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Nummer 279»

Fernsprecher 951 und SSL

Sonnabend, 1. November 1913.

Fernsprecher 951 und SSL

3. Jahrgang.

Kunst und Krone.

Neubau des deutschen Botschafts-Palais in Washington; der Kaiser und die Architekten.

Sine am Donnerstag abend in Berlin stattgehabte Versammlung der Berliner Ar­chitekten beschäftigte sich mit dem Wett, bewerb für den Neubau des deutschen D o t » schaftS-PalaiS in Washington und pro. testierte lebhaft gegen die llebertragung des Neubaus an den Wirklichen Geheimen Sber. Hofbaurat von Ihne. Um einem Protest gegen diese Aebertragung grStzeren Nachdruck zu verleihen, soll Mitte November ein All. gemeiner Deutscher Architekteutag nach Berlin zu einer Sitzung einberufen werden. Man muß ein wenig zurückgreifen, um den Protest der Architekten (derimgmndemehr ein Protest gegen den Kaiser, denn eine Kundgabe gegen den Hofbaukünstler Ihne ist) verstehen und würdigen zu können. Als der Plan, dem Grafen Bernstorff in Washington ein des Botschafters des Deutschen Reichs wür­diges Heim zu errichten, greifbare Gestalt an­genommen hatte, wurde, löblichem Brauch fol­gend und deutscher Tradition gemäß, ein allge­meiner Wettbewerb ausgeschrieben,.n dem die deutschen Architekten sich umso lebhaf­ter beteiligten, als die Mittel zur Bauausfüh­rung sicherlich nicht kärglich bemessen werden durften. Wenn das Vaterland baut, spielt der runbe Taler nur eine kleine Rolle, und da fer­ner auch Gewicht darauf gelegt werden müßte, den Yankees als Denkmal deutscher Baukunst in dem neuen Botschafts-Palais ein wirkliches Meisterwerk vors Auge zu stellen, so bot der Wettbewerb willkomm'nen Anlaß, den Ge­nius frei sich entfalten zu lassen. Weit über dreihundert Entwürfe waren dte Frucht der Baumeister-Konkurrenz; es befanden sich darun­ter Pläne höchsten künstlerischen Gehalts, Pro­jekte unsrer namhaftesten und erstklassigsten Ar­chitekten und Vorschläge von Größen, deren GcistrS. Dpurrn sich in den hD^'-MLWdsten Monumental-Werken modern-deutscher Baukunst offenbaren. Mit einem Wort: Eine Sammlung des Besten, Wertvollsten und Schönsten, das die vaterländische Architektur überhaupt hervorzu­bringen vermocht. Daß unter den Teilnehmern am Wettbewerb der Hofbaumeister, Wirkliche Geheime Oberhof-Baurat von Ihne fehlte, ward zwar mit einigem Bestemden vermerkt; indessen: Man tröstete sich darüber, denn im- grunbe bebeutete vielleicht Jhne's Fernbleiben von der Konkurrenz nut eine quantitative Ein­buße, die weder Washington, noch den Grafen Bernstorft zu beunruhigen brauchte.

Und dann geschah das Unerwartete, Unbe­greifliche und Unvorhergesehene: Auf kaiser. lichen Befehl wurde dem Hofbaumeister, WiEichem Geheimen Oberhof - Baurat von Ihne die Ausführung des Neubaus der aus Reichsmitteln zu errichtenden Botschaft in Washington übertragen. Herrn von Ihne, der es nicht einmal der Mühe wert gehalten hatte, sich am Wettbewerb der deutschen Baumeister- schäft zu beteiligen! Daß die Architekten dage­gen protestieren, ist ihr gutes Recht, und es ist die Pflicht des Reichstags, bei der Be­willigung der für den Neubau erforderlichen Mittel klar und unzweideutig zu fugen, was zu sagen der Fall erheischt. Herr von Ihne ist der Baumeister des Kaisers, aber er ist darum doch noch nicht der Baumeister des Reichs, und wenn man seine Schöpfungen mit kriti­schem Auge wertet, mag man's nicht einmal be­dauern, baß et nur bes Kaisers, nicht bes Reiches Architekt unb Baumeister ist. Wilhelm der Zweite hat in künstlerischer Beziehung sei­nen eignen Geschmack und seine persön - lich-bestimmte Tendenz-Auffassung, über de­ren Wert oder Unwert zu rechten sich erübrigt, da sie ein Produkt ureigenster Persönlich- keits - Veranlagung darstellt, die der Kritik und dem Urteil der Oessentlichkeit entrückt ist. Der Kaiser mag in Herrn von Ihne bett ibealen Verwirklichet seiner Pläne, den himmel-ragen- bett Künstler unb begnadeten Architekten schät­zen, dessen Genius sich weit hinaushebt übers Gewimmel bet um Erfolg und Anerkennung, um Kunst unb Jbeale Ringenden, und nie­mand wirb bas Recht des Monarchen anta­sten wollen, dem Erwählten alle diejenigen Ehrungen zuzuweisen, die Fürstengunst zu gewähren vermag. Der Neubau der Deutschen Botschaft in Washington aber ist nicht Kai­ser-, sondern Reichs-Sache, und nicht der Träger bet Krone bestimmt bie Ausführung bes Werks und den Baumeister des dem Reichs- Eigentum zugehörenden Botschafts-Hauses, fon- bern bie durch Verfassung und Gesetz bestimmte Stelle, bie bem Parlament unb bem Volk ge­genüber verantwortlich ist.

