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Caffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
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Nummer 286. Fernsprecher 951 und 952. Sonntag, 9. November 1913. Fernsprecher 951 uttb 952. 3. Jahrgang.
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3er neue Mann.
Zur Einführung des neuen Sberbürger. meistens der Stadt Cassel am 12. November.
Oberbürgermeister Erich «och trifft am Montag in Lasset ei« und bezieht hier eine von ihm im Sause WilhelmShöher Allee 4 gemietete Wohnung. Am Mittwoch abend um halb fiebe« Ahr wird der Oberbürgermeister durch de« Regierungspräfidente« Graf Bernst o r f f tn feierlicher gemeinsamer Sitzung der beiden stildtifchen Körperschaften in sein Amt eingeführt. Der Oberbürgermeister übernimmt dann sofort die AmtSgeschSft« nnd wird die Dorstellung der Beamten entgegennehmen.
Am zwölften Novembertag wird im Rathaus der Stadt Cassel (zum zweitenmal in zwe.i Jahren) der neue Oberbürgermeister der Residenz, Erich Koch, in sein Amt eingeführt, und die Stunde dieses Ereignisses wird vielleicht für Cassels Zukunft-Schicksal bedeutsam und wichtig werden. Der etwas hastige Personenwechsel im ersten Amt der Stadtver- Wallung, der in wenig Monden drei Oberbür- germeister gehen und kommen ließ, hat das öffentliche Interesse an der Frage, was der neue Mann uns zu bringen verspricht, zwar einigermaßen abgeschwächt, aber die Persönlichkeit des einstigen Bremerhavener Stadtdirektors, der nun Dr. Scholz' Nachfolge antritt, bietet an sich noch des Interessanten und Charakteristischen genug, sodaß der zwölfte November sicher nicht ohne bleibende Eindrücke für unser kommunalpolitisches Leben vorübergehen wird. Der nahende Tag der Oberbürgermeister-Einführung weckt einige Erinnerungen an Vergangnes, Gewesnes: Im Vorjahr war's, zur Spätlenz-Zeit, als man den Düsseldorfer Beigeordneten Dr. Ernst Scholz fürs Amt des Oberbürgermeisters verpflichtete. Die Antrittsrede des neuen Verwaltungschefs glitzerte und funkelte in einem Sprühfeuer sonnigsten Optimismus, skizzierte ein zauberschönes Bild idealer Zukunft-Gestaltung und gipfelte in dem Gelöbnis, alle Kraft starker Persönlichkeit dem Wohl der Stadt zu widmen, die mit der Berufung ins höchste Amt der Kommune einen Beweis vertrauender Zuversicht gegeben, der in nimmermüder Arbeit und sieter Tatbereit- schaft im Dienst der Fulda-Residenz seine Rechtfertigung erfahren »solle. Der Mund, der diese Worte sprach, lieh ehrlichem Wollen beredten Ausdruck, und in dem Echo, das die Rede des neuen Mannes in Bürgerschaft und Oeffentlich- keit weckte, durfte Herr Dr. Scholz die rückhaltlose und freudige Würdigung der von ihm gefeierten Ideale erkennen. Die Wirklichkeit war indessen st ä r k e r als die Kraft des Idealismus, und die Begeisterung ist allzurasch erstorben
Seltsam kontrastierend, hart vielleicht und ohne die Schwungkraft optimistischer Suggestion, klingt, an Dr. Scholz' Antrittsrede gemessen, was Stadtdirektor Koch beim Abschied von Bremerhaven im Kreis der Stadtväter gesagt. Ernste, schlichte, ungeschnörkelte Worte, die Tatsachen und Wirklichkeit bewußt und ungeschminkt Rechnung trugen; Worte, wie sie unter Männern gewechselt werden, die, von dem Bewußtsein gegenseitiger Achtung erfüllt, erkennen und wissen, daß kommunalpolitische Arbeit kein Kinderspiel und kein Höflichkeit-Getändel, sondern Kampf und Ringen ist, daß in diesem Kampf der Meinungen und Interessen die glatte Phrase keine Heimstatt hat, und daß sichs drum auch nicht ziemt, am Fe'erabendtag die harte Wirklichkeit der Tatsachen-Welt in einer Weihrauchwolke platter Tiraden versinken zu lassen. Herr Koch hat es in der Stunde des Abschieds von Bremerhaven ohne schwächliche Verbrämung offen ausgesprochen, daß „dort, wo gehobelt wird, auch Späne fliegen", mit andern Worten: Daß die Zeit seiner Wirksamkeit als Stadtdirektor keine Periode der Süßholz- Seligkeit gewesen, sondern eine Spanne ernster Arbeit und ehrlichen Kampfs um Fortschritt und Entwicklung, in deren Auf und Nieder die Geister häufig aufeinanderprallten und die Meinungen stark und leidenschaftlich um Sieg und Palme rangen. Daß dies naturnotwendig und unerläßlich, daß dort, wo Fortschritt erstrebt werden soll, jeder Zollbreit Boden erstritten werden muß, lehrt uns die Erfahrung Tag um Tag aufs neue. In Bremerhaven ists nicht anders gewesen wie in Cassel, und der Unterschied besteht vielleicht nur in dem oratorischen Effekt der Tatsa- chen-Gestaltung: An der Wasserkante nannte man die Dinge beim Wirklichkeit-Nomen, und an der Fulda vergoldete man die Wirklichkeit durch den Blinkfeuer-Glanz einer reichlich stimmungsvollen Apotheose.
