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Caffeler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 253
Fernsprecher 951 und 952.
Donnerstag, 2. Oktober 1913
3. Jahrgang.
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über dem Waldauer Platz und schlugen hierauf, über die Abelmannsche Casseler Fliegerschule hinweg die Richtung auf Niederzwehren ein.
Ein Militärflieger in Caffel.
Auf dem Forst in Cassel landete gestern nachmittag vier Uhr der Militärflieger Leutnant Pfeiffer von der Fliegertruppe in Döberitz, der mit Leutnant Rothe vom Pionierbataillon Nr. 1 auf Rumplertaube nach Köln unterwegs war. Die Flieger nahmen die Zwischenlandung im tadellosen Gleitflug vor. Unterwegs halte das Flugzeug unter heftigen Böen zu leiden. Die Flieger nahmen hier neues Benzin und Oel ein. Heute morgen 9.30 Uhr liegen die Flieger zum Weiterflug nach Köln auf. Sie kreuzten über dem Gelände zwischen Bettenhausen und Crumbach, dann
noch der UnMpräfekt von Boulogne und der dortige Oberkommiffar ein, um den Flieger- oberleutnant Steffen zu verhören, und dessen Zweidecker einer fachmännischen Prüfung unterziehen zu lasten. Man versichert, daß im Besitz des Oberleutnants nichts irgendwie Verdächtiges gefunden wurde. Auch soll er die von einem fremdländischen Offizier zu verlangenden Answeispapiere besitzen. Ter Unter- präfekt legt Wert darauf, zu versichern, daß der deuffche Zweidecker nur die in der amtlichen Veröffentlichung freigegebenen Regionen im Osten und Süden Frankreichs überflogen habe. Tie Untersuchung ist noch nicht abgeschloffen. Oberleutnant Steffen wird beweisen wüsten, daß die Landung durch force6 majeure herbeigeführt wurde. Sollte der Oberleutnant ab- sichtlich in Frankreich gelandet sein (was al. lerdings ausgeschlossen ist), so würde er eine gerichtliche Verfolgung zu gewärtigen haben. Aus Boulognc-sur-Mer sind fünfzig Mann zum Schutze des Flugzeuges entsandt worden. Von den französischen Behörden wird dem deuffchcn Flieger großes Entgegenkommen bewiesen. Man ist überzeugt, daß die Angelegenheit rasch und ohne Schwierigkeit geregelt werden wird.
altserbisches Gebiet oder nach Saloniki zu flüchten. Die Monastirer Volksmiliz, die zur Aufrechterhaltung der Ordnung gebildet wurde, ist der Panik gegenüber machtlos. Es verlautet, daß soeben zwischen den ausgerückten Truppen der Monastirer Garnison und irregulären Albanern in der Umgebung der Stadt ein großes Gefecht stattfindet.
vermag; ste haben offenbart, daß in der tausendjährigen Stadt am Fuldastrand Energien schlummern, die nur geweckt zu werden brauchen, um tatwirksam und fruchtbringend zu werden. Während die Stadt in Flag- genschmuck und Girlandenzier prangte, weilte der neue Oberbürgermeister in Chassalas Mauern, um Zeuge der Feier zu sein, die den Uebergang ins neue Jahrtausend, den Eintritt in eine neue Epoche Casseler Stadtgeschichte, strahlend verflürte. Unfreudiger Pessimismus, von schwächlicher Sentimentalität angekränkelt, hat mit dem neu gewählt en Verwaltungschef der Residenz befremdliches Mitleid empfunden, weil Herr Koch sich am Vorabend seines Amtsantritts in einer Märchenstadt lohender Begeisterung bellen Jubels und herzinniger Seelen- Harmonie befunden, und nun vielleicht ein paar Wochen später diese selbe Chassala als die Stadt des Bürgerstreits, der Uneinigkeit und der Patteien-Gegensätze Wiedersehen werde. Uns dünkt: Man soll durch Blaumontag- Stimmuug die Freude an sonnigem Glück sich nicht trüben lassen: Herr Koch, der zum No- ventberbcginn die Leitung der Casseler Stadtverwaltung übernehmen wird, sah sich in den Iahrtausendfeier-Tagen inmitten einer Stadt, die zur idealen Harmonie aller in ihr lebenden und webenden Kräfte, zum trauten Gleichklang der in ihrem Bürgertum schwingenden Stimmungen