Einzelbild herunterladen
 

CaUerNemsteMchrichtm

Caffeler Abendzeitung

Die Casseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abends. Der LbormementSpretS beträgt monatlich 50 Pfg. bet tretet Zustellung inS ©auä. Bestellungen werden jederzeit von der SefchüftSstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, Verlag und Redaktion: Schlachthofftrabs 28/30, Sprechstunden bet Redaktion nur von 7 bis 8 Uhr abenbS Sprechstunden der Auskunft. Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von 6 btS 8 Uhr abends. Berliner Bertretung: SW, Friedrichstr. 16, Telephon: Amt Maritzplatz 12664

Hessische Abendzeitung

Insertion Spreite: Die sechsgespaltene Zeile für einheimisch« Geschäfte 15 Pfg., für auS. roärttge Inserate 25 Ps, Reklamezeile für einheimische Geschäfte 40 Pf, für auswärtig« Geschäfte 60 Pf. Einfache Beilagen für di« Gesamtauflage werden mit 5 Mark pro laufen» be­rechnet. Wegen ihrer dichten Berbrettung in der Restbenz und der Umgebung sind die Casseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliches gnfertionSorgan. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Maritzplatz 12584.

Nummer 259. Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, 9. Oktober 1913.

Fernsprecher 951 und 952.

3. Jahrgang.

Herren ...!

F. H.

kandidat ist also gewählt. Bei der Haupt- Wahl im Vorjahr erhielt Dr. Lender bei einer Wahlbeteilgung von 30 964 Wählern 15886 Szen 4200 liberale und 5217 sozialdemokrati- e Stimmen.

Krupp und Herr von Metzen.

Ein paar Worte der Erläuterung: Herr Wilhelm von Metzen, der die hier wie­dergegebne Erklärung veröffentlicht, war Jahre hindurch der Berliner Filial-Leiter der Effener Kanonen-Firma. Als solcher erhielt er (nach eignem Eingeständnis) Kenntnis von den Um­trieben des Herrn Maximilan Brandt, der an der Spree als Krupps Repräsentant Aeugoffi- ziere bewirtete und in traulichem Beisammen­sein den Arglosen des Dienstes heiligste Ge­heimnisse entlockte. Herr von Metzen liest die Kornwalzen", erkennt (als früherer Offizier), daß der Inhalt der vertraulichen Berichte sträf­liche Entschleierung reichsdienstlicher Geheim­nisse, und mahnt m Essen zur Beseitigung des Nebels und der daraus aufkeimenden Gefahr. Der Wink wird indessen (nach der Dar­stellung des am dreiundzwanzigsten Oktober in Moabit als Belastungszeuge wider Krupp auf­tretenden einstigen Krupp-Beamten) in Essen ungnädig ausgenommen; im Direktorium fur­chen sich die Stirnen und dem Mahner wird bedeutet, daß seiner Emsigkeit nützlichere Auf­gaben harren: Die Kornwalzen walzen weiter! Als dann Karl Liebknecht mit siebzehn Brandt- schen Geheimberichten in der Brusttasche Herrn von Heeringen feine Aufwartung macht, bricht das Unheil herein. Das Weitere ist bekannt. Wichtig in der Erklärung (oder besser: Ent­hüllung) Metzens sind folgende Punkte: Herr von Metzen will in Essen wiederholt und dringlich vor Brandt und dem Kornwalzen- Shstem gewarnt haben; erfolglos, wie er sagt.

