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Casseler Neueste NaWten

Caffeler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 256

Sonntag, 5. Oktober 1913

Fernsprecher 951 und 952.

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Die Wcge der Iuftiz find dunkel und wnn-

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F. H.

Ser Korntzmlrrn-Kehraur.

Brandt und Assessor Eccius vor Gericht!

stärkste Stütze, ihren cigentlich-en Hort hat, und daß grade vom Volksrichtertum i« der Strafrechtspflege jene Anregungen ausge­gangen sind, die dem Humanitäts-Gedanken im modernen Strafprozeß Raum und Existenz­berechtigung sicherten. In. Oesterreich steht das Laienrichtertum unmittelbar unter dem

ein auf die Thronfolge in Braunschweig bezüg­licher Antrag noch nicht vorliegt. Man darf daraus wohl schließen, daß die Verhand­lungen, die über diese Frage stattfindcn, noch nicht zum Abschluß gekommen sind; vielmehr fortgesetzt werden, um das Haus Cumberland zu einem weitergchenden Entgegenkommen zu bestimmen. Wann die Verhandlungen abge­schlossen werden können, läßt sich heute noch nicht absehen.

mal eines Verbrechens, das des Sechsund- fechzigjährigen Lebensabends zur nic-endcnden Qual verdammt haben würde.

Fn Reichenberg war's die Gerechtigkeit er- barmungloser Justiz, die ihr Urteil sprach; in Bochum die Erkenntnis idealer Mensch­lichkeit, die ein Sünden-Drama versöhnend endete. Wenn Gerechtigkeit n u r im geschrieb- nen Recht, im toten Buchstaben des Gesetzes wohnt, haben die Richter von Reichenberg als Priester der Gerechtigkeit einen Heldensieg starker Selbstverleugnung über das Menschliche imMen- schen errungen; ist aber Gerechtigkeit der ideale Ausgleich zwischen Schuld und Sühne, das mit menschlichem Auge erkennbare, von mensch­lichem Fühlen bestimmte natürliche Gleich-

Vor der Verlobung des Prinzen Emst August mit der Tochter des Kaisers ist ein ausdrücklicher Verzicht des Prinzen Ernst August auf Hannover verlangt worben. Et­wa eine Woche oder zwei vor der Bekannt­gabe der Verlobung fand in Karlsruhe eine Besprechung statt, an der unter anderen Prinz Ernst August und vom Hause Hohenzollem Prinz August Wilhelm teilnahmen. In die­ser Konferenz wurde dem Prinzen Ernst Au­gust ein Verzicht auf Hannover nahegelegt. Sofort erhob sich der junge Welfenfürst und erklärte klar u. bestimmt:Für mich und mein Hans kommt in erster Linie die Ehre, und erst in zweiter Linie die Liebe." Dann ver­ließ er das Zimmer, in dem die Kon­ferenz stattfand. Prinz August Wilhelm holte den Prinzen Emst August wieder zurück. Die Verlobung wurde gefeiert und veröffentlicht, ohne daß die Frage des Verzichts geklärt war. Offenbar war man auf preußischer Seite der Meinung, man würde den Herzog von Cumberland um stimm en, wenn man erst einmal persönlich mit ihm habe Fühlung neh­men können. So kam die Zusammenkunft in Homburg vor der Höhe, zu der auch der Reichskanzler zugezogen wurde. Der Herzog beharrte auf seinem Standpuntt. Die Verlo­bung und die Heirat seines Sohnes hätten

mit der Politik nichts zu tun.

Sein Sohn könne die Prinzessin Viktoria Luise heiraten, auch wenn er nicht auf den braunschweigischen Thron gelange, aber ein Verzicht auf Hannover werde we- dervonihmnoch von seinem Sohn je ausgesprochen werden. Die ganze Art der Verhandlungsfühmng war von preu­ßischer Seite durchaus unklar, auch der Reichskanzler hat in Homburg vor der Höhe durchaus keine Klarheit geschaffen. Doch nahm man auf welfischer Seite an, daß alle staatsrechtlichen Schwierigkeiten behoben sei­en und der Thronbesteigung des Prinzen

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Einfluß der zünftigen Justiz, und die Wirkun­gen dieses Einflusses offenbaren sich, deuMch erkennbar, in dem Urteil von Reichenberg, das sich vom Geist des Bochumer Richterspruchs abhebt wie Nachtschatten vom lichten Tag. In Bochum urteilte .die Gerechtigke it, in Rei­chenberg die I u st i z; in Böhmen triumphierte der Buchstabe des G e s e tz e s, in Westfalen die Erkenntnis des Menschlkchkeit-Empfin-

wurd«. Herr von Metzen beabsichtigt, in dem Termin alle fehlenden Dokumente, die noch in seinem Besitz sind, abzugeben.

