CMer Nemste NaWtm
Caffeler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 268
Sonntag, 19. Oktober 1913
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F. H.
was die Ahnen einst gesät
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ckedesKaiserszu ersehen ist, was auf eine Verstimmung des Kaisers wegen der Wel- fenfrage zurückgeführt wird. Doch ist kaum anzunehmen, daß der Monarch gerade bei dieser Gelegenheit nicht sprechen sollte. Einen sehr guten Eindruck hat der Festartikel des amtlichen Dresdener Journals gemacht, das von einem Denkmal des Volkes spricht. Auch die Ernennung des Erbauers des Völkerschlacht- Denkmals, Kammerrat Thieme, zum Ehrenbürger der Stadt Leipzig, wird lebhaft begrüßt.
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Tag der Denkmal-Weihe sich auf der durch Kampf und Sieg geweihten Erde der Völkerschlacht zum nationalen Dankgottesdienst am Sockel des Befreiung-Monuments versammeln. Vor hundert Fahren war's der Donner der Kanonen, das Gebrüll der Riesenschlacht und das Stöhnen der als Helden Sterbenden, das über die weite Fläche wie die dröhnende Stimme nes Weltgerichts klang; heut' ist's die Dankbarkeit des geeinten Vaterlands, ist's der Stolz der Nation und die Andacht der Enkel, die dem Augenblick und dem Herbsttag unvergänglicher Erinnerung die Weihe geben, und es ist, als schwebten die Geister der Helden, die achtzehnhundertdreizehn hier gerungen, gekämpfr und gesiegt, wie der Allmacht Engel über der gewaltigen Dankgemeinde der Enkel, die am Fahrhunderttag der Völkerschlacht sich ums Denkmal deutschen Geistes und deutscher Einheit schart. Die Stimmen der Weltgeschichte rauschen geheimnisvoll durch die Oktobernebel; wie Ewigkeits-Melodien klinat's durch die Weite und die ragende Kuppel des Denkmals umfunkelt, während drunten in der Ebene noch die feuchten Schwaden wogen, der Frübherbst- Sonne blanker Strahl! Dürfen wir's als Sonnenstrahl deutscher Zukunft, als Offenbarung geheimnisvoller Vorsehung deuten? Die Zeit ist ernst. und die Stunde der Feier wird verdüstert durch die Trauer um Helden, die auf anderm Kampfplatz gefallen. Aber ein Volk von Kämpfern und Streitern, eine Nation von Männern und Helden darf auf dem Weg zum Ziel nicht ermatten, nicht tatlos verharren, wenn Pflicht und Gewissen zum nationalen Werke rufen. Clemens Thieme's gra- nitner Denkmal-Bau. tausend Widerwärtiokei- ten u. ungezählten Hemmungen in nie erlahmender Energie abgerungen, sei uns nicht nur ein Monument deutschen Freiheitsdrangs und deutschen Heldentums: Er fei uns allen ein unvergängliches Denkmal nationaler Zuversicht und nationaler Arbeitsfreudigkeit! Dann werden wir, die Enkel, ernten,
Freiherr Conrad von Hötzendorsf Kriegs- Minister von Krobatin und die Kommandanten der Regimenter, die en der Leipziger Schlacht hervorragenden Anteil genommen haben. u
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Zwei deutsche Reden.
Die Festreden zur Denkmaltveih^ (Draht-Meldung.)
Leipzig, 18. Oktober.
