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CaWki-NeuksteMMteil
Caffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
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Nummer 288. Fernsprecher 951 und 952. Mittwoch, 12. November 1913. Fernsprecher 951 und 952. 3. Jahrgang.
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Katheder-Ideale.
Professor Dr. Eltzbacher über de« Schutz der Persönttchkeitvor Oeffenttichkett «nd Presse.
Anlählich der Rektoratstibergabe an der Berliner Aandels-Hochschule, die in Anwesen, heil verschiedener Ehrengiiftc, darunter des ReichStagsPrüsibenten Kasmpf vor sich ging, hielt der neue Rektor, Professor Dr. Eltz. Sacher, di« üblich« wissenschaftliche An. spräche, in der er die Frage,u beantworten suchte/ ob nicht da» Privatleben eines stärkeren Schuhes gegen Seffentlichkeit und Presse bedürfe. Der Redner bejaht« die Frage.
Katheder-Geist, auf Wirklichkeit und Leben aufaepsropst, trägt selten genießbare Früchte. Herr Eltzbacher, der neue Rektor der Berliner Handels-Hochschule, hat sich bemüht, dieser Gefahr-Erkenntnis vorzubeugen, indem er das Thema seiner Antritts-Vorlesung unter dem Gesichtswinkel realer Möglichkeiten erörterte. Seine Ausführungen gipfelten in der Feststellung, daß das Privatleben des Einzelnen tatsächlich durch das geltende Recht gegenüber Oeffentlichkeit und Presse nicht genügend geschützt sei und daß es deshalb wünschenswert erscheine, diesen Schutz zu schaffen, oder dort, wo er bereits (wenn auch in unzulänglichem Maße) bestehe, zu verbessern. Man darf zugeben, daß Eltzbacher nicht irrt, wenn er annimmt, daß die Garantien, die die heutige Rechtspflege dem Privatleben des Bürgers gegen Verunglimpfung und Schädigung bietet, nicht ausreichen, um einen wirklichen und sichern Schutz der Persönlichkeits-Ehre vor Angriffen und Verdächtigungen zu gewährleisten, aber diese Erkenntnis darf doch nicht über die andere hinwegtäuschen, daß das ganze System unsrer öffentlichen Meinung sich auf der Freiheit der Meinungs-Aeußerung auf« baut und daß es fast undenkbar ist, dieser Freiheit Grenzen zu ziehen, ohne das Prinzip öffentlicher Meinung und den Grundgedanken der Oeffentlichkeit überhaupt zu beeinträchtigen. Herr Eltzbacher sieht Schatten, die imgrunde nur Widerspiegelungen naturnotwen- diger Vorgänge sind und er erkennt dort System- Gefahren und S y st e m - Auswüchse, wo in Wirklichkeit nur die Schuld des Einzelnen Wirkungen hervorruft, die den Grundsätzen öffentlicher Meinungspflege direkt widersprechen und die auch nach den heute geltenden Rechtsbegrisfen strafgesetzlich faßbar sind. Der Kampf gegen diese Gefahren ist sicher berechtigt; oder besser: Er ist dringende Notwendigkeit, und niemand hat ein größeres Interesse daran, diesen Kampf mit rücksichtsloser Energie geführt zu sehen, als die Presse selbst, die sich sehr entschieden dagegen verwahren muß, immer wieder mit dem Winkel- und Skandalpresse-Unwesen in einem Atem genannt zu werden.