Herr von Metze»

spricht mit bestimmter Betonung von einem Zu­fall, der die Oeffentlichkeitn u r über den Fall Brandt" aufgeklärt habe. Soll Das heißen, daß außer der Brandt-Eccius- und der Tilian- und Kompagnie-Affäre noch andre Vorgänge das Konto Krupp belasten, von denen bisher in der Oeffentlichkeit nichts bekannt geworden? Es scheint so, denn der Hinweis auf den drei­undzwanzigsten Oktobertag, an demsich man- ches aufklären werde", und der Passus in dem Schriftsatz des Rechtsanwalts Dr. Bell, daß die Dinge in Berlin nicht das Ein­zige gewesen sind, das der Kläger /Herr von Metzen) in den Diensten der Beklagten (der Firma Krupp) gesehen hat", sind deutliche Fingerzeige zu Befürchtungen, die weit über die Bedeutung des Falles Brandt-Eccius hinausreichen. Herr von Metzen ist von Krupp entlassen worden. Warum? Die Erklärung schweigt darüber, sagt nur, daß gegen den Rechtsanwalt Ulrich, der vonschweren Ver­fehlungen" Metzens gesprochen, Privatklage er­hoben sei, und läßt die Frage offen, ob der Bruch zwischen Krupp und seinem Filial-Leiter durch Umstände verursacht worden ist, die direkt oder indirekt mit der Kornwalzcn-Affäre in Zusammenhang zu bringen sind. Eins in- dessen darf als feststehend gelten: Die Krupp- Affäre wächst nunmehr ins Maß des Skan­dals hinein und zeigt sich, wie recht wir hatten, als wir dieser Tage hier sagten, es sei Anlaß gegeben, dem Schauspiel in Moabit mit Sorgen und Bangen entgegenzu-

Reichstags Ersatzwahl in Rastatt.

Zentrumsfieg in Rastatt-Baden-Baden!

Karlsruhe, 8. Oktober. (Privat-Tele. g r a m m.) Für den verstorbenen Zentrumsab­geordneten Dr. Lender, der seit 1872 den ba­dischen Reichstagswahlkreis Rastatt-Baden-Ba­den vertrat, fand gestern Ersatzwahl statt. Die Wahlbeteiligung war recht lebhaft. Es stimmten insgesamt 21759 Wähler ab. Für den Zentrumskandidaten Fabrikanten Neuhaus aus Schwetzingen wurden 13 999, für den Metz« germeister und Landwirt Unser (Nationallibc- ral) 3891 und für den Sozialdemokraten M ü

Man durchsuchte das Gebüsch und fand schließ­lich z w e i j u n g e L e ute, von denen einer aus einem Baum saß, während der andere im Be­griff stand, zu flüchten. . An hiesiger maßgebender Stelle wird «Härt, daß die ganze mysteriöse Geschichte von Anfang bis zu Ende frei erfunden ist und sich kein Vorfall zugetragen hat, der irgendwie Veran­lassung zu derartigen Meldungen hätte geben können.

ten spielte Herr von Metzen dem Abgeordneten Liebknecht in die Hände. . .!" Gegen Herrn Rechtsanwalt Ulrich ist wegen dieser schwer be­leidigenden Aeußerungen die Prlvatklage ein­gereicht worden. Ich bin an der Lieferung der Kornwalzen an den Abgeordneten Liebknecht nicht beteiligt. Die Anzeige dieser Sache war für mich im Gegenteil ein schwerer Schlag, lieber die Tätigkeit Brandts war ich unter« r ich t e t. Darum hielt ich es für meine Pflicht, die Firma Krupp mündlich und schriftlich auf die meinem Gefühl nach unmöglichen Zu - stände, die in dem Militärprozeß zum Teil aufgedeckt worden sind, aufmerksam zu ma­chen. Dies tat ich schonend und bescheiden, trotzdem wurden mein Mahnungen falsch aus­gelegt, und man benutzte die Gelegenheit, um sich meiner zu entledigen. Im Termin am dreiundzwanzigsten Oktober wird sich manches aufflären.

l e r 4569 Stimmen abgegeben. Ter Zentn'.U'.s- ibarer Räbe des Königs ist 'nen Baum.

Krupp und kein Ende!

Der Sauptbelastrrngszeuge im neuen Krupp- Prozeß ; Erklärungen des Herrn von Metzen.