Oberbürgermeister Koch kommt zu uns als Nachfolger eines Kommunalpolitikers von Ruf und Rang, und wenn auch die Spuren der Re- jo;matoren-TätiakL!l Dr. Scholz' sich kaum nur
erkennbar der kommunalen Entwicklung Cassels eingeprägt haben: Der Weg zum Ziel ist vorgezeichnet und bereitet! Wir hofften, in dem Düsseldorfer Beigeordneten, dem der Ruf eines glänzenden Organisators und weitblickenden Finanz-Politikers vorausging, einen Mann moderner Großzügigkeit, «inen VerwaltungS- Reorganisator neuster Schule und einen Reformator unsres kommunalen Wirtschafts-Systems für's Amt des Oberbürgermeisters gewonnen zu haben, und vielleicht würde sich manche dieser Erwartungen auch erfüllt haben, wenn die Stadt der Millionäre und Exzellenzen den Nachfolger August Müller's nicht so rasch vom Fuldastrand zur sandigen Mark entführt hätte. Der himmelblaue Optimismus indessen, der einst Herrn Dr. Scholz bei seinem Debüt in Cassel lorbeerspendend begrüßte, ist sacht verblaßt, u. man hat sich (Erfahrung macht flug) zu der Erkenntnis bekehrt, daß hohe Ziele und kühne Ideale allein noch kein kommunales Dorado zu erzaubern vermögen, sondern daß vor allen Dingen tatkräftige, intensive und un- verdroflne Arbeit erforderlich ist, wenn nach überlanger Stagnation endlich verständiger Fortschritt und gedeihliche Entwicklung erstritten werden sollen. Wir wollen endlich uns des üblen Brauchs entwöhnen, Vorschuß-Lorbeer in Bündeln zu spenden,, wollen es unterlassen, neuen Männern Blumen auf den Weg zu streuen, noch bevor sie am Ziele angelangt, und wollen lieber ehrlichem Wollen, schlicht und bescheiden, ohne PIfrasengetön und Bankettgeräusch, dasjenige Vertrauen entgegenbringen, das erforderlich ist, um guten Willen zu nützlicher Tat reifen zu lassen. Wie in Bre- merhaven, wird's auch in Cassel Späne geben; auch hier, im Rathaus an der Königstraße, wird nicht Süßholz zu raspeln, sondern Kampf zu führen sein: Kampf gegen Hemmungen und Widerstände, die bisher noch keine Kraft zu brechen vermocht. Es wird an Herrn Koch liegen, ob ihm . gelingt, was Andern mißlungen. Und wenn's dabei Späne gibt: Gut! Es wird Zeit, daß es geschieht...! F. H.
König Ludwig« Schwur.
Eidesleistung des Königs von Bayern.
(Privat-Telegram m.)
München, 8. November.
