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jwn sie ihr zugesteht. Die arme Kleine dauert Mich ein wenig ...! m. m.

Ein Legion-Werber in Caffel.

Die Fe st nähme eines Werbers für die in der letzten Zeit vielgenannte franzö­sische Fremdenlegion erregt in Cassel großes Aussehen. In einer Wirtschaft am Mün­cheberg wurde ein früherer Schreibergehilfe na­mens Rhein aus Mainz, ein junger Mann in den zwanziger Jahren, verhaftet unter der Be­schuldigung, für Frankreichs Fremdenlegion als Werber zu dienen. Wir erfahren darüber noch folgende Einzelheiten:

In einer Fabrik am Müncheberg war seit einiger Zeit der Arbeiter Rhein aus Mainz beschäftigt. Rhein verkehrte nur in einer Wirtschaft in der Mönchebergstratze und mach­te dort auch Schulden. Bei dieser Gelegen­heit machte er die Bekanntschaft eines im selben Werk beschäftigten Fabrikarbeiters, schilderte diesem gegenüber die Verhältnisse in der Fremdenlegion in dem rosigsten Lichte und überredete ihcn solange, bis dieser sich bereit erklärte, in die Fremdenlegion cinzu- treten. Inzwischen war man aber auf Rheins Treiben aufmerksam geworden und benach­richtigte die Polizei, die kurzerhand zur Fest­nahme des gefährlichen Menschen schritt. Al­lem Anschein nach hat Rhein die Arbeit in der Fabrik nur für vorübergehend und als Mittel zum Zweck angenommen. Der Ver- I. hastete leugnet hartnäckig, ein Werber der Legion zu sein.

i" Inzwischen haben bereits verschiedene Ver­nehmungen stattgefunden. Alle Zeugenaussa­gen sind so klar und bestimmt, daß nicht dar­an zu zweifeln ist, daß Rhein in französischem Solde tätig gewesen ist, der Fremdenlegion Re­kruten zuzuführen. Ob es ihm in anderen Fäl­len gelungen ist, bereits Angeworbene über die Grenze zu bringen, ist noch nicht festgestellt wor­den. Jedenfalls hat er sich neben der verbote­nen Werbung noch wegen Vergehens gegen das Auswanderungsgesetz zu verantworten.

Wettbewerb-Geschichten vor Gericht.

I Zwei frühere Angestellte derH a s s i a"= Gesellschaft, einer Tochter der Aktienge­sellschaft für Federstahlindustrie, hatten sich heute vor der hiesigen Strafkammer wegen unlauteren Wettbewerbs im einheitlichen Zu­sammenhang mit Verletzung des Musterschutz­gesetzes zu verantworten. Angeklagt sind der Kaufmann Otto Priesemann aus Berlin- Neukölln und der Ingenieur Franz Wagner aus Berlin. Das anfänglich schwebende Straf­verfahren gegen einen Direktor derHasfia" als dritten Angeklagten wurde im Laufe der Voruntersuchung wieder eingestellt. Der An­geklagte Pr. war bis Ende 1909 bei der Deut­schen Origen-Gasgesellschaft in Hannover-Lin­den als Reisevertreter engagiert und hatte als solcher einen patentamtlich geschützten Lustgas­apparat zu vertreiben, der durch Vermischung von atmosphärischer Luft mit Benzindämpfen ein vorzügliches Leuchtgas herstellt. Der Ap­parat fand überall da Absatz, wo sich die Er­richtung eines Kohlengaswerks aus Rentabili­tätsgründen nicht ermöglichen läßt. Der jetzt an- geklagte Prisemann lernte im Laufe seiner Tätigkeit für die Hannoversche Firma die Fmik- tionen und die Konstruktion des von ihr ver­triebenen Lustgasapparates aus das genaueste kennen. Gelegentlich kleinerer Differenzen mit der Firura schied der Angeklagte aus seiner Stellung aus und trat in die Dienste der Joaffia". Während seiner Tätigkeit bei dieser Gesellschaft in den Jahren 1910 und 1911 nützte nunmehr der Angeklagte seine reichen Erfah­rungen dahin aus, daß er gemeinsam mit dem zweiten Angeklagten, dem bei derHaffia" be­reits tätigen Ingenieur Franz Wagner, einen von derHasfia" schon längere Zeit hergestell- ten Lustgas-ApparatDomilux" nach den Kon- strrlktionen des Hannoverschen Apparates um- hante und durch dieHassiä"-Gescllschast ver­treiben ließ. In dieser Handlungswekse er­blickte die Anklagebehörde eine Verletzung des Musterschutzgesetzes und unlauteren Wettbe­werb. Zur Verhandlung zugezogen waren sechs Zeugen und Direktor Eisele des hiesigen städtischen Gaswerks als Sachverständiger. Bei Schluß der Redaktion dauerte die Verhandlung noch an. Der Staatsanwalt beantragte gegen den ersten Angeklagten eine Geldstrafe von 3 00 Mark und für den zweiten Angeklagten den Freispruch. Mangels ausreichender Beweise wurde darauf der erste Angeklagte freigespro­chen.