Wir habe« bereits in unseren» Leitartikel Kornwalzen.-Kehraus" darauf hingcwiesen, datz der am 23. Oktober in Moabit beginnende neue Krupp-Prozetz sein eigentliches Gepräge durch die Aussagen des früheren nrupp.Dearnten von Metzen erhalten wird, der als Belastungszeuge gegen Brandt unb Ereius auftritt. Herr von Metzen veröffent. licht soeben in der Presse eine Erklärung, die in mehr als einer Hinsicht charakteristisch und für die Beurteilung der Sachlage bedeutsam ist. In dieser Erklärung yeitzt es wörtlich: Als nationalgesinnter Mann wollte ich an­fangs schweigen. Ich sagte mir, daß durch mein Hervortreten leicht einige Direktoren von Krupp fallen würden, und daß das in den Au­gen der Utteilslosen einer Verurteilung der Firma Krupp gleichgestellt werden könne. Dabei würde verkannt werden, daß durch die Maßnahmen einzelner die Firma nicht verächt­lich gemacht werden kann, die ihre großen Ver­dienste sich erworben hat. Die nationale For­derung scheint mir eher zu sein, daß die Leitung eines großen Werkes, das zahlreiche Fäden mit den Behörden der Landesverteidigung ver­binden, nicht in falsche Hände gerät. Leider ist es nicht nur der Fall Brandt, der das ausweist, wenn auch die öffentliche Mei- nung durch einen Zufall nur über diese Angelegenheit unterrichtet worden ist. Jeden­falls habe ich eingesehen, daß mein Schweigen zu allerhand Mißdeutungen Anlaß gege­ben hat. Deshalb habe ich auf Drängen meiner Freunde, Verwandten und Bekannten mich ent« schlossen, niemanden mehr zu schonen. Bezeich­nend dafür, wie gegen mich gearbeitet und Stim­mung gemacht wurde, sind drei Episoden, die sich gelegentlich meiner Zivilklage beim Essener Landgericht gegen die Firma Krupp abgespielt haben. Wenige Tage vor dem ersten Verhandlungstermin im Juni legte mein Esse­ner Anwalt, Herr Dr. Wallach TI, das Man­dat nieder, wie er mir sagte, nach wiederholter Rücksprache mit seinem Bruder, Justiz rat Wal­lach, ber es ungern sehen würde, daß er die Klage vertrete, weil er (ber Bruber) gewisse Rücksichten zu nehmen habe. Es er­ging bann Versäumnisurteil, wie das nur na­türlich war; wie hätte ich bei der Kürze der Zeit und der Schwierigkeit des juristischen Tat­bestandes einen neuen Vertreter instruieren können. Dann übernahm Herr Dr. Bell- Essen meine Vertretung und überreichte nach Einlegung des Einspruchs einen längeren Schriftsatz, in dem sich die nachstehenden Äus- ffihrungen befanden:

D« Kläg« ist auch in b« Loge nachzu­weisen, daß er schon vor dem zweiundzwan- zigsten Juni 1912 der Beklagten wiederholt mitgeteilt hat, daß er mit dem System, das in Berlin eingerichtet worden sei, nicht einverstanden fei, und daß er infolgedessen vor diesem System ge­warnt hat. Ein näh«es Eingehen hier­auf wird sich erübrige«, da der Beklagten (ber Firma) bie fraglichen Briefe be- könnt sind und sie die Behauptung des Klägers nicht bestreiten wird. Trotzdem hat die Beklagte das System in Berlin nicht gc- ändert. Der Klag«, der in d« Beklagten die erste Firma Deutschlands gesehen hat, mußte dah« annehmen, daß die Beklagte das System, obwohl sie auf diese Bedenken auf­merksam gemacht war, nichtfürgeschäft- lich unzulässig ansah. Es ist daneben weiter zu erwägen, datz die Dinge in Berlin nicht das einzige gewesen si n d, was der Kläger in den Diensten d« Beklagten gesehen hat und was bei ihm Be­denken ausgelöft hat, sondern daß noch ei­neganze ReiheandererDingeihm zur Kenntnis kam, die gleichfalls seine Bedenken erregten, die aber nach den An­schauungen der Firma zulässig sein mutzten.