Im großen Thronsaal des Königlichen Residenzschlosses sand heute vormittag die feierliche Eidesleistung König Ludwigs statt, zu der sämtliche Mitglieder des Staats- ministeriums, die Angehörigen des Landtags und Reichsrats, die Hofchargen und die hohen kirchlichen Würdenträger eingeladen waren Die zeremonielle Handlung gestaltete sich außerordentlich feierlich und würdig. Bevor er den Eid auf die Verfassung ablegte, richtete der König an die Versammelten folgende Ansprache :
Ich habe Sie hier als Zeugen einer 6 e. deutungsvollen Handlung versammelt. Eine mit der Zeit fortschreitende und ihre» Anforderungen entsprechende Entwicklung unseres Berfassungslebens ist stets Gegenstand der c r n st e n S o r g e der Herrscher Bayerns gewesen. Es ist daher zu beflagen, daß nicht rechzeitig durch entsprechende Maßnahmen der Entstehung eines Zustandes vorgebeugt worden ist, der als auf die Dauer unvereinbar mit dem monarchischen Gedanken und dem Staatswohl zu erachten ist. Nur die Erkenntnis, daß die Sorge für das Wohl der Monarchie und des Vaterlandes eine Beendigung dieses Zustandes dringend erheischt, hat in mir den s ch w e - ren Entschluß reifen lassen, den Schritt zu tun, der in diesem feierlichen Atte seinen Abschluß findet. Es hat mich mit Befriedigung erfüllt, daß es dem einmüttgen Zusammenwirken meiner Regierung und des Landtags gelungen ist, in verfassungsmäßiger Form die Wiederherstellung des Zustandes zu ermöglichen, der dem Gedanken der Erb - monarchie, dem Geiste der bayerische» Verfassung und dem Empfinde» des Volkes in gleicher Weise enttpricht. Möge es mir befchiede» sein, die erfreuliche Entwicklung, die Bayern in den letzten Jahrzehnten genommen hat, in gemeinsamer Arbeit mit der Volksverttetuna fortzuführen. Für all mein Tun aber wird das Tun meines teuren Volkes die £' chtlinie bilden.
Nach dem Verlesen des Eides, der lautet: „Ich schwöre, nach der Verfassung und den Gesetzen des Reiches zu regieren, fo wahr mir Gott helfe und das heilige Evangelium!" sprach der König mit erhobener Rechten: ,Jch schwöre!" Am Anschluß hieran hielt der Vorsitzende im Minisierrat, Staatsminister Freiherr von Hertling. eine Ansprache, in der er dem Könia den Dank des Landes ausi'prach
und der Hoffnung Ausdruck lieh, daß die Regierung König Ludwigs eine gesegnete sein möge.
Bin Krieg em Mexiko?
Der amerikanisch-mexikanische Konflikt.
Wenn der erste drohende Schritt der Vereinigten Staaten gegen die mexikanische Republik auch nur eine Att „Vor-Ulttmatum" gewesen ist. das erst die Stellung eines Ultimatums angekündigt bat, so kennzeichnet dieses Vorgehen doch immerhin, wie sich die L a g e i n A m e - rika zugespitzt hat. Man scheint nunmehr in der Tat im Weißen Hause in Washington zum Aeußersten bereit zu sein, obwohl sich der Eindruck nicht hinwegleugnen läßt, daß die Union gegenwärtig noch von der Ergreifung ei. ner Gewaltmaßregel am liebsten absehen möchte. Die Verhältnisse sind indesten stärker gewesen als der Wille, und der kriegerische Kon- flifi scheint jetzt unvermeidlich. Wir erhalten folgende Draht - Meldungen über dir augenblickliche Lage:
Newhork, 8. November.
HuertaS Antwort ans die letzte amerikanische Note bestreitet den amerikanischen Staaten jedes Recht, ihn zu einer Abdanknng zu zwingen, und versucht darzulegen, daß ein provisorischer Präsident kein Recht habe, die amerikanische For- derung z« erfüllen. Es wird hier erkärt, daß die Armee sofort a«f 500 000 Mann verstärkt werden solle.
Newhork, 8. November.
Depeschen ans Mexiko berichten über einen Attentats-Dersnch auf de« Präsidenten Huerta. Bei einer Ausfahrt wurden gestern zwei Schüsse ans Huerta abgegeben, ohne ihn jedoch zu verletzen. Die Pferde schenten und der Wagen überfuhr den Attentäter. In Newhork liegt eine Bestätigung der Attentats-Nachricht noch nicht vor.
