Einzelbild herunterladen
 

Dienstag, den 25. November einbernfen worden. Dem Reichstag ist ein Gesetzentwurf, betreffend die Beschäftigung von Hilfsrichtern beim Reichsgericht Mgegangen, außerdem der Gesetzentwurf, betreffend Aenderung der Ge­bührenordnung für Zeugen «nd Sachver­ständige.

b e st e h t eigentlich sein V e r d i e n st, das die höhere Auszeichnung" fordern zu dürfen glaubt?

Bayern-Braunschweig» Das Ende der Regentschaft in Bayern «nd der Welfen-Einzug in Brannschweig.

Wie aus den letzten Meldungen zu ersehen war. wird die Lösung der bayerischen Königsfrage, nachdem die ihr entgegen- stehenden parlamentarischen Schwierigkeiten be­seitigt worden sind, mit großem Eifer und Nachdruck betrieben. Die Vorbereitungen sind jetzt so weit gediehen, daß dem bayerischen Landtag die Regierungsvorla ge, durch di« der Regentschaft ein Ende bereitet werden soll, zugegangen ist. Von halbamtlicher Seite wird darüber folgende Meldung ausgegeben:

Zn einer dem bayrische« Landtag zugegangenen Vorlage zur Beendigung der Regentschaft wird der Titel ll des Paragraphen 21 dahin abgeändert, daß, wenn die Reichsverwesung wegen eines körperlichen oder geistigen Ge­brechens des Königs, das ihn an der Ausübung der Regentschaft dauernd hindert, eiagetreten ist und nach Ablauf von zehn Jahren keine Aussicht auf Wiederherstellung der Regierungsfähig­keit des Königs besteht, die Regentschaft diese Fähigkeit für beendet «nd de« Thron für erledigt erkläre« kann. Dem unvorzüglich eimzuberufenden Land­tag find die Gründe ver Regierungs« Unfähigkeit mitzuteilen. Rach der Be­gründung ist es dem Ermesse« des Re­genten anheimzugeben, die Regentschaft im Staatsintereffe für beeudet zu erklären.

Das bedeutet eine Regelung im Sinne des bekannten Gutachtens, auf das sich di« bayrische Regierung stützt und das eine Regelung der Frage nur auf dem Wege einer Verfas­sung s-Aenderung für zulässig erklärt. Das Zentrum, das zunächst fiir ein« Äroklama- ivo-n ohne Mitwirkung des Landtags war, hat sich jener Auffassung jetzt auch angeschlos­sen. Die Verhandlungen werden also ohne Schwierigkeiten und rasch vonstatten gehen, so daß die Uebernahme der Königswürde durch den Prinzregenten Ludwig bald wird erfol­gen können.

Parlament «nd Königsfrage.

In den beiden Häusern des Landtags wird man sich (wie aus Rtünchen weiter gemel­det wird) gemäß den getroffenen Verabredun­gen der Fraktionsvorsitzenden bei der Verhand­lung der Vorlage, mit der die Abgeordneten­kammer am Donnerstag, der Reichsrat in näch­ster Woche beginnen wird, auf Partei- erklärungen beschränken. Eine Dis­kussion soll ausgeschlossen bleiben. Auch die sozialdemokratische Fraktion hat dem Vernehmen nach die Beschlüsse der anderen Fraktionen akzeptiert. Man darf, nachdem all« Vorbereitungen jetzt getroffen sind, damit rechnen, daß die Vorlage über das neue Regent- fchastsgesetz bereits in der nächsten Woche wird zum Gesetz erhoben werden können. Was die ErhöhungderZivilliste betrifft, so soll im Hinblick auf die veränderten Verhältnisse eine ander« Vorlage ausgearbeitet werden. Im Zusammenhang damit steht der Plan einer an­deren Gestaltung des Hoshan Spalts. Es soll diespanische Etikette", die noch am Hofe herrscht, einer zeitgemäßen Revision unter­zogen werden.

Sie Einberufung des Reichstags.

