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Hessische Abendzeitung
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Nummer 278.
Fernsprecher 951 und 952.
Freitag, 31. Oktober 1913.
Fernsprecher 951 und 952. 3. ZahkgaNg.
Eosa-Geheimniffe.
Das Kornwalzen-Depot des Herrn Metzen; Senge von Metzen «nd der Staatsanwalt.
Wie uns aus D e e l i n berid/tet wird, scheint die Vorlage de« «ornwalzen.Material« de« Zeugen von Metzen in» Krupp.-pro. ,etz der -prozetz-Berhandlung eine ganz neue Richtung zu geben und es ist wahrscheinlich, datz iu den nächsten Derhandlungstagen bereits diese Datsache erkennbar werden wird. Wie von unterrichteter Seite verlautet, umfaßt da« im Sofa verborgen gewesene Material de« Zeugen von Metzen den gesamten Brief, w e ch se l, der in der «ornwalzen-Asfüre zwi. scheu der Essener Zentrale der Firma Krupp und dem Zeugen von Metzen geführt worden ist.
Wer am herbstlich-düstren Kornwalze n- Premierentag in Alt-Moabit die beiden Hanpt- rollen-Träger: Ec eins und Metzen, sah, wußte: Der eigentliche Kampf fand zwischen diesen beiden Antipoden statt! Daß es die naturgemäße Entwicklung der Dinge war, die zu diesem Aktschluß führen mußte, hat nicht verhindern können, daß drinnen im Backstein- Tempel der Gerechtigkeit und draußen in der Echoweite öffentlicher Meinung die unvermeidliche Entladung der mählig ins Unerträgliche gesteigerten Hochspannung wie eine Sensation empfunden wurde. Was indessen ist geschehen? Nichts, das außerm engsten Möglichkeit- oder Wahrscheinlichkeit-Bereich argwöhnend zu erspähen gewesen. Herr Wilhelm von Metzen, den durchsichtige Moral- Prüderie setzt gallig begeifert, stand vom ersten Tag der Affäre an als Kronzeuge des Staatsanwalts wider den Kanonenkönig im Treffen. Herr Chreczinski, der im Talar des Anklägers in Moabit thront, hat seine Anklage wider Brandt und Eccius in der Hauptsache auf die Bekundungen des frühem Krupp'schen Filial- Direktors gegründet, und niemand konnte darüber im Zweifel sein, daß der Zeuge Metzen nicht mit dem Entschluß, Gnade walten zu lassen, vor den Richtern erschien. Die ersten vier Tage des Krupp-Prozesies brachten harmlose Plänkeleien: Maximilian Brandts weinerlichverwässerte Unschuld-Beteuerungen und Herrn Eccius' stereotype Erklärung, im Gewühl des Essener Riesenbetriebs Kleines und Kleinliches möglicherweise übersehen, nicht-achtend übergangen zu haben (daß die Kornwalzen harmlose Nebensächlichkeiten für die in Effen Maßgeblichen waren, bedarf noch beweiskräftiger Feststellung). Immerhin: Man durste sacht der Gänsehaut sich entwöhnen, und überm Tempel der Gerechtigkeit schien bereits das Morgenrot naher Erlösung durch die letzten Schatten der Nacht zu funkeln.
