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Der Gigant am Rhein.

Das Bismarck «Nationaldenkmal ans der Ettsenhöhe; der fünfte und der erste Kanzler.

. . . Tas Werk der Besteiung Deutsch­lands von der Fremdherrschaft und alle die Mühen und Siege, deren wir in erhe­benden Feiern gedacht haben, wären ver­gebens gewesen ohne das Werk der Ei n i- g u n g, das uns Bismarck gebracht hat. Daher darf sein Ramc am wenigsten feh­len in der Reihe der großen Deut­schen, deren wir in diesen Tagen geden­ken. Darum aber auch sollen alle, die sich Deutsche nennen dürfen, Zusammenhalten, wenn es gift, mit einem Denkmal hoch über dem Rhein ein Wahrzeichen aufzurichten nicht nur der Dankbarkeit gegen Bismarck, sondern auch ein Symbol der heißen Vaterlandsliebe, der zu jedem Opfer bereiten Hingabe an die Nation, in der Bismarcks Leben aufging. Diesen BiSmarckischen Geist, der sein heiligstes Vermächtnis an Deutsch­land ist, soll unS das Denkmal mahnend und warnend verkörpern. . .!" (Reichskanz­ler von Bethmann Hollweg in der am Sonnabend in Berlin stattgehabtcn Versammlung des Vereins zur Errichtung eines Bismarck-National-Denk- m a l s auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück.) Man schrieb das Jahr des Heils: Neunzehn­hundertelf. Der Kanzler des Reichs rüstete sich zur'Fahrt an den Rhein, und im Reisepro­gramm erinnerte sich fromme Pietät der Pflicht, auf der Wallfahrt durchs Tal der Burgen und der Reben auch dem einsamen Gipfel der Elisenhöh' einen Moment stiller Betrach­tung und inn'rer Einkehr zu widmen; jenem Gipfel, den Deutschlands Dankbarkeit auserse­hen, Otto von Bismarcks weit in die Lande ragendes Denkmal, ein Zeugnis deutscher Treue, durch die Jahrhunderte zu tragen. Da­mals, am Tag der Kanzlersahrt zum Rhein, war an dieser Stelle zu lesen: . . Wenn er, (des Titanen vierter Erbe: Herr Theobald von Bethmann Hollweg), zur Linken den zur Herbst- zeit ins Exil geschickten Kreuzwendedich von Rheinbaben, am Fuße der Elisenhöh' steht und der Felsen ragende Gipfel schaut, die nun bald des ersten Kanzlers steinern Bildnis tra­gen sollen, mag in seiner Seele sich der bange Zweifel regen, ob (nach Jahrzehnten) auch sein Name dem Volk noch unvergessen, fein Heldenwerk dankbaren Enkeln noch vertraut sein wird, liebet Otto von Bismarcks Reckengrab ist das zwanzigste Jahrhundert mit hartem Tritt dahingeschritten, am Felsen bismärck'scher Unsterblichkeit haben ärmliche Stümper mit dem Stichel geistloser Kritik und schnüffeln­derForschung" gemeißelt und es ist uns längst gesagt, daß des Jahrhunderts größter Deutscher nicht- in des Sachsenwaldes Tiefen vom Leben schied: Dennoch ringt heut die ganze Kraft deutschen Volkstums in wildem Ungestüm um Bismarcks Angedenken, weil im Empfinden der Nation der Steinblock auf der Elisenhöh' des großen Kanzlers nicht würdig, weil die Dankbarkeit der Enkel andern, stärkern Ausdruck heischt als ein Pelief des Titanen­kopfs, eingemauert ins Gequader toten Steins, oder umkuppelt vom Säulenbau kaiserlichen Stils. In diesem Kampf um Ort und Form offenbart sich der Ewigkeitgehalt bis- marck'scher Riesentat und in des vierten Nach­fahrs bewundrung - frommer Seele mag sich die Wehmut regen, wenn spät erwachtes Selbst­vertrauen am ragmden Fels bismarck'schen Heldentums den Hügel eigner Tatengröße mißt. Der erste Kanzler, der im politischen Handel immer nur den Zweck und das Ziel, nie aber des Weges Blumen oder Dornen gese­hen, hat der Allmacht rustikaler Kasten- und Jntereffenpolitik gegenübergestanden mit keiner andern Waffe in der Hand, als der Stärke eigner Ueberzeugung und der Wucht seiner Per­sönlichkeit; der fünfte steht Zwergen gegen­über u. spürt dennoch in der Seele das zitternde Bangen vor der Unbegrenztheit strafender Mög­lichkeiten, die in diesem Land der Seltsamkeiten und politischen Abnormitäten auch am Weg des Starken lauern. .. !"

