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Casseler Neueste MWtm

Caffeler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 253

Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, 2. Oktober 1913

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

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F. H.

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JnserttonSpr-if-: Die fecfjägefpaltene gelte für einheimische DeschLste 15 Psg., für nur. warttge Inserate 25 Pf, Rekiamezeile für einheimische Äeschüfte « Pf, für auswärtige Geschäfte W Pf Einfache Beilagen für die iSesamtauflage werden mit 5 Marl pro Laasens be­rechnet. Wegen ihrer dichten Berbreitang in der Residenz und der Umgebung sind die Sasseier Neuesten Nachrichten ein vorzügliche« JnserttonSorgan. Gefchüftsitellei Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW., Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Moritzplay 12584.

über dem Waldauer Platz und schlugen hierauf, über die Abelmannsche Casseler Fliegerschule hinweg die Richtung auf Niederzwehren ein.

Ein Militärflieger in Caffel.

Auf dem Forst in Cassel landete gestern nachmittag vier Uhr der Militärflieger Leutnant Pfeiffer von der Fliegertruppe in Döberitz, der mit Leutnant Rothe vom Pionierbatail­lon Nr. 1 auf Rumplertaube nach Köln unter­wegs war. Die Flieger nahmen die Zwischen­landung im tadellosen Gleitflug vor. Unter­wegs halte das Flugzeug unter heftigen Böen zu leiden. Die Flieger nahmen hier neues Benzin und Oel ein. Heute morgen 9.30 Uhr liegen die Flieger zum Weiterflug nach Köln auf. Sie kreuzten über dem Gelände zwischen Bettenhausen und Crumbach, dann

noch der UnMpräfekt von Boulogne und der dortige Oberkommiffar ein, um den Flieger- oberleutnant Steffen zu verhören, und dessen Zweidecker einer fachmännischen Prüfung un­terziehen zu lasten. Man versichert, daß im Be­sitz des Oberleutnants nichts irgendwie Ver­dächtiges gefunden wurde. Auch soll er die von einem fremdländischen Offizier zu verlangenden Answeispapiere besitzen. Ter Unter- präfekt legt Wert darauf, zu versichern, daß der deuffche Zweidecker nur die in der amtlichen Veröffentlichung freigegebenen Regionen im Osten und Süden Frankreichs überflogen habe. Tie Untersuchung ist noch nicht abgeschloffen. Oberleutnant Steffen wird beweisen wüsten, daß die Landung durch force6 majeure herbei­geführt wurde. Sollte der Oberleutnant ab- sichtlich in Frankreich gelandet sein (was al. lerdings ausgeschlossen ist), so würde er eine ge­richtliche Verfolgung zu gewärtigen haben. Aus Boulognc-sur-Mer sind fünfzig Mann zum Schutze des Flugzeuges entsandt worden. Von den französischen Behörden wird dem deuffchcn Flieger großes Entgegenkommen bewiesen. Man ist überzeugt, daß die Angelegenheit rasch und ohne Schwierigkeit geregelt werden wird.

altserbisches Gebiet oder nach Saloniki zu flüch­ten. Die Monastirer Volksmiliz, die zur Auf­rechterhaltung der Ordnung gebildet wurde, ist der Panik gegenüber machtlos. Es verlautet, daß soeben zwischen den ausgerückten Truppen der Monastirer Garnison und irregulären Al­banern in der Umgebung der Stadt ein gro­ßes Gefecht stattfindet.

