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CMerNMe Nachrichten

Caffeler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Nummer 280.

Fernsprecher 951 und 952.

Freitag, 14. November 1913.

Fernsprecher 951 und 952.

3. Jahrgang.

Alte und neue Welt.

Die Panama-Ausstellung in San Franzisko «nd wirr Beteiligt sich Deutschland?, von Hermann Walter.

Wie un« aus Berlin berichtet wird, hat der deutsche Botschafter in Washington. Graf Bernstorfs, seine dreimonatige Urlaubs­reife. die er größtenteils am Starnberger See verbrachte, beendet und ist auf dem Dampfer ^Imperator" nach Amerika zuriickgekehrt. wo er die Geschäfte in vollem Umfange bereits wieder ausgenommen hat. Er hatte in Deutsch­land mehrere Konferenzen wegen der Aus­stellung in San Franzisko und man hofft, daß die Frage der deutschen Beteili­gung eine befriedigende Lösung finden wird. Unter Hinweis auf die vielen in den letzten Jahren aufgewendeten Bemühungen, die gei­stigen Bande zwischen Deutschland und Amerika enger zu knüpfen, mehren sich jetzt die Mahnungen, daß wir eine fundamentale Gelegenheit in diesem Betracht nicht versäumen, sondern die Panama-Pacific-Aus- st e l l u n g 1915 glanzvoll beschicken sollten. Wie sollen (so rüst man an mehr als einer Stelle) die Bürger der Vereinigten Staaten, mit de­nen wir jährlich für über zwei Milliarden Mark Waren austauschen, und die allein im Juli 1913 einen Besuchsstrom von 6500 Reisenden nach Berlin entsandten, unsre Versicherungen freundlicher Hinneigung bewerten, wenn wir ein grandioses Mittel, materielle und geistige Bande zwischen den beiden Reichen zu knüpfen und zu festigen, verwerfen und ihrer steund- lichen Einladung ein geschäftlich-nüchternes Nein entgegensetzen! Und vor allen Dingen: Wie werden die dreizehn Millionen Deutsch- Amerikaner in ihren Gefühlen für das Stammland berührt werden, wenn sie den deutschen Namen, auf den sie stolz sind und stolz fein sollen, auf ihrem großen Völkerfest nicht vertreten finden! Dank dem Erwachen eines selbstbewußten nationalen Geists in Deutschland, dank der zähen Propaganda unsrer nationalen Verbände und Organisationen regt sich rund um die Welt das stolze Gefühl der Zugehörigkeit zu der großen deutschen Nation. Die Errungenschaften deutschen Geists und deutscher Weltwirtschaft geben in allen Zonen dem Bekenntnis des deutschen Namens Schwung und Begeisterung, und das neue Ge­setz über die Reichs- und Staatsangehörigkeit der Deutschen im Ausland hält unser natio­nales Gut fester als bisher zusammen.

Können diesen Tatsachen gegenüber ge­schäftliche Erwägungen eines Teils der beut» scheu Handelswelt (sei er auch, was nicht be­wiesen, in der Majorität) maßgebend sein für die Haltung von Regierung und Nation gegen­über der Weltausstellung an einem Ozean, der mit dem Panama-Kanal aufhört, der Stille zu fein? Eine große Reihe von deutschen Indu­striellen hat bereits erklärt, daß sie in San Franzisko ausstellen wollen und werden, eine deutsche Zentralstelle für die Weltausstellung in San Franzisko ist in Berlin bereits gebildet, der Verein für das Deutschtum im Auslande hat jüngst auf seiner Frankfurter Tagung das Schwergewicht seines Ansehens und seines Einflusses zugunsten der Beteiligung eingesetzt. In einer Sonderausgabe für Berlin, die das Newyorker Journal kürzlich herausbrachte, wie­sen reichsdeutsche Männer aller Berufe in sehr autoritativen Stellungen darauf hin, daß das Deutsche Reich in San Franzisko unmöglich fehlen dürfe, daß es wichftge Imponderabilien wahrzunehmen habe, daß in San Franzisko ein großer Neumarkt der Völker am Stillen Ozean eröffnet werde, daß der neue Zolltarif der Ver­einigten Staaten dem deutschen Handel neue Chancen biete, daß die deutsche Wissenschaft den Nationen manches Ueberlegene zu bieten habe und daß der große Erfolg der Dresdener Hygiene-Ausstellung zur Wiederholung eines loschen Werks in San Franzisko ermutige.