Ans großer Zeit: 1813.

Am 3. November: Blücher bittet, in einem Briefe an den König, ihm einen ungesäumten Einmarsch in Holland zu gestatten. Der Brief schließt mit den Worten: »Bleiben wir aber stehen und lassen uns durch Unterhandlungen Hin­halten, so prophezeie ich eine blutige Campagne pro 1814.

4- Vom Schlosser zum Sänger: Ein neuer | Casseler Theaterstern. Der bisher bei den Hen- » schelwerken als Schlosser tätige Herr Bach- x ch a n n, der seit längerer Zeit als ausgezeichne- 5 ter Sänger bekannt ist und gegenwärtig noch intensiven Gesangsstudien obliegt, ist (wie wir | /frören) von 1915 ab als Soli st (seriöser Baß) |an die Casseler Hofbühne verpflich- ; iet worden. Geheimrat Henschel hat den zu 1: großen Hoffnungen berechtigenden Sänger be- | teils aus der Schlosserwerkstatt in das Bureau L Übernommen, um ihm die Vorbereitung auf den Beruf als Künstler zu erleichtern.

- -> Der Konkursprozeß Fell vor dem Urteil. gSTcit dem heutigen Tage soll der langwierige vierzehntägige Strafprozeß gegen den Jnge- xnieur Alfons Fell aus Berlin sein Ende sin- R den. Dex Vorsitzende legte zu Beginn der

heutigen Verhandlung den Geschworenen nicht weniger wie zwölf Schuldfragen vor, die auf betrügerischen Bankerott, vollende­ten und versuchten Betrug, Verschleierung und Fälschung derBilanzen sowie auf Zubilligung mildernder Umstände lauteten. In seinem zweistündigen Plaidoyer sprach sich Ge­richtsassessor L i e b i ch, der Vertreter der Staatsanwaltschaft, für Bejahung sämtli­cher Schnldfragen aus und bat um Verneinung der Frage nach Zubilligung mildernder Um­stände Nach ebenso langen Ausführungen des Verteidigers. Rechtsanwalt Kästner, die in der Bitte nach Verneinung sämtlicher Schuld­sragen gipfelten, erfolgten die ausführlichen Rechtsbelehrungen durch den Vorsitzenden, worauf sich die Geschworenen zur Beratung zurückzogen. Im Gegensatz zu den sonstigen Verhandlungstaqen war der Andrang des Pu­blikums ein ganz außerordentlicher.

Unglücksfall in einer Fabrik. Bei der Nachtschichtarbeit zum Sonntag zog sich ein achtzehnjähriger Arbeiter eines hiesigen indu­striellen Werkes eine gefährliche Verletzung zu, indem er sich an einer Maschine die Pulsadern des rechten Armes durchschnitt. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde der durch den star­ken Blutverlust erheblich Geschwächte durch die Sanitätskolonne in das Landkrankenhaus überführt.

-7- Der Durchbruch der Roonsttaße. Neben der Stadigärtnerer tut der Frankfurter Straße ist in der letzten Zeit der Platz geräumt wor­den, der die Einmündung der neuen Roon- straße in die Frankfurter Straße darstellen wird. Die Straße läuft bekanntlich nach der Aue und findet ihren Abschluß in der neuen Fuldabrücke, die im nächsten Jahre fertigge- stellt sein muß. Einer der Anlieger bereitet noch Schwierigkeiten hinsichtlich des ihm ge­hörenden Geländes. Es schwebt deshalb ein Enteignungsverfahren gegen ihn. Rach der Fertigstellung der Straße wird ein prächtiger Ausblick von der Frankfurter Straße zur Aue und den Fuldabergen geboten werden.