Der erst» und der fünfte Kanzler.

Zwei Jahre später. Im Berliner Rathaus versammeln sich die Männer des Komitees zur Errichtung des Bismarck-Monuments auf der Elisenhöh' am Rhein. Am Prästden- lentisch thront Herr Kreuzwendedich von Rhein­baben, den einst die Nemesis der Wilhelmftraße vom Ministerstuhle drängte, und der nun als Oberpräsident der Rheinprovinz dem Sonnen-

Aufgang neuen Glücks entgegenharrt: Der­selbe Mann, der vor zwei Jahren an des Kanzlers- Seite am Fuß des ragenden Felsens stand, den Bismarcks Denkmal krönen soll. Er spricht wie ein Mahner, wie ein Apostel deut­schen Gewissens:Das Schwerste, das eine Nation treffen kann, ist der Undank, und wir wollen in der deutschen Nation die Schmach nicht haben für den Mann, dem wft zur Dankbarkeit verpflichtet sind!" Worte, die deutschem Empfinden wie die Sprache eines starken, aufrecht-ernsten Man­nes klingen, wie nationale Ehrlichkeit-Regung nach überlangen Oratorien schwachmütiger Heuchelei, die Bismarcks Angedenken unterm Schleier der Verlegenheit barg, um die Mittag­sonne des Jubeljahrs nicht durch der Wahrheit Schatten zu verdunkeln. Herr von Rheinbaben hat ausgesprochen, was wir Alle im tiefsten Herzen fühlen: Die Erkenntnis, daß eine Un­dank-Sünde zu sühnen ist, ein Verbrechen am Geist deutscher Treue, und daß die Zeit gekommen, Buße zu tun. Nach dem Oberpräst- denten der Kanzler. Was er gesagt, hat offiziöse Eilferttgkeit als Danftribut des fünf­ten an den ersten Lenker deutschen Reichs-Ge­schicks durchs Land gentfett. Lohnt sich's, die Worte vom ersten Novembertag in der Ge­schichte zu verewigen? Der Appell ans Vater­land etwa,Bismarck eingedenk zu sein und zu bleiben?" Ernsthaft kaum zu würdigen! Deutsch­land und Bismarck sind eins, sind un­trennbar miteinander verbunden und für ewige Zeiten als historische Einheit fest- verankert im Gefüge der Weltgeschichte. Oder: Darum darf, wenn wir der großen Männer der deutschen Geschichte gedenken, Bismarck niemals fehlen, darum sollen sich alle Deutschen zusammenscharen, wenn es heißt, Bismarck ein Denkmal zu errichten, nicht nur aus Dankbarkeit gegen Bismarck, sondern aus Vaterlandsliebe?" Ein Wort, das wir in tausendfachen Variationen gehört; ein Wort, das eine Selbstverständlichheit ins Land hin­ausruft, und das doch, aufs Bild der Wirk­lichkeit angewandt, nur ein Wort geblieben, nie aber Tat geworden ist. Aber dann: Diesen Bismarckschen Geist, fein hei­ligstes Vermächtnis an Deutschland, soll uns das Denkmal hoch über dem Rhein verkör­pern!": Das ist's, das an die Herzen, an die Seelen und Gewissen rührt! Der Bis­marck s ch e Geist, der Geist der Tatkraft und Entschloffenheit, der Geist des Willens und des Kampfs, der ehernen Energie und der starren Unbeugfamkeit im Ringen um das als nützlich und notwendig erkannte Ziel: Das ist's, das uns nottut; das ist's, das nicht nur im Denk­mal hoch oben auf der Elisenhöh' am Rhein, sondern im Leben. Weben und Wirken deut­scher Reichs, und Regierungsarbeit seine Verkörperung erfahren sollte; nicht in gra- nitnen Steingebilden und bronznen Reliefs, sondern im Triumph deutscher Kraft, im sieg­haften Einsetzen deutscher Macht für Deutsch­lands Ehre und Ansehen, und in der unerschüt­terlichen Festigkeit vaterländischer Politik gegen­über allen Anfechtungen! Der Gipfel des Bis­marckfelsens am Rhein leuchtet weit hinein in die Lande; Heller aber und herrlicher strahlt Bismarcks Geist durch» die Geschichte, und es würde das idealste Denkmal der Nation für den großen Kanzler sein, wenn am Weihetag auf der Elifenhöh' der vierte Nachfahr zum Giganten auf den Sockelquadern sprechen könnte: Wir haben uns gemüht, Deines Gei­stes Spuren in Taten, nicht in Worten nur, festzuhalten F. H.