Ferner: Wir Deutschen sind zurzeit im Kunstgewerbe die Ersten, die Entwicklung der deutschen Städte ist der allgemeinen Anerken­nung sicher, von den Darbietungen unsrer bild­lichen Reproduktionstheorie ist eine starke Wir­kung zu erwarten und die deutsche Fran würde eine Ausstellung »Die Frau in Haus und Be­ruft auch in San Franzisko sicher mit durch- ^agendem Erfolg veranstalten. Schließlich darf noch daran erinnert werden, daß aus den großen Musikfesten im eigens dazu erbauten Opernhause, die mit der Ausstellung verbun­den sein werden, die schon jetzt in Amerika sieg­hafte deutsche Musik einen Triumph feiern wür­de und daß der neuentwickelte Baustil Deutsch­lands, die deutsche Raum- und Zierkunst, die Augen der Welt mit Zuversicht auf sich lenken dürste Zu alledem kommt das englische Torgehen, das unsere Nichtbeteiligung fast als eine Unmöglichkeit erscheinen läßt. Engli­sche Privat-Initiative schickt sich an, die engli­sche Industrie nach San Franzisko zu führen.

Ein Komitee, in dem vier Milliarden Kapital vertreten sind, hat sich zu diesem Zweck gebildet. Kann da der deutsche Exporteur der... deutsche Michel fein!? »Die Wahrheit marschiert ft sagte Zola, als sich in Frankreich ein Umschwung der öffentlichen Meinung voll­zog. Man kann heute mit einiger Bestimmtheit sagen: Deutschlands Beteiligung an der Welt­ausstellung in San Franzisko ist im Gange...!

Rifats Ludwig« Krönung.

Das Gelöbnis des Bayern-Königs.

Wie wir schon telegraphisch kurz berichte­ten, fand gestern nachmittag in München im großen Thronsaale des königlichen Residenz­schlosses die Throubesteigungsfeier- lichkeit statt. Landtags- und Reichsrats­abgeordnete, Generalität und Beamtenschaft, Geistlichkeit und die Vertreter aller großen Erwerbsstände und der Repräfenianien der bayerischen Gemeindebehörden bereinigten sich zu einer glänzenden Versammlung, wie sie der Thronsaal der baverifchen Residenz feit Jahr­zehnten nicht gesehen hat. Unter den Klängen der Fanfaren und dem Donner der Geschütze betrat der gesamte königliche Hof punkt halb drei Uhr den Thronsaal. Der König und die Königin nahmen vor dem Throne Platz, an dem die Abzeichen der Königswürde aufae- stellt waren. Nach einer Ansprache des Grafen Fugger an das Königspaar nahm

König Ludwig

das Wort zu folgender Rede: Die herzlichen Kundgebungen, die mir in diesen Tagen ans allen Kreisen zugegangen sind, zeigen, daß das Land, ohne des Pankes zu vergessen, den eS dem gesegneten Wirken meines in Gott ruhenden Vaters Luitpold schuldet, in der verfaffungSmäßig vollzogenen Beendigung der Regentschaft eine Gewähr für die gedeih­liche Weiterentwicklung Bayerns erblickt. Das bayerische Volk hat verständnisvoll den schweren Entschluß gewürdigt, der mich bestimmte, im Interesse Bayerns diesen Schritt zu unternehmen. Eines SinneS mit meinem Bolle zu sein, wird in aller Zukunft mein ernstes Streben bleiben. Das König­tum, von Gott gesellt, kann feine Kraft nur da zur vollen Entfaltung bringen, wo es in der Siebe und im Vertrauen des Volkes wurzelt. Von jeher darauf bedacht, durch enge Fühlungnahme mit allen Stän­den und Kreisen mich mit den Bedürfnissen des Volkes vertraut zu machen, habe ich viele Erfahrungen gesammelt. Möge es mir be- schieden fein, diese dem Wohl des Landes nutzbar zu machen. Das reiche Maß an herzlicher und vertrauensvoller Gesinnung, das mir bisher entgegenge­bracht wurde, bestärkt mich in der Zuversicht, daß die Liebe meines Volkes mein Handeln geleiten und sich mit mit in der gemeinsamen Sorge um Bayerns Wohl­fahrt vereinigen wird. Die geliebte, in den Freuden wie in den

