Casseler Neueste MMm
Hessische Abendzeitung
Caffeler Abendzeitung
3. Jahrgang.
Donnerstag, 23. Oktober 1913
Fernsprecher 951 und 952.
Nummer 271
Fernsprecher 951 und 952.
den, bleibt abzuwarten.
-an.
F. H.
mit dem Tod besiegelnd ...!
3nfertion«pretfe: Di- (edjägefpattene Sette für einheimische S-sch-ist- 15 »fg.. für an«, roarttge Inserate 25 Pf, Reklame-eile für einheimische Gelchüfte 40 Bf, für au«n>Krttge Geschäfte SO Pf. Einfache Beitagen Mr die »efamtauklage werden mU 5 Marl pro laufeno de. rechnet. Wegen ihrer dichten »erbrettung in der Restsen, uns der Umgebung find bl« Saffeter Neuesten Nachrichten ein vorzügliche« JnsertionSorgan. SeschaNrüelle: »dlnisch« Straße 5. Berliner Vertretung: SW, griedrichiiraße 16. Telephon: Amt Moritzvlad 12554.
Punkte an der albanischen Grenze. Die ganze Opposition wird in der Skupfchtina deshalb eine heftige Campagne gegen die Regierung einleiten. Aus Cetinfe kommt die Meldung, daß die serbisch-montenegrinische Abgrenzung im gegenseitigen Einverständnis beendet worden sei.
gespendet. Er war glücklich im Geben, weil er wußte, daß Geben seliger ist als Nehmen, und er war selbstlos und edel, weil er aus eignen Schicksaltagen sich erinnerte, wie wenig selbstlos und wie wenig edel die Welt und die Menschen sich ihm selbst gegenüber erwiesen. Seine Gastfreundschaft war unbegrenzt, sein Haus ein Himmel geistiger und künstlerischer Freuden und seine Freundschaft ideal und treu bis zur Selbstopferung. An ihr ist er gescheitert! Rudolf Diesel war O p t i m i st aus Veranlagung und Ueberzeugung. er war Idealist aus Gewissensdrang und Nächstenliebe, und alles Herbe, das er erfahren, hä ' diese beiden starken Fundamente seines Menschentums nicht zum Wanken bringen, nicht erschüttern können. Der Optimismus des Idealisten ist sein Verhängnis geworden: Er, der ein genialer Ingenieur, ein göttlich-begnadeter Entdecker und Erfinder war, hat nie geahnt, was Glück und Erfolg von ihm als Kaufmann verlangten. Er war ein wunderbar-klügelnder Organisator, ein scharfsinniger Konstrutteur und ein das Kleinste achtender Theoretiker: Aber er stand den wirtschaftlichen Problemen, dem kategorischen Imperativ der nüchternen Zahl Verständnis- und hilflos gegenüber, und s o ist's gekommen, daß der Millionen-Strom, den feine Erfinder-Hand aus spröder Wirklichkeit erzaubert und den sein genialer Geist immer aufs neue befruchtet, am Ende in tausend Winzigkeiten zerrann und nicht dem Sieg, sondern dem Verhängnis entgegeneilte. Die „tausendWinzigkeiten" waren die weitverzweigten Unternehmungen Rudolf Diesels, die seine Kräfte zermürbten und seine Energie zur Ohnmacht verdammten. Wäre er, das Genie, ein Spekulant gewesen, ein krasser Egoist und rücksichtsloser Tatmensch: Er würde heut auf h ö h e r m Gipfel stehen, als in den Tagen hellsten Ruhmesglanzes, würde über Millionen gebieten und dem Schicksal trotzen. Aber er war ein Optimist voll idealen Feuers und nie zweifelndem Glauben an Welt und Menschen, und als der lichte Tempel seiner Ideale, alles zermalmend, zusammenbrach, als er seine Altäre stürzen sah, ist er still von dannen gegangen: ®te Tragödie eines großen, idealen Menschen
beipflichten: Diefe Tatsache hat wirklichen „symptomatischenWert"! Wie die Wirkungen dieser „Symptome" sich gestalten wer-
Nach dem Diplomaten-Weg!
Die Stimmung in Serbien sehr erregt!
Belgrad, 22. Oktober. (Privat-Telegram m.) Die Stimmung im Lande ist sehr erregt ficflcn Oesterreich und gegen die Regierung, und zwar wegen Rückgabe der zur Grenrsicherheit so notwendigen strategischen
Tragödie« des 8euies.
