Ar. 265. — 3. Jahrgang.
Casseler Neueste Nachrichten
Donnerstag, 16. Oktober.1913.
«üslicken Menschen ,u erziehen, nach Kräften beantragen, um Eine starke, aufrechte Gene- ration aufrichten zu helfen. Wir können unserer Nation und damit der Menschheit keinen arößeren Dienst erweisen. Im gleichen Sinn, wenn auch nicht immer mit gleichem Erfolge, lätzt sich in der Tuberkulosen- und Wohnungs- isirsorge arbeiten. In unseren Flick- und Nähkursen geben wir unseren Frauen und Mädchen Gelegenheit, etwas Tüchtiges zu lernen, was sie im eigenen Haushalt, in der Familie oder rum selbständigen Broterwerb verwenden können Viele Frauenkraft, die noch brach liegt, müssen wir für das Rote Kreuz gewinnen, vor allem die Jugend. Die jungen Mädchen be- fchästigen sich gegenwärtig viel mit Wohl- sahrtsarbeiten, aber das wird zu wenig ernst genommen. Alles was wir tun. müssen wir mit Liebe und im ernsten Erfassen übernommener Pflicht tun. Hieran schloß sich ein Korreferat von Frau W. Kröhne, die die Ausführungen der Vorrednerin aus eigenen Erfahrungen ergänzte. Im Anschluß daran sprach Professor Opitz- Gießen über die Bekämpfung der Krebskrankheit mit besonderer Berücksichtigung der Röntgen- und Radiumstrahlen.
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Das Rote Kreuz in Cassel.
Auch in diesem Jahre wieder begehen die Casseler Sanitätskolonnen mit besonderen Feierlichkeiten den Geburtstag der Kaiserin, der Protektorin des Roten Kreuzes. Den Anfang machte am Sonnabend in Schaubs Garten der Verband Caflel der „Genossenschaft freiwilliger Krankenpfleger int Kriege". Als Ehrengäste waren anwesend Stabsarzt Neumann, Apotheker Wolff. Oberlehrer Erdmann und Vertreter der Krieger- Sanitätskolonne. In ganz besonderer Stärke war die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz erschienen. Nach einem von Fräulein Baumann trefflich gesprochenen Prolog begrüßte Oberstabsarzt d. L. Dr. Wegener die Erschienenen und wies darauf bin, was für großes Interesse die Kaiserin für das Rote Kreuz hegt. Der Kaiserin galt sein begeistert aufgenommenes Hoch. Dann wurden mehrere prächtige lebende Bilder gestellt. Die wirkungsvollen Dekorationen stammen vom stellvertretenden Kolonnenführer Eifel. Mebrere Mitglieder und ihre Damen führten eine gelungene Poste auf, und Kolonnensnhrer Baumann belohnte die Darsteller mit Blumen und Schokolade. Humoristische Vorträge durch zwei Mitglieder der Kolonne und Musikweisen umrahmten die schöne Feier, die durch einen Tanz ihren Abschluß fand Die Genossenschaft, die auch am Sanitätsdienst bei der Tausendjahrfeier erfolgreich tätig war, beginnt Ende Oktober mit einem neuen Kursus.
Die knrhesstschen Arbeiter-Vereine.
