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Caffeler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 265
Donnerstag, 16. Oktober 1913
Fernsprecher 951 und 952.
3. Jahrgang.
Fernsprecher 951 und 952.
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-LV.
Berlin und Gmunden. (Draht-Meldungen.)
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fische Regierung dulde, durch die der preußische, unter dem Schutz der Reichsverfaflung stehende Besitzstand gefährdet werden würde."
Welche Erklärungen und Garantien hat nun Prinz Ernst August gegeben, die die 1906 und 1907 gegebne Sach- und Rechtslage ändern, so daß eine Thronbesteigung eines Welfen- prinzen in Braunschweig nicht mehr mit den Grundprinzipien der Bündnisverträge und der Reichsverfassung unvereinbar ist? Er hat erklärt, was zu erklären er auch 1906 bereit war, nichts gegen den Besitzstand Preußens zu tun oder zu unterstützen. Er verweigert aber einen Verzicht auf Hannover, zu dem er neunzehnhundertsechs in bedingter Form bereit war, und er verweigert ferner eine Absage an die Welfenpartei. Die Sach- und Rechtslage hat sich also gegen damals nicht gebeffert, sondern verschlechtert. Trotzdem verlangt Preußen, verlangt der Kaiser, verlangt der deutsche Reichskanzler die Aufhebung der Bundesratsbeschlüsse von 1885 und 1907. Was sich wesentlich geändert hat, sind nur die persönlichen Beziehungen zwischen den Familien Hohen- zollern und Welf, die durch die Heirat der Kaisertochter mit dem letzten Welfenprinzen verschwägert sind. Wo sind also die „Garantien", von denen die offiziöse Kundgabe spricht, wo die „Erklärungen", die geeignet sein könnten, die in der deutschen Volksgesamthcit immer dringlicher sich regende Sorge zu schwichtigen? Mag sein, daß wirklich keine Hauspolitik und keine dynastischen Interessen die veränderte Stellungnahme der Regierung gegenüber der Welfenfrage bestimmen: Was wichtig und bedeutsam ist, bleibt indessen immer der Effekt der Dinge, nicht die Auffassung über das Wesen dieses Effekts. Und der Effekt der Versöhnung zwischen Welf und Zoller in der jetzt von der Regierung gewünschten Form ist nichts mehr und nichts weniger, als eine Verleugnung aller derjenigen Grundsätze, die Preußens und des Deutschen Reichs Stellungnahme zur Welsensrag« bis ... zur Ber-
Verfehlte Spekulationen DieselS.
München, 15. Oktober. (Telegramm un- sers Korrespondenten., Es bestätigt sich, daß Dr. Diesel seine Familie in größter Not zurück«elasfen hat und daß der wirt
schaftliche Zusammenbruch des Hauses unvermeidlich ist. Dr. Diesel hatte zwar aus der Verwertung seiner Erfindungen große Einnahmen, doch scheint ss, daß seine wirtschaftliche Lage durch umfangreiche Spekulati. o n e n, die mit einem Fehlschlag endeten, verschlechtert worden ist.
Sammelpunkt der Intelligenz
in Kunst und Wissenschaft, seine Gastlichkeit ließ auf großen Wohlstand schließen. Diesel hat es auch immer verstanden, mit dem technischen Wert seiner Maschinen auch den kaufmännischen auszuschöpfen, bis sich schließlich herausstellte, daß seine Mittel in unglücklichen Unternehmungen verbraucht waren. Ueber die Auffindung der Leiche Dr. Diesels sind aus Vlissingen noch folgende ausführliche Mitteilungen eingegangen: Die Leiche Dr. Diesels wurde am Sonnabend von einem Lotsenkutter ausgefunden. der in der Mündung der Osterschelde kreuzte, und an Bord gehoben. Da aber stürmisches Wetter war und die Lotsen keine Lust hatten, mit einer so schauerlichen Last im Sturme umherzukreuzen, senkten sie die Leiche, nachdem sie aus den Taschen alle Wertgegenstände hervorgesncht hatten, wieder über Bord. Nach der Ankunft in Vlissingen wurden die Gegenstände dem Strandvoqt übergeben, der sofort vermutete, daß es sich um die Leiche Dr. Diesels handeln könne, besonders da das bei der Leiche gefundene Portemonnaie die Münchener Adresse des Verschwundenen enthielt. Er benachrichtigte sofort den Sohn Dr. Diesels, der darauf in Vlissingen ankam. Das Porte- monnaie erkannte Diesel junior als das seines Vaters. Auf die Auffindung der wieder ins Meer geworfenen Leiche wurde eine große Belohnung ausgesetzt. Rach einem bei der Augsburger Maschinenfabrik eingegangenen, aber bei der Familie noch nicht bestätigtem Telegramm aus Rotterdam soll die Leiche auch bereits geborgen sein.