Es ist ein interessantes Spiel, das seit fast einem Jahr zwischen Mexiko und Washington, zwischen den beiden erfahrenen Tattikern Huexta und W i l so n hin- und hergeht. Beide Männer wissen nur zu gut, was der Einsatz dabei gilt: Für Mexiko ist es die Existenzfrage, die jedenfalls schon durch einen diplomatischen Sieg der Vereinigten Staaten eine entscheidende unglückliche Wendung erhalten müßte. Für die Union aber ist es immerhin ein gefährliches Wagnis, das Nordamerikas Prestige leicht schädiget!, aber auch schwere Verwickelungen heraufbeschwören kann, die der Union ernste Sorge bereiten. Die nächsten Tage oder Stunden müs. fen bereits die Entscheidung bringen, was werden wird: Krieg oder ... Unterwerfung Mexikos?
Kriegsrüstungen der Anion.
Newyork, 8. November. (Draht-Meldung.) Zweihundert Soldaten der Garnison Portsmouth haben aus Washington telegraphisch den Befehl erhalten, sich sofort für den Dien st im südlichen Klima vorzubereiten. Das Kabinett hielt gestern nach mehrwöchiger Pause seine erste Sitzung ab. Ueber den Inhalt der Beratungen wurde nichts veröffentlicht. In diplomatische» Kreisen erregt es lebhaftes Aufsehen, daß der merika- nische Gesandte in Petersburg Carbaj al, zurückberufen, zum Minister des Auswättigen ernannt und später zum Präsidenten proklamiert werden soll.
Abermals ein Deutschenmord?
Mexiko, 8. November. (Privat-Tele- gramm.) Der reichsdeutsche Architett Paul Husch aus Bonn ist am 23. oder 24. Oktober bei Monterey ums Leben gekommen. Einzelheiten fehlen noch, doch nimmt man an, daß Husch ermordet worden ist. Die Nachricht über das Attentat auf Huerta ist noch un- bestättgt; es beißt aber, daß Huerta gestern im Wagen durch die Straßen der Stadt fuhr und daß der Attentäter die Revolverschüsse auf den Präsidenten aus nächster Nähe abgegeben hat. Der Attentäter selbst wurde in schwerverletztem Zustand ins Krankenhaus gebracht.
Neue Kämpfe in Dublin.
Die Streitenden mit Revolvern bewaffnet!
(Privat-Telegramm.)
London, 8. November.
In Dublin sind gestern wieder ernste Krawalle zwischen Polizisten und Streikenden ausgebrochen. Die Politik der Arbeitgeber, die immer mehr nichtorganisierte Arbeiter von Liverpool nach Dublin schaffen, har große Erregung unter den Streikenden hervorgerufen. Wagen, die mit Stückgütern unter vo- lizeilich-r Bedeckung durch die Straßen der Ktgdt fuhren, wurden von den Streikenden
überfallen. Sämtliche Streikenden sind mit Revolvern bewaffnet. Man befürchtet. daß es in den nächsten Tagen zu blutigen Kämpfen kommen wird, da die Erregung unter den Arbeitern aufs höchste gestiegen ist. Die Polizei ist verstärtt worden und das Militär bleibt in den Kasernen konsigniert, um erforderlichenfalls sofort ein» greifen zu können. In der Stadt herrscht große Aufregung.
Alt-Eaffeler Bilder.