u. Regungen erwacht war; er sah Cassel^, wie es im ureigensten Wesen seines bür- gersckastlichen Geistes ist: Froh und frei, tatstark und stammesftolz, und wenn (woran wir nicht zweifeln) der neue Oberbürgermeister diese im Festjubel hell und licht aus- sttahlende Wesensart dcs Casseler Bürgertums in ihren Reflexströmungen auf das kommunale und öffentliche Leben erkannt hat, darf er des Mtleids froh entraten: Es ist eine Stadt voll innrer Kraft und ein Bürgertum voll Energie und Arbeitsfreude, die seiner warten, und die Iahrtausendwende hat offenbart, daß nicht dumpfer Pessimismus, sondern sichre Zuversicht und tafftarker Fortschritt- Wille in Chassalas Mauern heimisch. Und diese Zuversicht und dieser Wille werden auch im neuen Jahrtausend Cassels Schicksal ge-
man werde die Knechtschaft los werden, aber zum Unter g eh en; Rußland werde anfttlle Frankreichs die Deutfchland beherrschende Macht werden, auf Kosten deutscher Kultur. Er kommt Wohl auch auf die Aeußerung eines Jenaer Bürgers: »Gut. die Franzosen sind fort, die Stuben gescheuert, nun mögen die Russen kommen, wenn sie wollen," in diesem Sinne zurück und äußert zu Luden (November 1813): »Wir haben uns seit langer Zeit gewöhnt, unseren Bück nur nach Westen zu richten und alle Gefährt von d'irt zu erwarten, aber die Erde dehnt sich auch weithin nach Osten aus." So sehr er die Großfürstin Maria P a u l o w n a verehtt und Gefallen hat an dem Verkehr mit seingebildeten Russen, der Ueberschwang in der Verherrlichung Rußlands und seiner Soldaten, das Prestige Alexanders in den politischen Entschließungen, waren ihm für die Zukunft besorgliche Erscheinungen. Ein anderes Problem beschäftigt ihn: Wie werden sich di« Deutschen nach^der Befreiung zu den Aufgaben stellen, die ihrer im eigne« Lande harren? »Sich voneinander abson- dern, ist ihre Eigenschaft, ich habe sie noch nie verbunden gesehen als im
Hatz gegen Napoleon.
Ich Will nur sehen, was sie anfangen weiden, wenn Napoleon über den Rhein gebannt ist," schreibt er an Knebel, und an Karl August: »Man kann varaussehen, daß Deutschland sobald nicht wieder eines bürgerlichen Friedens sich erfreuen wird!" Diese und ähnliche, des öfteren wiederkehrende Bemerkungen zeigen uns jedenfalls Goethe als einen klugen Beobachter, der Verhältnisse und Menschen richtig beurteilt. Schwer liegt ihm auch jetzt zunächst die Sorge um die Zukunft der deutschen Wissenschaft und Kunst am Herzen: »Da nun bei dem gegenwärtigen, wichtigen Kampfe ein großer Teil unserer hossnungsvollen deutschen Jugend aufgeopfert wird, haben Diejenigen, denen die Verhältnisse erlauben, in ihrer stillen Werkstatt zu verharren, eine doppelte Pflicht, das heilige Feuer der Wissenschaft und Kunst, und wäre es auch nur als Funken unter der Aschec, sorgfältig zu bewahren, damit nach vor- ühergegangenrr Kriegsnacht bei eintretenden Friedenstagen es an dem unenebehrlichen Prometheischen Feuer nicht fehle, dessen die nächste Generation bedürfen wird." Besonders nahe gelegt wird ihm dieser Gedanke durch die von den akademischen Kreisen Jenas aus angeregte Bildung einer »Freiwilligen Sckar des Herzogs van Weimar". Dieser Gedanke sand in dem jüngeren Geschlechte lebhafte« und freudigen Anklang, üt
