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Caffeler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Nummer 259. Fernsprecher 951 und 952.
Donnerstag, 9. Oktober 1913.
Fernsprecher 951 und 952.
3. Jahrgang.
Herren ...!
F. H.
kandidat ist also gewählt. Bei der Haupt- Wahl im Vorjahr erhielt Dr. Lender bei einer Wahlbeteilgung von 30 964 Wählern 15886 Szen 4200 liberale und 5217 sozialdemokrati- e Stimmen.
Krupp und Herr von Metzen.
Ein paar Worte der Erläuterung: Herr Wilhelm von Metzen, der die hier wiedergegebne Erklärung veröffentlicht, war Jahre hindurch der Berliner Filial-Leiter der Effener Kanonen-Firma. Als solcher erhielt er (nach eignem Eingeständnis) Kenntnis von den Umtrieben des Herrn Maximilan Brandt, der an der Spree als Krupps Repräsentant Aeugoffi- ziere bewirtete und in traulichem Beisammensein den Arglosen des Dienstes heiligste Geheimnisse entlockte. Herr von Metzen liest die „Kornwalzen", erkennt (als früherer Offizier), daß der Inhalt der vertraulichen Berichte sträfliche Entschleierung reichsdienstlicher Geheimnisse, und mahnt m Essen zur Beseitigung des Nebels und der daraus aufkeimenden Gefahr. Der Wink wird indessen (nach der Darstellung des am dreiundzwanzigsten Oktober in Moabit als Belastungszeuge wider Krupp auftretenden einstigen Krupp-Beamten) in Essen ungnädig ausgenommen; im Direktorium furchen sich die Stirnen und dem Mahner wird bedeutet, daß seiner Emsigkeit nützlichere Aufgaben harren: Die Kornwalzen walzen weiter! Als dann Karl Liebknecht mit siebzehn Brandt- schen Geheimberichten in der Brusttasche Herrn von Heeringen feine Aufwartung macht, bricht das Unheil herein. Das Weitere ist bekannt. Wichtig in der Erklärung (oder besser: Enthüllung) Metzens sind folgende Punkte: Herr von Metzen will in Essen wiederholt und dringlich vor Brandt und dem Kornwalzen- Shstem gewarnt haben; erfolglos, wie er sagt.
Herr von Metze»
spricht mit bestimmter Betonung von einem Zufall, der die Oeffentlichkeit „n u r über den Fall Brandt" aufgeklärt habe. Soll Das heißen, daß außer der Brandt-Eccius- und der Tilian- und Kompagnie-Affäre noch andre Vorgänge das Konto Krupp belasten, von denen bisher in der Oeffentlichkeit nichts bekannt geworden? Es scheint so, denn der Hinweis auf den dreiundzwanzigsten Oktobertag, an dem „sich man- ches aufklären werde", und der Passus in dem Schriftsatz des Rechtsanwalts Dr. Bell, „daß die Dinge in Berlin nicht das Einzige gewesen sind, das der Kläger /Herr von Metzen) in den Diensten der Beklagten (der Firma Krupp) gesehen hat", sind deutliche Fingerzeige zu Befürchtungen, die weit über die Bedeutung des Falles Brandt-Eccius hinausreichen. Herr von Metzen ist von Krupp entlassen worden. Warum? Die Erklärung schweigt darüber, sagt nur, daß gegen den Rechtsanwalt Ulrich, der von „schweren Verfehlungen" Metzens gesprochen, Privatklage erhoben sei, und läßt die Frage offen, ob der Bruch zwischen Krupp und seinem Filial-Leiter durch Umstände verursacht worden ist, die direkt oder indirekt mit der Kornwalzcn-Affäre in Zusammenhang zu bringen sind. Eins in- dessen darf als feststehend gelten: Die Krupp- Affäre wächst nunmehr ins Maß des Skandals hinein und zeigt sich, wie recht wir hatten, als wir dieser Tage hier sagten, es sei Anlaß gegeben, dem Schauspiel in Moabit mit Sorgen und Bangen entgegenzu-
Reichstags Ersatzwahl in Rastatt.
Zentrumsfieg in Rastatt-Baden-Baden!
