Nr. 289, — 3. Jahrgang.
Caffelcr Neueste Nachrichten
Donnerstag, 13. November 1913.
Ans großer Seit: 1813.
Am 13. November: König Friedrich Wilhelm und gleichzeitig Freiherr von Stein kommen in Frankfurt an. Letzterer treibt zur Fortsetzung des Krieges und zum Einbruch in Frankreich.
Gartenfest oder Versammlung?
Ob ein G a r t e n f e st in Auslegung des neuen Reichsvereinsgesetzes als eine öffentliche Versammlung unter freiem Himmel anzusprechen und in dieser Eigenschaft anmeldungspflichtig ist, hatte die hiesige Strafkammer als Berufungsinstanz zu entscheiden. Das hiesige sozialdemokratische Gewerkschafts-Kartell, besten Vorsitzender der Gewerkschaftssekretär Greszinki ist und vor Gericht heute zur Verantwortung gezogen wurde, veranstaltete am Sonntag, den 25. Mai dieses Jahres im Restaurationsgarten des Schönfelder Parks das große Gewerkschafts-Sommer- fest, das von sechstausendvierhundert erwachsenen Personen besucht war. Gegen ein Eintrittsgeld von zwanzig Pfennigen war jedermann in der Lage, an dem Fest teilzunehmen. Außer einem Konzert im Freien wurden den Besuchern Belustigungen aller Art und Tanzge- legenheit geboten, während weder Ansprachen gehalten noch Agitation für die Partei betrieben wurde. Durch amtsgerichtlichen Strafbefehl wurde der Parteisekretär wegen Uebertre- tung des Reichsvereinsgesetzes mit einer Haststrafe von einer Woche belegt.
-f Die Liebestragödie in der Aue: Ein furchtbarer Plan. Zn der Liebestragödie, die sich in der Sonntagnacht in der Aue zutrug, wird uns von gut unterrichteter Seite mitgeteilt, daß die Ehefrau A. gestem ein Geständnis abgelegt hat, wonach sie und ihr Liebhaber beschlossen hatten, nachdem der Selbstmordversuch in der Aue mißglückt war, nach der Wohnung der Abraham zurückzukehren. Dort sollte der Liebhaber denEhemannseinerGelieb- ten erschießen, während sie selbst ihren siebenjährigen Knaben umbringen wollte. Darauf wollten beide nochmals einen gemeinsamen Selbstmord unternehmen. Nur dem Dazwischentreten des Schutzmanns Winkelbach, der die beiden Verletzten in der Brüderstraße anhielt und verhaftete, ist eS »u danken, daß die Ausführung dieses Planes verhindert wurde.
Das Drama von San Remo.
(Privat-Telegram m.)
Rom, 12. November.
Während der Untersuchung gegen die Gräfin O g g i o l i, die vor einigen Tagen in San Remo den Burschen ihres Gatten erschossen hat, ergab sich, daß der Bursche bereits zu verschiedenen Malen sich der Gräfin gegenüber im Höch- sten Grade unehrerbietig betragen habe. Die Gräfin hat sich auch hierüber zu verschiedenen Malen bei ihrem Gatten beschwert, der dem Burschen dann eine entsprechende Lettion erteilte. Zeugen, die gestern vor dem Untersuchungsrichter erscheinen mußten, äußerten sich in der Weise, als ob sie glaubten, daß zwischen dem Burschen und der Gräfin ein intimes Verhältnis bestanden habe. Der Haupt- mann gab bekannt, daß er mit aller Ruhe dem Ausgang der Affäre entgegensehe, da er genau wisse, daß seine Frau nur in der Notwehr gehandelt habe.
Münchener Kömgs-Tnge.
Die heutige Laudes-Huldigungsfeier.
(Prtvat-Telegramm.)
München, 12. November.