Reichstags-Eröffnung: 25. Novemberl

Berlin, 29. Oktober. (Privat-Te- legramm.) Der Reichstag ist gestern durch seinen Präsidenten Dr. Kampfs auf

Nebermut zu Pflicht und Würde riefen: Ena von Battenberg, die stattliche Sprossin urkräftigen Geschlechts, zog als Königin ein in die eisige Kühle des Escorial und der Abend­schatten einer sterbenden Dynastie schien noch einmal vom goldnen Glanz leuchtender Sonne verklärt. Der alternd-morsche, im Innern und am Wurzelbau krankende Stamm sollte ver­jüngt, durch die Einpflanzung der strotzenden Kraft robuster Gesundheit gestärkt und zu neuer Blüte gebracht werden. Was dabei auch an Po­litischem Gewinn als nutzbar und wertvoll zu buchen war, hatte Eduards Scharfsinn nicht übersehen: Dem Konzern des King konnte nach Süden hin eine Erweiterung nur förderlich sein: Spaniens finanzielle Situation versprach die Sicherheit sreundwilliger Gefügigkeit für Englands Wünsche, und die politische Wirrnis im Land (noch verschärft durch den nahen Brandherd portugiesischer Revolution) mußte es dem Reich Alfonsos geboten erscheinen las­sen, die freundlich dargereichte Hand starker Derwandtschaft nicht zu veffchmähen.

Noch ist kein Jahrzehnt verflossen, seit Al­fonso und Ena unter Bombenkrach und Volks­panik Hochzeit feierten und dann int Nachwuchs am alten Stamm das Werk der Verjüngung sein Gelingen zu offenbaren schien. Auch der Könige Ehen werden nicht immer im Himmel geschlossen und aus den stillen Gemächern Enas ist seit dem Tag, da ihr das Schicksal die Krone der Spanierkönigin aufs stolze Haupt drückte, manch weher Seufzer zur nordischen Jnselhei- mat geflohen, manche heiße Sehnsuchtszähre über bleiche Wangen geronnen. Und nun, zum Leid im Heim und zur Enttäuschung im ehe­lichen Bund die schwerste Heimsuchung: Die Erkrankung des Königs, deren Symptome schon in den frühesten Tagen den Sprossen einer schicksalschweren Fürstenehe schwächten. Es ist ein tragisches Geschick, das hier hart und unerbittlich seinen Weg schreitet, durch Ströme von Tränen und Kummerzähren, und umdüstert von Vergangenheit-Schatten, die selbst durch des Königtums prunkenden Glan; nicht gescheucht werden können. Man fühlt auf­richtiges Mitleid mit dem gekrönten Opfer vä­terlicher Sünden, dem das Erdendasein mehr Leid als Freude, mehr Enttäuschung als Glück, und mehr Buße als Erlösung gebracht hat: Ein König tragischer Gestalt, dessen persönliche Harmlosigkeit nicht verantwortlich gemacht werden kann für die politischen Sün­den seiner Regierung, die ihn mehr zum Dul­den als zttm Herrschen zwangen, und die, wie alles, das im Pyrennäenland an Merkmalen po­litischer und völkischer Degeneration erkennbar ist. znrückweisen auf die große Schuld, die Al­fonsos Ahnen auf sich, ihr Haus und ihr Land geladen haben und deren Unheil-Schatten mtn der Enkel Dasein verdüstern ...l F. H.

*

Straßenkampfe in Barcelona.

(Privat-Telegramm.)

Madrid, 29. Oktober.

Sofort nach der Bildung des neuen Kabi­netts brachen in Barcelona ernste Un­ruhen aus. Gestern morgen arteten die Un­ruhen sogar in Krawalle und regelrechte Stra- tzenkämpfe aus. Militär, Polizei und Zivilgarde wurden aufgeboten, denen es schließ­lich gelang, die Manifestanten mit der blanken Waffe auseinander zu treiben. Während des ganzen gestrigen Tages war die Umgebung des Volkshauses von einer unruhigen Volksmenge besetzt. Zahlreiche Personen wurden verletzt.

Stöffler in Frankreich!

Paris, 29. Oktober. (Privat-Tele­gramm.) Der deuffche Flieger Karl Ernst Stöffler, der mit seinem Passagier Seekatz von Johannisthal nach Köln geflogen und von dort nach Paris aufgestiegen war, ist am ge­strigen Nachmittag bei Laon gelandet. Da seine Papiere in Ordnung waren, behelligten ihn die Behörden nicht weiter. Stöffler hofft, seinen Flug heute nach Paris forffetzen und am Freitag die Rückreise nach Deuffchland an- treten zu können.

Verstimmung in Gmnnden?

Der unterbliebene Kaiserbesuch.

(Privat-Telegramm.)

Wie«, 29. Oktober.

