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g I __________Casseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Donnerstag, 6. November 1913.

Fernsprecher 951 und 952.

3» Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

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F. H.

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Sas Drama von Siehrn.

Die Eisenbahn- Katastrophe in Frankreich.

DaS schwere Eisenbahn-Unglück bei Melun in Frankreich, über dessen Einzelhei­ten wir in der ersten Beilage berichten, wird auf die Fahrlässigkeit des Lokomo­tivführers des Schnellzuges, D u m a i n e, zurückgesührt, der den von Marseille mit einer Geschwindigkeit von neunzig Kilometern in der Stunde kommenden Zug, trotzdem ihm die

genommen und eine Untersuchung gegen ihn eingeleite, da seine Schuld an der Katastrophe außer Zweifel steht.

schick unglücklicher Menschen auch das bittre Empfinden, daß imgrunde doch immer nur die menschliche Schwäche der Anlaß und die treibende Kraft auf dem Wege zum Verhängnis ist. Die Häufung der Familien-Tragödien ist (wie so manches andre bedauerliche Moment im Bilde der Gesellschaft von heut) ein betrübliches Zeichen unsrer Zeit, der Periode der Nervosi­tät und Kultur-Ueberreizung, die den Menschen gewaltsamer als einst ins sausende Getriebe des Daseinskampfs einspannt und vom Einzelnen eine Energie-Leistung physischer und Psychi­scher Kraft verlangt, die man noch vor we­nig Jahrzehnten nicht kannte. Der soziale Kampf im zwanzigsten Jahrhundert ist der Mühlstein, auf dem die Nerven der menschlichen Gesellschaft zermalmt werden, und alle Kultur- Verfeinerung, aller geistige und wirtschaftliche Fortschritt hat es nicht verhindern können, daß an dem höchsten Wertstück des »Jahrhunderts der Aufklärung": Der menschlichen Gesellschaft selbst, sich die Sünden der Zeit verhängnisvoll rächen. Wohin wir sehen: Degeneration,

. .. _ ... l. (s _ n , mern hervorgezogen. Der schuldige Loko-

und die Tragödien, dl« wir als Nachtschatten!motivführer des Eilzuges wurde in Haft

Die Opfer der Katastrophe.

(Draht-Meldung.)

Paris, 5. November.

Nach dem Zusammenstoß bei Melun ex­plodierten die Gasbehälter und setzten die Trümmer in B r a n d. Hilfszüge wurden so­fort abgeschickt, doch war das Rettungswerk sehr schwierig, da die Unglücksstelle nur von dem Schein der Fackeln, Petroleumlampen und durch die brennenden Trümmer beleuch­tet war. Die Lokomotive des Schnellzuges, der dem Postzug in die Flanke fuhr, hat sich einen Meter tief in die Erde eingewühlt. Um halb drei Uhr früh traf der Handels­minister an der Unglücksstätte ein, Um drei Uhr ftüh zog man noch zwei verkohlteLeichen unter den Trümmern hervor. Die Fackeln waren inzwischen er­loschen und die Flammen zuckten nur noch hin und wieder aus dem wüsten Trümmer­haufen hervor, sodaß völlige Dunkel­heit herrschte. Die Verwirrung war unbeschreiblich. Die Rettung der Verletzten war außerordentlich schwierig. Eine junge Frau war unter den Tender der Lokomotive des Schnellzuges geraten. Sie hatte das Bewußtsein nicht verloren und rief verzwei- seit um Hilfe. Ihr Gatte, ein Hauptmann der Infanterie, starb im Hospital. Ein Postbeamter sagte aus. daß der Zug beim Zusammenstoß eine Geschwindigkeit von fünfzig Kilometer in der Stunde hatte, als der Wagen, in dem er sich befand, zer- schmeitert wurde. Er sah Menschen wie wahnsinnig davon stürzen. Dann hörte er zwei Explosionen. Er glaubt, daß etwa zwanzig seiner Kollegen getötet sind. Neun Leichen sind noch nicht erkannt.

Bei dem Zusammenstoß wurden drei Wa­gen des, Eilzuges völlig zertrümmert. Der Postzug setzte sich aus sieben Wagen zusammen, die ebenfalls völlig zertrümmert wurden. Je­der Zug führte zwei Packwagen mit sich, in denen sich etwa fünf,i «Beamte befanden. Um Mitternacht brannten die Wagen noch. FünfzehnOpfer wurden unter den Trüm-

des Lebens beklagen, sind ein Symptom die­ser Entkräftung!