Anläßlich der heutigen Huldigungsfeier sind tausende von Fremden nach München geströmt. Alle öffentlichen Institute sind geschloffen. Tie Straßen, durch die der Festzug geht, sind festlich geschmückt. In den Kirchen fanden in den Morgenstunden Festgottesdienste statt. Im großen Galawagen fuhr das Königspaar durch die mit Menschen gefüllten Straßen, von lebhaften Hochrufen begrüßt, zur Metropolitan-Kirche. In anderen Galawagen folgten der Kronprinz und die anderen Prinzen. Am Pottal der Kirche wurde die Königliche Familie vom Erzbischof und der gefamten Geistlichkeit begrüßt Dann trat das Königspaar unter feierlichem Chorgesang unter dem von vier Geistlichen getragenem Himmel in die Kirche zu dem vor dem Thron errichteten Betstuhl. In der Kirche befanden sich das diplomatische Korvs, die Minister und hohen Würdenträger und die Mitglieder des Parlaments Nach feierlichem Hochamt wurde das Königspaar vom Erzbischof wieder zum Wage» ge- kettet und unter dem Donner der Geschütze fuh, es zur Residenz zuttick. Nachmittags um halb drei Uhr fand dann im großen Thronsaai der Residenz die Landeshuldigung statt.
Schweres Erdbeben in Pern.
(Draht-Meldung.)
Newyork, 12. November.
Die Newyorkcr Timea erhielt ein Telegramm aus Lima, wonach laut amtlichen Nachrichten ein furchtbares Erdbeben die Stadt A b a n- cay zerstört hat. Die Stadt liegt in der Provinz Aputtnac in Peru. Bis jetzt zählt man zweihundert Tote. Tausend Bewohner sind obdachlos. Die Not ist sehr groß. Die Bahnstrecken nach der Stadt sind durch daS Erdbeben unterbrochen, sodaß die Hilssexpedi- tion der Regierung sehr schwierig ist.
verlangen. Für die Versicherungspflichtigen mit einem Jahreseinkommen von mehr als 1800 Mark werden 50 Prozent Zuschlag zu den erwähnten Sätzen gefordert, für solche, die aus einer versicherungspflichtigen Beschäftigung ausgeschieden sind und die Versicherung frei- willig fortsetzen, 100 Prozent Zuschlag und solche, die der Versicherung freiwillig beirretcn, sollen als Privatpatienten behandelt werden.
Das Neueste im Bilde. Im Schaufenster unserer Geschäftsstelle, Kölnische Straße 5, gelangen folgende Bilder von aktuellen Zeit - Ereignissen zum Aushang: Ein neuattigeS Gleitboot auf der Seine. Nach den Wahlen in Italien. Das größte Kriegsschiff. Eine sensationelle Erfindung. Zum Gastspiel des kaiserl.-ruffisch. Balletts in Amerika. Besuch des Königs von Belgien in Lüneburg. Brasilianischer Ameisenbär. Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich als Gast des Deut- fchen Kaisers. Der Abschied des Regentenpaares von Braunschweig.
4- Cassel in der Bußtagwoche. In der Buß- tagwoche, von Sonntag zu Sonntag (16. bis 23. November), dürfen nach der Bezirkspolizeiverordnung weder öffentliche noch private Tanzmusiken, Bälle und ähnliche Lustbarkeiten in öffentlichen Lokalen veranstaltet werden. Am Bußtag (19. Nov.) dürfen außerdem auch öffentliche theatralische Vorstellungen, Schaustellungen und sonstige öffentliche. Lustbarkeiten mit Ausnahme der Aufführung ernster Musifftücke (Oratorien usw.) nicht ftattfinden. Zu den Schaustellungen gehören auch Fußballsviele, sowie Lichtbilder- und Lichtsvielvorstellungen, selbst religiösen Inhalts; sie sind daher am Bußtag verboten.