Karlsruhe, 8. Oktober. (Privat-Tele. g r a m m.) Für den verstorbenen Zentrumsabgeordneten Dr. Lender, der seit 1872 den badischen Reichstagswahlkreis Rastatt-Baden-Baden vertrat, fand gestern Ersatzwahl statt. Die Wahlbeteiligung war recht lebhaft. Es stimmten insgesamt 21759 Wähler ab. Für den Zentrumskandidaten Fabrikanten Neuhaus aus Schwetzingen wurden 13 999, für den Metz« germeister und Landwirt Unser (Nationallibc- ral) 3891 und für den Sozialdemokraten M ü
Man durchsuchte das Gebüsch und fand schließlich z w e i j u n g e L e ute, von denen einer aus einem Baum saß, während der andere im Begriff stand, zu flüchten. . An hiesiger maßgebender Stelle wird «Härt, daß die ganze mysteriöse Geschichte von Anfang bis zu Ende frei erfunden ist und sich kein Vorfall zugetragen hat, der irgendwie Veranlassung zu derartigen Meldungen hätte geben können.
ten spielte Herr von Metzen dem Abgeordneten Liebknecht in die Hände. . .!" Gegen Herrn Rechtsanwalt Ulrich ist wegen dieser schwer beleidigenden Aeußerungen die Prlvatklage eingereicht worden. Ich bin an der Lieferung der Kornwalzen an den Abgeordneten Liebknecht nicht beteiligt. Die Anzeige dieser Sache war für mich im Gegenteil ein schwerer Schlag, lieber die Tätigkeit Brandts war ich unter« r ich t e t. Darum hielt ich es für meine Pflicht, die Firma Krupp mündlich und schriftlich auf die meinem Gefühl nach unmöglichen Zu - stände, die in dem Militärprozeß zum Teil aufgedeckt worden sind, aufmerksam zu machen. Dies tat ich schonend und bescheiden, trotzdem wurden mein Mahnungen falsch ausgelegt, und man benutzte die Gelegenheit, um sich meiner zu entledigen. Im Termin am dreiundzwanzigsten Oktober wird sich manches aufflären.
l e r 4569 Stimmen abgegeben. Ter Zentn'.U'.s- ibarer Räbe des Königs ist 'nen Baum.
Krupp und kein Ende!
Der Sauptbelastrrngszeuge im neuen Krupp- Prozeß ; Erklärungen des Herrn von Metzen.
Wir habe« bereits in unseren» Leitartikel „Kornwalzen.-Kehraus" darauf hingcwiesen, datz der am 23. Oktober in Moabit beginnende neue Krupp-Prozetz sein eigentliches Gepräge durch die Aussagen des früheren nrupp.Dearnten von Metzen erhalten wird, der als Belastungszeuge gegen Brandt unb Ereius auftritt. Herr von Metzen veröffent. licht soeben in der Presse eine Erklärung, die in mehr als einer Hinsicht charakteristisch und für die Beurteilung der Sachlage bedeutsam ist. In dieser Erklärung yeitzt es wörtlich: Als nationalgesinnter Mann wollte ich anfangs schweigen. Ich sagte mir, daß durch mein Hervortreten leicht einige Direktoren von Krupp fallen würden, und daß das in den Augen der Utteilslosen einer Verurteilung der Firma Krupp gleichgestellt werden könne. Dabei würde verkannt werden, daß durch die Maßnahmen einzelner die Firma nicht verächtlich gemacht werden kann, die ihre großen Verdienste sich erworben hat. Die nationale Forderung scheint mir eher zu sein, daß die Leitung eines großen Werkes, das zahlreiche Fäden mit den Behörden der Landesverteidigung verbinden, nicht in falsche Hände gerät. Leider ist es nicht nur der Fall Brandt, der das ausweist, wenn auch die öffentliche Mei- nung durch einen Zufall nur über diese Angelegenheit unterrichtet worden ist. Jedenfalls habe ich eingesehen, daß mein Schweigen zu allerhand