vermag; ste haben offenbart, daß in der tau­sendjährigen Stadt am Fuldastrand Ener­gien schlummern, die nur geweckt zu wer­den brauchen, um tatwirksam und fruchtbrin­gend zu werden. Während die Stadt in Flag- genschmuck und Girlandenzier prangte, weilte der neue Oberbürgermeister in Chassalas Mauern, um Zeuge der Feier zu sein, die den Uebergang ins neue Jahrtausend, den Eintritt in eine neue Epoche Casseler Stadtgeschichte, strahlend verflürte. Unfreudiger Pessimismus, von schwächlicher Sentimentalität angekränkelt, hat mit dem neu gewählt en Verwaltungschef der Residenz befremdliches Mitleid empfunden, weil Herr Koch sich am Vorabend seines Amts­antritts in einer Märchenstadt lohender Be­geisterung bellen Jubels und herzinniger Seelen- Harmonie befunden, und nun vielleicht ein paar Wochen später diese selbe Chassala als die Stadt des Bürgerstreits, der Uneinigkeit und der Patteien-Gegensätze Wiedersehen werde. Uns dünkt: Man soll durch Blaumontag- Stimmuug die Freude an sonnigem Glück sich nicht trüben lassen: Herr Koch, der zum No- ventberbcginn die Leitung der Casseler Stadt­verwaltung übernehmen wird, sah sich in den Iahrtausendfeier-Tagen inmitten einer Stadt, die zur idealen Harmonie aller in ihr lebenden und webenden Kräfte, zum trauten Gleichklang der in ihrem Bürgertum schwingenden Stim­mungen u. Regungen erwacht war; er sah Cassel^, wie es im ureigensten Wesen seines bür- gersckastlichen Geistes ist: Froh und frei, tatstark und stammesftolz, und wenn (woran wir nicht zweifeln) der neue Oberbür­germeister diese im Festjubel hell und licht aus- sttahlende Wesensart dcs Casseler Bürgertums in ihren Reflexströmungen auf das kommunale und öffentliche Leben erkannt hat, darf er des Mtleids froh entraten: Es ist eine Stadt voll innrer Kraft und ein Bürgertum voll Energie und Arbeitsfreude, die seiner warten, und die Iahrtausendwende hat offenbart, daß nicht dumpfer Pessimismus, sondern sichre Zuversicht und tafftarker Fortschritt- Wille in Chassalas Mauern heimisch. Und diese Zuversicht und dieser Wille werden auch im neuen Jahrtausend Cassels Schicksal ge-

man werde die Knechtschaft los werden, aber zum Unter g eh en; Rußland werde anfttlle Frankreichs die Deutfchland beherrschende Macht werden, auf Kosten deutscher Kultur. Er kommt Wohl auch auf die Aeußerung eines Jenaer Bürgers: »Gut. die Franzosen sind fort, die Stuben gescheuert, nun mögen die Russen kommen, wenn sie wollen," in diesem Sinne zurück und äußert zu Luden (November 1813): »Wir haben uns seit langer Zeit gewöhnt, un­seren Bück nur nach Westen zu richten und alle Gefährt von d'irt zu erwarten, aber die Erde dehnt sich auch weithin nach Osten aus." So sehr er die Großfürstin Maria P a u l o w n a verehtt und Gefallen hat an dem Verkehr mit seingebildeten Russen, der Ueberschwang in der Verherrlichung Rußlands und seiner Soldaten, das Prestige Alexanders in den politischen Entschließungen, waren ihm für die Zukunft besorgliche Erscheinungen. Ein anderes Pro­blem beschäftigt ihn: Wie werden sich di« Deutschen nach^der Befreiung zu den Aufgaben stellen, die ihrer im eigne« Lande harren? »Sich voneinander abson- dern, ist ihre Eigenschaft, ich habe sie noch nie verbunden gesehen als im

Hatz gegen Napoleon.

Ich Will nur sehen, was sie anfangen weiden, wenn Napoleon über den Rhein gebannt ist," schreibt er an Knebel, und an Karl August: »Man kann varaussehen, daß Deutschland so­bald nicht wieder eines bürgerlichen Friedens sich erfreuen wird!" Diese und ähnliche, des öfteren wiederkehrende Bemerkungen zeigen uns jedenfalls Goethe als einen klugen Be­obachter, der Verhältnisse und Menschen richtig beurteilt. Schwer liegt ihm auch jetzt zunächst die Sorge um die Zukunft der deutschen Wis­senschaft und Kunst am Herzen: »Da nun bei dem gegenwärtigen, wichtigen Kampfe ein großer Teil unserer hossnungsvollen deutschen Jugend aufgeopfert wird, haben Diejenigen, denen die Verhältnisse erlauben, in ihrer stillen Werkstatt zu verharren, eine doppelte Pflicht, das heilige Feuer der Wissenschaft und Kunst, und wäre es auch nur als Funken unter der Aschec, sorgfältig zu bewahren, damit nach vor- ühergegangenrr Kriegsnacht bei eintretenden Friedenstagen es an dem unenebehrlichen Prometheischen Feuer nicht fehle, dessen die nächste Generation bedürfen wird." Besonders nahe gelegt wird ihm dieser Gedanke durch die von den akademischen Kreisen Jenas aus an­geregte Bildung einer »Freiwilligen Sckar des Herzogs van Weimar". Dieser Gedanke sand in dem jüngeren Ge­schlechte lebhafte« und freudigen Anklang, üt

