Einzelbild herunterladen
 

Jm Lust-Lxprch.

3m Eil-Luftschiff von Paris nach Newhork: Ei« Zukunftsbild aus dem Jahre 1930, von

Dr. Albert Dresdner.

In dem lieblichen, in das dichte Grün des Bois - de - Boulogne eingebetteten Tale von Longchamps, das noch vor wenigen Jahr­zehnten (wir schreiben das Jahr des Herrn 1930) als Rennplatz diente, schaukelt sich, von einem leichten Sommerwinde sanft bewegt, das riesenhafte Eilluftschiff »Sirius", bereit, die Fahrt nach Newhork anzutreien. Wie ein riesiges Ungeheuer liegt das alumi­niumfarbene, hell in der Sonne glänzende Luftschiff über dec grünen Fläche, von Hunder­ten von Seilen, die mit starken Widerhaken versehen sind, an Ringen sestgehalten. Aber bereits summen und surren die Motoren, be­reits gibt der Kapitän von der Kommando­brücke aus an zweihundert verschiedene Stellen seine Klingelzeichen, bereits stehen die Mann­schaften an den Pflöcken, um auf das Signal die Haken zu lösen. In einer Höhe von vierzig Metern über der Erde, liegt die riesige, in der Sonne spiegelnde Einsteigeterrasse, auf der sich ein feines, internationales Publikum in ele­gantem Flusse bewegt. Von allen Seiten schwirren Flugzeuge heran, sie halten an den Einsteigetrevven des Luftschiffes und bringen die letzten Passagiere an Bord. Alles ist zur Abfahrt bereit. Tie Türen werden ge­schlossen, die Sirene gibt das Signal, und in majestätischem Schwung hebt sich der »Sirius" emvor und schwebt nach Welten.

Sehen wir uns seine Einrichtung an! An dem riesigen Ballon, der aus Eisenbalken und aus einer Aluminiumbedachung besteht, sind drei mächtige Stockwerke angebaut, die durch je zwei v-zugartige Galerien miteinander verbunden sind. Tas vorderste Stockwerk (zu dieser Grösse ist die ehemals bescheidene Gon­del gewachsen) ist für die Passagiere erster Klasse reserviert. Da gibt es Prunkkabimn mit modernstem Lurus, da sind Spiel- und Turnräume, da ist ein Musiksalon und ein von starken Glasscheihen eingefasstes Promenaden­

deck, das durch Blumenarrangements und Pal­men zu einem Wintergarten ausgebaut worden ist. Livrierte Kellner servieren Speisen und Getränke nach Wahl und überreichen die drei­mal täglich erscheinendeL u f t p o st", in Form einer kleinen Zeitschrift. In den Galerien sitzen, an kleinen Tischen, oder in bequemen Rohrmöbeln, die Passagiere, in die Aussicht, das Lesen der Zeitung, oder in einen Flirt versunken. Das mittlere Stockwerk ist im we­sentlichen den technischen Einrichtungen reser­viert. Hier findet sich der Maschinenraum mit seinen 7000pferdigen Motoren, hier sind die Räume für den Kapitän, die Offiziere und das Dienstpersonal, hier ist die Küche, der Telegraphenraum, die Kommandobrücke und die Druckerei. Um das Stockwerk herum zieht sich eine gedeckte Promenadengalerie., die nach hinten zu in die beiden Laufgänge zum dritten Stockwerk, für die Passagiere zweiter Klasse, führt.

Das Eilluftschisf erhält seine motorische Kraft auf drahtlosem Wege von je zwei Kraftstationen, in Paris und in Newhork. Die Orientierung erfolgt nicht mehr, wie früher, mit der Bussole, sondern wird auf fernmag- nctischem Wege geleitet. Im Kommando­raum des Schiffes befindet sich ein wagrecht eingestellter Zeiger, der sich genau nach dem fernmagnetischem Strome, der von der Absen- destation in Newhork ausgeht, richtet. An jedem dieser Stockwerke sind riesige Schwimm­rohre angebracht, die dem Ganzen ein sonder­bares und phantastisches Aussehen verleihen. Die drei »Gondeln" sind direkt mft der Hülle des BallonS verbunden und hängen an festen Eisenträgern. Sie sind wegen des scharfen Luftzuges ganz mit Glas eingefasst. Die Ge­schwindigkeit beträgt zweihundert Kilo­meter in der Stunde, sodaß also die siebentausend Kllometer lange Strecke in un­gefähr anderthalb Tagen überflogen werden kann. Die Preise sind verhältnismä­ssig bescheiden. Sie betragen für eine Luxns- kabine erster Klasse 5000 Mark und steigen, bei der einfachsten Kajüte zweiter Ordnung bis auf 700 Mark herunter. Das Luftschiff bietet, namentlick b.-i Nackt, wenn es unter klarem

Or. 280. 3. Jahrgang.