Noch keine Abreise der Flieger! Da die Wetterlage nach wie vor ungünsttg ist, haben Leutnant Freiherr von Haller und Hauptmann Streceius auch heute noch nicht den Flug nach Darmstadt fottgesetzt. Die Flieger Watten günstiges Wetter ab.
-7- Die Aerzte unb die Krankenkassen. Zur Aerzte« und Kassenfrage wird uns vom Vorsitzenden des hiesigen Aerzte-Vereins geschrieben: Dom 1. Januar 1914 an treten viele Kreise der Bevölkerung in irgendwelche Beziehungen zu den Krankenkassen, denen sie bisher fremd gegenüber gestanden haben. Deshalb scheint eine Beleuchtung der Lage, die iwischen den Ae-rzten und Krankenkassen besteht, angebracht. Die Kassenverbände haben es bisher abgelehnt, daß die Verträge zwischen Kassen und Aerzten grundsätzlich von der zuständigen örtlichen Aerzteorganisatton abzu- - schließen sein sollten. Das war von Seiten des Aerzteverbandes, in dem etwa 95 Prozent aller praktizierenden Aerzte vereinigt sind, verlangt worden, toeil die Organisationen den Kassen gegenüber einen festeren Stand hat, als der einzelne Arzt. Ferner haben die Kassenverbände die Honorarforderungen der Aerzte zu hoch gefunden. Dieser Punkt bedarf am meisten einer gründlichen Aufklärung. Nach den hier geltenden Vetträgen wird von den Kassen für die vierteljährliche Behandlung jedes erkrankten Mitgliedes an den Arzt für Besuche und Sprechstundenberatunaen im Durchschnitt 2,73 Mark, und, da auf jeden Erkrankten vierteljährlich 3,3 Einzelleistungen entfallen, für jede Einzelleistung (Besuch oder Beratung, durchschnittlich 80 Pfennig bezahlt. Daß diese Bezahlung nicht der wissenschaftlichen Leistung eves..Mannes enffpricht, der nach dem Abi- tuaentenexamen sechs Jahre studiert und dann
nrhrere Jahre auf Praxis gewartet hat, daß sie auch keine Entschädigung für seinen not« Wendigsten Aufwand darstellt, ist Wohl klar.
I Letzte Telegramme.
lAakh Schluß der Redaktion eingegangen)
kenntniffes in der Stadt gewährleistet, die 1526 protestantisch geworden war. Als 1749 der spätere Landgraf Fttedrich der Zweite zur katholischen Kirche übettrat, ließ er noch 229- jähriger Unterbrechung zum ersten Male wieder die Messe lesen. Durch seinen Baumeister du Ry ließ er 1770 bis 1776 die St. Elisabethkirche, die älteste der heutigen katholischen Pfarrkirchen, erbauen. 1840 wurde die Pfarrei zur hl. Elisabeth kanonisch errichtet. Wehlheiden gründete 1894 eine Notkapelle, 1901 wurde die Rosenkranzkirche fertig und 1906 wurde die Ku- ratie zur Pfarrei erhoben. Am ersten April 1908 wurde die Pfarrei St. Elisabeth wieder geteilt und die Pfarrei zur hl. Familie kanonisch errichtet. In Cassel-Bettenhausen wurde 1900 ein eigener Geistlicher angestellt, 1901 ein Missionshaus erbaut und 1902 ein Bauplatz für die Kirche gekauft. In Cassel-Rothenditmold ist seit 1900 ein Kuratus bestellt und 1907 ut dort die Iosephskirche eingeweiht, die nun zur Pfarrkirche erhoben ist. Cassel hat vier Pfarreien und eine Kuratie.
-t- Personalveränderringen bei der Post Im Bezirk der Kaiserlichen Oberpoftdirektion in Cassel wurde die Verwaltung einer.Ober-Post- sekretüfftelle dem Postsekretär Lange in Cassel übertragen. Zum Ober-Postin-spektor ernannt wurde der Telegrapheninspektor Meyer in Cassel, zum Ober-Postsekretär der Telegraphen- sekretär Bormann in Cassel. Etatsmäßig angestellt wurde der Postsekretär Kühn in Cassel.