Kammerrat Clemens Thieme, der Erbauer des Völkerschlacht-Denkmals, hielt bei dem feierlichen Weiheakt vor dem Denkmal der Völkerschlacht folgende Festrede:
Unser Sinn und Gemüt wird bewegt von der Stimme der Weltgeschichte, des Weltenlenkers. Denn heute vor hundert Jahren erbrausten um diese Stunde über dies Blach- feld die Donner des Weltgerichts. Wir treten im Beten vor Gott den Gerechten, die deutscheu Fürsten und das deutsche Boll innig verbunden durch das Band gegenseitiger Liebe und Treue. Wir beugen in Demut unsere Knie vor dem Allmächtigen, der vor hundert Jahren die Waffen der Verbündeten fegnete und ihnen den Sieg verlieh im Kampfe um die Freiheit des heißgeliebten Vaterlandes. Gott war gerecht, Gott war mit uns, Gott macht uns frei! Er erleuchtete die Herze» der Deutschen, er führte die Scharen zur Erhebung und zum Siege, ihm sei die Ehre! Unvergänglich stehe da oben die Inschrift: Gott mit uns! Hell aus dem Norden brach der Freiheit Licht! Das kleine ausgesogene, aber vom Geiste höchster sittlicher Kraft erfüllte Preußen, entzündete die mächtigsten Opferflammen, und mit grenzenloser Begeisterung steht das Volk auf, bricht der Sturm los. Vom Throne bis zur Hütte erwacht e i n Wille, e i n Gefühl der reinsten Hingabe »» die Pflichten des heiligen Krie- ges: „Mit Gott für König und Vaterland!" Die Begeisterung fand erhebenden Widerhall in allen deutschen Gauen. Das deutsche Volk wußte, mit der Erhebung Preußens handelte es sich um Sein oder Richtfein, nm die Z u • kunft Deutschlands. Der Kampfplatz rings nm Leipzig ist eine geweihte Stätte, ein Heiligtum des gefamten deutsche« Volkes geworden, geheiligt durch die darge- brachte» Opfer an Gut und Lebe» für die Freiheit des Vaterlandes, geheiligt, weil hier unsere Heldenväter die knechtenden Bande des Eroberers zertrümmerten, hier die so lange ersehnte Freiheit im harten Kampf des Leibes und der Seele Wiedergewannen, um wieder ein einig Volk von Brüder n zu werden. Und hier, auf dieser Erde, hat das deutsche Volk sein Denkmal für die Befreiung aus großer Not sich selbst zur Ehre errichtet ...!
Der König von Sachsen erwiderte aus die Weiherede des Völkerschlacht - Denkmal - Erbauers mit folgenden Worten: Die von hoher patriotischer Begeisterung getragenen Worte, die Sie, Herr Thieme, in Vertretung des Deutschen Patriotenbundes soeben an mich gerichtet haben, haben uns Deutsche tief bewegt. Sie unterstützen den gewaltigen Eindruck des mächtigen Denkmals, das durch die freie Opferbereitschaft deutscher Männer hier errichtet worden ist als ein Zeichen deutscher Kraft und deutscher Einigkeit. Wie dieses Denkmal und erinnert an blutige Kämpfe und an den Hetzentod vieler braver Soldaten, die vor hundert Jahren auf diesem Schlachtfeld fielen, wie es uns weiter mahnt an Gottes gnädige und wunderbare Führung, der unfetcm Volke nach langem Ringen und Sehne» eine herrliche Einheit schuf, fo möge es nach weiteren hundert, fa nach tausend Jahren noch späteren Geschlechtern von dem heutige» Tage Kunde gebe», möge es ihnen erzählen, wie in dieser Stunde Deutsche uNd Russen. Oesterreicher, Ungar» und Schwede» ihre Knie in Verehrung ben- gen vor Gott, dem allmächtigen Lenke: der Weltgeschichte, und zu ihm bete,., daß er uns den Frieden erhalte zum Wohle unseres deutsche» Volkes, zum Wohle auch der Staaten und Fürsten, die mir die große Freude bereitet haben, meiner Einladung zu solgen, und bei diesem Feste durch Mitglitzer ihres Hauses und durch Abordnungen ihrer tapferen Heere vertreten sind. In diesem Sinne beglückwünsche ich de« Deutsche» Patriotenbund zu dem wohlgelun- genen Werke und nehme das Denkmal unter meinen königlichen Schutz...!
Nach der Denkmalsweihe begaben sich die Fürstlichkeiten zum Rathaus, wo ein von der Stadt gegebenes Frühstück Lattfand. Der Oberbürgermeister Dr. D ittrich hielt an den König von Sachsen folgende Ansprache: .Im
3. Jahrgang.
Leipziger Fest-Stimmungen.
Der Tag der Völkerschlacht-Feier.
(Privat-Telegramm.)
