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Mr. S58. 3- Jahrgang.

Casseler Neueste Nachrichten

Mittwoch, 8. Oktober 1913. '

zu erwarten.

*

(Werra)

Die Verhandlungen standen un-

Sfädtetages.

IlrdeMMmmmM 12 Seiten.1

Der Städtetaa trat zunächst in die Beivreckuna

Ga- =ey=

Gericht, hiesigen

Das Schwurgericht am Mittwoch.

Morgen stehen zwei Fälle vor den Ge­schworenen zur Verhandlung und zwar gegen den Dienstknecht und Zwangszögling Karl Ebeling aus Werken wegen Straßenraubs und gegen die aus Russisch-Polen stammende Saisonarbeiterin Marianne Pajong wegen Kindesmordes.

nach Eaffel und Lehn von Heringen nach Cassel.

T- Betrügerische Wäschediebe vor Die gestrige Verhandlung vor der

Wechslung bringt und Einführung in die den einer weit vorangeschrittenen "Kultur.

Letzte Telegramme.

(Noch Schluß der Redaktion eingegangen)

Sine saure Stadt zerstört!

Sturm-Katastrophe in Alaska.

(P r i v a t - T e l e g r a m m.)

Newyork, 7. Oktober.

Ein Telegramm aus Nome in Alaska be- sagt, daß diese Stadt durch einen furchtbaren Sturm vollständig verwüstet wurde. Eine Sandgrube, aus der man Gold grub, wurde durch den Orkan vollständig weg­getragen. Fünfhundert Häuser sind eingestürzt. Die Zahl der Opfer ist noch nicht bekannt, dürste aber ziemlich erheblich sein. Der Schaden wird auf eineinhalb Mil­lionen Dollars geschätzt. Die Regierung wird, da der Winter vor der Türe steht, große Mengen Lebensmittel zur Unterstützung der durch die Katastrophe Betroffenen nach Alaska senden müssen. Auch einige andere kleinere Ort­schaften haben unter der Sturmkatastrophe furchtbar gelitten und aus manchen Orten liegen Nachrichten über zahlreiche Opfer an Menschenleben vor, die der Orkan gefor­dert hat. Seit Jahrzehnten ist Alaska von einer so verhängnisvollen Sturmkatastrophe nicht mehr betroffen worden,

Der neue Winterfahrplan. In der vorliegenden Ausgabe derCasseler Neue­sten Nachrichten" finden unsere Leser einen Teil des neuen Winterfahrplans 1913/14, der die Strecke Treysa-Niederhone-Leinefelde und zurück, sowie die Lokalzüge Cassel- Hannoversch - Münden, Cassel - Wilhelmshöhe, Söhrebahn Caffel-Wellerode und Cassel-Mün­chehof enthält. Der weitere Teil des Fahrplans folgt in den nächsten Tagen. Es empfiehlt sich, den Fahrplan aufzubewahrcn.

-r- Schluß der Lehrlingsarbciten-Ausstel- lung. Die Lehrlings-Ausstellung des Innungs- Ausschusses war während ihrer dreitägigen Tauer sehr gut besucht und bat das Verständnis für das moderne Handwerk und die Notwen­digkeit einer ausgedehnten Lehrlings-Fortbil­dung in weite Kreise getragen. Heute nach­mittag wurde die Ausstellung durch den Vor­sitzenden des Innungs-Ausschusses, Obermeister Kniest, mit einer Ansprache über die Be­deutung der Ausstellung geschlossen, nachdem noch an die Empfänger von Preisen Diplome verteilt- worden waren. Wie uns mitgeteilt wird, heißt einer der Lehrlinge, die Staats- Preise erhalten hatten, nach Barkmann, sondern Barchmann aus Grebenstein.