Der Tod und der wirtschaftliche Zusammenbruch Diesels; Dokumente und Fragmente.
«in Privat-Telegramm berichtet nnS au« München: ES wird nach de- gegen, »artigen Lage der Verhältnisse kaum noch möglich fein, den Konkurs bezüglich der Hinterlassenschaft de« auf so tragische Weife geendeten Erfinders Dr. Rudolf Diesel zu verhüten. Die nunmehr endgültig fest- gestellten Verbindlichkeiten find derart hoch, datz für die Gläubiger nur ein ganz geringer Teil der Forderungen Befriedi- gung finden dürfte. Die Gesamt.Verpflichtungen Diesel« bezifier« fich auf rund anderthalb Mil li o ne n Ma rk, denen nur sehr geringe Aktivwerte gegenüberstehen.
Die Zeit heilt alle Wunden. Sie lehrt verstehen und verzeihen, und sie wird uns einst auch die Tragödie Rudolf Diesels in versöhnlicherm, milderm Licht erscheinen lassen. Die paar Wochen, die zwischen dem Schlutzatt des Dramas und der Gegenwart liegen, haben uns ofsenbart, wo der Schlüssel zur Entschleierung des Geheimnisses zu suchen ist: Diesel, der Erfinder, der Millionär und Ruhmgekrönte ist ein Opfer seines eignen Schicksals geworden, ein Opfer des Glücks (wenn man so sagen darf) und ein Opfer der Genialität. Sein Aufstieg zu den Höhen des Erfolgs war märchenhaft und glück-überstrahlt, sein Ende war geheimnis-um- düstert, tragisch und katastrophal. In vergilbten Blättern fand ich, als die erschütternde Kunde vom wirtschaftlichen Zusammenbruch des genialen Pfadfinders der Technik die menschliche Anteilnahme an seinem jähen Ende zum Verständnis der unglückseligen Motive dieses Menschendramas erwachen ließ, eine kurze Notiz aus jenen Tagen, da Rudolf Diesel den Weg zum Glück gefunden. Seine epochale Kraftentwicklungs-Entdeckung feierte die ersten Triumphe und dje letzten Zweifel skeptischer Zünftler wurden überdröbnt von den rauschenden Dithyramben der Begeisterung, die den jungen deutschen Ingenieur als den Pionier moderner Technik, den Bannerträger neuer Zukunft feierten. Jene Zeilen waren die Ouvertüre eines Schicksalromans des Menschenglücks, und als sie einst geschrieben wurden, ahnte niemand, daß eine Katastrophe diesen Roman enden, ein Drama dieses lichtfunkelnde Schauspiel eines stolzen Geistessiegs über Materie und Elemente beschließen werde. Rudolf Diesel ist nicht mehr: was er gewesen, was er als E r f i n d e r erstrebt und errungen, ist unveräußerlicher Besitz seines Ruhms: was er als Mensch gewesen, wie er als Mensch gekämpft und gelitten, erzählt uns die Tragödie seines Endes!
Ein jedes Menschen -Drama wurzelt in der Menschen -Schwäche. Und auch Rudolf Diesels Schicksal ist ans den Schwächen seiner Persönlichkeit und seiner genialen Veranlagung . emporgewachsen. In den Händen des Genies wurde kalter Stahl zu funkelndem Gold, rundeten sich Winzigkeiten zu imposanten Millio- nenwcrten und eine flücht'ge Schätzung des wirtschaftlichen Effekts seines Erfinder-Glücks ergibt den Niesenbetrag von tausenden von Millionen, von Milliarden, die Rudolf Diesel in den Tagen des Glücks und Erfolgs an tatsächlichen Werten erarbeitete. Das Genie wirfte im Dienst des industriellen Erwerbs, befruchtete Konjunktur und Wirtschaftsverkehr, Technik, Handel und Gewerbe, und wurde so, unbewußt vielleicht, zum wirtschaftlichen Krast- erzeuger, zur Umwertungsmaschine, die glänzenden Geist in gleißendes Gold verwandelte. Rudolf Diesel hat Millionen erworben; ihm blieb das Glück treu, als er schon auf dem Gipfel des Ruhms, auf der Zinne des Triumphs stand, und seine alternde Hand war nicht minder glücklich im Erfolg wie die starke Faust _ des Bahnbrechers, die im ersten Ansturm alle ' Schranken niederzwang und kühn nach dem Lorbeer langte. Und doch begann seine Tragödie schon, als seine Sonne noch im Zenith stand. Diesel war Selfmademan in des Begriffs idealster Bedeutung: Er hatte nicht, wie Edison oder Rockefeller, des Lebens Not in kümmerlicher Jugend kosten, nicht wie andre Pioniere siegender Menschenkrast das harte Brot der Armur essen müssen, aber sein Ausstieg war dennoch Kampf und Sorge gewesen und die Jahre des Ringens halten ihre Spuren hinterlassen. Diesel hat sich ihrer nie geschämt; er war stolz auf die Runen, die das Schicksal in seine Stirne eingegraben und im Roten Hahn in München erzählte er uns einst, als er im Kreise fröhlicher Musensöhne auf dem Ehrenplatz an der Kneiptafel saß, es sei die sonnigste Stunde seines Lebens gewesen, als er in schwerer Zeit von einer Zeitschriften-Redaktion für einen Beitrag zum technischen Inhalt eine Doppelkrone erhielt. Lang war's her!
