Einzelbild herunterladen
 

Casseler Abendzeitung

$te FefTeler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abends. $er AdonnementSpret« betrügt monatlich W Pfg. bei freier Zustellung inS Sau«. Bestellungen werden jederzeit von der Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, Verlag und Redaktion: Schlachthofstratz- 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von«>/,diS 8 Uhr. abends. Sprechstunden der Auskunft < Stelle- Jeden Mittwoch und Freitag von 6>/, bis 8 Uhr abend«. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstr. 16, Telephon: Am! Moritzpla« 12584

JnlertionSpreis«: Die iechSgelpaltene Zeile tut einheimische beschatte 15 Big., für aus. wartige Inserate 25 Pf, Reklame,eile für einheimische Geschäfte 40 Pf, für auswärtige Geschäfte 60 Pf. einfache Beilagen für die Sesamtaustage werden mit «Mark pro Tausend de. reanet. Wegen ihrer dichten Verbreitung In der Residenz und der Umgebung Nnd die Casseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliche» JnsertionSorgan. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: sw., Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Moritzpla? 12584.

CMr Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Nummer 289.

Fernsprecher 951 unb 952.

Donnerstag, 13. November 1913.

Fernsprecher 951 imb 952.

3. Jahrgang.

Kolonial Plane.

Kolonien-Austarffch zwischen England nnd Deutschland; Dichtung und Wahrheit, von

Alfred Mello.

Von Zeit zu Zeit bringt die Tagesprefle bis Meldung, daß zwischen England und Deutschland betreffs der kolonialen Ge­bietsvergrößerung Deutschlands geheime Ver­handlungen gepflogen werden.Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube" möchte man hierbei bemerken, denn: Sobald be­stimmtere Mitteilungen durch die Preffe veröf­fentlicht werden, so wintt England glatt ab. Es erklärt, daß man nur einen Meinungsaus­tausch gepflogen haben, Unternehmungen, die auf eine gemeinschaftliche Vertretung und Nutz­barmachung der Handelsinteressen in verschie­denen Ländergebieten hinarbeiteten. Das ist alles, was man hört. England hat es bisher, und noch in letzter Zeit, verstanden, durch Jahr­zehnte lange kluge politische Maßnahmen ver­schiedene Gebietsvergrößerungen zu erhalten, ohne daß irgend eine Regierung dagegen auch nur den leisesten Protest erhoben hätte. So wird es auch schwer halten, daß uns England ein deutsches Zentralafrika als gewaltiges Ko­lonialreich gönnt. Man hofft auf die portugie­sischen Besitzungen. Gewiß wäre es vortrefflich, wenn wir uns hier mit England verständigen könnten. Aber vorläufig ist auch hier England der Stärkere. Portugal ist ihm seit Jahren verpflichtet, und wenn man heute schon über eine Austeilung portugiesischer Kolonien reden will, ist das auch darum verfrüht, weil eben Portugal selbst dabei noch ein Wort mitzureden hat. Kann Portugal seine Finanzen heben iund dazu werden sich immer willige und pro­fitlustige Geldgeber finden, wenn cs gilt, ge­gen Deutschland zu operieren) so hat es Nicht nötig, seinen Kolonialbesitz zu veräußern.

Möglich, daß die politischen «Verhältnisse tat- ^ächlich einmal Portugal zur Auflösung seines Kolonialbesitzes zwingen werden, dann wollen wir nur wünschen, daß Deutschland nicht zu kurz kommt, und England sich als der uns nicht schmälernde Freund zeigt. Auch von einer Ab­tretung der Insel Sansibar an Deutsch­land ist die Rede gewesen. Sir Edward Grey hat in einem Briefe, den er am siebenten No­vember an Sir John Rollcston geschrieben, die Erklärung abgegeben daßdiese Behauptutl- gen jeglicher Begründung entbehren" Als Wir im Jahre 1890 für Sansibar die ' Insel Helgoland eintauschten, wurde das für die Entwicklung unserer damals noch jungen Ko­lonialpolitik als ein schwerer Schlag empfun­den. Sansibar sollte damals ein Stütz­punkt für unser afrikanisches Festland wer­den. Heute ist die Sachlage eine vollkommen andere. Wir haben in Deutsch-Ostafrika eine Kolonie erhalten, die einen Stützpunkt wie Sansibar nicht nötig hat, und Sansibars Blüte­zeit als Handelsplatz ist auch vorüber, seitdem die Handelsintereflen in Deutsch-Ostafrika sich zu ihrer heutigen Bedeutung entwickelt haben. Tanga und Daressalam sind Haupthandelsplätze für uns im eigenen Lande geworden, sodaß Sansibar zu erlangen uns heut^ nicht mehr wichtig erscheinen kann. Deutsch-Ostafrika hat von 1901 bis 1911 seinen Handel von 14 Milli­onen Mark auf 68 Millionen Mark erhöht, da­gegen ging in Sansibar der Handel in der glei­chen Zeit von 1197 000 Pfund Sterling auf 993 000 Pfund Sterling zurück, und die Ausfuhr hat im Zeitraum von zehn Jahren statt einer Erhöhung eine Verminderung von 1168 000 Afund Sterling herunter auf 1033 000 Pfund Sterling erfahren.

