Einzelbild herunterladen
 

Hessische Abendzeitung

Nummer 254

Fernsprecher 951 und 952.

Freitag, 3. Oktober 1913

Fernsprecher 951 und 952.

3. Jahrgang.

salmmengenommen

F. H.

Jnserttonspreis« Di« sechsgefpLlten« Sette für einheimische Seschäfte iS Pfg., für aus warttge Inserate 25 Pf, Reklaneezeite für einheimisch« G-fchäst« 40 Pf, für auSmärtta« Geschäft« 80 Pf. Einfache Beilagen für die Gesamtauflage werden mit 5 Mark pra Tausend be­rechnet. Wegen ihrer dichten Berbrettnnz in der Residenz und der Umgebung sind di« Lafseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliches JnserttonSorgan. Geschäftsstelle: Kölnische Straße S. Berliner Vertretung: SW, tzriedrichftrabe 16, Telephon: Ämt Moritzplatz 12584.

lich ausgeschloffen, daß Dr. Diesel durch das Schwanken des Schiffes das Gleichgewicht ver­loren hat. Er mutz sich entweder auf das (Ge­länder gesetzt oder i« einem Anfall von See- krankheit soweit vornüber gebeugt haben, datz er ins Wasser geMrzt ist. Es besteht wenig Aussicht die Leiche in der Nordsee wiederzufin­den.

rischer Seite ist das Ergebnis der Untersuchung folgendes: Den ersten Rang in Bezug auf die Verübung von Greuel beanspruchen die G r i e- ch e n, den zweiten die Bulgaren und den drit­ten die Serben.

allzuwuchtigen und allzumenschlichen Menschen- tums, und so darfs also nicht wundern, daß das Kriemhild^Srunhild-Intermezzo am Ber­liner Osthafen sich vom scharfnmrissnen Bild der Heldensage in manchen Punkten etwas ge­walttätig abhebt und namentlich auch den End­akt stärker modernisiert zeigt, als dem Effekt förderlich ist. Immerhin: Der Grundgedanke ist der gleiche, und eben Das ist's, das ver­stimmt, beim man wird in grell aufleuchtender Deutlichkeit daran erinnert, daß zwischen der eiert der Heldensage und dem zwanzigsten Jahrhundert zwar ein Ozean Vergangenheit liegt, daß aber die menschlichen Schwa- chen, die einst Kriemhild und Brunhild zur Kraftprobe weiblichen Ehrgeizes spornten, dieselben geblieben sind und heut nicht nur das .zarte", sondern auch das .starke Geschlecht" im Bann scherzhaft-kleinlichen Vorurteils ge- fangen halten. Man darf mit Befriedigung feststellen, daß der deutsche Kauftnannstand über einen Corpsgeist verfügt, der künstlicher Befruchtung nicht bedarf, sondern sich in feinen Natürlichen Lcbensäußerungen überall da stark und wuchtig regt, wo's gilt, des Standes Ebre selbstbewußt und stolz zu schirmen, Kriemhild und Brunhild aber als Genien dieses Corvs- geists: Lieber nicht! Das Berliner Oft- Hafen-Intermezzo ist zwar eine Groteske aus die Kultv'-Erkenntnis des zwanzigsten Jahr­hunderts, aber es ist vielleicht dach nicht unnütz gewesen: Es gestattet uns einen Blick in den S p i o-g e l, und dieser eine Blick kann der Selbsterkenntnis unter Umständen förderlicher sein als Kant's und Schopenhauer's Werke zu-

Vornrteil und Gedankenenge. Und dennoch: Am Kreuzpuntt Beider Wege tritt Kriemhilds und Brunhilds sagenumwobnes Bild wie ein Gespenst auf den Plan, scheucht Toleranz itnb Lebensweisheit, Welterkenntnis und Erfah­rungs-Grundsätze, stachelt Brunhild-Ravenö in hitzigen Groll gegen Kriemhild-Kaempf und wandelt die grauhaarige Ehrwürdigkeit weisen Alters zum belächelten Intermezzo überreizter Empfindlichkeit. Der Aktschluß ist unerfieulich; gewiß: Aber er birgt schließlich doch die Pointe. Und die bezwingt selbst das verhärtetste Zwerchfell!