-T- Nächtlicher Kampf mit einem Einbrecher. In der Nacht vom Sonnabend zu Sonntag wollte ein Einbrecher in der Wilhelms- Höher Allee einen Hühnerstall, in dem sich neununddreißig Hühner befanden, ausrauben Dem durch Alarmvorrichtung geweckten Besitzer gelang es, den Täter abzufassen. Es kam zu einem Handgemenge zwischen den beiden Män­nern, wobei der Dieb, als er sich losriß, einen Axthieb in den Rücken erhielt. Der Hühner­besitzer hatte sich vorher mit der Axt bewaffnet gehabt. Der Einbrecher suchte dann das Weite. Er ist etwa 25 bis 30 Jahre alt, 1,63 Meter groß, von schlanker Figur, hat eingefallene -Backen und blondes Schnurrbättchen. Er trug weichen, dunklen Hut, helles Jackett und Arbei­terhemd. Anscheinend hat er durch den erhal­tenen Axthieb^ eine erhebliche Wunde erlitten, so daß er sich in ärztliche Behandlung begeben wird. Es wird ersucht, den Täter, wenn er sich sehen fäßt, festnehmen zu lassen.

In geistiger Umnachtung. In den letz­ten Wochen mehren sich in beängstigender Wei­se die Fälle geistiger Umnachtung. So mußte am Sonnabend abend wieder der im Tan­nenheckerweg wohnende Gärtner W., der seit einiger Zeit Spuren von Geistesgestörtheit gezeigt hatte, durch die Freiwillige Sanitäts- kolonne vom Roten Kreuz nach der Stadtkaser­ne gebracht werden.

-f- Reformationsfest im Evangelischen Bund. Im Evangelischen Vereinshause veran­staltete gestern abend der hiesige Evangelische Bund eine Feier des Reformations- festes. Rach Begrüßungsworten durch Herrn Geheimrat M ü h l m a n n sprach Herr Mili­täroberpfarrer Koisistorialrat Dr. T r e p t e über die Entwicklung des römischen Papsttums und ihren Einsluß auf Deutschland und deut­sche Art und gab ein Bild der wuchtigen Lehre Luthers und seiner Zeit. Im weiteren Verlau­fe des Abends erfreute Herr Jöckel durch ausge­zeichnete Deklamationen, die lebhaftesten Beifall fanden, ebenso einige Gesangsvorträge des Unterneustädler Kirchenchors unter Leitung von Herrn Lehrer H o l l st e i n.

-4- Ein gefährlicher Kinderfreund. In einem Hause am Friedrichsplatz wurde gestern abend ein Mann verhaftet, der hinter der Kriegsschule versucht hatte, sich an einem kleinen Mädchen zu vergehen. Er wurde verfolgt und schließlich festgenommen, worauf er nach dem Polizeirevier in der Frankfurtersttaße gebracht wurde.

Tas erste Elite-Konzert. Heute abend VA Uhr findet im großen Saale des Evangeli­schen Vereinshauses das erste Elite-Konzert der Hof-Musikalienhandlung und Hof-Konzert- direktion von Edgar Kramer-Bangert statt. Jacques Tbibaud, der berühmte Geiger, Mo­ritz Rosenthal, der phänomenale Klaviervir­tuose sind Künstler von Weltruf, die in Ame­rika und Europa die größte Bewunderung fan­den. Neu für Cassel ist die gleichfalls mitwir­kende Altistin Frau Lilly Hoffmann-Onsgin, eine Sängerin von vornehmstem Geschmack und prachtvoller Stimme. EiMrittskarten sind noch zu allen Preisen zu haben.

-r- Die Casseler Suppenanstalt. Man schreibt uns: Die Suppenanstalt, vor fast sieb­zig Jahren ins Leben gerufen, hat in dieser langen Zeit in der Sttlle gearbeitet und ihre Aufgabe, arme hungernde Menschen zu spei­sen, erfüllt. Allwinterlich werden viele tausend Portionen guten kräftigen Mittagessens ausge­teilt, trotz der beständigen steigenden Preise aller Lebensmittel immer noch zu dem gerin­gen Preise von 8 Pfennig die Portion. Jeden Mittag von i-12 bis VA Uhr ist eine der Vor­standsdamen dort (Untere Fuldagasse 9) an­wesend, die gern bereit ist, die Einrichtungen zu zeigen und jede gewünschte Auskunft zu geben. Die Suppcnanstalt liefert auch das Essen für die Schul!inderspeisunaen und für den neu gegründeten Kinderhort im We­sten der Stadt. Seit einigen Jahren ist auch die frühere Krankenküche von der Suppenan­stalt übernommen worden. Es ist dafür ein eigener fchöner Raum eingerichtet, wo täglich eine gute, zweckmäßige Krankenkost, hauptsäch­lich für Wöchnerinnen, aber auch für andere

Kranke, zubereitet wird; sechs Porttonen da-1 von werden täglich den Gemeindeschwestern für arme Kranke unentgeltlich abgegeben. Dieser! umfangreichen Tätigkeit wird die Sufwenan- stalt auf die Dauer nur gerecht werden können, wenn die alten Freunde ihr treu bierbeit, wenn die bisherigen Beiträge nicht zurückgehen, und wenn sich immer wieder warme Herzen und gebefreudige Hände finden, die ihr bei ihrer schönen, dankbaren Arbeit helfen.