Herr Eltzbacher hat nicht gesagt, daß dem Privatleben des Einzelnen von der Presse als solcher Gefahr drohe; im Gegenteil: Er verlangt ausdrücklich den „Schutz vor der Oeffent- lichkeit" derart gestaltet, daß er „nicht zur Knebelung der Presse mißbraucht werden kann.* Diese Sicherung ist, wenn man nicht das zwanzigste gegen das achtzehnte oder neunzehnte Jahrhundert vertauschen will, eine Selbstverständlichkeit, und man hat das Gefühl, als wenn der Berliner Handelshochschul-Pro- fesior selbst sich nicht von der Ueberzeugung habe losringen können, daß sein Ruf nach Gesetz- und Polizeischutz vor der Oeffentlichkeit seine schärfste Spitze doch immer wieder gegen das Instrument der öffentlichen Meinung: Die Presse, richte und daß er sich infolgedessen verpflichtet glaubte, dem Gedanken daran verlegen zu wehren. 23 t e in der Vorstellung des Professors das Wesen öffentlicher Meinungs-Aeußerung sich malt, dafür ein kleines Pröbchen: „Ein Staatsmann, der noch so viel Verdienste hat, ist für die öffentliche Meinung erledigt, wenn er einmal einen Fehler begeht. Dabei kennt die öffentliche Meinung auch keine Belehrung. Es ist deshalb gerechtfertigt, Grenzen zu setzen, damit nicht jeder Mensch aus irgendwelchen Gründen unser Privatleben vor den Richterstuhl der öffentlichen Meinung bringen kann. Die Presse hat in der letzten Zeit einen nie dagewesenen Aufschwung genommen, zugleich aber auch eine immer stärkere Richtung auf das Persönliche. Manches Blatt ist diesem Drängen weiter entgegengekommen, als es der Würde der Zeitung entsprach. Der Empfindlichkeit kann Rechnung getragen werden, ohne daß man in die Gefahr der Verweichlichung verfällt ...!" Herr Eltzbacher ist Professor und Gelehrter, sitzt auf einem Katheder und nicht auf einem Redaktionsstuhl und darf also Anspruch auf Nachsicht erheben, wenn er im Bilde sich vergriffen.
Daß er's getan, beweist seine Argumenta- ^on. &es Staatsmann, b« v«: d«c öffenLK-
chen Meinung bekämpft wird, trotzdem er „noch so viel Verdienste hat", wird nicht als Privatperson. sondern als Staatsmann, als mitten im öffentlichen Leben stehende, jedem Auge sichtbare Persönlichkeit bekämpft, und eS ist für die Beurteilung dieses Kampfs belanglos, ob die öffentliche Meinung sich „belehren" läßt oder nicht. Wie stellt sich der Berliner Professor etwa den politischen Meinungskampf vor, wenn die Ueberzeugung der öffentlichen Meinung der juristischen Approbation unterstellt würde und die „Belehrung" der Presse nach dem Willen des Gesetzes durch den Mann im Richter-Talar zu erfolgen hätte? Grundsätzlich wird man dem Redner gern beipflichten: Es ist wünschens- und erstrebenswert, aus dem Bereich öffentlicher Meinung all Das fernzuhalten und zu entfernen, das aus unlau- tern Motiven das Privatleben des Einzelnen berührt und die Ehre des Nächsten dem Geheul der Gaffe preisgibt; gefährlich und bedenklich ist indessen die Schaffung von „Schutz- Bestimmungen", die die Gefahr juristischer Dehnbarkeit in sich tragen und in ihrer straf- rechtlrchen Anwendung leicht zu einer Knebelung und Einengung der öffentlichen Meinung führen können. Unter diesem Gesichtswinkel ist auch der Vorschlag Eltzbachers zu betrachten, eine neue Strafbestimmung zu schaffen, die folgenden Rechtsgrundsatz aufstellt: „Wer entgegen den guten Sitten Mitteilungen aus dem Privatleben eines Andern veröffentlicht, wird mit Geldstrafe bis zu 10 000 Mark oder mit Gefängnis bis zu drei Jahren bestraft; die Verfolgung tritt nur auf Antrag ein ...!" Hinter diesem Paragraphen lauert eine unabsehbare Kette schwerster Gefahren, denn die Interpretation des Begriffs der „guten Sitten" würde der Willkür Tür und Tor öffnen, und wir könnten es alsdann erleben, daß selbst der politische Meinungskampf gerichtlich auf seine „sittliche Qualität" von Fall zu Fall abgeschätzt werden würde. Und da Herr Eltzbacher das Schöne mit dem Nützlichen zu verbinden gedenkt und vom Schuldigen außer dem Ersatz des materiellen auch die Vergütung des ideellen Schadens fordert, so wäre die Möglichkeit vorhanden, daß die Rechtsunsicher h e i t im Rechtsstaat die tollsten Orgien feiern könnte. Lieber also nicht! Der Kamps gegen Ehrabschneider und Verleumder kann mit andern Mitteln geführt werden, und wer im öffenttichen Leben steht, muß stch's gefallen lassen, daß man ihm nicht nur Liebenswürdigkeiten sagt. Polizei-Aufsicht aber für die öffentliche Meinung: Für Rußland vielleicht erträglich, für nns eine unerträgliche Unwürdigkeit ...! F.. H.