Aber nicht nur in äußern Glanzrffekten hat die Tausendjahrfeier Cassels bewundernswerte Höhepunkte erreicht: Bedeutsamer, wertvoller und wichtiger fft die Tatsache, daß die Feftestage den Bürger sinn in seinen idealsten Regungen, seinen wunderbarsten Har- monie-Sttmmungen zum Leben riefen, daß dir Gemeinsamkeit bürgerlicher Interessen und bürgerlichen Strebens sich in stolzer Sicherheit offenbarte und angesichts des idealen Ziels alles in den Hintergrund trat, was an Kleinem und Kleinlichem sich noch kurz vorher geregt. Die Tausendjahrfeier war für Cassel nicht nur eine Probe großstädtischer Leistungsfähigkeit: Sie war auch ein Prüfstein bürgerlicher Einigkeit, eine Belastungsprobe der Selbstverleugnung, die das große Gemeinsamkeits- Interesse über die Sorge im engern Kreis stellt und im Wohl und Wehe der Vaterstadt die Konzentration auch des bürgerschaftlichen Schicksals sieht. Und diese Belastungsprobe stellt (mit berechtigtem Stolz darfs gesagt werden) der Casseler Einwohnerschaft ein glänzendes Zeugnis echten Bürgersinns und aufrichtiger Bürgertreue aus; sie hat bewiesen, was erstrebt werden kann, wenn Einmüttgkeit die Kräfte vertausendfacht, wenn gemeinsames Wollen und vereintes Handeln die Bürgerschaft zum Werke rufen und der Gedanke an das eine Ziel allen kleinlichen Hader scheucht. Diese Erkenntnis, die in der Stunde der Iahriausendwende offenbar geworden, berechtigt, wie der Sonnenglanz über der tausendjährigen Stadt, zu frohen Hoffnungen für die Zukunft, ermuntert ehrlichen Eifer zu tatkräftigem Streben und festigt die Ucbcrzeugung, daß in der Stärke bürgerschaftlichen Geistes die Kraft Chassalas wurzelt. Herr von Bethmann Hollweg hat in seinem Glückwunsch-Telegramm zur Iahrtausendseier den Wunsch ausgesprochen, das Fest möge unter den Auspizien des Königlichen Prinzen einen glänzenden Verlauf nehmen. Dieser Kanzler-Wunsch bat sich erfüllt, aber der Träger der grandiose» Feier war die Casseler Bürgerschaft, und wir möchten Herrn von Bethmann Hollwegs Wunsch nun, da das Fest verrauscht, dahin ergänzen: »Möge Cassels Zukunft unter de« Auspizien einmütig-starken Bürgersinns sich glücklich und groß gestalten!".
Rach der Feier ruft die Arbeit! Die drei Tage der Iahrtausendwende haben, jedem Auge erkennbar, den Beweis erbracht, was Cassels Kraft, geeint und geschloffen, zu leisten
Sie Räuber vom Polka».
Der albanische Krieg nur ein Raubzug?
Mit dem Krieg in den albanischen Grenzbezirken hat auch die Märchendichtung über Sieg und Heldentat wieder begonnen und Serben und Albanesen überbieten sich in der Ver- herrlichrmg ihrer kriegerischen Erfolge. Aus Durazzo wurde gestern (albanischerseits) gemeldet, daß eine Armee von 20 000 Albaniern und 4000 mazedonischen Bulgaren die serbischen Truppen aus Dibra verjagt und sie bis Gostivar getrieben habe. Dreihundert Serben seien gefangen genommen worden. Demgegenüber berichten jetzt amtliche serbische Depeschen:
Der Albauer-Auffland am. Ende?
(Privat.Telegramm.)
Belgrad, 1. Oktober.
Amtliche Berichte des Kriegsministeriums besagen, daß die Serben allenthalben die Oberhand gewonnen haben und daß der Aufstand der Albanier, die auf serbischem Gebiet wohnen, als vollständig gescheitert zu betrachten ist. Tie Albanesen, die die Grenze überschritten, waren mit der modernen Kriegführung genau verttaut und konnten leicht Heinere serbische Truppenabteilun- gen angreifen. Aber bald gaben sie sich der Plünderung hin. Deshalb marschierten sie auf die Orte zu, die als reich gelten und plünderten sie, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, ob die von der Plünderung Betroffenen Stammesgenoffen oder Serben waren. Sobald sie genügend erbeutet hatten, zogen sie wieder in ihre Heimat zurück, ohne sich weiter um den Kampf zu kümmern. Der offiziösen serbischen Darstellung steht allerdings eine Privat - Meldung aus Belgrad entgegen, in der es heißt: Die Ereignisse in dem neuserbischen Aufstandsgebiet, die entgegen den aus offizieller serbischer Quelle stammenden Berichten eine ungünstige Wendung nehmen und wenigstens in diesem Augenblick in Neuserbien eine kritische Situation geschaffen haben, haben hier eine sehr gedrückte Stimmung hervorgerufen. Diese Stimmung wird nicht zuletzt durch die Tatsache vertieft, daß sich die Mobilisation nur sehr schleppend vollzieht.