Wir eitoarten nicht viel von der Novem- Mer-aRauifeftation der deutschen Architekten: DU w^chrigste Resolution wird an der einmal

feststehenden Tatsache, daß Herr Ihne durch kaiserlichen Auftrag zum Baumeister in Washington berufen worden ist, nichts mehr ändern, und auch der Reichstag wird durch die irrige Auffassung der Kompetenz-Frage sich kaum bestimmen lassen, seinerseits von dem ihm zustehenden Recht der Mittel-Verweige­rung Gebrauch zu machen. Herr von Ihne, der Baumeister des Kaisers, wird dem Grafen Bernstorff sein Heim erbauen, und nach einigen wilden Wellenschlägen wird auch das Meer öffentlich-erregter Meinung sacht wieder ab- schäumen; wie immer, wenn die Wogen wild und stark amFels im Meer" gebrandet. Der Fall sollte indessen für die Zukunft lehr­reich sein und nicht ohne angemessne Nutz­anwendung bleiben. Es ist sichet: Der Kaiser ahnt nicht, daß sein Ruf an Ihne in der deutschen Architektenschaft berechtigte Erregung und noch berechtigtem Protest geweckt; er ahnt vielleicht auch nicht, daß man draußen im Land feine Vorliebe für den Wirklichen Ge­heimen Oberhof-Baurat von Ihne ebenso­wenig teilt wie seine Bewunderung für Bodo Ebhardt oder Joses Laufs, und eben weil er dies Alles nicht weiß unb nicht ahnt, er­geben sich zwischen Thron und Volk jene Ge­gensätze in Ausfassung und Vorstellung, die in der Geschichte des dritten Kaisertums einst sicher als Charakteristikum einer vielbewegten Zeit gedeutet werden. Die Tatsache, daß der kaiserliche Auftrag an Ihne versaflungs-rechtlich unverbindlich ist, erscheint, als Mo­ment im Gesamtbild der Ereignisse betrachtet, fast nebensächlich gegenüber der wichtigem Er­kenntnis, daß auch diese Affäre (oder sagen wir besser: Diese Meinungs-Verschiedenheit) wieder in Ursachen und Umständen wurzelt, die dem Eingreifen der Oessentlichkeit entrückt sind, weil sie untrennbar mit der Persönlichkeits- Eigenart des Kaisers Zusammenhängen, und weil (wie in einem Märchenland) bei uns die Aufftssimg traditionell geworden zu . sein scheint, daß Königswille unfehlbar und Kö­nigsmeinung unantastbar sei. Haben wir aus dem Fall Sohst nichts gelernt? Man sage dem Kaiser, was i st, sage ihm, was Wahr­heit und Wirklichkeit, und der Fürst wird Volk, Leben und Welt näher sein, f o nah, daß kein Wolkenschleier von Mißverständnis- sen und Irrungen sich zwischen ihn und die Volks-Gemeinschaft zu drängen vermag ...!

F. H.

Um Stern und Band.

Die Leipziger Ordens-Ablehnungen.