fe. In Carlshafen versammelten sich am Sonnabend und Sonntag die Vertreter der Evangelischen Arbeitervereine Kurhessens. Der Verband zählt jetzt 38 Vereine Mit 3450 Mitgliedern und ist in Unterverbände gegliedert. Am Lonnabend abend fand im Hotel Brandes-Müller eine eingehende Aussprache über die ö f f e n t l i ck e Lebensversicherung und die von ihr eingeführte gemeinnützige Volksversicherung statt. Das mit Beifall aufgenommene Hauptreferat erstattete Tr. Neumann -Gaffel. Der Verbandstag beschloß, sich der öffentlich-rechtlichen Volksversicherung anzuschließen und ermächtigte den Vorstand, einen entsprechenden Vertrag mit dem Verband der „öffentlichen Lebensversicherungsanftalten in Deutschland" abzuschließen Auch soll der Landeshauptmann gebeten werden. für den Regierungsbezirk Caflel eine eigne öffentlich - rechtliche Lebensversicherungsanstolt zu errichten. Am Sonntag moraen war Fest - gottesdienst, in dem Pfarrer Sost- mann über die Losung der Arbeitervereine: „Habt die Brüder lieb! Fürchtet Gott, ebret den König!", sprach. Die Gesangsabteilung des Casseler Arbeitervereins verschönte den Gottesdienst durch den Vortrag zweier Lieder. In der Hauvtverfammlung gab Marter Liz. Francke-Castel einen ausführlichen Bericht über die Entwickelung des Verbandes im letzten Jahre der einen verheißungsvollen Blick in die Zukunft tun läßt. Nach den üblichen Berichten hielt Metropolitan D i t b - mar-Schmalkalden einen Vortrag über den preußischen Wohnunasgesetzentwurf in seiner Bedeutung für den kleinen Mann Sehr wertvolle Ergänzungen dazu gaben Liz. Francke, Konsistorialpräsident , Freiherr Schenk zu Schweinsberg, Pfarrer Maurer, Dr. Reumann, Pfarrer Noll: es wurde nachstehende Entschließung angenommen:
„Der Delegkertentag des Kurhessischen : Verbandes Evangelischer Arbeitervereine be- s grüßt den Entwurf des preußischen Woh- T nungsgesetzes vom 25. Januar 1913 als eine j geeignete Grundlage für eine allgemeine Wohnungsreform. Er richtet an sämtliche
i Landtagsabgeordneten des Regierungs-Be- : zirks Caflel die Bitte, im preußischen Landtag
dafür einzutreten, daß die Grundsätze des Entwurfs bald zur Durchführung kommen." Jach einigen geschäftlichen Erledigungen wurde Hersfeld als Ort des nächsten Delegiertentages gewählt. Ein Festesten, eine Besichtigung der vom Carlshafener Arbeiterverein unter Leitung ihres Vorsitzenden Pfarrer Noll im Laufe der letzten zwei Jahre auf dem Wege der Rcn- tmgutsbildung erbauten Arbeiterhäuser, sowie ein reichhaltiger Familienabend bildeten den Schluß der Tagung.
Die freideutsche Jugendbewegung.
. Die gestrige Zusammenkunft des Caffeler Vortrupps im Schlaraffensaal des „Ha- nusch" stand noch unter dem Eindruck des ersten freideutschen Jugendtags auf dem Hohen Meißner. Bibliothekarin francke leitete die Versammlung und erteilte dem Redner des Abends, Dr. Karl W i l k e r aus Jena, das Wort, der über „Arbeitsfreudig- keit und Leistungen" in Schule und Beruf sprach und für die geistig tätigen sowohl als auch für die erwerbstätigen Frauen ebenso den Ehrentitel .Arbeiter" beanspruchte, wie ibn der Mit dm Händm wirkmde Mann der Arbeit
führt. Er suchte dm Mangel an Arbeitsfreu- digkeit, der in allen Kreisen besteht und schon in der Schule beginnt, hauptsächlich in den zersetzenden Schäden der Großstadt und nicht genügender Erziehung.
Die einzige Lösung der Frage, wie die von der Technik und den Unternehmern geforderte dauernde Steigerung der Leistungen ermöglicht werde, erblickte der Redner in der Schaffung von Arbeitsfreudigkcit durch Erziehung dazu, durch Betreiben von Individual-, Sozial- und Raflenhygiene. Tas letztere Problem werde vielfach falsch verstanden: es fei weiter nichts, als das Streben, das Volk geistig und körperlich gesund und staatserhaltend zu machen, lieber allem aber stehe, Arbeitsfreude zu schaffen, denn freudig getane Arbeit erhalte alles Leben. Nachdem noch über das Alkoholverbot bei den Fahrten der „Wandervögel" ge svrochen worden war, betonte Tr. Wilker in feinem Schlußwort den lebensreformerischen Charakter des „Vortrupps", des Trägers der freideutschen Jugendbewegung.
Aus großer Zeit: 1813.
Am 15. Oktober: Die beiderseitigen Armeen stellen sich um Leipzig herum zum Entscheidungskampf auf. Kämpfe finden kaum statt. Die Franzosen versuchen, das Nniversitätsholz und das Dorf Großpösna durch Ueberrasckung zu nehmen, geben es aber auf, als sie beide stark besetzt sinden. ... Der bayrische General Graf Wrede übernimmt das Oberkommando über die vereinigte bayrisch-österreichische Armee in Stärke von 52 000 Mann.
Am 16. Oktober: König Jerome kebrt nochmals auf kurze Zeit nach Cassel zurück. ... Der in Dresden eingeschlos- fene französische Marschall St. Cvr macht einen Ausfall, treibt die meist aus ungeübten russischen Milizen bestehenden Be- lagernngstruppen bis Dohna zurück, nimmt ihnen 1200 Gefangene ab und läßt alle erreichbaren Lebensmittel, Pferdefutter und so weiter, requirieren.