Die Selbstmordziffer zeigt im Bilde der Sta- tiftik in jedem neuen Jahr eine beängstigende Steigerung, und eS ist bei einem Vergleich mit ben Daten frührer Zeiten deutlich erkennbar, wie der »Zug des Todes" mit den Fortschritten der Kultur und der Verfeinerung der allgemei­nen Lebenshaltung gleichen Schritt gehalten hat. Daß der Kampf ums Dasein heut mehr Opfer fordert, als vor Jahrzehnten, wo bei g e- r i n g r e r Bevölkerungs-Dichtigkeit die Bedürf- ntffe des Einzelnen bescheidner waren, steht fest; ebenso aber auf der andern Seite die Tatsache, daß auch in j e n e n Kreisen, an die die Not des Alltags und die bittre Sorge umS tägliche Brot nicht heranreichen, die Ziffer der freiwilligen Lebensendungen eine gegen früher auffällig starke Zunahme aufweist. Man sieht also zwei bedauerliche Erscheinungen: Einerseits die schwindende Kraft im Ertragen mensch­lichen Schicksals, und sozialer Erschwernisse, auf der andern Seite die Flucht Dorrn Leben als Ausfluß der Kultur-Uebersättigung und dez überreizten Genußlebens. Es sind Tragödien des L e b e n s, die sich abseits vom breiten Wege abspielen, Tragödien, die unsre Zeit ge­biert und bereit Ursachen in unsrer Schwäche wurzeln. Die acht Katastrophen, die dreiund­zwanzig Menschenleben vernichteten, rühren hart und mahnend «nsEmpfinden; sie offenbaren uns Menschendramen von elementarer Gewalt und zermalmender Schicksal-Grausamkeit, aber sie alle sind in ihrer grausigen Realistik doch nur Katastrophen der Menschenschnld, Verbrechen der Verzweiflung, begangen an Schicksal und Leben, und in die Trauerflage um die Opfer flingt wie Gewiffensmahnung die Frage: Mußte es sein; ward die Flucht aus dem Leben den Ringenden leichteralsder mannhaft-starke Kampf mit dem Schicksal. . .¥

Nummer 283

t.L ....

Durchfahrt von Melun nicht freigegeben war, auf das Gleis auffahren ließ, auf dem der Post- ankam.

Familien-Tragödien.

I« dreiTagen acht verhängnisvolleFamilien- Tragödien; dreiundzwanzig Opfer der Der- zweiflung am Leben; Ursachen «.Wirkungen.