"Wehten wöchentlich sechsmal and zwar abend». Der betrügt rnonom* 50 Psg. bei freier Zustellung In» Hau», Bestellungen un^mebattton11 °Ber ben 8otra entgegengenommen. Druckerei, Verlag
»ü-»n^"^°"2^^hchthofstraße 28/39. Sprechstunden 6er Redaktion nur von 7 bi» 8 Uhr R>th?8»h^heet6mmr«en ^ffBuSkunft. Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von 6 bi» llftr abends. Berliner Vertretung; SW, Friedrichs«. 16, Telephon: Amt Moritzplatz 12584
Rach dem Feste.
Der Ansklang der Caffeler Jahrtausend- feier: Glücklicher Anfang, glückliches Ende!
Von sunkettrdem Sonnenglanz überstrahlt, von der Begeisterung Hunderttausender hei- mattreuer Herzen getragen, von blauem Himmel verklärt und von feierlicher Weihestimmung überhaucht: So ist Chassalas Jahrtausendfest zu Ende gegangen; ohne Mißton, ohne Störung, ohne schmerzliche Enttäuschung! Es hat gebracht, was es versprochen, hat verwirklicht, was ersehnt wurde und hat erfüllt, was zu erhoffen stand. Ein Rückblick auf die drei Tage, die die tausendjähr'ge Stadt im Hessenland vom alten ins neue Jahrhundert hinüberleiteten, erfreut das Auge, weckt ftohen Stolz it gerechte Befriedigung und stimmt dankbar gegenüber Denen, die weder Mühe noch Arbeit, weder Zeit noch Opfer gescheut, Cassels Ehrentag« glanzvoll und festlich zu gestalten. Wir sahen, wie in Chassalas Mauern sich «in um Hunderttausende verstärkter Menschenstrom drängte, erfreuten uns am Effekt und am Gelingen des festlichen Arrangements und dursten mit begeisteriem Stolz erkennen, daß Müh' und Arbeit auch bei Denen Anerkennung und gerechte Würdigung sanden, die als Hessens treue Söhne von fern her zum Fuldastrand geeilt, um am Jahrtausendtag der Heimatstadt den Stätten teurer Erinnerung nah' zu sein. Es waltete ein glücklicher Stern über diesen Tagen, «in freundliches Schicksal über- straAte die Schwelle zum zweiten Jahrtausend mit lichtem Sonnenglanz, und wenn wir diese märchenschöne Morgenstunde der Jahrtausend- Wend« als sonniges Wahrzeichen glücklicher Zukunft deuten dürfen, haben wir nicht Anlaß, uns zu sorgen. Die Tausendjahrfeier hat Caffel aus der Höhe großstädtischen Lebens, großstädtffchen Geistes und großstädtischer Leistungssähigkeit gesehen: Hoffen wir, daß die zu glanzvollem Effekt gediehene Pribe (unter fchwterigen Verhältnissen zustandege- kommen, von her Ungunst wirtschaftlicher Verhältnisse beengt) ein Ansporn sein wird. Cassels zukünftig« Entwicklung unter Einsetzung aller Kräste zu fördern und der Rest- denzstadt im Heffenland unter den deuffchen Großstädten diejenige Bedeutung zuzuweisen, die ihr gebührt.
Goethe im Befreiungsjahr. Der Dichter und der Völkerfrühling; Goeth« während des Herbst-Feldzuges 1813, von
Dr. Albert Dresdner.