--- Fremdwotte im Geschäftsleben. Gegen den Gebrauch von Fremdwörtern im geschäftlichen Leben richtet sich ein durch den Minister für Handel und Gewerbe an die Handelskammern gerichtetes Ersuchen. Der Minister stellt fest, es fei nicht zu verkennen, daß der Gebrauch von Fremdwörtern tot geschäftlichen Verkehr über das notwendige Maß hinausgeht, man könne oft die Beobachtung machen, daß deutsche Gewerbetreibende für ihren Geschäftsbetrieb fremdsprachliche Firmennamen wählen, ihre Geschäftshäuser mit fremdsprachlichen Aufschriften versehen oder deutsche Erzeugnisse unter fremdsprachlichen Bezeichnungen anpreisen. Auch der deutsche Luftfahrerverband wendet sich an feine Mitglieder mit der Bitte, alle Fremdwörter, die gerade beim Flugspott überreichlich gebraucht werden, zu vermeiden.
Dem hiergegen erhobenen Einspruch deö Verurteilten zufolge hob das hiesige Schöffengericht den Strafbefehl auf und erkannte au eine Geldstrafe von dreißig Mark, indem es das Gartenfest als eine politische Versammlung ansprach und die Nichteinholung der Genehmigung bei der Polizeibehörde als einen Verstoß gegen die Bestimmungen des Reichsvereinsgesetzes mit der erkannten Geldsttafe ahndete. Die Straflammer verwarf heute die hiergegen eingelegte Berufung mit der Begründung, daß jede innerlich oder äußerlich vereinigte Perso- nen-Mehrzahl zu gemeinsam bewußten Zwecken und Zielen auf Grund der Literatur tmd Rechtsprechung als eine Versammlung anzu- sprechen sei. Dabei sei es einerlei, ob der Zweck der Vereinigung auf den; Gebiete der Politik oder des Vergnügens zu suchen sei. Keinem juristischen Zweifel unterliege in diesem Falle bet Begriff .unter freiem Himmel". Auch hinsichtlich der „Oeffentltchkeit" seien dem Gericht keinerlei Bedenken aufgestiegen, sodaß es denselben Sachverhalt wie der Vorderrichter als erwiesen ansehen mußte. Die Berufung des Angeklagten sowohl wie die des Amtsanwalts wurde deshalb verworfen.
rt- Verletzung des Post-Monopols. Das Postgesetz vom 20. Dezember 1899 sichert der Reichspost-Verwaltung das alleinige Recht, adressierte Briefe in geschlossenem wie in un- geschlossenem Zustande zu befördern, und bedroht jede Zuwiderhandlung seitens einer Privat - Anstalt mit hohen Strafen. Der Inhaber eines hiesigen Beförderungs-Instituts hatte sich heute vor der hiesigen Strastammer wegen fottgesetzten Vergehens gegen dieses Gesetz zu verantworten. Schon lange stand der Geschäftsinhaber in diesbezüglichem Verdacht und wurde bereits durch die hiesige Kaiserliche Oberpostdirettion durch ein Schreiben eindringlich gewarnt. Trotzdem aber erneute sich der Verdacht, sotzaß auf Antrag der Oberpostoirek- tion durch Kriminalbeamte in Begleitung zweier Poskinspektoren eine unvermutete Haussuchung abgehalten wurde, die denn auch die Verdächtigungen bestätigte. In der heutigen Verhandlung bestritt der Angeklagte, Kenntnis von den vereinzelt vorgenommenen Beförderungen von Briefen gehabt und bei der Beaufsichtigung der Boten durch ihn persönlich derartige Verstöße bemerkt zu haben. Solche können nur in der Zeit der vorübergehenden Abwesenheit u. bei der Vertretung durch den Geschäftsführer vorgekommen sein. Das Gericht hielt diese Angaben für nicht wiederlegt und hob als Berufungsinstanz das auf einhundert Mark Geldsttafe lautende Urteil auf und sprach den Angeklagten kostenlos frei. Der Staatsanwalt hatte eine Geldstrafe von eintausend Mark beantragt!