-r- Der Arbeitsmarkt in Cassel. Die allge­meine Lage des Arbeitsmarktes war nach Mit­teilung des Statistischen Amtes im Monat September wenig befriedigend, auch hatte die Bautätigkeit gegen den Vormonat eine wesent­liche Aendcrung nicht aufzuweisen. Aus An­laß der Tausendjahrfeier der Residenzstadt Cassel war die Vermittelung im Gastwirts­gewerbe eine äußerst rege. Ebenso trug die Tausendjahrfeier zu einer starken Nachfrage im Malergewerbe (allerdings nur für kurze Zeit) bei. Der Bezirksverein Cassel des Deutschen Buchdruckerverbandes zahlte 951,85 Mark Ar­beitslosenunterstützung (gegen 1238,50 Mark im Vormonat). Die Zahl der Passanten betrug bei der städtischen Arbeitsvermittelungsstelle 306 (gegen 288 im Vormonat), bei der Wan­dererarbeitsstätte 505 (gegen 565).

-j" Ein Vortrag über den Flugzeugbau. Der Hessische Bezirksverein Deutscher Inge­nieure hält heute' Dienstag abend halb neun Ubr im Lesemuseum, Ständeplatz 14, seine Oktoberversammlung ab, in der Regierungs­baumeister Wendt aus Stettin einen Licht­bildervortrag über .Fortschritte im Flugzeug­bau in den beiden letzten Jahren" halten wird.

-r- An Blutvergiftung gestorben. Im Land­krankenhaus starb gestern der zweiundzwanzig- ährige Maurer Kar! Sch. aus Ungsterode bet Großalmerode. Er hatte vor acht Tagen ein kleines, anscheinend unbedeutendes Geschwür im Gesicht erhalten, das er mrbeachtct ließ. Vor zwei Tagen stellte sich Blutvergiftung ein und der Erkrankte mußte nach Cassel gebracht wer­den. Die Hilfe kam zu spät und nur der Tod erlöste ihn von seinen Qualen.

-T- Zur Feldartillerie-Schießschule komman­diert. Vom hiesigen Feldartillerie-Regiment Nr. 11 befindet sich unter den zum Besuch des 1. (91.) Lehrganges vom 1. Oktober 1913 bis 10. Februar 1914 zur Feldartillerie-Schicßschul« kommandierten Offizieren Hauptmann Wiese und Oberleutnant Frey tag und unter den zum Besuch der Lehrgänge 1913/14 für Leut­nants vom 1. Oktober 1913 bis 31. Januar 1914 zur Feldartillekie-Schießschule komman­diertem Offizieren im ersten Lehrgang die Leutnants von R u p P e rt und Hahn, im zweiten Lehrgang Leutnant von Kluge.

-T- Der Preußische Städtetag und das Woh- nringsgesetz. In Breslau begann gestern unter zahlreicher Beteiligung von Vertreterrr aller größeren preußischen Städte die erste Hauptversammlung des achten Preußischen

Aus großer Zett: 1813.

Am 7. Oktober: Der König von Sach­sen verläßt auf Wunsch Napoleons Dres­den und begibt sich nach Leipzig, wo er nach einer umständlichen Reise erst am 14. ankommt. ... Die Franzosen unter General Air besetzen nochmals Cassel.

Am 8. Oktober: Der französische Senat beschließt eine weitere Aushebung von 280 000 Mann. ... Formeller Abschluß des Bündnisses zwischen Oesterreich und Bayern, demzufolge der Vertrag von Ried endgültig ratifiziert und Bayern Mitglied der Koalition wird.

SaisvN'Begin«.