Seit dem berühmten „Ja, schüttelt nur an Euren Ketten," seit den Apriltagcn achtzehnhundertdreizehn, war Goethe ein einsamer Zuschauer des Ringens um die deutsche Freiheit fletoefen, der, kritisch reflektierend, sich immer mehr in sich selbst zurückzog und über drohendem Unheil brütete. Der Zwei- undscchzigjährige konnte sich einem großen Aufschwung« nicht hingeben, seine geistige Schaffenskraft versagte, und seine Arbeiten in dieser Zeit sind hauptsächlich reproduktiver Art. Er bezeichnet als eine Eigentümlichkeit seiner Handlungsweise, daß, wenn in der politischen Welt irgend ein ungeheuer Bedrohliches hervorgetreten sei. er sich eigensinnig auf das Entfernteste geworfen habe. Am neun« zehnten August kam Goethe nach Weimar, begab sich dann nach Ilmenau, und erst im Anfang des Septembers tritt er wieder in den Kreis seiner Häuslichkeit. Zunächst beschäftigt ibn ine Ordnung seiner mineralogischen Sammlungen; er flüchtet „aus der Zeit in die Urwelt, wo zwar die Elemente, aber noch nicht die Menschen miteinander kämpfen." »Also muß man (schreibt er dem Freunde Trebra) des Krieges Bitterkeit vertreiben." Dann folgt weiteres Fernliegendes. Fast Tag für Tag bis zur Schlacht von Leipzig verzcichnet er int Tagebuch „Sinica". Um „sich zu zerstreuen, habe er China und was dazu gehört, fleißig durchstudiert, welches wichtige Land er gleichsam aufgehoben habe, um sich im Falle der Not, wie's auch setzt geschehen, dahin zu flüchten." Dann wieder rangiert er seine Kupferstiche nach dcu Schulen, das sei »Opium für die jetzige Zeit". Solche Welisluchi in Vielbeschästigung ist ein Gradmesser für hie leidvolle Unruhe in ihm. Nun war die große
Entscheidung auf dem Schlachtfeld
'bei Leipzig gefallen. Goethe äußert sich übet den Eindruck, den dies Ereignis auf ihn gemacht hat, nicht. Humboldt, der wenige Tage danach im Goethehause als Gast weilte, meint in einem Briefe an seine Frau, die Befreiung Deutschlands, an die er (Goethe) zwar ernstlich glaube, habe bei ihm noch keine tiefen Wurzeln geschlagen. Die Kosaken hätten ihm alle Freude an dem Spaß genommen. Goethe fürchtete, das Heilmittel fei übler als die Krankheit,
Panik in Monastir!
Saloniki, 1. Oktober. (Privat - Telegramm.) Die Lage in Monastir ist sehr kritisch. Die in Aufregung versetzte Bevölkerung verläßt fluchtartig die Stadt, um auf
Jelltsche Flieger-Abenteuer.
Die Festnahme Steffens in Frankreich.
Der bei Neuchatel in der Nähe von Bou- logne-sur-Mer gelandete deutsche Militärflieger, über dessen Notlandung wir gestern bereits berichteten, ist tatsächlich der Fliegeroffizier Oberleutnant Steffen von der Fliegertruppe in Döberitz. Der Flieger ist von den französischen Behörden festgehalten worden und es scheint, als dürfe man den französischen Angaben Glauben schenken, wonach von einer Verhaftung keine Rede sein könne. Seit der Unterzeichnung des deutsch-französischen Grenzabkommens ist es der erste Fall einer Landung eines deutschen Flugzeugs auf Frarckreichs Boden. Wir erhalten über den Zwischenfall nachstehende Drahtmeldungen:
Steffens Landung in Frankreich.
(Privat-Telegramme.)
Daris, 1. Oktober.
In der Umgebung der Festung zweiten Ranges Boulogne-sur-Mer im Departement Pas- de-Calais gab es gestern grobe Aufregung- als bekannt wurde, daß in der Nähe der im Schutze der FesMng befindlichen Gemeinde Neuchatel ein deutscher Offiziersflieger gelandet sei. Diese Kunde fand bald ihre Bestätigung, da der deutsche Offizier mit militärischer Offenherzigkeit so. fort eingehende Mitteilungen über seine Nationalität und seine Personalien machte. Der Kommandeur des ftanzösischen Fliegerkorps, General DuplesfiS, begab sich sofort zur Landungsstelle und unterzog den deuffchen Kameraden einem Verhör. Der Offizier gab an, daß er Hans Steffen heiße, Oberleutnant im 35. Infanterie-Regimem und nach Döberitz kommandiert fei Er beabsichtigte, den Rekord Guillanx' zu schlagen, hatte jedoch mit widrigem Winde zu kämpfen und wurde nach Norden abgetrieben. Zunächst landete er bei Köln und, nachdem er wieder aufgestiegen war, bei Brüssel. Von dort telegraphierte er an den deutschen Botschafter nach London, daß er nach D o - 0er fliegen wolle. Kurz vor Boulogne-sur-Mer verlor er dann die Richtung und landete gegen halb sechs Uhr bei Neuchatel. Als er einen Landmann auf dem Felde nach dem Wege be- ftagte, erkundigte sich ein anwesender Lehrer nach feiner Nationalität. Der Flieger antwortete,
er sei ein Dentscher, worauf der Lehrer und ein Fechhüter ihn nicht aufsteigen ließen und fosort die Be-