Die Aeltesten der Kaufmannschaft von Ber­lin und die Handelskammer der Reichshaupt­stadt bewachten sich nicht mit dem mild-schim- mernden Auge zärtlicher Nächstenliebe: Es be­stehen zwischen den beiden Korporattonen der Handels-, Finanz- und Erwerbswelt Berlins Gegensätze, die vielleicht aus der organischen Strufinr der beiden Institutionen emporge­wachsen sind und im Lauf der Jahre sich eher verschärft als gemindert haben. Ob dieser ver­schwiegne Krieg hinter den Kulissen ethisch be­rechtigt ist oder nicht, steht nicht zur Debatte: Mit der Osthafenweihefeier hatte er jedenfalls nicht das mindeste zu tun, und die im Hafen­becken gurgelnden gelben Wasser der Spree würden sicher nicht in Groll und Zorn ans Ge­stade gebrandet sein, wenn Herr Ravens nach Herrn Kaempf die Festversammlung durch Dar­bringung der Handelskammer-Glückwünsche er­freut hätte. Oder wenn (umgekehrt) Herr Kaempf nach dem Kollegen von der Handels­kammer zum Wort gekommen wäre. Sie haben es (vermutlich) auch nicht tragisch genommen, daß der Osthafen geweiht worden ist, ohne daß cm Eröffnungstag Herr Ravenö das vielge­liebte Wasser der Spree mit feierlichem Wort begrüßt, und das Intermezzo wirft deshalb nur peinlich durch das Echo, das cs im Blätter­wald geweckt. Man spricht vom Handelskammer- Präsidenten Ravens, der sttamm und resolut den Festsaal verließ, als et im Programm den eignen Namen hinter dem des Präsidenten .von der andern Fakultät" trauern sah, wie von einem Pionier desCorpsgeist-Gedankens" in der Welt des Kaufmanns, und es gibt (sonst ganz ernsthafte und normal empfindende) Kul­turmenschen des zwanzigsten Säkulums, die sich der Mühe unterziehen, aufgrund historischen Quellen-Materials zu ermitteln, ob es wirklich commentgerecht und zulässig war, Herrn Kaempf vor Herrn Ravenö bei der Osthafen- Weihe den Vortritt zu lassen.

Leider fehlt unsrer nervösen, hastenden und unruhigen Zeit die steif stolzierende Grandezza der eisenklirrenden, Märchen- und legenden- umranken Vergangenheit deutscher Helden­sage: es fehlt ihr vor allen Dingen auch das rechte Verständnis für den etwas gewalttätigen und urwüchsigen Idealismus jener Periode

Tt« Laffeler.NrueNen Nachrichten erscheinen wöchentlich techSmal und zwar abends. Der AdonnementSpretS beträgt monatlich 50 Pfg. bei freier Zustellung ins Hans. Bestellungen Jett Del£ef.?äft8fletle 0Bet ben Boten entgegengenommen. Druckerei.Verlag imb Redaktion: Schlachchofftraß« 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von 7 dis 8 Ubr m"..1 »fr Auskunft - Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag do.i 6 bl5 8 Uhr abends. Berliner Vertretung; SW. Friedrtchstr. 16, Telephon: Amt Moritzplatz 12584.

Sie deutschen Wasserstraße».

Prinzregent Ludwig über neue Kaualpläue.