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Sie Seit der Helden.

Gestalten und Bilder aus dem deutschen Völkerfrühling r Der Elbübergang bei Wartenburg am dritten Oktober, von

Dr. Albert Dresdner.

Der prächtige Geist, der während des schwie­rigen Elbüberganges der deutschen Truppen am dritten Oktober 1813 bei Marien­burg herrschte, wird durch nichts besser charak­terisiert, als durch die vielen, zum Teil sehr lustigen Geschichten, die von dieser blutigen Schlacht überliefert sind. Kurz vor dem An­griff wird der Kriegsrat abgehalten: Blü­cher und G n e i s e n a u sind für kühnes Draufgehen. Müffling, der Generalqar- tiermeister dagegen, rückt mit seiner Meinung nicht recht heraus, sodaß Gneisenaus Unruhe aufbraust und er ausruft.: »Sagen Sie nur Ihre Meinung heraus, Herr Oberst. Ich gebe Ihnen im voraus die Versicherung, daß sie nicht befolgt werden wird." Kurz darauf hat Blücher eine Besprechung mit Berna­dotte, die von Graf Goltz, dem Adjutanten Blüchers, verdolmetscht wird. Blücher hört aus der zagen Rede des Kronprinzen eine auswei­chende Antwort heraus, und ehe Goltz mit der Uebersehung fertig ist, ruft Blücher: »Sagen

Sie dem Kerl, der Teufel soll ihn holen, wenn er nicht wolle." Dann macht er Kehrt und eilt davon. Die preußischen Truppen formieren sich eben zum Angriff. Drüben im Dorf War­tenburg entsteigen weiße Rauchsäulen den Ka­minen. Da reitet Blücher vor die Front und ruft mit seiner Hellen, wohlklingenden Stimme: Jungens seht, da backen sich die verfluchten Franzosen Weißbrot zum Frühstück, das tool­len wir ihnen wegnehmen, weil es noch warm ist. Marsch!"

Yorck von Wartenburg

dagegen, der knurrigeEssigblicker", ist mit den Weisungen Gneisenaus nicht einverstanden. Leise brummt er vor sich hin:Ein so un­überlegtes Stück dieses großen Strategen, als es nur eines geben kann. Wird schlecht ausfallen." Es kam besser, als er es sich gedacht hatte. An der Schiffsbrücke, die in dem Gib» knie, wo die schwarze Elster einmündet, ge­schlagen ist, hält Blücher und läßt die Kolon­nen des Korps Uorck an sich vorbeimarschieren. Er ist guter Laune, voll Zuversicht und inne­rer Unruhe und hat für jede Kompagnie einen Scherz. Einige Landwehrsoldaten haben eben ihre arg zerrissenen Schuhe ausgezogen, auf den Tornister gebunden und patschen nun mit den bloßen Füßen durch den knöcheltiefen Dreck. Blücher ruft ihnen zu:Na Jungens, Ihr seid klug. Ihr looft lieber barfuß, als daß Ihr Euch die Stiebeln vollfüllt." Verdrießlich ant­wortet ein Landwehrsoldat:Ja, Exzellenz, es ist ein Jammer, mit dem Schuhzeug, es will

gar nicht mehr halten." Worauf Blücher ent­gegnet:Jh. Du dummer Deubel, wozu stehen denn da drüben die Franzosen, als daß Ihr ihnen die Stiebeln ausziehen tut! So uf Pa­riser Sohlen geht es sich am besten, und die Kerle werden bald so eilig nach Frankreich zn- rückloofen müssen, daß es man schade um dal gute Schuhwerk dabei wäre. Also Kinder, man frisch druff, holt Euch von den Franzosen neue Sffebel." Blüchers fröhliches Gelächter wird von dem noch lauteren der Landwehr­soldaten übertönt. Dann stimmen sie das mun­tere Lied vonPrinz Eugen dem edlen Rit­ter" an und ziehen hinüber

an den Feind.