Der Sommertraum verschwand. Jener Traum, in den Herbst herübergerettet, solang' noch Sonnenglück die braungoldnen Blätter küßte. Nun stirbt die bunte Pracht. Schmerzlos entsagt sie dem Leben. Und der Herbstwind treibt den farbenfrohen Raub in die Nebel­abende, in die häßlichen feuchten Schwaden, die den Eulen gleich um die Lampen der Straßen r flattern, ängstlich und trübe Stimmung um sich breitend. Wenn dann der Morgen naht, ebenso . rauh und kalt, dann blitzt wohl die Sonne auf, - doch der Blick ist fremd und lieblos, wie das Auge eines Mädchens, das Liebe vergaß und Haß ausstreut. Herbst...! Es ist ein schwe­res Leid, das sonnenliebende Herzen drückt und leise sterben läßt, was an Hoffen und Glück tn ihnen lebte. Herzen, im Sonnentaumel empor­gestrebt zu jenen Höhen, die das Glück schirmt, und nun zurücksinken in die Misere des Herb­stes, in den Herbst des Seins. Mählich kommt der Winter mit seinen trostlosen Abenden für Die, denen Einsamkeit ein Lebensbedürfnis ist. Für die Einsamen, denen der Sonnen­traum, der verlorene, unwiederbringliche ist, denen nichts das Genommene zu ersetzen ver­mag.

Glücklich sind Die, für die die ,S a i s o n" ein Vergessen bedeutet, in der sie aufgehen und «bstreifen, was der Herbst an trüben Gedanken bringt, in der sie aufleben in einem in künst­lichem Licht strahlenden Sommer. Die großen Vereine geben ihre Programme für den Win­ter aus, schon haben die Vorträge begonnen, in den Theatern sammeln sich die Freunde Tha­lias und auf dem Rasen wie im Saale tum­meln sich die Sportbeflissenen. Am achtzehn­ten Oktobertage aber, an dem Tage, an dem.Napoleons Macht auf den Völkerschlacht- MMern bei Leipzig verblutete, flammt nach der ^-Lohe der Freude bei der Tausendjahrfeier die Wackel der Begeisterung für das große Vater- land auch in Cassel auf. und auf dem Bow- ylinggreen werden auf dem Rasen zwischen den Tribünen Schulen und Vereine Zeugnis / davon ablegen, daß deutsche Kraft und deut­sches Können in der heutigen Generation nicht -geschwunden, vielmehr aufgerichtet und stolz in die Zukunft blicken. So treten wir ein in die iVinterfreuden, die der Herbst vorbereitet, in dieSaison" mit ihrem Vielerei, das Ab­

habe. Der Vorwurf eines mit der Brandstif­tung in einheitlichen Zusammenhang zu brin­genden versuchten Versicherungsbetruges wies der Angeklagte entschieden zuttick. Auf den Vor­halt des Vorsitzenden, daß es doch eminent auf­fällig sei, daß gerade in der verschlossenen Bo­denkammer des Angeklagten der Feuerherd ent­deckt wurde, kam er wieder auf den Verdacht gegen den Schuljungen zurück, der den in der Küche aufgefundenen an einem Lederriemen be­findlichen Schlüssel zu dem Vorhangschloß der Kammer in seiner Wohnung entwendet und nach Anlegung des Brandes dort wieder nie­dergelegt haben müßte. Der fragliche Junge habe sich öfters in seine Wohnung eingeschli­chen und allerlei Gegenstände, wie Messer und Gabeln, entwendet. Hierauf wurde in die Be­weisaufnahme eingetreten und mit der Verneh­mung der achtzehn Zeugen und eines Rotenbur­ger Sachverständigen begonnen. Um halb ein Uhr wurde die Verhandlung auf nachmittags drei Uhr vettagt. Das Urteil ist erst spät abends

Vor den Geschworenen.

Die heutige Verhandlung vor dem Schwur­gericht richtete sich gegen den Arbeiterinvaliden Heinrich Wilhelm Specht aus Rotenburg an der Fulda wegen versuchter vorsätzli­cher Brandstiftung. Den Vorsitz führte wie gestern Oberlandesgerichtsrat Dr. Berg- sels, die Anklagebehörde vertrat Gerichtsassessor Hadlich. Der achtundsünfzigjährige, schwer lungenleidende Angeklagte war früher Land­wirt, bis im Jahre 1889 sein Grundstück zwangs­weise versteigert wurde. Er war schon einmal in Schemmern vollständig abgebrannt und hatte die Versicherungssumme ausbezahlt erhalten. Bald geriet er wieder finanziell in Verfall, so­daß er seine Selbständigkeit aufgeben und Stel­lung als Hofmeister und später als Fahrbursch annehmen mußte.