Er selbst hat später, als das Glück ihn em- porgetragen. Doppelftonen mit vollen Händen
Svrrettenland-Revolution.
Neuer Monarchisten-Putsch in Portugal!
Wir berichteten schon gestern über den neuesten Versuch der Anhänger Dom Manuels, in Portugal die Republik zu stürzen und den Thron des „Zigaretten-Königs" auf den Trümmern des republikanischen Volksregiments aufs neue zu errichten. Daß die Rovalisten-Be- wegung einen neuen Schachzug vorbereitete, war seit Wochen bekannt, und dieser Tatsache ist es denn auch zu danken, daß der Versuch, Portugal abermals mit dem „Heil von Bra- ganza" zu beglücken, auch jetzt f e h l g e - schlagen ist. Wir verzeichnen darüber die nachstehenden Draht-Meldungen:
Lissabon, 22. Oktober-
Eine neue monarchistische Verschwörung sollte gestern in Lissabon ans-- brechen, aber nur wenige monarchistische Gruppe« zeigten fich in den Straßen. Aus Tuy und Valenea wird das Gerücht verzeichnet, datz in Porto eine Arbeiter- Revolntion ansgebrochen sei.
Lissabon, 22. Oktober.
Die Anruhen begannen morgens damit, datz in verschiedenen Stadtgegenden Polizeiwachen und Wachen der republikanischen Garde angegriffen wurden. Zahlreiche Angreifer wurden verhaftet, andere flüchtete«. Die Negierung hat völlig die Oberhand. Das Land ist ruhig.
Wie weitere Depeschen melden, wurden in Lissabon anläßlich des monarchistischen Umsturzversuches mehr als hundert Verhaft u ri^g e n vorgenommen. Die Aufrührer versuchten die Telegraphcndrähte und Ekscn- bahnverbindungen an verschiedenen Stellen um Lissabon zu zerstören, doch wurden die Schäden sofort wieder ausgebessert. In der Hauptstadt herrscht jetzt Ordnung. In der Provinz haben keine Unruhen stattgefunden. Die Regierung war vollkommen vorbereitet und vermochte den Ausstand zu unterdrücken.
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Keine Opfer, kein Schaden!
Berlin, 22. Oktober. (Privattelegramm.) Die hiesige portugiesische Gesandtschaft teilt auf Grund einer ihr von ihrer Regierung zugegangenen Depesche folgendes mit: Während der Dienstag-Nacht haben die Monarchisten versucht, eine Umsturzbewegung in Lissabon ins Werk zu setzen. Trotz umfassender Vorkehrungen haben sie nichts erreichen können, nur eine Gruppe von Zivilisten zeigte sich, leistete jedoch keinen Widerstand. Einige Telegraphenlinien und eine Eisenbahnlinie wurden unterbrochen. Es gab keine Opfer und keinen sonstigen Schaden.
Kronprinz und Kanzler.
Eine Sitzung des Staatsministerinms.
Wie offiziös bekannt gegeben wird, hat am Dienstag eine Sitzung des preußischen Staatsmini st eriums stattgefunden, und man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß in dieser Sitzung des Ministerrats die Kronprinzenbrief-Affäre und das braunschweigische Problem im Vordergrund der Erörterungen gestanden haben. Rein äußerlich betrachtet, hat auch diesmal der Kanzler über den Kronprinzen gesiegt, wie der Brief aus Hopfreben vom siebzehnten Oktober beweist. Charatteristisch für die politische Beurteilung der dadurch geschaffenen Situation ist indessen, was der nationalliberale Führer Bassermann über die Nachwirkungen der Kronprinzen-Affäre sagt. Es wird uns darüber berichtet:
Der Brief an den Kanzler.