Im großen Festsaal der Bayerischen Akade­mie der Wissenschaften in München fand ge­stern unter dem Ehrenvorsitz des Prinzregenten Ludwig von Bayern und in Gegenwart der führenden Männer auf dem Gebiete der Natur­wissenschaften, Technik und Industrie die dies­jährige Hauptversammlung des Deutschen Museums statt. In einer längeren Anspra­che betonte Prinzregent Ludwig sein lebhaftes Interesse für das Deutsche Museum, für das er eine Stiftung in Form eines Modells des Lud- wig-Donau-Main-Kanals machte. In seinen weiteren Ausführungen hob er die Bedeutung der Wasserstraßen hervor und führte dabei aus:

Sie alle wissen,daß der Ausbau der deut­schen Wasser st raßen und vor allem der Anschluß an die natürlichen Wasserstraßen des Deutschen Reiches mich seit Jahren be­schäftigen, und daß ich sie für die Zukunft Bayerns als von größter Bedeutung halte. Bayern liegt in der Mitte Europas, hat aber nur wenige Wasserstraßen und kann daher nur durch künstliche Wasserwege an das allgemeine deutsche Wasserstraßennetz ange­schloffen werden. Während die Mehrzahl der europäischen Staaten von Flüssen durchströmt wird, die den Anschluß an die See haben, fehlen uns die natürlichen Wasserstraßen in Bayern, und dadurch ist unsere Industrie und unser Handel ganz bedeutend erschwert. Wir müssen zunächst Anschluß an die Nordsee suchen. Die Nordsee ist ein an­deres Meer als das Schwarze Meer, an das wir durch den Donau-Main-Kanal Anschluß haben. Wir haben ja zwar eine Verbindung, aber diese ist sehr schlecht. Endlich nach lan­gen Jahren ist mit dem

Ausbau der Wasserstrassen

Zer verschwundene 3t. Ziesel. Noch immer keine'Spur des Vermißten!

(Privat » Telegramm.)

London, 2. Oktober.

Das geheimnisvolle Verschwinden des deutschen Erfinders Dr. Diesel ist hier ein Ereignis des Tages. Bisher ist es nicht ge­lungen, irgend welche Ausklärung des Falles zu schaffen. Nur eine einzige neue Tatsache konnte festgefteltt werden: Dr. Diesel ist nicht, nachdem er von seinen Reisegenoflcn am Montag abend zehn Uhr während der Ucber- fahri auf dem DampferDresden" Abschied genommen hatte, in seine Kabine gegangen, wie er ursprünglich beabsichtigte, sondern wurde noch drciviertel Stunden später von den Stewards auf Deck gesehen. Da um das Promenadendeck ein anderthalb Meter hohes eisernes Geländer geht, erscheint es als gänz-

Eine besondere Unruhe bemächtigt sich seiner und treibt auch die an­deren rascher vorwätts. Eine halbe Stunde später entdeckt er sogar einen schwarzen beweg­lichen Punkt über dem Hügel und jetzt sehen sie auch auf dem Boden Spuren: Schlittengeleise, Skispuren und neben ihnen ganz deutlich Hun- desähtten. Das können nur die Norweger gewesen fein! Sie sind ihnen zuvorgekom­men. Scott schreibt in sein Tagebuch nur die trostlosen Zeilen:Es ist eine schreckliche Enttäuschung! Ich bin traurig, nament­lich meiner tapferen Gefährten werden." Trotz dieser Entdeckung beschlossen sie, doch noch wei­ter vorzudringen und den Pol aufzusuchen. Am siebzehnten Januar schlagen sie ihr 69. Lager in der Nähe des Pols auf. Bei einem überaus heftigen Wind und einer Temperatur von zweiundzwanzig Grad unter Null ist es ein be­sonders schlechter Tag. Es ist (wie Scott schreibt)diese eigenartige feuchte Kälte in der Lust, die einem das Mark in den Knochen er­schauern macht!" Sie folgen den norwegischen Spuren und kamen nach ungefähr drei Weilen zu zwei keinen Eishügeln. Am folgenden Ta­ge unternehmen sie wissenschaftliche Beobach­tungen und bestimmen, daß sie immer noch dreiundeinehalbe Meile vom Pol entfernt sind. Eine Meile weiter entdecken sie ein Zelt, aus dem die norwegische Flagge weht. In dem Zelt finden sie die Namen der fünf Norweger: Amnndsen, Bjaaland, Hanffen, Wisting und Hassel, die am sechzehnten Dezember 1911 den Pol erreicht hatten. Mehrere Gegenstände ind in dem Zelt, das nur von einem einzigen Bambusstab gehalten wird, zurückgelassen. Es cheint, als ob das Wetter damals wärmer ge­wesen fei. Auch