L Die letztere Tätigkeit mußte der Angeklagte »egen seines Lungenleidens aufgeben und sri- Mte dann mit einer Rente von 12,95 Mark mo- '-Narfich fein Dasein. Durch leichte Gelegenheits­arbeiten verdiente er sich durchschnittlich zwan­zig Mark im Monat, während seine Frau zum Reinemachen und Waschen geht. Die Familie des Angeklagten bewohnte zwei Stuben und ehte Küche und zahlte dafür monatlich zehn Mark, doch war ihr die Wohnung am 1. Mai tum i. Juni gekündigt, gleichzeitig aber auch UHattet worden, noch acht Tage länger wohnen si# bleiben, sodaß der Auszug am achten Juni bewerkstelligt werden mußte. Am sechsten Juni Enierkten Straßenpassanten mittags einen ver- Mchtigen Qualm, der zwischen den Ziegeln des Wohnhausdaches hervordrang. Die vermutliche Feuerstätte, eine verschlossene Bodenkammer des Angeklagten wurde sofort erbrochen und nun entdeckte man einen regelrecht konstru­ierten Feuerherd. Um eine senkrecht sie­dende brennende Kerze waren zahlreiche Lum- den und Pappkartons gruppiert, die bereits tonnten. Der Brand wurde sofort gelöscht, ^daß größerer Schaden nicht entstanden ist. Den Ahlüssel zur Bodenkammer fand man in der «üche der verschlossenen Wohnung des von Ro- teibuig abwesenden Angeklagten. Per seiner ?»ends um bald acht Uhr erfolgten Rückkehr einem Viehhandel wurde er am Bahnhof

m Rotenburg verhaftet.

Zn der heutigen Verhandlung de st ritt der Angeklagte jegliche Täterschaft und versuchte, den Verdacht auf einen kleinen Wuljungen abzulenken, der schon einmal in foem Pferdestall eines Färbers Feuer angelegt

und dazu beitragen, daß wieder grö- Volksteile ein bewußt sittliches Leben Mützer und in der Ehe führen und einen gewis- , J* --ljand der Fruchtbarkeit in unserem Volke erhalten. Es folgte lebhafte Diskussion.

Die Iesutten-Resolution.

Gegen die Wiederzulassung und freie Avionsfähigkeit der Jesuiten wurde ohne De­batte einstimmig folgende Resolution gefaßt: Tie Abgeordneten- und Mitgliederversamm- lung des Kurhessischen Hauptvereins des Evan­gelischen Bundes erblickt in der unbehinderten Bewegungsfreiheit des in seinem Wesen un- yerändert gebliebenen Jesuitenordens, wie sie neuerdings wieder vom Metzer Katholikentag gefordert wurde, eine schwere Gefahr für den konfessionellen Frieden und die Einigkeit des deutschen Volkes. Die erwartet deshalb, daß der Bundesrat allen Bersuchen, das Jesuiten­gesetz aufzuheben oder abzuschwächen, seine Zustimmung unter allen Umständen versagen wird."

Tie Tragödie des Zarewitsch.

Odessa, 7. Oktober. (Privat « Tele« gramm.) Ein RegieruSkommiffar aus Livadia befahl gestern, daß große Partien Moorbä­der nach Malta gesandt werden. Man nimmt nun an, daß der Zarewitsch diese Moorbä­der weiternehmen soll. Der Zustand des Thron­erben soll noch immer der gleiche sein. Gestern äh man ihn, von dem ihn wartenden Kosaken getragen, da der Zarewitsch nach wie vor al­lein nicht zu gehen vermag.