Neue Arbeit für die Stadtväter. Den Stadtverordneten ist heute die Einladung des Stadtverordnetenvorstehers zur Sitzung am 12. November, abends halb sieben Uhr, zugegan­gen. Einziger Gegenstand der Tagesordnung ist die Einführung des Oberbürger­meisters Koch durch den Regierungspräsi­denten. Die Versammlung der Stadtverord­neten am kommenden Donnerstag (den sechsten November) umfaßt nur sechs Punkte, und zwar: Abänderung des Fluchtlinienplans Nr. 877III durch Anlegung eines Fußwegs zwi­schen der Baunsbergstraße und der Straße WbXI. Annahme der Stiftung der Schmidt'- schen Heißdampfgesellschast m. b. H. zu Casiel- Wilhelmshöhe in Höhe von 10 000 Mark an den unter städtischer Verwaltung stehenden Fonds für Ferienkolonien, Bereitstellung des Beira- ges von 250 Mark zum Ankauf von 50 Exem­plaren des WerksGeschichte des Casseler Volksschulwesens in Vergangenheit und Gegen­wart". Bereitstellung des Betrages von 240 Mark zur Bestreitung der Kosten der am ersten Dezember stattfindenden Vieh- und Obstbaum- zählung. Formelle Bereitstellung der Mittel zur Deckung von Ausgaben für die Gärtnerei- Berufsgenossenschaft und Nachbewilligung ei­nes Betrages von 2250 Mark für die Armen­verwaltung.

4- Lehrgänge im Verein für Volkshygiene. Wie aus dem Anzeigenteil ersichtlich, beabsich­tigt die Ortsgruppe Cassel des Deutschen Ver­eins sür Volkshygiene bei Beginn des neuen Jahres eine Reihe von Lehrgängen abzu­halten, die verschiedene Stoffe aus dem großen Gebiet der Hygiene behandeln sollen. Jeder Lehrgang soll abends abgehalten werden, ein­mal in jeder Woche 1 bis 1% Stunden in An­spruch nehmen und im Zeitraum von etwa fünf Wochen beendet sein. Vorläufig ist die Abend­zeit von bis 8 Uhr in Aussicht genommen. Doch sollen Wünsche für einen späteren Beginn nach Möglichkeit berücksichtigt werden, wenn sie rechtzeitig ausgesprochen werden. Als Beitrag zu den Selbstkosten soll für jeden Lehrgang der geringe Betrag von 1 Mark erhoben werden. Anmeldung zur Teilnahme an den Lehrgän­gen ist baldigst an den Schriftführer der Orts­gruppe zu richten.

Der Eilbotenlauf Harleshausen-Wilhelms- tal.' Ein zahlreiches Publikum hatte sich am Sonntag nachmittag am Jägerhaus bei Har­leshausen eingefunden, wo sich der Start zum Stafetten kam f Harleshausen- Wilhelmsthal und zurück befand. Je 64 Läufer vom Aelteren Turnverein Kirchditmold (dem Veranstalter des Laufes) und vom Turn­verein Harleshausen waren in 100 Meter Ab­stand auf der hin und zurück 14 Kilometer be­tragenden Strecke aufgestellt. Außerdem betei­ligte sich ein Radfahrer. Punkt 2 Uhr setzte sich der erste Läufer in Bewegung. Trotz des schlüpfrigen Bodens, der das Laufen sehr er­schwerte, wurden von den Beteiligten gute Re­sultate erzielt. Ter Aeltere Turnverein Kirch­ditmold legte die Strecke in 31 Minuten 55 Sekunden zurück, der Turnverein Harleshausen brauchte 33 Minuten 52 Sekunden, während der Radfahrer erst 15 Minuten später eintraf.