— Das Neueste im Bilde. Im Schaufenster unserer Geschäftsstelle. Kölnische Straße 5, gelangen folgende Bilder von aktuellen Zeit - Ereignissen zum Aushang: 50 Kilometer-Armee-Gepäömnrsch. Landwirt- schaftSfest auf der Münchener Oktober-Wiese. Der „große Preis von Verkitt" auf der Trab- renubahn Mariettdorf. Zur Denkmals-Enthüllung für den siegreichen Heerführer von 181'3, General Aorck von Warteuburq in Wartenbnrg. a. E. Ter Suffragettenunfug in England. Von der Explosion in Bochum. Die Ueberlegeu- heit der deutschen Wafferflugzeuge. Zur Gedenkfeier der Völkerschlacht bei Leipzig am 18. Oktober 1913. Zum Brand des Dampfers „Volturno". Ueberschwemmung in Indien.
-s- Das Kriegsrat Meyersche Stipendium. Bewerbungen um das von dem Geheimen Kriegsrat Meyer gestiftete Stipendium zur Erziehung und zum Unterricht eines armen, mit Talent begabten hiesigen Bürgersobnes sür das Etatsiahr 1914 sind mit den erforderlichen Zeugnissen bis zum zehnten November dieses Jahres an den Magistrat der Residenz einzureichen. Für Uttiversitätsstudien wird das Stipendium nicht bewilligt.
-t- Vorträg" über die Frauenbewegung Morgen, am Donnerstag abend, beginnt der bereits angezeiate Vortragszyklus lacht Vorträges von Frau Johanna Waescher. Die Geschichte der Frauenbewegung und ihre bedeutendsten Vorkämpferinnen. Die Vorträge sinden ieben Donnerstag, abends SU U6r. untere Carlstraße 3 statt. Eintrittskarten für Damen und Herren sind dortselbst täglich B:- ziehungsweise 12 bis 2 zum Preise von 3 Mark tu haben. Einzelvortrag 50 Pfennig Der Reinertrag ist für die Unterstützunaskaffe des Kaufmännischen Vereins für weibliche Angestellte bestimmt.
4- An der Säemaschine verunglückt. In Harleshausen war gestern ein Knecht mit der Aussaat des W'ntergetreides beschäftigt. Als an der Säemaschine etwas in Unordnung geriet, (triff der Knecht zwischen das Getriebe, um das .Hindernis zu beseitigen. Plötzlich zogen die Pferde an und dem Bedauernswerten wurden bedeutende Ouetschunaen an der Hand und am Arme beigebracht. Der Verunglückte wurde nach Anlegung eines Notverbandes ins Krankenhaus nach Cassel verbracht.
-t- Eine Liebestragödie in der Mittelgaffe. Ter Hausdiener Franz Drews schoß gestern aus seine Wirtin, mit der er ein Liebesverhältnis unterhielt, vor ihrem Hause Mittelgaffe 74 Er traf die Frau in den Kopf, sodaß sie blutüberströmt auf dem Bürgersteig zusammenbrach. Drews, der anscheinend erst die Frau erschießen und dann Selbstmord begehen wollte, entfiel aber der Mut und entfloh. Er konnte dis heute mittag nickt ergriffen werden, obwohl er gestern abend in der Altstadt gesehen worden ist. Vermutlich irrt Drews tagsüber in der Umgebung der Stadt umher und kommt abends in die Altstadt zurück. Die gesamte Kriminalpolizei ist auf der Suche nach dem Flüchtling, und sämtliche Beamten der Erekutioilspolizci sind angewiesen worden, aus Drews zu achten und ihn gegebenenfalls feft- zunehmen. Das Befinden der Frau gibt zu Bedenken keinen Anlaß.