Wie in hiesigen orientierten Kreisen, die zum Gmundener Hofe enge Beziehungen un­terhalten, versichert wird, ist zwar die braun- schweigische Thronfolge - Angele- g e n h e i t mit dem jungen Prinzen Ernst Au­gust von Cumberland befriedigend geregelt worden, dagegen die persönliche Ver­stimmung des alten Herzogs nicht ge­wichen. Man ist am Gmundener Hofe dar­über aufs tiefste deprimiert, daß KaiferWil. Helm auch jetzt, wo er wenige Stunden von Gmunden entfernt war, seinen längst fällige« Gegenbesuch nicht gemacht hat, ja nicht einmal den Wunsch geäußert hat, den Herzog von Cumberland in Wien zu begrüßen. Trotz seiner Ruhebedürftigkeit wäre der alte Herzog einer Einladung Kaiser Wilhelms nach Wien gewiß gefolgt. Man glaubt in politischen Kreisen, daß die auffällig reservierte Haltung Kaiser Wilhelms darauf zurückzu-

Königs-Tragödien.

Die Erkrankung des Königs von Spanien; Al­fons XÜL: Ein Opfer väterlicher Sünden.

Depeschen ans Madrid berichten uitSt «Sntg Alfons von Spante» wird sich in den nächsten Tage» einer Operation unter, ziehen »nd dann wahrscheinlich für einige Wochen ei» Heilbad aufsuchen, um seine Ge. sundhett z« kräftige». Do« höfisch-offiziöser Sette wtrd zwar di« Erkrankung de« Königs als unbedenklich bezeichnet, doch verlautet von glaubwürdiger Seite, datz der Gesund. hettS.Zustand des «Snigs zu ernsten De. sorgnisse« Anlatz geb- und datz auch die ge» plante Operation grotze Bedenken Hervorrufe.

Was vor Wochen, vor Monden schon in den verschwiegnen Winkeln des Escorial von ängst­lichen Lakaien scheu geflüstert, von der Höfling­schar leis betuschelt wurde, braucht jetzt auch of- - fiziös nicht mehr verschwiegen zu werden: Al- S fonso von Spanien, seit seinem elften Erdentag das Sorgenkind einer durch des Schicksals Hand hart geprüften Mutter, ist be­denklich erkrankt und wird, ärztlichem Gebot folgend, das Heilflima eines begnadeten Erden­winkels aufsuchen, um der Gefahr schwerer Heim- suchung zu entgehen. Gestern kündete der Draht im fchnörkelnden Offiziosa-Stil aus Madrid, daß des Königs Erkrankung sich verschlimmert habe und daß infolgedessen eine Kur in südli­chen Bädern geplant sei. Zwei Wochen vorher, als auf dem Umweg über London die etfte Sorgenpost aus Enas Heim den Weg zum Nor­den und Osten fand, waren behende Kammer­diener rasch dabei, dieKombinationen" zu de­mentieren, die heut von der Wirklichkeit bestä­tigt werden, und man vernahm verwundert, daß der König sichfeiten bestem Wohlbefin­dens erfreut habe, als jetzt," in den hellen Tagen blinkender Spätherbstsonne. Das Schicksal har die Schwichtiger hart korrigiert:Das Leiden des Königs, in den letzten Tagen sichtlich ver­schlimmert, gibt zu Beforgniflen direkt zwar nicht Anlaß, läßt aber eine nachdrückliche Heil­kur als geboten erscheinen." Damit ist gesagt, daß Alfonso von Spanien ein s ch w e r K r a n- ker ist, besten Stim die kalte Hand des Ver­hängnisses berührt hat und der nun wider ein Schicksal ringt, dessen Tücke drohender ist als die Gefahr zufälliger Heimsuchung.