I« bee Seit vom ersten bi« vierten Novem­ber, innerhalb dreier Tag«, haben sich allein in Deutschland acht verhängnisvolle Familien-rragSdien ereignet,di«drei- undzwanzig Menschenleben al« Opfer fort««, ten. Zn sechs Fälle» waren verunglückte Spekulationen, R o t und E l e n d die Ursachen der «ataftrophe, in den beide« andern Füllen «rankhelt und unglückliche Familien, «erhält«iss«. Die Tragödie« verteilen sich auf eine Arzt-, drei flaufutauns», eine Monteur«., eine Kleinhändlers, und zwei Arbeiter.Familieu, die in den Tod ginge«. Schon Carlyle hat gesagt, daß bas Schlacht- selb des Lebens-Kampfs weit mehr Opfer forbre als alle Kriege, die seit dem Er- Wachen der Menschheit die Völker untereinan- ber geführt, unb wenn man die Statistik der Tragödien der Verzweiflung überschaut, wirb Carlyles These ohne weiteres llar In drei Tagen raffte daS Verhängnis dreiund- zwanzig Menschenleben dahin, die dem Kampf ums Dasein zum Opfer fielen, und acht Fa­milien wurden heimgesucht von Katastrophen, die Alles: Glück und Heim, Frieden unb Häus­lichkeit, Hoffnung unb Leben, grausam zerstör­en, erbarmungslos vernichteten. Der Arzt, 6er Gattin unb Kinder mit dem Operations­messer erdolcht unb sich schließlich selbst den blanken Mordstahl ins verzweifelnde Herz stößt; der Kaufmann, der mit den Seinen in ben Tod geht, um dem Elend unb der Not ju entrinnen; der hart um Dasein unb Erwerb ringende Arbeiter unb Kleingewerbetreibende, der Privatbeamte und Techniker, die mit Weib und Kind dem Leben enteilen, um vor wirk­licher oder vermeintlicher Heimsuchung sich selbst und die eignen Lieben zu bewahren: Das Alles sind Katastrophen von so erschütternder, seelen- quälender Furchtbarkeit, Tragödien, so düster und erschreckend, so grausig unb schicksalschwer, bo6 lebe Phrase verstummt unb nur die eine Frage Über die Lippen drängt: Wo wur- zelt bas Furchtbare, das hier geschehen, wo lauern bie Ursachen dieser Menschen-Tra- gödien, die die Verzweiflung zur Verbrecher- tat wandelten unb Väter und Gatten zu Mör­dern ihres eignen Fleischs unb Bluts, zum gewaltsamen Zerstörer aller Bande werden lie­ßen, die hier auf Erden Mann unb Weib, Eltern und Kinder untrennbar einen, und das Glück der Familie, den Segen des Heims und Herds begründen? Die Antwort ist immer die gleiche: Not und Stummer, Elend unb Schicksal trugen bas Verhängnis unb ben Tob ins Hans, und der Moment der Katastrophe war'viel­leicht nur der Abschluß eines Dramas, das schon Wochen-, mondelang gequälte Menschen- herzen in dumpfer Verzweiflung gefangen hielt. Seit Jahren kennt die düstre Statistik der Freiwilligen des Todes nicht eine so hohe Zif­fer, wie in diesen nebel-dunklen Herbsttagm, und in allen den Fällen, in denen in dieser Zeit Menschenleben freiwillig geendet wurden, toa« ten die Ursachen, die die Unglücklichen zum verhängnisvollen Schritt ins dunkle Land der Schatten brängten, tragischer Natur. Das Leben birgt ja so viel Stummer unb Schicksalhärte, so viel Elend unb Jammer, daß auch der Starke manchmal unterliegt und ben Kampf gegen des Geschickes Tücke durch ben letzten Schritt: Den Gang in bett Tod, endet. Man fühlt tte- fes, inniges Mitleid mit den Opfern des Da­seinskampfes, die am Weg zum Ziele müd' zu- sammenbrachen und ben Kampf ums Ideal mit der Opferung des eignen Jchs bezahlten. Und doch mifcht sich in diese Anteilnahme am Ge-

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Hessische Kanal-Plane.

Der erste Mittellanb-Kanal u«d bas Äanal- Projett deS Landgrafen Carl r Rückblicke, vo« Bruno Jacob-CasseL

In dem kommenden Jahre wird bt« bet Hem­furth unterhalb de« Schlöffe« Waldeck erstandene Sperrmauer, die wohl die metften unserer enge­ren Landsleute von eigener Anschauung kennen, voll­endet sein und die Waffer der Edder werden fich in dem heute noch grün stehenden Tal, sammeln, um gebändigt der Oberweserschissahrt ünd roetter der Wasserversorgung de« Mittellandkanal« zu dienen. Im Zusammenhang mtt diesem riest gen! Kanalprojekt ist e« vielleicht angebracht, daran zu erinnern, daft da« erst« Mittelland.Kanalprojekt bet! Plan eine« hessischen Fürsten gewesen ist.'

Bei berat Gedanken an den heute irn Bau be­findlichen Rhein-Weser-Kanal erin­nern sich gewiß nur Wenige, daß der erste Plan zu einem solchen von unserem hessischen Landgrafen Karl stammt, und auch gar nicht weit von hier, nördlich vom Schöneberg bei Hofgeismar, die Spuren von berat Beginn des großzügigen Projektes vorhanden sind. Zwei Jahrhunderte sind nun hingegangen, seit diese Arbeit ruht unb mit Gras überwuchert die Dämme stehen, bie bestimmt waren, das Wasser aufzunehmen zu einer großen deutschen Handelsstraße, denn der Bericht von 1713, bet neben dem von 1710 zu ben Schätzen unserer! Landesbibliothek zählt, behandelt die Schiffbar- machung der Diemel, die damals als abgeschlos­sen galt, unb an diese schließt ja das noch er­kennbare Kanalstück an. Anstoß zu dem groß­zügigen Projekt gab das Stapelrecht bet Stadt Münden, das dem von Cassel fulda- abwärts zur Weser führenden Handel und ebenso demjenigen von dort nach Cassel uner­trägliche Schranken auferlegte. Um bie, na-

fen, wie sie gehandelt hätten. Rach längerer Debatte erflärte der Regierungsvertreter, Mi- nister Ruhstrat, die Regierung könne sich nicht in einen derartigen Zank einlassen. Schließlich wurde in bie Beratung der Tages- orbnung eingetreten.