Aus Caffels vergangenen Tagen: Der Kaffee einst und jetzt; a«S der Franzosenzeit; Eaffel «ach der Völker - Schlacht bei Leipzig, vorn
Alfred JoedteL
Im der grauen Katze sitzen einige Dame« aus Cassel beim Kaffee, der bei dem kühle« Wetter besonders gut mundet. Glückliche Zeilen! Vor etwas mehr als hundett Jahren mußten die Freundinnen des braunen Getränks, ebenso wie die »männlichen Kasfee- schwestern" über die Grenze fliehen, hinüber nach Spiekershausen und in andere Dörfer, denn in Hessen war der offenbar staatsgefähr- siche Kaffeegenuß durch ein allgemeines Verbot des Landgrafen Friedrich II. untersagt worden. Selbstverständlich nut für die „unteren Stände": Die Bürger und die Bauern. Am achtundzwanzigsten Januar 1766 erging das erste Gebot in dieser hochwichtigen Angelegenheit. Bei zwanzig Talern Strafe wurde das Verbot 1773 erneuert. Denunzianten, die die entsetzlichen Missetäter verrieten, erhielten Be- lohnungen. Und als alles nichts half, wurde» am sechsten Juli 1775 Strafen von hundert Talern sowie Zuchthausstrafen für bte Sünder angekündigt, die heimlich den Kaffeegenuß begünstigten. 1780 wurde das Edttt erneuert Wenn meine Nachbarinnen im warmen^ Gastzimmer der Grauen Katze in jenen ver- gangenen Zeiten gelebt hätten! Ich wette, sie wären in ihrer Verzweiflung über die Fulda gefahren; arme Landflüchtige, die dem.würzigen Kaffeegeruch nachfolgten wie einit die lieben kleinen Mädchen dem flötenden Rattenfänger von Hameln.
Patriotismus ist gewiß eine lobenswerte, wenn auch zuweilen sehr gefährliche Tugend. Patrioten haben zu allem Zetten für ihr« Ueberzeugung Opfer an Gut und Blut gebracht Ihr Lohn bestand in der Liebe und Achtung der Gleichgesinnten, in der dankbarem Erinnerung der Nachwelt. Zur Zeit des Königreichs Westfalen aber war es nicht nur den fremden Gewalthabern, sondern selbst vielen heffischen Bauern gegenüber gefährlich, sich als Patriot freimütig zu bekennen. Prdertt erzählt: „Damals kam mancher zu Schlagen, ahne zu wissen, w t e. Die Bauern hatten etwas von einem Patrioten gehört, glaubten aber, dies Wort bedeute einen Franzose n- Freund. Wenn sie daher auf die Frage, ob jemand ein Patriot sei, von diesem die bejahende und beteuernde Antwort erhielten, er sei mit Leib und Seele ein Patriot, so regnete es unbeschreibliche Schläge, deren Bedeutung der Empfänger gar nicht begreifen konnte. Der allgemeine deutsche Sprachverein darf heute noch mit Neid auf die Sprachreinigungskunst jener hessischen Dauern blicken.
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Am einunddreitzigsten Oktober 1806 war es. Cassel zählte damals noch keine 20 000 Einwohner. An den Biertischen und auf de« Straßen wurde fleißig Politik getrieben. In aller Sorglosigkeit, denn Cassel sollte von Krieg und Ungemach verschont bleiben, Hesse« war für neutral erklärt worden. In.folcher Lage plauderte es sich sorgloser über die kne« genschem Begebenheiten. Am letzten Ottobertag 1806 aber erwartete unsere Casselaner eine ganz besonders große Freude, denn die Nachricht batte sich blitzschnell überallhin verbreitet, daß französische Truppen von Hersfeld her anrückten, um Hannover zu besetzen Die Bürger Cassels bedauerten zwar lebhaft das Nachbarland. waren aber dennoch egiisttsch genug, sich königlich auf das „Militärische Schauspiel zu freuen, das ihrer wartete. Abends sah man die französischen Truppen aus dem Söhre- to alb herauskommen und auf den Feldern n« Lager beziehen. Auf der Höhe lohten die Wachtfeuer, die unsere entzückten Casselaner bewunderten Kaufleute eilten auf die Landstraße hinaus, um dort auf Tischen ihre Waren ans- zulegen. Sie rieben sich vor Vergnügen die Hände und hofften auf ein glänzendes Geschäft durch die vorbeiziehenden Franzosen am nächsten Tage.
Aber auch an besorgten Gemütern fehlte es m jener Zeit nicht. So schreibt Wilhelm Grimm (in seiner Selbstbiographie): „Ich hatte am letzten Oktober abends die französischen Wachtfeuer in der Ferne mit einiger Bangigkeit gesehen, aber daß Hessen unter fremde Herrschaft geraten sollte, tonnte ich nicht eher glauben, als bis ich am anderen Morgen die französischen Regimemer bÄ dem alten Schlosse in vollem militärischen Glanze eintteben fah." Die meisten Bürger freuten sich jedenfalls auf den kommende» Tag und stände» frühzezttg auf, um den Vorbeimarsch des trän*