Künstlern nie das wird sein können, was ihnen sein Vater war. König Ludwig hat kein intimes Verhältnis zur bildenden Kunst, aber rr tut auch nicht so, als ob er etwas von Kunst verstände. Die Tierzucht interessiert ihn mehr, als die Tiermalerei, und der Ludwig- Donau-Main-Kanal interessiert ihn mehr, als die Hofoper und das Prinzregenten-Theater zusammengenommen. War Ludwig der Zweite mit Leidenschaft Theaterliebhaber, so ist König Ludwig der Dritte von Bayern mit Leiden­schaft Landwirt. Er protegiert nicht nur die offiziellen landwirtschaftlichen Korpora­tionen, sondern ist selbst praktischerLand. wirt im Allgäu, in Leutstetten an der Würm und in Ungarn. Besonders beschäftigt ihn das Problem der grossstädtischen Lebensmit­tel - Versorgung durch die Landwirt­schaft, und um hier mitzuhelfen, ist er auch Gesellschafter bei der Z e n t r a l m o l - kerei in München, G. m. b. H., geworden, ohne sich vor einer sozialdemokratischen Zei­tung zu fürchten, die ihn deshalb als »bösen Milchwucherer" gebrandmarft hat. Die inten­sive volkswirtschaftliche Betätigung ist zweifel­los das Bemerkenswerteste am König Ludwig. Hier steuert er aufgrund sorgfältigen Studiums und einer guten Praxis auf große, ideale Ziele hin, die vielleicht noch größer und nütz­licher sind, als sie sich nach manchen darauf be­züglichen Reden ausnehmen. Mit seiner star­ren Zähigkeit und Beharrlichkeit vertritt er die Ueberzeugung von der Harmonie der ökonomi­schen und sozialen Interessen von Stadt und Land. Dr. A. D.

Ser KomwalM Prozeß.

Neue Moabiter Sensationen.

(Bericht unsers Korrespondenten.)

Berlin, 1. November.

Im Verlauf der gestrigen Verhandlung im Moabiter Krupp-Prozeß (über die wir bereits telegraphisch kurz berichteten) kam es zu einer neuen Sensation. Der Oberstaatsanwalt Chrzesctnski gab folgende Erklärung ab: Es ist mir amtlich mitgeteM worden, daß die gestrige Aeußerung über Gelder, die an Beamte des Reichsmarineamts gegeben worden seien, von dem Staatssekretär des Reichsmarineamts, Herrn von Tirpitz, bereits zum Gegenstand einer Untersuchung gemacht worden ist, die bestimmte Ergebnisse gehabt hat. Ich bitte deshalb den Zeugen von Metzen zunächst zu fragen, ob er sich seiner ge- strigen Aeußerung noch entsinnt, von Met­zen fühtte darauf aus, daß, als er seine Ver­tretung in Berlin anttat, ihm «ine Liste von mindestens 70 bis 75 Personen vorgelegt wurde, die dem ReichSmarineomt an­gehörten. Die Liste enthielt die Namen der­jenigen, die um Weihnachtsgratifika­tionen baten. Wie er sich zu entsinnen glaube, habe ihm Brandt diese Liste mit dem Bemerken vorgelegt, daß es

unter dem Regime Schütz üblich gewesen sei, solche Weihnachts- oder Neuiahrsgratiftkationen an Beamte des Reichs­marineamts zu gewähren. Der Oberstaatsan­walt erklärte darauf weiter, ihm liege die Ab­schrift eines vertraulichen Briefes ohne Unter­schrift vor. von Metzen gab aber auf die Frage, ob er ihn geschrieben habe, keine Antwort. Der Angeklagte Brandt erklärte, er kenne den Brief nicht. Hierauf brachte der Vorsitzende den Bries zur Verlesung. Es wird darin mitgeteilt, der Botenmeister des Reichsmarineamts habe ein« Lffte von Kanzleidienern vorgelegt, die früher Gratifikationen erhalten hätten. Es heißt dann weiter, Schreibern sollten solche Gratifikationen nicht gegeben werden, indeß seien für Pförtner und Kanzleidiener solche Neujabrsgratifika- tionen angebracht. Der Oberstaatsanwalt be­merkte nach der Verlesung des Brieses, es könne gar kein Zweifel vorliegen. daß Herr von Metzen diesen Brief geschrieben habe. Sodann gab er folgende Erklärung ab: Ich bin beauf­tragt und ermächtigt, hier mitzuteilen, daß eine