Das Ende eines Defraudanten.

Berlin, 7. Ottober. (Privat-Tele- gramm.) Ein Berliner, der von einer Ge­schäftsreise aus Brasilien heirngckehrt ist, be­richtet über das Ende des früheren Rechts- anwalts Paul Frederichs, der wegen Unterschlagungen und Betrügereien Mitte August 1912 aus Berlin flüchtete und seitdem steckbrieflich verfolgt wurde. Frederichs hat da­mals in einem Hotel in Sao Paolo, wo er von dem deutschen Konsul zur Legitimations­prüfung aufgefordert wurde, Selbstmord durch Vergiftung begangen.

Die Tiergarten-Tragödie vor Gericht.

Berlin, 7. Oktober. (Privat-Tele« gramm.) Im Prozeß gegen die Kontoristin Hedwig Müller wegen Tötung ihres Ge­liebten Reimann ließ heute mittag der Staats­anwalt in feinem Plaidoyer die Anfrage auf Mord fallen und beantragte lediglich Verurtei­lung der Angeklagten wegen Totschlags unter Zubilligung mildernder Umstände. Das Urteil dürste in den späten Nachmittagsstunde» gefällt werden.

Die deutsche Luft-Grenzwacht. >

Berlin, 7. Oktober. (Privat-Tele- gramm.) Zur vermehrten Sicherung der östlichen Grenze des Deutschen Reiches fortrcrt der nächstjährige Etat neue Mittel für zwei Luftschiff-Stationen für die Heeresverwaltung in den östlichen Provinzen an. Auch für die Westgrenze ist eine Verstär­kung der Luftschiff-Stationen geplant.

Eine Typhus-Epidemie in der Pfalz. , Kaiserslautern, 7. Oktober. (Prt«' vattelegram m.) In Schaidt in der Pfalz sind achtzehn Personen an Typhus erkrankt. Die Kranken wurden im Schulhause unterge­bracht, um so der Krankheit leichter Herr wer­den zu Rinnen. Die einzelnen Krankheitsfälle scheinen ziemlich bösartiger Natur zu fein, doch sind Todesfälle noch nicht vorgekommen.

Eine Zuckerfabrik in Flammen.

Hamburg, 7. Oktober. (Privat-Te«; gramm.) Die an der Unterelbe hinter Blau-, tenefe befindliche größte norddeutsche Zucker­fabrik von Gebrüder Michahelles steht feit zehn Uhr früh in Flammen. Eine Kes- felexplosion in der Rübenmühle brachte das Feuer zum Ausbruch, das sehr schnell um sich griff, fofort die ganze Fabrik in Flammen setzte und auch mehrere umliegende Wohnhäuser ergriff. Bis jetzt ist es nicht gelungen, des Feuers Herr zu werden.

Oesterreichs Diplomaten-Revirement.

Wien, 7. Oktober. (Priv at-Tele- g r a m m.) Das Amtsblatt veröffentlicht die Enthebung des österreichisch-ungarischen Bot- fchasters in Petersburg, Grasen von Thurn, auf fein Anfuchen von seinem Posten. An- schlietzem, daran wird die Ernennung des Sek- tionschefs Grafen S z a p r y zum Petersburger Botsckstlster Oesterreichs bekannt gegeben.

Neue Triumphe der Wissenschaft.

Paris, 7. Ottober. (P riva t-T ele- gramm.) Wei gemeldet wird, teilte in der gestrigen Sitzung der Akademie der Wissenschaf­ten Professor L a v e r n n mit, daß es dem Di- rettor des Pasteur-Instituts in Tunis gelun­gen fei, ein Serum zur Behandlung der Ge- norrhöe, sowie einer bisweilen als deren Folgeerscheinung anftretenben Abart von Rheu­matismus und der eiterigen Augenentzündung her.zustellen. In zweihundert Fällen feien mit diesem Serum durchweg überraschend schnelle Heilerfolge erzielt worden.