Prüfungen des Lebens

bewährte Fran, die Gott mir an die Seite gestellt hat, wird treuen Anteil an meinem Streben nehmen. Gottes starke und treue Hand hat immer über Bay­ern gewaltet. Sie hat es gefügt, daß der bayerische Namen aller Stürme der Jahrhunderte ungeachtet sich in Ehren im Gewirr der Bölkerschicksale behauptet hat. In dankbarer Erkenntnis des Segens, der ihm aus der Zugehörigkeit zu einem gemein­samen deutschen Baterlande erflietzt, fühlt Bayern sich heute freudig als angesehenes Glied des Deutschen Reiches, beffen Grün­dung die bayerische Armee ruhmreich mtter- stritten hat. In unerschütterlicher Bun destreue steht es zum Kaiser und nimmt opferwilligen Anteil an den gro­ßen Aufgaben, die das Reich zu lösen hat. Rastlos pflegt Bayern Kunst und Wissen- schaft, mit Entschiedenheit fördert es jeden Fortschritt auf wirtschaftlichem, kulturellem und sozialem Gebiet. Gottesglaube und Frömmigkeit stehen im Lande hoch in Ehren; der Freiheit des Gewiffens wie der Bekenntnisse ist Schutz und Achtung ge­sichert. Es ist ein reiches Erbe an Gütern deö Volks- und Staatswohls, dessen Hut mir durch Gottes gnädige Fügung über­tragen ist, und in freudiger Zuversicht zur Vorsehung habe ich das Erbe abgetreten.

Die Ansprache beS Königs wurde mit stür­mischen Bravorufen aufgenommen. Der Kö­nig stieg sodann von den Stufen beS Thrones herab und zeichnete einige Her'en durch An­sprachen aus. Hierauf erfolgte unter den stür­mischen Hochrufen der Anwesenden der feierli­che Auszug des gesamten yofeS aus dem Thronsaal. Bei der Huldigung auf dem Ma­rien.platz durch die städtischen Kollegien hielt

Oberbürgermeister Dr. v. Borscht eine Anspra­che, in der er der Freude Ausdruck gab, daß die KönigSkrone auf dem Haupte eines in Weisheit und Güte regierenden Fürsten aufs neue in altem Glanze leuchte. Die Münchener Bürgerschaft gelobe eine Treue, die niemals wanke, eine Liebe, die niemals sterbe und ein Vertrauen. baS niemals enbe.

Sa« Erdbeben in Peru.

Mehrere Hundert Todesopfer!

Wie wir schon im Depeschenteil der gestrigen Ausgabe unserer Zeitung meldeten, ist ein Teil der Republik Peru in Südamerika von einer furchtbaren Erdbeben - Katastrophe heimgesucht worden. DaS Unglück ereignete sich bereits am letzten Freitag. Da aber die von dem Beben betroffene Gegend so gut wie gar keine Verbindung mit den Verkehrszentren beS Landes hat, gelangte die Nachricht erst ver­spätet nach der peruanischen Hauptstadt Lima, von wo sie weiter verbreitet wurde. Am schlimmsten soll die kleine Stadt Albaneay durch baS Erdbeben heimgesucht worden sein. BiS setzt liegen folgende noch wenig ausführ­liche Nachrichten vor:

Zehn Städte zerstört! (Drahi-Melbungen.) Newhork, 13. November.