Untersuchung im Reichsmarineamt

angestellt ist, bei der sich Herausstellen soll, was an den hier ausgestellten Behauptungen wahr

ist. Es ist in der Tat richtig, daß eine Liste von Personen, die im Reichsmarineamt be­schäftigt sind, aufgestellt worden ist, die auch der Firma Krupp zugesandt ist. Tie Liste hat 58 Namen umfaßt, ihr geistiger Urheber steht noch nicht fest. Ter Staatsanwalt sicherte ferner zu, daß eine gleiche Untersuchung bezüglich der Militärbehörden alsbald in die Wege geleitet werde. Zum Schluß der Vernehmung des Zeugen von Metzen wurde die Frage er­örtert, wer Herrn Liebknecht die Kornwal- zen zugesteckt hat. Der Zeuge erklärte dazu, er habe 17 Kornwalzen, die er im Büro nicht hab« durchsetzen können, mit nach Hause genommen. Es sei ibm dann klar gewesen, daß die Korn­walzen in seinem Prozeß gegen die Firma Krupp von ungeheurer WichtiBeit sein könn­ten. Er habe sie aber nicht an Liebknecht ge­geben; woher dieser gerade jene siebzehn Kornwalzen erhalten hat, wisse er nicht. Da­mit war die Vernehmung des Zeugen von Metzen beendet, und die Weiterverhandlung wurde auf heute früh vertagt.

Sie Politik Des Zages.

Die Reservisten von Erfurt.

Das Kriegsgerichtsurteil von Er­furt in Sachen der bekannten Ausschreitungen von Rüxleben, die im Anschluß an eine Kon­troll-Versammlung stattfanden, wird demnächst das Reichsmilitärgericht beschäftigen, und es ist anzunehmen, daß die oberste militä­rische Gerichtsinstanz abermals eine sorgfältige Nachprüfung des ganzen Falles vornehmen wird. Wir erhalten folgende Draht-Meldung:

Die Akten im Erfurter Reservistenprozetz, in dem der Gcrichtsherr bekanntlich Revision angemeldet hat, liegen bereits dem Reichs- militärgericht vor. Die Verhandlung wird unter dem TitelSee und Genossen" vor dem ersten Senat des Reichsmilitärgerichts unter Vorsitz des Senatspräsidenten Thiel- mann geführt werden. Der Termin zur Hauptverhandlung ist noch nicht anberaumt. Die Verurteilten haben sich bekanntlich bei dem Spruch des Oberkriegsgerichts, das die vom Erfurter Kriegsgericht angesetzten Strafen wesentlich tzerabmindcrte, beruhigt, während der Gerichtsherr Berufung eingelegt hat. Man darf also gespannt sein, wie das Reichsmilitär­gericht die neuen Milderungs-Bestimmungen auf den Erfurter Fall anwenden wird.

Das Programm des Reichstags.

(Von unserm parlamentarischen Mitarbeiter.)

Berlin, 1. November.

Der Präsident des Re i ch s t a g s, Dr. Kaempf, beabsichtigt, am sechsundzwanzigsten November in der zweiten Plenarsitzung nach dem Wiederzusammcntritt die erste Lesung des Spionagegesetzes vorzunehmen, das bereits im Mai dem Reichstage unterbreitet wurde. Im Anschluß hieran sollen in den drei weiteren Novembersitzungen die zu erwar­tenden Interpellationen (Ärbeitslo- ssgkeitsversicherung und Welfenfrage) und die spruchreifen Wahlprüfungen besprochen werden. Da der Etat dem Reichstage bestimmt am ft'mfnndzwanzigsten November vorliegen wird, kann die erste Etatlesung in den ersten Dezembertagen erfolgen, die in der Regel drei bis vier Tage währt. Außerdem sollen noch einige kleinere Vorlagen vor der Weihnachts­pause erledigt werden, so der Entwurs über die Beschäftigung von Hilfsrichtern am Reichsge­richt und der Entwurf über die Verlängerung des deutsch-englischen Handelsprovisoriums bis zum einunddreißigsten Dezember 1915, der gegenwärtig dem Bundesrate vorliegt. Beide Entwürfe treten am einunddreißigsten Dezem­ber 1913 in Kraft. Die genauen Arbeisdispo- sstionen bleiben dem Seniorenkonvent Vorbe­halten.

