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3. Jahrgang.
Sonntag, 26. Oktober 1913
Fernsprecher 951 und 952.
Nummer 274
Fernsprecher 951 und 952.
Die Redaktion.
rote ein Testament.
F. H.
teuer bleiben .
aum, Mark
betf Mürbem tze 3
Gele - iefen wer-
1913.
>ium.
Die Opfer der Revolution.
(Privat-Telegram m.)
von der Zensur durchgelasfcnrs Telegramm meldet, beschlagnahmte die Polizei aus dem rechten Ufer des Tafo gegenüber Lissabon 460 Geschosse, doch wird nicht angegeben, welcher Art dieselben sind. Bei einer Haussuchung wurde in der Wohnung eines angesehene« Advokaten eine Anzahl wertvollerDo» ku mente beschlagnahmt. Die Zensur wird rücksichtslos gehandhabt.
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Ise Braganzv-Lßerelte.
Ein Aufruhr-Bries aus Lissabon.
Ein packendes Stimmungsbild, daS
Halte der Kaufmann lieber darauf, seinen eigenen Adel zu bilden. Dessen Wappen brauchte nur zu heißen: Treu und Glauben. In der Hast unseres modernen Daseins verschwindet diese Parole leider manchmal im Straßenstaub. Das Gewissen setzt heute leichter Rost an, als stüher. Da kann uns nur ein starker Idealismus helfen. Und es gibt einen Idealismus auch in der nüchternen, realen Welt des Kaufmännisch««. Hätte er nur mehr Bannerträger, dann würde es besser um
Sein Idealismus ist, Schicksal, Neid und Haß trotzend. Sieger geblieben, und sein Triumphtag ist ein unvergängliches Erinnerungsblatt deutscher Geschichte geworden. Ein Ordensband oder ein blitzender Ehrenstern konnte dieses Idealisten hart erstrittnes Verdienst nicht nach Gebühr lohnen: Ehren und krönen konnte ihn nur die Anerkennung der Nation und die Bewunderung der Vaterstadt, und als Ehrenbürger Leipzigs fühlt Clemens Thieme sich tausendfach gelohnt für alle Mühen und Sorgen, die der ragende Denkmalbau bei Leipzig in einem opfer- und enttäuschunareichen Jahrzehnt auf seine Schultern geladen. Man sieht heut sein Bild neben dem des Deutschen Kaisers und des Sachsenkönigs vor dem steinernen Monument deutscher Volk-Befreiung: sieht, wie er neben den Majestäten einherschreitet, den blanken Zylinder in der Linken, mit der Rechten den Regierenden Einzelheiten des Denkmal-Ausbaus demonstrierend. Der Clemens Thieme mit dem Hut in der Hand ist nicht das echte Urbild dieses deutschen Mannes: Der Kammer-Rat Thieme, der Vorsitzende des Deutschen Patrioten-Bundes und Erkämpfer der Völkerschlacht-Denkmal-Verwirklickung, ist der leben-gewordne Begriff des Männerstolzes auch vor Königsthronen; und diese ungebeugte und unbeugsame Gradheit und Deutschheil seines Wesens hat in den Jahren des Kämpfens und Ringens schwerere Opfer stolzer Selbstverleugnung gefordert, als die Gemeinde der Bewundrer ahnt, und die in's Riesenhafte sich türmenden Schwierigeren, riesenhaft wie die in Wolkcnhöhe entschwindende Zinne der Denkmal-Wucht, wuchsen vielleicht am stärksten und rücksichtslosesten aus der freien Männlichkeit Clemens Thiemes empor, der es nie vermocht, vor den Großen dieser Erde in Untertanen-Demut zu ersterben. Stark und knorrig, hart und wetterfest wie die deutsche Eiche: S o steht Cbemens Thiemes Bild in der Geschichte nationaler Zeitgenossenschaft; nicht als Geheimrat und Adlerorden-Ritter, sondern als männlich-starke, fest-gefügte und kerndeutsche Persönlichkeit, deren Ideal hoch überm Blackfeld seichter Eitelkeiten strahlt. Und als Mann und Deutscher, als Bürger und Patriot wird Clemens Thieme uns Allen wert und
Nach meiner Erfabrung gibt es nur eine wirkliche Hochschule für den Kaufmann: Da? ist das Reisen. Oder richtiger gesagt: Das vraktische Arbeiten in fremden Ländern. Jeder junge Kaufmann sollte einmal eine Stelle, und wäre sie noch so billig bezahlt (in der Regel bezahlt man aber draußen besser wie bei uns), in Cbina oder Brasilien oder Kanada eingenommen haben. Er muß einmal irgendwo in der weiten Welt „auf sich selber ganz allein" gestanden haben. Da lernt er erst sein Leben beherrschen, da lernt er erst di« Selbstsicherheit, die ein Kaufmann in Deutschland braucht.
