Casseler Abendzeitung
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CMr Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Nummer 289.
Fernsprecher 951 unb 952.
Donnerstag, 13. November 1913.
Fernsprecher 951 imb 952.
3. Jahrgang.
Kolonial Plane.
Kolonien-Austarffch zwischen England nnd Deutschland; Dichtung und Wahrheit, von
Alfred Mello.
Von Zeit zu Zeit bringt die Tagesprefle bis Meldung, daß zwischen England und Deutschland betreffs der kolonialen Gebietsvergrößerung Deutschlands geheime Verhandlungen gepflogen werden. „Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube" möchte man hierbei bemerken, denn: Sobald bestimmtere Mitteilungen durch die Preffe veröffentlicht werden, so wintt England glatt ab. Es erklärt, daß man nur einen Meinungsaustausch gepflogen haben, Unternehmungen, die auf eine gemeinschaftliche Vertretung und Nutzbarmachung der Handelsinteressen in verschiedenen Ländergebieten hinarbeiteten. Das ist alles, was man hört. England hat es bisher, und noch in letzter Zeit, verstanden, durch Jahrzehnte lange kluge politische Maßnahmen verschiedene Gebietsvergrößerungen zu erhalten, ohne daß irgend eine Regierung dagegen auch nur den leisesten Protest erhoben hätte. So wird es auch schwer halten, daß uns England ein deutsches Zentralafrika als gewaltiges Kolonialreich gönnt. Man hofft auf die portugiesischen Besitzungen. Gewiß wäre es vortrefflich, wenn wir uns hier mit England verständigen könnten. Aber vorläufig ist auch hier England der Stärkere. Portugal ist ihm seit Jahren verpflichtet, und wenn man heute schon über eine Austeilung portugiesischer Kolonien reden will, ist das auch darum verfrüht, weil eben Portugal selbst dabei noch ein Wort mitzureden hat. Kann Portugal seine Finanzen heben iund dazu werden sich immer willige und profitlustige Geldgeber finden, wenn cs gilt, gegen Deutschland zu operieren) so hat es Nicht nötig, seinen Kolonialbesitz zu veräußern.
Möglich, daß die politischen «Verhältnisse tat- ^ächlich einmal Portugal zur Auflösung seines Kolonialbesitzes zwingen werden, dann wollen wir nur wünschen, daß Deutschland nicht zu kurz kommt, und England sich als der uns nicht schmälernde Freund zeigt. Auch von einer Abtretung der Insel Sansibar an Deutschland ist die Rede gewesen. Sir Edward Grey hat in einem Briefe, den er am siebenten November an Sir John Rollcston geschrieben, die Erklärung abgegeben daß „diese Behauptutl- gen jeglicher Begründung entbehren" Als Wir im Jahre 1890 für Sansibar die ' Insel Helgoland eintauschten, wurde das für die Entwicklung unserer damals noch jungen Kolonialpolitik als ein schwerer Schlag empfunden. Sansibar sollte damals ein Stützpunkt für unser afrikanisches Festland werden. Heute ist die Sachlage eine vollkommen andere. Wir haben in Deutsch-Ostafrika eine Kolonie erhalten, die einen Stützpunkt wie Sansibar nicht nötig hat, und Sansibars Blütezeit als Handelsplatz ist auch vorüber, seitdem die Handelsintereflen in Deutsch-Ostafrika sich zu ihrer heutigen Bedeutung entwickelt haben. Tanga und Daressalam sind Haupthandelsplätze für uns im eigenen Lande geworden, sodaß Sansibar zu erlangen uns heut^ nicht mehr wichtig erscheinen kann. Deutsch-Ostafrika hat von 1901 bis 1911 seinen Handel von 14 Millionen Mark auf 68 Millionen Mark erhöht, dagegen ging in Sansibar der Handel in der gleichen Zeit von 1197 000 Pfund Sterling auf 993 000 Pfund Sterling zurück, und die Ausfuhr hat im Zeitraum von zehn Jahren statt einer Erhöhung eine Verminderung von 1168 000 Afund Sterling herunter auf 1033 000 Pfund Sterling erfahren.