Von diesem Schriftsatz erhielt auch (wie das m Essen üblich ist) die Firma Krupp eine Ko- . Pie. Andern Tages «schien ein Abgesandter don ihr bei Rechtsanwalt Bell und fragte ihn, ob er selbst der Verfasser wäre. Dr. Bell wies darauf hin, datz er ja seine Unterschrift darun­ter gesetzt habe. Darauf sagte der Herr:Dann müssen wir unsere Konsequenzen daraus zie­hen!" Ich muß auch annehmen, daß der Vor­sitzende d« Kamm«, Landgerichtsdirekwr Dett­mar, befangen war. Daß die gesamte Oeffent­lichkeit in solch ungünstiger Weise gegen mich beeinflußt wurde, hat zum größten Teile seine Urfache in den unverantwortlichen Acußerun- < gen des Rechtsanwalts Ulrich zu Berlin in , seinem Schlußplaidoy« vor dem Kommandan- 1 turgericht, ber damals sagte:Auf der einen : Seite steht Herr von Metzen, ber wegen schwe­rer Verfehlungen Plötzlich von Krupp | entlassen worben ist, unb der aus rein er- . presserische« Motiven eine Anzahl d« Kornwalzen in Abschriften an sich genommen unb für sich zurückbehalten hat, um die Firma Krupp in der Hand zu behalfen. Diese Abjchrif« 1

Sie Krone von Badern.

Prinzregent oder König von Bayern?

Bekanntlich sind seit dem Regierungswechsel in Bayern Bestrebungen im Gange, die die Umwandlung der Regentschaft in em 1 Königtum und die Proklamierung des Prinzregenten Ludwig zum König von Bayern zum Ziel haben. Kurz nach der Regierungsübernahme des neuen Prinzregen­ten hieß es zwar, diese Pläne feien fallen ge­lassen worben, boch steht es fest, daß noch in jüngster Zeit in der Angelegenheit Erwägun­gen gepflogen worben finb. Auf dem dieser Tage stattgehabten Parteitag der bayrischen Sozialisten hat ber Abgeordnete Adolf Mül­ler ein geheimes Gutachten mitgeteilt, das der bayrischen Regierung in der Königs­frage auf ihr Ersuchen zugegangen ist. In diesem Gutachten heißt es:

Eine Königs-Proklamation ohne gesetz­liche Grundlage würbe bei den beiden Kam­mern des Landtages keine einstimmige Bil­ligung, sondern entschiedenen Widerspruch finden. Darüber lassen die Aeußerungen, die die Führer der einzelnen Patteien unverbind­lich für deren Stellungnahme verlauten lie­ßen, keinen Zweifel, Insbesondere hat der Führer der liberalen Partei seine Zustim­mungserklärung nachträglich dahin erweitert, baß er den Weg des Verfassungs-Ge­setzes als selbstverständlich voraus­gesetzt habe. Auch aus der Mitte der Zen­trumspartei sind Aeußerungen verschiedener maßgebender Personen dahin laut geworden, daß eine Aenderung, wenn sie allen angängig sei, nur auf dem Wege des Verfas- - ungsgesetzes möglich erscheine. Die äußerste Linke würde sich gewiß ein Vergnü­gen daraus machen, sich als Hüt« der Ver­fassung aufzuspielen. Daß aber für den Trä­ger ber Krone ein Bestreiten ber Gesetzmäßig­keit seines Vorgehens vom Nebel wäre unb