Die Generalversammlung der Henschel- Sänger. Der Gesangverein der Henschelwerke (Dirigent Musikdirektor Hallwachs) hielt dieser Tage seine Generalversammlung ab. In die­ser Versammlung wurde der alte Vorstand (Vorsitzender Herr Sönner) wiedergewählt. Weiter wurde die seitens der Stadt aus Anlaß der Tausendjahrfeier für die Vereine des Kur- hessischen Sängerbundes gestiftete goldene Me­daille überreicht. Schließlich wurde noch der Beschluß gefaßt, Pfingsten nächsten Jahres an der Bannerweihe des Brudervereins vom Hen- schelwerk in Hattingen teilzunehmen. Die Rei­sekosten werden von der Firma Henschel be­stritten.

Die Kölner in beitKaisersälen". Die Kölner Bühne hat sich wieder einmal in Cassel eingebürgert. Kaum sind Prangs ans dem Re­sidenztheater ausgewandert, so zog (am Sonn­abend) Karl Schmitz aus Köln mit einem Rucksack voll Humor, Witzen und guter Laune in dieKaisersäle" ein und eroberte sich im Sturm sein Publikum. Auch Schmitz ist uns ja kein Unbekannter und so verlohnt sich eigent­lich nur die Feststellung, daß er der Alte ge­blieben ist. Nach wie vor zündet seine unwi­derstehliche Komik, sei es nun in der tollen Mi­litärburleskeDer Stolz der ersten Kompagnie" oder in dem ulkigen, wenn auch etwas über­triebenen StückeTer Prinz von Marokko".

Ans Cassels Kinos. Sarah Bernhard, die größte Tragödin der Welt,gastiert" diese Woche auf vier Tage ftn Metropol-The­ater (Lichffpielhaus), untere Königstratze 64. Sie spielt in dem dreiaktigen Sitten-Drama Die Geliebte des Herzogs" die Haupftolle. Zur Vervollständigung des Programms gelangen noch tolle Humoresken, herrliche Naturaufnah­men, die Meftopol-Wochenschau mit den neue­sten Berichten aus aller Welt, sowie ein Ton­bild auf den Spielplan.

-s- Kleine Tageschronik. Feuerwerks-Haupt­mann Fülling im Kriegsmististerium zu Berlin, ein geborener Caffelaner, ist zum Feuer­werks-Major ernannt worden. Auch an die­ser Stelle weisen wir ans die heuttge Anzeige hin, in der die Krieger-Sanitäts-Ko- lonne vom Roten Kreuz den Beginn neuer Ausbildungs-Lehrgänge in den verschiedenen Stad"eilen anzeigt. Der Verein ehema­liger Pioniere und Verkebrsftuppen von Caffel und Umgegend veranstaltet Sonnabend den achten November, abends acht Ubr, im Pa- lais-Reftaurant die Feier des zwölften Stif­tungsfestes durch Abendunterhaltung mit Ball.

Das Wetter am Dienstag. Für morgen, Dienstag, sagt der amtliche Wetterbericht für Heffen-Naflau folgende Witterung voraus: Ver­änderlich, doch meist trübe, Regenfälle, milde und zeitweise Hark windig

Letzte Telegramme.

(Rach Schluß der Redaktion eingegausrn)

Jerssinrug in Braunschweig.

Das Herzogspaar in der Residenz.

(Privat-Telegramm.)

Braunschweig, z. November. )

In der festlich gefchmückten Stadt herrscht fieberhafte Erregung. In den Straßen, durch die der Einzug des Herzogspaares erfolgt, sammelten sich bereits in den frühen Vormittagsstuiwen dichte Menschenmengen an. In der Station Velpke sand die Begrüßung des Herzogspaares durch das dort hingereiste Ministerium auf dem Bahnhofe statt. Beim Einfteffen des Extrazuges auf dem Bahnhof wurden dem Herzogspaar lebhafte* Ovationen dargebracht. Staatsminister Hartwieg hielt eine kurze Begrüßungsansprache, wofür de» Herzog dantte. Wenige Minuten daraus setzt« sich der Extrazug nach Braunschweig wie. der in Bewegung. Anläßlich des Einzuges des Herzogs Ernst August und seiner Gemahlin hat die alte Welfenstadt Braunschweig allenthalben festlichen Schmuck angelegt, besonders die Ein­zugsstraßen zeigen ein festliches Bild. Behörde« und Bürgerschaft haben gewissermaßen gewett­eifert, um dem jungen Herzogspaare auch äußerlich zu zeigen, wie hohe Freude Alle ohne Ausnahme erfüllt, daß, nachdem endlich all der Zwist endgittig beigelegt ist, wieder ein Sproß des angestammten Herrscherhauses aus dem Thron Braunschweigs sitzen soll. Der Frem­denstrom ist enorm. Hotels. Logierhäuser und Privatquartiere sind überfüllt. Namentlich stelle« die Engländer unter den zahlreiche« Ausländern das Hauptkonttngent. Ueberall sieht man freudig erregte Menschen. Für die Fenster der Häuser der Einzugsstraßen sind Preise yon fabelhafter Höhe bezahlt worden.