4- Zehn Jahre Casseler Wach- und Schließ- Institut. In diesem Monat blickt (tote bereits berichtet» das hiesige Wach- und Schließ-Institut auf sein zehnjähriges Bestehen zurück und darf einen Rückblick auf ein zehnjähriges Wirken zum Wohl der Stadt werfen. Mit sechs Wächtern trat es 1903 ins Leben, während es heute zeitweise über sechzig bis siebzig Angestellte beschäftigt. In den zehn Jahren wurden im Ganzen 149 873 Haustüren nach beendetem Schließen wieder offen vorgefunden und nach Revision des Treppenhauses und Kellers verschloflen. 18 322 Einwohnern wurden die Haustüren aufgeschloffen. 1713 Kellertüren warm vergessen zuzuschließen und 1632 Fabrik-,
Lager- oder Eeschäststüren nach der Straße offen geblicbm. 75 659 Personen ließen sich durch die Beamten regelmäßig wecken. Ferner wurden 189 Geldschränke offen vorgefunden und verschloflen. 1058 Personen, die widerrechtlich in fremdes Gtzgentum eingedrungen waren, wurden verscheucht oder der Polizei übergeben. Diese Zahlen sind nur ein Bruchteil der Statistik über die Tätigkeit des Instituts.
-t- „Der Feind im Lande": Zwischenfall in den N.-T.-Lichtspielen. In den U.-T.-Licht- spielen am Königsplatz ereignete sich gestern nachmittag ein aufsehenerregender Zwischenfall. Während der Vorführung des Dramas „Der Fejnd int Land, 1870/71" wurde ein Teil der Zuschauer unruhig und fühlte sich in seinen deutsch-vaterländischen Empfindungen verletzt. Zum Schluß wurden laute Zwischenbenterkungen. Zischen und Pfeifen vernommen. „Dieser Film gehört nach Frankreich !" und' ähnliche Entrüstungsrufe konnte man hören. Eine größere Anzahl der Anwesenden verließ den Raum, unter erregtem Wortwechsel mit dem Geschäftsführer. Wie wir hören, wurde kürzlich der Film in Lübeck ansgepfifsen und in Essen polizeilich verboten. Wie uns noch mitgeteilt wird, ist auf den gestrigen Zwischenfall hin der Film vom Spiel- plan abgrsetzt-worden.
-t- Richard Wagner im Abonnementskonzert. Tas erste Abonnementskonzert am kommenden Sonnabend ist der Erinnerung an Richard Wagner geweiht. Das „Liebesmahl der Apostel", biblische Szene für Männerstimmen und großes Orchester, wird im Theater-Konzert zur ersten Aufführung kommen. Der Casseler Lehrergesangverein wird di? Chöre der Jünger und Apostel, der Herrenchor des Königlichen Theaters den Chor der Stimmen in der Höhe ausführen. Die Komposition stammt aus dem Jahr 1843. An zweiter Stelle kommt des Meisters großartiges Orchesterwerk. „Eine Faustoüvertüre" zur Aufführüug. Als Gast des Abends wird der Berühmte Heldentimor der Berliner Oper, Kammersänger Walter Kirchhofs. atts den Meistersingern „Am stillen Herd" und das Preislied singen. Im zweiten Teil kommt zur erstmaligen Aufführung: Ouvertüre, Bacchanale und Venus-Szene des Tannhäuser in der sogenannten „Pariser Version". Die Aufgabe der Venus wird unsere hockdramatiscke Sängerin, Fräulein Kronacher, die deS Tannhäuser Herr Kammersänger Kirck- hosf lösen Tie bereits bestelltett, aber noch nicht abgeholten Abonnementskarten können täalich von zwölf bis zwei Uhr an der Theaterkasse in Empfang genommen werden.
4- Vermehrung der weiblichen Beontten- kräfte. Das Reichspostamt sieht in einer soeben an die Postverwaltungen des Reiches ergangenen Verfügung eine weitere Vermehrung der weiblichen Beanttenkräfte bei der P o st vor. Man will die Zahl der für die mittlere Beam- tenlaufbahit neu gnzunehmenden männlichen Kräfte noch mehr beschränken. Vor allem sollen die bei den kleineren und mittleren Postämtern noch vorhandenen „Nachgeordneten" Beamten (Postgehilfen und Postassistentent durch Gehilfiitnen in Betriebsteilen jeder Art ersetzt werden.