Auch für Deutsch-Südwestafrika soll uns Eng­land die Walfischbucht abtreten wollen. Dieses Angebot, wenn es überhaupt erfolgt ist, kommt jetzt ebenfalls zu spät. Die Verkehrsverhält­nisse in Deutsch-Südwest sind inzwischen ganz andere geworden, wodurch wir die Walfifch- bucht, die wir vor zwanzig Jahren gern beses­sen hätten, heute nicht mehr benötigen. Wir sind bisher bei der Verteilung des afrikanischen Erdteils zu strrz gekommen. England hat den Löwenanteil erhalten; Frankreich besitzt eben­falls ein riesiges afrikanisches Kolonialreich, Deutschland dagegen nur einige Kolonien, kein Vergleich gegen die englischen und französischen Kolonialgebiete. Hoffen wir, daß sich noch ein deutsches Zentral-Afrika bilden läßt, als dritte gleichwertige deutsche Kolonialmacht. Leicht wird das unserer Diplomatie nicht ge­macht werden, wenn nicht England unsere In­teressen würdigt. England beachtet unsere not- wendigm kolonialen Gebietserweiterungen nur dann, wenn es weiß, daß unsere See­macht so stark geworden ist, daß es selbst bei einem siegreichen Kriege zur See seine Flotte hierfür preisgeben müßte. Gegenwärtig ist

die Gesinnung Englands für uns nicht ungün­stig. Vereint könnten beide Nationen den Welt­frieden dittieren...!

zaberner Momentbilder.

Aus den elsässischen Aufruhr-Tagen.

Wie wir schon an anderer Stelle der heutigen Nummer mitteilen, ist es auch gestern wieder in 3a6ein auf dem Schloßplatz vor der Ka­serne zu größeren Ansammlungen gekom­men, doch blieben Zwischenfälle vermieden, ob­wohl etwa dreißig Gendarmen auf- und ab­patrouillierten. Gestern wurde in der Stadt ein Erlaß des Bürgermeisters bekannt gegeben, in dem außer den Paragraphen über Land­friedensbruch mitgeteilt wird, daß die Militär­patrouillen mit scharfen Patronen aus­gerüstet seien und den Befehl hätten, bei dem geringsten Anlaß einzuschreiten. Hebet die Vor­gänge der letzten Tage erhalten wir folgenden Bericht:

Dis Aufruhr-Tags.

(Mitteilungen von Augenzeugen.) 3<xbcsn, 12. November.

Nach den an den verschiedensten Stellen tn Zabern einaezogenen Erkundigungen begann der erste Tumult mit einer Demonstration vor dem Hause des Freiherrn von Forstner. Die Dnumfinanteu. halbwüchsige Bursche«. Ar­beiter und Gymnasiasten, versuchten die Fen­sterscheiben einzuschlagen, worauf der Haus­herr den Schutz der Polizei anrief. Zu Tätlich­keiten ist es indessen nicht gekommen. Die zweite Demonstration erfolgte am Sonnabend abend. Leutnant von Forstner war an diesem Tage nach Straßburg gefahren. Als er zurück­kam, wurde er auf der Straße angehal­ten. Kleine Burschen brüllten ihm zu:Hast du zehn Mark? Wir geben dir noch drei da­zu." Am Abend begab sich der Ofiizier in Be­gleitung von mehreren Kameraden in das GasthausZum Karpfen". Draußen sammelte sich schnell eine Menge an, die johlte und brüll- te. Es wird behauptet, daß die Offiziere ihre Browning Pistolen gezogen und ge­laden auf den Tisch gelestt hätten, was die Of­fiziere aber bestreiten. Freiherr von Forstner soll seine Browningpistole so in der Mantel­tasche gettagen haben, daß der Griff heraus­sah. Als der Tumult vor der Wirtschaft immer ärger wurde, schickte der ängstlich gewordene Witt nach dem Kommandeur, Oberst von Reut- ter. Dieser erschien und hielt eine Ansprache an die Menge, worin er sagte:Kinder, geht nach Hause, es ist ja nicht so schlimm. Die Zeitungen haben übertrieben. Wartet ruhig ab." Aus der Menge wurden ihm darauf die Worte enlgegengeschleudert:

Lügner, cs ist nicht wahr!

