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Msseler Neueste Nachrichtkll

Casseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Rümmer 262

Fernsprecher 951 und 952.

SormLag^ 12. Oktober 1913

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

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Langs -Irgisn.

Ein Blick in den Spiegel modernster Kul­tur: DerTango" regiert die Stunde!

.....Ter Tango hat bereits tief in das gesell- schastliche UnterhaliungSleben der Weltstädte, vor allem von Paris eingegriffen. Der Five oclock lea mußte seinen Ruhm und seine Veliebthett an den Tango-Tee abtreten: in den VariötSs und Kabaretts spielt er die Hauptrolle; der Tanzlehrer, der ihn seinen Schülern nicht beibringen kann, verliert fein Brot; Paris hat seinen alten, ehrlichen Namen verloren und heißt neuerdingsTcngo-Ville", und nunmehr greift dieser Tanz auch in die Mode über." (ZeitnngS-Notiz.)

Diese Zeilen standen, zwischen Schiller- und Verdi-Erinnerungen, Diesel-Nekrologen und glitzernden Aphorismen über das Nichts des Seins, an einem der letzten Tage im Feuilleton eines Blattes, das Anspruch darauf erhebt, ein Bannerträger öffentlicher Meinung im Laitt- bereich deutscher Zunge zu sein. Der Tango regiert die Stunde: Er verdrängt das hyper­ästhetische, schlecht importierte Five oclock- Jdyll, stürzt erbarmungslos die Götzenbilder derletzten Mode", begeistert Kabarettisten, Tanzlehrer und Poiret-Epigonen zu den ver­wegensten Ausschweifungen einer krankhaft-emp- sindenden Phantasie, rüttelt an den ehernen Fundamenten der alt-pariser Tradition, wan­delt das Seine-Babel zur Tango-Stadt und ist eben dabei, den Königen der Mode tyrannisch seinen Willen zu diktieren. Der Tango! Was bedeutet diesem Problem, dieser aktuellsten Kul­tur- und Gesellschaftsfrage gegenüber der Kampf um Heinrichs des Löwen Thron, was besagt angesichts der aus irrem Wahn zum Licht drängendeKreation" der allerneuesten Modelaune Poincaree's historische Fahrt zum Lande der Citronen? Wer denkt noch an das aus schwelenden Dämpfen wilder Leidenschaf­ten drohend emporsteigende Gespenst eines neu­en Balkan-Völkerdramas, wer sorgt sich um Wehrbeitrag und nationale Kultur-Aufgaben? Wer kann auch nur für eines Augenblicks flücht'- ge Dauer in andächt'ger Erinnerung bei der Menschengröße vergangner Zeit verweilen, de­ren hundertster Jahrestag sacht aus dem Okto­bernebel heraufdämmert? Wer kann noch fühlen, empfinden und denken, wie Jene gedacht, die den deutschen Völkerfrühling schufen, wenn über das öde Blachfeld dekadenter Gesellschafts- Kultur der Tango schwebt, in groteskem Rhythmus Herzen und Sinne in tolle Erregung peitscht und die Urinstinkte des Allzu-Mensch- lichen in brutaler Natürlichkeit zu häßlichem Leben weckt?