*

Keine Zündholz-Ersahsteuer.

In der Presse wurde gemeldet, das Reichs­schatzamt plane eine Besteuerung der Taschen­

Easseser Neueste Nachrichten

Sonntag. 2. November 1913.

feuerzeuge. An zuständiger Stelle erfährt unser Berliner politischer Mitar­beiter, daß eine solche Absicht zunächst nicht besteht, ein Entwurs auch nicht vor­bereitet ist. Die Steuer dürfte auch nur geringe Erträge abwerfen. In Frage kommen könnte nur eine Stückbesteuerung, nicht eine Besteue­rung nach der Zahl der Zündungen, wie ge­meldet worden war. Die neue Steuere würde zudem nichts weiter als eine Belastung der Raucher sein, da Taschenfeuerzeuge sonst kaum für andere Zwecke in Benutzung sind.

Die Handwerks-Konferenz.

(Von unserm -or-Mitarbeiter.)

Berlin, 1. November.

Neber die am siebzehnten November im Reichsamt des Innern tagende H a n d w e rk s- konferenz werden folgende Einzelheiten bekannt: Es handelt sich um die Fortsetzung der schon mehrfach stattgehabten Beratungen über die Frage der Abgrenzung von Fabrik und Handwerk. Nach dem Vorschlag der Regierung soll ein Instanzenzug geschaf­fen werden, der in jedem streitigen Falle ent­scheidet. ob ein Betrieb als ein handwerksmä­ßiger oder fabrikmäßiger anzusehen ist. Es soll obligatorische örtliche Gutachter-Kom­mission gesetzlich vorgeschrieben werden, in paritätischer Zusammensetzung, das heißt: In­dustrie und Handwerk sollen in gleicher Zahl in den Kommissionen vertreten sein. Den Vor­sitz soll ein Beamter führen. Als zweite Instanz sind die Verwaltungsgerichte oder iwo solche nicht vorhanden sind) kollegiale Be­hörden, wie sie die Gewerbeordnung vorsteht, in Aussicht genommen. Als letzte Instanz sind Spruch st ellen vorgesehen, die für jeden einzelnen Bundesstaat auf Grund näherer reichsgesetzlicher Vorschriften einzurichten sind. Die früheren Vorschläge des Handwerks über die Einrichtung der Instanzen sind bei der Aufstellung dieser Vorschläge, soweit angängig, berücksichtigt worden.

Die Greuel der Revolution.

Newhork, 1. November. (Privat- Telegramm.) Ein Telegramm aus P o - toski (Mexiko) bringt die Meldung, das? die Revolutionäre fünfundvicrzig berittene P o l i - zisten ermordet haben, nachdem sie die Beamten vorher grausamsten Qualen unter­worfen hatten. Die Polizei-Abteilung war mit dem Auftrage ausgesandt worden, ein Dort zu schützen. Nach einer weiteren Meldung aus Mexiko haben siebenhundert Mann Rcgierungs- truppen nach neuntügigem Marsche von Laredo aus Monteray erreicht und die Rebellen in der Umgebung der Stadt zerstreut. Nach zuverläs­sigen Berichten haben die Rebellen in Monteray die Eifenbahnwerkstätten, 640 teils beladene Güterwagen sowie eine Anzahl Lokomotiven verbrannt und zerstört.

Politischer Tagesbericht.

Die Rückkehr von der Hoffagd. Der Erzher­zog Franz Ferdinand traf letzte Nacht 11 Uhr 40 Minuten (einem Telegramm von Station Wildpark zufolge) mit dem Kaiser von der Hofjagd aus der Göhrde zurückkehrend in Wildpark ein. Vom Kaiser zu seinem Sa­lonwagen geleitet, trat der Erzherzog-Thronfol­ger ftlrz nach zwölf Uhr nach herzlicher Verab­schiedung die Rückreise nach Wien an.

Deutschland und die San Franzisko-Ausstel­lung. Eine vertrauliche Umfrage des amerika­nischen Generalkonsuls in München wegen einer Beteiligung an der Weltausstellung in S a n F r a n z i s k o hat zum größten Teil a b - lehnende Antworten ergeben, zumeist mit dem Hinweis aus die ungünstigen wirtschaftlichen Verhälmisse und die Unsicherheit der politischen Lage

Der österreichische Auswanderungsflandal. Gestern wurde in Graz der Reisebureauinya- ber Johann Schwarz nebst seiner Gattin ver­

haftet. Er wird beschuldigt, Stellungspflichtt, gen Gelegenheit zur Auswanderung verschafft zu haben. Auf einem österreichischen Bahnhof wurden 43 gestellungspflichtige bosnische Arne- rikauswanderer festgenommen.