Preußens Antrag im Bundesrat.
Wie uns aus Berlin berichtet wird, ist die Welfenfrage jetzt soweit gellärt, daß dem preußischen Staatsminifterium in seiner nächsten Sitzung ei» formulierter Antrag vorgclegt wird, der dann sofort an den Bundesrat weitergegeben werden soll. Die entscheidende Sitzung wird voraussichtlich am 24. oder 25. Oktober stattfinden. Offiziös wird Wert darauf gelegt, noch einmal festzustellen, daß Prinz Ernst August unmittelbar nach seiner Thronbesteigung in einer Proklamation noch einmal ein klares Bekenntnis zur Reichsverfaflung abgeben wird,
wegen des Parteiprogramms fragten. Für die Entgleisungen der Führer ist der Herzog nicht verantwortlich zu machen. Jedenfalls ist heute ttde Mißstimmung zwischen Gmunden und Berlin ausgeglichen, und der Kaiser wird nach Erledigung der Dhronfolgefrage seinen Besuch in Gmunden abstatten. Es ist wahrscheinlich, daß dieser Besuch noch im Spätherbst dieses Jahres erfolgen wird.
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Gmunden, 15. Oktober.
In Gmunden wird mit Bestimmtheit nach dem Eintreffen des Prinzen der Beschluß des Bundesrates erwartet, daß der Thron Braunschweigs für den Prinzen frei sei, da es sich bei der jetzigen Besprechung des Prinzen um das letzte Ergebnis von Beratungen unter den Bundesfürsten handelte, wegen welcher auch jüngst der deutsche Reichskanzler mit dem Geheimen Rate des Herzogs von Cumberland in München zusammen- iraf. Ueber das Zustandekommen der ganzen braunschweigischen Frage wird hier folgendes bekannt: Eine Thronfolge des Prinzen Ernst August in Braunschweig war von den beteiligten Kreisen schon von Anfang an bei seiner Verlobung in Erwägung gezogen worden. eine Verzichtleistung des Prinzen und des Herzogs auf Hannover war jedoch nicht vorgesehen. Die Haltung der deutschen Presse gegenüber dem Vorgehen der Welfen in Hannover hat aber eine Veränderung der Situation gebracht, namentlich soll den Reichskanzler der Vorwurf sehr getroffen haben, daß unter seinen Vorgängern diese Entwickelung der
braunschweigischen Frage unmöglich gewesen wäre, jedenfalls aber ist durch den Einfluß der Presse der Versuch vom Reichskanzler und Kaiser gemacht worden, bindendere Erklärungen in der Frage, resp. den Verzicht des Prinzen zu erhalten. In dieser Hinsicht wurden neuerliche Verhandlungen gepflogen, die mit dem Schluß enden werden, daß eine nochmalige Erklärung des Prinzen erfolgen wird. Den Welfen sollen andererseits vom Herzog von Cumberland nicht jene Zugeständnisse gemacht worden sein, die sie gewünscht hatten. Daß am Gmundencr Hofe eine Verstimmung bestand, weil der Deutsche Kaiser solange seinen Gegenbesuch hinausgeschoben batte, ist richttg. Um ht dieser Hinsicht gerecht zu werden, muß bedacht sein, daß der Herzog von Cumberland nicht anders konnte, als die Parteiführer zu empfangen, die
Sie Tragödie der Genier.