So einer behauptet, wir Elsässer seien nicht mehr als zehn Mark wett ...! Unter schuß­bereiter Bedeckung wurde darauf der Leutnant von Forstner in seine Wohnung ge­bracht. Am Sonntag fanden die Wahlen zur Ortskrankenkasse in Zabern statt. Hierzu waren die Arbeiter aus der großen Maschinenfabrik Zornhof sowie die Bevölke­rung aus den umliegenden Dörfern im Orte erschienen. Abends gegen sieben Uhr durchzog eine säst tansendköbsige Menge die Stadt, vor­wiegend 15- bis 20jährige Burschen, Arbeiter, junge Leute und Gymnasiasten. Es hatte sich herumgesprochen, daß Leutnant von Forstner die Ronde hatte. Auf seinem Gang wurden Steine nach ihm geschleudert, die jedoch nicht trafen. Das Volk brüllte in den Straßen:Schlagt ihn nieder, den L ü s e r (Lausbub), dem ent Elsässer nicht mehr als zehn Mark wett rft!" Daß natürlich die weniger besonnenen Elemente die Oberhand batten und die Marseillaise brüllten sowie Vive FAlsace! Vive la Francei" schrien, war klar. Altdeutsche, die schon lange dott ansässig sind, suchten das Volk zu beruhigen. Sie riefen den Hitzköpfen zu:Seid ruhig, fonst muß man sich schämen, Elsässer zu sein." Der Mob war aber nicht zu bändigen. Wenn es nickt zu Tätlichkeiten kam, so ist das einzig und allein dem besonnenen Verhalten der Zi­vilbehörden zu verdanken. Kreisdirekwr Mahl, em Elsässer, hatte den Auftrag erhalten, auf alle Fälle ohne Angriffe die Ruhe wieder herzustellen. Die Gendarmerie hat sich tadel­los benommen. *

Nach den Demonstrationen.

Wie uns weiter aus Zabern berichtet wird, befinden sich allenthalben in den Straßen Doppelposten mit Gewehr, ebenso auch Schutzleute und Gendarmen. Es sieht aus. als befinde sich die Stadt im Belagerungszu­stand. Den Mannschaften ist das Ausgehen am Nachmittag verboten worden. Leutnant von Forstner will Streitigkeiten zwischen

den Elsässern und den Alldeutschen befürchtet haben. Er hat eine ganze Reihe von Fällen, in denen Angriffe auf Mllitärpersonen, ferner auf andere Angehörige der Militärbevölkerung im Elsaß verübt wurden, in feinem Bericht an das Generalkommando angefühtt. Heute ist die Ruhe in Zabern im allgemeinen wieder hergestellt.

Set deutsche Grundbesitz. Eine Kundgebung der Grundbesitzer. Unter Teilnahme von mehreren hundert De­legierten hielt gestern der Schutzverband des deutschen Grundbesitzes unter dem Vorsitz des Fürsten zu Salm-Horstmar in Charlottenburg eine Delegiertensitzung ab. Hierzu waren Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, Abgeordnete und Vertreter des Grundbesitzes aus dem ganzen Reiche erschie­nen. Der Vorsitzende bezeichnete als Zweck der Tagung die Klarstellung der Ziele und Zwecke des Schutzverbandcs und die Abwehr der gegen denselben gerichteten Angriffe. Die Sitzung gestaltete sich dann zu einer Kundge­bung der deutschen Grundbesitzer. Von unse- rem Mitarbeiter wird uns über dieses bemer­kenswerte Ereignis gemeldet:

Schutz dem Privateigentum!

(Bericht unsers Korrespondenten.)

Eharlottenbnrg, 12. November.