--- Der Casseler Arbeitsmarkt. Die allgemeine Lage auf dem Arbeitsmarkt war nach Mitteilung des Statistischen Amtes im Monat Oktober sehr flau. Die Bautätigkeit hielt sich in sehr beschränkten Grenzen. Aus dem Holzarbeitergewerbe wird insbesondere über den seit Anfang Oftober eingetretenen Rückschlag und schwache Nachfrage nach Gehilfen berichtet. Ebenso ist jetzt für Buchdrucker nur sehr geringe Arbeitsgelegenheit vorhanden und eine Besserung anscheinend auch für die nächste Zukunft nicht zu erwarten. Groß war das Angebot an arbeitsuchenden Maschinenschlossern, Drehern, Schreinern, Malern und Bnchdruk- kern. Dagegen herrschte Mangel an jungen Burschen für häusliche Dienste und Restaurationsbetriebe. Der Bezirksverein Cassel des deutschen Buchdruckerverbandes zahlte 1300 Mk Arbeitslosenunterstützung (gegen 851,85 Mark im Vormonat). Die Zahl der Passanten betrug bei der städtischen Arbeitsvermittlungsstelle 307 (gegen 306 im Vormonat), bei der Wanderarbeitsstätte 697 (gegen 505).
-7- Jubiläen städtischer Beamter. Heute feiert der Oberbuchhalter der Stadtverwaltung, Hett W. M ö.11 e r, fein sünfundzwanzigjähriges Dienstjubiläum. Der Jubilar ist feit zwanzig Jahren im städtischen Rechnungsamt tätig und erfreut sich allseitiger Beliebtheit. Am Sonnabend feierte, wie schon berichtet wurde, Herr Stadtoberaffistent Claus fein fünfundzwanzigjähriges Dienstjubiläum. Schon am Morgen wurde ihm im Büro eine Ehrung feiner vorgesetzten Behörde und feiner Mitarbeiter zu Teil, während eine Abordnung des -Vereins städtischer Beamten" am Mittag ihm verschiedene Geschenke und ein künstlerisch ausgestattetes Diplom überbrachte. Am Abend and ein Kommers statt, zu dem auch eine Abordnung des .Singkränzchens". dem der Jubilar feit Jahren angehört, erschienen war. Der Vorsitzende des .Vereins städtischer Beamten", Hett Magistratssekretär Reinecke, feierte in einer Ansprache den Jubilar als Vorbild treuer Amtsgenossenschaft und Freundschaft. Quartettgesänge von Mitgliedern des .Singkränzchens" sowie Vorträge ernsten und heiteren Inhalts ließen den Kommersteilnehmenden die Stundon rasch entschwinden.
-7- Das Bußtags-Konzert des Philharmonischen Chors. Bei der Aufführung des .Ebri- tus" von Franz Liszt (am Bußtage, siehe Anzeige) wird anstatt der Orgel ein großes Orgel- Harmonium neuester Konstruktton, ein sogenanntes expressives Druckluft-Harmonium mit zwei Manualen zur Verwendung kommen, ein Instrument, wie es sehr häufig in kleineren Kirchen als Orgelersatz gebraucht wird. Auch bei dem vorliegenden Werke kann solcher Ersatz mit gutem Erfolge gewählt werden, da in den beiden Dützen, in denen die Orgel vornehmlich als V'ealettinftrument gebraucht wird, der Komponfft nur eine schwache Registrierung verlangt.