Auch für Deutsch-Südwestafrika soll uns England die Walfischbucht abtreten wollen. Dieses Angebot, wenn es überhaupt erfolgt ist, kommt jetzt ebenfalls zu spät. Die Verkehrsverhältnisse in Deutsch-Südwest sind inzwischen ganz andere geworden, wodurch wir die Walfifch- bucht, die wir vor zwanzig Jahren gern besessen hätten, heute nicht mehr benötigen. Wir sind bisher bei der Verteilung des afrikanischen Erdteils zu strrz gekommen. England hat den Löwenanteil erhalten; Frankreich besitzt ebenfalls ein riesiges afrikanisches Kolonialreich, Deutschland dagegen nur einige Kolonien, kein Vergleich gegen die englischen und französischen Kolonialgebiete. Hoffen wir, daß sich noch ein deutsches Zentral-Afrika bilden läßt, als dritte gleichwertige deutsche Kolonialmacht. Leicht wird das unserer Diplomatie nicht gemacht werden, wenn nicht England unsere Interessen würdigt. England beachtet unsere not- wendigm kolonialen Gebietserweiterungen nur dann, wenn es weiß, daß unsere Seemacht so stark geworden ist, daß es selbst bei einem siegreichen Kriege zur See seine Flotte hierfür preisgeben müßte. Gegenwärtig ist
die Gesinnung Englands für uns nicht ungünstig. Vereint könnten beide Nationen den Weltfrieden dittieren...!
zaberner Momentbilder.
Aus den elsässischen Aufruhr-Tagen.
Wie wir schon an anderer Stelle der heutigen Nummer mitteilen, ist es auch gestern wieder in 3a6ein auf dem Schloßplatz vor der Kaserne zu größeren Ansammlungen gekommen, doch blieben Zwischenfälle vermieden, obwohl etwa dreißig Gendarmen auf- und abpatrouillierten. Gestern wurde in der Stadt ein Erlaß des Bürgermeisters bekannt gegeben, in dem außer den Paragraphen über Landfriedensbruch mitgeteilt wird, daß die Militärpatrouillen mit scharfen Patronen ausgerüstet seien und den Befehl hätten, bei dem geringsten Anlaß einzuschreiten. Hebet die Vorgänge der letzten Tage erhalten wir folgenden Bericht:
Dis Aufruhr-Tags.
(Mitteilungen von Augenzeugen.) 3<xbcsn, 12. November.
Nach den an den verschiedensten Stellen tn Zabern einaezogenen Erkundigungen begann der erste Tumult mit einer Demonstration vor dem Hause des Freiherrn von Forstner. Die Dnumfinanteu. halbwüchsige Bursche«. Arbeiter und Gymnasiasten, versuchten die Fensterscheiben einzuschlagen, worauf der Hausherr den Schutz der Polizei anrief. Zu Tätlichkeiten ist es indessen nicht gekommen. Die zweite Demonstration erfolgte am Sonnabend abend. Leutnant von Forstner war an diesem Tage nach Straßburg gefahren. Als er zurückkam, wurde er auf der Straße angehalten. Kleine Burschen brüllten ihm zu: „Hast du zehn Mark? Wir geben dir noch drei dazu." Am Abend begab sich der Ofiizier in Begleitung von mehreren Kameraden in das Gasthaus „Zum Karpfen". Draußen sammelte sich schnell eine Menge an, die johlte und brüll- te. Es wird behauptet, daß die Offiziere ihre Browning Pistolen gezogen und geladen auf den Tisch gelestt hätten, was die Offiziere aber bestreiten. Freiherr von Forstner soll seine Browningpistole so in der Manteltasche gettagen haben, daß der Griff heraussah. Als der Tumult vor der Wirtschaft immer ärger wurde, schickte der ängstlich gewordene Witt nach dem Kommandeur, Oberst von Reut- ter. Dieser erschien und hielt eine Ansprache an die Menge, worin er sagte: „Kinder, geht nach Hause, es ist ja nicht so schlimm. Die Zeitungen haben übertrieben. Wartet ruhig ab." Aus der Menge wurden ihm darauf die Worte enlgegengeschleudert:
Lügner, cs ist nicht wahr!