Mißdeutungen Anlaß gegeben hat. Deshalb habe ich auf Drängen meiner Freunde, Verwandten und Bekannten mich ent« schlossen, niemanden mehr zu schonen. Bezeichnend dafür, wie gegen mich gearbeitet und Stimmung gemacht wurde, sind drei Episoden, die sich gelegentlich meiner Zivilklage beim Essener Landgericht gegen die Firma Krupp abgespielt haben. Wenige Tage vor dem ersten Verhandlungstermin im Juni legte mein Essener Anwalt, Herr Dr. Wallach TI, das Mandat nieder, wie er mir sagte, nach wiederholter Rücksprache mit seinem Bruder, Justiz rat Wallach, ber es ungern sehen würde, daß er die Klage vertrete, weil er (ber Bruber) gewisse Rücksichten zu nehmen habe. Es erging bann Versäumnisurteil, wie das nur natürlich war; wie hätte ich bei der Kürze der Zeit und der Schwierigkeit des juristischen Tatbestandes einen neuen Vertreter instruieren können. Dann übernahm Herr Dr. Bell- Essen meine Vertretung und überreichte nach Einlegung des Einspruchs einen längeren Schriftsatz, in dem sich die nachstehenden Äus- ffihrungen befanden:
D« Kläg« ist auch in b« Loge nachzuweisen, daß er schon vor dem zweiundzwan- zigsten Juni 1912 der Beklagten wiederholt mitgeteilt hat, daß er mit dem System, das in Berlin eingerichtet worden sei, nicht einverstanden fei, und daß er infolgedessen vor diesem System gewarnt hat. Ein näh«es Eingehen hierauf wird sich erübrige«, da der Beklagten (ber Firma) bie fraglichen Briefe be- könnt sind und sie die Behauptung des Klägers nicht bestreiten wird. Trotzdem hat die Beklagte das System in Berlin nicht gc- ändert. Der Klag«, der in d« Beklagten die erste Firma Deutschlands gesehen hat, mußte dah« annehmen, daß die Beklagte das System, obwohl sie auf diese Bedenken aufmerksam gemacht war, nichtfürgeschäft- lich unzulässig ansah. Es ist daneben weiter zu erwägen, datz die Dinge in Berlin nicht das einzige gewesen si n d, was der Kläger in den Diensten d« Beklagten gesehen hat und was bei ihm Bedenken ausgelöft hat, sondern daß noch eineganze ReiheandererDingeihm zur Kenntnis kam, die gleichfalls seine Bedenken erregten, die aber nach den Anschauungen der Firma zulässig sein mutzten.
Von diesem Schriftsatz erhielt auch (wie das m Essen üblich ist) die Firma Krupp eine Ko- . Pie. Andern Tages «schien ein Abgesandter don ihr bei Rechtsanwalt Bell und fragte ihn, ob er selbst der Verfasser wäre. Dr. Bell wies darauf hin, datz er ja seine Unterschrift darunter gesetzt habe. Darauf sagte der Herr: „Dann müssen wir unsere Konsequenzen daraus ziehen!" Ich muß auch annehmen, daß der Vorsitzende d« Kamm«, Landgerichtsdirekwr Dettmar, befangen war. Daß die gesamte Oeffentlichkeit in solch ungünstiger Weise gegen mich beeinflußt wurde, hat zum größten Teile seine Urfache in den unverantwortlichen Acußerun- < gen des Rechtsanwalts Ulrich zu Berlin in , seinem Schlußplaidoy« vor dem Kommandan- 1 turgericht, ber damals sagte: „Auf der einen : Seite steht Herr von Metzen, ber wegen schwerer Verfehlungen Plötzlich von Krupp | entlassen worben ist, unb der aus rein er- . presserische« Motiven eine Anzahl d« । Kornwalzen in Abschriften an sich genommen । unb für sich zurückbehalten hat, um die Firma Krupp in der Hand zu behalfen. Diese Abjchrif« 1
Sie Krone von Badern.
Prinzregent oder König von Bayern?