5)ie Leipziger Völkerschlacht -Ordenas- f 5te wird immer seltsamer. Wie jetzt bekannt wird, hat nicht nur der Schöpfer des Völker­schlacht-Denkmals, Geheimer Hofrat T h i em«, den ihm zugedachten Roten Adler dankend ab­gelehnt, sondern auch von mehreren anderen bekannten Persönlichkeiten der Stadt sind die ihnen von Berlin aus zugedachten Ordensaus- zeichnunaen zurückgeschickt worben. Dem Leiter bet politischen Abteilung des Leipziger Poli­zeiamtes, einem im Dienst ergrauten Kommis­sar, wurde ein Orden verliehen, der sonst nur Unterbeamten gegeben wird. Weiter wird uns gemeldet:

Geheimer Hoftat Thieme erklärte zu der Affäre, daß er bie Absicht, ben ihm zuge- dachten Orden zurückzuschicken, bereits seit dem Tage seiner Verleihung gehabt ha­be. Wenn dies erst jetzt geschehen sei, so habe er das mit Rücksicht auf die noch nicht erfolg­ten Entschließungen anderer Herren in der gleichen Angelegenheit getan. Allerdings fei er der Meinung, daß es sich bei der Verlei­hung eines so niedrigen Ordens an ihn kei­neswegs um eine bestimmte Absicht an höherer Stelle gehandelt habe, sondern ledig­lich um eine schematische Anwendung des Or­denswesens im preußischen Zivilkabinett. Soweit Geheimer Hofrat Thieme, der übri­gens vollkommen recht hat, wenn er sagt, er wisse die Sympathien bet Leipziger Bürger­schaft bei seiner Hanblungsweise hinter sich- Bereits in mehreren politischen Versammlun­gen ist in Leivzig die Frage dieser Ordensver­leihung angeschnitten und das Verfahren der pteußifchen Regierung bereits lebhaft be­dauert worden. Man hat auch die Erfah­rung gemacht, daß nicht wie sonst das Wolss- sche Büro die Namen der Dekorierten veröffent­lichte, sondern matt nur vereinzelt aus priva­ten Quellen von Ordensverleihungen erfahren habe.

Der Paris Men-ßrvreß entgleist!

Zwei Personen tot, zehn schwer verletzt.

Paris, 81. Oktober. (Privat-Tele- gramm.) In der Nähe von Malbose (Süd- srankreich) entgleiste heute früh der Expreß» zug Paris . Wien. Der Zug war In voller Fahrt. Die ersten beiden Wagen stürzten die Böschung hinunter. Zwei Reisende wur­

den getötet, zehn andere schwer verletzt. Die übrigen Passagiere konnten nur mit großer Mühe gerettet werden. Man führt das Unglück darauf zurück, daß die Schienen infolge der Regengüsse der letzten Tage un­terwaschen waren.

Sos Kornwalzen-IM.

Herr von Metzen gegen Eecius! (Bericht unsers Korrespondenten.)

Berlin, 31. Oktober.

Am gestrigen sechsten Verhandlungstag im Moabiter Krupp-Prozeß wurde, nachdem der Staatsanwalt zunächst Verwahrung gegen t:e Angriffe eines Berliner Blattes eingelegt, mit der Vernehmung des Zeugen Wilhelm von Metzen fortgefahren, über die wir bereits ge- stem telegraphisch berichteten. Von Metzen wiederholte, daß ihn die Unterredung mit Herrn von Schütz über Brandts Tätigkeit sehr bedenklich stimmte. Er habe gesagt, Brandts Geschicklichkeit sei geradezu unheimlich. Es sei ihm schon passiert, daß er bei offiziellen Besuchen versehentlich von Dingen gesprochen habe, bie auf Brandtschen Informationen be­richten, und er fei dann in große Verle­genheit geraten, wenn ihn der Referent fragte: Woher wissen Sie das? Der Zeuge hat in der zweiten Unterredung mit Direktor Eecius diesen gefragt, ob die Sache nicht ab- aeändert werden könne, denn daß Brandt die Auskünfte nicht um seiner schönen Augen wil­len bekam, sei ihm klar gewesen. Direktor Eceius lehnte jedoch kategorisch die Aushebung der Einrichtung ab. Brandt sei absolut nötig. Erst dadurch, daß Brandt nach Berlin kam, sei man ordentlich ins Geschäft gekom­men. Allerdings sei er damit einverstanden, daß Brandt eine offizielle Stelle erhalte. Es kam dann der Briefwechsel mit Direktor Eceius über Brandt und die Kornwalzen zur Verle­sung, worüber schon gestern berichtet wurde. Hieraus gelangte ein Briefwechsel zur Sprache, den Metzen vor der Versetzung des Direktors e g e r nach Berlin mit diesem geführt hat. Wie aus dem Briefe von Metzens hervorgeht/ fürchtete er. daß durch die Entsendung Dregers nach Berlin seine Stellung leiden könne. Daß Brandt mit aktiven MMärPersonen ver­kehrt habe, will Metzen nicht gewußt haben. Brandt habe ihm erst Ende 1910 ober Anfang 1911 davon erzählt. Er kenne aber den