In den Verbrecherhöhlen von Bue­nos Aires war's, wo ein findiger Späher den Tangoentdeckte". In den Schlupfwinkeln des Lasters und der gemeinsten Sünden. Dort, wo die Bestie im Menschen sich bar aller Hüllen der Kultur und Sitte offenbart, wo die Uran­fänge menschlichen Empfindens sich in ihren dunkelsten Ahnungen regen, wo der Mensch Barbar und das Leben ein Kampf wider und um das Leben ist, wo brutalste Gewalt, gelenkt vom tierischen Instinkt der Selbsterhaltung, alle andern Regungen tyrannisch unterdrückt, wo Verbrechen ein Heldenstück, Mord eine Sieger­tat ist: Dort sproß der Keim zur neuesten Sensation unsrer gesellschaftlichen Kultur, dort gedieh zur Frucht, was unsre Tonangebenden jetzt in heißer Inbrunst und naiver Andacht als letzte Göttergabe der Mode umjubeln! Jst's nicht Kultur-Schändung, nicht offenbare Ver­höhnung aller Ethik und Erkenntnis, daß reise, vom Raffinement ausschweisendsten Lebensge­nusses übersättigte Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts, Kinder einer Zeit, die der na­türlichen Daseinskraft längst entwöhnt ist, sich wie die Verbrecher von Buenos Aires gebär­den, das klägliche Restchen Lebenssaft im tau­sendfach präparierten, durch und durch entnerv­ten Körper den tollen Verrenkungen eines wahn­witzigen Barbarentanzes opfern, und glücklich sind, wenn die armselige Prozedur der Nerven­schwäche dierealistische Linie" gemein-brutaler Wirklichkeit fast erreicht? Ein Blick aufs Schick­sal der alten Römer lehrt uns, daß die Erschei­nung keine zufällige: Es sind Symptome des Niedergangs, die sich darin offenbaren, deutliche Kennzeichen einer Zeit kultureller De- kadence, deren hysterischer SchreiZurück zur Natur!" im wilden Gekreisch der Tango-Musik verhallt! Von den Apachen im dunkelsten Paris entlieh die Kultur des zwanzigsten Säkulums die gewalttätige Auspeitschung schwindender Le­bensenergie durch den Nervenkitzel widriger Gliederverrenkung; von den Verbrechern in Buenos Aires entleiht sie nun, als dernier cri, den Tango! Ihr Wurzelboden ist die Höhle des Lasters, ihr produktives Hirn die düstre Vorstellungswelt des Verbrechettums gewor­den, und damit ist schon gesagt, welche Ideale ihr winken.

F. H.

fruchten. . .!

Dreimachte-Bund im Mittelmeer?

Paris, 11. Oktober. (Privat-Tele- gramm.) Ueber die ftanzösisch-spanischen Beziehungen nach dem Besuch des Präsiden­ten P o i n c a r e e in Madrid urteilt der Excelsior: Zu dem vom König und dem Prä­sidenten in Anwesenheit eines der größten eng-

Sie Krone von Nahem. Prinzregent oder König von Bayern? (Von unferm Korrespondenten.)

München, 11. Oktober.

29 675 Stimmen gewählt. Auf den konser­vativen Kandidaten entfielen 14201 und auf den fortschrittlichen 10 608 Stimmen. Die Kon­servativen haben an Stimmenzahl z u g e - nommen, die beiden anderen verloren an Stimmen. Die Wahlbeteiligung war allge­mein schwächer als bei der Hauptwahl. Bei der Hauptwahl wurden 31640 sozialdemokra­tische Stimmen, 13893 für die Reformpartei, 12363 freisinnige und 319 Zentrums-Stimmen abgegeben.

Dieser Zeitpunkt scheint jetzt, nach kaum neun Monaten, gekommen zu sein. Der Anstoß kam diesmal von oben: Die Re­gierung gab den Wunsch nach einer E r- höhung der Zivilliste zu erkennen. Daraus ergab sich von selber eine neue Diskussion über die Möglichkeit der Er­höhung des Prinzregenten zum König. Die Schwierigkeiten, die sich entgegenstellen, sind eigentlich nur formaler Art. Denn in der Sache ist man sich in ganz Bayern darüber einig, daß der gegenwärtige Zustand reformbe­dürftig ist. Nur über die Wege herrscht Un­klarheit. Die Hüter der Staatsweisheit ftreiten sich darüber, ob das Parlament oder der P r i n z r e g e n t dieentscheidende Tat" voll­ziehen soll. Es gehört auf alle Fälle eine Ver- faffungsänderung dazu, und Das ist es, was die große Mehrheit des bayrischen Parlamentes zu Bedenken führt. Eine gesetzgeberische Ak­tion des Landtags in dieser Angelegenheit würde die Imponderabilien des Gottesgnaden- tums des Königs verletzen. Wenigstens möch­ten Konservative und Zentrum soweit nicht ge­ben, daß sie dem Landtag das Recht einräumen, Könige absetzen und einzusetzen. Die Libera­len stehen freilich mit Recht auf dem Stand­punkt, daß der Landtag nicht ausgeschaltet iverden darf und sie bekämpfen den Vorschlag der Zentrumspresse, daß der Prinzregent ganz allein aus sich die Initiative ergreifen soll.

Die Liberalen dürfen sich de« Genug­tuung freuen, daß der Prinzregent selbst auf ihrer Seite steht. Denn wie aus sicherer Quelle verlautet, würde der Prinzregent niemals eine Lösung gut heißen, die alle Verantwortung auf ihn allein legt. Das würde auch seinen Eid belasten, den er seinerzeit bei der Re- gentfchaftS. llebernahme geleistet hat.