Durch das Erdbeben am letzten Freitag wurden zehn kleinere Städte der peruanischen Provinz Aymara in Mitleidenschaft gezogen und fast vollständig zerstört. Am schwersten haben die Städte Cnzeo und Albaneay gelitten, in der letzteren ist kaum ein Gebäude durch das 23eben verschont geblieben. Einer der heftigsten Erdstöße ereignete sich, während im Dom in Albaneay das Hochamt zelebriert wurde. Die Decke eines Seitenschiffes stürzte ein und begrub viele hundert Andächtige unter den Trümmern. Es wurden etwa zweihundert Tote unter dem Schutt hervorgezogen. In dem Krankenhause des Ordens vom heiligen Her­zen brach ein Brand aus, dem ebenfalls viele Kranke zum Opfer fielen. Tausende Menschen sind obdachlos. Nicht viel besser sieht es in den Albaneay benachbarten Städten aus. Auch dort haben zahlreiche Menschen bei der Katastrophe ihr Leben eingebüßt Doch läßt sich die wirk­liche Zahl der Todesfälle noch nicht angeben, da noch viele Erschlagene unter den Trümmern begraben liegen. Das Elend unter der Bevöl­kerung ist groß und wird durch die Verzweif­lung, die sich der Uebertebcnben bemächtigt hat, noch verstärkt. Dazu kommt, daß infolge der Ungunst der Witterung unter den Aermsten große Not herrscht. Die Regierung in Lima hat bereits Hilfe nach der heimgesuchten Gegend geschickt. Die Katastrophe ist hauptsächlich aus dem Grunde so verhängnisvoll geworden, weil die Bevölkerung von ihr vollständig überrascht wurde. Die Ueberlebenden haben die zerstörten Städte verlassen und wohnen vorläufig auf freiem Felde, da sie eine Wiederholung des Bebens befürchten. Die zerstörte Stadt Al­baneay hatte etwa fünfzehnhundert Ein­wohner, die in den benachbatten Silberminen und Zuckersiedereien beschäftigt sind; auch die Bewohner der übrigen von dem Erdbeben mit« betroffenen Städte, die etwa in gleicher Größe sind, sind zumeist in den peruanischen Silber­bergwerken tätig.

*

Die Schneestürme in Amerika.

Newyork, 13. November. (Privat-Te- legramm.) Die letzten Nachrichten über den Schaben, ben bie Schneestürme aus den Seen und besonders auf dem Hnron-See angerichtet haben, lassen diesen als ungeheuer erscheinen: er wächst von Stunde zu Stunde. Bis jetzt sind einunddreißig Leichen geborgen worden. Man glaubt aber, daß über hundert Personen während beS SturmeS auf den Seen umgekommen sind. Man Weiß bestimmt, daß sechs kleinere Schisse untergegangen sind. Eine andere Meldung spricht davon, daß man min­destens aus zweihundert tote Personen sich ge­faßt machen müsse.

Jas Ultimatum an Mexiko.

Hnerta gibt keine Antwort!

Mexiko, 13. November. (Meldung der Associated Press.) Präsident Huerta hat daS vom Gesandten der Vereinigten Staaten, Lind, ihm überreichte Ultimatum Amerikas nicht beantwortet. In dem Ultimatum war ihm bis gestern abend sechs Uhr Zeit ge­geben worden, zu erklären, daß er den neuen Kongreß nicht zusammentreten taffen werde. Im Falle der Ablehnung dieser Forderung würden die Vereinigten Staaten nicht mehr mit Huerta verhandeln. Durch bie Nichtbeantwortung beS Ultimatums hat die Sachlage abermals eine bedeutende Verschärfung erfahren, und der

kriegerische Konflikt scheint nunmehr unver­meidlich zu fein.

Sie Aera Koch.

Einführung des Oberbürgermeisters Koch; Oberbürgermeisterrede am Einführungstag.

Der RathanSsaal trug gestern abend baS Gepräge eines fogenannten »großen TageS*. llnb daS mit Recht. Von den Tribünen blickte ein zahlreiches Publikum, Herren und Damen, auf die Versammlung der Mitglieder der beiden ftäbtifdjen Kollegien herab, bie sich zu ber feierlichen Einführung beS neuen Oberbürgermeisters Koch einfanben. Wenige Minuten nach halb sieben Uhr betraten RegierungSPräsibent Graf Bernstorfs, Stabtverordneten-Vorsteher Justizrat Dr. Schier, Oberbürgermeister Koch und ber Städte-Dezernent ber Königlichen Regierung, RegiettingSrat B o f f a r t, ben Saal. Die Versammlung erhob sich. Oberbürgermeister Koch nahm fobann ben lange leer gebliebenen Platz beS Stadtoberhauptes ein. Daun gab ber Stadtverordnetenvorsteher baS Glockenzei­chen zum Beginn ber Sitzung unb eröffnete diese mit nachstehenden Ausführungen:Meine Herren! Ich eröffne bie heutige Sitzung ber Stadtverordneten, bie einberufen worben ist, um die Einführung beS neuen Oberbürgermei­sters burch ben Herrn Regierungspräsidenten Graf von Bernstorff ben gesetzlichen Be­stimmungen entfprechenb vorzunehmen. Ich erteile bem Herrn Regierungspräsidenten bas Wort! e