Nach ihnen kommt die Kavallerie. Sie führen ihre Pferde am Zügel, wegen der schwanken­den Bretter der Schiffsbrücke. Blücher nimmt feine kurze Pfeife aus dem Mund und ruft den schwarzen Husaren zu:Vorwärts Kinder und

Tie Verhandlung im neuen Krupp-Prozeß wird sich auf die Vergehen zweier Angeklagten, Brandt und Eccius, beschränken. Alle anderen Personen, gegen die die Vorunter­suchung schwebte, vornehmlich Wilhelm von Metzen. Otto von Dewitz, Dr. Wilhelm Mühlen, Max D r c g e r, Max R ö t g e r, Alfred Mugenberg und Ernst Haux sind aus dem tatsächlichen Grunde des mangelnden Beweises außer Verfolgung gesetzt worden. Die Hauptfrage, um die es sich in Moabit han­delt, ist die, ob Mitglieder des Direk­toriums der Firma Krupp um Brandts Machenschaften wußten und sie billigten, wünschten oder gar förderten. Bisher ist vie- fer Nachweis nicht gelungen. Weiter wird bekannt, daß als Hauptbelastungszeuge im neuen Krupp-Prozeß Herr Wilhelm von Metzen austreten wird. In einem bei dem Berliner Repräscittanten der Firma Krupp, Hauptmann a. D. Drcger (früherer technischer Direktor der Firma) eingelaufenen Schreiben fand sich der VermerkSiebzehn Korn-

Zar Braunschweig-Rätsel.

Enthüllungen über das Welfen-Problem.

Wir haben dieser Tage in unfernt Leitartikel: »Der Welfen-Thron" darauf hingewiesen, daß ein Verzicht des Prinzen E r n st A u g u st von Cumberland auf die Hannoverschen Wel- fenansprüche bisher nicht vorliegt und daß in­folgedessen nach wie vor der Thronbesteigung des Prinzen in Braunschweig die welfische For­derung bezüglich Hannovers entgegensteht. Wie begründet diese Auffassung gewesen, of­fenbart sich jetzt in den aus ersten welsi- schen Kreisen stammenden Informationen eines Frankfurter Blattes über die in der Wel­fen frage bisher gepflogenen Verhandlungen zwischen den Häusern Hohenzollem und Cum­berland. Diese Mitteilungen rechtfertigen alle diejenigen Befürchtungen, die in unfernt Arti­kel ausgesprochen waren. In der Veröffentli­chung des Frankfurter Blattes heißt es:

Der einzige Belastungszeuge im an : I neuen Krupp-Prozeß wird der frühere Ange-

y.***1' Jfj*11 aCT I stellte der Firma Krupp, der einsttae Bcr-

Totuug, entschuldet von der schweren Anklage I iiner Repräsentant Wilhelm von Metzen sein, des Soh-nesmords und befreit von dem Brand-1 der später bekanntlich von Krupp entlassen