In diesem Eide heißt es nämlich, daß sich der Prinzregent verpflichtet,die Rechte der Krone zu erhalten und dem König die Ge­walt, deren Ausübung ihm anvertraut ist, getreu zu übergeben." Dieser Eid ist der Volksvertretung geleistet worden: Nur sie allein könnte also den Prinzregenten von seinen Verpflichtungen wieder befreien. Nun macht die Münchener liberale Presse einen sehr gangbar erscheinenden Vorschlag: Sie hält keine Verfassungsänderung des Landtages für not­wendig, sondern regt an, daß die Volksvertre­tung an den Regenten nur eine Adresse rich­ten solle, in der der Wunsch des Landes aus­gesprochen wird, daß er die Krone übernehme. Eine solche Adresse würde den Regenten wegen seines Eides saldieren und ihm dann die Mög­lichkeit geben, sich auf Grund einer parla­mentarischen Aktion selber als König zu erklären. Regent und Nation kämen auf diese Weise beide zu ihrem vollen Rechte und es scheint also wohl möglich, daß man sich auch auf diesem Wege einigen wird und daß der Prinzregent bald wird zeichnen können: Lud­wig, König von Bayern. . .!

Reichstags-Ersatzwahl in Dresden.

Der Sozialdemokrat Buck gewählt!

Dresden. 11. Oktober. (Privat-Trle- gramm.) Bei der heutigen Reichstags-Ersatz­wahl im Wahlkreise Sachsen IV (Dresden- Neustadt) für den verstorbenen sozialdemokra­tischen ReichstagSabgeordneten Kaden wurde der sozialdemokratische Stadtverordnete, Ar­beitersekretär Wilhelm Buck mit

Auf dem grünen Rasen von Baden-Baden begann's. Ein paar Lebekinder, von der Lange­weile öden Müßiggangs geplagt, produzierten sich unterm sommerlichen Himmelsdach als Imi­tatoren argentinischer Verbrecher-Lebensfreude; lüsterne Spekulation erkannte die Möglichkeit eines großen Coups: Tango-Wettbewerbe wur­den arrangiert, Preise für die besten Amateure ausgesetzt und im Handumdrehen eine neue Sensation" geschaffen. Die Rennbahn in Iffez­heim verödete, in den Kursälen stöhnten nur noch die Märtyrer der Lebensfreude, in den Ko­lonnaden trauerte die Einsamkeit und Baden- Baden schien über Nacht in eine Dornröschen- Stadt verwandelt: Der Tango schwang sein Szepter! Im Salon und im Klub, in der Kneipe und im Budoir:Tango!" hieß die Pa­role. Und nun sind wir glücklich so weit, daß selbst dieMode von heute" sich der aus den qualmigen Kaschemmen von Buenos Aires im­portiertenNatur-Kunst" anpaßt, demTango- Kleid" rauschenden Triumph sichert und dem Müßiggang neue Lebens-Energien extrahiert. Selbst das geheiligte Five o'eloclc-Jdyll, das unsere Gesellschaft mit so viel Hingabe und An­dacht und mit so wenig ästhetischer Grazie ge­hegt: Es verkümmert im ohrbetäubenden Lärm der Tango-Melodien, geht unter im rauschenden Gewoge der Buenos Aires-Orgien und hinter-' läßt als Erinnerung nur das Andenken an jene limonadenhaft verwässerte Romantik, die die Aesthetik in Teeschälchen zu bannen versuchte. Vielleicht darf man darin sogar einen Trost er­blicken: Die Schöpfungen unserer gesellschaftli­chen Mode, in denen man den Abglanz moder­ner Kultur belächelt, kommen und gehen wie Operetten-Melodien; sie kommen, weil die Extravaganz nach immer neuen Formen raffi­niertester Lebenskünstelung drängt, und sie ge­hen, weil sie, bar allen inner» Werts, an sich sel­ber sterben. Es ist die Tragödie unsrer Zeit, die sich in diesem etogcn Wechsel spie­gelt: Die Tragödie einer Zeit der Eutnervung und der Schwäche, die durch unnatürliche At­traktionen schwindendes Leben in einen kurzen Fiebertraum ekstatischer Daseinssreude zu Peit­schen sucht. Der Tango regiert die Stunde! Er herrscht unumschränkt und feiert, ein Weltbe­zwinger, Sieger-Triumphe. Morgen wird der Rausch verflogen fein, und nach den Verbrechern von Buenos Aires werden dann (vielleicht) die Kannibalen von Dahomey unsre Kultur be-

LosM-RomaM.