Die gestrige Vertretersitzimg des Schutz- verbandes des deutschen Grund­besitzes stimmte nachstehenden interessanten Leitsätzen zum Schutz des Privateigentums zu: Der dauernden Besteuerung des städtischen und sändlichen Grundbefftzes must in erster Linie seine LeisttmaSsähigkeit zu Grunde gelegt wer­den. Der tutsächliche Reinertrag must grundsätzlich die Quelle und den Maststab der Besteuerung bilden. Die verschiedene Bemes- sung der Steuersätze für bebauten und unbe­bauten Besitz bei mästiger Besteuerung nach dein Bodenwert ist unbedingt abzulehnen. Da durch das Reichsbesitzsteuergesetz verdienter und unverdienter Wertzuwachs bei Grundstücken bereits steuerlich ersaßt wird, sind Sonder steuern von der Wettsteigernng des Hansbesttzes abzulehnen, zumal keinerlei Ausgleich bei Wertminderung erfolgt. Soweit vorläufig aus besonderen Anlässen auf diese Steuerart nicht verzichtet werden kann, find folgende Grundsätze durch LandeSgesetzgebung zur Geltung zu bringen: Eine Besteuerung des ohne Zutun deS Eigentümers entstandenen Wettzuwachses darf

Kommune« oder Streifen, keineswegs aber beiden zu gleicher Zett, gestattet, darf ihnen aber nicht aufgezwungen werden. Rur derjenige Wettzuwachs, der nach dem Inkrafttreten des GefetzeS eintritt, und nur der tatsächlich beim Berkaus erzielte unter Zuziehung der Eigentümer festgestellte unverdiente" Gewinn darf zur Steuer heran­gezogen werden; bei Feststellung des Wertzu­wachses müssen sowohl die Zinszubußen als auch sämtliche Aufwendungen in vollem Um­fang angerechnet werden. Gemeinden und Streife, dir eine Wertzuwachs st euer ein­führen, dürfen daneben eine Umsatzsteuer nicht erheben. Versteigerungen im Wege der Zwangs- vollstteckung müssen grundsätzlich von allen Be­sitzwechselabgaben frei bleiben. Bei Umgestal­tung der Kommunalabgabengesetze muß ver­hindert werden, daß Gemeinden die Besteue­rung des Grundbesitzes nach eigener Willkür vornehmen. Die Kontingentierung der Steu­ern muß zum Schutze des Grundbesitzes weiter misgestaltet werden. Die neuerdings eingeris­sene Anleihewirtschaft der Kommu­nalverwaltungen muß auf vernünftige Grenzen zurückgeführt werden, da sie eine schwere Schädigung des Grundbesitzes darstellt.

Grundbesitz contra Bodenreform.

In der Kundgebung des Schutzverban­des heißt es: Unsere gesamte Volkswirtschaft treibt dem Kommunismus entgegen. Der durch die Verfassung garantierte Schutz des Privateigentums ist ins Wanken geraten und die Irrwege bodenreformerischer Bestrebungen untergraben die Boden- ständigkeit der Bevölkerung. Ter Schutzver- band für den dkuisckcn Grundbesitz brinai öffentlich zum Ausdruck, daß er gewillt ist, ei­ner solchen für unser ganzes Volksleben ver­derblichen Entwicklung entgegenzutreten. Die öffentlichen Organe sind nicht Selbstzweck. Ihr Wirken muß der Sicherheit der Existenz, dem Wohlergehen und der Zufriedenheit aller Staatsbürger dienen.

Rach dem Utteilsspruch von Kiew.

Es Lesteht keine Pogrom-Gefahr!

Odessa, 12. November. (Privattele­gramm.) Gerüchte von Pogromen in Verbindung mit dem Schluß des Kiewer Pro­

zesses find unbegründet, und es wird auch wei- terhin garantiert, daß kein Anlaß zu Be. fürchtungen wegen etwaiger Unruhen vor- Händen sei.

Sie Bern Scholz.

Kommunalpolitisrh-kritifche Rückblicke auf das letzte Jahr: Dr. Scholz und die Regie.

MU her heute abeud ftattsi-ldenden Einführung be« neuen Casseler Oberbürgermeister« tn sein Amt gehören die Geschehnisse unter der Der- waUung des Oberbürgcrmeisters Dr. Scholz und das Walten des ihm nachsolgenden Prodisoriums der Geschichte an und die Ergebnisse der kurzen Periode Kasseler Stadtverwaltung die man dieAera Scholz" nennen darf, unterliegen nunmehr der btsto- rischen Feststellung und kommunalpolttisch-kritischen Nachprüfung. Diesem Zwe^ sollen auch die nach, folgenden Ausführungen dienen, deren weitere Folge tn den nächsten Tagen erscheint. Die Redaktion-