Dr. Diesels Tod und Ruin.
Das geheimnisvolle Ende des genialen Erfinders Dr. Diesel wird allmählich des Dunkels entkleidet, das bisher die Tragödie Diesel wie mit einem Rätselschleier überdeckte. Wie wir schon mitgeteilt haben, ist inzwischen die Leiche Dr. Diesels gefunden, aber wieder ins Meer versentt worden. Gleichzeitig wird aber bekannt, daß der Erfinder in letzter Zeit sich in einer schweren wirtschaftlichen Notlage befunden hat, und daß möglicherweise zwischen dieser Tatsache und dem tragischen Ende Diesels ursächliche Zusammenhänge bestehen. Wir erhalten darüber kol- gende Nachrichten:
Am Schauplatz der Katastrophe.
Wie weitere Depeschen aus Cardiff berichten, brach das Feuer in der Universal-Grube bereits in der Nacht zum Dienstag aus und verbreitete sich mit derartiger Schnelligkeit, daß schleunigst in den ganzen Distrikt Notsignale nach Feuerlöschapparaten hinausgesandr wurden. Die Cardiffer Post sandte auch fünszig Mann mit Extrazug, und andere Rettungsab» teilungen trasen nach und nach aus allen Richtungen ein. Alle Aerztr in der NachbarschaL
Cardiff, 15. Oktober.
Gestern nachmittag erließ der Oberminen- Jnspektor der Regierung von Süd-Wales folgende Bekanntmachung: „Alle Leute auf der Ostseite der Universal-Grube, vierhundertneunundachtzig an der Zahl, sind zu Tage gefördert. Bierhundertachtzehn Mann befinden sich noch in den Gänge« innerhalb des Feuers auf der Westseite. Das Feuer befindet sich im Einholungslichtwege. Alles, was möglich ist, wird zu seiner Bekämpfung getan. Wir hegen bis zuletzt Hoffnung ...!" Die Hügel um Senghenydd sind schwarz von den Tausenden von Menschen, die gespannt die atemraubenden Szenen um den Eingang zu dem Unglücksschacht beobachten. Die RettungSkorps fahren unermüdlich fort, das rasende Feuer in dem Schacht zu bekämpfen. Trotz ihres Heldenmutes fürchtet man jedoch, daß von den ein- geschloflenen vierhundertachtzehn Bergleuten schwerlich jemand gerettet werden kann. Bis gestern nachmittag hatte man außer 511 Lebenden eine Anzahl Leichen und Schwerverletzter an die Oberfläche gefördert. Ueber die Ursache der Explosion ist noch nichts bekannt. Man bekämpft das Feuer mit Wasser und mit einer großen Anzahl von Handlöschern. Biele Rettungsabteilungen von den umliegenden Belegschaften sind an der Unglücksstätte eingettoffen.
Sie ßardiff Katastrophe. Verhängnisvolle Explosion im Kohlenbergwerk Universal bei Cardiff; siebenhundert Bergleute verschüttet; vierhundert Opfer k
Der englische Bergbau ist von einer neuen, schweren Katastrophe betroffen worden, die in ihrer Furchtbarkeit an di« größten früheren Bergunglücke erinnert. Vorläufig gibt der Draht die Zahl der Opfer auf rund hundertfünfzig an, aber es besieht kein Zweifel, daß sich diese Ziffer noch erhöhen dürfte. Das neue schwere Unglück, das über so viel Familien Trauer und Kummer bringt, wird überall die herzlichste Teilnahme an dem Lose der so schwer Betroffenen wecken. Die Katastrophe ereignete sich gestern vormittag im Kohlenbergwerk Universal bei Cardiff, als etwa siebenhundert Arbeiter sich im Schacht befanden. Ueber die Einzelheiten des furchtbaren Unglücks orientieren die nachfolgenden Draht-Meldungen:
Vierhundertachtzehn Opfer.
(Prtvat-Telegramm.)
Cardiff, 15. Oktober.