So einer behauptet, wir Elsässer seien nicht mehr als zehn Mark wett ...! Unter schußbereiter Bedeckung wurde darauf der Leutnant von Forstner in seine Wohnung gebracht. Am Sonntag fanden die Wahlen zur Ortskrankenkasse in Zabern statt. Hierzu waren die Arbeiter aus der großen Maschinenfabrik Zornhof sowie die Bevölkerung aus den umliegenden Dörfern im Orte erschienen. Abends gegen sieben Uhr durchzog eine säst tansendköbsige Menge die Stadt, vorwiegend 15- bis 20jährige Burschen, Arbeiter, junge Leute und Gymnasiasten. Es hatte sich herumgesprochen, daß Leutnant von Forstner die Ronde hatte. Auf seinem Gang wurden Steine nach ihm geschleudert, die jedoch nicht trafen. Das Volk brüllte in den Straßen: „Schlagt ihn nieder, den L ü s e r (Lausbub), dem ent Elsässer nicht mehr als zehn Mark wett rft!" Daß natürlich die weniger besonnenen Elemente die Oberhand batten und die Marseillaise brüllten sowie Vive FAlsace! Vive la Francei" schrien, war klar. Altdeutsche, die schon lange dott ansässig sind, suchten das Volk zu beruhigen. Sie riefen den Hitzköpfen zu: „Seid ruhig, fonst muß man sich schämen, Elsässer zu sein." Der Mob war aber nicht zu bändigen. Wenn es nickt zu Tätlichkeiten kam, so ist das einzig und allein dem besonnenen Verhalten der Zivilbehörden zu verdanken. Kreisdirekwr Mahl, em Elsässer, hatte den Auftrag erhalten, auf alle Fälle ohne Angriffe die Ruhe wieder herzustellen. Die Gendarmerie hat sich tadellos benommen. *
Nach den Demonstrationen.
Wie uns weiter aus Zabern berichtet wird, befinden sich allenthalben in den Straßen Doppelposten mit Gewehr, ebenso auch Schutzleute und Gendarmen. Es sieht aus. als befinde sich die Stadt im Belagerungszustand. Den Mannschaften ist das Ausgehen am Nachmittag verboten worden. Leutnant von Forstner will Streitigkeiten zwischen
den Elsässern und den Alldeutschen befürchtet haben. Er hat eine ganze Reihe von Fällen, in denen Angriffe auf Mllitärpersonen, ferner auf andere Angehörige der Militärbevölkerung im Elsaß verübt wurden, in feinem Bericht an das Generalkommando angefühtt. Heute ist die Ruhe in Zabern im allgemeinen wieder hergestellt.
Set deutsche Grundbesitz. Eine Kundgebung der Grundbesitzer. Unter Teilnahme von mehreren hundert Delegierten hielt gestern der Schutzverband des deutschen Grundbesitzes unter dem Vorsitz des Fürsten zu Salm-Horstmar in Charlottenburg eine Delegiertensitzung ab. Hierzu waren Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, Abgeordnete und Vertreter des Grundbesitzes aus dem ganzen Reiche erschienen. Der Vorsitzende bezeichnete als Zweck der Tagung die Klarstellung der Ziele und Zwecke des Schutzverbandcs und die Abwehr der gegen denselben gerichteten Angriffe. Die Sitzung gestaltete sich dann zu einer Kundgebung der deutschen Grundbesitzer. Von unse- rem Mitarbeiter wird uns über dieses bemerkenswerte Ereignis gemeldet:
Schutz dem Privateigentum!
(Bericht unsers Korrespondenten.)
Eharlottenbnrg, 12. November.