Aber nicht nur in äußern Glanzrffekten hat die Tausendjahrfeier Cassels bewunderns­werte Höhepunkte erreicht: Bedeutsamer, wert­voller und wichtiger fft die Tatsache, daß die Feftestage den Bürger sinn in seinen ideal­sten Regungen, seinen wunderbarsten Har- monie-Sttmmungen zum Leben riefen, daß dir Gemeinsamkeit bürgerlicher Interessen und bürgerlichen Strebens sich in stolzer Sicherheit offenbarte und angesichts des idealen Ziels alles in den Hintergrund trat, was an Kleinem und Kleinlichem sich noch kurz vorher geregt. Die Tausendjahrfeier war für Cassel nicht nur eine Probe großstädtischer Leistungsfähigkeit: Sie war auch ein Prüfstein bürgerlicher Einigkeit, eine Belastungsprobe der Selbst­verleugnung, die das große Gemeinsamkeits- Interesse über die Sorge im engern Kreis stellt und im Wohl und Wehe der Vaterstadt die Konzentration auch des bürgerschaftlichen Schicksals sieht. Und diese Belastungsprobe stellt (mit berechtigtem Stolz darfs gesagt werden) der Casseler Einwohnerschaft ein glänzendes Zeugnis echten Bürgersinns und aufrichtiger Bürgertreue aus; sie hat bewiesen, was erstrebt werden kann, wenn Einmüttgkeit die Kräfte vertausendfacht, wenn gemeinsames Wollen und vereintes Handeln die Bürgerschaft zum Werke rufen und der Gedanke an das eine Ziel allen kleinlichen Hader scheucht. Diese Erkenntnis, die in der Stunde der Iahr­iausendwende offenbar geworden, berechtigt, wie der Sonnenglanz über der tausendjähri­gen Stadt, zu frohen Hoffnungen für die Zu­kunft, ermuntert ehrlichen Eifer zu tatkräftigem Streben und festigt die Ucbcrzeugung, daß in der Stärke bürgerschaftlichen Geistes die Kraft Chassalas wurzelt. Herr von Bethmann Holl­weg hat in seinem Glückwunsch-Telegramm zur Iahrtausendseier den Wunsch ausge­sprochen, das Fest möge unter den Auspizien des Königlichen Prinzen einen glänzenden Verlauf nehmen. Dieser Kanzler-Wunsch bat sich erfüllt, aber der Träger der grandiose» Feier war die Casseler Bürgerschaft, und wir möchten Herrn von Bethmann Hollwegs Wunsch nun, da das Fest verrauscht, dahin er­gänzen: »Möge Cassels Zukunft unter de« Auspizien einmütig-starken Bürgersinns sich glücklich und groß gestalten!".

Rach der Feier ruft die Arbeit! Die drei Tage der Iahrtausendwende haben, jedem Auge erkennbar, den Beweis erbracht, was Cassels Kraft, geeint und geschloffen, zu leisten

Sie Räuber vom Polka».

Der albanische Krieg nur ein Raubzug?

Mit dem Krieg in den albanischen Grenzbe­zirken hat auch die Märchendichtung über Sieg und Heldentat wieder begonnen und Ser­ben und Albanesen überbieten sich in der Ver- herrlichrmg ihrer kriegerischen Erfolge. Aus Durazzo wurde gestern (albanischerseits) ge­meldet, daß eine Armee von 20 000 Albaniern und 4000 mazedonischen Bulgaren die serbischen Truppen aus Dibra verjagt und sie bis Gostivar getrieben habe. Dreihundert Serben seien gefangen genommen worden. Demgegen­über berichten jetzt amtliche serbische Depeschen:

Der Albauer-Auffland am. Ende?

(Privat.Telegramm.)

Belgrad, 1. Oktober.

Amtliche Berichte des Kriegsministeriums besagen, daß die Serben allenthalben die Oberhand gewonnen haben und daß der Auf­stand der Albanier, die auf serbischem Gebiet wohnen, als vollständig gescheitert zu betrachten ist. Tie Albanesen, die die Grenze überschritten, waren mit der moder­nen Kriegführung genau verttaut und konn­ten leicht Heinere serbische Truppenabteilun- gen angreifen. Aber bald gaben sie sich der Plünderung hin. Deshalb marschierten sie auf die Orte zu, die als reich gelten und plünderten sie, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, ob die von der Plünderung Be­troffenen Stammesgenoffen oder Serben wa­ren. Sobald sie genügend erbeutet hatten, zogen sie wieder in ihre Heimat zurück, ohne sich weiter um den Kampf zu kümmern. Der offiziösen serbischen Darstellung steht al­lerdings eine Privat - Meldung aus Belgrad entgegen, in der es heißt: Die Ereig­nisse in dem neuserbischen Aufstandsgebiet, die entgegen den aus offizieller serbischer Quelle stammenden Berichten eine ungünstige Wendung nehmen und wenigstens in diesem Augenblick in Neuserbien eine kritische Si­tuation geschaffen haben, haben hier eine sehr gedrückte Stimmung hervorgerufen. Diese Stimmung wird nicht zuletzt durch die Tatsache vertieft, daß sich die Mobilisa­tion nur sehr schleppend vollzieht.