In der Politik gibt es keine unumstößlichen Neilswabrheiten, wenn auch das Ziel stets al­lein das Wohl des Gemeinkörpers bleibt, dem jemand unter Ausschaltung aller persönli­chen. die eiaene Arbeitsleistung nicht lohnenden Geldvorteile dient; die Mittel zum Ziel unter­liegen der Relativität und sind lediglich nach ihrer Zweckmäßigkeit und den unter Berücksich­tigung des Augeublickwertes und der Zukunst- chaneen sich eracbenben Begleitumständen des jeweiligen Problems zu beurteilen und zu ent- ' scheiden. Das gilt vor allem von dem Teil der Politik, der sich mit der Verwaltung und Fort­entwicklung der großstädtischen Gemeinwesen beschäftigt, der Kommunalpolitik, deren Bestand und Notwendigkeit man bisher in C a s s e l in höchst befremdlicher Weife leugnete, und die bis dahin aus der Stadtverordnetem Versammlung ferngehalten zu haben, man sich öffentlich rühmte. Was bei diesem Verhalten für die Stadt herausgekommen ist, soll an die­ser Stelle nicht erörtert werden. Das alles schien nun mit der A e r a Sckolz, mit der Wähl eines im besten Mannesatter stehenden Mannes dem der Ruf eines Kommunalpoliii- kers und vielseitigen Sportfreundes vorherging, sich zu ändern Dr. Scholz kam aus Düsseldorf, aus einem Milieu und einer Schulung, die nach den Worten seines früheren Spezialkollegen Dr. Otto Most folgende Anschauungen in siegende Taten umgesetzt hat:In noch ausgeprägterer und weit bedeutungsvollerer Weise hat sich die freie Betätigung der deutschen Kommunalver- Wallung ein weites und dankbares Feld der Fürsorge für das wirtschaftliche Wohl ihrer Glieder durch Schaffung besonderer wirtschaft­licher Einrichtungen (Gemeindebettiebe), die dem Allgemeinwohl in der Hand der Ge­meinde besser dienen als in der Hand von Pri­vaten, geschaffen. Es würde zu weit führen, über die Geschichte und den Siegeszug des Munizipalindustrialismus" in der

modernen deutschen Stadtverwaltung

hier näheres auszuführen; als ein Typ der modernen deutschen Stadtverwaltung kann Düsseldorf gelten, wo die Kommunalisierung wirtschaftlicher Unternehmungen weiter gegan­gen ist, als in irgend einer anderen Stadt Deutschlands. Auch sei daran erinnert, daß auf diesem Gebiet schon die Städte des Mittelalters interessante Versuche gemacht haben, die ge­meindlichen Kauf- und Gewerbehäuser, Hallen, Buden. Bänken und Börsen, Gasthäuser und Herbergen, Salz-, Frucht-, Korn- und Wein­handlungen, die an manchen Stellen nachzu­weisenden Anfänge von Kanalisation und Was­serleitung und schließlich die oft in städtischer Regie betriebenen Frauenhäuser, all dies fallt unter den heutigen Begriff der Gemeindebe­triebe ...!" Soweit Dr. Most. Düsseldorf ist das Gemeinwesen, das einen eigenen städtischen Grundstücksfonds besitzt, während in Cassel be­kanntlich eine städtische Bodenpolitik von den Tonangebern als etwas Unzulässiges und Verwerfliches, ja sogar als Ver­botenes, dem Eingriff des Regierungsprä­sidenten Unterliegendes stets hingestellt worden ist, obwohl sich allerdings reichlich verspätet nach Abstoßung des alten Regierungsgebäudes für 1100 000 Mark die Gelegenheit ergab, diese Summe als Grundstücksfonds weiter nutzbrin­gend zu verwerten, zum Beispiel zum Erwerb eines Badegrund st ückes oder zur Er­schließung des Geländes der alten häßlichen Jerome-Kaserne am Königstor Ja sogar die Erbauung eines städtischen Bades hätte man mit diesem Kapital und dem der Henschel'schen Stiftung ermöglichen können, und die dem Grundstückssonds alsdann schuldigen Zinsen zu weiteren Grundstücks und Wohnungszwecken werbend anlegen können. Das wäre eine durch die Augenblicksumstände gebotene und weit vorausschauende Finanz- und Bodenpolitik ge­wesen. Hingegen wird (soviel mir bekannt ist) der Erlös aus dem ehemals Hessisch-Rothen- burgsschen Palais sowie der sogenannte Poli­zeikostenfonds in der uferlosen Stadt- und Ruhmeshallengriindung. die in Menschen­altern niemals werbenden Zwecken zu bienen berufen ist, sich auflösen. Ganz anders in Düs­seldorf, dem Sitz der früheren

Amtstätigkeit des Dr. Scholz.

Seit dem Jahre 1901 stellte der Grund- besitz der Stadtgemeinde (soweit er nicht einem bestimmten Gemeindezwecke bereits