Die Nachricht kommt nicht überraschend: Schon in den Kindheittagen Alfonsos rangen Mutterliebe und ärztliche Kunst um die Erhal­tung des glimmenden Lebensfünkchens in lei­den-wunder, schwacher Brust, und als der Erbe der Krone, vom Verhängnis schwer erkämpft, zum eiftenmal durch die Straßen der Residenz gefahren werden durfte, ohne daß ärztliche -or- ge eine Gefährdung des kunstvoll erhaltnen Le­bens dieses Kinds des Kummers und der Aengste zu fürchten brauchte, jauchzte eine hart geprüfte Frau und Mutter dankbar zum Him­mel auf: Das Schicksal der Dynastie schien ge­sichert, das Verlangen des Volks erfüllt! Spa­niens künst'ger König atmete, ein Lebender un­ter Lebenden! Der jüngste Sproß einer degene- l xieiten, durch Inzucht geschwächten »nd aus Jahrhunderten wildester Leidcnschaftltchkri- physisch schwer-belasteten Familie wuchs in krankhaft-hastiger Entwicklung zum Jüngling heran, umhürdet von mütterlicher Sorge und priesterlicher Lehre; ein bleiches, lerd-verharm- tes Kind im goldnen Käsig spanischer Hof-Tra­dition. Die Sünden der Väter fäumien feinen Weg zur Mannheit, verdüsterten feiner Jugend Tage und wirkten in der Folter höfischer Er­ziehung, im Bann von Ceremoniell und Bigot­terie verhängnisvoll nach. Solange Alfonso von Spanien als Werdender den Händen vc- schränkter Pädagogen und devoter Lakaien an- vertraut war, hat feiner Jugend nie ein Son­nenstrahl des Glücks gelächelt, und als des Jünglings sehnend Herz einmal dm Bann durchbrach und in der ersten Seligkeit junger Liebe schwelgte, wähnte man int Escorial, auch int jüngsten Sproß der Dynastie rase das wil­de Blut der Leidenschaft. Und Mutterstrenge und Kirchmbuhe legten sich wie ätzender Mel­tau auf die Seele eines unglücklichen Knaben. | Als der Tag der Volljährigkeit dem Jüng- I Itng Szepter und Krone der Väter lieh, stand - nnterm Baldachin des Spanierthrons em schüchterner junger Mann, auf dessm bleiche r Stirn Leid und Kummer schon ihre Runen gru­ben. e h e das geben mit hartem Wort und der Forderung männlicher Tat an ihn herangetre­ten: Der Sohn seiner Mutter, deren Hand noch das Szepter führte, als Alfonso, der Drei­zehnte seines Stammes, längst das Erbe der ; Väter übernommen! Der Gottesgnadenweg der Könige führte den kaum Zwanzigjährigen an Europens Fürstenhöfe, zur Lichtstadt an der Seine und mitten ins Gewühl fröhlichen Ge­nusses, bis abermals der Mutter Sorge und Eduard des Siebenten Üuge Kalkulation den

Pegoudr Berliner Triumphe.

Momentbilder ans de« Pego«d-Tage«.

(Von unserm Berliner Mitarbeiter.)

Berli«, 29. Oktober.

Psgoud flog und ...Berlin stand auf dem Kopf! Es ist nicht leicht, die kühlm Berli. ner außer Rand und Band zu bringen, aber seit den Tagen, da zum ersten Mal sich über­haupt ein Flieger in Berlin sehen ließ, hat ein solcher Ansturm nicht stattgefunden. ~ Dazu kommt, daß zwar das Interesse für alle Art Fliegerei bei uns sehr stark ist, daß wir uns aber in den seltensten Fällen entschließen kön­nen, den für diese Zwecke hergerichteten Flug­platz in Johannisthal aufzusuchen. Bei Pögoud war es anders. Er sucht ja sein Ziel auch nicht im Fernflug; und so gibt er den Zuschauem die Möglichkeit, seine Künste vom Flugplatz selbst aus zu beobachten. So sand denn an diesen zwei Tagen ein Sturm auf Jo­hannisthal statt, wie ihn Berlin noch nicht er- lebt. Sind unsere Verkehrsverhältnisse jchon für den täglichen Bedarf nngenügmd, wenn hunderttausend Berliner aus irgend einem An­laß einmal dasselbe Ziel haben, veffagen bte Verkehrsmittel vollkommen. Die Polizei selbst zeigte sich ihren Aufgaben nicht gewachsen. Die Bahnhöfe wurden gesperrt und auch das nutzte nichts dmn die Leute Kettelten über die Zau­ne und über die Gleise, nm den geliebten Zug zu erreichen. Johannisthal selbst bot ein un­durchdringliches Knäuel von Wagen und Men­schen und man mußte froh sein, überhaupt ei­nen Eingang zu finden. Psgouds Leistungen haben die Erwartungen der Berliner übertrof­fen, oder vielmehr vollkommen erreicht. Die un­faßbare Eleganz, mit der er seinen . Apparat zum Kippen bringt, und schließlich wiflich mit dem Kopf nach unten fliegt, verursacht genau den Schauer, den zu erleben man ausgegangen ivar, und es bleibt dem kühlsten Beobachter nichts anderes übrig, als vor Begeisterung zu rasen. Unsere Aviatiker, die natürlich ebenfalls die Kühnheit und das Geschick Pögouds be­wundern, meinen freilich, daß man dre -eistung des Franzosen auch

nicht überschätze« dürfe.