"Wehten wöchentlich sechsmal and zwar abend». Der betrügt rnonom* 50 Psg. bei freier Zustellung In» Hau», Bestellungen un^mebattton11 °Ber ben 8otra entgegengenommen. Druckerei, Verlag

»ü-»n^"^°"2^^hchthofstraße 28/39. Sprechstunden 6er Redaktion nur von 7 bi» 8 Uhr R>th?8»h^heet6mmr«en ^ffBuSkunft. Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von 6 bi» llftr abends. Berliner Vertretung; SW, Friedrichs«. 16, Telephon: Amt Moritzplatz 12584

Rach dem Feste.

Der Ansklang der Caffeler Jahrtausend- feier: Glücklicher Anfang, glückliches Ende!

Von sunkettrdem Sonnenglanz überstrahlt, von der Begeisterung Hunderttausender hei- mattreuer Herzen getragen, von blauem Him­mel verklärt und von feierlicher Weihestimmung überhaucht: So ist Chassalas Jahrtau­sendfest zu Ende gegangen; ohne Mißton, ohne Störung, ohne schmerzliche Enttäuschung! Es hat gebracht, was es versprochen, hat ver­wirklicht, was ersehnt wurde und hat erfüllt, was zu erhoffen stand. Ein Rückblick auf die drei Tage, die die tausendjähr'ge Stadt im Hes­senland vom alten ins neue Jahrhundert hinü­berleiteten, erfreut das Auge, weckt ftohen Stolz it gerechte Befriedigung und stimmt dankbar ge­genüber Denen, die weder Mühe noch Arbeit, weder Zeit noch Opfer gescheut, Cassels Ehren­tag« glanzvoll und festlich zu gestalten. Wir sahen, wie in Chassalas Mauern sich «in um Hunderttausende verstärkter Menschenstrom drängte, erfreuten uns am Effekt und am Ge­lingen des festlichen Arrangements und dursten mit begeisteriem Stolz erkennen, daß Müh' und Arbeit auch bei Denen Anerkennung und gerechte Würdigung sanden, die als Hessens treue Söhne von fern her zum Fuldastrand ge­eilt, um am Jahrtausendtag der Heimat­stadt den Stätten teurer Erinnerung nah' zu sein. Es waltete ein glücklicher Stern über diesen Tagen, «in freundliches Schicksal über- straAte die Schwelle zum zweiten Jahrtausend mit lichtem Sonnenglanz, und wenn wir diese märchenschöne Morgenstunde der Jahrtausend- Wend« als sonniges Wahrzeichen glücklicher Zukunft deuten dürfen, haben wir nicht Anlaß, uns zu sorgen. Die Tausendjahrfeier hat Caffel aus der Höhe großstädtischen Lebens, großstädtffchen Geistes und großstädtischer Leistungssähigkeit gesehen: Hoffen wir, daß die zu glanzvollem Effekt gediehene Pribe (unter fchwterigen Verhältnissen zustandege- kommen, von her Ungunst wirtschaftlicher Ver­hältnisse beengt) ein Ansporn sein wird. Cassels zukünftig« Entwicklung unter Ein­setzung aller Kräste zu fördern und der Rest- denzstadt im Heffenland unter den deuffchen Großstädten diejenige Bedeutung zuzuweisen, die ihr gebührt.

Goethe im Befreiungsjahr. Der Dichter und der Völkerfrühling; Goeth« während des Herbst-Feldzuges 1813, von

Dr. Albert Dresdner.