das Ansehen der Krone

unb der eigenen Person beeinträchtigen würbe, bedarf keiner weiteren Ausführung. Die Möglichkeit hierfür kann sich bei ben ver­schiedenen Gelegenheiten ergeben, in dM Kammern des Landtages bei der Beratung' des Etats des königlichen Hauses, bei Ge­richtsverhandlungen, namentlich vor dem Schwurgericht, bei Anklagen wegen Maje- stätsbeleidigung, begangen durch die Presse. Dazu kommt die Gefahr, daß in Ansehung jedes Erlasses des Königs die Frage der Gesetzmäßigkeit vor Gettcht unb Vollzugbehörbe aufgeworfen werden könnte, ein Zustand, der schon im Interesse der Rechtssicherheit unerträglich wäre. Es kann sich «ach diesen Ausführungen daher nur darum handeln, den Weg ber Gesetz­gebung zu beschreiten und bafür die ange­messene Form zu finden. Dabei kann, nach­dem während ber Regentschaft schon mehr­fache Verfassungsänderungen vorgenommen worden sind, ber Zweifel als überwunden gelten, ob während ber Dauer ber Regent­schaft eine Verfassungsänderung zulässig ist oder nicht.

Das heißt mit andern Worten: Die Um­wandlung ber Regentschaft in eht wirkliches Königtum ist an sich unb mit Rücksicht auf bie staatsrechtliche Lage der Verhältnisse zweifellos wünschenswert, sie kann aber nur er­folgen durch einen Akt verfassungsmäßiger Ge­setzgebung, nicht aber durch eine einfache Hoheits-Proklamation des regierenden Hauses. Diese Tatsache hat bekanntlich seinerzeit den Prinzregenten Ludwig veranlaßt, von der ge­plant gewesenen Königs-Proklamation abzu- sehen, da er ber Auffassung war, baß das Königsamt nicht burch einen Akt ber Gesetz­gebung, sondern lediglich aus verfassungs­mäßigem Hoheitsrecbt verliehen werden könne. Ist in dieser Auffassung nun ein Wandel eingetreten?

Wieviel Unglückselige wurden doch bie Opfer oder die in Trauer versetzten Zeugen dieser Ka­tastrophe, ber entsetzlichsten von allen, die wir je gesehen haben. Dieses Ereignis machte mich ganz bestürzt unb verwirrt unb trennte mich von meinen Leuten, die ich zum Glück vorangeschickt hatte. Sic batten die Flucht ergriffen, und ich bekam sie fünf Tage nicht zu scheu. Daß ich meine Lebensmittel entbeh­ren mußte, war mir während der beiden ersten Tage nicht besonders schmerzlich, weil ich bie Eßlust verloren hatte; schließlich hätte ich aber

Sie Völkerschlacht.

Das Drama von Leipzig in der Darstellung des Generalarztes der französtschen Armee.

Der PariserEclair" veröffentlicht einen unge> druckten Brief über die S ch l a ch t bei Leipzig' die den EraberungSzügen des napoleonischen HeereS daS so lange für unbeffegbar gegolten hatke, ein Ziel setzte. Geschrieben wurde der Brief von Baron Larrey, dem Generalarzt der französischen Armee, der drei Tage und drei Nächte auf dem Schlacht­feld« geblieben war und unter dem feindlichen Seuci operiert und den Feldlazarettdienst eingerichtet hatte. DaSMainz, den 16. November 1813" datierte Schreiben ist an LarreyS Tochter Jsaure gerichtet und lautet in der Originalfassung folgendermaßen:

In meinem letzten Briefe, ben ich von Dres­den aus an Euch richtete, glaube ich Dir das Unglück, das über uns hereingebrochen ist, schon angebeutet zu haben. Nachdem ich meh­rere Ausflüge in bie Umgegenb dieser Stadt gemacht hatte, machten wir uns auf den Weg, um ben zahlreichen Truppenkörpern, bie bie vier Herrscher bei Leipzig, bas auf unserem Wege lag, zusammengezogen hatten, entgegen­zugehen. Bis dahin war unser Marsch burch kein Hindernis unterbrochen worden. Wir folg­ten eine Zeitlang ben lachenden und fruchtbaren Usern ber Elbe; bie mit Wein- und Obstpflan­zungen bedeckten Abhänge, bie ben Fluß um­säumen, unb auf benen wir Früchte im lieber» sluß fanden, ließen uns die ersten Tage unseres Marsches in recht angenehmer Weise verbrin­gen. Die Natur war noch mit ihrem Herbst- kleib geschmückt, unb die Landleute arbeiteten in aller Ruhe unb ohne jede Sorge auf den Fel­dern. Endlich gelangen wir nach dem verhäng­nisvollen Leipzig; bie beiden Armeen stoßen aufeinander, unb bald ist bie erste Schlacht im Gange. Das war am fechzehnten Oktober bei Tagesanbruch. Da unsere Streitkräfte lange nicht so groß waren wie bie ber Feinde, blieb der Sieg lange ungewiß; nach zwölfftündigem Kampfe neigte er sich jedoch auf unsere Sette, allerdings ohne daß wir entscheidende Ergeb­nisse hätten verzeichnen können. Ich sah an diesem Tage mehrere meiner alten Waffen­gefährten an mein« Seite faßen, während an­dere, die schwer verwundet waren, hilflos liegen bleiben mußten. Den ganzen Tag über unb die ganze Nacht war ich bei den Ver­wundeten, um sie zu verbinden unb für ihre Behandlung zu sorgen; am nächsten Morgen mußte ich mich nach Leipzig begeben, um bort die Krankenhäuser einzurichten, die Kranken un­terzubringen und ben Sanitätsoffizieren meine Weisungen zu geben.

Der Kaiser unb die Armee waren auf dem Schlachtfelde geblieben, unb bie Feinbe, die beträchtliche Verstärkungen erhalten hatten, griffen uns am nächsten Morgen schon in aller Frühe wieder an. Ich fliege auf ben Kampfplatz; ich eile durch die Schlachtreihen und richte meine Feldlazarette eift; noch nie wohl ist ein Kampf so heftig gewesen, und bie Garbe hatte fast allein gekämpft. Der Feind wäre geschlagen worden, wenn nicht die Verbündeten eine Schwenkung gemacht, uns verraten unb sich dem Feinde angeschlossen hätten. Durch diese Treulosigkeit sind wir um Sieg unb Erfolg gekommen; man hält zwar bie Stellungen, befiehlt aber während ber Nacht ben Rückzug. Was für Mühen unb Qualen hatte ich doch an biefent Tage, um allen Ver­wundeten Hilfe leisten zu können! Ich bin ben ganzen Tag und bie ganze Nacht über nicht vom Platze gewichen, um alle diese Tapferen zu retten und sie nach Leipzig bringen zu lassen. Wir mußten jedoch die Rückzugsbewegung ber Armee mit machen unb durch bie Stabt hindurch- ziehen. Es war höchste Zett: Ein paar Augen­blicke spättr sinb bie Feinde von allen Seiten in bie Stabt eingedrungen; bie Brücken unseres Rückzugsweges waren abgebrochen, bie Gra­naten unb die Kanonenkugeln fielen hageldicht, unb bie Verwirrung hatte ben Höhepunkt er- reicht. Die Luft hallte wider von dem Ge­schrei unb dem Jammern der Unglück­lichen, bie man hinmorbete, die man zer- stampfte, ober die den Tod im Wasser fan- ben. Das Feuer d« Kanonen und bie Explo­sion ber Pulverwagen bildeten die grausige Be­gleitung zu diesem

herzzerreißenden Geschrei.

Sächsische Attentats-Marche«.

Dresden, 8. Oftober. (Privattele­gramm.) Die Prager Bohenria brachte ge­stern folgende Meldung:Während des letzten Jagdbefuches des Königs von Sachsen auf seiner in der Nähe der Stadt gelegenen Jagd Herrnskretschen hat sich ein noch unauf­geklärt« Vorfall zug«ragen, der den Abbruch der Jagd zur Folge hatte. Während ein« Jagdpause wurden plötzlich aus einem dichten Gebüsch in der Richtung auf den in d« Nähe stehenden König zwei Revolverschüsse abgegeben, die jedoch glücklich«weise we­der den König, noch einen der Jagdteilnehmer tiefen. Die Kugeln fuhren in unmittel«