Bestechungs-Paragraphen nicht und könne deshalb auch nicht wissen, wie weit strafbare Hanblungew in Be­tracht kommen. In einem Briefe bes Ange­klagten Eceius an Herrn von Metzen wirb bie» fern bie Ermächtigung erteilt, Brandt unter Anerkennung seiner Tätigkeit eine Weihnachts­gratifikation von 2000 Mark auszuzahlen unb ihm bie Rücklage von 1000 Mark pro Jahr aus zehn Jahre zurückzulegen. Der Zeuge erklärt hierzu, er halte biefen Brief für den ver­dächtigsten.daerber Ansicht sei, baß burch diesen Vertrag, wonach Brandt in zehn Jahren 10 000 Mark erhalten solle, diesem ber Mund gestopft werden sollte. Der Angeklagte Ee­cius erklärte dazu, man habe diese Form ge­wählt, um zu erzielen, daß Brand wirklich Ersparnisse mache. An dieser Form wäre doch wirklich nichts Besonderes, geschweige denn etwas Verdächtiges zu finben. Der Zeuge Metzen sagte weiter aus, er habe von Beginn es Jahres 1911 an bie meisten Korn- walzen gesehen unb auch burchgele- se n. Es handelte sich in erster Linie um Nach­richten über Lieferungsvergelmngen; nut in einigen Kornwalzen waren auch K-onstrnkfions- details angegeben. Er habe indessen nur immer die Durchschlage der Originale gesehen, nie­mals die Originale selbst, da diese immer schon vorher nach Essen abgesandt wa­ren. Nach seiner Ansicht sei die Firma auf die Korn walzen angewiesen ge­wesen. denn Eceius habe ihm erklärt, man man könne daraus nicht verzichten. Von übergroßer Wichtigkeit sei aber dieser Dienst nicht gewesen. Brandt habe stets erklärt, Straf­bares sei bei der Erlangung der Nachrichten nicht vorgekommen.

Verrat beim Glas Wein*

Wie ber Zeuge Metzen weiter erklärt, habe Brandt einmal gefügt, bei ber Artillerie-Prü­fungskommission feien bie Leute auf Ge­heimhaltung gedrillt, es liege aber im Interesse ber Firma, gerade dort etwas zu erfahren. Er (ber Zeuge) habe natürlich ge­wußt. daß Brandt die Nachrichte« im gesell- fchaftlichen Verkehr mit Freunden beim Glase Wein oder Bier oder auch in der Familie erhalte. Daß er sich dafür erkenntlich zeige, habe Zeuge indirekt gewußt, denn dazu erhielt Brandt ja bie Zulage. Sein Mißtrauen Brandt gegenüber habe lediglich darauf beruht, daß Brandt erklärt habe, er fetze Geld zu.

Flieger-Hauptmann Hildebrandt f.

Die Tragödie eines Zeppelin-Führers.

Metz, LI. Oktober. (Privat-Tele- gramm.) Hauptmann Hildebrandt von ber zweiten Kompagnie des Fliegerbataillons

Nr. IX, ber langjährige Zeppelinführer, ist am Montag mit bem Pferde gestürzt unb ge­stern gestorben. Der Offizier war als Oberleutnant im Sommer 1912 bei den Alba­tros-Werken in Johannisthal zum Flieger aus­gebildet worden. Er war dann eine Zeitlang Kommandeur ber Fliegerabteilung in Jüter­bog.

Als Bismarck ging...!

Hermann Hofmanns Bismarck-Erinner­ungen; Bismarcks Entlassung und ihre Geschichte; Deutschlands Schicksalswende.

In den nächsten Tagen wird ein antzerordcnt- lich interessantes und wichtiges historisch - poli­tisches Wert erscheinen, das nach der Entlastung des Fürsten Bismarck seine Mitarbeit an den Hamburger Nachrichten in aurhentischer Weise fixiert- Der Vermittler und Träger Lieser Beziehungen, der frühere leitende polittsche Redalteur des Hamburger Blattes, Hermann Hofmann, tritt mit einem zweibändigem WerkeFürst BtSmarck 1890 biS 1898" (Union Deutsche Verlagsanstalt in Stuttgart und Leipzig) an die Oeffentltchkett, das neben einer Fülle oon Aeutzerungen und Erinnerungen des Altreichskanzlers allo die Artikel der Hamburger Nachrichten enthält, dis direkt von ihm herrühren.