Er braucht sie nämlich wirklich. Den« el ist wirklich richtig, daß bei uns der KaufmannS- stand noch nidrt für voll genommen wird: Vor allen Dingen in politischer Beziehung. Industrie und Handel stehen in den Parlamenten und bei den Behörden ja immer noch an zweiter Stelle. Das wird in neuerer Zeit ja besser, aber es würde noch viel besser werden, wenn die schaffenden Erwerbsstände gesellschaftlich mehr Rückgrat haben wollten. Wenn beispielsweise ein wohlhabender Kauf» mann nickt so oft überglücklich wäre, wenn er mit der Hand seiner ToMer die Schulden eine? schneidigen Dragoner-Offiziers bezablen dürste. Mehr Klassenbewußtfein: Das brau» Mn wir!
deszeitung, daß der Herzog-Regent Johann AlbreM und die Frau Herzogin Elisabeth am Freitag den 31. Oktober, nachmittags, das Herzogtum Braunschweig verlassen und zum dauernden Aufenthalt nach F i l i k r a t übersiedeln werden.
Wenn ich noch einmal zur Welt käme und noch einmal die Möglichkeit hätte, meinen Lebensberuf zu wählen: Ich würde doch nur wieder Kaufm a nn werden. So richtig auch ist, was man von sinkenden Konjunkturen, von schlechter gewordenen Zeiten, von Benachteiligungen des Käufmannsstandes auf politischem und staatlichem Gebiete sagt: Noch viel richtiger ist, daß auch noch heute mehr als in jedem anderen Stande jeder Kaufmann den Marschallstab im Tornister trägt. Nur verstehen die wenigsten, ihn auszupacken!
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Run glauben heute viele, die höheren Sprossen ihres Standes auf dem Umweg durch eine möglichst akademische Bildung erreichen zu können. Sie glauben nicht an sich, wenn sie nicht erst die Handels-Hochschule absolviert haben, und es schmerzt sie sehr, daß diese noch nicht vollen Universitätsrang hat und keinen Dr. merc. verleihen kann. Natürlich sind die Handels-Hochschulen eine höchst segensreiM Institution, aber der „g e b o r e n e" Kaufmann kommt zu seiner Seligkeit auch ohne die Himmelsleiter akademischer Studien und Bräuche.
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Hat Amerika vielleicht das wirtschaftliche Uebergewicht über uns erlangt, weil die jungen Amerikaner zuvor... deutsche Handels- Hochschulen absolviert haben? Die Wahrheit ist die. daß es der Tüchtige auch ohne Hörsäle in unserem Berufe zu etwas bringt und daß der weniger Tüchtige auch durch Kollegs und Seminare nicht ersetzen kann, was ihm an prak- tisMn Fähigkeiten fehlt Beamter, Lehrer, Rickter kann 'man nach dem nötigen Eramina sozusagen von selber werden: Aber wir Kauf- leute sollten unfern Stolz darin setzen, daß auch das beste Abiturientenzeugnis noch nicht den e r st e n Taler verdienen helfen kann, der notwendig ist, um Millionär zu werden.
Regertten-Auszug aus Braunschweig.
Die lohten Tage der Regentschaft.
Braunschweig. 25. Oktober. (Privat- teleg ra mm.) Zur braunschweigischen Thron- folgesrage meldet die Braunschweigische Lan-
1913.
12.
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Prunks und Scheins: schliM, wie fein Wirken, ist sein Wesen; treu und einfach, deutsch und bieder das Bild seiner kernigen Persönlickkeii, und wenn Clemens Thieme nach langen Enttäuschung- und harten Arbeit-Jahren einen Tag jubelnden Triumphs, stolzer Genugtuung und ungetrübten Glücks erlebt hat, so ist es sicher der Oktobertag gewesen, an dem All- Deutschland dem Freiheit-Denkmal in der weiten Ebene von Leipzig die nationale Weihe gab: Denn dies Denkmal bedeutet Clemens Thiemes Lebenswerk, und in der himmelragenden Steinwucht des weit in die Lande leuchtenden Monuments ist der Idealismus dieses seltnen Mannes verankert, der der Verwirklichung einer nationalen Idee die ganze Kraft seiner starken Persönlichkeit gewidmet.