Leipzig, 18. Oktober.
Ganz Leipzig ist in den ungeheuren Trubel hinaus, der als Begleiterscheinung des Festes alle Straßen und Plätze der inneren Stadt erfüllt und weit über die Peripherie hinausstrahlt. Zehntausende von Personen umlagern den Bahnhof, wo die „Fürstlichket- t e n eintreffen. Die Ausschmückung der Stadt ist im großen Stil erfolgt; die weiten Plätze und zumal der herrliche Augustusplatz sind pompös (und das sei rühmend hervorgehoben) mit großem Kunstsinn geschmückt worden. Blau und Gelb, die Stadtfarben, herrschen vor. Große jonische Doppelsäulen, von Feuerkörben gekrönt, bilden eine Triumphstraße über den Platz Vielleicht das schönste von allen Gebäuden im Festschmuck ist das alte Rathaus, dessen langgestreckte Horizontale durch Guirlanden aufs glücklichste betont ist und die sichere Harmonie dieses Gebäudes des Altmeisters Lotter überraschend wirkungsvoll hervortreten läßt. Die Menae Volk, meist geschmückt mit ein wenig lang geratenen Festbändern, ist festlich gestimmt, wenn auch das Unglück des Marineluftschiffes die Freude ein wenig dämpft. Für den hier in Leipzig hörbaren Unterton der Stimmung ist es immerhin bemerkenswert, daß man sogar bei dieser hoch in der Lust erfolgten Katastrophe an einen Anfchlag denkt, denn die Lust ist hier förmlich gefiillt von
Der heutige Festtag.
Die Ankunft des Deutsche» Kaisers.
(Draht-Meldungen.)
Leipzig, 18. Oktober.
In der neunten Vormittagsstunde nahmen die Soldaten, die zur Unterstützung der Polizei abgeordnet sind. Ansstelluna Von allen Seiten rücken mit klingendem Spiel Vereine und Korporationen an. Ans dem Reichsgerichtsplatz nahm der F e st z u g, an dem sich auch die Studentenschaften Deutsch-Oesterreichs und der Schweiz beteiligen, Ausstellung. Es bot einen prachtvollen Anblick, als die etwa dreitausend Studenten, davon die meisten in Wicks, mit ihren dreihundert Fahnen sich zum Abmarsch nach dem Völkerschlachtdenkmal in Bewegung setzten, während Musikkapellen patriotische Weisen spielten. Später rückten in fast endlosen Kolonnen die 28 000 Leipziger Schulkinder unter Führung ihrer Lehrer an, um an den bevorzugten Stellen der Fest- sugsstraßen ihre Plätze einzunehmen. Das Welter ist etwas kühl aber schön. Vom frühen Morgen an strömten unzählige Scharen ,ium Völkerschlachtdenkmal. Schon frühzeitig füllten sich auch die Tribünen. Die Fahnenträger der Vereine und Innungen nahmen
auf ben Stufen des Denkmals Aufstellung, um den Teich herum gruppierten sich Vertreter der deutschen Studentenschaft. Auf der großen Plattform, am Kaiserzelt, fanden sich die Ehrengäste ein, darunter die österreichischen und russischen Militärdeputationen, die Vertreter der deutschen und russischen Adelsgeschlechter, die an. den Ereignissen vor hundert Jahren beteiligt gewesen sind. Ferner sah man den Reichskanzler, mehrere Vertreter des Bundesrates, die Generalität und Geistlichkeit. Im Fürstenzelte versammelten sich die deutschen Bundesfürsten und die Vertreter'der freien Städte. Der Kaiser traf um 10 Uhr 45 Minuten, von Bonn kommend, auf dem hiesigen Hauptbahnhofe ein und wurde vom König von Sachsen, dem Staatssekretär des Reichsmarineamtes, von T i r p i tz, und anderen empfangen. Die Monarchen begrüßten sich sehr herzlich. Es fand großer militärischer Empfang statt. Dann begaben sich die Majestäten in einer ä la Daumont bespannten Equipage unter Eskorte einer Eskadron des Ulanenregiments unter stürmischen Hochrufen des Publikums nach dem Völkerschlachtdenkmal, wo bald darauf die Weihefeier begann.