Dann kam die.Sensatton", der ,Knall-Effekt", der „Ueberfall auf den Staatsanwalt" (oder wie's sonst noch in über-lebensgroßen Settern angeprangert worden ist): Die Entladung! Herr Wilhelm von Metzen, von rechts und links im Blätterwald wie Mephistopheles beschnüffelt, erklärt dem Gericht, daß er die sichtbaren und untrüglichen Beweisstücke für seine Anklage wider Krupp in Händen habe, sich nicht auf wörtliches Zeugnis wider Eccius, Krupp und Essen beschränken wolle, sondern (um der Gerechtigkeit die Möglichkeit restloser Entwirrung aller Fäden zu bieten) entschloffen sei, sein Material den Richtern über Brandt und Eccius zur Versügung zu stellen. Pause; Entsetzen; Erregung; tausendfaches Echo im Verhandlungssaal und draußen im Land: „Theater-Coup und Verrat, Kabale und Intrige!" Ter Mann auf der Zeugenbank sagt dem Gericht, wo der Schatz der Gerechtigkeit lagert, erträgt's, daß ein Richter mit einem Polizisten seine Wohnung durchsucht, um das Sofa-Geheimnis zu entschleiern (obwohl der Zeuge, nachdem er sein Beweis-Ma- terial selbst angeboten, sicher keinen Anlaß hat- te, es dem Gerichtshof vorzuenthalten), und muß sich von Herrn Chreczinski, dem Ankläger, sagen laffen, daß er untilgbaren Makel auf sich geladen. Warum? War der Zeuge Metzen, der immer noch Zeuge, nicht Angeklagter ist, verpflichtet, Alles aus der Hand zu geben. das seines Kampfs gegen Krupp Grundlage und Rechts-Ausweis darstellte, und zwangen ihn Ehre und Gewissen, Herrn Chreczins- ki's Hut DaS anzuvertrauen, das ihn legitimierte, vorm Tribunal als der Wahrheit Künder Beachtung und Gehör zu heischen? Kaum: Rechtlich läßt sich gegen den Hüter der Kornwalzen-Geheimnifle nichts Stichhaltiges vorbringen, und ethisch verdient die Eigenart der Situation in erster Linie Rücksichtnahme, denn es geht nicht um billigen Einsatz. sondern: .Äug' um Auge, Zahn um Zahn!"
Der .Schatz im Sofa" ist nun gehoben; Ankläger imb Gerichtshof, Verteidigung und Sachverständige haben die Möglichkeit, sich über vas Geheimnis der Kornwalzen an Hand des
Metzen'schen Materials eingehend zu orimtie- ren, und was bisher noch fehlte, um der Ge- rechtigkeit die sichtbare Grundlage zweifelfreier Erkenntnis zu geben, ist jetzt vorhanden! Das ist der prozefsuale Effekt der Methode Metzens, seinem Wohnzimmer-Sofa schwerwiegende, über Menschen-Schicksal und Mcn- schen-Ehre entscheidende Geheimnisse anzuvertrauen. Unterm Gesichtswinkel der Moral betrachtet, mag Manches in dem Verhalten des einst'gen Krupp-Vertrauensmanns seltsam und unerfreulich, ungewöhnlich und peinlich erscheinen, Manches auch das Empfinden starken Unbehagens wecken, aber Eins wird durch alle diese Empfindungs-Regungen weder verwischt noch überhaupt berührt: Die Tatsache, daß der Zeuge Wilhelm von Metzen, den der Staatsanwalt als Stütze der Anklage vor die Richter von Moabtt zitteren ließ, nichts gesagt, nichts bestmdet und nichts an Anklagen erhoben hat, das aus der Stimmung des Grolls oder Hasses heraus geboren wurde, sondern daß er lediglich W i rklichk e it - Er e i g- nisse dargestellt, die durch die papiernen Zeugen im Gestänge der Sosa-Federung ihre Bestätigung und Illustration erfahren. Und dies (dünkt uns) erscheint wichtiger und bedeutsamer als alle Erregung, aller Wirrwarr, die die „Sensation" der Sofa-Geheimnisse hervorgerufen: Wichtig und bedeutsam für den Staatsanwalt, dessen Anklage sich jetzt auf unerschütterlichen Tatsachen-Grund stützen kann: wichtig für den G e r i ch s h o f, der nun die Möglichkeit sicht, den Angeklagten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, und'wichtig auch für die O effent lich keit, der der Zeuge Wilhelm von Metzen die Erkenntnis geschärft und das Gewissen reguliert hat. Gewiß: Das alles ist peinlich, erregend und schmerzend, und Herr von Metzen wird vielleicht einst die Konsequenzen schwer empfinden, aber es handelt sich in Moabit nicht darum, der Firma Krupp und der deutschen Oeffentlichkeit Peinlichkeiten zu ersparen, sondern es handelt sich um das Prinzip der G e r e ch t i g k e i t. Und dies Prinzip kann die Sofa-Geheimnisse ertragen, ohne Schaden zu nehmen ...! F. H.
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Sechster Kornwcrlzen-Tag.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 30. Oktober.