Roter Sonntag in Braunschweig.

Sozialdemokrat^che Protest-Kundgaben.

(Ptidat-Telegtamm.)

Braunschweig, 3. November.

Die braunschweigische Sozialdemo­kratie hielt gestern mittag eine Volksver­sammlung ab, in der ein Führer der hiesigen Sozialdemokraten über das ThemaD i e Verschacherung des braunschweigi­schen Volkes" sprach. Nach der Versamm­lung kam es zu lebhaften Straßenszenen. Die Teilnehmer an der Versammlung demon­strierten durch Hochrufe auf die internationale Sozialdemokratie und Rufe gegen die Re­gierung und versuchten in geschloffenem Zu­ge nach dem Schlösse zu gelangen, wurden je­doch durch Polizei und Gendarmerie daran ge­hindert.

Eine Amnestie Ernst Augusts.

Wie uns aus Braunschweig berichtet wird, hat Herzog Emst August zu Beginn feiner Regierung eine umfaffenbc Amnestie erlassen. Alle Freiheitsstrafen, die von braun- fchweigifchen Zivilgerichten, Polizeibehörden oder Verwaltungsbehörden bis zu fechs Wo­

chen Dauer oder bis zu 150 Mark Geldstrafe verhängt worden sind, werden erlassen. Außerdem sind noch zahlreiche Einzelerlaffe vorgesehm.

Luftschiffbau-Tragödie.

Zusammenbruch der Luftschiffwerft Beeh.

Wie wir bereits mttgeteilt haben, ist die Deutsche Luftschiff.Werft" in Düs­seldorf. die das Stahlluftschiff nach dem System Veeih baute, in Konkurs geraten, da das mit so großen Hoffnungen begonnene Un­ternehmen finanziell gescheitert ist. 400 000 Mark sind bisher in das Unternehmen hineingesteckt worden; es fehlen noch 40° bis 50 000 Mark, und weil dieser Betrag nicht vor­handen ist, muß die Gesellschaft ihren Zufam- menbmch anmelden: Eine Tragödie, die man hätte verhüten sollen. Wir erhalten zu der Angelegenheit noch folgende Mitteilungen:

Das Stahlschiff der Lüfte.

(Mitteilungen von informierter Seite.)

Düsseldorf, 3. November.

Man erinnert sich wohl noch, wie der V I Anfang Juli dieses Jahres in Düsseldorf seine Probeflüge aussührte. Dr. Heckerath, der Leiter des Unternehmens. der Ingenieur Paul Veeh (nach dem der neue Stahlchp benannt wurde), eine Abordnung des Kriegsnnnisteri- ums, sowie des Kölner Lustschiffer-Bataillons waren Zeugen des Ereignisses. Der Veeh- Luftkreuzer hat, wie alle Luftschiffsysteme, seine Leidensgeschichte hinter sich, nicht so lang wie Zeppelins Anfänge, aber doch bitter genug. Veeh baute zuerst in München, pekuniär unterstützt durch den Flieger Dr. Witten­stein aus Barmen und den Kunstmaler E r b s l ö h, den Vetter des unglücklichen Luft- schijfers Zeichen Namens. Als die Halle, die man dem Erfinder zur Verfügung gestellt hatte, abgebrochen wurde, siedelte Veeh 1910 zur Düsseldorfer Delag über. Dort förderten fein Unternehmen die Häuser Krupp, Stumm,