Sie seien in erster Linie die erstaunlichen Re­sultate seiner persönlichen Gefchtcklichkeii Wie Pegoud den Apparat zmn leichten Umkippen bringt, wie er in Schr aub en z r eh erart zur Erde abwärts steuert, dann wieder sich so umkehrt und mit dem Kopf nach unten zu den Wolken heraufsteigt, dann das Kreisen und ver­tikale Schleifen in der Lust ausfuhrt, fft über­wältigend. Und nahezu unfatzlich, unfaß­lich gerade wegen der ungeheuren Eleganz, nut der alles ausgeführt wird. Denn Nirgends tritt bei feinen Ücbungen irgend eine eckige oder häßliche Bewegung hervor. Ein minutenlan­ger tofender Beifall empfing ihn. In der Rech­ten hatte er ein kleines Modell eines Aero­plans, an dem er nun zeigte, wie er überhaupt dazu gekommen war, feine sensationellen ülnge zu unternehmen Er erzählte, wie er zum ersten Male einen Schraubenzieherflug ausge­führt hatte und wie dieser gelegentlich aus Versehen so tief gestellt wurde, datz die Trag­flächen des Apparates plötzlich über ihm stan­den. Dabei wundette er sich selbst, nicht abzu­stürzen, fand die Situation außerordentlich in­teressant, kippte sich selbst noch ein bißchen Wei­ter herum, bis er dann den Apparat wieder rn die normale Sage brachte. Und nun schilderte er weiter in allen Einzelheiten, wie er allmäh­lich zu seinen fortgeschrittenen Experimenten gekommen sei, bis er heute das Fliegen nut einer Technik beherrscht, die allen überhaupt möglichen Anforderungen entspricht. Ob Pe­goud wirklich der Flugtechnik neue Gesichts­punkte eröffnet hat, oder ob seine Verdienste rein persönlicher Natur sind, die von keinem an­deren nachgemacht werden können: Er ist in seiner echten stanzöstschen Bravour, mit fernem blitzenden Humor und feiner unübertrefflichen Kaltblütigkeit ein ganzer Kerl, der die 60 000 Mark, die er von Berlin mit nach Haufe nimmt, ehrlich verdient . .1 Paul Schlesinger.

Die Manner von Leipzig.

Ehrenbürger «nd Oberbürgermeister.

In unferm LeitattikelClemens Thieme" haben wir bereits die selffame Tatsache gewür­digt, daß der Erbauer des Völkerschlacht-Denk­mals nur mit dem Roten Adlerorden vierter Klasse ausgezeichnet worden ist. Clemens Thieme hat nun die Annahme des Ordens verweigert. Wir erhalten darüber folgen­des Privat-Telegramm:

Der Geheime Hofrat Clemens Thieme hat de« aus Anlaß der Einweihung des Völ- kerfchlacht-Denkmals ihm vom Kaiser verlie­hene« Adlerorden vierter Klasse zurückge- wlesen. Ferne« wird mitgeteiü, datz auch Oberbürgermeister Dittrich den ihm verliehenen Kronenorden zwester Klaffe nicht angenommen hat mit der Be­gründung. datz ihm nach de» Orden, die er besitze, eine höhere Auszeichnung zukomme. Daß Thieme den Orden zurückgewiefen, kann man verstehen: Seine Motive sind sicher nicht enttäuschter oder gekränkter Ehrgeiz, son­dern wurzeln in deutscher Manneswürde. Tue Erklärung des Oberbürgermeisters Dr. Dittrich dagegen überrascht einiaermatzen. Denn worin

EMerNMeMWen

Hessische Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

3. Jahrgang.

Donnerstag, 30. Oktober 1913

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 277

Fernsprecher 951 und 952.

JnsertionSpreise: Die tedjSgefpaltene gelle für einheimische Geschäfte 15 Pfg., für aus, roärttge Inserate 25 Pf, Reklame,eile für einheimische Geschäfte 40 Bf, für auswärtige Geschäfte 60 Pf. Einfache Beilagen für die Gesamtauflage werden mit 6 Mark pro Saufens be­rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Residenz und der Umgebung sind di« «affeler Neuesten Nachrichten ein vorzügliches gnferttonSorgan. Geschäftsstelle: ftötntfd)6 Straße 5. Berliner Vertretung: SW., Friedrichstraße 18. Telephon: Amt Morihplatz 12584.

Die Casseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abends. Der AdonnementSpretS beträgt monatlich W Pfg. bet freier Aufteilung ms Haus. Bestellungen werden jeder,eit oon der Geschäftsstelle oder den Boten entgegenqenommen. Druckerei, Verlag und Redaktion: Schlachthofstratze 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur oon 7 btS 8 Uhr abends Sprechstunden der Auskunft. Stelle: Jeden MMwoch und Freitag om 6 bis 8 Uhr abends Berliner Vertretung: SW, Friedrichs« 16, Telephon: Amt Morihplatz 12584