Arizona-Mer-8Me.
Eine Schlacht in...der Redaktion!
In Linz an der Donau hat sich Erbauliches zugetragen. In einer Zeitungs- Redaktion kam's zur Schlacht zwischen erbitterten Gegnern, und die Schilderung der Vorgänge unterscheidet sich in nichts von den lieblichen Bildern aus dem Märchenreich des berühmten „Arizona-Kickers", wo Dolch und Revolver aktionsbereit auf dem Redaktionstisch liegen. Ein Drahtbericht meldet uns:
Polemik mit dem Säbel.
(Privat-Telegram m.)
Li«z a. Dona«, 11. November-
Die hier erscheinende sozialdemokratische Zeitung „Wahrheit" hatte kürzlich in einer Notiz behauptet, daß einige Offiziere die nächtliche Ruhe in empfindlicher Weise gestört hätten. Um' die Richtigstellung der Meldung durchzusetzen, erschiene« gestern nachmittag Oberleutnant Freiherr von Weber und der Leutnant Karl Adamowitsch, beide vom 4. Dragonerregiment, in der Redaktion des Blattes und brachten in energischem Tone ihr Anliegen vor. Es kam schließlich zu einem Wortwechsel mit einem Redakteur, der damit endete, daß die Offiziere ihre scharf geschliffenen Säbel zogen und gegen das Redaktionspersonal vorgingen. In dem entstel-eudcn Handgemenge erlitten fünf Personen Verletzungen, und auch der Oberleutnant wurde an der Hand verwundet. Das zu Hilfe herbeigeeilte Druckereipersonal entwaffnete die beiden Offiziere. Diese stellten sich hierauf selbst dem Stationskommandanten und erstatteten Bericht über oe« Vorfall.
Der Vorfall bedarf, bevor sich ein Urteil darüber bilden läßt, noch der Aufklärung. Immerhin: Tie Methode, mit dem Säb.l öffentliche Meinung zu machen, ist etwas eigenartig und wird vermutlich auch von der militärischen Gcrechfigkeit kaum gutgeheißen werden. Der Kampf um die Wahrheit in der „Wahrheit"
LMr etwas weniger temvaramenwoll
und nützlicherweise statt mit dem Säbel mit den „Waffen des Geistes" geführt worden.
Irr Aufruhr von Zobern.
Die Elsässer gege« das Militär.
Wir haben gestern bereits telegraphisch über die schweren Ausschreitungen in Zaber n im Elsaß berichtet, die angeblich auf die Bemerkung des Leumants von Forst ne r gelegentlich einer Jnstruktionsstunde der Rekruten zurückzuführen sind, nach der der Offizier sich sehr scharf über die Elsäffer ausgesprochen haben soll. Die Affäre hat zur Einleitung einer militärischen Untersuchung ge- führt und man darf erwarten, daß in Kürze eine durchgreifende Klärung der Sachlage erfolgen wird. Wir verzeichnen nachstehend einen eingehenden Bericht über die Vorgänge am Freitag, Sonnabend nnd Sonntag, der von einem Angenzengen stammt.
Erregte Tage im Elsaß.
(Privat-Telegramm.)
Zaber«, 11. November.