Sibenömget Idylle.

Intermezzo im Oldenburger Landtag.

(Privat-Telegram m.)

Oldenburg, 5. November.

Bei der gestrigen Eröffnung des oldenbur- gischen Landtags durch den Alterspräsiden­ten war der Grobherzog nicht anwesend. Als das Hoch auf ben Großherzog ausge­bracht wurde, verließen nicht, wie sie es sonst getan, bie sozialdemokratischen A b - geordneten den Saal, sondern blieben, während sich alle Abgeordneten erhoben, de­monstrativ aufihren Plätzensitzen. Es kam darauf zu einer scharfen Ausein­andersetzung zwischen dem Führer des Bundes der Landwirte, dem Abgeordneten Müller-Nutzhorn, unb den Sozialdemokraten. Müller-Nutzhorn nannte bie Handlungsweise der Sozialdemokraten eine unglaubliche Frechheit und er forderte bie Regierung auf, den Landtag entweder sofort zu schließen oder durch Bestimmungen in Zu­kunft derartige Geschehnisse zu verhindern. Die sozialdemokratischen Abgeordneten erwiderten mit gleicher Schärfe unb betonten das Recht, von ihrem Standpunkte aus so handeln zu bür»

ne« der :rt: ibr.

Sie Stone von Bayern.

Die heutige Königs-Proklamation.

Di« Proklamation des Prirazregenten von Bayern zum König Ludwig ben Dritten ist am urigen Mittwoch um zwölf Uhr erfolgt. Die feierliche Eidesleistung soll am Sonnabend nn Thronsaal der Residenz stattfinben. Für bett zwölften November ist ein Hulbi- gungSakt des Landes in Aussicht ge­nommen. Er soll in ähnlichem Umfange wie beim Regierungsantritt des Regenten erfolgen Die heutige Morgen-Ausgabe der Münchener Neuesten Nachrichten bringt über bie Königs- Proklamation folgende Mitteilungen:

König Ludwig der Dritte.

Heute vormittag um neun Uhr hat Prinzregent Ludwig von Bayern die Regentschaft für beendet unb den Thron für erledigt erklärt. Damit ist der Thron stet und fällt ihm als König Ludwig den Dritten zu. Dies ist sofort durch eine königliche Kundgebung bekanntgemacht wor­den. Die Proflamatton erfolgte durch An­schlag, wie im Jahre 1886. Die Eidesleistung König Ludwigs wird aller Voraussicht nach am Sonntag erfolgen, nachdem sich die beiden Kammern zu dekm ihnen unterbreiteten Ma­terial über den Gesundheitszustand des Königs Otto geäußert haben. Die Eidesleistung geschieht in öffentlicher Versammlung der Staatsminister und der übrigen Mitglieder des Staatsrates so- wie einer Abordnung des Landtages. Der Eid de« Königs lautet:Ich schwöre nach der Verfassung und den Gesetzen des Reiches zu regieren, fo wahr mir Gatt helfe und fein heiliges Evangelium!" Die Ver­eidigung der Truppen wird im Anschluß mt die Eidesleistung des Königs ftottfinben

Wie uns ein Privat-Telegrammaus München meldet, haben sich am Dienstag nachmittag die Abgeordneten Giehrl vom Zentrum und Dr. Casselmann von den Liberalen als Vertreter der Kammer der Ab­geordneten unter Führung des Obermedizinal- rats von Grassey nach Schloß Fürstenried be­geben, um sich persönlich von dem Geistes-Zu- fiattb des KönigSOtto zu überzeugen. Sie beobachteten den König eine Stunde lang unb erhielten von her ersten Minute an den denk­bar trostlosesten unb traurigsten Eindruck.

Der Kranke von Fnrstenried.

(P r i v a t - T e l e g r a m m.)

München, 5. November.