Die gestrige Vertretersitzimg des Schutz- verbandes des deutschen Grundbesitzes stimmte nachstehenden interessanten Leitsätzen zum Schutz des Privateigentums zu: Der dauernden Besteuerung des städtischen und sändlichen Grundbefftzes must in erster Linie seine LeisttmaSsähigkeit zu Grunde gelegt werden. Der tutsächliche Reinertrag must grundsätzlich die Quelle und den Maststab der Besteuerung bilden. Die verschiedene Bemes- sung der Steuersätze für bebauten und unbebauten Besitz bei mästiger Besteuerung nach dein Bodenwert ist unbedingt abzulehnen. Da durch das Reichsbesitzsteuergesetz verdienter und unverdienter Wertzuwachs bei Grundstücken bereits steuerlich ersaßt wird, sind Sonder steuern von der Wettsteigernng des Hansbesttzes abzulehnen, zumal keinerlei Ausgleich bei Wertminderung erfolgt. Soweit vorläufig aus besonderen Anlässen auf diese Steuerart nicht verzichtet werden kann, find folgende Grundsätze durch LandeSgesetzgebung zur Geltung zu bringen: Eine Besteuerung des ohne Zutun deS Eigentümers entstandenen Wettzuwachses darf
Kommune« oder Streifen, keineswegs aber beiden zu gleicher Zett, gestattet, darf ihnen aber nicht aufgezwungen werden. Rur derjenige Wettzuwachs, der nach dem Inkrafttreten des GefetzeS eintritt, und nur der tatsächlich beim Berkaus erzielte unter Zuziehung der Eigentümer festgestellte „unverdiente" Gewinn darf zur Steuer herangezogen werden; bei Feststellung des Wertzuwachses müssen sowohl die Zinszubußen als auch sämtliche Aufwendungen in vollem Umfang angerechnet werden. Gemeinden und Streife, dir eine Wertzuwachs st euer einführen, dürfen daneben eine Umsatzsteuer nicht erheben. Versteigerungen im Wege der Zwangs- vollstteckung müssen grundsätzlich von allen Besitzwechselabgaben frei bleiben. Bei Umgestaltung der Kommunalabgabengesetze muß verhindert werden, daß Gemeinden die Besteuerung des Grundbesitzes nach eigener Willkür vornehmen. Die Kontingentierung der Steuern muß zum Schutze des Grundbesitzes weiter misgestaltet werden. Die neuerdings eingerissene Anleihewirtschaft der Kommunalverwaltungen muß auf vernünftige Grenzen zurückgeführt werden, da sie eine schwere Schädigung des Grundbesitzes darstellt.
Grundbesitz contra Bodenreform.
In der Kundgebung des Schutzverbandes heißt es: Unsere gesamte Volkswirtschaft treibt dem Kommunismus entgegen. Der durch die Verfassung garantierte Schutz des Privateigentums ist ins Wanken geraten und die Irrwege bodenreformerischer Bestrebungen untergraben die Boden- ständigkeit der Bevölkerung. Ter Schutzver- band für den dkuisckcn Grundbesitz brinai öffentlich zum Ausdruck, daß er gewillt ist, einer solchen für unser ganzes Volksleben verderblichen Entwicklung entgegenzutreten. Die öffentlichen Organe sind nicht Selbstzweck. Ihr Wirken muß der Sicherheit der Existenz, dem Wohlergehen und der Zufriedenheit aller Staatsbürger dienen.
Rach dem Utteilsspruch von Kiew.
Es Lesteht keine Pogrom-Gefahr!
Odessa, 12. November. (Privattelegramm.) Gerüchte von Pogromen in Verbindung mit dem Schluß des Kiewer Pro
zesses find unbegründet, und es wird auch wei- terhin garantiert, daß kein Anlaß zu Be. fürchtungen wegen etwaiger Unruhen vor- Händen sei.
Sie Bern Scholz.
Kommunalpolitisrh-kritifche Rückblicke auf das letzte Jahr: Dr. Scholz und die Regie.