Leutnant von Forstner vom Infanterie- Regiment Nr. 99 in Zabern soll kürzlich, als bei einer Jnstruttionsstnnde das Straflonto eines Rekruten aus dem Rheinland vorgelesen wurde, eine sehr ungeschickte Bemerkung gemacht haben, wenn aber von gewisser Seite behauptet wird, der Offizier hätte dem Soldaten zehn Mark versprochen, wenn er einen „elsäffer Dreckwackes" zusammensteche, ein Unteroffizier habe dann eine weitere Belohnung von drei Mark für jeden erstochenen Elsäffer ausgesetzt, so ist baS natürlich barer Unsinn. Die Nachricht von diesen Aeußerungen, die sicher ungeschickt, aber nicht so schlimm gemeint waren, machte bald die Runde durch die elsüffische Preffe und ries in Zabern in den letzten drei Tagen tumultuarische Szenen hervor. Schon am Freitag abend wurde der Unter- ofsizfer in schwerer Weise insultiert. Vor der Wohnung des Leutnants fanden stür- mische Kundgebungen statt. Am Sonnabend begab sich dann der Leutnant von Forstner mit mehreren Kameraden in das Weinrestaurant „Zum Karpfen", vor dem sich bald eine hundertköpfige johlende Menge in äußerst drohender Haltung einfand, so daß
die eiugeschlosseue« Offiziere angeblich ihre Schußwaffen bereit machten und die Garnisonwache aktionsbereit gehalten wurde. Der Regimentskommandeur, Oberst von Reutter, begab sich hierauf allein nach dem Lokal und hielt zur Beruhigung der Menge eine Ansprache an diese, die aber im allgemeinen Lärm unterging. ES gelang ihm schließlich, d.en bedrohten Offizier mit Hilfe der Gendarmerie und Polizei in die Kaserne zu bringen, von wo er in Begleitung eines starken Aufgebots der Wache in seine Wohnung geleitet wurde. Trotz dieses Vorfalles wurde am Sonntag Freiherr von Forstner als Rondeoffizier zum Ortsdienst kommandiert. Es mußten ihm aber bald zwei Mann der Wache nachgesandt werden, da sich die Kundgebungen erneuerten. Durch ausgesandte Patrouillen wurde alle Mannschaften nach der Kaserne beordert, die Sttaße zur Wohnung ForfinerS wurde durch einen Doppelposten, angeblich mit geradestem Gr- wehr, Schutzleuten und Gendarmen besetzt. Schließlich aber mutzte man gegen die immer mehr anwachsende Menge die Feuerwechr requirieren, die vier Schläuche wurden indessen sofort zerschnitten und die Kundgebungen endeten erst spät in der Nacht.
Neue Kundgebungen in Zaber«.
Wie uns ein weiteres Privat-Tele- gramm meldet, kam es auch gestern abend bei Anbruch der Dunkelheit in Zabern zu Kundgebungen. Vor der Altkaserne, einem früheren Schloß, hatte sich eine nach mehreren Hundetten zählende Menschenmenge angesammelt und erwartete den Leutnant von Forstner, der sich in der Kaserne befand. Mit Johlen und Pfeifen (auch Feuerwerkskörper wurden abgebrannt) wollte man ihn empfangen. Gegen neun Uhr, als der Lärm nicht nachließ, ging die berittene Gendarmerie gegen die Menge vor und zerstreute sie. Verletzungen sind nicht vorgekommen. ___________
Immer noch Gefahr am Balkan!
Die Lage wieder kritisch geworden.
Athen, 11. November. (Privat-Telegramm.) Das Ergebnis der griechischtürkischen Friedensverhandlungen ist in ein kritisches Stadium geraten. In maßgebenden Kreisen ist bekannt, daß die griechische Regierung die Frage der endgiltigen Entscheidung, ob die Türkei nachgibt und den Frieden unterzeichnet, oder ob die griechische
Regierung zu Zwangsmaßnahmen Zuflucht nehmen muß, nicht meh): länger als vienmd- zwanzig, h ö ch st e n s achtundvierzig Stunden in der Schwebe lassen wird.
Wie Helden sterben.
Kapitän Scotts letzte Briefe; Aufzeichuunge« über Kaurpf und Ende der Expedition, von
Dr. Albert Dresdner.
In London ist (rote rotr schon mitteilten) soeben ein zweibändiges Werk über „Kapitän Scott« letzte Expedition erschienen, in dem daS gesamte authen- tische Tagebuchmaterial Scotts und seiner Teilnehmer rotebergegeben ist. Der erste Band enthält ausschließlich die Briese und Tagebücher SeoNS, der zweite die wissenschaftlichen Arbeiten der übrigen Teilnehmer der Expedition, namentlich aber Dr. Wilsons. Im wesentlichen enthält dar Tagebuch ScottS seine Berichte, die bereits bekannt geworden sind. Immerhin finden fich noch einzelne interessante Ergänzungen und Nachträge, die auf die tragische Katastrophe neue grelle Schlaglichter roerfen.