Duell zwischen russischen Offizieren.

Petersburg, 7. Ottober. (Privat-. Telegramm) In Wieborg fand gestern ein Duell zwischen zwei Offizieren der innländischen Brigade statt. Mit Genehmigung des Ehrenrates wurden Revolver gebraucht. Einer der Duellanten, Leutnant Philipofs, erhielt einen Schutz in die Brust und starb nach drei Stunden. Ter Grund des Duells war ein Renkontre zwischen dem Leutnant Kalasch, nikoff und dem Gefallenen.

Strafkammer gegen die Brüder Reinhard und Ernst U. von hier endete mit deren Verurtei­lung zu vier bezw. zwei Monaten Gefängnis wegen Unterschlagung. Diebstahls und Betru­ges in verschiedenen Fällen.

Aus Cassels Kinos. Das »Metropol- Theater, Lichtspielhaus, bringt im neuen Spiel­plan den Schlager .Hassard", ein Drama in zwei Akten; das humoristische BildDer über­listete Vater" und als Einlage ein Drama aus dem Börsenleben,Aufopfernde Liebe", zur Vorführung. Jndustrieaufnabmen, Humores­ken. die neueste M. D.-Wochenschau sowie Ton­bilder vervollständigen den Spielplan.

4- Das Konzertleben in Cassel. Dorothea Brehm wird Donnerstag, den 9. Ottober, abends acht Uhr, im Zentral-Hotel einen Lie­derabend zur Laute veranstalten. Ueber ein Konzert, das die Künstlerin in Berlin gab, wurde geschrieben: Der erklärte Liebling des Abends aber war die Volksliedersängerin Do­rothea Brehm, die zur Laute singend mit dem Vortrag verschiedener Lieder sich die Herzen der Anwesenden im Sturm zu erobern wußte. Ter mit feiner Auffassung gepaarte neckische Vor- trag, der außerdem von großer Gewandtheit in der Anwendung der Vortragsmtttel zeugte, fand reichliche Anerkennung. Am Dienstag den 14. Ottober, abends einviertel neun Uhr, findet im Centralhotel ein Karg-Elert-Abend mit Kunstharmonium, Klavier und Komvosition tatt. Wir verweisen auf das heukfize Inserat.

-i- Die Olympia-Muific-Schau in den Kaiser- äleir. Das Gastsviel des Direttors Schenk mH seiner Mvstic-Sckau in den Kaisersälen ist einmal etwas anderes, das so gar nicht an die Varietee-Kapazitäten erinnert. Schenk ist ori­ginell in jeder Nummer, in jeder Aufmachung. Was er bringt, ist fein System, das er als Er­finder und Meister feiner Kunst beherrscht. Von dem heutigen Theater sind seine Jllusionskünste, wie sie Schenk bietet, immer mehr verschwunden. Wahrscheinlich finden sich nicht mehr die nötigen Jünger der mystischen Knust. Der Erfolg in den ..Kaisersälen" steigert sich von Abend zu Abend.

Das Wetter am Mittwoch. Für morgen agt der amtliche Wetterbericht für Hessen-Ras-

des ersten Themas »Das Kommunalabgabcn- gesetz und feine bevorstehende Aenderung" und wandte sich bann der Besprechung des W o h - nungsgefetzentwurfes zu. Der Städte­tag nahm folgende Leitfätze an: Die Neigung des Wohnungsgesetzentwurfes, im eigentlichen Tätigkeitsgebiet der Gemeinden die Selbstver­waltung durch staatspolizeiliche Zuständigkeit zu ersetzen oder einzuengen, muß als ein Fehl­griff bezeichnet werden. Die Gemeinde darf in Erfüllung ihrer eigenen Aufgaben nur der allgemeinen Staatsaufsicht unterworfen wer­den. Der Wohnungsgesetzentwurf erwähnt in Tert und Begründung die finanzielle Belastung der Gemeinden durch die Fürforge für das Wohnnngsgesetz überhaupt nicht. Die Gemein­den bedürfen aber, um grundlegende Verbesse­rungen im Wohnungswesen durchzuführen, der Erschließung neuer Einnahmeguellen.