Bekanntlich sind seit dem Regierungswechsel ‘ in Bayern Bestrebungen im Gange, die die Umwandlung der Regentschaft in em 1 Königtum und die Proklamierung des Prinzregenten Ludwig zum König von Bayern zum Ziel haben. Kurz nach der Regierungsübernahme des neuen Prinzregenten hieß es zwar, diese Pläne feien fallen gelassen worben, boch steht es fest, daß noch in jüngster Zeit in der Angelegenheit Erwägungen gepflogen worben finb. Auf dem dieser Tage stattgehabten Parteitag der bayrischen Sozialisten hat ber Abgeordnete Adolf Müller ein geheimes Gutachten mitgeteilt, das der bayrischen Regierung in der Königsfrage auf ihr Ersuchen zugegangen ist. In diesem Gutachten heißt es:
Eine Königs-Proklamation ohne gesetzliche Grundlage würbe bei den beiden Kammern des Landtages keine einstimmige Billigung, sondern entschiedenen Widerspruch finden. Darüber lassen die Aeußerungen, die die Führer der einzelnen Patteien unverbindlich für deren Stellungnahme verlauten ließen, keinen Zweifel, Insbesondere hat der Führer der liberalen Partei seine Zustimmungserklärung nachträglich dahin erweitert, baß er den Weg des Verfassungs-Gesetzes als selbstverständlich vorausgesetzt habe. Auch aus der Mitte der Zentrumspartei sind Aeußerungen verschiedener maßgebender Personen dahin laut geworden, daß eine Aenderung, wenn sie allen angängig sei, nur auf dem Wege des Verfas- - ungsgesetzes möglich erscheine. Die äußerste Linke würde sich gewiß ein Vergnügen daraus machen, sich als Hüt« der Verfassung aufzuspielen. Daß aber für den Träger ber Krone ein Bestreiten ber Gesetzmäßigkeit seines Vorgehens vom Nebel wäre unb
das Ansehen der Krone
unb der eigenen Person beeinträchtigen würbe, bedarf keiner weiteren Ausführung. Die Möglichkeit hierfür kann sich bei ben verschiedenen Gelegenheiten ergeben, in dM Kammern des Landtages bei der Beratung' des Etats des königlichen Hauses, bei Gerichtsverhandlungen, namentlich vor dem Schwurgericht, bei Anklagen wegen Maje- stätsbeleidigung, begangen durch die Presse. Dazu kommt die Gefahr, daß in Ansehung jedes Erlasses des Königs die Frage der Gesetzmäßigkeit vor Gettcht unb Vollzugbehörbe aufgeworfen werden könnte, ein Zustand, der schon im Interesse der Rechtssicherheit unerträglich wäre. Es kann sich «ach diesen Ausführungen daher nur darum handeln, den Weg ber Gesetzgebung zu beschreiten und bafür die angemessene Form zu finden. Dabei kann, nachdem während ber Regentschaft schon mehrfache Verfassungsänderungen vorgenommen worden sind, ber Zweifel als überwunden gelten, ob während ber Dauer ber Regentschaft eine Verfassungsänderung zulässig ist oder nicht.
Das heißt mit andern Worten: Die Umwandlung ber Regentschaft in eht wirkliches Königtum ist an sich unb mit Rücksicht auf bie staatsrechtliche Lage der Verhältnisse zweifellos wünschenswert, sie kann aber nur erfolgen durch einen Akt verfassungsmäßiger Gesetzgebung, nicht aber durch eine einfache Hoheits-Proklamation des regierenden Hauses. Diese Tatsache hat bekanntlich seinerzeit den Prinzregenten Ludwig veranlaßt, von der geplant gewesenen Königs-Proklamation abzu- sehen, da er ber Auffassung war, baß das Königsamt nicht burch einen Akt ber Gesetzgebung, sondern lediglich aus verfassungsmäßigem Hoheitsrecbt verliehen werden könne. Ist in dieser Auffassung nun ein Wandel eingetreten?
Wieviel Unglückselige wurden doch bie Opfer oder die in Trauer versetzten Zeugen dieser Katastrophe, ber entsetzlichsten von allen, die wir je gesehen haben. Dieses Ereignis machte mich ganz bestürzt unb verwirrt unb trennte mich von meinen Leuten, die ich zum Glück vorangeschickt hatte. Sic batten die Flucht ergriffen, und ich bekam sie fünf Tage nicht zu scheu. Daß ich meine Lebensmittel entbehren mußte, war mir während der beiden ersten Tage nicht besonders schmerzlich, weil ich bie Eßlust verloren hatte; schließlich hätte ich aber
Sie Völkerschlacht.
Das Drama von Leipzig in der Darstellung des Generalarztes der französtschen Armee.