Dor sechs Jahren, nach den. erregung-durch- zitterten Wahlkampf-Tagen wars, als wir in Auerbachs Keller in dämmriger Stille beisammen saßen. Thieme war müde, verstimmt und entmutigt. Draußen am Denkmalbau ruhten Hammer und Kelle; der gewaltige Sockel des Riesen-Monuments lag einsam und verlassen, und die weite Fläche, die heut wie ein Gartenbeet sich aus der Landschaft erhebt, deckten Schutt und Scherben, die die Halbmillionen- Stadt am Pleißestrand dort abgeladen. Der Kampf ums Gold wars, der Thieme verstimmte und entmutigte: Die aus der Denkmal-Lotterie fließenden Mittel wurden spärlicher, die Werbe- Arbeit des Patriotenbunds begegnete (nach dem ersten Begeisterung-Taumel) Schwierigkeiten, und hohen und höchsten Orts sah man mit kühler Reserve das Steingebäude der deut- sMn Volk-Erhebung sacht aus der Erde der Völkerschlacht emporwachsen. Am Nebentisch frag harmloser Scherz nach der Ankunft der nächsten Million, und ein alter Magnat des Leipziger Buchg^verbes, der den Triumph Clemens Thiemes nicht mehr erlebt, meinte, dem Kammer-Rat auf die Schulter klopfend: „Der Idealismus ist alt und grau geworden!" Er sprach aus Erfahrung, der alte Pleiße-Bür- ger, und Das, was er sagte, war imgrunde nur Das, was wir alle empfanden. Nur Thieme empfand's niM; er war eben ein Andrer als wir Andern, und, plötzlichem Impuls folgend, sein Glas erhebend, begegnete er den Skeptikern mit unerschütterlicher Zuversicht: .Der [. Idealismus lebt, und er soll leben!" Und als wir dann später über den Königsplatz schritten, erzählte er, ein nie im Hoffen Erlahmender, daß ein braver Patriot in irgend ; ' einem kleinen Erdenwinkel deutscher Heimat ihm E heute früh zwei blanke Silberlinge geschickt, die er sich (wie's auf dem Postabschnitt bieß) L »vom Munde abgcspart". „Glauben Sie nun, daß der deutsch« Idealismus noch lebt? Dieses Scherflein des pommerschen Kätbuers ist mir teurer als der Tausendmark-Scheck des Millionärs, denn seine Winzigkeit wurde geboren aus jenem Gefühl und Empfinden, das ich deutsch und national nenne!“ Tas waren Klemens Thiemes Abschiedsworte.
Lissabon, 25. Oktober.
Bei Badajoz überfiel gestern eine starke Abteilung von Revolutionären einen Eisenbahnzug, der einen Soldatentransport beförderte. In Lissabon kam es gestern zu einem Kampfe zwischen Revolutionären und d«r Polizei. Verschiedene Persone« wurden verwundet. Eine Abteilung Revolutionäre bemächtigte sich großer Poften Kriegsmaterial und konnte nicht daran gehindert werden. Auch ans anderen Gegenden Portugals wird von Kämpfen mit den Revolutionären berichtet. Gestern wurde ein gewisser Louis Sylva verhaftet, der ein Paket mit drei Bombe« bei sich trug.
Verhaftung von Royalisten.
(Privat-Telegramm.)
Lissabon, 25. Oktober.
Gestern wurde eine große Anzahl R o - tz a l i st e n von der Polizei verhaftet, darunter auch drei Damen. Auch der Vorsitzende der Militärkommission wurde verhaftet. Gegen alle wurde bereits Anklage erhoben. Wie ein
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Ier Weg zum Siel.
Erkenntnissätze des praktischen Lebens: Aus den Erfahrungen eines altenKaufman«s,vo« Geheimrat Max Ludwig Goldberger i*.
In Berlin ist (rote wir mtttettten) an einem bet letzten Tage Geheimrat Goldberger, eine der hervorragendsten Persönlichkeiten des deutschen Han. delSlebenS, gestorben Namentlich sind seine Ber» dienfte alS Gründer der AuSstellungskommifsionen der deutschen Industrie ebenso unver gegen rote sein glänzendes Buch über Amerika, in dem er daS Schlagwort vom „Land der unbegrenzten Möglich» kett“ fand. Die folgenden Ausführungen Goldbergers, die uns von thm noch kurz vor feinem Tode zur Verfügung gestellt wurden, spiegeln ganz den Charakter, die Intelligenz und den Witz diese» seltene» Manne». Sie wirken in diesem Augenblick
Sie Spione Frankreichs.
Dis Gebrüder Biesalski vorm Reichsgericht. (Bericht unsers Korrespondenten.)
Leipzig, 25. Oktober.