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Der Abschied von Rathenow.

Rathenow, 3. November. (Privat« Telegramm.) Heute vormittag um zehn Uhr haben der H e r z o g Ernst August und die Herzogin Viktoria Luise die Garnisonstadt verlassen und die Reise nach der braun­schweigischen Residenzstadt i'.n Sonderzug an- getreten. Das Herzogspaar verließ im offene« Wage« die Billa und fuhr durch das Spalier der in Paradeuniform aufgestellten Zietenhusa- rem und der zahlreichen ihm Scheidegrüße zü­rn inkenden Menge zum Staatsbahnhof. Auf dem Bahnhof hatte sich die Generalität einge­funden und auf dem Bahnsteig hatten diö vierte Schwadron der Zietenhusaren mit Standarte und Musik und der Rathenower Verein ehe- maliger Ziethenhusaren Aufstellung genommen. Das Herzogspaar schritt unter den Klängen des Torgauer Marsches die Front der Schwadron ab und verabschiedete sich sodann. Danach wurde der Sonderzug bestiegen, der sich unter den KlängenHeil dir im Siegerkranz" und unter den lauten Zurufen der versammel­ten Menge in Bewegung setzte.

Neunter Kornwalzen-Tag.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 3. November.

Im Krupp-Prozeß teilte heute der Vorsitzende mit, man habe beschlossen, General von Bücking und den zuständigen Dezernenten der Feldzeugmeisterei in der Angelegenheit des Zeugleutnants Höge als Zeugen zu laden. Dann wird in der Vernehmung des Krupp- Direttors Dräger fortgefahren. Dieser er­klärt, Metzen habe seinerzeit durchblicken lassen, daß die Forderung Brandts auf Gehalts­erhöhung ans erpresserische Absichten zurückzuführen fei. Bei einer Direktorial-Kon- ferenz hat Dräger seine Bedenken über Brandt zur Sprache gebracht. In der Kon­ferenz wurde es als taktifcher Fehler bezeichnet, daß man die Berichte Brandts so geheim gehal- ten habe. Nach Träger wurde der Abgeord- nete Dr. Liebknecht.als Zeuge vernommen. Er erklätte, er habe eines Tages eine« Brief in Kanzleihandschrift erhallen, der fast wöstlich dasselbe enthiett. das er dem Kriegsminister berichtet habe. Der Brief war unterzeichnet mit Schulze, jedenfalls ein Pseu­donym. Er habe nie H errn v o n Metzen gekannt, ebensowenig habe er Beziehungen zu Thyen unterhalten.

Tragödien des Lebens.

Spandau, 3. November. (Privat- Telegramm.) In der Wohnung eines Offiziers erschoß sich gestern mit dessen Jagdgewehr eine junge Dame, die eine» angesehenen Berliner KausmannSsami- lie angehört. Was die Lebensmüde in den Tod getrieben hat, steht noch nicht fest, doch scheint es sich um ein Liebesdrama zu handeln.

Das Opfer eines Lustmörders.

Hamburg, 3. November. (Privat- Telegramm.) Hier fand man heute früh in den Anlagen an der Außenalster die voll­ständig verstümmelte Leiche eines KindeS. Es handelt sich um die achtjährige Tochter eines Fischhändlers, die feit gestern abend ver­mißt wurde. Man vermutet, daß an dem be- dauernswerten Kinde ein Lustmord verübt worden ist. Von dem Täter fehlt bis jetzt jed» Spur. V

Einsturz-Katastrophe im Theater.

Mailand, 3. November. (Privat« Telegramm.) In Prato gab bei einer Festvorstellung in der Philharmonie das Ge­bälk nach und die Decke stürzte ein. Von den zweihundert Anwesenden wurden gegen hun- bert mehr oder minber schwer verletzt. Die übrigen flüchteten in wilber Jagb. Bei der Flucht erlitten gleichfalls eine Anzahl Perso­nen Verletzungen. Die Ursache bes Einsturzes ist noch nicht bekannt.

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