Erschütternd ist zum Beispiel der Bericht Scotts über die furchtbare Enttäuschung, die er erlebt hat, als er entdeckte, daß Amundsen ihm zuvorgekommen war. Er schreibt, daß in der Nacht vom 16. bis 17. Januar keiner nach dem schrecklichen Schlage der Entdeckung viel geschlafen habe. „Der Pol (fährt Scott fort) ja; aber unter ganz anderen Umständen, als wir erwartet hatten! Wir hatten einen schrecklichen Tag ...! Bei einer Temperatur von minus 22 Grad und mit Ka- nieraden, die sich mit erfrorenen Händen und Füßen vorwärts bewegen mutzten ...! Grütz Gott? Ein schrecklicher Platz und entsetzlich genug fiir uns, sich zu ihm durchgearbeitet zu haben, ohne die dlnwartschaft zu haben, die Er- sten zu sein! Immerhin: Es ist etwas, bis hierher gelangt zu sein. Jetzt beginnt für die Heimreise ein verzweifelter Kampf. Ich bin gespannt, ob wir es vollbringen können." Dies ist der erste Zweifel am glücklichen Ausgange der Erpedition, der in dem Tagebuch auftaucyt. Aber in all der Seelenqual, der Entbehrung und Kälte wird Scott nie müde; seine Feder rastet nie. Wenn sie sich tagsüber durch Schneestürme und über Eisfelder gekämpft haben, wenn seine Gefährten müde in die Schlafsäcke sinken, greift Scott zur Feder, um getreulich und ehrlich über die Ereignisse des Tages zu berichten. Und als das Ende herankam, aI8 er mit den beiden Letzten allein im Zelte sitzt, vom fürchterlichsten Schneesturm umtobt, als einer nach dein anderen dieser Tapferen ausröchelte, männlich und
bis zum letzte« Atemzug ohne Klagen, hat auch Scott nicht an sich gedacht, sondern an die trauernden Hinterbliebenen und Verwandten seiner Gefährten, an den Schmerz anderer, und er ist nicht müde geworden, sie zu t r ö st e n. Ueber neun Tage dauerte der letzte Kampf, ohne Nahrrmg und ohne Feuer. Die beiden Kameraden haben bereits ausgelitten, ihre erstarrten Körper liegen neben ihm in den Schlafsäcken. Scott allein sitzt noch, von einem überwältigenden Mute, einer bewunderungswürdigen Energie hochgehalten, allein in dieser fürchterlichen Eiswelt, und schreibt seine letzten vielsagenden und erschütternden Briefe. Die Witwe seines Freundes Wilson tröstet er folgendermatzen: „Wenn dieser Brief Sie erreicht, so sind Bill und ich längst aus dem Leben gegangen. Wir sind dem Ende jetzt sehr nahe und ich möchte Sie deshalb gern wissen lassen, wie herrlich er sich im Tode gehalten hat, froh bis zum letzten Augenblick und bereit, sich für die anderen zu opfern; nie ist ein Wort des Tadels gegen mich über seine Lippen gekommen, datz ich ihn in diese Lage geführt habe. Er leidet nicht ...! Seine blauen Augen haben einen guten Blick der Hoffnung und sein Geist tröstet sich im Glauben, ein Teil des Allmächtigen zu sein. Ich kann Sie nicht besser trösten, als indem ich Ihnen sage, datz er gestorben fit, so wie er gelebt hat! Ein tapserer, tteuer Man«,
der beste der Kameraden
und der zuverlässigste der Freunde. Mein ganzes Her, fließt in Mitleid Ihnen zu." Der Frau Bowers, der Mutter des tapferen „Brr- dic" Bowers schreibt er: „Wir sind nahe am Schluß der Reise, und ich beendige sie zusammen mit zwei wackeren Gentlemen, von denen der eine Ihr Sohn ist. Er ist einer meiner engsten und besten Freunde geworden, dessen wundervoll aufrechte Natur, dessen Geschicklichkeit und Energie ich bewunderr. 9.U die Schwierigkeiten größer wurden, leuchtete sein unerschrockener Sinn nur heller; er ist froh, hoffnungsvoll und unbezwingbar hinüberge- ganqen. Die Wege der Vorsehung sind unergründlich, aber es muß einen Grund haben, weshalb ein so jnnges, tapferes und vielversprechendes Leben weggenommen wird ...! Gegen das Ende hin hatte er mir von Ihnen und von seinen Schwestern erzählt. Man sah, welches glückliche Heim er gehabt habe« muß. Vielleicht ist es gut, nur auf die Schönheit zurückzusehen. Er verblieb uneigennützig, voll Vertrauen und Hoffnung bis ans Ende, und glaubte, daß Gott Sie belohnen wird. Seinem Freunde, dem Dichter Barrie, schrieb Scott solgenden ergreisendcn Brief: „In der Hoffnung, datz dieser Brief gefunden werden