Vor dem vereinigten zweiten und dritten Strafsenate des Reichsgerichts sand gestern unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten von Pelargus die Verhandlung gegen ' den am 29. Mai 1889 in Metz geborenen Schreiber und Bureaugehilfen Paul Biesalski, zuletzt in Sablon, und dessen Bruder, den am 17. Mai 1895 in Metz geborenen Schlosser Karl Biesalski, zuletzt in Longroy in Frankreich wohnhaft, statt. Der Angeklagte Paul Bicsals- ki hat vier Wochen beim Militär gestanden. Zuletzt war er als Kalkulator tätig. Er ist noch nicht bestraft. Am vierten April wurde er unter Spionageverdacht verhaftet. Die Anklage besagt, daß die Angeschuldigten im Jahre 1913 teils im Jnlande, und zwar in Metz, und teils im Auslande, in Luxemburg und in Frankreich, gemeinschaftlich mit einem flüchtig gewordenen Handlungsgehilfen Karl Müller versucht haben, geheim zu haltende Gegenstände zur Kenntnis einer fremden Macht, nämlich der französischen Armeeverwaltung, zu bringen. Es kommen dabei Druckschriften des Militärbauamts V in Metz in Frage. Ferner handelt es sich um eine Manöverkarte von Straßburg und Umgebung, die sie irrtümlich als geheim angesehen haben. Diese Sachen haben sie mittels falscher Schlüssel zusammen mit einer Aktenmappe aus Behältnisse« gestohlen. Nach langer Beweisaufnahme wurde folgendes
Urteil des Reichsgerichts
gefällt: Paul Biesalski wegen schweren Diebstahls und Verrats militärischer Geheimnisse unter Anrechnung von einem Jahr drei Monaten, die er zurzeit verbüßt, insgesamt zwei Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehr- verkl-st sowie Stellung unter Polizeiaufsicht; Karl Biesalski wegen Beihilfe drei Jahre Gefängnis. Aus der Begründung des Urteils geht hervor, daß Paul Biesalski zu Beginn dieses Jahres mit französischen Spionen bekannt wurde, von denen einer später durch direkte Drohungen derart auf ihn einwirkte, daß er mit seinem Bruder in Metz sich als Spion Frankreichs betätigte.
die
Erregung der Gemüter in Portugal drastisch schildert, zeichnet der englische
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■1913. weni.
E.
Korrespondent Percival Philipps in einem Briefe ans Lissabon, der kurz vor dem letzten Aufstand geschrieben ist. „... Bleiben Sie ia heut Nacht zu Hause," (sagte mein portugiesischer Freund ernsthaft zu mir) wir erwarten einen Angriff auf b t e Regierung, es sind schon alle Waffen verteilt!" Ein Engländer in der Gesellschaft gähnte herzhaft. „Das hören Wir schon feit vielen Wochen (sagte er dann) am vorigen Dienstag haben Sie uns versickert, daß Alfonso Costa sicher am nächsten Tage getötet würde. Ein zweiter Portugiese kam an unfern Tisch. „Montag spätestens (raunte er mir zu) es ist nur ein kleiner Aufschub." Als ich in mein Hotel znrückkehrte, hielt mich ein glühender Republikaner auf. „Das Blut wird in Strömen auf den Straßen fließen (sagte er feierlich) buchstäblich in Strömen ... wahrsckem- lich am siebenundzwanzigsten Oktober. Wenn nicht an diesem Tage, so doch bald!" Die ganze Nation hat einen hysterischen A n - fall. Die Unraft, die sie beherrscht, ist nur mit der Stimmung vor dem Ausbruch einer Panik zu vergleichen. Will man nackte Tatsachen hören, so weiß sie keiner. „Nächstens passiert etwaS!": Das ist alles, was man herausbringen kann. Wilde Gerüchte von einer Gegenrevolution und einer neuen Republik schwirren umher und werden geglaubt, bis noch wildere sie ablösen. Auch der Fremde fühlt sofort bei seiner Ankunft die Unruhe in der ganzen Atmosphäre. Es ist schon möglich, daß ein halber Versuch in der nächsten Zeit unternommen wird, einen neuen Aufruhr anniftiften, aber sicher wird er fehlschlagen, weil
das Heer nicht bereit ist für eine sofortige Erhebung und keiner der Jübrer der Verschwörung großes Vertrauen einflößt. Zwischen Sonnenaufgang und Vesper wird alles vorüber fein; eine langwierige Belagerung verbarrikadierter Straßen, wie 'ch sie vor vier Jahren in Barcelona sah, kann ich mir hier nickt denken. Sie werden der Sacke zu fchnell müde und der V er f ch w ö r e r fürchtet, daß fein Nachbar ihn schon zum Frühstück im Stick läßt. Ein Zwischenfall, wie das rusälliae Losaehen eines Revolvers, das ein betrunkener Seemann verschuldet, wird die Fußgänger in schleunigste Flucht die Straße hinaufjagen ober die Insassen eines Straßenbahnwagens veranlassen, unter den Fenstern Schutz zu suchen. In einer der letzten Nächte wurde eine Erplosion in der Avenida, der Hauptstraße von Lissabon, gehört. In einem Augenblick waren alle Kinos leer, und Polizisten und Bürger rannten in den Straße«: Nickt alle in derselbe« Richtung. Dann erwies es sich, daß nur die Pneumatiks eines Autos geplatzt war! Dabei kann niemand an etwas anderes denken, als an das politische Chaos. Die Leute träumen in der Nackt davon; aus jeder Zeitunasspalte springt es ihnen entgegen, und die Zeitungsjnnaen schreien es ihnen in die Ohren. An den Straßenecken stehen sie und schwatzen stundenlana, die Köpfe zufammen- steckend. wie Scheuerfrauen. Bis zwei Uhr nackts sitzen sie beim Glafe, fprechen und gestikulieren mit allen Zeichen höchster Erregung, sollen alle diese Verschwörer je etwas tun können? Dazu haben sie gar keine Zeit...!