Die psychiatrischen Gutachten über die Un­heilbarkeit des Königs Otto, die dem Landtage vorzulegen sind, haben den Umfang eines dicken Buches. Sie werden am Frei- tag in beiden Kammern in geheimen Sitzungen, denen als Regierungskommissar Obermedizi­nalrat von Grassey beiwohnt, bekannt gegeben. Für die Oeffentlichkeit wird ein Auszug ohne die traurigen Einzelheiten erscheinen. Am Frei­tag vormittag wirb die Kammer der Abgeord­neten den Zustimmungsakt zu vollziehen haben unb zuvor In geheimer Sitzung darüber beraten unb beschließen, ob bie Gründe zur Be­endigung der Regentschaft unb zur Eröffnung der Thronfolge ausreichend sind. Der Zustim- mungSaft in der Ersten Kammer ist für Freitag nachmittag in Aussicht genommen. Zu ben geheimen Sitzungen der beiden Kammern toirb als Regierungskommissar eine psychi­atrische Autorität entsandt werden.

den Weltverkehr angefchloflen werden, unb "o entstand eben der Gedanke an eine Was­serstraße, die bestimmt war, Cassel mit der Weser wie mit dem Rhein zu verbinden. Natürlich kannte man Flußschiffe von der Lade­fähigkeit unserer jetzigen Frachtschiffe noch nicht, vielmehr gaben bie alten Sandschiffe, wie sie noch bis vor wenigen Jahren an der Schlagb ihren Sand ausluden, der mit der Hand unter­halb Berghausens bis hinab zur Aue gebaggert war, ein Bild von der Größe der damaligen Handelsschiffe, die bis Hersfeld fuldaaufwärts fahren konnten, und immerhin den Inhalt von zwei bis drei Frachtwagen aufnabmen. Solche Schifte nannte manhalbe Schiffs bullen", grö­ßere »Bullen", die großen, tote noch heute, Böcke". Als Ausgangspunkt für die Arbeit diente die seit 1699 entstandene Stadt Carls- Hafen, in deren Mitte das viereckige Hafen­becken liegt, durch eine Schleuse

mit der Weser verbünden, und durch einen ausgemauerten Kanal mit bet Diemel, durch den auch das Hafenbecken ge­speist toirb. Hier ist noch ein völlig unversehr­tes Stück bes Kanals zu sehen, ber sich bei der Wenkschen Fabrik in die Diemel wandte, unb bann wurde der Laus dieses Flusses durch AuS- räumen (was allerdings oft wiederholt wer­den mußte, da bie Diemel nach leb em Hoch­wasser wieder viel Geröll und Sand an» schwemmte) für die Schiffahrt benutzbar ge­macht. Zwischen Carlshafen unb Trendelburg, zeitweise auch bis Hümme, fuhr bann in der ersten Zeit, allerdings mit vielen Widerwärtta- tetten kämpfend, ber Schiffer Heppe fern Marktschiff",, also eine regelmäßige Schiffsverbindung, und zwei Pferde zogen an; der Treidelleine das Schiff bergwärts. Um allerdings die bei Wülmersen vorhandene Krümmung mit ihrem sehr scharfen Strome passieren zu können, mußte bie Arbeit der Pferde noch durch einen ausgestellten Haspel unterstützt werden. Von Hümme, eigentlich Stammen, aus sollte dann ein künstlich herge­stellter Kanal das Wasser der Esse, jenes Hei­nen Flüßchens, das aus dem Brandwald bet Wilhelmsthal kommt unb durch Grebenstein unb Hofgeismar strömt, mittelst Schleusenwer-. ken aufftauen, und bis an ben Fuß des Schönr- berges bei Hofgeismar ist denn auch di« Arbett am Kanal gediehen. Rest« zweier Schleusen sind auch noch vorhanden; wie solide dies« ge­baut waren, kann man ermessen, wenn man be­denkt, daß aus einer dieser in ben Jahren 1875 bis 76 zum

Bau des Diemelwehrs

bei Eberschütz 400 Fuder Steine auSgebrochenl und abgesahren sind. Der anfmerftame Be­obachter kann den Zug bes Kanals zum Teil chon von ber Eisenbahn aus erkennen, genauer eboch, wenn er zu Fuß jene Gegend bnrch- treift. Der Essebach sollte also biS zu ber Höhe von Münchehof benutzt werben, unb hier waren mehrere Teiche bestimmt, das Wasser zur Ueberschreitung ber Wasserscheide herzugeben. Diese sind zum Teil verschwunden, daS Bahn-