Zu Beginn des heutigen, sechsten Verhandlungstages im Krupp-Prozeß wird mit der Vernehmung des Zeugen von Metzen sortgefahren, der angibt, Direktor Eccius habe ihm, als er (Zeuge) die Berliner Stelle antrar, gesagt: „Wissen Sie auch, daß wir in Bertm jemanden haben, der uns mit geheimen Nachrichten versorgt?" Herr von Schütz habe ihm darauf nähere Angaben über diesen Punkt gemacht, die ihn (den Zeugen) sehr bedenklich gestimmt hätten, und er habe das auch Herrn Eccius mitgeteilt. Auch Herr von Schütz habe sich in bedenklicher Weise geäußert. Herr Eccius habe es indessen energisch abgelehnt, Brandt's Tätigkeit zu inhibieren. In einem Brief, den Herr von Metzen an Herrn Eccius geschrieben hat, heißt es, daß er „Brandt N'cht entbehren könne." Der Zeuge erklärt dazu, er habe Brandt wegen seiner artilleristischen Kenntnisse nicht entbehren können. Der Nachrichtendienst habe damit nichts zu tun. Zeuge sagt, von Schütz habe ihm einmal erklärt, Brandt sei ein Bestecher. In einem späteren Briefe fragt Herr von Metzen, wer
die Kornwalzen in Essen
in die Hände bekomme. Der Vorsitzende bemerkt dazu, daß der Zeuge offenbar doch mit der Tätigkeit Brandts einverstanden gewesen sei. Zeuge: Ich hatte damals noch keinen Fuß in das Kriegsministerium gesetzt, und konnte nicht wissen, von wem Brandt feine Nachrichten bezog. Ein spezieller Fall sttmmte mich aber ganz besonders bedenklich und ich ermahnte Brandt ernstlich. In einem anderen Falle dagegen sagte Herr von Metzen, daß er eine Kornwalze gelesen, aber nichts Verhängnisvolles darin habe finden können. In einem weiteren SB riefe schreibt von Metzen an Direktor Ecoius, daß Brandt anfange, ihm Schwierigkeiten zu machen, da er nicht mehr mittun wolle. Metzen macht den Vorschlag, Brandt eine Weihnachts- grattsikation von 2000 Mark zu gewähren, das würde „ihn besser summen". In einem Schreiben vom dreizehnten Januar 1911 schreibt von Metzen an Eccius, daß er gern von Berlin fortgehe, da er doch nur unangenehme Erinnerun gen mitnehme.
Metzen, Eccius «nd Brandt.
Große Erregung ruft es hervor, als der Zeuge von Metzen erklärt, er habe dem Angeklagten Eccius einmal gesagt, die Tätigkeit Brandts sei unmoralisch, und wenn das in die Oeffentlichkeit komme, fliege die ganze Firma Krupp in die Luft. Der Angeklagte Eccius bestreitet, daß von Metren jemals eine solche Aeuherung getan
habe. Von Metzen stellt schließlich seine AuS- sage dahin richttg, daß er nicht mehr behaupten wolle, er habe die Aeußerung gegenüber Eccius getan, es könne auch Direktor Träger gewesen sein.
$as Reich für Zeppelin!
Rechtfertigung des Zeppelin-SystemS.