eine Notiz von Amuudsen an Scott liegt dabei, der ihn bittet, einen BriH an König Haakon zu befördern. Am Poi elbst errichten sie einen Eishügel, in den sie die englische Flagge stecken und potographieren sich. Zwei Tage blieben sie am Pol mit ernsten wis- euschastlichen Untersuchungen beschästtgt. Arn neunzehnten Januar geht es zurück. Ein neuer, ürchterlicher Kampf beginnt. Der Kampf mit den eigenen Spuren. ' Sie müssen ihnen folgen, wenn sie die einzelnen Nahrungs- depots, die sie unterwegs angelegt haben, errei­chen wollen. Die Witterung ist zunächst er«

begonnen durch die Kanalifierung des Mains. Es ist das nur ein erster Anfang. Deshalb müssen vor allem die bayerischen Städte den lebhaftesten Anteil daran neh­men, damit es weiter geht. Der direkte An­schluß vom Main über die Weser nach dem Rhein fehlt noch. Selbstverständlich ist, daß die bestehenden Wasserstraßen ausge­baut werden, darunter vor allem der Main, selbstverständlich ist es ferner, daß der jetzige Donau-Main-Kanal erweitert werden muß. Tatfächlich ist das nicht un­möglich. Es ist nur die Kostenfrage, vor der man vielfach znrückfchreckt. Wenn man aber beben ft, welche Aufwendungen der Hauptkonkurrent der Wasserstraßen, die Eisen­bahn, verlangt, so sind die Kosten nicht so groß zu nennen. Man erschrickt deshalb vor ihnen, weil man sie nicht kennt, und deshalb begrüßen wir es vor allem, daß im letzten Landtag zunächst einmal der Anschluß von Aschaffenburg aus geschaffen wurde, damit die Kostenfrage wenigstens etwas ge- ftärt werde.

Die feierliche Eröffnung des Deutschen Museums soll erst im Jahre 1916 stattfinden, um das Gelingen der Düsseldorfer Ausstellung nicht zu gefährden. Graf von Posadowskh- Wehner, der ebenfalls an den Verhandlungen teilnahm, übergab eine Stiftung der National­flugspende in Gestalt von Modellen verschiede­ner deutscher Flugapparate und verwies auf die Bedeutung des Flugwesens für die deutsche Industrie und Technik und die Wichtigkeit der Nationalspende. Dr. Krupp von Bohlen und Halbach und Geheimrat Hagen von der Phy­sikalisch-technischen Reichsanstalt wurden in den Vorstand des Deutschen Museums gewählt.

Scott am Südpol.

Kapitän Seotts Triumph und Ende; Neues aus seinem Polar. Tagebuch.

Soeben erscheinen in Londoner Blättern bte Fortsetzungen der Mitteilungen ans dem Polar-Tage- buch des so tragisch geendeten Südpolsahrers Scott die interessante Schlaglichter aus die Kämpfe der tapferen Schar, auf die Stimmung der Expü>ittous. mttglieder und ihre unerschütterliche Zuversicht, daS Ziel zu erreichen, werfen. Wir entnehmen den Ver. öffentlichuugen denjenigen Abschnitt, der Scotts Triumph und Ende behandelt. Die Redaktion-