Die Wege der Justiz sind dunkel und wun- aewicht zwischen Tat und Strafe, bann offen» berbar, und das Geheimnis der Gerechtigkeit- &art sich m dem Spruch der Volksrichter von Erkenntnis ist unerforschlich. Die Volksrichter Bochum die hohe Erkenntnis eines Idealismus von Reichenderq erkannten in einer schicksal- ber Gerechtigkeit, der in feinen ethischen und gebeugten Frau, die, durch die Qualen einer sittlichen Motiven sich weit hinaushebt über's unglücklichen Ehe, -durch Hunger. Sorgen und Blachfeld Welt- und lebenfremder Buchftaben- Jammer der VerzwMung in die Arme ge-1 Justiz. Gewiß: Manches Urteil des Empfin- trieben, mit ihren Kindern dem Leben enteilen das vom Laientum am Richtertisch ge­rn ill, nah' am Ziel aber vom Zusall gerettet forodjcn wird, mag streng-juristischer Prüfung wird und nur das eine Kind 'dem Schicksal ni(fr standhalten, vielleicht sogar vom Wege durch des Todes dunkle Pforte enteilen sieht absoluter Logik abweicheu und also (vom eine Mörderin, die ein Menschendasein! Standpunkt gelehrter Justiz betrachtet) ge- vernichtet, und forderten zur Sühnung des I wissermaßen eine Irrung darstellcn, deren Verbrechens das Leben der Schuldigen Es Korrektur nicht mehr möglich ist. Sicher ist m- waren Geschworene, Männer aus dem Volk dessen, daß die Vermenschlichung strafen- Menschen mit warmem Herzen und menschlichem I ber Gerechtigkeit in den Laiengerichten ihre Empfinden, die dies Urteil sprachen, keine Rechtsgelehrten, die der Wille des Paragraphen an die Unbarmherzigkeit kettet, und es war eine ttef-unglückliche, durch jahrzehntelange Körper- und Seelenmatter entnervte und zer­mürbte Frau, eine in ihren heiligsten Empfin­dungen brutal und grausam niedergetretne Mutter, die vor diesen Richtern stand, ange- klagt der Tötung ihres eignen Kindes! Der Tatbestand der Lebensvernichtung war er- wiesen, am Willen, ein zur unetträglichen Qual gewordnes Dasein zu enden, nicht zu zweifeln, und das Gesetz, das Gerechtigkeit heischt, kennt nicht jene elementaren Regungen der Menschen- seele, die im Bann zerschmetternden Unglücks selbst ein Verbrechen am Leben der an Allem verzweifelnden Seele als Erlösung vor's Ange zaubern. Hätte die unglückliche Fran, die aus einem düstern Chaos von Schicksal- Grausamkett, Menschenschuld und Seelen» Qualen keinen andern Ausweg sah als dtc Flucht vottm Leben, den Weg zur Pforte des Todes allein beschritten, und die Hand des Mitleids wäre ihr zum Retter geworden: Kein Richter würde Sühne von ihr haben fordern können. Die Mutterliebe eist stempelte sie zur Berbrechettn: Sie schritt, ihre beiden Kinder an der Hand, den Weg der Berzweis- I luna, und da der Zufall zwei Leben vorm I Lode bewahrte, das dritte aber zum Opfer der Tragödie werden ließ, wandelte vor der Strenge der Gerechtigkett die Mutterliebe sich zum Mordverbrechen!

Zögert der Reichskanzler?

Berlin, 4. Oktober. (Privat - Tele­gramm.) Von informierter Seite wird be­stätigt, daß im B u n d e s r a t bis beute irgend

Zwei Urteile.

Dis Verzweiflungstat eiuer Mutter und die Tat eines Unglücklichen Vaters vor Gericht.

Das Schwurgericht iit Reichenberg (Böhmen) verurteilte die Arbeiter-Ehefrau Kowalsky, die aus Verzweiflung mit ihren beiden Kindern in den Tod gehe» wollte, aber ge- rettet wurde, während eines der Kinder starb, zum Tode dnrch den Strang.... Born Schwurgericht in Bochum wurde der Maurer Raphael, der in einem Streit mit seinem Sohn das eigene Kind erstochen hatte, zu d r e i Monaten Gefängnis verurteilt, weil da« Gericht annahm, das Raphael in Er. regung und Verzweiflung gehandelt habe und 5?** der fahrlässige» Tötung eines Menschen, nicht aber des Mordes schuldig fei.

gut aushalten! Wer nicht siegt, der muß in der Elbe erlaufen! Die Brücke laß ich hier hinter Euch abbrennen.' Die jungen Reiter lachen zwar und antworten mit einem fröhlichen Hurra, Vater Blücher!", die alten, empfindlichen brummen dagegen und meinen, dies fei nicht nötig. Ob die Brücke hinter ihnen stehe oder brenne, sie täten doch ihre Schuldigkeit.Na Kinder, (beruhigt sie Blü­cher) Ihr wißt ja. wie's gemeint ist, nehmt's man nicht übel, wir kennen uns ja schon. Und nun vorwätts!" Auf unglaublichen Sumpf- Wegen, durch knietiefe Pfiitzen, schleicht sich General v o n H o r n, der Tapferste der Tapfe- - ren dieses Tages, an das von den Feinden be- etzte Dorf heran. .Ihr führt uns ja Mords» vege," sagt er endlich zu dem Dauern, der als Führer bientDavor heißt es hier auch der Sauanger", lautet die ruhige, trockene Ant­wort des braven Bauern. Ei» freiwilliger Jäger erinnert sich Wohl der Kellerszene in Goethes Faust und ireint lustig:Es wird

Ernst August ohne Verzicht auf Hannover nichts mehr itn Wege stände. Dann kam die Veröffentlichung des Briefes des Prinzen Ernst August an den Reichskanzler. Der Brief war auf Veranlassung des Reichskanzlers geschrieben worden, der hoffte, mit diesem Brief die öffentliche Mei­nung beruhigen zu können. Der Herzog von Cumberland und Prinz Ernst August haben dem Reichskanzler gegenüber aber keine Un­klarheit gelassen, daß dieser Bttef keinen Verzicht des Prinzen auf Hannover dar­stelle und einen solchen nicht darstellen solle; der Bttef enthalte nichts anderes, als Das, was man schon bei früheren Gelegenheiten zu erklären bereit war und erklärt habe.