Nach der Katastrophe des Marineluft- s ch i f s s I- II erschienen die vielen Gegner des Systems Zeppelin aus dem Plan, ihre Anklagen erneut gegen das starre System des Grafen Zeppelin zu schleudern. Es gelang ihnen auch, frühere Anhänger des Grafen Zeppelin wankend zu machen. Wir versuchten schon am Tage der schweren Katastrophe eingehend nachzuweisen, daß die Schuld an der Explosion des L II nicht dem System Zeppelin als solchem, sondern der ganz besonderen, eigenarti gen Konstruktion des L II zuzuschreiben fei, für die die Zeppelin-Werft eine Verantwortung nicht traf. Diese Auffassung wird jetzt auch von amtlicher S eite vertreten, denn die Norddeutsche Allgemeine Zeitung! bringt über die Vernichtung des Marine-Lustschiffs eine
amtliche Erklärung
folgenden Inhalts: Die amtlichen Ermittlun- gen über die Katastrophe des Marine-Lustschiffes L II haben das Nachstehende ergeben: Bildung eines luftverdünnten Raumes in der vorderen Gondel, hervor- gerusen durch die bei dieser Konstruktion e r st m a l s angewandte Art des an der Gondel befindlichen Schutzschirmes; Ansaugen der an der Unterseite des Lufttchisfes auS- tretenbcn Gase; Entzündung des in die Gondel hincingeschloffenen Gasgemisches durch einen Funken des Motors. Die Entstehungsmöglichkeit einer solchen Rauchwirkung haben weder die Konstrutteure der Marine, noch die der Zeppelin-Gesellschast vorausgesehen. Nach einem Gerücht soll der mit dem Luftschiff um gekommene Maschinist Lasch vor dem Ausstieg die Offiziere darauf aufnierssam gemacht haben, daß
des Motor nicht in Ordnung
sei. Die Offiziere aber hätten auf der Fahri bestanden mit der Begründung der Anwesenheit der Abnahmekommission. Für die Richtigkeit eines solchen an sich wenig glaubwür- digen Vorgangs fehlt nicht nur jede Unterlage, sondern es ist festzustellen gewesen, daß das Verhalten der Motore vor dem Aufstieg einwandfrei gewesen ist. Auch die Verlegung deS Laufgangcs in den Schiffskörper ist zuerst von der Zeppelin-Gesellschast angeregt worden. Mit dieser auch im Name« der Zeppelin-Gesellschaft abgegebenen Erklärung werden alle Gerüchte und jede Legendenbildung widerlegt. Die nunmehr erkannten Gefahrenquellen werden künftig ausgemerzt. Ueber den ein- zuschlagenden Weg besteht zwischen Marine und Zeppelin - Gesellschaft Einvernehmen.
Nach dieser amtlichen Erklärung bleibt nur noch die Frage offen, wer die A n r e g u n g zu den Aenderungen in der Luftschiff-Konstruktion gegeben hat. Ossenbar hat man die Gefahren dieser Aenderungen erheblich unterschätzt und man wird also für die Zukunst wohl wieder zu dem alten, bewährten TYP der Zeppelinluftschiffe zurückkehren. Auf jeden Fall ist es grundfalsch (und das ergibt das Resultat der amtlichen Ermittelungen erfreulicherweise mit aller Klarheit) das Sy st em Zeppelin verantwortlich zu machen und zu verwerfen. Dieses System hat sich schon in den schwierigsten Situationen bewährt und wird bei weiterer Vervollkommnung sicher auch in der Zukunft seine wertvollen Dienste weiter tun, ohne Enttäuschungen zu bringen.
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StSffler bei Paris gelandet!
Paris, 30. Oktober. (Pxivat - Tele - gramm.) Der Berliner Flieger Paul Ernst S t ö f f l e r ist mit Passagier gestern abend um fünf Uhr auf dem Flugplatz Villa Coublay bei Paris eingetroffen und glatt gelandet. Stöff- ler erklärte einem Berichterstatter, er wisse noch nicht, ob er seinen ursprünglichen Plan, naq Spanien weiterzufliegen, fortsetzen oder ob er nach Berlin zurückkehren werde. Ex müsse sich mit dem Erbauer seines Flugzeuges dieserhalb ins Einvernehmen setzen und sich der behördlichen Genehmigungen versichern.
Ludwig, König von Bayern.
Das Ende der Regentschaft in Bayern.
München, SO. Oktober. (Privattele- gramm.) Die Ensscheidung in der bayrischen Königsfrage ist gefallen. Sämtliche Parteien (mit Ausnahme der Sozialdemokraten) haben in der heutigen Sitzung des Landtags der R e -
gierungsvorlage auf Abänderung der Verfassung zugestimmt. Somit wird, da auch die Reichsräte der Vorlage zustimmen werden, der Prinzregent als König 2ut>• wig der Dritte den Thron der Wittels-' bacher besteigen.
Der Thron der Welfen- Staatsminister Hartwieg über den Regent» schafts-Wechsel; Cumberlands Verzicht.