Die fürstlichen Teilnehmer
sind außer dem Kaiser, dem König von Sachsen und den Prinzen des sächsischen Königshauses: Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich Großfürst Kyrill Wladimirowitsch von Rußland, Prinz Wilhelm von Schweden, Herzog von Soedermanland, Prinzregent Ludwig von Bayern, Prinz Rupprecht von Bayern, König Wilhelm von Württemberg, Herzog Albrecht von Württemberg, Großherzog Friedrich von Baden, Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein, Großherzog Wilhelm Ernst von Sachsen, Großherzog Friedrich August von Oldenburg, Großherzog Friedrich Franz von Mecklenburg-Schwerin, Großherzog Adolf Friedrich von Mecklenburg-Strelitz, Erbprinz Bernhard von Sachsen-Meiningen, Herzog Ernst von Sachsen-Mtenburg, Herzog Karl Eduard von Sachsen-Koburg imd Gotha, Herzog Friedrich von Anhalt. Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg-Schwerin, Regent des Herzogtums Braunschweig, Fürst Friedrich zu Waldeck und Pyrmont, Fürst Leopold zur Lippe. Fürst Heinrich zu Reuß j. L.. Fürst Adolf zu Schaumburg-Lippe, die Bürgermeister der Hansestädte.
Das preußische Heer
vertreten die Generalfeldmarschälle, die Generalinspekteure der Armeeinspekiionen, der Chef des Großen Generalstabs, der Kriegsminister, die Kommandierenden Generäle; das bayerische Heer die Kommandierenden Generäle der drei Armeekorps, der Kriegsmin'ster und der Chef des Generalftabs; das Würitem- brrgische Armeekorps der Kriegs Minister und der Kommandierende General. Als Vertreter des österreichisch-ungarischen Heeres sind erschienen: Der Chef des Generalstabs,
Der Deutschen Ehrentag.
Am Denkmal der Völkerschlacht bei Leipzig; die Jahrhundert-Feier deutscher Volks-Ermannung; die Weihe des Freiheits-Denkmals; der Zubilaumstag in Leipzig; Dreivölker-Feier auf dem Feld der Völkerschlacht; Momentbilder von den Leipziger Festtagen.
Attentats-Vermutungen.
Man erzählt, daß die Sicherheitsmaßnahmen sich von der Luft bis unter den Erdboden erstrecken. Die Luftfahrt über Leipzig ist für heute verboten, wonach sich die Flieger hoffentlich richten werden. Auf den Straßen patrouillieren Hunderte von Geheim- p o l i, i st e n. von denen ganze Brigaden aus Berlin und Dresden angekommen fein sollen, und das unterirdische Leipzig wird seit Wochen kontrolliert. Sämtliche Kanäle und Kanalschächte werden bewacht, die großen Ein- steigschächte sind verbarrikadiert, um die Möglichkeit unterirdischer Verbrechen zu verhindern. In politischen Kreisen wird die Abwesenheit des Kronprinzen viel besprochen, bereit Grund man in der Gestaltung der Familienbeziehungen sieht. Auch wird es viel bemerkt. daß auf dem ganzen Programm des Festes bisher nichts von einer AnsPra -
in grauer Nebeltag dämmert herauf; über der weiten Ebene von Leipzig fluten, Gespenstern gleich, die feuchten Schwaden des Herbstes; in düster» Wolkenschleiern entschwindet des Völkerschlacht-Denkmals ragende Zinne dem Blick, und über der Oktober- Landschast lagert, wie vor hundert Jahren, die wehmütig-traurige Stimmung des großen g Sterbens draußen im Dom der Natur. Es ist ein einsam-stiller Erdenwinkel, fernab vom r Lärm und Gewühl der Riesenstadt, in dessen ; Hut deutsche Treue das granitne Monument der Völkerbesreiung geborgen; keine stolzen - Bergeszinnen säumen ben Horizont, keines deutschen Stromes Majestät rauscht stolz durch die Lande, die des Freiheit-Denkmals Sockel ; tragen, und kein Eichenraunen, kein Buchen- l Wald-Geflüster erzählt in Leipzigs historischer Ebene vom weltgeschick-gestaltenden Heldengeist deutscher Volks-Ermannung, vom Erwachen des großen Einheitgedankens und vom alles niederringenden Sieg germanischer Heimat- und Vaterland-Liebe. Still und schlicht, einfach und unaufdringlich: So dehnt sich die Landschaft, so weit das Auge reicht. Später, wenn die Karawanen des Touristenverkehrs zum einsame» Denkmal auf heil'ger Erde wallen, wenn Fremden-Jndustrie und Verkehr- Raffinement den stillen Dom der Natur zum leben-raufchenden Tempel mammonistischen Idealismus verwandelt haben, wird der Einsamkeit Majestät vielleicht dem flutenden Strom des Lebens Weichen müssen und das Denkmal deutschen Gewissen-Erwachens der Mittelpuntt neuen Daseins, neuer Zukunft werden; heut aber, hundert Jahre nach dem Tag, der freie Menschen in Dankbarkeit und Inbrunst vor des Weltenlenkers Allmacht ihre Knie beugen sah: Heut' verklärt noch die Weihe der E r- innerung die geheiligte Erde, und als in der Morgenfrühe des Ottobertags die Nebelschleier über der Ebene wogten, war's wie einst, als die Pulverschwaden der Völkerschlacht wie ein Dankopfer erlöster Menschheit zum Himmel stiegen.
Nicht Fürstenhuld und Gnadengunst hat das gewaltige Monument deutscher Freiheit geschaffen; nicht die Stimmung eines Wcht'gen Moments hat's zur weit in die Lande hineinragenden Wucht gerufen, und kein Protektor wachte über seinem Werden und Gedeihen: ■ Volkskraft war's, die es erftritten, völkische Opferwilligkeit war's, die mühvoll, । aber freudig Stein auf Stein geschichtet, und - nationale Dankbarkeit war's, die sich in t: Stein und Erz ein unvergänglich Denkmal , setzte! Kein Monument gewöhnlicher Maße, keine Romantik in sprödem Marmelstein und ' keine granitne Verherrlichung irgendeiner Für- 1. ftentat: Eine wuchtige Offenbarung deutschen x Nationalgei st s, in Form und Linien- ' fiihrnng gemahnend an die stahlharte, kraftbe- t gnadete Germanenart, der aller Schnörkeltand und alle falsche Weichheit fremd! Das Auge ■ sieht einen ragenden Berg massiger Steinwucht, . schaut eine sich zu Wolkenhöhe türmende L Mauerlinie, fest und unvergänglich wie das , Weltgebäude, und erkennt, festverankert im ge- k wattigen Gefüge des Riesenbaus, die giganti- r scheu Denkmäler deutscher Siegs- und Helden- t tat. untrennbar vereint zum großen Steingemälde des deutschen Freiheitsbildes! Kein ; Werk von Menschenhand krönt auf dem Erd- i ritnb eine Stätte heil'geu Erinnerns, das dieser in Stein und Erz gemeißelten Geschichte deut- : schen Freiheitskampfes zu vergleichen märe: Was sind Egyptens jahrtausendalte Phrami- ° den, was Indiens Wunderbauten oder Alt- [ Mexikos Märchentempel gegenüber diesem unvergänglichen Monument germanischer Volk- Ermannung, das wie des Ewigen Wegzeiger in Himmelshöhen ragt und, ein Altar der - Enkel-Dankbarkeit, der Ahnen Ruhm und Treue als deutschen Volkes Tugend in Unendlichkeit-Weiten trägt! All-Teutschlano , ist in diesem Denkmal verewigt: All-Deutschland, das in der Not sich mieberf-mb, und, zur Nation geeint, heldenhaft die Ketten zerriß, die seine Kräfte lähmten.
Durch's Nebelmeer blitzt ein Sonnenstrahl. Und wie vor hundert ...ähren in der Ebene von Leipzig das Gewühl der Völkerschlacht wogte, so wogt heut durch die herbstlich-graue Land- kckaft der Strom der Hunderttausende, die am