Die Verteidiger von Adrianopel. Aus Kon- stantinopel meldet uns ein Privat-Telegramm: Wie in Kreisen des jungtürkischen Zentralkomi­tees versichert wird, soll gegen eine Anzahl hö­herer Offiziere, die die Verteidigung Adriano- pels leiteten und dieser Tage aus der bulgari- schen Gefangenschaft zurückkehrten, ein kr i e g s- gerichtliches Verfahren eingeleiiet werden.

Sas Neueste aus Gaffel.

Allerseelen...!

Der Herb st wind hat Bäumen und Bü­schen das bunte Prunkgewand mit ranhei Hand abgestreift; zerrissen, beschmutzt schleift es nun am Boden, und seine Farben verblas­sen, verwischen im müden Strahl der Herbst­sonne und im November-Nebel. Nichts blieb als die Erinnerung an vergangene schöne Ta­ge. Und wenn sie in uns auffteigt, dann wird auch das Gedenken an die wieder wach, die einst mit uns und vor uns im üppigen bunten Schmuck frohen Lebens standen, wie Bäume in der Pracht ihrer goldenen Früchte, wie Blu­men mit wunderbar duftenden süßen Blü­ten, die der Herbst vernichtete, die der Tod mit rauher Hand zerstörte. Es ist so recht die Zeit, sich in Vergangenes zu versenken. Und die Kirche hat diesen Gedanken ausgenommen und einen dieser wehmutsvollen, von schmerzlichem Erinnern erfüllten Tage herausgegriffen als den Tag der Abgeschiedenen, der ihnen allein gehört. Allerseelen! Wie mild das Hingt! Traurig und ernst gewiß auch, aber dennoch ist ein Hauch von Leben darin, von schattenhaf­tem, schier wesenlosem Sein allerdings, aber dennoch ein Hauch von Leben; es Mngt nicht so hoffnungslos düster wie Totentag. Und ein stilles Leben erfüllt an diesem Tag die Stadt der Toten. In Trauergewän­dern ziehen sie hinaus, alle, die eine Kebc Seele unter den Friedhofsrasen bergen muß­ten, und vielleicht auch alle die, die nur frohe Hoffnungen begruben, die uns ja zuweilen ebenso lieb und teuer sind wie ein lebendiger Mensch, wie ein Freund oder Verwandter.

Draußen an den Gräbern knien sie nieder im stillen Gebet versunken und denken derer, die da unten den ewigen Schlaf tun, denen dieser Tag der stillen Trauer geweiht ist. Und wenn sich die Dämmerung herniedersenkt, dann flammen auf allen Gräbern die Lichter auf, erst einzeln, hier und da, dann ein ganzer Reigen, sie flackern im Windhauch, und schon von ferne grüßt ihr goldener Schein. Nur selten liegt ein Grab schmucklos; in frommer Liebe, die auch der fremden Toten nicht vergißt, wird der verlassenen Gräber gar ost freundlich ge. dacht. Ein eigenartiges Bild gewährt so ein Friedhof im Licht der brennenden Kerzen, ein Bild, das sich der Seele auf ewig einprägk. Gedankenvolle Menschen können gar viel dar­unter verstehen. Der brennende Lichffchein ist ihnen das Symbol der Liebe, das die Leben­den wie bk Toten miteinander verbindet, das zarte Baud, das auch der Tod nicht zerrissen hat. Es ist aber auch ein Zeichen des ewigen Lebens, das die dunfle Mauer der Gräber um­schließt, und das an diesem Tage heraufsteigt aus den Grüften, Leben, das der Tod nicht ganz vernichten konnte. Bei uns freilich ist der Allerseelentag nicht viel mehr als ein Tag im Kalender, der einen besonderen Namen trägt; aber der Klang dieses Namens greift uns er­schauernd ans Herz und reißt uns mitten im Saftigen Treiben für Augenblicke in eine stil­lere Welt, in das Reich der Erinnerung. . .!

Ein letztes Leuchten nur auf Feld und Au; Schon hat die Nacht den Schleier halb gesenkt. Das ist der Tag, da man im Jahreslauf Der Seelen der Verstorbenen gedentt.