Der Pariser „Eclair" veröffentlicht einen unge> druckten Brief über die S ch l a ch t bei Leipzig' die den EraberungSzügen des napoleonischen HeereS daS so lange für unbeffegbar gegolten hatke, ein Ziel setzte. Geschrieben wurde der Brief von Baron Larrey, dem Generalarzt der französischen Armee, der drei Tage und drei Nächte auf dem Schlachtfeld« geblieben war und unter dem feindlichen Seuci operiert und den Feldlazarettdienst eingerichtet hatte. DaS „Mainz, den 16. November 1813" datierte Schreiben ist an LarreyS Tochter Jsaure gerichtet und lautet in der Originalfassung folgendermaßen: ■
In meinem letzten Briefe, ben ich von Dresden aus an Euch richtete, glaube ich Dir das Unglück, das über uns hereingebrochen ist, schon angebeutet zu haben. Nachdem ich mehrere Ausflüge in bie Umgegenb dieser Stadt gemacht hatte, machten wir uns auf den Weg, um ben zahlreichen Truppenkörpern, bie bie vier Herrscher bei Leipzig, bas auf unserem Wege lag, zusammengezogen hatten, entgegenzugehen. Bis dahin war unser Marsch burch kein Hindernis unterbrochen worden. Wir folgten eine Zeitlang ben lachenden und fruchtbaren Usern ber Elbe; bie mit Wein- und Obstpflanzungen bedeckten Abhänge, bie ben Fluß umsäumen, unb auf benen wir Früchte im lieber» sluß fanden, ließen uns die ersten Tage unseres Marsches in recht angenehmer Weise verbringen. Die Natur war noch mit ihrem Herbst- kleib geschmückt, unb die Landleute arbeiteten in aller Ruhe unb ohne jede Sorge auf den Feldern. Endlich gelangen wir nach dem verhängnisvollen Leipzig; bie beiden Armeen stoßen aufeinander, unb bald ist bie erste Schlacht im Gange. Das war am fechzehnten Oktober bei Tagesanbruch. Da unsere Streitkräfte lange nicht so groß waren wie bie ber Feinde, blieb der Sieg lange ungewiß; nach zwölfftündigem Kampfe neigte er sich jedoch auf unsere Sette, allerdings ohne daß wir entscheidende Ergebnisse hätten verzeichnen können. Ich sah an diesem Tage mehrere meiner alten Waffengefährten an mein« Seite faßen, während andere, die schwer verwundet waren, hilflos liegen bleiben mußten. Den ganzen Tag über unb die ganze Nacht war ich bei den Verwundeten, um sie zu verbinden unb für ihre Behandlung zu sorgen; am nächsten Morgen mußte ich mich nach Leipzig begeben, um bort die Krankenhäuser einzurichten, die Kranken unterzubringen und ben Sanitätsoffizieren meine Weisungen zu geben.
Der Kaiser unb die Armee waren auf dem Schlachtfelde geblieben, unb bie Feinbe, die beträchtliche Verstärkungen erhalten hatten, griffen uns am nächsten Morgen schon in aller Frühe wieder an. Ich fliege auf ben Kampfplatz; ich eile durch die Schlachtreihen und richte meine Feldlazarette eift; noch nie wohl ist ein Kampf so heftig gewesen, und bie Garbe hatte fast allein gekämpft. Der Feind wäre geschlagen worden, wenn nicht die Verbündeten eine Schwenkung gemacht, uns verraten unb sich dem Feinde angeschlossen hätten. Durch diese Treulosigkeit sind wir um Sieg unb Erfolg gekommen; man hält zwar bie Stellungen, befiehlt aber während ber Nacht ben Rückzug. Was für Mühen unb Qualen hatte ich doch an biefent Tage, um allen Verwundeten Hilfe leisten zu können! Ich bin ben ganzen Tag und bie ganze Nacht über nicht vom Platze gewichen, um alle diese Tapferen zu retten und sie nach Leipzig bringen zu lassen. Wir mußten jedoch die Rückzugsbewegung ber Armee mit machen unb durch bie Stabt hindurch- ziehen. Es war höchste Zett: Ein paar Augenblicke spättr sinb bie Feinde von allen Seiten in bie Stabt eingedrungen; bie Brücken unseres Rückzugsweges waren abgebrochen, bie Granaten unb die Kanonenkugeln fielen hageldicht, unb bie Verwirrung hatte ben Höhepunkt er- reicht. Die Luft hallte wider von dem Geschrei unb dem Jammern der Unglücklichen, bie man hinmorbete, die man zer- stampfte, ober die den Tod im Wasser fan- ben. Das Feuer d« Kanonen und bie Explosion ber Pulverwagen bildeten die grausige Begleitung zu diesem
herzzerreißenden Geschrei.
Sächsische Attentats-Marche«.
Dresden, 8. Oftober. (Privattelegramm.) Die Prager Bohenria brachte gestern folgende Meldung: „Während des letzten Jagdbefuches des Königs von Sachsen auf seiner in der Nähe der Stadt gelegenen Jagd Herrnskretschen hat sich ein noch unaufgeklärt« Vorfall zug«ragen, der den Abbruch der Jagd zur Folge hatte. Während ein« Jagdpause wurden plötzlich aus einem dichten Gebüsch in der Richtung auf den in d« Nähe stehenden König zwei Revolverschüsse abgegeben, die jedoch glücklich«weise weder den König, noch einen der Jagdteilnehmer tiefen. Die Kugeln fuhren in unmittel«