anderer gekrönter Häupter erwarben. Die Herkunft der Bilder war bis in die jüngste Zeit hinein noch stark in Dunkel gehüllt. Erst neuere Forschungen haben einiges ans Licht ge­bracht. Vor allem sind hier die Untersuchungen über Ursprung und Ankäufe von Werken zu nennen, die Professor C. Alhard von D r a ch - Cassel, früher Dozent der Mathematik, dann der Kunstgeschichte an der Universität Mar­burg, im dortigen Staatsarchiv vorgenommen hat.' Dieser Gelehrte hat zuerst zuverlässige Mittellungen in dem Großen Katalog der Kö­niglichen Gemälde-Galerie (heute im Buchhan­del vergriffen) vom Jahre 1888 gemacht. Die Bildnisse hervorragender Zeitgenossen, die Phi­lipp der Großmütige und Wilhelm der Weise besaßen, waren zumeist von ersten Meistern des sechzehnten Jahrhunderts: So das lebensgroße Porträt Philipps des Großmütigen, das, von Cranach gemalt, bei dem

Brande des Landgrafenschloffes 1811 leider zugrunde ging. Von deutschen, fran­zösischen, italienischen und niederländischen Po­tentaten wurden zahlreiche Bilder angeschafft. Unter Moritz dem Gelehrten hat religiöse Un­duldsamkeit, die einen Bildersturm in den Kir­chen des Landes entfesselte, große Schätze auch der einheimischen Malerschule zerstört: Wäre das nicht geschehen, dann könnten wir in der heutigen Galerie eine prachtvolle altdeutsche Abteilung bewundern. Als der Dreißigjäh­rige Krieg Deutschlands Kultur schändete, wur- de vieles, was in den katholischen Stiftern ober

Genf, 18. November.

Die Verhaftung bes französischen Spionage- Agenten Larguier (über die bereits berichtet wurde) hat in Genf und in der ganzen Schweiz großes Aufsehen erregt. Es ist klar er­wiese», daß der verhaftete Hauptmann Larguier an der Spitze einer internationalen Agentur stand, die es vor allem auf die Spionage gegen Deutschland und Italien, aber auch gegen die Schweiz zu­gunsten Frankreichs abgesehen hatte. Aus die­sem Grunde hat auch die Staatsanwaltschaft zur Verhaftung des mitschuldigen Uebersetzers Ros- selet schreiten müssen.

Schon seit einiger Zeit war Larguier Gegen­stand der Beobachtung seitens der Be­hörden. Nachdem die ersten Tatsachen der Spionage bekannt geworden waren und nach­dem vor einigen Tagen die Affäre mit der Verhaftung des italienischen Spions Me­nozzi, der mit Larguier in Verbindung stand, hinzukam, wurde seitens des eidgenös­sischen Polizeibeparternents die Verhaftung Larguiers definitiv beschlossen. Larguier selbst hatte keine Ahnung von den Vorgängen und daß et Gegenstand unausgesetzter Beo­bachtungen war. Noch in der letzten Woche verkehrte er mit dem Spion Menozzi in Ita­lien und gab ihm von hier aus verschiedene Orders. Eine besondere Bedeutung gewinnt die Sache dadurch, daß Larguier mit allen möglichen Mitteln und ans seht listige Weise in Verbindung zu treten suchte mit Jungen deutschen Studenten oder deut­schen Offizieren, die nach Genf kamen, um hier französisch zu lernen. Es ist erwie­sen, daß er durch einen Vermittler mit einem Landwehrleutnant in Mannheim in Verbindung trat, der ihm Auskünfte über die Maschinenfabrik Lanz gab. Damit begnügte sich Larguier aber nicht, sondern suchte eine persönliche Zusammenkunft mit dem Land­leutnant in Basel herbeizuführen. Zwifche» ihm und dem Landwehrleutnant wurde eine umfangreiche Korrespondenz (immer durch ei­nen Vermittler, also nicht direkt) geführt. Die Verhaftung Larguiers ging in aller Stille vor sich und wurde kaum von den Nach­barn bemerkt. Die Wohnung wurde vollständig verschlossen und mit dem Siegel des General­staatsanwalts versehen. Auf der Staatsanwalt­schaft herrscht das größte Schweigen über den Umfang der Spionage, doch wird behaup­tet, daß der mit der Prüfung des Materials be­auftragte Sektionschef im Generalstab, Oberst Eggli. fein Erstaune» über die Reichhaltigkeit des Materials bezüglich der Spionage gegen Deutschland und Italien ausgedrückt hat.

Larguier, der Tölpel.

Pads, 18. November. (Pri vat-Tele- gtamm.) Zu der Spionage-Affäre Larguier schreibt der Matin: Bereits fett einigen Mona­ten befindet sich Larguier nicht mehr in den Diensten Frankreichs. Er hat das Vertrauen der französischen Regierung durch feine Töl­pelhaftigkeit und dadurch, daß er die