Mannesman«, Riedinger, Daimler;

das heißt: Die erstgenannten wendeten Geld zu, Daimler lieferte die Motoren, Metzelet und Riedinger die Hülle. Der Grundgedanke des Systems Veeh war, ein billiges und zerleg­bares Luftschiff für militärische Zwecke herzustellen, das mit diesen Vorzügen des un­starren Typs die des starren vereint. Der Kreuzer erhielt die einheitlich geschlossene Form des Starrlustfchiffes. Es fehlen die frei- hängenden Gondeln; sie sind in den Gerüstkiel einbezogen, der als Laufgang ausgebildet ist. Die Kraftübertragung erfolgt durch Gummi- leile. Da auch der Kiel zerlegbar ist, so kann das ganze Luftschiff in wenigen Stunden aus- etnattbeTgenommen und wieder zu- fammengesetzt werden. Die Ausführung in Stahl ist leicht, solid und elastisch. Die preu­ßische Heeres-Verwaltung hat eine Zeitlang das Unternehmen finanziell unter­stützt. jedoch blieben diese Zuschüsse in letzter Zeit gänzlich aus, und der Zusammenbruch ist zu einem großen Teil Wohl auf diese Tat­sache zurückzuführen. *

Das Veeh-Luftschiff vergessen?

Es scheint fast, daß man das Veeh-Luftschiff vergessen hat. Während die Zeppelin- Wersten durch die reiche Nationakspende und den fortlaufenden Reichszuschuß gesichert sind, wahrend auch das Schütte-Lanz-Unternehmen durch reiche Gönner gehalten wird, droht dem so schwer um seine Anerkennung ringenden Luftschiffbau in Düsseldorf der finanzielle Zusammenbruch. Sollen die Veeh-Lust- kreuzet ähnlich wie die Parsevalschifft ins Ausland wandern? Noch ist es Zett, zu helfen und zu verhindern!

San Franzisko und Wir.

Siu Protest des Staatsmintsters Heutig.

(Ptivat-Telegtamm.)

Frankfurt a. M., 3. November.

Der Hauptausschuß des Vereins für das Deutschtum im Ausland hielt gestern hier se'Ne diesjährige Tagung unter Vorsitz des Staatsministers z. D. von Heutig ab, der über die Aufgaben, Bestrebungen und Er­folge des Vereins berichtete. Ueber die Be­teiligung an der Weltausstellung in San Francisco führte Herr von Heutig aus. daß die Ablehnung der Beteiligung durch die maßgebenden Instanzen ein schwerer Fehler fei und der Verein deshalb be­schlossen habe, in San Francisco eine Son- heraus ft ellung zu veranstalten- die ein Bild geben foll von der Arbeit, die der Verein auf dem Gebiet des deutschen Schul- und Bil­dungswesens im Ausland leistet. Ein längeres

Referat erstattete der deutsch-österreichische Landsmanmninister a. D. Dr. Schreiner über das Deutschtum in Böhmen. Zum Schluß sprach der Generalsekretär des Vereins, Gr ei­fert übet internationale Wanderungsproblem«.

Ernst Augusts Einzug. Braunschweig in Erwartung des junge« Herzogspaares; die Stimmung im Laude.

(Von unserm Mitarbeiter.)

Braunfchweig, 3. November.

Braunschweig, die alte Welsen-Restdenz am Okerstrand, steht heute wiederum ein Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung: Am heuttgen Montag hat «in W elfenh er zo g, ein Sproß aus dem stolzen Geschlecht Heinrichs des Löwen, seinen Einzug in die Landes- Hauptstadt gehalten. Und mit ihm, in Jugend- schönheit prangend, des Kaiserpaares Töchter- lein, als Herzogin von Braunschweig:Welch' eine Wendung durch Gottes Fügung!" So mag man, den veränderten Verhältnissen Rech­nung tragend, das Wort des greifen Kaisers Wilhelm anwenden. Neunhundert Jahre lang ist Braunschweigs zäher niedersächstscher Men­schenschlag mit dem welfischen Fürstenhause in Freud und Leid verbunden. Gar mancher rauhe Sturm hat das reckenhafte Geschlecht der Welfen zerzaust, geknickt, gebrochen. Und in all den langen Jahrhunderten ist nicht eine Generation ohne Kampf und Ungemach geblie­ben. Aber immer wieder hat sich das zähe Ge­schlecht erholt, immer wieder sich behauptet und sich durchgesetzt. Wie der gewaltige Ahnherr des Hauses, Heinrich der Löwe, nach jahrelan­ger Acht und Dann aus der Fremde zurückkehrte in feine Burg, unbesiegt und ungebeugt, so mehr als sechs Jahrhunderte darnach der Her­zog Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Oels, der mit Recht alsHeldenherzog" im Gedächt­nis jedes Braunschweiger Kindes fortlebt in Wort und Lied und ... in den Herzen. An jenem urdeutschen Recken scheiterte die Macht des Hohenstaufen, und an diesem der lieber» mut des Korsen. Anders