FrauEnrieoToselliundderfächsische Königs« Hof; die OperetteDie bizarre Prinzessin"« Ein Privat.Telegramm meldet««« ans Rom: Die frühereKronprinzesfi«L«ife von Sachfen, jetzige Frau Snrieo Toselli, hat eine Klage gegen den Aeransgeber der OperetteDie bizarre Prinzessin"ein» gereicht, da fie nicht die Verfasserin de« Stückes fei und fie durch die Veröffentlichung«« über ihre Autorschaft am Libretto der Operette große llnannehmrichkeiten erfahren habe. FrauToselli beantragt sowohl ekneDerurteilnng desAeraus- gebers, als auch entsprechenden Schadenersatz.

Die angebliche Operetten - Dichtung der früheren Kronprinzessin von Sachsen hat (wie uns aus Dresden berichtet wird) am sächsischen Königshof allgemeines und pein­liches Aufsehen erregt. Als im vorigen Jahre dieLebenserinnerungen" der Gräfin Montignoso im Buchhandel erschienen und

Ueber Nacht ist das Königs-Problem in ganz Bayern wieder lebendig geworden. Die Bayern wollen wieder einen König sehen, und die Wünsche des Volkes begegnen sich wohl auch mit denen desKönigskandidaten", des Prinzregenten Ludwig, selbst, der eine sehr energische und tatkräftige Herrscherpersönlichkeit ist, bei der der Widerspruch zwischen der vollen Ausübung der Herrscher - Pflichten und dem Fehlen der Herrscher - Würde doppelt fühlbar wird. Run weiß man ja, daß nach dem Tode des Prinzregenten Luitpold nur noch we­nig daran fehlte, daß Bayern schon damals wiederum einen regierenden König erhalten hätte. Bis im letzten Augenblick sich eine Ge­genströmung in der mächtigen Zentrumspartei entfaltete, die allerlei unliehsame Folgen hatte und die den Prinzregenten so verstimmte, daß er ganz von selber die ganze Angelegenheit ad acta legte, allerdings mit einer offiziösen Erklärung, aus der deutlich hervorging. daß sie später von neuem wieder aufgegriffen wer­den sollte.

lischen Schiffe an den englischen Monarchen ge­richteten Telegramm muß bemerkt werden: Es ist die wahre AusspracheeinerMittel- m e e r - Triple-Entente, die, wenn sie auch nicht in den diplomatischen Akten niedergeschrieben ist, dennoch nicht weniger Stärke und Ansehen hat.

das Buch auch in Sachsen käuflich zu haben war, hatte man dem König nahegelegt, den Vertrieb des Buches, das unzweifelhaft starke Angriffe auf die sächsische Königsfamilie ent­hält, in Sachsen zu verbieten. König Frie­drich A u g n st ging indessen auf diesen ihm von nahestehender Seite gemachten Vorschlag nicht ein, sondern meinte, der gesunde Sinn seines Sachsenvolks werde das Machwerk der Gräfin Montignoso schon richtig einschätzen und Wahrheit und Dichtung von einander zu unterscheiden wissen. Und der König hatte Recht: Das mit großer Reklame angekündigte Buch verfehlte den beabsichtigten Zweck. Es wurde nur in vereinzelten Exemplaren gekauft und als es sogar in den Warenhäusern der sächsischen Residenz ftir wenige Pfennige an- geboten wurde, fand es keine Abnehmer. Frau Toselli hat auch in einem Briefe, den sie an eine Dresdener Freundin, die Tochter eines Kommerzienrates in Blasewitz, richtete, ihrem Unmut über den Undank ihrerlieben Dresdener" Ausdruck gegeben. Inzwischen ist nun das Buch der Vergessenheit anhefingefal- len. Am Dresdener Hofe ist aber das Verhal­ten der Frau Toselli stark gemißbilligt worden. Man bat zwar von, weiteren Schritten abge­sehen, der Verfasserin aber deutlich zu Gemüt« geführt, daß man in Zukunft nicht so glimpf­lich mit ihr vetfahren werde. Di« Ankündi­gung der Operette