Im büftern Friedhof flackern Lichter auf Da ist kein Grab, das heute schmucklos blieb,

Sternenhimmel majestätisch dahinfährt, einen wunderbaren, erhebenden Anblick. . .!

Üiömglidjp Schsuspielk.

Tosca in den beiden Neubesetzungen der Hauptrollen. Die Tosca, sonst ein Parade­glanzstück hochdramatischer Sängerinnen, wurde diesmal von Fräulein von der Osten ge­sungen. Es liegt schon in der Natur dieser »musikdramatischen" Kunst, in erster Linie An­forderungen an das darstellerische Vermögen der Titelheldin zu stellen. Nach dieser Rich­tung hin fand sich die Künstlerin gut zurecht: Das bewies sie besonders im zweiten Akt. wo die Darstellung des Schauerlichen und Furcht­baren alle Lichter einer gewandten, wirkungs­vollen Schauspielkunst spielen ließ. Gesanglich standen allerdings Ton und Gebärde in einer gewissen Disharmonie, nämlich da, wo man das Fehlen des Hochdramatischen spüren mußte Die Stärke der Künstlerin lag in den weichen, zum Lyrischen neigenden Stellen, wie vor allem das Abschiedsduett des dritten Aktes zeigte. Doch immer wieder zeigt die Partie der Tosca. daß sie eigentlich nur unter einem Kuriositäts- gesichtspuntte in großem Stil erträglich ist: Wenn man (meine ich) die Tosca nicht von einer Künstlerin, sondern von einer souveränen Gesangsvirtuosin hött, die durch das verwir­rende Spiel berückender Brillanten zu glänzen vermag. Ausgezeichnet war dann Herr Windgassen in der lyrischen Partte des Mario, ,die dem Sänger vorttefflich liegt. Das kam besonders im ersten wie im dritten Akte zur Geltung. Vorttefflich durch darstellerische und stimmliche Kraft war auch Herr Groß als Scarpia. Die furchtbare, nervenaufpeit­schende Schauerttagödie, für sie die Musik nur das illusttattve Element bildet, hatte auf das Publikum die bekannte problematische Wir­kung. Deshalb ist es keine Seltenheit. wenn besonders sensible Damen bereits im zweiten Akte das Theater verlassen müssen. B-er.

Das Darmstädter Liebig-Denkmal. In Gegenwart des Großherzogspaares, der Mini­ster und der sonstigen offiziellen Persönlichkel­

ten wurde gestern das Denkmal Justus von Lie­bigs enthüllt, das die chemische Industrie Deutschlands und des Auslandes ihrem großen Meister in seiner Vaterstadt Darmstadt gesetzt hat. Die Weiherede hielt Medizinalrat Dr. Merck. Der Schöpfer des Denkmals ist Pro­fessor Jobst aus Darmstadt.

-L Der Schluß der LeipzigerIba". Don­nerstag mittag fand im Repräsentationsraume der Internationalen Baufach-Ausstellung in Leipzig die offizielle Schluß fei er statt, an der die Mitglieder des Ehrenpräsidiums, Kreis- Hauptmann von Burgsdorfs und Oberbürger­meister Dr. Dittrich, der Kommissar der Aus­stellung Dr. Weber, die Mitglieder des Direk­toriums, der Ausschüsse, des Preisgerichts, der Presse und viele Aussteller teilnahmen.

tüt Zwei unbekannte Familien-Bildnisse Rembrandts entdeckt! Ein Privat-Tele­gramm meldet uns aus Brüssel: In ei­nem hiesigen Privathause sind gestern zwei bis­her unbekannte Rembrandts entdeckt worden. Es handelt sich um Portrait-Miniaturen, die auf Eichenholz gemalt sind. Sie stellen einen jun­gen Mann mit langem, braunen Haar und ei­nen Greis mit einer roten Mütze bar. Aus den Gesichtszügen der Bilder will man schlie­ßen, daß es sich um Familien - Bildnis- s e Rembrandts handelt.

Merlrelrn-Stimmung.

Dort in der dunklen frrnr Schwrbt's wir rin Irifrr Traum, Llinkrn mir hrllr Sterne Kerzen im weiten Kaum.

Arber die Gröber und ßäumr Geistert der Lichtschein Ker, Wir srhnsuchtomüdr Lräumr, Lräumr, so bang und schon-.

Richt Wärmr rntströmt dem Lruchten, Bas gimmrrt und glanzet und lacht. And bald verschwindet es wiedrr Jn der duuklru, haltrn -acht.

Liesbeth Lieaeaa.