Wie von dem Fürsten Bismarck, ber bekanntlichRoyalist bis aus die Knochen" war, nicht anders erwartet werden konnte, ver­mied er es nicht nur in der ersten Unterre­dung mit mir, sondern auch bei allen späteren Gesprächen, über feine Entlassung, irgend­welche abfällige Kritik an der Person bes Kai­sers und an dessen Handlungsweise ihm gegen­über zu üben. Mochte er letztere noch so schwer empfunden unb nie verwunden haben, er be­schränkte sich darauf, sein Bedauern über die Art und Weise auszusprechen, in der bie Entlassung erfolgt sei. Dies Bedauern galt dem Staats- und dem vaterländischen Interesse, für bas er bavon Schaden nach innen wie nach außen befürchtete. Wie fehr er mit dieser Auf­fassung im Rechte war, hat sich ja deutlich ge­nug gezeigt. Die Situation im Innern, na­mentlich das Verhältnis zwischen K a i s e r und Volk, ist d'-rch nicht- so sehr beeinträchtigt worden, wie durch bie Vorgänge bei ber Ent­lassung bes Fürsten Bismarck. Was aber bes- fen Besorgnis hinsichtlich ber nachteiligen Wir­kung seiner vorzeitigen Verabschiebung im Auslande, namentlich in Rußland, betraf, so hat sich hier erst recht herausgestellt, daß sie nur allzu begründet war. Zweifellos wäre bie französisch-russische Allianz nicht zustande gekommen, wenn Fürst Bismarck im Amte geblieben unb wenn bie Fortsetzung beS von ihm geschloffenen denffch-ruflischen Reutra- litätsverirages von seinem Nachfolger nicht alS zu kompliziert" abgelehnt worden wäre. Ich will (so erzählt Hofmann) gleich hier noch erwähnen, baß mir ber Reichskanzler Fürst Bülow in einer Unterrebung, die ich im Frühjahr 1904 mit ihm hatte, in gegebener Ver- anlaffung sagte:

Ichhalte die Sntlaff nng deSFürste« Bismarck und die Zerwürfnisse, zu denen es dabei kam, für das grösste Unglück das Prentzen feit der Schlacht von Jena betrossen hat. Auch der Schmerz des Kaisers darüber ist noch so gross, dass ich mich hüten muss, an die damali. gen Vorgänge irgendwie zn rühren. Ich verstimme ihn damit nur immer wieder."'

Nach Ansicht bes Fürsten Bismarck wäre seine Verabschiebung in.der Form, wie sie er­folgt ist, nicht nötig gewesen. Sie hätte in viel weniger schädlicher Weise ftattfinben kön­nen. Er habe dem Kaiser auch einen dement­sprechenden Vorschlag gemacht:Wenn Eure Majestät allein reiten wollen, so muß das ja natürlich geschehen. Aber ich rate zur Vorsicht dabei. Majestät können mich ja vor- läufigaus Gesundheitsrücksichten" auf ein Hal- bes Jahr beurlauben, und

die Politik selbst führen, oder durch einen Vertrauensmann Eurer Ma- jestät führen lassen. Geht die Sache ss u t, so reiche ich späterwegen andauernder Behinde­rung durch mein gesundheitliches Befinden" den Abfchied ein; wenn sie aber schief gehen follte, fo komme ich eben wieder. Aus diese Weise geht alles glatt ab und die In- tereffen Eurer Majestät, wie die des Landes/ sind gleichermaßen gewahrt. Der Kaiser wollte aber darauf nicht eingehen Verletzt zeigte sich Fürst Bismarck dagegen durch die Art und Weise, wie er mit den Seinen a u 8 dem Reichskanzler Palais vertrieben worden war. Ich kann es nach den Aeußerun- gen des Fürsten Bismarck nur als vollkommen zutreffend bestätigen, wenn es damals hieß: Entgegen allem sonstigen Gebrauche sei dem verabschiedeten Kanzler die einstweilige Fort- führung der Geschäfte bis zur Ernennung fei­nes Nachfolgers nicht übertragen worden, viel­mehr wäre, noch ehe feine Entlassung veröf­fentlicht gewesen fei, General von Caprivi im ReichSkanzler-PalaiS erschien, um Besitz davon zu ergreifen. Er habe auf diese Weise seinen Vorgänger genötigt, die Räume, in denen er für Preußen und Deutschland so