Nach den neuesten Feststellungen befanden sich zur Zeit der Explosion 931 Bergleute in den Schächten der Universal-Grube. Bis zum Nachmittag waren 511 Bergleute gerettet. Um acht Uhr abends wüteft das Feuer noch ungehemmt. 434 Bergleute fehlten beim Aufrufe. Das Feuer befindet sich zwischen den Leuten und dem Schacht. Der Chef der Bergwerksinspektion sagte, daß eine Rettung unmög. lich sei, bevor das Feuer gelöscht wäre. Durch die Erplosion in der Grube war das Ma- fchinenhaus, daS am Schachteingange liegt, in Stücke gesprengt. Einem zwanzig Meter entfernt stehenden Manne wurde der K o p s abgerissen. Ter Donner der Explosion weckte die gesamte Nachbarschaft aus dem Schlafe, und Hunderte von Angehörigen und Freunden der eingeschloffenen Opfer strömten zum Schachteingang, wo sich h e r z z e r e i - ßende Szenen abspielten. Ein Rcttungs- korps stieg sofort in den Schacht und begann das Rettungswerk. Um zehn Uhr hatte man 327 Mann lebend gefördert und sechs Leichen geborgen. Vierhundertachtzehn Mann find noch eingeschlossen. Die Rettungs. arbeiten werden zwar energisch fortgesetzt, doch besagen die letzten Nachrichten, daß so gut wie alle Hoffnung a u f g e g e b e n ist, die noch eingeschloffenen 418 Bergleute zu retten.
Alle Hoffnung anfgegeben?
(Privat-Telegramm.)
Erne Million Schulden?
(Draht-Meldungen.)
München, 15. Oktober.
Gestern nachmittag fand hier eine Versammlung der Gläubiger des verstorbenen Dr. Diesel statt, die sich darüber schlüssig zu machen hatte, ob über dessen Nachlaß der Konkurs zu eröffnen sei. Dem Bericht des Vertreters der bayerischen Treuhandgesellschaft war zu entnehmen, daß die Passiva ohne alle Ausfälle 500 000 bis 600 000 Mark, mit diesen aber etwa 1200 000 Mark befragen. Demgegenüber stehen als Aktiva led iglich die Miel einnahm en aus vierzehn Häusern, die jedoch durch die HWo- thekenzinsen völlig verschlungen werden.. Als wirkliche Aktiva kommt nur die Einrichtung des Privathauses des Verstorbenen in Betracht, die auf 50000 Mark geschätzt wird. Don allen Seiten wurde dringend abgeraten, den Konkursantrag zu stellen, da bei der gegenwärtigen schlechten Verwertungsmöglichkeit der Immobilien eine nennenswerte bunte für die Gläubiger nicht zu erwarten sei. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, den Konkurs zu vermeiden und ein Gläubigerausschutz von fünf Personen gewählt Er soll In absehbarer Zeit einer Versammlung einen neuen Status vorlegen. Dr. Diesel galt bis zu seinem Verschwinden als ein sehr reicher Mann. Er hatte wohl in den ersten Jahren, ehe seine Erfindung sich durchgerungen hatte, zu kämpfen; aber von dem Augenblick an, wo der Dieselmotor in die Industrie eindrang, waren die finanziellen Nöte vorbei. Er wohnte in München in seiner eigenen Villa, einem der prächtigsten Häuser der bayrischen Hauptstadt, dessen Erbauung etwa eine Million Mark gekostet hat. Sein Heim war der
Dynastische Politik?
Eine Regierungs-Erklärung in der Welfen- frager Offiziöses, Dynastisches u. Wirkliches.
Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung veröffentlicht zur Welfenfrage folgende offiziöse Erklärung: In einem Artikel des Hannoverschen Courier wird die bevorstehende Erledigung der braunschweigischen Thronfolge als ein politisches Opfer, das dynastischen Rücksichten gebracht werde, scharf getadelt. Weil des Kaisers Tochter den letzten Welfensproffen zum Ge- nahl erkoren, gehe man über wichtige Reichsintereffen hinweg und treibe Hauspolitik. Der darin liegende Vorwurf gegen Se. Majestät den Kaiser und König kann nicht scharf genug zurückgewiefen werden. Mögen auch die Ansichten über die Bedingungen für die Thronbesteigung des Prinzen Ernst August in Braunschweig noch auseinandergehen, fest steht jedenfalls, daß für die Haltung des Soifers und feiner Regierung nicht die Heirat der Kaifcrtochter und dynastifche Haus- intereffen, sondern die von dem Prinzen vor feiner Verlobung und Hochzeit mit Zustimmung feines Baiers abgegebenen Erklärungen und daitzft für die Zukunft des Reiches und Preußens geleisteten Garantien entscheidend waren. Ossiziosus spricht von „Erklärungen", me „Garantien" darstellen sollen. Worin liegen nun diese „Garantien" ? Ein Rückblick auf di^ Vorgeschichte der Welfenfrage zeigt uns ein Bild klarer Tatsachen, von denen auch nicht eine einzige der neuesten Regierungs-Erklä- sr. rung als Stütze dienen kann. Rekapitulieren s wir: Vor sieben Jahren (neunzehnhundertsechs) war Prinz E r n st A u g u st bereit, viel weitergehende Erklärungen abzugeben, als er jetzt abgegeben hat; er war zu einem ausdrücklichen Verzicht auf Hannover fiir sich und feine Nachkommen bereit, der nur dann wieder aufgehoben werden sollte, wenn die ältere, durch den Herzog von Cumberland und den Prinzen Georg Wilhelm repräsentierte Linie des Weifenhauses aussterbe. Trotzdem erklärte der Bundesrat am achtundzwanzigsten Februar 1907 einstimmig (bei Stimmenthaltung - Braunschweigs), die Regierung eines Mitglieds des herzoglichen Hauses in Braunschweig sei mit den Grundprinzipien der Reichsverfassung nicht vereinbar, so lange der Herzog von Cumberland oder ein Mitglied seines Hauses sich in einem dem reichsverfassungsmäßig gewährleisteten Frieden v- unter den Bundesmitgliedern widerstreitenden Verhältnis zu dem Bundesstaat Preußen befinde und Ansprüche auf Gebietsteile dieses Bundesstaats geltend mache. Der Kaiser selbst hat dem Herzog von Cumberland im Jahre 1906 aus Routiniert (am sechsten Oktober) geschrieben: „Als berufner Hüter der Interessen des Reichs muß ich . Anstand nehmen, zur Neuregelung die Hand zu bieten, solange die Sach- und Rechtslage, die zum gedachten Bundesratsbeschluß (vom zweiten Juli 1885) geführt hat, unverändert | fortbesteht."
Und am siebenten Oktober 1906 schrieb der deutsche Reichskanzler Für st von Bülow an de« Herzog von Cumberland: „Die Gesichts- puntte, nach welchen ich als Reichskanzler wie als preußischer Minister des Auswärtigen pflichtmäßig die braunschweigische Frage zu behandeln habe, sind in zwei in dieser Eigenschaft von mir mit Genehmigung Seiner Majestät des Kaisers an die Herzoglich braunschweigische Regierung gerichteten, inzwischen der Oeffenilichkeit übergebenen Schreiben dargelegt. Von dem in diesem Schreiben eingenommenen Standpunkte aus glaube ich in Eurer Königlichen Hoheit Vorschlag eine für b i e Reichsinteressen annehmbare Lösung nicht erblicken zu können." In dem hier angeführten Schreiben des Reichskanzlers an die braunschweigische Regierung heißt es: „Daß die in dem Bundesrats- beschlufle vom zweiten Juli 1885 ausgestellten Gründe, aus denen damals die Regierung des Herzogs von Cumberland für nicht verein- bar eillärt worden ist mit den Grundprinzipien der Bündnisverträge und der Reichsver- faffung. nach der Ueberzeugung der Königlichen Staatsregierung noch heute Geltung haben. Auch bestehen noch immer, und zwar unter mindestens stillschweigender Duldung des Herzogs, welfische Bestrebungen, die sich in ihrem Endziele auf die preußische Provinz Hannover erstrecken. Es kann Preußen nicht zugemutet werden, daß eS in dem benachbarten Bundesstaate eine wel-