4- Personal-Nachrichten von der Eisenbahn Zugana: Eisenbabnoberfekretär Rininsland von Essen nach Caflel zum Rechnunqsbttreau. Abgang: Die technischen Eisenbahnsekretäre Jösch von Caflel nach Königsberg in Preußen. Scktoertzel von Cassel nach Halle (Saale). und Lüffenbop von Caflel nach Allenstein (Bezirk Königsberg in Preußens. In den Ruh.stand versetzt: Derkehrskontrolleur Schneider in Cassel, Gütervorsteher Ciupek in Caflel. Bestellt zum Rechnunasrevisor: Eiftnbahnobcrsekretär Ludorff in Cassel. Ernannt zum Gütrrvor- steher: Praktikant Richter in Caflel Versetzt: Die technischen Eisenbahnsekretäre Alpers von Nordhaufen nach Caflel zum Decknischen Bureau, Eisenbahnaffistent Riemensckncider von Treysa nach Caflel zum Bctriebsbureau; die Lokomotivführer Duerkop von Bodenburg, Laabs von Göttingen, Meier von Hümme, Ziehe und Brückmann von Treysa, Matzke von Bebra und Kock von Kirchhain nach Cassel; Maschinist bei ef'ftr Anlage Fromm hold von Altenbeken nach Cassel.
Unfall bei der Arbeit. Ein in einer hiesigen Fabrik als Packer tätiger junger Mann erlitt gestern eine schwere F u ß q u e t s ck u n g. Die Sanitätskolonne leistete dem Verletzten die erste Hilse.
Ein unglücklicher Sturz. In der H u p - seid st ratze glitt eine Dame aus dem Vorgang ihrer Wohnung aus und fiel so unglücklich, daß sie sich einen Bruch des Oberschenkels zuzog. Die Verletzte wurde durch die Freiwillige Sanitätskolonne nach dem „Roten Kreuz überfiihrt.
-z- Unfall in einer Fabrik. In einer hiesigen Fabrik stieß sich ein Schreiner ein Stech- eisetr in das Knie. Er erhielt eine klaffende Wunde und mußte die Hilfe eines Arztes in Anspruch nehmen.
-e- Kleine Tageschronik. Die Oberrealschule II veranstaltet zur Feier der Einweihung der neuen Schule" morgen, Donnerstag, abends acht U6r, in den Sälen des Stadtparks einen Unterhaltungsabend. zu dem alle Gönner, Freunde. Eltern und ehemalige Scküler eingeladen sind. — Im Bund für persönliche Religion findet der erste dieswinterliche Vortrag am Freitag, abends achteinviertel Uhr. im großen Stadtparksaale statt. Es wird Pastor a. D. Liz. theol. Traub- Dortmund sprechen über das Thema: Was bedeutet Jatho für die Entwicklung des Protestantismus? Näheres über beide Veranstal hingen ist aus dem Inseratenteil zu ersehen. — Der treffliche Geiger und Violin-Virtuos Alexander Schmuller, Miiwirkender im Reger- Konzert, wurde anläßlich eines dieser Tage in Berlin veranstalteten Konzertes enthusiastisch gefeiert.
-4- Das Wetter am Donnerstag. Der amtliche Wetterbericht sagt für den morgigen Donnerstag für Hessen-Nassau folgende Witterung voraus: Meist wolkig, windig, tagsüber etwas kälter, nur strichweise leichte Niederschläge.
I Letzte Telegramme.
(Nach Schluß der Redaktion erngegmrgenj
Swmet neue Rätsel!
„Entgegenkommen und Reichs-Interesse".
(Privat-Telegramm.)
Karlsruhe, 15. Oktober.
Zu der Welsenfrage erklärt man in der Uw gebung des Prinzen Max von Baden, daß die Grundlage der ganzen Verhandlungen persönliches Entgegenkommen, aber auch von Anfang an entschiedenste Wahrung der Reichsinteressen bildete. Tie endgültige Regelung würde nur durch Dinge rein formeller Natur etwas verzögert, doch war die Beendigung der Braunschweiger Regentschaft und die Thronbesteigung des Prinzen Ernst August unter den im Reichsinteresse verlangten Garantien bereits während des Aufenthalts des Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg in Karlsruhe kurz nach der Verlobung im Prinzip beschlossen. Was man in Homburg forderte, war das Aufhören des oft geradezu taktlosen Paktierens welfischer Hoflreise mit welfischen Fanatikern. Man kann heute behaupten, daß per alte Herzog von Cumberland energisch von den intransigenten Welfen a b - gerückt ist. (Siehe auch den heutige» Leitartikel.)
Die Cardiff-Katastrophe.
(Privat-Telegramm.)
London, 15. Oktober.