Unter den schwierigsten Bedingungen, vom Blizzard umtobt, und von den scharfen Eis­krusten wie mit Messern geschnitten, dringen Scott und seine vier tapferen Begleiter un­aufhaltsam vorwärts dem Pole zu. Die kör- perliche Verfassung ist verhältnismäßig gut. Dr. Wilson leidet zwar an Schneeblindheit und Evans hat sich bei der Reparatur eines Schlit­tens eine Wunde an der Hand beigebracht bte nicht zuheilen will. Aber ber Wille ist un­gebrochen und der Mut vorzüglich. Am sie­benten Januar schreibt Scott in sein Tagebuch: -Ich hoffe, es wird keine weiteren Schwiettg- teiten mehr machen. Unsere Vorräte reichen völlig aus. Welches Glück für uns, daß wir uns so reichlich versehen haben. Wir sind in der Tat eine ausgezeichnet ausgerüstete Expe­dition." Am folgenden Tage wird der Rekord Shackletons gedrückt. Nur noch fünsund- dreißig Meilen vom Pol! Durchschnittlich wer­den zwölf Stunden marschiett, was bei dem fchweren Gewicht des Schlittens, den sie nach sich ziehen, eine überaus tüchtige Leistung ist, vor der man allen Refpett haben muß. Der munterste von allen ist der Heine Bowers. Er verliert dm Humor nicht und ist stets bereit, den anderen zu helfen. Mitte Januar wird das Wetter etwas besser. Die Sonne tritt hervor. Wind und Kälte lassen etwas nach. Am vierzehnten Januar berichtet das Tagebuch: Nur noch siebenundzwanzig Meilen vom Pol entfernt und Vorräte für neun Tage. Wir wer­den es jetzt machen können!" Sie machten es ... aber nicht, wie sie es gehofft hatten. Ihre Flagge war nicht die erste, die am Pol flatterte. Arn Morgen des sechzehnte« Januar, nachdem sie bereits zwei Stunden marschiert sind, ent­decken die scharfen Augen Bowers einen Gegen­stand in der Ferne, den er noch nicht recht be­stimmen Fann, den er aber für einen Steinhügel hält.

KüemhildundBmnhild. Reichstags-Präsident Kaempf «ud Kommer­zienrat RavenLr Berliner Ssthafen-Zdhll.

Bei dem Festakt zur Einweihung des «enen Berliner Osthofens ist es (wie Berliner Diät, ter erzählen) ,« einer peinliche« Szene ge- komme«: Als Kommerzienrat Raden«, der Vertreter und Vizepräsident der Handels- kammer, erfuhr, daß der Vertreter der Aelte- ste« der Kaufmannschaft, ReichStagspräfkdent Kaempf, vor ihm z« Worte kommen sollte, lehnte er eine weitere Beteilignng ad und verlieh ostentativ den Saal. Die Veranlassung zu diesem Konflikt ist angeblich in den be­kannte« Gegensätze« zwisthe« de« beiden Ber. liner kaufmännische« Srganksatione« zu suchen. Kriemhild und Brunhild also in Berlin. Groteske in einem Aufzug. Kriemhild: Herr Kaempf, Präsident des Deutschen Reichs­tags und Vorsitzender der Aeltesten der Kauf­mannschaft von Berlin; Brunhild: Herr Ra­vens, Königlicher Kommerzienrat, Millionär, Großindustrieller, Ritter hoher Orden und Präsident der Berliner Handelskammer. Schon weil's eine Groteske, ein unerbaulich' Spiel. Beiden: Dem Reichstag- und dem Handelskam­mer-Präsidenten riefelte des Alters Schnee aufs Haupt, ehe man daran ging, den Osthafen am Spreegewässer zu weihen; beide blicken zurück auf eine lange Reihe von Jahren, die sie, stre­bend und kämpfend, dem öffentlichen Leben gewidmet, und beide: Der Kaufmannschaft- und ber Handelskammer-Repräsentant, erfreuen sich der Schätzung ber Zeitgenossen als klar­blickende, urteilfähige, reife und tolerante Män­ner ernster Arbeit, bereit Sehnen weder nach äußern Ehren noch nach weithin sichtbarer Kennzeichnung rühmlichen Verbienstes langt. Beibe Angehörige des tatkräftigen, nüchternen und weltklugen Erwerbsstands deutscher Groß- kaufmannfchaft; beide durch starke Schöpferkraft und perfönliche Energie zur Höhe des Er­folgs emporgetragen; beide in der Schule eines langen, ereignisreichen Lebens geläutert von