(Telegramm unsers Korrespondenten.) Mannheim, 22. Oktober-
Zur weiteren Entwicklung der Welfen- ftage schreibt der dem Abgeordneten Bassermann sehr nahestehende Generalanzeiger: Wir glauben kaum, daß das Zurücktrc- ten des Kronprinzen von der Opposition gegen die Voltiik des Reichskanzlers der inncrpolitischen Lage ein anderes Gesicht geben wird, den» die Gegner der Politik deS Reichskanzlers haben durch die Einmischung und das Zurücktrcten des Kronprinzen kein Brgement weniger gegen den Kanzler. Die „andere Meinung", die (nach dem Brief aus Hopfteben) der Kronprinz gewonnen hat, ist weder auf die großen nationalliberalcn Verbände, noch auf die großen politischen Parteien des Reichstages übergegangen. Dazu kommt, daß die Episode des Kronprinzen- Briefes auch nach der gestrigen Erklärung ihren symptomatischen Wert behält. An der Opposition der großen nationalliberalen Verbände und der Parteien wird der „besser informierte" Kronprinz nichts ändern. Das heißt mit anderen, etwas bestimmter geformten Worten: Mit der Parteienpolitik hat der Kronprin'en-Brief an den Kanzler weder direft nock indirekt etwas zu tun, und die Haltung des Prinzen in der Weifenfrage kann "die Haltung der Reichstags-Parteien weder im versöhnenden noch im konflikt-verschär- fenden Sinne beeinflussen. Was wichtig ist, bleibt einzig und allein die Tatsache, daß der Erbe der Krone sich offen gegen die Politik des Kanzlers ausaesprochen hat, und man darf Herrn Bassermann in der einen Auffassung
Das ganze Land ist ruhig!
Lisfabon, 22. Oktober. (Privat- telegramm.) Das ganze Land ist ruhig. Der gestrige Putsch wird die Ordnung im Lande nicht stören und wird die Bedeutungslosigkeit der Feinde der Republik noch mehr hrrvortreten lassen. Die portugiesische Regierung hat folgende Proklamation zur Veröffentlichung kommen lassen: „Die Feinde der Regierung haben gestern versucht, bei Tagesanbruch eine Revolution in Lissabon hervorzurufen. Die Regierung hat dieses verbrecherische Vorgehen mit Hilfe der bewaffneten Macht sofort unterdrückt!"
Dom Manuel und die Seinen.
Lissabon, 22. Oktober. (Privattele- g ra m m.) Unter den beim gestrigen Putsch Verhafteten befinden sich mehrere Persönlichkeiten in höherer gesellschaftlicher Stellung. Auch Offiziere und Polizeibeamte haben an der Bewegung teilgenommen. Ein Kapitänleutnant wurde im Hospital verhaftet, aber es gelang ihm. zu entfliehen. Ein ehemaliger Beamter des Ministeriums des Aeußern wurde bei Cascaes, mehrere Offiziere und Sergeanten in der Marinekaserne verhaftet. Ein Sergeant erschoß fich vor seiner Verhaftung.
Hessische BolksKmpfe.
Die erste« Verfaffungskätnpfe in Kurhessen; Rückblicke auf die Geschichte des Hessenlands.
Tie «Sebenttage her Befreiung Deutschland« und unserer hessischen Heimat nont fremden Joche bringen zugleich auch da« Gedenken einer ankeren gelt mit fich: Der Restaurationszeit. In dies« Periode der hessischen Geschichte führen zwei Arbeiten, die unlängR im Buchhandel erschienen find; Dr. I. Iseler: „Die Entwicklung eines öffent- lichen, politischen Lebens in Kurhefsen" (Berlin 1913) und Dr. «. Lichtner: „Landesherr und Stände im Hesfenland 1797 bis 1821“ (®ötttngenl913). Beide Wer- le erschließen un« aanj neue Einblicke in jene ZeUen.