Zu dem Grubenunglück auf der Zeche Universal bei Cardiff wird noch gemeldet: In der vergangenen Nacht gegen ein Uhr kam plötzlich die Nachricht aus dem Schacht, daß ein weiterer Lebender gesunden worden sei. Die Auffindung hat die Bevölkerung mit neuer Hoffnung beseelt, und es wurden sofort Sauerstoffapparate und eine Anzahl Aerzte in den Schacht gesandt, um weiter nach Lebenden zu suchen. Ihr Bemühen wurde auch von Erfolg gekrönt, denn kurz nach zwei Uhr gelang es (nach einem in London cinnctrcffenen Telegramm) weitere achtzehn Mann lebend zu bergen und bis halb drei Uhr noch weitere drei. Die Anzahl der bis jetzt in der Nacht gefundenen Lebende,, beläuft sich auf dreiundzwanzig. sodaß sich in der Grube noch 397 Bergleute befinden. Der Brand ist noch immer nicht völlig gelöscht.
Im Reich der Finsternis.
(Privat-Telegramm.)
Kiew, 15. Oktober.
Im Ritualmord-Prozeß B e i l i s wurde heute, in Abwesenheit des Hauptbelastungszeugen, dessen Aussage vor dem Untersuchungsrichter verlesen. Darin wird angegeben, SBeiliS habe den Zeugen ersucht, zwei mtbere Zeugen mit Strychnin zu vergift t e n und ihm (dem Zeugen) dafür eine große Belohnung von jüdischer Seite versprochen. Zum ersten Male während des Prozesses gibt Beilis selbst eine Erklärung ab. Er sagt, daß er in der Tat dem Hauptbelaftungszeugen Briefen n sei neFrau gegeben, jedoch nie von einer Bestechung oder von einer Vergiftung von Zeugen gesprochen habe. Zwei Briefe des Beilis an seine Frau werden sodann verlesen. In beiden beteuert der Angeklagte seine Unschuld, und bittet, ihm zur Freiheit zu verhelfen. Beilis verantwortet sich vor Gericht sehr erregt, aber fest.
Die Verletzten von Johannisthal.
.Berlin, 15. Oktober. (Prtvat-Te- lcgramm.) Das Befinden der gestern bei dem Unfall auf dem Flugplatz in Johannisthal verunglückten Flieger, Leutnant Freund und L i n n e k o g e l. ist zufriedenstellend. Linne- kogel hat nur eine Sttrnwunde davongetrngen, die in kurzer Zeit geheilt sein dürfte. Leutnant Freund hat einen Oberschenkelbruch erlitten. Er liegt im Krankenhaus in Brietz. Auch fein Befinde» ist zufriedenstellend.
Friedrichshafen-Danzig im Flugzeug.
Mainz, 15. Oktober. (Privat-Tele- g r amm.) Ter Pilot Erhardt von der Firma Flugzeugbau Friedrichshafen, der erst kürzlich durch einen Dauerflug über den Bodenfee hervortrat, startete heute nacht um halb ein Uhr in Friedrichshafen, um in einem Fluge nach D a n z i g sich um die »roßen Preise der Flug- spende zu bewerben. Um 10.15 Uhr passierte er mit feinem Wasserflugzeug in nur hundert Meter Höhe bei Nebel und Regen Mainz. Er hatte wegen dichten Nebels um vier Uhr in Mannheim eine Zwischenlandung vorgenom- men und um achteinhalb Uhr den Flug fortge- letzt.
Ein Unglück im Kalischacht.
Wiehe, 15. Oktober. (Draht-Meldung.) Auf dem Kalifchackt der Gesellschaft Reichskrone bei Lofla wurden beute früh der Zimmermann Paul Hecht aus Wiehe und der Beramann Schaumburg aus Ostramondra beim Zufammenbrnch einer Bühne getötet. Beide Verunglückten waren jung ver- heiratet.
Ein Serum gegen Pilzgifte?
Paris, 15. Oktober. (Draht-Mel- dnn g.) Der hiesige Chemiker Oliviero teilte in der gestrigen Sitzung der Gesellschaft für vergleichende Pathologie mit, daß es ihm gelungen fei, aus Hammelblut ein Serum zu gewinnen, durch das die Wirkung deS Giftes giftiger Pilze aufgehoben werde.
Im Flug über den Aermel-Kanal.
Paris, 15. Oktober. (Draht-Mel- düng.) Ter am Gordon-Bennett-Wettfliegen teilnehmende amerikanische Ballon „Goodyear" ist über den Aermelkanal geflogen und bei dem Hafen von Bridlington (Uorkshire) gelandet. Vorn österreichischen Ballon „Frankfurt", der gleichfalls dem Meere zugeflogen ist, traf bisher noch keine Nachricht ein.
MklMMMMlMW 12 Seiten.