-e- Aus der katholischen Gemeinde. Die vom Kultusminister genehmigte Errichtung der katholischen Pfarrei zum hl. Joseph in Cas- >l-Rotheuditmold ist nunmehr er- olgt. Bei dieser Gelegenheit ist es von ; Interesse, zu hören, wie die einzelnen Pfarreien ; ich entwickelten. Mit der Gründung des Kö- ; nigreicks Westfalen (1807) unter Jerome wurde die volle freie Ausübung des katholischen Be-1
gewannen diesmal besonderes Interesse durch Die Aerzte sehen sich daher genötigt auch von die persönlichen Beziehungen, die sie mit hoch- den Kassen ein standeswürdiges Honorar zu stehenden Fuhrermnen der Frauenbewegung 1—' — - - -
verbanden. **
4- Diebstahl im Borkener Rathaus. Im Rathauskeller in Borken verübten Diebe einen frechen Einbruch und stahlen Lebensmittel und Wertgegenstände. Man glaubt, daß die Täter sich nach Cassel begeben haben.
-r- Die Organisation der Krankenpfleger. Die Casseler Ortsgruppe des Deutschen Verbandes der Krankenpfleger und Pflegerinnen hielt vorgestern ihre monatliche Versammlung ab. Nach einem Vortrag des Hauptvorsitzenden Herrn Stteiter-Bexlin wurde beschlossen, die Ortsgruppe dem hiesigen christlichen Gcwerk- ichastskartell anzugliedern. Mit dem Wunsche sämtlicher Anwesenden, daß in Zukunft nur noch staatlich geprüftem, geschultem Pflegepersonal die Pflege hilfloser Kranker anvertraut würde, wurde die Versammlung geschlossen.
-T- Aus dem Restdenztheatrr. Die nächste Novität. Hermann Sudermanns bestens bekanntes vieraktiges Schauspiel .Der gute Rus", geht am Freitag dieser Woche erstmalig in Szene. Bei dieser AuMhrung werden sich die bisher noch nicht auf getretenen Mitglieder vorstellen. Bis morgen Donnerstag bleibt die Bühne geschloffen.
4- Die französischen Theater-Vorstellungen. Für die Casseler französischen Theater-Vorstellungen im Hanusch-Saal hat Hett Ronband auch diesmal ein Stück aus der flassischen Periode und ein neueres Lustspiel auf dem Programm. Am Nachmittag wird M-otteres große Komödie „L’Avare" gegeben, am Abend kommt Scribes beliebtes Lustspiel „Le Verre d'Eau“ zur Aufführung.
-T- Stiftungsfest im „Rauchklub". Am Sonnabend feierte der Rauchklub .Gemütlichkeit" sein diesjähriges Stiftungsfest mit einem Kommers mit Damen im Vereinslokale Gambri- nushalle. Nach einer Begrüßung des ersten Vorsitzenden, Herrn A. Walezack, ging man zum gemeinschaftlichen Essen über. Herr I. Rüppel hielt die Festrede, die mit einem kräf- ttgen Hoch auf den Verein endete. Nach vev- fchiedencn Vorträgen des Vereinshumoristem Herrn H. Diehl, sowie eines Theaterstücks, arrangiert von A. Schfteper, wurde bis zum frühen Morgen getanzt.
4- Das Stiftungsfest des „Arion". Der Männergesangverein .Arion" feierte am Sonnabend im kleinen Saale des Stadtparks sein 13. Sttstungsfest mit einer wohlgelungenen Abendunterhaltung. Die Männerchöre wurden unter Leitung des bewährten Dirigenten Herrn König!. Kammermusikers I. Dilcher mtt Präzision vorzüglich zu Gehör gebracht. Besonders eien noch erwähnt die heiteren Vorträge der Humoristen Herren Widdekind und Konrad Maurer und ein ausgezeichnet gespielter Einakter „Die Kochfrau". Mn Tanz hielt die Teilnehmer bis zum ftühen Morgen beisammen.