MU her heute abeud ftattsi-ldenden Einführung be« neuen Casseler Oberbürgermeister« tn sein Amt gehören die Geschehnisse unter der Der- waUung des Oberbürgcrmeisters Dr. Scholz und das Walten des ihm nachsolgenden Prodisoriums der Geschichte an und die Ergebnisse der kurzen Periode Kasseler Stadtverwaltung die man die „Aera Scholz" nennen darf, unterliegen nunmehr der btsto- rischen Feststellung und kommunalpolttisch-kritischen Nachprüfung. Diesem Zwe^ sollen auch die nach, folgenden Ausführungen dienen, deren weitere Folge tn den nächsten Tagen erscheint. Die Redaktion-
In der Politik gibt es keine unumstößlichen Neilswabrheiten, wenn auch das Ziel stets allein das Wohl des Gemeinkörpers bleibt, dem jemand unter Ausschaltung aller persönlichen. die eiaene Arbeitsleistung nicht lohnenden Geldvorteile dient; die Mittel zum Ziel unterliegen der Relativität und sind lediglich nach ihrer Zweckmäßigkeit und den unter Berücksichtigung des Augeublickwertes und der Zukunst- chaneen sich eracbenben Begleitumständen des jeweiligen Problems zu beurteilen und zu ent- ' scheiden. Das gilt vor allem von dem Teil der Politik, der sich mit der Verwaltung und Fortentwicklung der großstädtischen Gemeinwesen beschäftigt, der Kommunalpolitik, deren Bestand und Notwendigkeit man bisher in C a s s e l in höchst befremdlicher Weife leugnete, und die bis dahin aus der Stadtverordnetem Versammlung ferngehalten zu haben, man sich öffentlich rühmte. Was bei diesem Verhalten für die Stadt herausgekommen ist, soll an dieser Stelle nicht erörtert werden. Das alles schien nun mit der A e r a Sckolz, mit der Wähl eines im besten Mannesatter stehenden Mannes dem der Ruf eines Kommunalpoliii- kers und vielseitigen Sportfreundes vorherging, sich zu ändern Dr. Scholz kam aus Düsseldorf, aus einem Milieu und einer Schulung, die nach den Worten seines früheren Spezialkollegen Dr. Otto Most folgende Anschauungen in siegende Taten umgesetzt hat: „In noch ausgeprägterer und weit bedeutungsvollerer Weise hat sich die freie Betätigung der deutschen Kommunalver- Wallung ein weites und dankbares Feld der Fürsorge für das wirtschaftliche Wohl ihrer Glieder durch Schaffung besonderer wirtschaftlicher Einrichtungen (Gemeindebettiebe), die dem Allgemeinwohl in der Hand der Gemeinde besser dienen als in der Hand von Privaten, geschaffen. Es würde zu weit führen, über die Geschichte und den Siegeszug des „Munizipalindustrialismus" in der
modernen deutschen Stadtverwaltung
hier näheres auszuführen; als ein Typ der modernen deutschen Stadtverwaltung kann Düsseldorf gelten, wo die Kommunalisierung wirtschaftlicher Unternehmungen weiter gegangen ist, als in irgend einer anderen Stadt Deutschlands. Auch sei daran erinnert, daß auf diesem Gebiet schon die Städte des Mittelalters interessante Versuche gemacht haben, die gemeindlichen Kauf- und Gewerbehäuser, Hallen, Buden. Bänken und Börsen, Gasthäuser und Herbergen, Salz-, Frucht-, Korn- und Weinhandlungen, die an manchen Stellen nachzuweisenden Anfänge von Kanalisation und Wasserleitung und schließlich die oft in städtischer Regie betriebenen Frauenhäuser, all dies fallt unter den heutigen Begriff der Gemeindebetriebe ...!" Soweit Dr. Most. Düsseldorf ist das Gemeinwesen, das einen eigenen städtischen Grundstücksfonds besitzt, während in Cassel bekanntlich eine städtische Bodenpolitik von den Tonangebern als etwas Unzulässiges und Verwerfliches, ja sogar als Verbotenes, dem Eingriff des Regierungspräsidenten Unterliegendes stets hingestellt worden ist, obwohl sich allerdings reichlich verspätet nach Abstoßung des alten Regierungsgebäudes für 1100 000 Mark die Gelegenheit ergab, diese Summe als Grundstücksfonds weiter nutzbringend zu verwerten, zum Beispiel zum Erwerb eines Badegrund st ückes oder zur Erschließung des Geländes der alten häßlichen Jerome-Kaserne am Königstor Ja sogar die Erbauung eines städtischen Bades hätte man mit diesem Kapital und dem der Henschel'schen Stiftung ermöglichen können, und die dem Grundstückssonds alsdann schuldigen Zinsen zu weiteren Grundstücks und Wohnungszwecken werbend anlegen können. Das wäre eine durch die Augenblicksumstände gebotene und weit vorausschauende Finanz- und Bodenpolitik gewesen. Hingegen wird (soviel mir bekannt ist) der Erlös aus dem ehemals Hessisch-Rothen- burgsschen Palais sowie der sogenannte Polizeikostenfonds in der uferlosen Stadt- und Ruhmeshallengriindung. die in Menschenaltern niemals werbenden Zwecken zu bienen berufen ist, sich auflösen. Ganz anders in Düsseldorf, dem Sitz der früheren
Amtstätigkeit des Dr. Scholz.
Seit dem Jahre 1901 stellte der Grund- besitz der Stadtgemeinde (soweit er nicht einem bestimmten Gemeindezwecke bereits