Deutlicher als in dieser Darstellung kann gar nicht klargelegt werden, wie planlos seitens der Berliner Wilhelmftratze die Lösung des Welfeu-Problems angestrebt worden ist. Trotz derVersöhnung von Karlsruhe", trotz Ver­lobung und Hochzeit haben sich die Gegensätze zwischen Hohenzollem und Cumberland hin- ichtlich ihrer politischen Bedeutung um nichts gemindert, und von einem Verzicht aus Hannover ist heute ebensowenig die Rede wie vor Jahren und Jahrzehntm. Wie der Reichs­kanzler es unter diesen Umständen rechtfer­tigen will, beim Bundesrat die Freigabe des Braunschweiger Throns für den Welfen-Priu- 3en zu beantragen, ist ziemlich unklar und man darf also auf die weitere Entwicklung der Dinge gespannt sein.

Ein ander Bild: Vor dm Richtern des Bochumer Schwur-Tribunals stand ein sechs­undsechzig-jähriger Greis, an geklagt der Tötung seines eignen Sohnes. Die Verhand­lung entrollte das Elmdbild einer sozialen Familien-Tragödie in seinen düstersten Schatten. Der Vater ein rechtschaffener, in Ehren ergrau« ter, durch müder Hände Arbeit sich und die Seincn redlich ernährender Mann; die Söhne entartet, arbeitsscheu und dem Trunk ergeben; das Familienleben zerrüttet und durch Streit und Hader längst des letzten Hauchs von Glück beraubt. Der alte Mann wird dem Leichtsinn der Kinder tributpffichttg. spendet ans magerm Arbeitsverdecnst die im Schweiß des Angesichts erworbnen Pfennige, die die Sprösslinge in L>aus und Braus verprassen, und erkennt zu spät, daß er selbst, durch Nachsicht und Milde, das Verhängnis heraufbefchworen. Die Fr- mannung zu väterlicher Energie kann die Ka­tastrophe nur beschleunigen, nicht verhüten: An! einem lauen Juni-Abend ersüllt sich das Schick­sal; im Kampf mit dem Sohn, der ihn vergeb­lich um Geld für Spiel und Alkohol gebeten, greift der Alte zum Messer, stößt es dem Eut- Aumnblick an der^Ei (begehn* walzenfehlen!« Diese siebzehn Gehcimbe-

richte hatte Metzen, der von Krupp enllaffen ~ In erschütterndster Rca- worden war, mit in seine Wohnung genommen

, Sech-undseattigjährige wird des und behalten. Rimmehr hat von Metze« Totzchlags angeklagt, harrt mondelang in diese Geheimbettchte dem Staatsanwalt enger Gefängniszelle dem Urteilspruch ent« überreicht. In einer Korrespondenz, die zwi- gegen und ringt, ein Verzweifelnder, in ein- schen von Metzen und Eccius geführt wurde, sanier Untersuchungshaft mit Vatettrebe und weift Metzen auf die Gefahren hin, die Gewissen, die seine Seele schrecklicher foltern, als Brandts Tätigkeit in sich berge. Merrscheu-Grausamkeii es selbst in des Mittel- Aert von Metzen als <teuae alters finstersten Tagen je vermocht. Der Rich-1 * 9 3C8C

ttrfpruch bringt endliche Erlösung: Drei

Am dreiundzwanzigsten Ottober werden sich vor der zweiten Strafkammer des Landge­richts Berlin I wegen Beamtenbestechung und Vergehens gegen Paragraph vier des Reichsge­setzes wegen Verrats militärischer Geheimnisse der frühere Bürovorsteher der Berliner Krupp- Vettretung, Maximilian Brandt und sein Vorgesetzter, das Mitglied des Direktoriums der Firma Krupp, Assessor a. D. Eccius, dem die verantwortliche Leitung der Abteilung für Kriegsmaterial oblag, zu verantworten ha­ben. Uebcr den Prozeß wird uns berichtet:

Die Kornwalzen-Geheimnisse.

(Privat-Telegram m.)

Berlin, 4. Oktober.