des Welsen Sieg

im Jahre des Heils 1913! Nicht das Schwert, nicht blutiger Waffengang hat diesem den Er­folg gebracht; nein, Hymnes Bande waren es, die dem jetzt siebenundzwanzig Jahre alten, jugendlichen Herzog Ernst August den Weg in das Schloß feiner großen Ahnen geöffnet haben. Was vor wenigen Jahren noch ganz unmöglich schien, ist jetzt zur Tat geworden: Das angestammte Herrscherhaus kehrt zurück auf den Thron, der vor achtundzwanzig Fahren durch den Tod des letzten Welfen aus der älte­ren Linie verwaist dastand. Zwar haben zwei tüchtige Regenten das Land verwaltet nach Pflicht und Gewissen, und beide (sowohl der Hohenzoller, Prinz Albrecht von Preußen, wie der Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg) haben ihre großen Verdienste um das Land sich erworben; aber der Braunschweiger ist kon­servativ-monarchisch bis auf die Knochen und betrachtet das jetzt abgeschlossene Provisorium der Regentschaft (unbeschadet der wohlverdien­ten Dankbarkeit gegen die beiden Regenten) als eine Erlösung aus dem Gefühl der Un­sicherheit, als ein Glück für das Land! Dazu noch ein anderes: Der Braunschweiger ist außerordentlich- st o l z auf sein welfisches Für­stenhaus. Jedem Fremden zeigt er mit Genug­tuung die in der Krypta des Dorns stehenden Särge von neun Welsenherzögen, die im Lauft von nur anderthalb Jahrhunderten

auf Schlachtfeldern gefallen

sind, für Preußens, für Deutschlands Größe und Ehre, als preußische ober braunschweigische Heerführer. Und daß nun endlich wieder ein welfischer Prinz, daßsein" angestammter Her­zog jetzt wieder eintreien wird in den Kreis der regierenben deutschen Fürsten: Das schmeichelt seinem vaterländischen Empfinden, Das tröstet ibn über manche erlittene Unbill, Das erfüllt ihn mit inniger, herzlicher Freude, Das verleiht ihm die frohe Hoffnung auf eine schöne und glückliche Zukunft! Schon als in den Tagen des Mai die Verlobung des Prin­zen Ernst August mit der Kaisertochter amtlich bekannt gemacht wurde, da schien sich eine Art Feiertags st immung auf Groß und Klein, auf Jung und Alt herabgesenkt zu ha­ben. Wohin man sah, wem auch immer man in den Straßen begegnen mochte: Alles schien wie von einem inneren Glück erfaßt zu fein, das auf den Gesichtern deutlich zu lesen wat, und alte Männer, die manche heiße Schlacht im großen Kriege 1870 mitgefochten, sah man auf offener Straße sieb umarmen und Tränen der Freude vergießen! Nicht fchnell genug wollte die Zeit vergehen, bis man sichet war: Wann kommt denn nun das junge Herzogs­paar?" Und als nun am Sonnabend im amt­lichen Blatt, denBraunschweigischen An­zeigen", das Patent des neuen Herzogs Ernst August bekannt gemacht wurde, da ging ein Gefühl der Freude und des Dankes durch di« Brust von Hunderttausenden. Dankbar gedachte man des Kaisers, der feine einzige Tochterbet entgegenstehenben Politik nicht opfern wollte" und dankbar gedachte man des Herzogs Johann Albrecht, des letzten Regenten, der in wahrhaft

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Hessische Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

Dienstage 4. November 1913

Nummer 281

3. Jahrgang.

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