In der gestrigen Sitzung der braunschweigi- scheu Landesversammlung erörterte der Staatsminister Dr. Hartwieg in längeren Darlegungen, der Verlaus der Verhandlungen in der braunschweigischen Thronfolge« Angelegenheit und führte dabei auSr Wir haben vom Prinzen Ernst August die Ue- berzeuqung gewonnen, daß eine absolute Zuverlässigkeit besteht, daß jedes Wort, das er sagt, von ihm getreulich gehalten werden wird. Weitere Erklärungen von ihm zu erwarten, ist nicht tunlich. Wir haben die Sicherheit, daß der neue Herzog völlig loyal seinen Verpflichtungen Nachkommen wird, und daß nicht die geringsten Zweisel bestehen. daß er den Wünschen und Hoffnungen der Landesregierung entsprechen werde. Die Landesversammlung nahm daraus folgende Entschließung an:
Die Landesversammlung hat mit lebhafter Befriedigung von den Aus führungeu des Herrn Staatsministers Kenntnis genommen. Sie begrüßt mit Freuden den Bundesratbeschlnß vom 27. Oktober, der die Wiederübernahme der Regierungsgewalt im Großherzogtum durch das angestammt« und in vielhundertjähriger Geschichte mit dem Lande verbundene welfische Herrscherhaus gewährleistet. Die Landesversammlung spricht die zuversichtliche Erwartung aus, daß der im ganzen Lande mit Jubel begrüßte bevorstehende Regierungsantritt Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Ernst August,Herzog zu Braunschweig, unter Gottes Schutz nicht nur dem Groß- Herzogtum zum Segen gereichen werde, sondern auch dem ganzen Deutschen Reich, und daß in der Bevölkerung des Grotzherzogtums Bestrebungen keinen Boden finden werden, die daS gute Verhältnis mit dem Bundesstaat« Preußen irgendwie trüben könnten.
Diese Entschließung wurde von der Landesversammlung einstimmig angenommen. Abgeordneter Glaser berichtete sodann namenS der Finanzkommission über die Regierungsvor-; läge, betreffend die landesfürstliche Rente. Diese Rente wurde in der angeforderten Höhe von 1125 322Mark einstimmig und ohne Debatte bewilligt. Die Resolutton deS Landesparlaments beweist, daß man in Braun- schweig von der Unverbrüchlichkeit der vom Prinzen Ernst August gegebenen Zusicherungen überzeugt ist und in dem Versprechen des neuen Herzogs ausreichende Garantien gegen jede Gefährdung des Reichsgedankens erblickt. In der gestrigen Sitzung der Landesversammlung kam allgemein die Befriedigung darüber zum Ausdruck daß durch die Regelung der Thronfrage endlich ein Zustand beendet worden ist, der Mtt der Zeit unerträglich geworden war,
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Famllien-Besuch in Rathenow.
Wie uns aus Rathenow berichtet wird, trafen dort gestern abend gegen sieben Uhr, von einer großen Menschenmenge lebhaft begrüßt, ein der K a i s e r in der Uniform der Ziethen- Husaren, die Kaiserin, die Königin von Griechenlands und die Prinzessin Friedrich Karl voß Hessen ein. Im Hofe der Villa begrüßte Prinz Ernst August seine Schwiegereltern und Verwandten herz- lichst und geleitete sie in die Villa, wo die Be- grüßung durch die Prinzessin Viktoria Lu- i s e stattfand. Die Stadt ist prächtig geschmückt. Nach einem Essen im Familienkreise erfolgte die Rückfahrt des Besuchs nach Berlin und Pots- beim gegen zehn Uhr abends.
Cumberlands Verzicht.
Die Verzichts-Urkunde des alten Herzogs.
(Draht-Meldung.)
Braunschweig, 30. Oktober.
Im Verlaufe seiner gestrigen Rede in der Landesversammlung nahm Siaaisminister Hartwieg Gelegenheit, die Verzichtsurkunde des Herzogs von Cumberland zu verlesen, die folgenden Wortlaut hat: Wir, Ernst August, von Gottes Gnaden Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, tun hiermit kund und zu wissen: Nach dem am 18. Oktober 1884 erfolgten Ableben Unseres hochgeehrten Herrn Oheims und Vetters, des durchlauchtigsten Herzogs und Herrn Wilhelm, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, Hoheit und Lieb- dcn, ist Uns als nächstem Thronfolge-