Jubiläen bei der Turngemeinde Wehl­heiden 1868. In diesem Jahre konnten fün Mitglieder der Turngemeinde Wehlheiden 1868 Gaswerksbeamter Emil Hallberg, Eisenbahn­beamter Heinrich Thöne, Werkmeister Wilhelm Wolfram, Lokomotivführer Jean Boßmann und Conrad Gerhold auf eine ununterbrochene fünfundzwanzigjährige Mitaliedfchaft zurück­blicken. Aus diesem Anlaß hatten sich die Mit­glieder mit ihren Damen am Sonnabend in den Räumen der früheren Reichshallen, Hohen- zollernstraße, zu einem Kommers eingefünden. Nach einer Anfprache des Vorsitzenden wurde den Jubilaren je eine künstlerisch ausgeführte Ehren-Urkunde überreicht. Gleichzeitig war mit dieser Veranstaltung die Siegerfeier und der Rekrutenabschied verbunden.

Neue Handwerksmeister. Vor der zu­ständigen Prüftmgskommission der Handwerks­kammer bestanden die Maurer Adam S ch a um» bürg-Odershausen bei Wildungen, die Bau­techniker Konrad Rappold aus Frielendorf, Friedrich 58 ran b au jun. aus Lamerobe und Carl Müller von Corbach sowie die Dach­decker Wilhelm Lange aus Großenritte und Wilhelm Icke aus Cassel die Meisterprüfung.

4- Jugendliche Kaninchendiebe. Der vier­zehnjährige Landwirtssohn Ferdinand Sch. aus Fritzlar hatte sich im Juni bei einem Regenschauer mit einem zehnjährigen Schüler in eine Stallung bet der Elettrizitätszentrale geflüchtet und hier von den Hausttere» eines Monteurs ein Kaninchen gestohlen. Einige Abende später fanden sich die beiden spitzbübi­schen Freunde wieder am Tatort ein und klet­terten nach Entfernung eines Drahtgeflechts durch ein Mauerloch in den Stall und eigneten sich nunmehr vier weitere Kaninchen an. Der vierzehniährige Sch. batte sich deshalb gestern vor der hiesigen Strafkammer wegen eines ein­fachen und eines schweren Diebstahls zu ver­antworten. In Würdigung dieses Vergehens als eines Dummenjungenstreichs erkannte die Strafkammer auf die Mindeststrafe von einem Tage Gefängnis.

-4- Personalverändernngen bei der Post. Die Verwaltung der Vize-Postbirektorstelle beim Postamt 1 in Cassel würbe Postinfpektor Klingelhoffer ans Darmstabt übertragen. Angestellt wurde Postsekretär Waßmuth aus Cassel in Forbach (Lothringen) und die Post- assistenten Hungershaufen in Cassel und Karl Krause aus Cassel in Wächtersbach. Versetzt wurden die Posträte Albrecht von Berlin nach Cassel und Groß von Cassel nach Berlin, die Postfekreiäre Bange von Kreuz­nach nach Cassel, Manger von Cassel nach Frankfurt (Main) und Merseburg von Frankfurt (Main) nach Cassel, die Oberpostasii- tenten Sckwalm von Cassel nachHerinaen(Wer- ra) und Schweinsberg von Cassel nach Abterode, letzterer unter Ernennung zum Post- verwalter, die Postassistenten Keil von Fulda

___D. fau folgende Witteruna voraus: Vielfach Wol­ter der Leitung des Vorsitzenden, des Lberbür- kig, zeitweise auch trübe. Nur einzelne meist germeisters von Berlin, Exzellenz Wermuth.! leichte Regenfälle.