Klar ersteht da vor uns jene Zett, da die ersten Versuche zur Schaffung einer vom modernen Geiste gehaltenen Verfassung auftauchten, u. namentlich Lichtner ist es, der die Verbindung schafft, die zwischen den Land- tagsverhandlungen der althesstschen Stände und jenen der Jahre 1815 bis 1820 besteht. Iseler hingegen bemüht sich mehr, die inneren Fäden bloßzulegen, welche im Volkskörper die ersten Verfassungskämpfe verbanden mit den durch die französische Revolution und di« Fremdherrschaft vermittelten Gedanken. Beide Werke beweisen uns aber, daß das in der landläufigen Geschichte vorhanden« Bild Kurfürst Wilhelms des Ersten von Hessen, das ihn als einen kleinlichen Feind alles modernen Geistes hinstellt, nicht stimmt. Und das ist die große Bedeutung dieser Forschungen; denn das von der Ritterschaft gezeichnete Bild, das in die Geschichte übergegangen, ist gänzlich verzeichnet, da die Ritterschaft ein Interesse daran hatte, ihre eigene Rolle zu verschleiern. Damit zugleich tritt aber auch Johannes Haffen- Pflug (der Aeltere) in ein anderes Licht, während der Stern seines von der Ritterschaft gerühmten Kollegen von Schmerfeld verblaßt. Die altständische Verfassung Hessens, wie sie bis zum Ende des alten Staates am ersten November 1806 bestanden, gab der hessischen Ritterschaft das Uebergewicht, denn sie stellte ans ihren Reihen den erblichen Präsidenten, dessen Privat-Syndikus zugleich der des Landtages war, und alle Vorlagen und Anträge, auch die der Städte, der sog. „Landschaft", gingen durch die Hand der R i t t erkür i e. Wenn auch nicht der neueren Zeit ge- reckst werdend, war doch diese Verfassung, die auf dem Rezeß von 1655 beruhte, keine lebensunfähige, und erst, als im Landtage von 1797/98 der Adel, um für sich besondere Vorteile herauszuschlagen, die Grenzen der Steuersysteme verschob, legte er B r e s ch e in die bis dahin bestandenen Rechte der Stände, so daß die Regierung einen später beantragten Landtag verweigern und mit dem unter Beistand der Ritterschaft geschaffenen Boden ohne finanzielle Neubewilligungen auszukommen ver- mochte. Hatten auch die Stände noch auf anderen Gebieten Wünsche durchgesetzt, so war doch ihre Grundlage brüchig geworden, und auch ohne die gewaltsame Vernichtung des Kurstaates wäre das Ende der alten Stand« bald gekommen. Die
Kämpfe «m Deutschlands Freiheit ließen das Volk aktiv in die Geschichte ein- treten, und auch ohne die Versprechungen der Fürsten würde es seine Forderungen bald an- gebracht haben. Kursürst Wilhelm der Erst« hatte das erkannt, zugleich aber wollte er nicht die Fäden der Entwicklung mit jähem Ruck abgerissen wissen, und so berief er die alten Stände, aber er vermehrt« sie um die Bauernkutte, und war auch selbst willens, eine neue Verfassung anzubahnen. Es ist eine lächerlich« Behauptung, seine Entwürfe seien von vorn- herein unmögliche gewesen. Der erste Entwurf zu einer Verfassung, den er vorlegt«, läßt vielmehr erkennen, _tok weit- gehend seine Pläne waren, wenn sie auch keineswegs dem entsprachen, was die westfälische Zett an (papierenen) Volksfteihetten geboten. Aber diese hatten gewirkt, und in den ersten Flugschriften jener Zett spttcht sich das auch aus Dazu kam, daß die finanzielle Seite der fürstlichen Vorschläge btn Ständen nickt an- nehm bar vorkam, und in der Tat hätte die Regierung geschickter ihre Vorschläge anlegen können, auch waren die geforderten Summen unkontrollierbar, und besonders war noch kein Vorschlag über die Trennung von Staats- und Hausvermögen, die doch allein ein« sichere Budgetordnung ermöglichte, gemacht. Zuerst sucksten die Stände diese finanzielle Seite als Pressionsmittel zu benutzen, um die gewünschte Verfassung heraufzufttbren, aber bald zciate es sich daß die Ritterschaft grundsätzlich den Gedanken an eine nickt nach Kutten, sondern nach Köpfen stimmende Volksvertre- tung verwarf, daß sie auch unter dem Watte ..neuzeitliche Konstitution" die Wiederherstellung ihrer alten Vorrechte, Patrimonial-Ge- richtsbarkeit, Tafelsteiheit und Steuerexemtionen. vermchtt durch ein ständisches Budgetrecht, verstand. Also die R e ch t e des alten und neuen Systems, die Pflichten und Lasten von