ii§» .

Dr-, X ztl. i St. | tra önc ;

cur, au« j

EMr Neueste NllchMm

_______ Casseler Abendzeitung

Bassmkricg ohne Sude!

Kamps-Fortdauer: Albanische Niederlage.

Die Situation am Balkan spitzt sich in be- denflicher Weise zu, und die Gefahr neuer Verwicklungen vergrößert sich mit jedem Tag mehr. Um die Albanier zu verhindern, die von den Serben okkupierten Gebiete zu befetzen, haben jetzt griechische Truppen im Ein­verständnis mit der serbischen Regierung die ganze Gegend am Presbasee besetzt. Es ver- lautet, daß die durch Hilfstruppen verstärkten erbitoert Streitkräfte die Albanier an mehre­ren Punften bereits zurückgeschlagen haben. Wir verzeichnen folgende darüber vorliegende Drahtmeldungen:

Belgrad, 2. Oktober.

Im Süden und Westen des Kampfgebiets find die Albanier zurückgedrängt und D i b r a ist nach harten Kämpfen mit albanischen Banden wiedergenommen worden. Die Stadt ist geplündert und niedergebrannt. In der Nähe von Dibra fand gestern abend ein h a r - ter Kampf mit ben Albaniern statt, die geschlagen wurden. Die Serben drangen ge­gen Struga vor.

Salons«, 2. Oktober-

Die gegen Monastir vorrückeuden Albanier sollen gestern eine schwere Schlappe erlit­ten haben. Die geflohene Bevölkerung von Monastir ist deshalb wieder in die Stabt zu­rückgekehrt. Für Ordnung in Monastir sorgt jetzt eine griechische Miliz. Die Ver­haftung verdächttger albanischer Stadtbewoh­ner durch die serbischen Behörden wird fort­gesetzt.

Belgrad, 2. Oktober-

Die Albanesen haben gestern bei Lopusch- fi-Han eine schwere Niederlage erlitten. Sie verfügten nur über geringe Streitkräfte. Die serbischen Truppen, die Verstärkungen er­halten haben, fetzen den Kampf im Laufe des heutigen Tages fort. Nach amtlichen Berich­ten haben die Albanesen auf ihrem ganzen Rückzüge furchtbare Grausamkeiten an der Bevölkerung begangen.

Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Berlin: In auswärtigen Blättern ist die Nachricht aufgetaucht, daß zwischen Oesterreich-Ungarn und Italien eine Abmachung dahin getroffen worden ist, daß die beiden Mächte für den Fall, daß Serbien seine Truppen in das autonome Albanien einrücken lasse, ihrerseits Truppen in Albanien landen würden. Diese Meldung wird in diplomatischen Kreisen Berlins bestritten. Erst recht gelte die Meldung für unzutreffend, baß bie beiben genannten Mächte gesonnen feien, eine solche gefährliche Aktion ins Werk zu set­zen, ohne sich vorher mit den übrigen Groß­mächten zu verständigen.

Die Greuel am Balkan.

Wien, 2. Oktober. (Privat-Tele­gramm.) Die aus dem Carnegiefonds aus­gerüstete Kommission zur Untersuchung der Greuel auf dem Balkan während des Krie­ges hat ihre Arbeiten gestern beendet und ist zurückgekehrt. Rach Mitteilungen von bulga-