Seit dem berühmtenJa, schüttelt nur an Euren Ketten," seit den Apriltagcn achtzehn­hundertdreizehn, war Goethe ein einsamer Zuschauer des Ringens um die deutsche Frei­heit fletoefen, der, kritisch reflektierend, sich immer mehr in sich selbst zurückzog und über drohendem Unheil brütete. Der Zwei- undscchzigjährige konnte sich einem großen Aufschwung« nicht hingeben, seine geistige Schaffenskraft versagte, und seine Arbeiten in dieser Zeit sind hauptsächlich reproduktiver Art. Er bezeichnet als eine Eigentümlichkeit seiner Handlungsweise, daß, wenn in der po­litischen Welt irgend ein ungeheuer Bedroh­liches hervorgetreten sei. er sich eigensinnig auf das Entfernteste geworfen habe. Am neun« zehnten August kam Goethe nach Weimar, be­gab sich dann nach Ilmenau, und erst im An­fang des Septembers tritt er wieder in den Kreis seiner Häuslichkeit. Zunächst beschäftigt ibn ine Ordnung seiner mineralogischen Sammlungen; er flüchtetaus der Zeit in die Urwelt, wo zwar die Elemente, aber noch nicht die Menschen miteinander kämpfen." »Also muß man (schreibt er dem Freunde Trebra) des Krieges Bitterkeit vertreiben." Dann folgt weiteres Fernliegendes. Fast Tag für Tag bis zur Schlacht von Leipzig verzcichnet er int TagebuchSinica". Umsich zu zer­streuen, habe er China und was dazu gehört, fleißig durchstudiert, welches wichtige Land er gleichsam aufgehoben habe, um sich im Falle der Not, wie's auch setzt geschehen, dahin zu flüchten." Dann wieder rangiert er seine Kupferstiche nach dcu Schulen, das sei »Opium für die jetzige Zeit". Solche Welisluchi in Vielbeschästigung ist ein Gradmesser für hie leidvolle Unruhe in ihm. Nun war die große

Entscheidung auf dem Schlachtfeld

'bei Leipzig gefallen. Goethe äußert sich übet den Eindruck, den dies Ereignis auf ihn ge­macht hat, nicht. Humboldt, der wenige Tage danach im Goethehause als Gast weilte, meint in einem Briefe an seine Frau, die Be­freiung Deutschlands, an die er (Goethe) zwar ernstlich glaube, habe bei ihm noch keine tiefen Wurzeln geschlagen. Die Kosa­ken hätten ihm alle Freude an dem Spaß genommen. Goethe fürchtete, das Heilmittel fei übler als die Krankheit,

Panik in Monastir!

Saloniki, 1. Oktober. (Privat - Tele­gramm.) Die Lage in Monastir ist sehr kritisch. Die in Aufregung versetzte Bevöl­kerung verläßt fluchtartig die Stadt, um auf

Jelltsche Flieger-Abenteuer.

Die Festnahme Steffens in Frankreich.

Der bei Neuchatel in der Nähe von Bou- logne-sur-Mer gelandete deutsche Mili­tärflieger, über dessen Notlandung wir gestern bereits berichteten, ist tatsächlich der Fliegerof­fizier Oberleutnant Steffen von der Flieger­truppe in Döberitz. Der Flieger ist von den französischen Behörden festgehalten worden und es scheint, als dürfe man den französischen An­gaben Glauben schenken, wonach von einer Verhaftung keine Rede sein könne. Seit der Unterzeichnung des deutsch-französischen Grenzabkommens ist es der erste Fall einer Landung eines deutschen Flugzeugs auf Frarckreichs Boden. Wir erhalten über den Zwischenfall nachstehende Drahtmeldungen:

Steffens Landung in Frankreich.

(Privat-Telegramme.)

Daris, 1. Oktober.

In der Umgebung der Festung zweiten Ran­ges Boulogne-sur-Mer im Departement Pas- de-Calais gab es gestern grobe Aufregung- als bekannt wurde, daß in der Nähe der im Schutze der FesMng befindlichen Gemeinde Neuchatel ein deutscher Offiziersflieger gelandet sei. Diese Kunde fand bald ihre Bestätigung, da der deut­sche Offizier mit militärischer Offenherzigkeit so. fort eingehende Mitteilungen über seine Natio­nalität und seine Personalien machte. Der Kom­mandeur des ftanzösischen Fliegerkorps, Gene­ral DuplesfiS, begab sich sofort zur Lan­dungsstelle und unterzog den deuffchen Kame­raden einem Verhör. Der Offizier gab an, daß er Hans Steffen heiße, Oberleutnant im 35. Infanterie-Regimem und nach Döberitz kom­mandiert fei Er beabsichtigte, den Rekord Guillanx' zu schlagen, hatte jedoch mit widrigem Winde zu kämpfen und wurde nach Norden ab­getrieben. Zunächst landete er bei Köln und, nachdem er wieder aufgestiegen war, bei Brüs­sel. Von dort telegraphierte er an den deut­schen Botschafter nach London, daß er nach D o - 0er fliegen wolle. Kurz vor Boulogne-sur-Mer verlor er dann die Richtung und landete gegen halb sechs Uhr bei Neuchatel. Als er einen Landmann auf dem Felde nach dem Wege be- ftagte, erkundigte sich ein anwesender Lehrer nach feiner Nationalität. Der Flieger antwortete,

er sei ein Dentscher, worauf der Lehrer und ein Fechhüter ihn nicht aufsteigen ließen und fosort die Be-