Die bizarre Prinzessin"

wird nun, wie von dem Hofe nahestehender Sette verlautet, dem Königlichen Hausminister von Metzsch Gelegenheit geben, nunmehr von den Bestimmungen des zwischen der damali­gen Gräfin Montignoso und dem sächsischen Hofe derzett abgeschlossenen Vertrages Gebrauch zu machen. Dieser Vertrag sickerte der Frau Toselli bei der Uebergabe der Prin­zessin Anna Pia Moniea eine lebensläng­liche Rente, die jedoch, falls Frau Toselli irgend welche Schritte gegen den sächsischen Hof unternehmen sollte, in Wegfall kommen soll. Hausminister von Metzsch, der Bevoll- mächttgte des Königs Friedrich August in der Angelegenhett der Gräfin Moutignofo, hält nunmehr den Augenblick für gekommen, ener­gisch gegen Frau Toselli vorzugehen. Er Hai dem König in einer umfangreichen Akte Be­richt erstattet und Vorschläge unterbreitet, die dahin gehen, der Frau Toselli die ganze Rente und nicht einen Teilbetrag zu entziehen. Die Angelegenheit ist im Kreise der Könias- milie und im Beisein des Prinzen Max von Sachsen eingehend erörtert worden. Bestimmte Beschlüsse sind indessen, wie verlautet, noch nicht gefaßt worden, toeil es dem König wi-' der strebt, gegen seine geschiedene Gemah­lin überhaupt Schritte zu unternehmen. Wie in unterrichteten Kreisen in Dresden erzählt wird, soll der Unwille der Frau Toselli aus dem Grunde so große Dimensionen angenom­men haben, weil man ihr ein Wieder­sehen mit ihrer jüngsten Tochter, der Prinzessin Anna Pia Monika, rundweg abqe» chlageu hat.

*

Afrikanische Prinzen Märchen.

Ein Zollernprinz als Johann Mayer?

Tas Grazer Tageblatt veröffentlicht einen Brief eines jetzt in Paris lebenden Oester- reichers, der in der Fremdenlegion ge­dient hat, in dem die Behauptung aufgestellt wird, daß in Saida ein Mann unter dem Na­men Johann Mayer in der Stammrolle als Legionär geführt werde, der in Wirklichkeit PrinzAlbertFriedrichvon H o hen- z o l l e r n sei, den eine unglückliche Leiden- 'cha'r zu einer Schauspielerin in die Legion getrieben habe. Er wurde dadurch erkannt, daß ein deutscher Detektiv auf der Suche nach einem

Sie Katthagem-Sntente.

Keine Allianz: Nur Interessengemeinschaft!

(Privat-Telegram m.)

Paris, 11. Oktober.

Die Unterredungen in Karthagena zwischen König Alfons und Präsident Poinea- r e e einerseits und dem Grafen Romanones und Pichon andererseits bildeten die Fortset­zung der bereits in Paris angeknüpften Ver­handlungen. Sie haben nicht mit einer offizi­ellen Allianee geendet, haben aber zu einem Uebereinkommen geführt, dessen Haupt­punkte folgende sind:

I. Finanzielle Hilfe Frankreichs ftir Spanien, derart, daß Spanien in Frank­reich Anleihen zu günstigen Bedingungen aufnehmen kann.

II. Politisches Zusammengehen in Marokko. Die Truppen beider Länder in Afrika werden parallel Aktionen unterneh­men, um in dieser Weise das Ziel der Pazi­fizierung Nordafrikas zu vollenden.

III. Garantierung der Neutralität der spanischen Grenze, so, daß Frankreich in gewissen Fällen die spanische Grenze von französischen Truppen entblößen kann. Diese Integrität erstreckt sich auch auf die kanari­schen Inseln und die Baliaren und wird ebenfalls durch England und Rußland gesichert.

IV. Im Falle einer europäischen Inter­vention in Portugal gemeinsames Handeln der spanischen und der französischen Regie­rung.

Diese Bestimmungen des Uebereinkommens werden im einzelnen noch genauer ausgearbei­tet werden. Die Bestimmung über die ge­meinsame Aktion in Marokko tritt jedoch sofort in Kraft. Wie der Pariser Kor­respondent des Daily Telegraph meldet, sind infolgedessen m-ilitärische Aktionen in allernächster Zeit zu erwarten.