-r- Kleine Tageschronik. Die Sttaße K XIII die Verbindungssttaße zwischen Eisenschmiede und Rinaldstratze, hat den Namen .Wilhelmsthaler Straße" erhalten. — Der Bund für persönliche Religion verweist auf das heutige Inserat für den am Montag, den 17. November, abends TA Uhr im kleinen Stadtparffaal ftattfindenden Vortrag des Herrn Professors Breda-Paris über das Thema .Trennung von Kirch» und Staat". Ter nächste Vortrag im Vortragszyklus über die Frauenbewegung findet nicht morgen, sondern erst am Freitag, den 21. November, statt. — Der hiesige Theater-Verein wird am 16. November mit einem .Bunten Literarischen Abend" im Stadtpark (Heiner Saal) die Reihe 'einer diesjährigen Veranstaltungen eröffnen. Unter anderem wird das Schauspiel „Der Wanderer" von Francois Copp so auf geführt. (Siehe heutiges Inserat.)
-s- f£a§ Wetter am Donnerstag. Der amtliche Wetterbericht sagt für den morgigen Donnerstag für Hessen-Nassau folgende Witterung i voraus: Vorwiegend noch wolkig und trübe mtt ' Niederschlägen, späterhin etwas kälter.
Mit der Ziehharmonika erschlagen.
Hanau. 12. November. (Telegramm unsers Korrespondenten.) In dem Dorf Nieder-Rodcnbach bei Hanau ist es auf der Nachkirchweih zu einer schrecklichen Szene gekommen Der zweiundsiebzigjährige Nachtwächter Georg Schaaf wollte zwischen einigen Leuten, die auf der Strafte randalierten, Ruhe stiften. Dabei wurde der alte Mann von ihnen mit einer Ziehharmonika erschlagen. Die Täter, fünf Tagelöhner und Arbeiter aus Hanau, sind ermittelt und verhaftet.
Tie „Deutsche Kanzlei" vor Gericht.
Berlin, 12. November. (Privat-Te- legramm.) Die Verhandlung gegen den ® ritober der „Deutschen Kanzlei", Rolf, erfuhr heute eine unerwartete Unterbrechung. Die Schwester des Angeklagten bekundete, daß in ihrer Familie wiederholt Fälle von Geisteskrankheit vorgekommen seien. Sie machte Angaben, die eine schwere erbliche Belastung des Angeflagten bartaten. Der Gerichtshof beschloß nach Anhörung des Medizinalrats Hoffmann, die Sache zu vertagen und im Dezember einen neuen Termin anzusetzen.
Der Doppelmord von Neukölln.
Berlin, 12. November. (Privattelegramm.) Der Kuffcher Bogan aus Neukölln, der seine Geliebte und deren dreijähriges Kind ermordete, ist noch nicht festgenommen worden. Er hat noch in der letzten Nacht eine« Brief an die Schwester der Ermordeten aufae- geben, der heute früh in die Hände der Adressatin gelangte. Hunderte von Krimtnal-Beamten ahnden nach dem Mörder.
Das Opftt des Prinzen-Automobils.
Potsdam. 12. November. (Privat- Telegramm.) Im Anschluss an den Automobilunfall, dem ein vierjähriger Knabe zum Opfer fiel, wird jetzt berichtet, daß sich drei Zeugen gefunden haben, die bekunden, daß das Aittomobil des Prinzen Friedrich Leopold junior in überschnellem Tempo gefahren fei. In der Angelegenheit wird deshalb eine Untersuchung eingeleitet werden.
Leutnant Tiegges unter Anflage!
Metz, 12. November. (Privat-Tele* g r a m nt.) Wegen den Leutnant Tiegges in Diedenhosen, der kürzlich (wie wir berichtet haben) einen Fahnenjunker in seiner Wohnung erschoss, ist Anflage wegen M o r d v e r - uchs erhoben worden. Die Hauptverhandlung wird am 25. November vor dem Kriegsgericht in Metz stattfinden.