Graf Bernstorff

hielt bann folgenbe Ansprache: Meine Herren! Nachdem binnen kurzer Zett das Amt des Ober, bürgermetsters von Cassel zweimal verwaist ist, haben Sie Ihre Wahl auf den bisherigen Herrn Stadtdirektor Koch in Bremerhaven ge­lenkt und diese Wahl hat im vergangenen Mo­nat bie allerhöchste Bestätigung gefunden. Es liegt mir heute ob, den Herrn Oberbürgermei­ster in fein Amt einzuführen. Zum erstenmale kommt er nicht nur in unsere engere hessische Heimat, sondern tritt auch zum ersten Male ein Amt in der Kommunalverwaltung des preußi­schen Staates an. Wenn ihm auch manches darin fremd sein wirb, so bürgt doch seine bis­herige Tätigkeit und die Anerkennung, bie er in der Stadt gefunden hat, an deren Spitze er bisher gearbeitet hat, baß das Vertrauen, bas Sie durch Ihre Wahl ihm gegeben haben, voll gerechtfertigt wird. Ich hoffe, Herr Ober­bürgermeister, daß es Ihnen hier Wohlergehen werte und daß Sie in die Eigentümlichkeiten der Stadt Cassel und ihrer Bewohner sich hin­einlebe», die Ihnen volles Vertrauen entge­gentragen werden. An dem glänzenden Fest, das wir vor sechs Wochen in Cassel gefeiert, haben Sie ja zu unserer Freude, wenn auch als stiller Beobachter, teilgenommen. Wenn Ihnen dabei etwas ausgefallen ist, so kann es jedenfalls gewesen fein, die innige Siebe und Begeisterung, bie bie Gaffe» lauer für ihre Heimatstadt haben, unb diese Liebe unb Anhänglichkeit ^vird Ihnen eine Gewähr bieten, daß selbst bei großen Meinungsverschiedenheiten, die wohl immer eintreten können, doch alle mit Ihnen, Magistrat und Stadtverordnetenver­sammlung, das Beste wollen unb erstreben. Ich wünsche, daß Ihnen, Herr Oberbürgermeister, eine lange unb dankbare Verwaltungs­zeit zuteil wird und daß sie zum Wohl der Stadt Cassel gereickst. Indem ich Ihnen bie allerhöchste Bestätigung einhändige, führe ich Sie hiermit in Ihr Amt ein!

Oberbürgermeister Koch

erhob fobann bie Rechte zum Schwur unb lei­stete ben gesetzlichen E i d, worauf er sich mit folgender Rebe an ben Regierungspräsidenten unb bie Versammlung wendete:

Hochverehrter Herr Regierungs-Präsident!

Ich danke Ihnen auf das wärmste für die freundlichen und anerkennenden Wotte, die Sie an mich gerichtet haben. Ich weiß, in wie wohlwollender und verständnisvoller Weise die staatlichen Aufsichtsbehörden und insbesondere auch Sie, hochverehrter Herr RegierungS-Präsi- deut, die Kommunalanfsicht über die Verwal­tung der Stadt Cassel üben unb wie infolge­dessen diese Aufsicht als eine willkommene Hilfe und Förderung empfunden wird. Lassen Sie mich ber Hoffnung unb ber Zuversicht Ausdruck geben, daß eS mir gelingen möge, mich in diese Kette alS brauchbares Glied einzufügen und daß a-ch in Zukunft bie Beziehungen zwischen den Aufsichtsbehörden und der städtischen Ver­waltung harmonisch fein mögen zum Besten ber Stadt Cassel und damit auch zum Wohle unseres großen und geliebten preußischen Va­terlandes. Und nun wende ich mich "" le­rn eine Herren von den städttschen Kollegien, und danke Ihnen von Herzen für baS große Vertrauen, baS Sie mir erwiesen haben, indem Sie mich in bie Leitung biefer schönen und gro­ßen Stadt gewählt haben. ? tten Stu mich