Aemeus Thieme.
Der Ehrenbürger der Stadt Leipzig und Ritter des Roten AdlerordenS vierter Klaffe.
Wt« uns aus Leipzig berichtet wird, hat Geheimer Sofrat Clemens Thieme, der Schöpfer des Völkerschlacht. Denkmals, fei« Mandat als Stadtverordneter von Leipzig niedcrgelegt, nachdem die Stadt ihn zum Ehrenbürger ernannt hat. Anläßlich der Leipziger Festtage find bei Thieme aus allen <8 rdteilen Hunderte von Glückwunsch-Depeschen und Adressen auS deutschen Ausland-Kreise« ei«gega«gen, darunter Kundgebungen aus den entlegenften Teilen der Erde, die dem Schöpfer des Denkmal« für fei« Werk danke«. Die Leipziger habe« einen Ehrenbürger und | die deutsche Nation hat einen großen Jde- , aliften: Clemens Thieme, dessen schlich- | teS Porträt in diese« Tage« alle Bilderblät- ! ter ziert. Der König von Sachse« ernannte ■' den ehemaligen Kammer-Rat zum Geheimen Hostat der Krone von Stettin, und der König von Preußen ehrte de« Verdiente« durch de« ; Rote« Adlerorden vierter Rangklasse. „Vierter? (frag das nationale Gewissen) vierter Klasse; eingereiht ins Heer der Alltag-Deko- ; rierten, der Tradition- und Schreibstuhl-Rit- :• ter?" Ja: nach dem preußischen Reglement für Ster« und Band gab's für den Schöpfer des Riesendenkmals auf der Erde der Völker- ; schlacht keine andre Ehrung - Möglichkeit, und vorm Gesetz der Tradition wich selbst die Be- wundrung des Verdienstes zurück! Nun, Clemens Thieme, der ein Jahrzehnt hindurch Kammer-Rat war, und ohne Ritter-Diplom nationale Arbeit leistete, wird sich darüber tröffen, genau so, wie er sich über den Klang-Kobold getröstet hat, der junge Leutnants und würdige Sommer-Krieger verführte, den Kammer-Rat Clemens Thieme als „Kamerad (oder Kam'rad) Thieme" zu begrüßen. Er ist kein. Götzendiener vor den Altären äußern
eines ' lchem u er» 1 sowie 1 Wüh-I rffantl muß 1 oeber I (nickt 1 Anne 1 Seite | lchtett 1 )mcn,| Stiere I iebe#j Zug-W der z oder | ^üarfj t berg eben«! :cbritii
Weler Neueste MtWim
Hessische Abendzeitung
Caffeler Abendzeitung
JnserttonSpretse: Dir sechsgespaltene Zeile für einheimische G Sich äste 15 Pfg., tut au», wattige Inserate 25 W„ Reklame,eile für einheimisch« Geschäfte 40 Pf„ für auswärtig« Geschäfte 60 Bf. Einfache Beilagen für die Gesamtauflage werden mit 5 Mark vro Tausend de- rechnet. Wegen ihrer dichten Berdrettung in der Residenz uns der Umgebung find di« Dasseler Neuesten Nachrichten ein vorzüglicher JnsertionSorgan. Geschäftsstelle: Kölnisch- Tkrab« 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 1«. Telephon: Amt Moritzpla, 12581.
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